29 Juli 2014

Zwischen Fantasie und Wirklichkeit

Anne, die lange durch die Besucherleeren Räume des geschlossenen Museums geirrt war, stand nun erschöpft vor einem riesigen Gemälde. Es war ein pompöses Bild, in dessen Tiefe sie sich schier verlieren konnte. Es schien ihr, als könnte sie es betreten. Die Staffagefiguren im Vordergrund waren klein und zierlich, fast winzig, eigentlich passten sie nicht wirklich zur restlichen Bildkomposition. Die prächtige Landschaft, eingehüllt in ein diffuses Licht, lud zum Träumen ein ... 

bitte weiterlesen in meinem Blog KurzundProsa und ich wünsche euch weiterhin einen schönen Sommer ...

26 Juli 2014

null und nichtig


...seit neustem bin ich auf FB in einer Gruppe, die nennt sich „Nichts“. Das fand ich witzig und so habe mich gleich um Aufnahme beworben. Und nach dem ich dort auch einen nichtigen Spruch gepostet habe, lässt mich das Nichts um das Nichts nicht mehr los...

Das so vielfältig schillernde NICHTS ist den meisten seltsamer Weise sehr gut bekannt. Einigen aus ihren unterschiedlichsten Selbstversuchen, anderen beispielsweise aus Der unendlichen Geschichte. Dort ist das 'Nichts' ein grausames Ereignis, dass Stück für Stück das wunderbare Phantasien verschlingt – aber, keine Sorge, es eilt, wie es in der Literatur üblich ist, ein Retter herbei. Ein Junge bringt mit seinen fantasievollen Wünschen das Land erneut zum erblühen. Ich hoffe inständig, dass sich alle kleinen und großen Mädchen auch dessen bewusst sind, dass sie jederzeit ebenfalls ein Phantasien schaffen können ... also, ich werde nicht müde es ihnen zu sagen!
Das sogenannte Nichts ist somit eines der Tore, durch das wir unsere innere Welt betreten können und gleichzeitig ist es ein Portal zu den Gefilden, die gern als Anderswelt beschrieben werden. Das Nichts kann eine Art Brennglas sein, das unsere Sinne fokussiert - wir sehen, hören und fühlen mehr ... die Welt um uns wird dichter und gleichzeitig lichter... sie wird bunter, lebhafter und ebenso stiller und tiefer.
Das 'Nichts' hat erstaunlich viele Fassetten und dafür, dass es quasi nicht existent ist, finde ich diesen Umstand außerordentlich bemerkenswert. Eigentlich ist das Nichts eben absolut Nichts - so wie die Null eine Zahl ohne Wert ist. Aber und auch das beachtenswert, ohne die Null können wir auch keine Zehner, Hunderter, Millionen schreiben.
Das Nichts ist eine nicht bestimmbare Größe, in der wir uns ergehen können, mit und in ihr tun oder lassen was wir wollen. Andererseits ist Nichtstun verpönt. Aber was bedeutet es 'nichts' zu tun? Und wo kommt der schlechte Ruf des Nichtstun her?
Na? ... Aha … siehste, das ist es … wir sind erfolgreich dressiert worden und so haben wir wie es scheint, im Blick auf unser persönliches Sein nicht selten eine verschobene Wahrnehmung und oft auch ein völlig falsches Bild vom NICHTS und vom TUN. Ein Nichts-Tun gibt es nicht.
So wie es in Wirklichkeit das „Nichts“ nicht gibt. Es ist immer etwas da und es findet immer etwas statt, in unserer materiell- und energetisch-durchdrungenen Welt. Es ist eine Frage der Wertung bzw. der Bedeutung und was wir als beachtenswert oder als nichtig, für unsere Handlungen, Denkweisen oder Gefühle, halten.
Wenn ich sage: ich tue nichts, heißt das noch lange nicht, dass ich tatsächlich nichts tue – denn dann wäre ich tot. Und selbst da... wer weiß...
Das Leben 'tut' immer etwas - seit dem Moment, da es begonnen hat zu existieren. Und auch wir sind stets eins mit unseren inneren, vegetativen Abläufen, so wie wir uns unbewusst auf die lebendigen, selbsttätigen Automatismen in unserem Körper verlassen. Auch unser Geist ruht nie wirklich.
Unsere sinnliche Wahrnehmung ist immer aktiv. Selbst wenn wir vermeintlich nichts tun, kreisen wir mehr oder weniger aktiv in unserem inneren Kosmos. Was also ist dieser Begriff des Nichts? Er erscheint uns so plausibel, wir begegnen ihm überall - er ist und doch so wenig greifbar.
Seit unserer Geburt sind wir in eine Art 'sozialen Kollektivvertrag' eingebunden. Ohne unsere menschliche soziale Einbindung, die unserer Spezies eigen ist, hätten wir unsere ersten Tage nicht überlebt. Die soziale Gruppe ist ein Teil von uns, immer! Da gibt es kein Nichts, darf es nicht geben, zum gedeihlichen Heranwachsen des Einzelnen und zum Wohle aller.
Zwar suggeriert unser modernes Dasein manch einem, dass er gut ohne andere auskommt und niemanden wirklich braucht, doch benutzt er ohne groß darüber nachzudenken die Wasserleitung, das Stromnetz, die Abwasseranlage, die öffentlichen Verkehrsmittel, geht in all den kunterbunten Shoppingparadiesen einkaufen und hat einen Arbeitsplatz, an dem er für all das, das notwendige Geld verdient. Der (modere) Mensch partizipiert ständig von der Existenz und der Arbeit aller anderen, ohne dass diese essentielle Abhängigkeit als solche permanent thematisiert wird. Da der Großteil dieser benötigten Gütern und Dienstleistungen meist anonym bereitgestellt wird, nimmt es so mancher nicht nur selbstverständlich hin, es scheint ihm auch wie aus dem Nichts zu kommen.
Das Nichts ist eine Illusion ... es ist das Phänomen, das Existenz und Nichtexistenz in sich vereint und ab und zu brauchen wir einfach eine Priese von diesem NICHTS, damit uns die deftige Wirklichkeit nicht umhaut...


