22 Februar 2017

Der 'Vater' braucht das Kind!

und noch ein wiederholter und etwas umgearbeiteter Beitrag (diesmal vom Mai 16):

„… erkennen wir unsere wahre Natur. In unserer etwas freieren westlichen Welt kommt sie langsam wieder an die Oberfläche.
Danke, liebe Gabriele, dass du auf diese entscheidenden Punkt hingewiesen hast. Unsere „Urnatur“ kommt eben immer dann zum Vorschein, wenn die Repression der patriarchalen ideologischen und konkret gewaltsamen Zwangsverordnungen an Wucht und Bedeutung in der Gesellschaft verliert.
Die Female Choice hatte sich, wie du schon nachgewiesen hast, ohnehin nie völlig unterdrücken lassen, was die Patriarchose einerseits unterlief, andererseits unendlichen vielen Frauen (und auch Kindern) das Leben kostete und heute immer noch als die Sünde schlechthin wider des Vatersystems gewertet wird. Das hat sich seit seinem Beginn bis heute zu der allgemeinen Androzentriertheit ausgewachsen, die sich immer noch in der Gesetzgebung, der Denkungsart des Mainstreams und den kulturellen Dogmen und Tabus der anonymen Großgesellschaft niederschlägt. Dazu gehört auch die sich hartnäckig haltende Behauptung "ein Kind braucht seinen Vater".

Hier setze ich an und behaupte, dass es in der Patriarchose schon immer (und nicht nur heutzutage) umgekehrt ist: Der 'Vater' braucht das Kind! - schließlich ist so ein kleines Menschenwesen oft genug seine einzige Anbindung in puncto Zugehörigkeit und Identifikation mit verwandten Angehörigen. Auch Väter sind letztlich verlorene Kinder der nicht mehr existierenden Mutter-Sippe. Es ist zwar ein hausgemachtes Problem der patriarchalen Strukturen, aber das Kind zu besitzen ist ein Schlüsselmoment des Patriarchats.

Der moderne kinderliebe und fürsorgende Vater agiert in der Beziehung zu "seinen Kindern" einen (evolutionär - berechtigten) immanenten Drang zur Teilhabe an der Geborgenheit einer Bindungsgemeinschaft aus. Heute steht ihm dazu nur eine (wohlwollende) Klein-Gemeinschaft zur Verfügung. Das Patriarchat bietet nun mal seinen Männern neben den privilegierten Machtoption für wenige (Alpha)Männer, nur noch das Kerngeschäft der Paarungsfamilie.
(siehe auch:  http://stephanieursula.blogspot.de/2015/11/das-in-die-pflicht-genommene-elternpaar.html
Nicht nur in diversen Diskussionen, auch in der Forschung oder den populärwissenschaftlichen Betrachtungen wird sich meiner Meinung nach zu sehr auf Vererbung und den Gen-Anteil kapriziert. Die patriarchale Denke zwingt uns ein Geschacher um das Kind auf. Dabei ist ein jedes unserer Kinder einfach nur ein berechtigtes Mitglied der Menschengemeinschaft, sowohl als Winzling wie auch ein paar Jahre später als Erwachsener. Das Gerangel wer den größten (pseudo-)berechtigten Anteil an einem Kind und damit (Verfügungs)Rechte über das Kind hat, sind Relikte der Patriarchose. Es sind nur ein paar Jahrzehnte her, dass die Zeit zu Ende ging in der dem Vater per Gesetz das ganze Kind „gehörte“ oder er es bei Nichtgefallen einfach nicht anerkannte bzw. aus Angst um seine individuelle Freiheit ignorierte. Im Patriarchat ging es nie darum dem Kinde durch den Vater Fürsorge angedeihen zu lassen. Das ist ein moderner Anspruch, der dem Vater nach seiner Entthronung als 'Herrn der Familie', als Ausgleich angeboten wird.

