27 September 2011

Die Mär von der allgegenwärtigen Sozialkontrolle in Matriarchaten...

… es würde mich wirklich einmal interessieren, wer diesen Begriff der Sozialkontrolle gerade in Bezug auf matriarchale Verhältnisse überhaupt in die Welt gesetzt hat und worin genau dieser Horror eigentlich bestehen soll?

Wenn von Matriarchaten oder matriarchalen Strukturen die Rede ist, dauert es meist nicht lange und die warnenden Stimmen vor übler sozialer Kontrolle werden laut. Da wird mangelnde Freiheit beklagt und, oh Grauen, es gab klar verteilte Rollen in diesen Gemeinschaften. Jahrtausendelang haben
demnach bedauernswerte Menschen in matriarchalen Ordnungen unfrei und von Müttern kontrolliert gelebt, bis sie dann vom Patriarchat befreit wurden oder wie?

In welch einer Gesellschaft leben wir denn? Und was bedeutet
"Freiheit" in diesem Zusammenhang ? Ist es eine Freiheit von Verantwortung? 
Eigentlich sehnen wir uns doch nach der Freiheit von fremdbestimmter Macht, wie sie in unserer Welt an der Tagesordnung ist? Frei sein von einer Herrenkaste, die heutzutage als Wirtschaftsmacht getarnt daher kommt und genau wie in feudalen Zeiten die Menschen unterdrückt und manipuliert? 

Herren und Herrschaft wie wir sie kennen und gewohnt sind, gibt es in Matriarchaten nicht. Ebenso die etablierten monotheistische Religionen, welche mit ihren engen Vorgaben ihre Gläubigen kontrollieren. Gläubige, die oft genug erst einmal in gewaltsamen Aktionen zwangsrekrutiert wurden. 

Patriarchales Leben ist nach wie vor ein gewaltgeprägtes Dasein. Auch wenn wir gerade in einer relativ friedlichen Phase in Europa leben und uns auf ein demokratisches Sein berufen, gibt es immer noch genügend Zwangslagen, mit denen sich Mann und Frau arrangieren müssen.  Von der prinzipiell mangelnden artgerechten Menschhaltung ganz zu schweigen.

Und global gesehen ist in der gesamten Welt erst recht kaum etwas in Ordnung. Wenn ich mir das Leid, die miserablen Lebensbedingungen, die Verbrechen und die aktuellen Kriegsschauplätze in der bestehenden patriarchösen Gesellschaft betrachte und wie unser Planet hemmungslos ruiniert wird, dann frage ich wirklich welches Grauen von einer Mütterlichen Ordnung in matriarchalen Strukturen erwartet wird? Was genau die ängstlichen Kritiker an einer überschaubaren Konsensgesellschaft mit einer Subsistenzwirtschaft wohl fürchten?

Sozial bedeutet gemeinschaftlich und vom Urgrund her sind wir Menschen durch und durch soziale Wesen. Das soziale Miteinander, die gegenseitige Fürsorge ist das, was unsere Menschlichkeit ausmacht. 

14 September 2011



die neue MatriaVal 
ist da ... 
ich habe eine liebe Freundin, die mir ein Jahresabo zum Geburtstag schenkte
Danke, 
liebe Ulrike!

06 September 2011

Mädchen-Märchen

Eine Freundin hat mir ein Buch geliehen: Das Feuer der Baba Jaga - sehr empfehlenswert. Hier werden russische Märchen betrachtet und analysiert und mit dem Wissen über die weit zurückliegende, matriarchale Ordnung abgeglichen. Wie es in allen Märchen üblich ist, fließen uralte und jüngere Werte in solchen Geschichten zusammen, vermischen sich oder heben sich scheinbar gegenseitig auf. 

Ich habe schon sehr viele Märchen gelesen, seltener gehört. Sehr gern mochte ich die kraftvollen russischen Volksmärchen, die in vielem ursprünglicher als die stark bearbeiteten deutschen Überlieferungen der Grimmschen Sammlung sind. Eines meiner Lieblingsmärchen von der Kindheit bis Heute ist: Die Gänse – Die Schwäne. Und auch wenn in den aktuellen Fassungen die Gänse, die der Baba Jaga dienen, als „böse“ dargestellt werden, besaß diese Geschichte für mich eine wilde, mitreißende Faszination. 

