21 Dezember 2012

Happy


Die überaus glückliche Großmutter teilt mit:

Heute am 21.12.2012 um 11.11 Uhr erblickte 
mein elftes Kindeskind das Licht dieser Welt! 

... und natürlich ist es ein Mädchen... 
sie ist die dritte Tochter meiner Zweitgeborenen




25 November 2012

Das Umschalten zwischen den Welten...

Neulich habe ich mich mal wieder in eine Großstadt verirrt und das Leben der modernen jungen Leute studiert. Einiges hat sich doch geändert, seit ich dereinst selbst noch im Hamsterrad des Alltags kreiste - manches ist leichter geworden, anderes hat sich verschärft... habe dazu ein bisschen reflektiert:


Das Umschalten zwischen den Welten und der kaum registrierte Stress, den diese Lebensweise verursacht!

Wir setzen uns täglich als erwachsenes Individuum, allein und bewusst, einer Kette von Ereignissen aus, die bei uns trotz aller Gewohnheit eine Art Dauer- Stress auslöst. Der gesamte klassische Tagesablauf, den wir als durchschnittlicher Arbeitnehmer, Familienbetreiber und Freizeitnutzer durchlaufen ist ein recht unnatürlicher Vorgang geworden, wenn wir die menschlichen naturgemäßen Abläufe unserer (ausschließlich zu Fuß gehenden) Vorfahren als die normalen Voraussetzung ansehen.
 

Viele von uns leben Tag täglich auf einem Stresslevel, der uns bestimmt schadet, aber ohne ihn zu registrieren. Diese Form des Stresses ist eine Art Dauerschleife. Logischerweise waren unsere Urmütter und ihre Kinder auch einem naturgemäßen Stress ausgesetzt, aber erstens in einem anderen Kontext und einem anderem Tempo und zweitens nicht als ständig separierte Person unter hunderten anderen, unbekannten Personen - also allein. Vereinzelt begeben wir uns also jeden Tag in die freie Wildbahn der Moderne, auch jede Mutter und ihr Kind. Wir kennen es nicht mehr in einem Pulk mit vertrauten Personen loszuziehen, wo eine auf die andere aufpasst. Höchstens bei manchen Freizeitaktivitäten und dann auch eher in der Jugendzeit.
 

Der einzige Vorteil dabei ist, dass sich für uns im Alltag viele äußere Parameter wiederholen und wir dabei zwischendurch die Erholung der Routine zu spüren bekommen. Sitzen wir im Auto und fahren zur Arbeit, sind wir als Individuum zwar in dieser Blechkugel unmittelbar geschützt, müssen jedoch auf die sich schnell und ständig neu gestaltende Verkehrslage außerhalb unseres Fahrzeugs reagieren – die Situation auf der Straße und besonders im Berufsverkehr sind wie ein Videospiel – ständig kann etwas Unvorhergesehenes eintreten. Dauerkonzentration ist daher angesagt, auch nach einem langen Arbeitstag.
 

Sind wir mit Bus und Bahn unterwegs, brauchen wir uns keinen Kopf um das Verkehrsgeschehen machen, dafür ist unser Körper unmittelbar vielen verschiedenen Fremdkontakten ausgesetzt. Dabei denke ich, dass es hier auch einen, oft deutlich sichtbaren, Unterschied zwischen gewollten und unbewussten Reaktionen von betroffenen Männern oder Frauen gibt. Die Frau ist in der Regel, auch wenn ihr das kaum bewusst ist, immer etwas mehr auf der Hut.
 

Trotzdem geht praktisch jeder ganz selbstverständlich mit der Ausgangslage des normalen Alltags um, schließlich wurden wir von Kind an darauf trainiert. Dieses Training zielte sozusagen darauf ab, unsere natürlichen Instinkte zu entschärfen und vor allem auf zwei Aspekte zu richten – einmal dass wir uns als Alleingänger angstfrei zwischen Unbekannten bewegen und zum anderen die Masse, der uns ständig umgebenden Fremden, weitgehend zu ignorieren. Wenn sich alle in dem gleichen trägen oder rasanten Fluss bewegen, sind die anderen Menschen wie Gegenstände, die an uns vorbei treiben. Wahrscheinlich würde es uns verrückt machen, wenn wir all die Massen um uns als einzelne Personen wahrnehmen und auch noch auf sie reagieren würden. Besonders dann, wenn wir nur kurz ein Bad in der Menge nehmen.
 

Da wir hier und heute davon ausgehen können, uns im gesellschaftlichen öffentlichen Raum relativ gefahrenfrei zu bewegen, ist es möglich unsere Sinne zwischen latentem Alarmzustand und entspannten Rückzug hinter unserer Aura, also in uns selbst, einzupendeln. Wir nutzen Fahr- und Wartezeiten, besonders mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, zur persönlichen Beschäftigung - schlafen, lesen, tagträumen, mit dem Kind ein Bilderbuch ansehen - und eher selten passiert etwas Aufregendes. Trotzdem sind wir nicht wirklich unaufmerksam oder gar tiefenentspannt. Unbewusst läuft permanent das Wahrnehmungsprogramm der Urzeit mit. Noch mehr verschärft sich die Lage, auch wenn es nach außen nicht sichtbar ist, wenn wir ein Kind dabei haben. Unsere Aufmerksamkeit ist nun mehrfach gebunden. Jetzt gilt es zwei Personen unbeschadet an den Bestimmungsort zu bringen. Es bedeutet ohnehin sofort ein ganz anderes Handeln, Denken und Fühlen in unsere Tagesgeschehen einzubeziehen, wenn ein oder mehrere Schutzbefohlene zum Alltag gehören. Besonders das komplexe Fühlen ist unserer jeweiligen Erlebniswelt unterworfen, wie wir uns denken können.
 

Wir sind zwar angehalten uns an die moderne Alltagssituation zu gewöhnen, aber der moderne Mensch wird durch die vielen Einflüsse und es kommen ständig welche hinzu, permanent in Atem gehalten. Wenn sich also der Mensch in seinem eng getakteten Alltag ständig gestresst fühlt, ist das wahrhaft kein Wunder und keine gesunde Voraussetzung, weder für Mutter und Kind, noch für Jedermann. 

Logischerweise versucht sich auch der moderne Mensch anzupassen, wenn er kurzzeitig keine Chance zur Veränderung sieht. Für Strategien mit Langzeitwirkung brauch wir wenigstens etwas Muße und Besinnung, sowie die Unterstützung anderer, dann gelingt ein Umbau der (Gesamt)Situation am besten. Ursprünglich waren diese Unterstützer die eigenen Angehörigen mit denen Frau lebte und in der Regel betraf diese, der zu ändernde Status gleich mit.
 

Wenn wir unsere Lage nicht ändern wollen oder (scheinbar) können, versuchen wir die damit permanent einhergehenden unerfreulichen Gefühle zu ignorieren. Was nicht jedem bzw. immer gelingt.
 

Da wir weiterhin in der Regel mehrfach am Tag zwischen den Welten und ihren Forderungen an uns, hin und her wechseln, werden wir uns auch eher auf die gerade anstehenden bzw. aufploppenden nächsten (mulmigen) Gefühle konzentrieren. Unser Tagesgeschehen ist, auch wenn es uns so vorkommt, selten ein organischer Ablauf in einer geborgenen Atmosphäre, sonder ein Jumpen zwischen den unterschiedlichen Anforderungen der verschiedenen Subroutinen. Es ist zudem üblich, dass sich die Erwachsenen (und ebenso die Kinder), auch wenn sie die gleiche Häuslichkeit miteinander teilen, trotzdem in verschiedenen Subwelten der Gesellschaft aufhalten. Als Teilnehmer ihrer häuslichen Minigemeinschaften sind sie zudem damit beschäftigt, nicht nur ihre eigenen Gefühlslagen auf die Reihe zu bekommen, sondern die ihrer Mitbewohner gleich mit. Es ist die allseits bekannte Beziehungsarbeit, die Frauen und Mütter gewohnt sind zu leisten ... wir sind auf 'fremd', 'nicht bekannt' und 'nicht verwandt' trainiert. Das Individuum lernt mit der Verunsicherung, die damit einhergeht, zu leben. Unser soziales Arragement in unserer Kultur funktioniert auch leidlich, wenn die Gesellschaft ein Niveau bereitstellt, in dem ein jedes Mitglied (einigermaßen) aufgefangen wird. Eine der größten Herausforderungen ist und bleibt, besonders für das Kind, das Umschalten zwischen den so gänzlich verschiedenen Subwelten unserer Gesellschaft. Das kleine Bindungwesen 'Mensch' bringt für die Anforderung, sich relativ früh und in der Regel allein, in wechselden Zivilisationsenklaven in Bindungslosigkeit wieder zu finden, zwar eine Anpassungsleitung mit, die dann aber mit 'Überleben' beschäftigt ist. Irgendwann greift die Routine und das Kind gewöhnt sich an die verschieden Wechsel, ob es für es gut ist, wird nicht hinterfragt. 