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25 Juli 2014

tanzen im Saal - Kindheit die Siebte

... es ist doch nicht so leicht, den Vorsatz durchzuhalten, täglich zu posten. Manchmal kommen schlichtweg Termine des Alltags dazwischen, persönliche Befindlichkeiten oder das Hirn ist leer, wie ein frisch gefegter Tanzsaal nach einer Kirmes.
Wie komme ich denn auf den Vergleich?
Aja, es ist wieder einmal ein Kindheitserinnerung. Für mich war es einst das Tollste in den leeren Saal zu schleichen und dort auf dem glatten, kunstvoll verschachtelten Parkett allein zu tanzen. Der Saal gehörte zu den Gebäuden des Dorfgasthauses, in dem wir, wie schon erwähnt, eine kleine Wohnung in einem Seitentrakt bewohnten.
Meine Hausschuhe hatten alle eine Zeitlang ständig vorn durchgestoßene Stellen, weil ich, wo ich ging und stand, Spitzentanz übte. Das muss sehr putzig ausgesehen haben mit meinen meist molligen, karierten Hausputschen. Ich fand es toll leichtfüßig auf meinen Zehenspitzen vor mich hin zu tanzen und war ich barfuß, blieb mir immer noch die Halbspitze. Kindern ist es, glaube ich, egal wie sie dabei aussehen, wenn sie sich nach einer, manchmal nur inneren, Musik bewegen wollen. Ich frage mich heute, wo ich meine Vorbilder herhatte. Aus Kinofilmen wahrscheinlich, die mir schon kleinerweise zugänglich waren. Einen Fernseher gab es nicht in meinem Kinderleben und eine Ballettaufführung auf einer richtigen Theaterbühne habe ich erst viel später gesehen.
Ich liebte es in dem Saal herum zu stöbern. Meine Mutter hat ihn oft genug geputzt und war ich immer dabei, wenn es die Gelegenheit erlaubte.
An der hinteren Wand des Saales gab es eine Bühne, wie damals in fast jedem Dorfgasthaus. Demgegenüber hing eine, mit Fenstern versehene, Empore über dem Eingangsbereich und der Theke. Eine schmale düstere Treppe, die mir gruselig erschien, führte nach oben. Aber dann war es für mich jedes mal erhebend von da das Geschehen auf der Bühne zu verfolgen.
Kirmestanz oder andere Veranstaltungen fanden meist an den Wochenenden statt. Und später, als ich selbst ein Schulkind war, diente der Saal unter der Woche als Turnhalle, was aus meiner Sicht seinem besonderen Zauber sehr geschadet hat.
Aber als ich klein war, wurde auf der Bühne des Saales Theater gespielt, Schulaufführungen, Laienspiel und ähnliches. Manchmal gastierte auch ein Chor oder eine andere darstellende Truppe. Am lebhaftesten sind mir noch die Marionettenspiele, die mehrmals stattfanden, im Gedächtnis. Es wurden Märchen und Sagen vor bunten Kulissen aufgeführt, so zum Beispiel die Geschichte von der Heiligen Genoveva. Es ist schon erstaunlich, was so Anfang der fünfziger Jahren noch möglich war und ich fand es einfach nur wunderbar - anfangs waren die kunstvollen Puppen fast so groß wie ich, bis ich über sie hinaus gewachsen bin. 
Von den Geschichten habe ich damals meist nicht viel verstanden, aber die Genoveva war sehr lieblich in ihrem himmelblauen Seidenkleid und dem goldenen Stirnreif, auch wenn sie sich ein wenig hölzern und eckig über die Bühne bewegte. Genoveva habe ich viele Jahre später in Lübeck im Marionettenmuseum wiedergesehen. Ich bin überzeugt davon, dass es genau die Puppe aus meiner Kindheit war - wir lagen uns weinend in den Armen, bildlich gesprochen.
In all den Jahren hatte ich immer mal wieder die Gelegenheit den Saal für mich allein zu haben. Die Bühne, mit dem schweren, dunkelroten Vorhang, die Ecken und Nischen und die mir damals riesig erscheinende Tanzfläche. Nur wenige Augenblicke dort herum zu hüpfen, Pirouetten zu drehen, mich im Takt einer unhörbaren Musik zu wiegen und in eleganten Posen zu ergehen, konnten mich für Tage glücklich machen.