Sie weist starke Parallelen zu dem Märchen der Frau Holle auf, das für mich eine Art früher Initiation war, deren ich mir allerdings erst viel später bewusst wurde. Doch ich will jetzt nicht auf die Baba Jaga eingehen, die Ungestüme, die Strenge, die Göttin von Leben und Tod und auch nicht, dass eine JungFrau die Schwelle vom Kind zur Frau überschreitet, um der erotischen Liebe teilhaftig zu werden. 
 
Nein, denn es gibt verschiedene Sichtweisen sich einem Märchen zu nähern und die tieferen Schichten zu ergründen. 

Ich  betrachte gern die einfache, die praktische und alltägliche Seite. Die Mär, die Sage wurde einst, eingebettet in den Alltag, erzählt  und verkündet - um die übliche Handlungen und Bräuche weiterzureichen, um das überlieferte Wissen zu erhalten und um unterhaltsam zu sein.

Die Gänse – Die Schwäne - Hier wird der Bruch in den Märchenüberlieferungen, die Mixtur aus alten matri-geprägten Mythen und den neuen Werten und Gepflogenheiten einer patriarchalen Gesellschaft, recht deutlich. In dieser Geschichte geht es nicht um Königreiche, Heldentaten oder gar darum einen Prinzen zu erringen. Wie bei dem deutschen Märchen Frau Holle kommt gar kein Prinz darin vor.

Der Schwerpunkt eines solchen Märchen liegt auf dem schlichten Aspekt, ob das Mädchen, die junge Frau, in der Lage ist, sich den Herausforderungen des Lebens zu stellen? Ist sie klug und gewitzt genug die Ihren zu beschützen oder einer Gefahr zu entreißen? … egal ob von guten oder schlimmen Mächten entführt, hier gilt es das Brüderchen (oder die kleine Schwester) wieder nach Hause zu bringen. Die Gänse – Die Schwäne, Seelenvögel, Krafttiere, der Göttin verbunden, haben ein Kind aus der Menschengemeinschaft genommen. Doch das verlorene Kind muss nicht wirklich gerettet werden, denn bei der Baba Jaga, im Initiationsreich, geschieht ihm ja kein irdisches Leid. Es sitzt auf der Ofenbank und spielt mit goldenen Äpfelchen.

Die Herausforderung der stattfindenden Initiation bestand für die junge Frau darin, zu zeigen, dass sie in der Lage ist, das Erbe der Mutter anzutreten und die Ihren zu beschützen. Um in einem Intiationsgang ihre Geschicklichkeit und Klugheit zu beweisen, wurde für sie nicht etwa eine goldene Kugel oder eine Puppe versteckt, sondern ein lebender, nahestehender Mensch. Hier ist es der kleine Bruder für den sie alles riskiert.

In dem Märchen wird der Tochter die Verantwortung übertragen. Mutter und Vater hatten für längere Zeit das Haus verlassen und an dieser Stelle erkennen wir bereits den Bruch in der Gesellschaft - ein Elternpaar lebt mit seinen Kindern allein und es sind keine anderen Familienangehörigen oder eine schützende Dorfgemeinschaft vorhanden. 

Bis heute ist es das größte Unglück, wenn ein Kind verloren geht, es wegläuft, entführt oder getötet wird. Das gab es zu allen Zeiten und solch traumatische Geschehen finden sich auch in Überlieferungen und Erzählungen wieder, doch da in der Regel mit einem guten Ausgang der Geschichte. 

Etwas von den alten Riten und Bräuchen bleibt uns immer erhalten, wir alle kennen den Begriff des herabgesunkenen Kulturgutes. Kinderspiele wie Verstecken und Suchen sind noch heute sehr beliebt und früher spielten das nicht nur die Kinder. Vergessen sind diese verbindenden Spiele nicht. Ob bei einer Brautentführung oder der zweiten Aufgabe des Trimagischen Turniers bei Harry Potter - die zu Prüfenden müssen sich würdig erweisen und das verlorene Mitglied der Gemeinschaft, das Geschwisterchen oder die zukünftige Liebste in die damals noch dörfliche Menschengemeinschaft zurückholen...
 
eure Märchen-Oma

 
Initiation

Baba Jaga Knochenbein
braust heran
stürmt durch die Wälder
die hier dicht und ewig grün.
Doch das Mädchen
kennt kein Schaudern.
frei ist ihr Sinn
und stark und kühn!

