02 April 2010

Sprachzeit 02042010


Bevor der Mensch schreiben konnte und unsere Sprache bis zum heutigen Tage durch unsinnige, äh ich meine unzählige Rechtschreibreformen in ein durch und durch künst-lerisch-liches und intelekt-strukturelles Regelwerk verwandelt wurde, haben wir miteinander einfach geredet. Uns ausgetauscht, den Fluss der lebendigen Verbundenheitsenergie fließen und uns tragen lassen.

Gerade in Büchern wird die Sprache zur höchsten Vollendung geführt, denn wie sollten die kleinen schwarzen Insekten, die über die weißen Buchseiten krabbeln, sonst Gefühle wie Geborgenheit, Wärme, Vertrautheit oder ein „sich-angenommen-wissen“ hervorrufen? Wie, wenn nicht durch kunstvolle und eindringliche Darstellungen, werden die Assoziationen in Gang gesetzt, die Gefühle sprießen lassen, die sonst in unserem verstopften Alltag kaum eine Chance haben. Wir müssen be- und umschreiben, was durch nicht vorhandene Nähe nicht fühlbar, vielleicht nur noch als Sehnsucht vorhanden ist. Nichts desto trotz, für viele glückliche Leser sind Bücher, farbig gestaltet und mit auf- oder erregenden Worten gefüllt, immer wieder ein wahrhaft sinnliches Erlebnis. Da erwandern wir uns zauberhafte Welten voll Liebe und Schönheit oder hetzen durch die Nacht auf der Flucht vor dem Grauen...

Doch nicht nur unsere Schriftsprache ist reglementiert. In der Schule lernen wir uns korrekt und gut verständlich auszudrücken. Verstanden zu werden hat was mit Verstand zu tun. 

Trotzdem bleibt Sprache ein Schöpfen, Aufbruch, immerwährende Veränderung. Sprache ist so lebendig wie das Weib selbst und vielleicht sollten wir sie mehr sprechen als schreiben...

Kommentare:

birgit hat gesagt…

ja sicher sprechen von angesicht zu angesicht
aber das geht nur mit wenigen
in der nähe
wir beide wären nie ins gespräch gekommen
dafür immerhin ins geschreibe
ich wünsch noch feine feiertage
lg birgit

Stephanie hat gesagt…

... da hast du recht und ich bin auch froh darüber. Das WWW hat uns eine neue Dimension der Verständigung eröffnet. Einer meiner Freundinnen wäre ich auch nie begegnet, wenn wir nicht im gleichen Forum geschrieben hätten.

Trotzdem lebt die Sprache von der alltäglichen Lebendigkeit und jedes Kind lernt erst einmal der Mutter Sprache, bevor es sich auf die väterliche Technologie stürzt, um damit zu kommunizieren.

Vielleicht ist meine Sorge unbegründet und wir verkümmern in den nächsten Jahrzehnten nicht hinter interaktiver Technik, die uns gestattet optisch und akustisch einen anderen Menschen wahrzunehmen, aber höchstens virtuelle Berührung zulässt. Ich glaube, ich fange jetzt an eine sience fiction Geschichte zu schreiben... ;-)