Allein sein in der anonymen Gesellschaft ist das Ziel und die Norm unserer Kultur - ein absurdes Konzept. Das anpassungsfähige Kind der Spezies Mensch kriegt das zwar hin, aber was es mit dem Individuum macht, permanent aus der Sippe verstoßen und wieder zugelassen zu werden, ist ein Phänomen, das noch viel zu wenig Beachtung findet. Der Mangel an Geborgenheit gehört für das moderne Kind zur Normalität. 
 

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26 Oktober 2012

Herbstmutter

Der Film  „Herbstkind“, der von der ARD am Mittwoch ausgestrahlt wurde, ist hervorragend umgesetzt und er ist auch aus meinem Verständnis heraus, mehr als nur die Darstellung einer postpartalen Störung.

Die dramatische Handlung des verhalten gezeigte Alltag eines beginnenden Kinderlebens, wird wohl für manchen Zuschauer alles andere als auffällig sein - da gibt es ein schmuckes Eigenheim auf dem Land, das suggeriert wie das Kind später draußen schön spielen wird in der unmittelbaren Nähe der heilen Welt von Bauernhof und Dorfidylle. Außerdem die perfekte Ausstattung des Kinderzimmers, das heutige Eltern auf Grund der Gewissheit 'was es wird', schon vorher farblich abstimmen können. Ein idealer Vater ist auch da, der sich nicht nur wie verrückt auf sein Kind freut, sondern auch erst einmal unspektakulär selbstverständlich die Überforderung der jungen Mutter auffängt. Allerdings braucht er ziemlich lange zu verstehen, dass deren zombieartiger Zustand, weder Erschöpfung nach der Geburt, noch verdrängte Panik vor der Verantwortung ist.

Die Nachbarin spricht die in sich gekehrte Frau auf die Heultage an und findet, das reichlich Arbeit dagegen hilft. Spätestens an der Stelle habe ich mich gefragt, ob ich die einzige bin, der die trostlose Einsamkeit auffällt, in die Mütter mit ihren Neugeborenen im Arm nach der Entbindung heimkehren?

Der klägliche Versuch, den eigenen Vater und Großvater ihres Kindes zum Bleiben zu überreden, ist fast schon eine Schlüsselszene der eigentlichen, aber sicher nicht beabsichtigten, Hintergrundaussage des Filmes.

Mütter und ihr Kind erhalten keine persönliche Unterstützung. Es ist keine (weibliche) Sippe da, die der jungen Mutter das Gefühl geben kann: Alles ist gut, ihr seid beide zwischen uns geborgen.

Die aufgeschlossenen und gut beschäftigten Großeltern, welche in dem Film ohne Frage sehr positiv dargestellt werden, agieren trotzdem auf typische Weise in dem üblichen Modus der bemühten Nichteinmischung und möchten nicht als Störfaktor des neuen Elternglückes auftreten. Das hilflose Nichtaussprechen, das so typisch für dererlei Konfliktfilme ist, hat mich fast verrückt gemacht.

Gut, es wurde ein Krankheitsbild dargestellt, noch dazu eines, was nicht täglich vorkommt und mit dem die Beteiligten nicht umgehen konnten. Aber die einzige Fachfrau, die Betroffene selbst, hat auch in keinem ihrer lichten Momente festgestellt, dass im Interesse von Mutter und Kind Hilfe angezeigt wäre. Und ich meine damit nicht das Einschreiten eines Arztes. 


Es ist so selbstverständlich in unserer Gesellschaft, dass eine Mutter, die ein Kind zur Welt bringt, als autonome Frau weiter ihren Alltag abspult, fern ab von jeder Art aktiver (persönlicher) Zuwendung. Der mehr oder weniger kompetente Mann an ihrer Seite hat alles abzufangen, was an gravierenden Veränderungen mit der Geburt eines Kindes (für beide) einhergeht und ansonsten bleibt man unter sich und genießt das Glück endlich eine „eigene kleine Familie“ zu sein.

Frauen sind zähe Wesen, können normaler weise eine Menge ab und immer wieder haben viele ihre Kinder allein aufgezogen. Aber „allein“ heißt in unserem Kulturjargon: ohne Mann.

Dass zu einer Frau und Mutter vor allem auch andere (verwandte) Frauen und Mütter gehören, ist offensichtlich derzeit nicht nur nicht mehr vorstellbar, sondern leider auch höchst selten umzusetzen. Unsere Kinder werden in eine ungeborgene Welt hineingeboren, in der es sich alle tauglich eingerichtet haben - es darf nur nicht dazwischen, sonst kann ein Neugeborenes schon mal im Wäschekorb zwischen der Schmutzwäsche landen.





Fall eine von euch Bedarf hat, noch ist der Film in der Mediatik des ARD zu sehen!

Dazu vielleicht auch ein Artikel in der Frankfurter Rundschau

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13 Oktober 2012

Von der Welt enttäuscht

Von der Welt enttäuscht oder Das Wunder der Kommunikation

Nun könnte man nach dieser Überschrift meinen, ich sei von der Welt, den Mitmenschen oder meinem Schicksal enttäuscht – weit gefehlt – ich lebe recht zufrieden in der besten der möglichen Welten und das meine ich erst einmal in einem kosmischen Sinne. Die Welt kann uns eigentlich nicht enttäuschen, denn alles hängt an unseren Erwartungen.

Unsere Welt, also die Erdkugel mit ihren natürlichen Bedingungen, gibt es ja schon seit ein paar Jährchen und alles befindet sich ständig in einer halbwegs stabilen, aber auch sensiblen Balance, wenn wir es mal von der Warte der Lebewesen aus betrachten. Als solche haben wir unheimliches Glück, dass die Erde den für uns richtigen Abstand zur Sonne einnimmt und sich so die für uns Lebensbedingungen über einen Zeitraum von ein paar Millionen Jahre erhalten haben. Auch dass die Erde einen Trabanten hat, unseren Mond, der zur Stabilität beiträgt indem er die Rotation unseres Globus abbremst. Oder dass unser kleiner blauer Planet weit genug vom Zentrum der Galaxie entfernt liegt, so dass hier relativ wenige Kometenwanderer (arme Dinos) vorbei kommen oder gar einschlagen. Allerdings ist und bleibt nach wie vor für alle das Leben lebensgefährlich. Viele der natürlichen und inzwischen auch der gesellschaftlichen Bedingungen unter denen wir leben, sind von uns nicht ohne weiteres zu ändern. Daher können wir also immer wieder sagen: Alles ist gut – nur nicht immer, nur nicht überall und leider auch nicht für jeden!

Als einzelner Mensch habe ich eine bestimmte Sicht auf die vorhandenen Bedingungen unter denen ich und wir alle existieren. Dazu nehme ich eine bestimmte Haltung ein. Diese besteht bei mir aus der Anerkennung der für mich unveränderbaren und variablen Bedingungen und dem Drang das Beste daraus zu machen – ein natürliches in uns angelegtes Überlebensprogramm. Aber da gibt es noch fataler Weise bestimmte, in frühster Kindheit angelegte Konditionierungen und immer noch funktionierende Glaubenssätze, welche der schlichten Auffassung von „ich schaff das schon“ oft genug im Wege stehen.