Bis zum Häuschen Hühnerbein
kreischt die Alte wilde Lieder,
nichts was uns zu Tränen rührt.
Weither ist sie schon zu hören,
wehe dem, der Furcht verspürt!

Wassilissa heizt den Ofen
rührt im riesig dampfend Kessel
Seelensuppe nach Geheiß.
Die schon kocht seit uralt Zeiten,
Leben, welches kommt und geht!
Und das Mädchen fegt vom Boden,
Knochen, die da abgenagt.
wie der Alten sie's versprochen!
Vom Brunnen her, sie Wasser trägt.

Wartet auf die grausig Hexe,
der sie diente Jahr und Tag.
Heute ist die Zeit vollendet!
Heute kehrt sie wieder heim!
Heim zur Mutter
und den Schwestern
nie mehr ist sie jetzt allein...
 
Stephanie Ursula Gogolin


... im Netz es gibt mehrere Seiten mit Märchen  - hier ist eine Seite, da kann frau den Text des Märchens nachlesen und auf interessante Weise reinhören...
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05 September 2011

Kommentar zu Mütter

… ich möchte hier einen Satz, aus einem Beitrag in der Facebook - Gruppe Mütter - Vereint euch! Für ein neues politisches Mütterbewusstsein! aufgreifen, der da lautete: Mütter erziehen Männer...

In der Regel erziehen Mütter erst einmal Kinder! Seit langem und nach wie vor, werden die Mütter schon sehr früh durch das systemimmanente Reglement in der umfassenden Ausübung ihrer Mütterkompetenz beschnitten. An Stelle der einstigen Müttergemeinschaften, welche für das körperliche und geistige Wohl ihrer Töchter und Söhne sorgten, ist inzwischen ein anonymer Apparat getreten, dem die Eltern, die selbstverständlich nur das Besten für ihr Kind wollen, den Nachwuchs zwecks Bildung überantworten. Die komplizierte Struktur unserer Gesellschaft macht es sozusagen der einzelnen Mutter unmöglich ihr Kind angemessen auszubilden.

Mal abgesehen davon, dass auch in fernen Zeiten eine Mutter nie allein ihr Kind aufgezogen hat, sind die Parameter der des Kinderaufziehens von einst 
einem weiblich - egalitären hin zu einem männlich - hierarchischen „Erziehungsziel“ verschoben worden.

Schlichte menschliche Erziehung, also das Vermitteln von Normen und Werten, von sozialen Zusammenhängen und der Pflege von Kultur und Tradition, ist nur bedingt mit der heutigen auf hohem Niveau daher kommenden Bildung gleichzusetzen. Jedenfalls müssen weibliche und männliche Kinder schon sehr früh die maskulin unterlegten patriarchalen Spielregeln lernen. Dass inzwischen hier und da im Bildungsbereich einiges verrutscht ist, hat schon so manchen Aufschrei nach sich gezogen: die Jungen sind die Verlierer des Bildungssystems, die Mädchen ! profitieren ! davon... - es sollten ja eigentlich alle davon partizipieren. 

Nun ja, ich würde sagen, heutzutage ist empathische und emotionale Bildung immer noch der intellektuellen nachgeordnet.

Ich sehe eigentlich nur, dass Männer Männer erziehen! Sie haben ein System geschaffen, in dem sie ihre Söhne (und inzwischen auch Töchter)  kompatibel für ihre Hierarchien ab
richten. Für zukünftige Männer gibt es immer noch tradierte knallharte Vorgaben, die so weit gehen, dass der Mann grundsätzlich eine Konditionierung durchläuft, die ihn zwingt, zuweilen auch unbesehen in den Tod zu gehen.