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22 Juli 2014

leseprobe aus "jetlag"

Der Alte bewegte sich gemessen. Unter seinem Arm klemmte ein dünnes großformatiges Buch, in seinen Händen trug er ein silbernes Tablett, das er jetzt auf dem Tischchen im Erker abstellte.
"Setzen Sie sich! Ich habe eine wichtige Quelle mit gebracht. Eines der Haushaltsbücher aus dem Zeitraum. Da wollen wir doch mal sehen. Ach ja, bedienen Sie sich bitte."
Das war mehr als ich in diesem Gemäuer bisher gewohnt war. Ich nahm auf den mir bekannten Stühlen Platz, die noch genauso zierlich und makellos vor den Damastvorhängen standen, wie ich sie kannte. Die Bezüge schienen nur etwas abgewetzter. Auf einem der Stühle hatte ich erst vor ein paar Tagen, die eigentlich fast 200 Jahre zurück lagen,  gesessen...  

bitte hier weiterlesen: KurzundProsa


21 Juli 2014

launig bis launisch...


gerade frage ich mich, ob nicht vielleicht launig und launisch das Gleiche ist ... schnell noch mal nach sehen - nein ist es nicht ... ich bin also gern launig, aber launisch bin ich nicht. Ich erinnere mich, als ich noch klein bzw. jung war, wurde auch mir manches Mal nachgesagt, ich wäre launisch ... dabei ging es mir vielleicht gerade nur nicht gut oder ich wurde wieder einmal nicht gehört und bekam vor lauter Frust 'schlechte Laune'.

Launisch sein ist ein Zustand, den man selten selbst bei sich diagnostiziert. Die „eigenen Launen“ fallen einer meist gar nicht auf. Dafür reagiert unser Umfeld auf unsere sogenannten Launen. Und das führt oft genug dazu, dass das liebe Umfeld uns noch mehr unter Druck setzt oder ganz und gar ablehnt, besonders für Kinder schwer zu ertragen und zu begreifen. Empathie kommt jetzt erst langsam wieder in Mode...

darüber hinaus ist meine Meinung dazu, wenn sich eine selbst für launisch hält, dann hat man es ihr eingeredet. Launisch, unbeständig, unzufrieden, mürrisch, wechselhaft, kapriziös - es gibt eine Menge Bezeichnungen für die, andere störenden, Gemütszustände und das meiste davon wird Frauen nachgesagt. Dabei sind es doch nur unterdrückte Emotionen. Das was als "Laune" bezeichnet wird, ist nämlich nichts weiter, als eine zurückgehaltene Gefühlslage, die sich durch Übersprunghandlungen, seltsames Verhalten oder genervte Reaktionen dann doch Bahn bricht und so an die Umgebung Signale sendet...

wenn ich mich nicht so geben kann wie ich möchte, bekomme ich "schlechte Laune". Mein Befinden ist dadurch gestört und oft sogar nachhaltig. Wenn ich nicht so sein darf wie ich bin, wenn die Fremdsteuerung wieder einmal mein Leben übernommen hat und trotzdem sich alle um alles andere kümmern, nur nicht um das Befinden ihres Mitmenschen, dann kann 'launisch sein' auch zum Dauerzustand, zur Masche, werden.

Darüber hinaus wurden und werden Frauen immer noch darauf trainiert, sich (an allem) die Schuld zu geben - „sieh doch erst mal wo deine Anteile liegen“, ist immer noch ein beliebtes (esoterisches) Programm...
'launisch sein' ist kein willkürlicher Akt. Wenn plötzlich die Stimmung umschlägt, gibt sehr wohl auch einen Grund - es ist die Folge von (unterschiedlichsten) Beeinträchtigungen. Dieser Grund ist nicht immer einfach zu erkennen und wie wir wissen, es geschieht nie absichtlich, sondern hier handelt es sich um eine (innerkörperliche) Reaktion auf Energien, die uns umgeben und die somit in unseren Gesamt-Körperhaushalt eingreifen. Aber auch körpereigene Zustände können auch zu einem "Witterungsumschwung" führen - wie eine blöde Hormonlage oder Krankheitssituation ... und da sind erst recht keine Vorwürfe angebracht, weder durch einen selbst, noch durch andere... Empathie und Zuwendung sind angesagt.

"Was die Welt zusammenhält sind Felder, Energiefelder..." und innerhalb und durch diese, sind wir mit allem Lebendigen vernetzt. Das Individuum einer jeden Art folgt immer zwei Lebensimpulsen – dem Selbsterhalt, der wiederum den Arterhalt möglich macht und so die jeweiligen Wesenheiten weiter existieren lässt. Das Bindungs- und Beziehungsgeflecht in das wir, besonders wir Menschen, vom ersten Moment unseres Seins eingebunden sind, sorgt auch für unsere 'Laune'. Das was gemeinhin als Launen bezeichnet wird, ist durch unsere (unbewussten) Empfindungsabläufe initiiert ... genau genommen gibt es keine Launen, im Sinne von unberechenbaren und als störend angesehenem Verhalten ... denn ... es gibt für alles einen Grund ... und wenn wir uns nicht die Mühe machen wollen oder können, die 'Launen' der anderen zu ergründen, müssen wir sie halt hinnehmen oder besser noch, einfach mal nach dem Befinden fragen ... Härte zeigen war gestern ... heute leben wir im Zeitalter (der Entdeckung) der Empathie... 

zum Thema 'Launen' siehe auch Freundinnenblog...


19 Juli 2014

Wetterbericht II

... 13.00 Uhr ... Sonne strahlt gnadenlos (die Wetterseite nennt das "Heiter") ... 31°C (soll sich noch steigern) ... 1016,5 hPa (oha, der Luftdruck fällt langsam) ... Luftfeuchte 40% (noch staubt es nicht) … es ist immer noch Sommer ...