Nun habe ich das Glück als Frau geboren worden zu sein - in einer Zeit und einer Gegend der Erde, die mir ein relativ großes Maß an persönlicher Freiheit gestattet. Gleichzeitig jedoch habe ich und fast alle anderen, das Pech, dass unsere derzeitige Weltkultur mit einem prinzipiell menschenfeindlichen System durchsetzt ist das wir Patriarchat nennen. Unterdrückung, Fremdbestimmung und Unfreiheit sowie latente oder offene Gewalt als Dauerzustand sind die Muster dieses Gesellschaftssystems. Derzeit haben wir auch hier mehr oder weniger alle das Glück, dass unser Alltag relativ friedlich verläuft. Nur wenige nehmen die inszenierte und alles beherrschende Intention wahr, welche das angestrebte freie und natürliche Menschenleben der meisten gegen den raffiniert etablierten Machterhalt der patriarchalen Nutznießer ausspielt. Das Gefüge der Macht baut weder auf der Freiheit noch auf dem Wohl der Masse auf, sondern auf deren Verfügbarkeit und die wird rechtzeitig installiert. Sozusagen die Vervollkommnung von Zuckerbrot und Peitsche.

Der Mensch als Spezies ist schon recht lange unterwegs und ebenso steht uns als Individuum grundsätzlich eine ganz ordentliche Lebensspanne zur Verfügung. Im Schnitt sind es mehrere Jahrzehnte in denen wir persönliche und kollektiv geprägte Erfahrungen machen und Gedächtnisprotokolle in unserer Hirnrinde oder wo auch immer abspeichern  – vor allem zum Wohle unseres Nachwuchses. Die Weitergabe der eigenen Existenz ist die Sinn-Strategie der Lebewesen. 

Die (durchschnittlich) hohe Lebensspanne des Menschen ermöglichte uns vor Ort Naturereignisse über einen längeren Zeitraum zu beobachten und die Erkenntnisse für uns als Spezies, aber auch als Individuum, für unser Überleben zu nutzen. Und da sind wir – als Spezies mächtiger denn je. Alles hat bisher deshalb so gut funktioniert, weil wir in Angehörigengruppen und damit generationsübergreifend die soziale Balance geschaffen haben, die für die uns nachfolgenden Menschenkindern immer wieder das Leben ermöglichten. Zwar wird das soziale Miteinander auch immer der Situation angepasst - zum Beispiel dem Klima und seinen Folgen oder es ist von der Zusammensetzung unserer Lebensgemeinschaften abhängig. Die eine Seite ist also die Gesamtsituation, die uns bestimmte Vorgaben macht und die andere der individuelle Freiraum mit dem wir unser Dasein gestalten können. Und das kann durch viele Faktoren eingeschränkt sein. Durch Behinderungen aller Art – wie permanente Fremdbestimmung durch Menschen, die die Macht haben uns zu hindern unser Potential zu entfalten (oder eine Burka zu tragen) oder wir leiden an einer chronische Krankheit, die uns einschränkt.

Was von uns als Individuum dereinst übrigbleibt ist das Vermächtnis, das wir unseren (persönlichen) Nachkommen hinterlassen - in der direkten Erbgutanlage oder in Form weitergesagter Erkenntnissen. Zwar sind die Zeiten vorbei, da Menschen ausschließlich mündlich überlieferten, aber der Drang lebenslang das eigene Erkennen und Wissen mit anderen und am liebsten mit den Nahestehenden und dem Nachwuchs zu teilen, ist nun mal eine der Strategien, die den Erhalt der Spezies garantiert. 

Nur wer kann sich schon heutzutage in unserer sehr speziellen und strukturierten Welt ständig in mitten einer geneigten Zuhörerschaft nach Herzenslust verbreiten? Die Vereinzelung des Menschen greift wie eine Pandemie um sich. Wir werden am Weitersagen gehindert – aber - es lebe das Internet und die digitale Möglichkeit der Verständigung, die in den sozialen Netzwerken stattfinden. Der Ausweg ist die mittelbare und somit verzögerte Verständigung über das Schreibens. Im analogen Leben sieht es für das persönliche Gespräch, welches all die essentiellen Gefühlsinformationen transportiert, zunehmend schlecht aus. Während der Arbeit und in der Schule kommt Schwatzen gar nicht gut. Für ein ausgiebiges, freundliches und zugewandtes Gespräch, so von Kindergartenkind zur Erzieherin, ist selten Gelegenheit und die Konkurrenz um die Aufmerksamkeit des Erwachsenen ist groß. Die häuslichen vier Wände sind in der Regel auch nicht gerade angefüllt mit interessierten Menschen, die nur darauf warten mit einem Kind in Muße zu kommunizieren. Gesellige Runden, noch dazu ungezwungene, sind in manchem Alltag so selten geworden, dass sie sofort Eventcharakter annehmen. Da werden zu bestimmten Gelegenheiten Treffen aufwendig organisiert – auch für Kinder - unter dem Zwang ein unvergessliches Erlebnis zu schaffen (der Aufwand muss doch lohnen). Es herrscht also grundsätzlich sowie in vielen persönlichen Lebensläufen inzwischen ein Mangel an unspektakulärer, zugewandter und wohlmeinender Interaktion.

Doch genug der Einführung in die alltäglichen sozialen Verwobenheiten und Notwendigkeiten und schauen wir nachsichtig auf unsere eigne Bereitschaft mit der Welt zu kommunizieren. Diese Nachsicht sollten wir immer üben. Denn wenn Verständigung mit unserem Umfeld nicht gelingt, liegt es nicht immer an uns selbst. Bereits seit Generationen werden wir und hier im besonderen die Frau, in unserer Kultur zur Sprachlosigkeit angehalten sowie dem Unterdrücken des, mit interaktiver Kommunikation einhergehenden, körperlichen Ausdrucks. Sich möglichst nicht exponiert benehmen, nicht zu laut lachen, nicht durch auffälliges Verhalten die Blicke auf sich ziehen, gehört zu den Regeln des guten Benehmens.

Reden ist Silber, Schweigen ist Gold – das bedeutet auch schon für das Kind, dass es früh angehalten wird, anderen und hier dem sprechenden (meist männlichen) Erwachsenen nicht einfach ins Wort fallen. Allerorts muss die eigene, natürliche Begeisterung gedämpft werden. Wir sind aufgefordert uns zurück zu halten und in das Marionettentheater, das uns umgibt, einzureihen. Mit naiven Schwung und kindlichem Enthusiasmus könnten wir die Fäden verwirren, an denen die meisten Erwachsenen hängen und von denen niemand so recht weiß, wer gerade daran zieht. Daher lernt schon das Kind Zurückhaltung und höchstens die passende Rhetorik um im passenden Moment das Passende zu sagen. Ob es auch das Richtige ist, steht kaum zur Debatte.

Und so geschieht es immer wieder, dass wir mit uns selbst genauso ungesellig umgehen und in uns selbst ebenso unsicher kommunizieren, wie es uns unsere Erzieher vorgelebt haben. Mit uns selbst in einem ständigen, wohlmeinenden Kontakt zu stehen haben wir teilweise schon in unserer Kindheit verlernt. Von der Eigen-Wahrnehmung immer wieder abgelenkt, leben die meisten von uns auch noch abgetrennt von ihrer Herkunft. Das Wesentliche des Menschseins – sich dauerhaft in einer zugehörigen und zugewandten Gemeinschaft aufzuhalten – ging in unserer Kultur der Unverbindlichkeit verloren...

Fortsetzung folgt...

09 September 2012

Brief an eine Freundin

Danke liebe Nelly für die vielen Steinefotos - sehr interessant dein Hinweis auf das meist vergrößerte rechte Mutterauge...