Wenn Mütter ihre Söhne erziehen, dann können sie manches Mal nur versuchen, das Schlimmste zu verhindern!
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02 September 2011

Rosa Zeiten

Aus gegebenen Anlass greife ich noch mal auf bereits von mir verschiedentlich Gesagtes (Kommentare, Blogbeiträge) zurück.  

Immer mal wieder wird die Farbe Rosa im Zusammenhang mit unschuldigen, indoktrinierten kleinen Mädchen angeprangert. Und es ist grundsätzlich gut, diesbezügliche Entwicklungen scharf im Auge zu behalten! Aber, wie es so oft ist, auch ein Rosa kann noch andere Nuancen oder Tiefen haben.

Schauen wir doch einmal auf die Farbe Rosa... den Farbton zwischen Weiß und Rot.


Rosa ist eine fröhliche Farbe, sie ist hell und auffällig und fast eine Signalfarbe. Eine Farbe, die zur jungen Weiblichkeit passt. Nicht mehr ganz weiß, aber auch noch lange nicht Rot! Rosa ist weibliches Terrain, das den Mädchen (und Frauen) von „richtigen Männern“ heutzutage nicht streitig gemacht wird. In rosa Räumen sind wir unter uns – Betreten verboten!


Eigentlich möchte frau meinen, es ist die Mädchenfarbe schlechthin, denn das war sie schon vor Lillifee, Kitty und Co. Die spillerige Feenprinzessin oder das plakative Kätzchen sind sozusagen auf den rosafarbenen Zug aufgesprungen, ähnlich wie Barbie, die das Pink annektiert hat.


Was wirklich an diesen Prinzessinnen - Kampagnen bedenklich ist, wäre die Gehirnwäsche, die durch seichte, liebliche Vorgaben die kleinen Mädchen auf Teeparty – Niveau einfriert. Der Disney – Kitsch, der mit seiner eigenen, zweifelhaften Ideologie daher kommt, sickert doch schon längst in alle Bereiche ein.


Rosa oder Pink sind jedenfalls inzwischen auch so was wie Kultfarben geworden. Sie grenzen ab, vielleicht auch aus, und weisen darauf hin, hier kommt eine neue weibliche Welle. Unserer Töchter werden wahr genommen. Im Prinzip könnte jede Farbe zum Erkennungsmerkmal werden. Im Zimmer einer heute Sechzehnjährigen ist noch der grüne Nachhall von Hexe Bibis Lieblingsfarbe zu spüren und mit dem wenig angepassten Blocksbergshexlein ist ebenso eine weibliche Generationssparte aufgewachsen.


Es geht natürlich nicht nur um die Farbe schlechthin, sondern mehr um das Signal das gesetzt wird. ! Mädchen sind wieder sichtbar ! 

Mir ist so eine kleine rosa Wolke allemal lieber, als die spärlich bekleidete Teenagerin, die mit Haltung und Habit Unterwerfung demonstrieren. Leider werden, aus den sehr selbstbewusst einher kommenden kleinen Mädchen, die ihre Farben tragen, später trotzdem solche Teenies. Das Schulische Umfeld, das auch kleinen Machos zu großen werden lässt, arbeitet auch an der sexualisierten Unterwerfung der jungen Frau mit. Und die, für kleine und große Mädchen, mehr oder weniger offensichtlich sexualisierten Bekleidungsvorgaben sind wirklich verwerflich, da sind einige der Industrien unauflöslich mit diversen Unterhaltungsmedien verstrickt.

Jede will ne Prinzessin sein, sogar Cindy aus Marzahn. Den Prinzessinnenwahn können wir allerdings auch differenzierter sehen. Denn eine Prinzessin zu sein, ist auf dem uns bekannten Ur-Märchen-Niveau auch, etwas Besonderes zu sein. 

Wir sollten nicht vergessen - einst haben Töchter das Erbe der Mutter weitergeführt und ich weiß der hier geschlagene Bogen mag so mancher weit anmuten, aber in den sehr alten und ursprünglichen Märchen ging es auch oder immer um die Initiation der Erbtochter, die im angepassten Sprachgebrauch zur Prinzessin (zur Königstochter) wurde.

Als neunfache Enkeltochter-Großmutter kann ich nur noch sagen: 

Nichts Rosafarbenes ist mir fremd... 


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