Heute begebe ich mich wieder auf die Heimreise... über 30°C und dann im Auto vier Stunden auf der Autobahn... so gern ich solche Strecken fahre, heute habe ich etwas Bammel... aber immer noch besser als auf einem Kamel in der Wüste ... oder? Eigentlich dachte ich mir, ich fahre in die Abendkühle, aber mit kühl wird es wohl nichts... auch Zuhause erwarten mich mind. 29°C... aber vielleicht gibt es unterwegs ein Gewitter ... im Auto bin ich hoffentlich sicher ...
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17 Juli 2014

Der Sinn des Lebens...


oder die Sehnsucht nach dem höheren Sein...

Sinnsuche ist uns Menschen eigen und eine der Triebfeder unserer Existenz - so scheint es. Ein Dasein, das morgen schon abrupt enden kann, ist manchen bei weitem nicht genug. Oder ihnen dünkt, das Leben ist ein Spiel und das kann schnell vorbei sein. Selbst in unserer heutigen Zeit, da die Durchschnittsbevölkerung ein hohes Alter erreichen kann, wird das Leben als kurz angesehen. Da muss unbedingt eine Verlängerung her. Bis wir als Einzelperson unsere Gegenwart auf Erden richtig durchschaut und halbwegs im Griff haben, ist unsere Spanne an Zeit ja auch fast schon wieder um.
Dabei wollten wir doch noch so viel tun und lernen und uns verbessern und vervollkommnen. Vielleicht fiel uns endlich die entscheidende Erkenntnis zu und nun fehlen uns die Jahre und die Gelegenheit oder die Kraft diese für unser Dasein sinnvoll anzuwenden.
Da braucht manch einer einfach mehr Zeit und nicht etwa nur ein paar Minuten Nachspielzeit, sondern am besten eine Möglichkeit alles nochmal und nochmal zu wiederholen, quasi solange zu reinkarnieren, bis das perfekte Sein für uns dabei herauskommt. Die christliche Vorstellung feuert den Menschen an, sich mittels Tugendhaftigkeit während seiner Erdenspanne den himmlischen und damit ewigen Lohn zu verdienen. Blöd ist nur, wenn man dann trotzdem in der Hölle landet. Daher ist vielen die Variante des abgeschlossenen Jenseits zu
unsicher und daher zu unattraktiv. Die Menschenseele möchte mindestens eine zweite Chance, noch besser mehrere.
Das Hoffen auf eine unendliche Abfolge von zu korrigierenden Variationen des eigenen Seins, eine Art Lebenszeitschleife meines höheren Selbst, ist eine der beliebten Lösungen. Diese Vorstellung beruhigt das Menschenwesen, das inzwischen weiß, dass es nicht perfekt ist, dass vieles schief gehen kann und dass nicht jeder Einzelne ein langes und erfülltes Leben genießen kann. Ein für alle mal nur ein Leben zu haben ist für keinen ein leichter Gedanke.
Unser Geist erschafft, erforscht, gestaltet unzählige Vorstellungen von möglichen Seinsstufen in den wir uns virtuell bewegen, unabhängig von der realen Welt in der sich unsere körperliche Manifestation bewegt. Da lassen wir unsere materielle Hülle im Alltagstrott oder in leidvollen Zuständen einfach zurück und träumen uns eigene Welten und bewegen uns in phantastische Räume und Imagination. Und wenn wir darüber schweigen, wird nie ein anderer Mensch je davon erfahren.

Das Mysterium 'Leben' selbst ist eine gigantische vielfältige Kraft, die wächst und wächst, sich variiert aber nie wiederholt. Es gibt, soviel ich weiß, keine Schablonen oder Matrizen, die immer Gleiches hervorbringen, es ist bestenfalls ähnlich. Es gibt keine identischen Lebewesen oder vollkommene Kopien. Für mich ist es ein faszinierender Gedanke, dass jedes Lebewesen, klein oder groß, ein absolutes Unikat ist. Bei all der Artenvielfalt und -ähnlichkeit auf unserem wunderbaren Planeten sind doch alle als Individuum einzigartig.
Aber trotzdem sind wir, als Menschen und so ist es auch bei anderen Arten, niemals "Einzelkämpferinnen". Viele Arten leben in mehr weniger großen und in mehr oder weniger geschlossenen Verbänden und darüber hinaus sind alle symbiotisch in dem sich selbst organisierenden und balancierenden Ökosystem miteinander verbunden. Und die viele Jahrtausende zurückreichende lebendige Komplexität, die wir in jeder Zelle tragen, führt zu Nachkommen und diesen reicht der Mensch auch sein erworbenes Wissen weiter.
Unseren Erdball überzieht ein fantastisches lebendes Gewebe, in einzigartige Schönheit und geheimnisvoller Varianz. Ein Phänomen, dass uns immer wieder wie ein tiefer Zauber anmutet und doch nichts weiter ist, als der Impuls des Lebens, der sich einst vor langer Zeit in Gang gesetzt hat.
Dieser Lebens- und Arterhalt ist mir persönlich eigentlich als das wirkliche 'Höheres Selbst' genug. Ich bin Teil eines überwältigend großen Ganzen und transportiere mein mir anvertrautes, von den Ahninnen überliefertes Potential und das von mir erworbenes Sein durch die Zeiten...
das muss nicht immer gut gehen, so wie wir Menschen es immer wieder hoffen, denn wie sagte auch schon Erich Kästner:


„Wird's besser? Wird's schlimmer?“, fragt man alljährlich.
Seien wir ehrlich: Leben ist immer lebensgefährlich.