...über die rechts-links Symbolik habe ich vor einiger Zeit schon angefangen nachzudenken...
 

Spontan fragte ich mich auch, warum wir von links nach rechts lesen und von oben nach unten und in anderen Kulturen von rechts nach links also für uns von hinten nach vorn? Die meisten Zeitschriften und manche Bücher, besonders wenn sie bebildert sind, schlage ich allerdings auch automatisch hinten auf.

Als meine beiden jüngeren Kinder klein waren, fühlte ich regelrecht, wie mir die typischen Muttersensoren zu wachsen begannen. Meine Sinne wurden immer schärfer und mir kam es vor, als hätte ich rundum Augen und Ohren und damit deckte ich die notwendige Überwachung im Nahbereich ab. Dafür interessierten mich andere Ereignisse, die mich und mein Kind nur mittelbar betrafen grad überhaupt nicht. Ich würde sagen der Schutz des Kindes hatte höchste Priorität und ich musste um so wachsamer sein, da ich allein Tag für Tag über mehre Stunden für diesen Schutz garantierte.

Die beiden ersten Kinder habe ich in dem Zusammenhang ganz anders wahrgenommen. Wie ich dir schon erzählte, hatte ich in deren Kleinkindzeit fast täglich meine Mutter an meiner Seite. Diese Zeit habe ich wesentlich entspannter in Erinnerung.
Und es ist interessant zu erwähnen, dass später die zurückgestellten Subroutinen sofort alle wieder anliefen, als ich mit meinen Kindeskindern zu tun hatte.

Wenn ich mich in die frühen Tage des Mutterseins hineinversetze (je Kind bis drei Jahre), so entsteht bei mir noch nachträglich der Eindruck, dass ich in der Wahrnehmung „halbiert“ war. Mit der linken Wahrnehmungssphäre habe ich meine alltägliche Hausarbeit verfolgt und die Umgebung beobachtete (vor allem Auge und Gehör) und rechts lief die Dauerwahrnehmung der Kindersignale. Ich habe heute noch das Gefühl, dass ich mit dem rechten Auge um mich herum sehen kann und mitbekomme, was hinter mir vorgeht, wenn ich nicht zu sehr abgelenkt bin. Ich nehme an, aus dieser Erfahrungsquelle stammt auch die Multitasking – Legende. Ich habe allerdings auch (junge) Mütter erlebt, die sich genervt von dieser angeblichen Forderung an das klassische Mutterbild abwendeten und dass sie versucht waren, die sie umgebenden Kinder immer wieder überfordert "wegzuschieben“. Denn wir wissen ja, eine Frau - eine Mutter - allein in der Verantwortung zu ihrem Kind ist die unnatürlichste Sache der Welt. Eine Frau und ein Mann allein mit Kindern ist die zweit unnatürlichste Sache der Welt. 


Der in unserer Kultur mangelnde Angehörigen - Background stellt nochmal zusätzliche Anforderungen an unser urzeitliches Muttergehirn. Die Sinne einer Frau / Mutter sind natürlich individuell verschieden ausgeprägt und gehen daher auch mit verschiedenen Herausforderungen differnziert um, unser modernes Leben stresst Mutter und Kind allerdings aber auch auf eine unterschwellige Art, die sicher zu epigenetischen Veränderungen führt - wir scheinen ja schon gar nicht mehr zu wissen, dass wir Gemeinschaftswesen sind.

Als meine jüngste Tochter geboren wurde zählte ich bereits 31 Jahre. Dass heißt nach Urzeitrechnug bin ich quasi bereits ins Großmutteralter eingetreten. Meine anderen Kinder waren zu dem Zeitpunkt achteinhalb, siebeneinhalb und zweieinhalb. Während das tollkühne Söhnchen noch unter die Permanent - Überwachung fiel, gingen die beiden Großen bereits zur Schule. Ich konnte also zumindest am Vormittag meine einsame (rechte) mütterliche Konzentration den Kleinen angedeihen lassen. In einer großen Wohnung (fünf große Zimmer, Küche, Bad, Toilette, Flur, Balkon, internes Treppenhaus) und das wohlgemerkt allein. Es gab keine anderen Paar Augen und Ohren, die mit verfolgten ob das Baby schrie, weil der Bruder ihm wieder Matchboxautos ins Körbchen geschmissen hatte (er hat schon immer gern geteilt). Und allein in dem langen L- förmigen Flur gab es mindesten fünf Ecken in denen er sich verkriechen konnte, eine Zeitlang musste ich ihn ständig suchen.

Wenn ich ein Auge zukneife um besser sehen zu können ist es immer das linke und manchmal denke ich auch, mein Muttersein hat meine analytische Wahrnehmung noch verstärkt. „Die linke Gehirnhälfte steht für Präzisionsarbeit und die rechte Hälfte hat den Überblick...“ ist ein Zitat aus dem Internet. Die Konzentration auf die rechte Seite ist in unserer Kultur sehr verbreitet und zeitweise war sie sogar eine rechte Manie – wo ist das schöne Händchen? 


Eine meiner Töchter ist Linkshänderin und schreibt rechts – wurde ihr in der Schule antrainiert – fast alles andere macht sie mit links. Aber es ist ja ohnehin so, dass immer alle Komponenten zusammenwirken und der individuellen Körper für einen Ausgleich sorgt. Das Muttergehirn ist jedenfalls genetisch darauf ausgelegt, mit verschiedensten Problemen fertig zu werden, allerdings scheint es, als wäre es in der Neuzeit immer wieder überfordert, da es absolut nicht auf Alleingang ausgelegt ist. 

Die unnatürlichen und stressige Einsamkeit der heutigen Mütter schärft demnach vielleicht die weiblichen Sinne, während die des Mannes immer mehr verkümmern, da er schon lange seine hochkomplexe Wahrnehmung immer mehr von seinen Aufgabe innerhalb der Schutzsphäre des (Sippen)Nachwuchs abzieht.

Mir erscheint also, liebe Nelly, die Betonung des rechten Mutter-Auges bei den Artefakten kommt nicht von ungefähr und ist auch heute noch von einer nicht unerheblichen Bedeutung...

03 September 2012

...macht Probleme übersehen dumm?

... gestern habe ich mir natürlich die neue Sendung von Richard David Precht angesehen. Das Gespräch mit Gerald Hüther war recht interessant, obwohl ich den Eindruck hatte und das ist jetzt sehr freundlich ausgedrückt, zu sehr wollten sich beide nicht aus dem Fenster lehnen. Denn die Sendung hieß nicht "...ist Schule dumm?" sondern "Macht Lernen dumm?" und damit blieb der Titel recht unklar, denn Lernen ist eine komplexe Angelegeheit und nicht nur auf die Schule bezogen.

Aber trotzdem hoffe ich nach wie vor, dass im Hinblick auf Schule sich endlich ein ernsthafter kollektiver Änderungswille Bahn bricht.

Das Thema Schule reizt mich ja immer zu ein paar reflektierenden Gedanken und löst selbstredend erinnerte Gefühle an eigene Schulzeit aus. Und diese Art der Erinnerungen sind nicht nur glückliche...

Bildung, Schule – war lange eine Angelegenheit der privilegierten Bevölkerungsschicht und ist heute noch auf der Welt gerade für Mädchen, nicht immer selbstverständlich.

Der Stolz ein flächendeckendes Schulsystem zu gewähren, war von Seiten der Politiker wahrscheinlich schon immer größer, als die Einsicht in die Notwendigkeit, endlich einem jeden Kind ein individuelles Lernen zu ermöglichen. Noch als ich in die Schule kam wurde mir immer wieder klar gemacht, dass der Arbeiter- und Bauernstaat es mir ermöglichte in der Schule zu lernen und gegebenenfalls auch später zu studieren und dafür sollten alle dankbar sein. Dass es im zukünftigen Interesse Aller liegt, einen gut ausgebildeten Nachwuchs zu haben wurde weniger thematisiert. Was allerdings das Lernen betraf, da rannte man bei mir offene Türen ein. Gelernt habe ich schon immer gern und tue es heute noch, den Aufenthalt in der Schule jedoch fand ich durchweg mühsam und größtenteils unerfreulich.

