01 Februar 2017

aufgebacken: Bis ans Ende aller Tage


...dieser (inzwischen überarbeitete) Beitrag wurde von mir bereits am 25.Oktober 2011 veröffentlich...

Wir sollten in all den Überlegungen, Diskussionen und Debatten „die Mutter“ immer bis zum Ende denken. Bis zum Ende ihres Lebens, bis in die Welt der Ahninnen hinein und bis zu den körperlich, geistigen und psychischen Verknüpfungen mit ihrem Kind.

Die Mutter ist eine Frau, die ein Kind austrägt, zur Welt bringt und es eine Zeit lang aufzieht - spätestens an dem Punkt scheint unser heutiges Verständnis zu enden. Oder noch schlimmer. Es ist als würde eine latente Forderung im Raum stehen, das sich Frauen wie eine Leihmutter begreifen sollen und nach der Geburt das Kind, fast wie ein Fremdkörper, möglichst schnell fit machen um ihm ein baldiges autarkes (eigenes) Leben zu ermöglichen. Das ist aber nicht menschenartgerecht...

Dabei kollidieren wir mit der absurden Tatsache, dass die jungen Mütter zuerst überhaupt anfangen müssen das Kind aufzuziehen und dabei richtig alleine sind, selbst wenn sie mit einem sogenannten Partner liiert sind. Es kommt zu dieser Gratwanderung zwischen dem gern zitierten: „...es braucht ein ganzes Dorf um ein Kind aufzuziehen!“ und der modernen Aufforderung: „Mütter sollen nicht so tun, als wären sie als Bezugsperson des Kindes unersetzlich...“.

Zitat aus dem Buch „Der Mutterschaftsbetrug“ von Christa Mulack : „Diese isolierte mütterliche Randposition ist ein evolutionsgeschichtliches Novum. Zu keiner Zeit hat es jemals eine solche Vereinzelung von Müttern gegeben, die bei uns auch noch gepaart ist mit extremen Belastungen und Behinderungen. Selbst während der längsten Zeit patriarchaler Kulturen fühlten sich immer mehrere Menschen für die Versorgung des Nachwuchses verantwortlich...

Die meisten Beurteilungen zum Thema 'Mutter' kommen erst einmal von Menschen, die nicht nur nicht Müttern sind, sondern auch nie welche sein werden. Nicht ein Mann wird auch nur ansatzweise in der Lage sein wirklich zu fühlen und nachzuvollziehen, was Mutter werden für die einzelne Frau bedeutet und dass dieses auf besondere Weise ein unumkehrbarer Vorgang ist. Die Bedeutung der komplexen Prozesses im mütterlichen Körper und in der Verwobenheit mit ihrem Geist und ihrer Psyche, wird heruntergespielt und auf Ebenen verschoben, wo der Mann glaubt mitreden zu können. Und das Muttersein wird als eine vorübergehende Erscheinung gewertet – Sorry Jungs, aber in Wirklichkeit habt ihr keine Ahnung.

Und Sorry Mädels, das mütterliche Sein ist eine Lebensstrategie innerhalb sehr vieler Spezies und es ist daher eine weibliche Daueraufgabe bis ans Ende eurer Tage...

Ich höre bereits wieder einige aufjaulen, da es mit der momentanen political correctness nicht zu vereinbaren ist, solche Äußerungen zu tätigen. Dabei möchte ich wirklich niemanden in seinen Lebensplänen zu nahe treten. Frau ist heute glücklicherweise (wieder) in der Lage selbst zu bestimmen, ob sie Mutter wird oder nicht und das ist gut so.

Denn es geht mir hier auch nicht um ein ständiges Kindergebären oder die Tatsache, das Mutter und Kind auf eine sentimentale Weise mit einander verbunden sind, sondern darum dass da was im Körper einer Frau über viele Jahre hinweg geschieht. Es geht um das unmittelbare Zusammenleben mit Kindern und die Auswirkung ihrer Entwicklungsphasen auch auf die Mutter (nicht nur gefühlsmäßig oder wirtschaftlich auch körperlich-hormonell). Jede Mutter sollte wissen was ich meine. So manches was wir naiv unter persönlicher Erfahrung verbuchen, ist die Wahrnehmung eines biologischen Ablaufs und ist mit den Phasen des heranwachsenden Kindes verknüpft. Außerdem schließen unter natürlichen (und urtümlichen) Bedingungen die großmütterlichen Reaktionen nahtlos an und greifen ineinander. Einmal Mutter immer Mutter, ist eigentlich die menschliche Faustformel (ich beziehe mich dabei auf meine eigenen umfangreichen Erfahrungen und zusätzlich auf das Buch von Louann Brizendine „Das weibliche Gehirn“).