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Wetterbericht


... Sonne strahlt ... 27°C ... 1020,8 hPa ... Luftfeuchte 43% … es ist Sommer...


14 Juli 2014

ooooch

... ist die WM schon vorbei? Na wenigstens ist Deutschland Weltmeister geworden... (Ironiemodus aus)

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13 Juli 2014

coolness

... da steht in einem Kommentar des letzten Post, dass ich eine Art coole Großmutter wäre und in Luisa Francias Tagebuch geht es heute auch grad um coole Leute...
'cool' ist kein Wort aus meiner Jugendzeit. Ich müsste ein Weile nachdenken, ob es zu meiner Zeit überhaupt so was wie einen umschreibenden Begriff für das damalige Lebensgefühl in der DDR für mich gegeben hat, 'cool' fand ich unser Dasein jedenfalls bestimmt nicht... und ich kannte in den siebziger und achtziger Jahren auch nicht wirklich coole Leute.

Es war ein beschauliches und in mancher Hinsicht ein recht enges Leben. Aber hie und da gab es auch faszinierende Nischen und spannende Enklaven, doch wahrscheinlich alles eine Nummer kleiner, als im aufregenden 'Westen' der damaligen Zeit. 
Ich hatte damals auch anderes zu tun, als cool zu sein... in den Siebzigern habe ich, nach und nach, vier Kinder geboren und die Achtzigern waren damit angefüllt meine geliebte Kinderschar aufzuziehen ... und ich finde immer noch, das war eigentlich, auf meine Weise, auch ein recht cooles Leben...
natürlich weiß ich um die Bedeutung und Anwendung von 'cool' ... aber trotzdem kann ich diesen Begriff immer noch ein wenig schwer fassen – Coolsein, dass muss einfach passieren, man kann es nicht wirklich darauf anlegen cool zu sein, denn das wäre schon wieder uncool...

coole Achtzehn in bravem Outfit, leicht verschwommen...

coolness hat viel mit dem laufenden Mainstream zu tun und gleichzeitig ist es auch erst wirklich pfiffig, wenn es sich auf irgendeine Weise von selbigem abhebt... wenn ich das recht bedenke, ist das ziemlich cool...


12 Juli 2014

verreisen...

... von A nach B fahren, packen, für jedes Wetter etwas mitnehmen, an alles denken was frau so braucht und was heute unerlässlich ist... Laptop, Mouse, Kamera, Handy, und für alles Lade- und Verbindungskabel ... den ganz kleinen Zusatzlautsprecher für alle Fälle und weil mein Computerchen bei sommerlichen Temperaturen in seinem Tatendrang auch mal etwas heiß läuft, packe ich noch die leichte Gebläsekonsole mit ein. Allein die Technik füllt die halbe Reisetasche aus ... puh beinahe hätte ich jetzt das Aufladegerät für die Zahnbürste vergessen. Noch schnell ein paar DVD für Unterhaltungszwecke und für unterwegs ein paar Musik-CDs, um nicht nur auf die manchmal öden Programme des Autoradios angewiesen zu sein. Und schon bin ich reisefertig. Ach richtig, das Navi hat frau heutzutage ja auch immer noch dabei.
Aber bei meiner derzeitigen Reise ist es nicht wirklich nötig, die Route kenne ich im Schlaf und mein kleines Auto findet den Weg zu meinen Ziel schon allein ... aber damit die Fahrer nicht zu sorglos über die Straßen jagen und vor lauter entspannt sein nicht noch tatsächlich einschlafen, werden immer wieder und an wechselnden Stellen ganz fiese Baustellen auf der Autobahn eingerichtet... schmale Schlängelspuren, Geschwindigkeitsbegrenzungen, die an Feldwege erinnern und immer wieder unvermittelt ein kleiner Stau... so ist die Fahrt doch noch streckenweise so spannend wie ein Videospiel....

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09 Juli 2014

ich sage es immer wieder gern


Jede ursprüngliche Kulturtätigkeit ist ein Nebenprodukt des (menschlichen) Arterhalts...

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08 Juli 2014

relativ physikalisch...

Wo ein Körper ist, kann kein anderer sein ... Männer haben das als Jungs schon verinnerlicht und im naturwissenschaftlichen Unterricht bestätigt bekommen. Deshalb wird von klein an geschubst und gerangelt, sich gegenseitig überholt, gewetteifert und gekämpft, um zu guter Letzt als Gewinner auf dem Platz, dem Siegertreppchen oder dem Chefsessel zu bleiben.
Kleine Mädchen sind da von Natur aus anders, sie sind ja auch angeblich nicht so gut in Physik. Man könnte meinen physikalische Gesetze sind ihnen ganz egal. Mädchen kommen scheinbar mit einer ganz anderen Wahrnehmung auf die Welt – und die kommt zu dem einfachen Schluss: wo ein Körper ist, passt gut noch ein zweiter und ein dritter hin.