Die soziale (dörfliche) Hackordnung in der Klasse machte mir zu schaffen und ich steuerte dem durch gute Noten entgegen, was die Sache jedoch nicht immer besser machte. Ich hätte viel lieber ohne intrigierende Klassenkameradinnen und raufende Klassenkameraden gelernt und ohne die von oben verordnete, verkrampfte sozialistische Gehirnwäsche. Aber wie sagte fünfundzwanzig Jahre später der westdeutsche Rektor der Realschule in die mein Sohn damals ging: „Schule ist Schicksal“.

Und so wird Schule von den meisten immer noch irgendwie gesehen, als unabwendbares Schicksal. Denn die Bedingungen unter denen Kinder in diesen Gettos der nicht-artgerechten Menschenhaltung lernen müssen, sind unglaublich vielen verschiedenen Zufällen unterworfen und das einzelne Kind ist dem in der Regel einfach ausgeliefert.

Zwar gehen die meisten scheinbar unbeschadet aus ihrer Schulzeit hervor, aber der organisierte Massenbetrieb hinter den Zäunen des separierten Schulgeländes ist so was von nicht artgerecht, dass ich gar nicht begreifen kann, wie wenig das den beteiligten Erwachsenen auffällt. Natürlich gibt es immer auch Einzelschicksale, da rettet die neutrale Zone der Schule Kinder vor anderweitig stattfindender Vernachlässigung und sie sorgt auch für eine nicht unbedeutende
kollektive Formatierung im Verhaltenskodex. Das Kind mit der großen Klappe wird auch mal vom hohen Ross herunter geholt, das allzu schüchterne ermuntert aufzusteigen.

Denn nicht der zugegebenermaßen oft überflüssige Lernstoff ist das Problem, ich würde sagen er ist überhaupt das geringste Probleme, sondern die ungeborgene, kahle soziale Sphäre, in
die sich das Kind integrieren muss. Denn trotz des dreijährigem Kindergarten-Trainingslager stellt die Schule völlig andere Anforderungen an das arglose sechsjährige Schulkind.

Es muss sich wiederum allein mehrere Stunden am Tag mit bisher völlig neuen Forderungen wie Wegen, Räumlichkeiten, Lichtverhältnissen, Geräuschen, kleinen und größeren Gefahren (auch nur scheinbaren) sowie vielen fremden Menschen auseinandersetzen. Es gibt natürlich immer wieder Kinder denen das nichts auszumachen scheint, für einige jedoch ist das der Auftakt zu einem nicht enden wollenden Stress.

Eine meiner Enkeltöchter wollte damals nicht in die Schule, weil das kluge Kind sich vorstellen konnte, dass für sie damit eine Zeit begann, in der sie permanent nicht mehr in Ruhe gelassen würde. Und für sie, die sich heute noch gern zurückzieht und als Dreijährige schon konzentriert malte und bastelte und mehrmals am Tag mit ihren Kunstwerken Mutter und Großmutter überraschte, unterbricht die Schule mit ihrem verordneten Tätigkeits-Ruhe-Rhythmus immer wieder fremdbestimmend jeden kreativen Fluss.

In diesem Enkelkind glaube ich, habe ich mich besonders stark wiedergefunden. Ich war einst ein stilles kleines Mädchen, so eine Art weiblicher Mini-Nerd und außer Erdkunde (lag wohl an der Lehrerin) hatte ich mit keinem Fach wirkliche Schwierigkeiten. Die Anforderungen meiner Dorfschule hielten sich für mich in Grenzen und das meiste habe ich mit links erledigt. Die neunte und zehnte Klasse im Nachbarort stellte auch nur bedingt eine intellektuelle Herausforderung dar, aber alles andere war eine verdammte Plage. Allein das frühe Aufstehen, um danach eine Stunde mit dem Schulbus über die Dörfer zu kurven, der überall die Schüler einsammelte, damit um 7.15 Uhr der Unterricht beginnen konnte.


Die (überwiegend männlichen) Lehrer legten einen unerfreulichen Ehrgeiz an den Tag, da sie den Landpomeranzen aus den umliegenden Dorfschulen erst einmal zeigen wollten, wo es wirklich langgeht. Dieses Imponiergehabe stressten mich doch sehr, denn mir ging es nur um den Input. Der Lärmpegel in den Pausen, das Geschubse und Gedränge in Fluren, die Fülle an neuen Gesichtern, erzeugte in mir ein ständiges Auf-der-Hut-sein. Macht sich denn überhaupt jemand darüber Gedanken, was diese tägliche Massenveranstaltung in einer normalen, gut geführten Schule mit unseren Steinzeitgehirnen macht? Und was erst in einer Problemschule?

Meine vier Kinder gingen anfangs in einer größeren Stadt (Erfurt), später teilweise im gemütlichen Lüneburg zur Schule. Von meinen zehn Kindeskindern sind bereits acht Schulkinder und die älteste wird in diesem Schuljahr ihr Abitur machen. Zusätzlich zu einem Schultag und nicht enden wollenden Hausaufgaben, hetzen alle noch am Nachmittag zu all den außerschulischen Ergänzungen, um ihre wirklichen Begabungen nicht vollends verkümmern zu lassen. Und ich denke oft, was doch für eine unglaubliche Verhinderung an Kreativität bzw. Verschwendung an kindlichem Potential im normalen Schulalltag stattfindet.

Aber vielleicht seid ihr ja gern und dankbar in die Schule gegangen...

24 August 2012

Kinderspiel

Mädchen spielten mit Puppen, Buben mit Pferden und Autos - eines Tages (es ist etwa vierzig Jahre her) wurde dieses als schädlich anmutende Geschlechterfestlegung erkannt und sollte sogleich im Interesse der Gleichberechtigung aufgehoben werden. 

Insbesondere die Frau sollte nicht mehr vom Mutterleib an auf ihre zukünftige Rolle als Mutti festgelegt werden, sondern die gleichen Chancen erhalten, wie sie dem männlichen Geschlecht schon lange zustand. Es galt bei den Mädchen die einseitige Ausrichtung auf die Babypuppe zu vermeiden und ihnen einen selbstverständlicher Zugang zu jeder Art von Technik und männlicher Freizeitgestaltung zugänglich zu machen. Im Gegenzug hoffte man dem kleinen Jungen soziale Kompetenz durch Puppenspiel nahe zubringen - denn: Neue Männer braucht das Land.

Dem Zug der Zeit folgend wollten auch wir damals als moderne Eltern, unsere Kinder nicht in peinliche Rollenklischees treiben und boten ihnen ausgewogen jede Art von Spielzeug an. Im Regal unserer Töchter setzen die Alibiautos Staub an. Erst als ein Brüderchen dazu kam wurden die mobilen Spielzeuge von ihrer Immobilität befreit. Nicht dass die Mädchen nicht auch mal mit dem neuen Postauto spielen wollten oder gern Roller und Fahrrad fuhren, jedoch ihre Art zu kommunizierend und zugewandt zu spielen war in der Vorschulzeit und auch später eine grundsätzlich andere, als die der Buben.

Während ein wildgewordenes Müllauto mit viel brumm und krawumm die friedlichen Playmobil-Männchen umnietete, entstanden unter den kundigen Patschhändchen der jüngeren Schwester niedliche, dem Bruder langweilig anmutenden, Puppenstubenaufbauten. Und diese mischte er gern auf. Obwohl das Jungchen eher einer von der sanften Sorte war und inzwischen ein solider Mann und liebevoller Vater ist, hat er und seine Schwestern uns damals eines besseren belehrt, was das natürliches Agieren der Geschlechter von Geburt an betraf.

Die Puppe symbolisiert die Bezogenheit zur eigenen Art. Wir können auch sagen alles was uns ähnlich sieht, ist für das Mädchen oft sehr viel interessanter, als für den durchschnittlichen Knaben. Phasenweise spielen auch Jungs mit Puppen oder haben ihre Kuscheltiere als Begleiter, aber beim nächsten entwicklungsbedingten Testosteronschub kann sich manches ganz schnell ändern.