Die patriarchal determinierte Vaterschaft w
urde/wird als eine Art Verursacherprinzip angesetzt, dem zu Grunde lag/ liegt, aus "dem Schwängern einer Frau" das Recht abzuleiten über diese beiden Menschen, Mutter und Kind, verfügen zu können – auch das ist eine der Säulen des Patriarchats. Der 'Vater', also der an der Zeugung per Spermium beteiligte Mann, sah einst einen Vorteil für sich darin sein Kind und hier vor allem die Söhne, für seinen Clan, seinen Einflussbereich und bei entsprechendem politischen Rang für seine Wehrhaftigkeit zu rekrutieren. Das setzte voraus, dass die Frau und ihre Sexualität und Gebärfähigkeit, unter eine rigide Kontrolle gebracht werden musste, da derlei Maßnahmen (bis heute) die einzige Möglichkeit war, der „eigenen“ Söhne (und Töchter) einigermaßen gewiss zu sein. Der dabei entstandene Ehrbegriff mit dem heute noch kleine Jungs aufgezogen werden, wurde daher überall geltend gemacht und die unbedingt zu erhaltende Jungfräulichkeit der Tochter und die Verpflichtung zur lebenslange Treue und Keuschheit der Ehefrau, auch über die innere Privatheit hinaus, wurde zum grundsätzlichen Politikum erhoben. Nicht der prinzipielle (und evo-biologische) Wert eines Lebewesens, wie auch das des menschlichen Kindes, ist im patriarchalen Universum von Bedeutung, sondern die bloße quantitative Anwesenheit, seine Kampfkraft, seine Arbeitskraft oder sonstige Nutzbarkeit 

Leben ist ein unwillkürliches, sich selbst erhaltendes System und nur weil wir Menschen ein paar der möglichen Mechanismen erkannten oder glaubten durchschaut zu haben, stellen wir immer wieder Theorien auf, die direkt oder latent den Menschen in den Mittelpunkt der Evolution stellen. Als wäre "der" Mensch tatsächlich die so gern zitierte Krone der "Schöpfung". Es wird auf hohem ideellen Niveau philosophiert und leicht dabei vergessen, dass wir als Teil des Natursystems ein abhängiges Individuum sind, das im Falle 'Mensch' einer sozial eingestellten, also fürsorgenden Gemeinschaft bedarf. Denn das (menschliche) Individuum wurde einst in seine Bindungsgruppe hineingeboren und verblieb in der Regel in diesen Lebenszusammenhängen bis zu seinem Tod. Diese Grundeinheit einer naturgemäßen und damit artgerechten Fürsorgegemeinschaft ist eine Spezialität der Spezies Mensch und seines Lebenskontinuums ... ich nenne sie 'Das Matrifokal'.

Das Grundmuster des menschlichen Arterhaltes (in dem der notwendige Selbsterhalt integriert ist) finden wir nun mal in der Matrifokalität, welche auf ein Naturgeschehen, die Female Choice setzt. Matrifokalität bedeutet Matrilinearität und Matrilokalität als Basis vereint und diese beiden Begriffe sind hier nicht gesellschaftstheoretisch zu verstehen, sondern als Ausdruck des konkreten evolutionsbiologischen Daseins. Wir können es noch in den wenigen Gemeinschaften finden, die salopp „Matriarchate“ genannt werden. Das sind aber keine politisch konzipierten Kleingesellschaften (so sie wie heute klassifiziertwerden), sondern sie gingen aus den artgemäß homogen gewachsene Bindungs- und Fürsorgegemeinschaften hervor - mit einem Wort, es sind Muttersippen. Hier gab es keine Väter, sondern Söhne und Brüder.

Die heutige flüchtige Art mit Theorien umzugehen veranlasst mich noch zu einem Nachtrag:
...ich denke, wir sollten uns abgewöhnen in unseren Formulierung 'die Evolution' wie ein handelndes und denkendes Phänomen darzustellen, das womöglich noch eigene Interessen verfolgt. Als 'Evolution' bezeichnen wir u.a. die unwillkürliche Entwicklung des sich selbsterhaltenden Systems organischen 'Lebens', das zwischen den vorhandenen energetischen, chemischen und physikalischen (anorganischen) Parameter (die ebenfalls als Natur bezeichnet werden), stattfindet und sich ununterbrochen im Lebewesenuniversum unseres Planeten gegenseitig beeinflusst. Das Prinzip der Evolution ist das was auch die Chaostheorie thematisiert, dass sich innerhalb einer Komplexität mit jedem „Flügelschlag eines Schmetterlings“ ständig das Gesamtsystem graduell abwandelt und sich somit in einer ständigen durch nichts zu kontrollierenden, absichtslosen Veränderung befindet.
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01 Februar 2017

aufgebacken: Bis ans Ende aller Tage


...dieser (inzwischen überarbeitete) Beitrag wurde von mir bereits am 25.Oktober 2011 veröffentlich...