Da wird sich aneinander gekuschelt und noch näher zusammengerückt. Vertraulich und innig die Köpfe zusammengesteckt und in wohliger Nähe fast mit einander verschmolzen... der Körperbegriff kann ja so verschieden sein...
leider sorgt die Schule immer wieder dafür, dass auch Mädchen lernen sollen, wie sie konkurrieren müssen und dass es immer nur einen Ersten geben kann... Heureka!



Das uralte Naturgesetz 
der 'glücklichen Nähe und Verbundenheit' wird jedoch in keiner unserer Schulen gelehrt...
wie wäre es mit einem neuen Fach: 
'Die Physik der Geborgenheit'?
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07 Juli 2014

Zu Hause - Kindheit und weiter gehts...

Kein Kindergarten im Dorf bedeutete für mich, bis zur Schulzeit zu Hause bei Mutti sein. Damals hatte die Koseform 'Mutti' noch nicht diesen Beigeschmack von leichter Peinlichkeit. Heute haben ja, außer Mama, fast alle weiblichen Bezeichnungen einen abwertenden Tenor. 
Aber meine Mutti war die Beste und ich hielt mich, bis zu dem magischen Moment, da die ersten kleinen Spielkameradinnen in mein Leben traten, immer in ihrer Nähe auf. Das heißt ich wurde den ganzen Tag überall mit hingenommen. Schade, dass ich an die Zeit so wenig aktive Erinnerung habe. 'Bei Mutti sein' war letztendlich eine kurzweilige Angelegenheit - Haus, Hof, Garten, Feld und Wiese - dazu kamen Highlights wie Waschküche, der Saal oder Scheunen und Ställe.

Bei Mutti sein hieß also nicht, andauernd an ihrem Schürzenzipfel hängen. Mutti trug, wie die meisten Frauen auf dem Dorf bunte Kittelschürzen. An ihre Kleidung darunter kann ich mich nicht mehr erinnern, aber damals trugen Frauen vor allem Röcke und Kleider. So manches der Kleidungsstücke, auch meine, nähte meine Mutter selbst. So ein kleines Röckchen ist ja schnell gemacht und für die Puppe gleich eins mit. Für mich änderte sich die berockte Zeit erst später. Praktische Hosen waren vor den Siebzigern für die erwachsene Durchschnittsfrau fast undenkbar. Aber das ist eine andere Geschichte.


der brave Eindruck auf dem Bild trügt...
Meine Mutter war nirgendwo fest angestellt und hatte daher keine regelmäßigen Arbeitszeiten im Sinne des heutigen Verständnisses. Trotzdem arbeitete sie quasi rund um die Uhr, wie wir das immer noch von Müttern kennen. Mutti hatte noch zu tun als ich abends zu Bett ging und war schon voll zu Gange, wenn ich morgens aufstand. Sie stand dann schon in Kittelschürze und einem im Nacken verknoteten Kopftuch in unserer Küche und rüstete sich für ihr Tagewerk. Meist hatte sie da bereits die Hühner und Kaninchen gefüttert, meinen Kakao gekocht und meinem Vater das Frühstück zubereitet, wenn er da war.

Die Sommer waren toll - da schlüpfte ich morgens nur in ein kurzes Kleidchen und wenn es das Wetter zuließ, lief ich den ganzen Tag barfuß. Doch bevor ich raus durfte, hieß es noch stillhalten - da verpasste mir eine Mutter zwei streng geflochtene, Schleifen verzierte, Zöpfchen - mit der Auflage, dass diese bis zum Abend halten mussten. Ob ich das immer geschafft habe, weiß ich wirklich nicht mehr...

06 Juli 2014

Der Gang - Kindheit, die Fünfte...

... als ich klein war gab es in unserem Dorf keinen Kindergarten, der wurde erst später gebaut und noch dazu direkt an meinem Lieblingsschulweg. Doch da hatte ich die Schulzeit an unserer gemütlichen Dorfschule schon fast hinter mir. 
Mein bevorzugter Schulweg ab der ersten Klasse war: die Erfurter Straße überqueren, am (Dorf)Anger vorbei, zum Haus meiner Freundin Johanna. Meist wartete sie schon darauf von mir abgeholt zu werden und um mit mir nochmal schnell die Hausaufgaben durchzugehen. Dann wanderten wir unter den großen Kastanien, vorbei an Schröders Eisdiele, entlang an einem stattlichen, sich hinziehenden Gebäude, der großen Ziegelei am Ort. Hier stand meist schon Margitta unter dem Bogen des großen Tores. Sie wohnte mit ihren Eltern in eben dieser Ziegelei. Von hieraus ließ sich bereits gut die Uhr an unserem Kirchturm erkennen und wir wussten wie viel Zeit wir noch bis zum Unterrichtsbeginn hatten. Wir passierten die Brücke über die Schmale Gera und gingen an einem größeren LPG - Gebäude vorbei. Hinter dessen Ecke begann .... der ... Gang.
Der Gang war eine beliebte Abkürzung für Fußgänger und Radfahrer und besonders für die Schulkinder, die nicht vorn durchs das ganze Dorf laufen wollten. Ein eingezäunter Weg, mit überwucherten Rändern und Brombeerranken, der wie ein langgezogenes Z zwischen Mauern und Maschendrahtzäune an der Hinterseiten diverser Hofgrundstücke und Gärten verlief. In meiner Erinnerung ein ruhiger grüner Ort. Als ich jünger war erlaubte mir meine Mutter nur ungern dort lang zu gehen, was ich mit der kleinen Mädchenclique, zu der auf den letzten Metern oft noch Hannelore und Gerhild dazu stießen, trotzdem immer wieder tat.
Nach dem ersten Knick in dem einfachen Weg ging man direkt auf die Kirche bzw. die dicke, hohe Feldsteinmauer
zu, mit der das Gelände der alten Dorfkirche umsäumt war. Zwischen der Kirchenmauer und einer Hausmauer, die schon zur Schule gehörte, führte der Gang dann direkt auf unseren Schulhof. Meistens kamen wir erst an, wenn es bereits klingelt und wir schnell nach vorn ins größer der beiden Schulgebäude rennen mussten...