Aber was hat es eigentlich mit all den Autos, Baggern und sonstigem Gefährt auf sich, auf die kleine Jungs so abfahren? Das Auto ist quasi die Weiterentwicklung der, über die eigene Natur hinaus gehende, Mobilität, die eines Tages als erstrebenswert entdeckt wurde um mit anderen, schnelleren Wesen mitzuhalten. Als Läufer (und Jäger) gehört der Mensch ja eher zu den langsamen Arten. Jedoch hat er inzwischen alle anderen Arten, aber auch restlos alle, mit seiner Technik überrundet. Und die Mühe, den Nachteil an natürlicher Geschwindigkeit auszugleichen, hat sich eben nicht der weibliche Teil der Spezies Mensch, die Frau, gemacht, sondern eindeutig der Mann. Er hat den schnellen Pferden eine Weile hinterher gesehen und sich dann deren Potenz zu nutze gemacht. Er nahm ihnen die Freiheit und spannte sie im wahrsten Sinn des Wortes für seine Zwecke ein. Angeblich hatte das Ziehen der Streitwagen noch vor den Reitpferde die größere Bedeutung.

Die Symbole der Mobilität, mit denen besonders die kleine Jungs noch immer so gern und fasziniert spielen, waren früher Pferd und Wagen und heute halt das Auto und andere schnelle Fortbewegungsmittel. Die Mädchen spiel(t)en dereinst bestimmt auch mit Tieren, ich frage mich jedoch, ob sie auch Jagdszenen nachstellten?

Das Puppenspiel der Mädchen ist in deren Entwicklungsphasen auch mal mehr und mal weniger angesagt. Aber es hatte, auch für Erwachsene, schon immer einen magischen Moment - so war es in der (paläotithischen) Vergangenheit und so ist eigentlich noch heute. Mit einer Puppe zu spielen, bedeutet für ein Mädchen auch mit Ihresgleichen zu spielen. Die weiblichen Figurinen (und somit das Püppchen) finden wir über viele Jahrtausende hinweg. Sie sind die Stellvertreterin der mütterlichen und töchterlichen Weiblichkeit und Symbol für die Bindungsgemeinschaft. Wir finden das Püppchen in so manchem Märchen wieder, als Zauberding und als mystische Vertreterin - es ist ein Abbild und steht für die Kräfte und Fähigkeiten des symbolischen Menschen und der Frau im besonderen.

Elefantenstein aus Nellys Sammlung Stone Art
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23 August 2012

...unser Garten

Unsere Familie, hatte auch einen Schrebergarten. Und in den Garten zu gehen bedeutete nicht, einfach nur mal eben um das Haus herum zu laufen, sondern das ganze Dorf zu durchqueren.
Neulich erst habe ich von dem Weg geträumt – die lange Kastanienallee entlang und ein Stück hinter dem Spritzenhaus links abbiegen, dann die Straße entlang bis hin zum Sportplatz. Um diesen Platz herum, vorbei an zwei drei netten Häuschen wieder links um die Ecke. Da kam auch schon die Straßenbrücke über die Schmale Gera mit dem wenig sicheren Metallgeländer und nach dem Überqueren war man auch schon da. Zwischen der rechterhand liegenden Mühle und dem linkerhand liegenden verwilderten Ende des Gärtnereigrundstückes befand man sich am Dorfrand, wo Gärten allmählich in Felder übergingen. Zwei Seiten unseres Gartens bildetet eine Ecke der Straßenkreuzung und bei deren Überqueren stand man direkt vor unserem Gartenzaum.

Es war ein Nutzgarten, wie er in der Nachkriegszeit geschätzt wurde. Mit Platz für Kartoffeln, jede Art von Gemüse - vom Kohlrabi über Tomate bis Grünkohl und ein paar Obstbäumen. Das war kein Garten um sich zu erholen und spielen, dort wurde gearbeitet. Doch kleinerweise empfand ich diese Arbeiten, in die ich immer irgendwie mit eingebunden wurde, auch als Spiel. Ich konnte in der Erde wühlen, Regenwürmer ärgern, Steine sammeln, Erdbeeren ernten - eine in die Schüssel und eine in den Mund – und wenn es mir zuviel wurde, mich mit meiner Puppe hinter den Johannisbeeren verkriechen. In der Laube sitzen und lesen, das war erst später. Anfangs gab es sie nicht, unsere winzige Gartenlaube. Mein Vater hat sie später selbst gebaut - ein niedliches kleines Haus aus Holz, vorn mit schrägen Gittern, an denen sich Kapuzinerkresse hochrankte. So groß wie ein Buswartehäuschen und am Anfang vorn offen. Ein guter Unterstand bei Regen und mit Platz genug um einiges unterzustellen, damit nicht immer jede Hacke und jeder Rechen zwischen unserem Zuhause und dem Garten hin und her gekarrt werden musste...


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21 August 2012

Rauch

Mein Vater rauchte Zigaretten und ich glaube es waren nicht wenige. Ebenso wie er damals zwischen Ende der 40er und Anfang der 60er Jahre von Zeit zu Zeit stark dem Alkohol zu gesprochen hat und dabei so einmal im Monat zwei, drei Tage völlig versackte. Über einer Kneipe zu wohnen ist für einen Alkoholiker sehr kontraproduktiv.

Ich bin jedenfalls als Kind mit Zigarettenrauch groß geworden und finde ihn heute nur noch eklig, obwohl ich in meiner Jugend selbst einmal so was wie geraucht habe. Es war damals chic sich den Rauch um die Nase wehen zu lassen und dabei elegant eine Zigarette mit Goldmundstück (ein Packung lag dem Geburtstagspäcken zu meinem Achtzehnten bei) zwischen den Fingern zu balancieren. Richtig geraucht habe ich, so glaube ich, nicht. Das lief eher nach dem Motto: eine schöne Tasse Kaffee und dazu ein Zigarettchen. Während meiner ersten Schwangerschaft wurde mir zum Glück von jeder Art Rauch, der mich umgab, regelmäßig schlecht, da musste ich nicht mal selbst rauchen. Seitdem rauche ich auch nicht nicht mehr und meide Raucher so gut es geht. 

Zigarettenrauchen gehörte damals nicht nur zur Normalität, sondern fast zum guten Ton. Für meinen Vater allerdings, der schwer Herzkrank von der einjährigen Zwangsverpflichtung zur Untertagearbeit im Wismuter Uranabbau zurückkam, war es eine zusätzliche gesundheitliche und daher unvernünftige Belastung. 


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19 August 2012

Ins Kino gehen

... vor fünfundfünfzig Jahren – einmal die Woche kam der Kinowagen in unserer Dorf. 
Für mich war das der Höhepunkt schlechthin, wenn ich im abgedunkelten Raum auf den harten Stühlen sitzen konnte und mich in die mir bisher unbekannten Welten entführen ließ. Nachmittags gab es eine Kindervorstellung und am Abend wurden die Filme für die Erwachsenen gezeigt.

Jedenfalls hatte das Kinoprogramm für uns jüngere Nachmittagsguckern auch einiges zu bieten. Was habe ich mir nicht alles angesehen! Habe ich überhaupt je eine Vorstellung ausgelassen? Da gab es nicht etwa bloß bunte Zeichentrickfilme wie „Das bucklige Pferdchen“ oder die netten ruckartigen Puppenanimationen in denen „Frau Holle“ ihre Betten schütteln ließ. Für die Dorfjugend ab sechs Jahre wurden an den Nachmittagen auch handfeste Spielfilme gezeigt. 