Wir sollten in all den Überlegungen, Diskussionen und Debatten „die Mutter“ immer bis zum Ende denken. Bis zum Ende ihres Lebens, bis in die Welt der Ahninnen hinein und bis zu den körperlich, geistigen und psychischen Verknüpfungen mit ihrem Kind.

Die Mutter ist eine Frau, die ein Kind austrägt, zur Welt bringt und es eine Zeit lang aufzieht - spätestens an dem Punkt scheint unser heutiges Verständnis zu enden. Oder noch schlimmer. Es ist als würde eine latente Forderung im Raum stehen, das sich Frauen wie eine Leihmutter begreifen sollen und nach der Geburt das Kind, fast wie ein Fremdkörper, möglichst schnell fit machen um ihm ein baldiges autarkes (eigenes) Leben zu ermöglichen. Das ist aber nicht menschenartgerecht...

Dabei kollidieren wir mit der absurden Tatsache, dass die jungen Mütter zuerst überhaupt anfangen müssen das Kind aufzuziehen und dabei richtig alleine sind, selbst wenn sie mit einem sogenannten Partner liiert sind. Es kommt zu dieser Gratwanderung zwischen dem gern zitierten: „...es braucht ein ganzes Dorf um ein Kind aufzuziehen!“ und der modernen Aufforderung: „Mütter sollen nicht so tun, als wären sie als Bezugsperson des Kindes unersetzlich...“.

Zitat aus dem Buch „Der Mutterschaftsbetrug“ von Christa Mulack : „Diese isolierte mütterliche Randposition ist ein evolutionsgeschichtliches Novum. Zu keiner Zeit hat es jemals eine solche Vereinzelung von Müttern gegeben, die bei uns auch noch gepaart ist mit extremen Belastungen und Behinderungen. Selbst während der längsten Zeit patriarchaler Kulturen fühlten sich immer mehrere Menschen für die Versorgung des Nachwuchses verantwortlich...

Die meisten Beurteilungen zum Thema 'Mutter' kommen erst einmal von Menschen, die nicht nur nicht Müttern sind, sondern auch nie welche sein werden. Nicht ein Mann wird auch nur ansatzweise in der Lage sein wirklich zu fühlen und nachzuvollziehen, was Mutter werden für die einzelne Frau bedeutet und dass dieses auf besondere Weise ein unumkehrbarer Vorgang ist. Die Bedeutung der komplexen Prozesses im mütterlichen Körper und in der Verwobenheit mit ihrem Geist und ihrer Psyche, wird heruntergespielt und auf Ebenen verschoben, wo der Mann glaubt mitreden zu können. Und das Muttersein wird als eine vorübergehende Erscheinung gewertet – Sorry Jungs, aber in Wirklichkeit habt ihr keine Ahnung.

Und Sorry Mädels, das mütterliche Sein ist eine Lebensstrategie innerhalb sehr vieler Spezies und es ist daher eine weibliche Daueraufgabe bis ans Ende eurer Tage...

Ich höre bereits wieder einige aufjaulen, da es mit der momentanen political correctness nicht zu vereinbaren ist, solche Äußerungen zu tätigen. Dabei möchte ich wirklich niemanden in seinen Lebensplänen zu nahe treten. Frau ist heute glücklicherweise (wieder) in der Lage selbst zu bestimmen, ob sie Mutter wird oder nicht und das ist gut so.

Denn es geht mir hier auch nicht um ein ständiges Kindergebären oder die Tatsache, das Mutter und Kind auf eine sentimentale Weise mit einander verbunden sind, sondern darum dass da was im Körper einer Frau über viele Jahre hinweg geschieht. Es geht um das unmittelbare Zusammenleben mit Kindern und die Auswirkung ihrer Entwicklungsphasen auch auf die Mutter (nicht nur gefühlsmäßig oder wirtschaftlich auch körperlich-hormonell). Jede Mutter sollte wissen was ich meine. So manches was wir naiv unter persönlicher Erfahrung verbuchen, ist die Wahrnehmung eines biologischen Ablaufs und ist mit den Phasen des heranwachsenden Kindes verknüpft. Außerdem schließen unter natürlichen (und urtümlichen) Bedingungen die großmütterlichen Reaktionen nahtlos an und greifen ineinander. Einmal Mutter immer Mutter, ist eigentlich die menschliche Faustformel (ich beziehe mich dabei auf meine eigenen umfangreichen Erfahrungen und zusätzlich auf das Buch von Louann Brizendine „Das weibliche Gehirn“).