Die heutige Kultur, die vorherrschende Gesellschaftsideologie und die inzwischen auf alle übertragenen männlichen Werte, hindern Frauen pausenlos, auch die die es wollen, an einem tatsächlichen Muttersein.

Erstens ... gibt es für die einzelne Mutter keinen fürsorgenden, weiblichen Background mehr bzw. eine mehrere erwachsene Personen umfassende, angehörige Gemeinschaft (stattdessen wird Mann dazu abgerichtet diese Unterstützung als Einzelperson zu stellen).

Zweitens ... wird leider das Mütterliche Sein immer noch unter dem Aspekt des aktuellen gesellschaftlichen Mainstream gesehen und Frauen glauben an eine Zwangerschaft. Die totale patriarchale Abhängigkeit lässt auch kaum eine andere Einschätzung zu.

Drittens ... wird Mädchen (und Jungen) von klein an so was wie eine temporäre Mutterphase suggeriert: Die Mutter steigt vorübergehend aus ihrem bisherigen Leben aus, um sich eine Zeit lang um ihr Kind zu kümmern – das heißt, die Mutter ist nur all inclusiv verfügbar bis das Kind laufen kann; danach darf sie teilzeit zugewandt sein wenn es in den Kindergarten kommt und schon kaum noch, wenn das Kind zur Schule geht; spätestens ab der Pubertät des Nachwuchses ist Mutter die Letzte, die für die geistige und Herzensbildung der Heranwachsenden zuständig sein darf (allerdings hat sie noch die körperlichen Bedürfnisse zu versorgen).

Viertens ... fast alle glauben, dass diese Lebensweise gut fürs Kind und erst recht gut für die Mutter ist.

Fünftens ... Müttern, welche andere  Gefühle kommunizieren, die nicht mit dem gesellschaftlichen Dogma übereinstimmen, wird ein schlechtes Gewissen gemacht. Die (gesellschaftlich verordnete) Freiheit ihrer Kinder (die heutzutage durchaus auch Gewalt, Drogen, Kriminalität oder Prostitution beinhalten kann) hat ihnen über alles zu gehen, egal ob das Kappen der Geborgenheit vernünftig ist. Erfolgreiche Erziehung wird gleichgestellt mit früher Unabhängigkeit es Nachwuchses und dem Verlassen der Herkunftsfamilien.

Sechstens ... es existieren keine matrifokalen (Schutz)Gemeinschaften für Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

Siebtens ... heutige Mütter leben in dem Muss des vorauseilendem Gehorsam. Alles was das Kind aus der mütterlichen Geborgenheit hinausführt, wird selbstverständlich von der Mutter selbst rechtzeitig angedacht und von langer Hand vorbereitet – ein gutes Beispiel für diese Art des Funktionieren ist das Anmelden eines Kindergartenplatzes noch vor der Geburt.

Achtens ... junge Mütter besitzen in einer Vielzahl der Fälle keinen innigen und hilfreichen Kontakt zu den eigenen Müttern und Großmüttern.

Neuntens... die grundsätzlich gravierende Entfremdung von Mutter und Kind wird kaum auf der persönlichen, noch auf der gesellschaftlicher Ebene registriert oder als bedenklich wahrgenommen.

Die Muttersippe (Das Matrifokal) ist auch im Patriarchat immer vorhanden, da es sich hier um die natürliche matrilineare Konstellation im Menschendasein handelt. Wir können verdrängen oder vergessen, dass die Mutter die Garantin des Lebens ist und wir können sogenannte männliche Blutslinien und Abstammungen Jahrhunderte lang als gottgegebene Norm ansehen, das ändert nichts daran, dass für jeden eine reale mütterliche Vererbungslinie besteht, die Tiefen der menschlichen Vergangeheit reicht.


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1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Aber ist eine Betreuung von Kindern in der heutigen individualistischen Gesellschaft nicht auch eine Möglichkeit für eine Ergänzung der Kernfamilie? Gerade weil die matrifokalen Sippen nicht mehr existieren bieten Kindergärten die Möglichkeit für Kinder andere Bezugspersonen und Kinder kennenzulernen, die in der Kernfamilie fehlen. Das kann das Dorf das für die Erziehung notwendig ist vielleicht teilweise ersetzen. Die innige Bindung zur Mutter müssen sich Kinder ja auch mit ihren Geschwistern teilen wenn sie welche und spätestens dann wird eine Mutter dem Kind weniger Aufmerksamkeit schenken können und es wird andere Bezugspersonen brauchen. Natürlich ist das in der Form der heutigen Betreuung nicht möglich, dafür bräuchte es mehr Erzieherinnen, damit diese individuell auf die Kinder eingehen können. Ich möchte auch dazu sagen, dass ich das Glück hatte nach der Schule immer zu Hause sein zu können und mir das nicht unbedingt gut getan hat, weil ich eher zurückhaltend war und deswegen nicht genügend Kontakt mit anderen Kindern hatte.