Und so sorgte ich natürlich dafür, dass an dem Tag die Hausaufgaben rechtzeitig fertig und die Kaninchen versorgt waren und dass das Kinogeld bereit lag – was war das damals – fünfzig Pfennig? Oh ja, auch ich war weiland recht empfänglich für die großen Gefühle auf der Leinwand – Herzschmerz, Gefahr, Leidenschaft, Heldenmut, Liebe, Happyend. Ich erinnere mich, wie mich Tage-, nein Wochenlang, das tragische Schicksal von Puschkin oder Kotschubej beschäftigt hat. Und natürlich das des Graf von Monte Christo in zwei Teilen - mit Jean Marais. Zum Glück wurden uns nicht nur russische Spielfilme gezeigt. 

 

27 Juli 2012

Fahr vorsichtig


Urlaubszeit – Reisezeit – Ferienspaß – und doch - manchmal möchte ich am liebsten gar nicht wissen, wo und wie sie alle, die mir nahestehen, gerade unterwegs sind...


Fahr vorsichtig oder pass auf dich auf

 

Wir kennen alle solche Sätze, aus unserer Jugendzeit und von uns selbst, wenn wir sie anderen mit auf den Weg geben. Sie sind Synonyme für: Ich wollt, du würdest bleiben! Ich hab dich lieb und möchte eigentlich nicht, dass du gehst! Ich möchte dich nicht, nichtmal für kurze Zeit verlieren! Ich weiß, dass du dich mit jeder Fahrt auch in eine tödliche Gefahr begeben kannst - doch ich sprech es nicht aus, niemand spricht es aus.
 

Wenn wir die Aktivitäten unseres, heute so wenig verbindlichen Alltags so wahrnehmen und benennen würden wie sie sich in unserem Inneren darstellen und von uns gefühlt werden, wenn wir stets den Trennungsschmerz zulassen würden, der zu diesen Urerfahrungen passt, könnte vielleicht keiner mehr sein modernes Leben leben. Verlust ist unser täglich Brot. Verdrängung ebenso. Der Irrwitz des ständigen Ausblendens, dass wir von den wenigen Menschen, die uns nahe stehen, tagtäglich mehrmals trennen müssen, passt nicht zu unserer menschlichen Gruppenurerfahrung. Kinder traben in die Schule, fahren Bus und Rad. Erwachse müssen ihre Ausbildungs- und Arbeitsstätten aufsuchen. Die sind eher selten zu Fuß zu erreichen. Es wird Tag für Tag mit dem Auto und der Bahn gefahren und obwohl in der Regel am Abend alle wieder heil zu Hause sind, bleibt die gegenseitige, gut eingefrorene tägliche Sorge. Ein ungeheurer energetischer Aufwand und diese Energie fehlt uns an anderer Stelle.
 

Wir leben fast nie mehr in natürlichen Verhältnissen mit vielen Angehörigen, mit denen wir überschaubar unsere Tage verbringen, gemeinsam arbeiten und unsere Gefühlswelt teilen. Statt dessen wird von jedem Erwachsenen erwartet, dass er sich autonom verhält und (immer wieder neue) Lebensgefährten sucht. Wir zähmen die Menschen, mit denen wir zusammenleben wollen, wie der kleine Prinz den Fuchs. Wir arbeiten daran, sie uns vertraut zu machen und werden dabei immer von dem unterschwelligen Bewusstsein begleitet, sie ohnehin wieder zu verlieren.
 

Unter diesem Gesichtspunkt könnten wir auch annehmen, dass die zweifelhafte Heiratsformel „...bis dass der Tod euch scheidet“, nicht so sehr als Fessel gedacht war, sondern eher als eine Art Garantieversprechen in puncto verlässliche Zugehörigkeit, besonders für die junge Braut. Als (kläglichen) Ersatz für die nicht mehr stattfindende (mütterliche) Sippenzugehörigkeit.
 

Fahr vorsichtig! Pass auf dich auf! Ziehst du dich warm genug an? Isst du ordentlich? - Sprüche, die jeden älteren Teenager und manchen Partner auf die Palme bringen. Und die doch von Seiten der Eltern bzw. der Zurückbleibenden, zwei wichtige Funktionen des Zusammenlebens zum Ausdruck bringen: zum einen, unter dem Eindruck der Trennung, (verschlüsselt) auf die Innigkeit der Verbindung hinzuweisen und zum anderen und hier gerade den jungen Menschen beim Verlassen der geschlossenen Gruppe vor den „Gefahren der Wildnis“ zu warnen. Schließlich ist unser modernes Leben auch gefährlich, gerade auf der Autobahn. Grund genug sich zu sorgen. Daher sind diese Sprüche einfach nur ein natürlicher Reflex und in ihrer Umschreibung an die heutige Art angepasst unsere Gefühlslagen zum Ausdruck zubringen. Also werten wir die Sprüche, als das was sie sind: wichtige, wertvolle Bänder zwischen uns und unseren uns Angehörenden.

Also allen eine schöne Urlaubszeit und fahrt vorsichtig!
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23 Juli 2012

Frau und Arbeit

Schluss mit niedlich! Lange genug dümpelte mein Blog mit kleinen Nettigkeiten und anderen Kurznachrichten durch das Jahr. Dieses ist zur Hälfte um und da sich der Sommer jetzt scheinbar aufrafft, versuche ich das jetzt auch! Hier ein Essay, angeregt durch eine Facebookdiskussion:

Frau und Arbeit

Überall da, wo heute Frauen in Männervereinigungen zugelassen werden und in diesen sogar eine gewisse Karriere machen können, müssen sie sich auch den nach wie vor herrschenden (Hierarchie)Regeln beugen. Die Möglichkeit einen Fuß in die Tür zu bekommen wurde sich von Frauen immer wieder hart erkämpft und es dauerte bis ins 20. Jahrhundert bevor manche dieser Tür ganz aufgestoßen wurde.
 
Ich erinnere mich noch lebhaft an eine Geschichte über Florence Nightingale, die ich in meiner Jugend las und daran wie sehr mich das Gelesene tagelang beschäftigte. Das heldenhafte Verhalten der Krankenschwester und ihr aufopfernder Kampf in Schlachten verwundete Männer angemessen medizinisch zu betreuen, nötigte mir trotzdem wenig Respekt ab. Ich wandte mich einmal mehr angewidert von der selbstverständlichen Praxis ab, die Frauen als Hilfskräfte in den (blutigen) Männerspielen missbraucht und deren selbstlosen Einsatz entweder zu bejubeln oder kleinreden. 

Das mich umgebenden Selbstverständnis, dass Frauen ihre Kraft immer wieder (freiwillig) auf den kleinen und großen Schlachtfeldern der männlichen Anmaßung hingebungsvoll einsetzen, scheint sich nicht zu ändern. Und sie sind immer noch bereit, diese ihre Rolle zu perfektionieren. Das es so ist hat verschiedene Gründe. Einer mag auch sein, dass frau immer wieder versucht ist, mit ihrer ungewürdigten Arbeit Humanität in alle Arten von männlichen Aktionen zu bringen. 

Manches konnte sich frau vor zweihundert oder nur einhundert Jahren kaum vorstellen, aber in unserer derzeitigen Kultur kann die Frau in der nach wie vor etablierten Männerwelt eigentlich alles werden. Von der Staatschefin über die Konzernmanagerin oder Krankenhausärztin und Professorin bis hin zur Soldatin. Dazu gibt sie allerdings am besten für bestimmte Zeit Teile ihre Persönlichkeit inklusive der weibliche Grundausstattung an der Garderobe ab. (wahrscheinlich verändern sich durch die allgemeine Unterwerfung in einem Hierarchiesystem sowieso eine jede Persönlichkeit - bereits unter dem Eindruck der intensiven Gehirnwäsche seit jüngster Kindheit innerhalb des kollektiven Stockholmsyndrom)
 
Die berufstätige Frau wird als Erwerbstätige zu einem Bauteil, einem Rädchen im Getriebe, in den hierarchisch geführten Betrieben, welche die Arbeitswelt unserer Gesellschaft ausmachen. Und das kann heutzutage eben alles sein – Gesundheitswesen, Schulen, Universitäten, Behörden, Dienstleistungsgewerbe, wie Post, Bahn oder Fluglinien, Medien- und Wirtschaftsunternehmen sowie Kirche, Polizei und Militär – überall da wo sichtbar Uniform getragen wird oder diese äußerlich nicht sichtbar in einer bestimmten Konformität oder Art der Zugehörigkeit zum Ausdruck kommt.  

