28 November 2011

Wollen wir den Matriarchatsbegriff?

Lebendiges Matriarchat Teil II
Wollen wir den Matriarchatsbegriff?

Immer wieder begegnet mir die Diskussion um das Wort Matriarchat. Der bekannte Disput, ob es als Frauenherrschaft angesehen wird, ob es überhaupt je ein Matriarchat gab oder gar die Gesellschaft der Zukunft ist? Was genau soll die Bezeichnung "Matriarchat" denn etikettieren?
 

Ich sehe die Benennung als Matriarchat zwar auch differenziert, doch ich lehne sie nicht gänzlich ab. Das Wort Matriarchat steht ja nicht nur für eine (angeblich vergangene) Form der menschlichen Welt(gesellschaft), sondern auch, wie beim Patriarchat, für die gesamte Lebenshaltung früher und heutiger Menschen oder wie Christa Mulack schreibt, für eine andere Lebensorientierung.
 

"Die Stärke des weiblichen Geschlechts besteht nicht nur darin, dass es insgesamt besser für das Leben ausgestattet ist, sondern dass mit dieser besseren biologischen Ausstattung eine andere Lebensorientierung verbunden ist." (Natürlich weiblich von Christa Mulack, Seite 111)
 

Diese weibliche Lebenshaltung, die aus der biologischen Präferenz erwächst, als die tragende Basis der Menschengemeinschaft wieder zu etablieren, würde vielleicht automatisch die Natürliche Ordnung der Mutter nach sich ziehen oder wie wir auch sagen könnten, das Matriarchat wiederbeleben.
 

Noch steht das Matriarchat unter dem Generalverdacht uns in ungewisse Rückständigkeit zu führen, dabei wäre doch die Wiederentdeckung der Mutter endlich mal ein echter Fortschritt.  Mutter und Matri steht für den mütterlichen Beginn allen Seins und Ma ist die Ursilbe, das -wort der Menschen - jedes Baby kann mamamama, ohne dass es ihm antrainiert wird.
 

Der Begriff Matriarchat bezeichnet auch die einst geistige Heimat der Frauen, aus der sie vertrieben wurden. Und diese Vertreibung findet immer noch und dermaßen gründlich statt, dass (in der westlich geprägten Welt) kaum noch Überlieferungen und keine kollektiven Erinnerungen an eine Zeit besteht, in der die Mutter, der natürliche Mittelpunkt einer jeden Gemeinschaft war - sowohl die reale Mutter eines jeden Kindes, als auch die metaphysische Mutter des geistig gereiften Matriarchat. Die Gemeinschaftsform, die wir als Matriarchat bezeichnen, steht für die Natürliche Mütterliche Ordnung, in deren konkreten Vollzug unter naturbezogenen Bedingungen, Kinder Zeit ihres Lebens wussten, zu wem sie gehörten und sich niemand von der Mutter trennen musste, weder physisch, noch psychisch, noch emotional.
 

Matriarchat – das ist die untrennbare Verknüpfung von selbstverständlicher Matrilinearität, unbedingter Matrifokalität und natürlicher, matrivivialer Existenz

Es ist Hinwendung zu „Alle für Eine(n)“ und Eine(r) innerhalb der (unmittelbaren) Gemeinschaft für die Gemeinschaft und zwar in Reichweite. Aber immer ist neben der angehörigen, die mittelbare (erweiterte sozial - gesellschaftliche) Gemeinschaft erst einmal und zwar über einen längeren Zeitraum, für jedes neu hinzu gekommene Mitglied zuständig.
 

Matriarchat ist für mich die Ur - Organisation der beginnenden Menschheit. Von der Mutter mit dem Kind ausgehend, gruppiert sich eine angehörende, geschwisterliche und überschaubare Menschengemeinschaft um diese zu schützende Einheit, die wiederum die Grundlage der Gruppierung ist und den Fortbestand garantiert. Von diesem inneren Kern aus setzt sich die Zugehörigkeit der anwachsenden geschwisterlichen Gruppen im landschaftlichen, sowie im zeitlichen Raum fort. Die Gemeinschaften blieben über einen sehr langen Zeitraum gut überschaubar. Die Mobilität beschränkte sich auf die eigenen Füße und das was selbst getragen werden konnte. Nur Nahrungsmangel dürfte die Menschen aus ihren eingerichteten Schutzsphären vertrieben haben, was heute noch in der, für die meisten spürbaren, Landschaftsbezogenheit zu erkennen ist .
 

Das psychische (mental und seelische) Matriarchat, beruht aller Wahrscheinlichkeit nach auf einer konkret gelebten inneren und äußeren langen Beständigkeit des Gruppenlebens.
 

Was am Matriarchat(sbegriff) gut ist...  
  • das Wort ist relativ kurz
  • da wir bereits (semantisch) an Patriarchat gewöhnt sind, ist Matriarchat in vielen Zusammenhängen eine sprachliche Selbstverständlichkeit geworden
  • der Begriff ist bereits eingeführt (wenn auch teilweise noch mit falschen Vorstellungen behaftet)
  • Ma... ist die Idee und Umsetzung einer egalitären Gemeinschaft und richtet also den gleichberechtigten Blick auf beide Geschlechter
  • er bezeichnet u.a. den Zeitraum vor dem Patriarchat (das aus mehren gesellschaftlichen Ordnungen besteht wie Sklavenhalterzeit, Feudalismus, Kapitalismus, alles Ordnungen deren besonderes Merkmal die Machtausübung weniger Herrschenden über die Gesellschaft ist)
  • Ma... wird zwar als Gesellschaft (organisiert zusammenlebende größere Gruppe von Menschen) angesehen, ist aber (noch) keine klassifizierte Gesellschaftsordnung
  • Ma... ist der Gegensatz zu Patriarchat. Matriarchales Leben findet in natürlichen Zusammenhängen statt! Das bedeutet auch, jede verhinderte weibliche Einflussnahme auf das Gemeinschaftsleben, also der Ausschluss der Frau aus den Gesellschaftsregelungen, ist bereits Patriarchat 
  • Ma... rückt wieder ins Bewusstsei, dass matriarchal lebende Menschen in natürlich strukturierten, menschlichen Gemeinschaften vor allem die Schutzsphäre für den Nachwuchs bilden... das gute Leben der Erwachsenen ist ein Nebeneffekt der Versorgung des Nachwuchses...



4 Kommentare:

Grey Owl Calluna hat gesagt…

Wie wir's nun nennen, finde ich nicht das Wichtigste.
Die Werte matriarchaler Gesellschaften sind zu vermitteln, und das, allen Menschen, damit sie erkennen,verstehen, und auch umgesetzt werden.
Liebe Grüße
Rosi

Stephanie hat gesagt…

Danke, liebe Grey Owl, du sprichst mir aus dem Herzen...

birgit hat gesagt…

aber das kind braucht einen namen wenn ich anderen davon erzählen will *quengel*
heute kam der gerhard bott - ne menge buchstaben fürs geld
gebracht vom hermesboten *giggle*

Stephanie hat gesagt…

...ach ja Herr Bott, irgendwann kann ich mir den auch mal leisten...

das Kind braucht einen Namen ... richtig ... aber es hat doch schon den Namen, der dem Kind nur nicht wirklich zugetraut wird...