05 Juli 2014

unsere Hühner - Kindheit, die Vierte...

Unsere Hühner hatten natürlich Namen ...wie beispielsweise Tiri und Tomba - sie waren zwei "Italienerinnen". Dann gab es noch das Schneewittchen - ein schönes weißes Huhn, das uns einst als Küken zu gelaufen war. Die Braune, eine dicke behäbige Rodeländer Henne hatte das Amt unsere Glucke inne. Sie war auch das Huhn, das die besten Eier legte, schöne große, mit einer zarten hellbraune Farbe.
Meine Mutter liebte ihre Hühner. Ich mochte zwar lieber unsere Kaninchen, aber die Hühnchen hatten auch ihren Charme. Mein zehn Jahre älterer Bruder ging mit dem Geflügelhof eher sachlich um. Er hatte eine Tabelle gezeichnet, in welche die Legeerfolge unserer Hühner eingetragen wurden, das übernahm ich später, als er nicht mehr zu Hause wohnte.
Ein paar Jahre lang gab es auch immer mal einen Hahn auf unserem kleinen Hühnerhof und so hatten wir eigenen Kükennachwuchs. Daher scharrten und gackerten stets noch drei bis fünf drei andere Hühner in dem überschaubaren Gehege. Deren Namen merkte ich mir allerdings bis heute nicht. Vielleicht sind sie auch zu schnell in den Topf gewandert oder wurden bereits als Küken verkauft. Es gab so eine gewisse Fluktuation über die Jahre hinweg im Bereich der Hühnerleiter. 
Unsere Glucke brütete, so lange sie lebte, jedes Jahr und manches mal wurden ihr auch Enteneier untergelegt. Das führte nach dem Schlüpfen der niedlichen Nestlinge für die arme Hühnermami zu einigen Irritationen, besonders wenn sich die Entchen begeistert in die große Hofpfütze stürzten. 
Diese Senke in dem gepflasterten Hof war bei heißem Wetter schnell trocken und so gossen wir für die kleinen Enten wurden schon mal ein ein paar Eimer Wasser nach. Ich stand barfuß und im bunten Sommerkleidchen daneben, eine Gerte in der Hand und passte auf, dass der kleinen Schar nichts passierte. Entchen sind unheimlich neugierig und können sehr geschickt hüpf-klettern. Die kleinen Hindernisse aus Holzklötzchen, die ich für sie regelmäßig aufgebaute, um ihren Freiheitsdrang etwas einzuschränken, nutzen sie wie einen Parcours. Kinder sind wohl bei allen Arten gleich - wissbegierig bis tollkühn und niedlich anzuschauen. Ich habe gern Entchen und Gänse gehütet.



03 Juli 2014

(nicht) religiös - Kindheit, die Dritte...

wir wählen uns in der Regel unsere Religion nicht freiwillig. Es ist üblich, dass Kinder in ein bereits religiös vorgeprägtes Umfeld hineingeboren werden, in dem das sogenannte Elternhaus die persönliche Richtung vorgibt. Die Eltern und unsere sonstigen Angehörigen erziehen uns unseren späteren Glauben an, zumindest versuchen sie es.
Ich bin unter den gesellschaftspolitischen Laborverhältnissen der, ein sozialistisches bzw. kommunistisches Staatsgefüge anstrebenden, DDR aufgewachsen. Die 'Religion', so schien es, wurde anfangs auf deren Territorium nur geduldet, blieb aber bis zum Niedergang der marxistisch-leninistischen Idee eine feste Größe im Alltag des truschigen ostdeutschen Kleinstaates.
Die meinungsbildenden Lehren der gut organisierten tradierten Kirchen standen der, sich menschenfreundlich gebenden, Staatsideologie gegenüber und beide verschmolzen in ihren, besonders maskulinen, Idealen mitunter auf seltsame Weise mit einander.
Das sozialistische Schulsystem setzte auf die Überzeugungskraft der neuen ideologischen Werte ( Freiheit für alle und keine religiös gestützte Herrschaftskaste) und stichelte, wo es nur möglich war, gegen die, als überholt gebrandmarkten, Glaubensvorstellungen der religiösen Überlieferung.
Die Kirchen einfach nur abzuschaffen wäre jedoch, dem sich tolerant gebenden, Sozialismus nicht gut bekommen. Das Politbüro oder wer auch immer, bemühte sich, besonders am Anfang dieses bizarren gesellschaftspolitischen Experiments, mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln den Wirkungsradius der traditionell vorhandenen Religionen so gut es ging zu beschneiden. Das bemühte Konzept ging jedoch nicht wirklich auf. Die konventionelle Religionshörigkeit eines Großteil der Bevölkerung kollidierte zwar einerseits mit der modernen Staatsräson, vermischte sich jedoch andererseits mit den neuen, heroisch daherkommenden Wertevorstellungen einer idealistischen Utopie zu einem mainstreamigen Einheitsbrei.
Als Kind an etwas zu glauben, was die kriegstraumatisierten Eltern manchmal selbst nicht mehr zu glauben vermochten, stellte mich vor eine besondere Herausforderung. Trotzdem fand ich es irgendwie gar nicht mal so schlecht an dem parallel zum Schulunterricht stattfindenden Religionsunterricht teilzunehmen oder auch mal sonntags in die Kirche zu gehen. Denn dort gab es interessante Informationen, die mir in meiner drögen Dorfschule vorenthalten wurden. Der deutlich hervorgehobene, die Geschichte betreffende, Konflikt machte mich neugierig. Natürlich konnte ich später all die losen Enden verknüpfen und mir ein realistisches Bild von der historischen Vergangenheit und der immer noch (sowohl politisch wie auch konfessionell und geisteswissenschaftlich) manipulierenden Gegenwart machen.
Der "Glaube" meiner Kindheit ging dabei restlos verloren.
Bis zu meinem heutigen, recht gut informierten Geschichtsverständnis und den daraus resultierenden Handlungsoptionen sowie meinem (ethischen wie auch spirituellen) Wertekodex, war es allerdings ein weiter und manchmal mühsamer Weg, den ich mir über weite Strecken allein suchen musste. 