Die moderne und hervorragend durch das patriarchale System konditionierte Frau, ist so an den maskulinen Takt unserer Gesellschaft gewöhnt, dass sie gar nicht auf die Idee kommt, dass ihre Unterwerfung unter dieses System eine unweibliche Monstrosität ist. Das geht soweit, dass aus der Erkenntnis heraus, dass sich etwas ändern muss, die Frau einen Paradigmenwechsel mit den ungeeigneten Mitteln patriarchöser Strategien herbeizuführen versucht. Dazu gehört beispielsweise das feministische Bemühen mit der Männerwelt gleichzuziehen oder die naive Vorstellung, dass ein männlich inszenierter Gott weibliche Priesterinnen braucht.
 
Nun geschieht jede Art von Unterwerfung ja nie wirklich freiwillig. Auch dann oder erst recht nicht, wenn frau unter dem Eindruck ihrer derzeitigen Pseudo-Freiheit glaubt, sich willentlich und gern für irgendeine zur Zeit angesagte Fremdbestimmung entschieden zu haben. Die Kombination aus dem natürlichen Drang des Überleben müssen in einer Gesellschaft, die ihre Töchter so früh wie möglich separiert und den begleitenden Ideologien, setzt Frauen auf infame Weise matt. Die indoktrinierte Hörigkeit gegenüber männlichen Vorgaben, die meist raffiniert verdeckt, selbst im heutigen mütterlichen Wort daherkommen, schirmt die Frau von ihrem eigenen weiblichen Selbst ab und lässt sie immer mehr die lebenserhaltende, konsanguine* Gemeinschaft ablehnen .
 
Das weibliche Sein bricht sich jedoch mehr oder weniger trotzdem Bahn. Immer da, wo Frauen sich den Ausdruck ihrer persönlichen Kreativität nicht nehmen lassen und diese einfach leben. Wo Frauen die Verwegenheit haben selbstständig oder freiberuflich zu agieren, auch um für ihre Kinder eine naturgemäße Lebensgrundlage zu schaffen. Und auch da wo Frauen schon mal bewusst vielversprechenden Berufsaussichten den Rücken kehren, um am Gedeihen ihrer Kinder direkten Anteil zu nehmen, wohl wissend, dass ein erfolgreiches Anknüpfen in der Regel nicht mehr möglich ist. 

Ich würde sagen, Frau kann nicht wirklich ihr genetisches Programm ignorieren, auch wenn der derzeitige Mainstream immer noch bemüht ist aus Frauen Ersatzmänner zu machen. Selbst wenn sich für jede Arbeit, die ein Mann verrichtet, bestimmt eine Frau finden würde, die das ebenfalls tun könnte, bleibt eben doch das Warum (sollte sie) und das Wie (kann sie es weiblich umsetzen) offen. Der Mann hat unter anderem die Welt in Arbeitszeit und Freizeit unterteilt. Auf der einen Seite seine Projekte oder die Mission (Dienst am Herrschaftssystem) und auf der anderen Seite sein Privatleben mit Weib und Kind und diese beiden Daseinskomponenten sollten sich möglichst wenig berühren.
 
Das ist aber kein weibliches Sein. Die Frau (hier als Synonym für die Urmütter) war einst die Erfinderin der alltäglichen Arbeit, in die ihr ganzes schöpferisches Potential floss und eigentlich ist es immer noch so. Frauen machten naturgemäß keinen Unterschied zwischen Arbeit und Privat und sie übten einst jede Tätigkeit in natürlicher Kooperation in ihrer zugehörigen Gemeinschaft aus. Also fangen wir damit an Arbeit mit weiblichen Sinnen zu erfassen... 



(*verwandt durch Geburt oder auch blutsverwandt in der mütterlichen Linie)
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19 Juli 2012

voll krass

...ich habe bisher keine Tageszeitung abonniert und lese gerade eine zur Probe!
Das Ergebnis: ich bin schon am frühen Morgen frustriert ob der vielen kleinen und großen Katastrophen auf der Welt und in der näheren Umgebung... 
liebe Zeitungsmacher, das geht nicht gegen euch persönlich und es ist auch gut, dass es euch gibt und ihr einen Job habt, aber gleich morgens News, von denen die meisten einen gewissen Schrecken beinhalten, ist einfach nicht gut für mein Gemüt...
vielleicht würde ich es besser wegstecken, hätte wir draußen nicht:

...grauer Himmel – Höchsttemperatur 14° C – Regen...

grüner Trost auf dem Balkon
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18 Juli 2012

Schmalzwetter

...grauer Himmel – Höchsttemperatur 14° C – Regen... was ist das? 

Schmalzwetter!

Bei diesen gruseligen, tagelangen Wetterkombinationen fühle ich mich in gewisse kindliche Erinnerungszeiten versetzt. Und so überkommt mich zur Zeit das unkontrollierte Verlangen nach Gänseschmalzbrot und warmem Kakao – eine typische (Spät)Herbstanwandlung - und ich starre konsterniert auf meinen bunten Küchenkalender um mich zu vergewissern, dass wir wirklich Mitte Juli haben...



06 Juli 2012

Neu und Alt zugleich


Falls meine weibliche Leserschaft daran interessiert ist - ich habe auf Facebook eine Gruppe gegründet und freue mich über jede MitFrau!


Frauen - Großmütter - Mütter - Schwestern - Töchter - Tochtertöchter begegnen sich auf Augenhöhe! 


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02 Juli 2012

Mangel und Sehnsucht


Eine Freundin fragt in ihrem Post, ob es schon so was wie eine Sucht sein könnte, das morgendliche Bedürfnis erst einmal den Laptop anzuschalten und zu sehen was es Neues gibt und wie es den Bekannten der Bloggergemeinde geht oder was im sozialen Netzwerk los ist?

... ich denke ja von Sucht kann hier kaum die Rede sein (obwohl diese im Zusammenhang mit Spielen durchaus auftreten kann) - es ist wohl eher eine Art von SehnSucht!

Das chronische Fehlen einer nahestehenden Gemeinschaft in der wir gut aufgehoben sind, insbesonderes einer weiblichen, ist in unser aller Leben ein Mangel, den die Gesellschaft in der wir leben seit Generationen kultiviert und nicht abzustellen gedenkt.

Die virtuellen Verbindungen, die wir nicht mehr missen möchten, sind Ersatz für direkte menschliche Kommunikation und gleichzeitig eine Vermeidung derselben.

Luisa Francia hat mal die Frage gestellt, warum kein Sciencefiction - Autor je das Internet vorausgesehen hat... tja warum wohl?

Wahrscheinlich, weil die (überwiegend männlichen) Autoren das Bedürfnis nach menschlicher Nähe und einem Dauerkontakt unterschätzt und die Edelmütigkeit der zukünftigen Generationen, denen Geld kaum noch etwas bedeutet, überschätzt haben. Denn das Internet ist vor allem zum Geschäfte machen initialisiert worden - die wunderbare kommunikative Vernetzung der vielen vereinzelten Gesellschaftmitglieder ist nur ein Nebeneffekt, der sich ausbreitet...



29 Juni 2012

Flötentöne und Hansetag


Das musst du fotografieren sagte Isolde...

als wir auf dem Weg zu einer der Freilichtbühnen auf dem Hansetag Lüneburg waren...


um das Konzert des Flötenorchester 
"Blautöne" zu erleben, bei dem ihre Mama mitflötet...


...was waren wir begeistert!













21 Juni 2012

für Jonathan

... für Jonathan (sieben Jahre), sowie seine Geschwister und Eltern!


der Kleine erhält ab heute eine Knochenmarkspende gegen seine schwere Krankheit
 .... ich bin in Gedanken bei ihm...