Die heutige Kultur, die vorherrschende Gesellschaftsideologie und die inzwischen auf alle übertragenen männlichen Werte, hindern Frauen pausenlos, auch die die es wollen, an einem tatsächlichen Muttersein.

Erstens ... gibt es für die einzelne Mutter keinen fürsorgenden, weiblichen Background mehr bzw. eine mehrere erwachsene Personen umfassende, angehörige Gemeinschaft (stattdessen wird Mann dazu abgerichtet diese Unterstützung als Einzelperson zu stellen).

Zweitens ... wird leider das Mütterliche Sein immer noch unter dem Aspekt des aktuellen gesellschaftlichen Mainstream gesehen und Frauen glauben an eine Zwangerschaft. Die totale patriarchale Abhängigkeit lässt auch kaum eine andere Einschätzung zu.

Drittens ... wird Mädchen (und Jungen) von klein an so was wie eine temporäre Mutterphase suggeriert: Die Mutter steigt vorübergehend aus ihrem bisherigen Leben aus, um sich eine Zeit lang um ihr Kind zu kümmern – das heißt, die Mutter ist nur all inclusiv verfügbar bis das Kind laufen kann; danach darf sie teilzeit zugewandt sein wenn es in den Kindergarten kommt und schon kaum noch, wenn das Kind zur Schule geht; spätestens ab der Pubertät des Nachwuchses ist Mutter die Letzte, die für die geistige und Herzensbildung der Heranwachsenden zuständig sein darf (allerdings hat sie noch die körperlichen Bedürfnisse zu versorgen).

Viertens ... fast alle glauben, dass diese Lebensweise gut fürs Kind und erst recht gut für die Mutter ist.

Fünftens ... Müttern, welche andere  Gefühle kommunizieren, die nicht mit dem gesellschaftlichen Dogma übereinstimmen, wird ein schlechtes Gewissen gemacht. Die (gesellschaftlich verordnete) Freiheit ihrer Kinder (die heutzutage durchaus auch Gewalt, Drogen, Kriminalität oder Prostitution beinhalten kann) hat ihnen über alles zu gehen, egal ob das Kappen der Geborgenheit vernünftig ist. Erfolgreiche Erziehung wird gleichgestellt mit früher Unabhängigkeit es Nachwuchses und dem Verlassen der Herkunftsfamilien.

Sechstens ... es existieren keine matrifokalen (Schutz)Gemeinschaften für Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

Siebtens ... heutige Mütter leben in dem Muss des vorauseilendem Gehorsam. Alles was das Kind aus der mütterlichen Geborgenheit hinausführt, wird selbstverständlich von der Mutter selbst rechtzeitig angedacht und von langer Hand vorbereitet – ein gutes Beispiel für diese Art des Funktionieren ist das Anmelden eines Kindergartenplatzes noch vor der Geburt.

Achtens ... junge Mütter besitzen in einer Vielzahl der Fälle keinen innigen und hilfreichen Kontakt zu den eigenen Müttern und Großmüttern.

Neuntens... die grundsätzlich gravierende Entfremdung von Mutter und Kind wird kaum auf der persönlichen, noch auf der gesellschaftlicher Ebene registriert oder als bedenklich wahrgenommen.

Die Muttersippe (Das Matrifokal) ist auch im Patriarchat immer vorhanden, da es sich hier um die natürliche matrilineare Konstellation im Menschendasein handelt. Wir können verdrängen oder vergessen, dass die Mutter die Garantin des Lebens ist und wir können sogenannte männliche Blutslinien und Abstammungen Jahrhunderte lang als gottgegebene Norm ansehen, das ändert nichts daran, dass für jeden eine reale mütterliche Vererbungslinie besteht, die Tiefen der menschlichen Vergangeheit reicht.


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