02 Juli 2014

meine Freundin Renate - Kindheit, die Zweite...

Renate, 60 Jahre her – sie war eine meiner kleinen Freundinnen. Mit ihr spielte ich schon, noch bevor ich in die Schule kam. Renatchen war ein süßes Ding, etwa ein Jahr jünger als ich, aber viel lauter und frecher. Ihre Oma wohnte ganz in unserer Nähe in einem kleinen langgezogenen Haus mit einem großen Hof und Garten nach hinten raus. Die Oma war eine dünne drahtige Person mit einer tiefen rauen Stimme und sie rauchte ohne Unterlass. Renate hielt sich manchmal wochenlang bei ihr auf. Über Renates Mutter waren per Dorfklatsch wilde Gerüchte im Gange, aber leider schienen die alle übertrieben, denn eines Tages wohnte meine Freundin wieder bei ihr in der Stadt. Dann sahen wir uns nur noch in den Ferien und bald gar nicht mehr... 
nur immer auf dem Hof spielen wurde uns unternehmungslustigen Kleingören schnell langweilig und so verdrückten wir uns manches mal klammheimlich wenn die Großmutter im Garten werkelte. Hatten wir uns durch das große grüne, wackelige Tor geschlichen und die damals stille Dorfstraße überquert, spielten wir in der langen Kastanienallee, die sich durch das halbe Dorf zog... im Frühsommer konnten wir Maikäfer fangen, winzige Frösche in dem sumpfigen Graben hinter den alten Bäumen beobachten und im Herbst Säckeweise glänzend runde Kastanien sammeln....
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01 Juli 2014

unser Tag war so lang, wie Kornfeld im Sommer

... diese Zeile ist mir im Gedächtnis geblieben, seit ich sie in meiner Kindheit in irgendeiner Ferien-Kinder-Geschichte gelesen habe... keine Ahnung wie das Buch hieß und um was es dabei ging... aber... genauso war es... als Kinder waren wir fast den lieben langen Tag draußen ... in diversen Gärten und an verschwiegenen Plätzen, am Flüsschen oder durch die Felder streifend... unterwegs mit einem Pulk Mädchen oder beim Gänschen hüten mit einem Buch in der Hecke sitzend... unsere Sommertage waren lang und natürlich "immer'" sonnig...
... in meiner Schulzeit begannen im Juli mit schöner Regelmäßigkeit die Ferien, daran schloss sich der August als weiterer Ferienmonat und am 1. September fing wieder die Schule an, wenn nicht gerade Wochenende war. Das war einfach und gut zu merken. Alle konnten sich darauf einstellen und waren daran gewöhnt.
Acht Wochen Ferienzeit und wir Kinder hatte keine Schwierigkeiten damit diese Zeit herum zu bekommen. Es schien generell kein Problem zu sein, obwohl fast alle unsere Mütter berufstätig waren. Auf dem Dorf gab es für uns vielfältige Beschäftigung und unsere Mütter, die in der Landwirtschaft arbeiteten, waren auch immer zwischendurch mal anwesend. Als größere Kinder haben wir auch ganz selbstverständlich zwischendurch gearbeitet, zu Hause oder, wie wir heute sagen, in Ferienjobs. An Bohnenpflücken oder Salatschneiden oder die letzten Erdbeeren ernten, kann ich mich erinnern. Auch das Kirschen pflücken war recht beliebt... ansonsten konnten wir Kinder in ein Ferienlager fahren oder die sogenannten Ferienspiele mitmachen. Ich habe derlei Aktivitäten weniger geschätzt und meine Ferien lieber frei und nicht reglementiert gestaltet... wenn ich so zurückdenke, war das scheinbar gar kein Problem ... heute haben die meisten Kinder nicht halb so viel Freiheit... dafür mehr Langeweile...
mit meinen Freundinnen Christa, Renate, Ursel, Hannelore, Ute und allen voran Hanni, habe ich in all den Jahren meiner Schulzeit auf unserem Dorf ohne eine erwachsene Aufsicht wunderbare Ferien verbracht...




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