15 Dezember 2013

Die war noch von der alten Welt

Das Jahr neigt sich und meine Gedanken zur Alten sind noch lange nicht am Ende. Es gäbe noch so viel darüber zu künden. Das Großmutter-Sein ist eine der Phasen in einem Frauenleben und heutzutage für fast jede Frau keine kurze. Es ist die Zeit der Reife, der Alten, der Weisen und kann mehrere Jahrzehnte umfassen.

In einem Gespräch wurde mir einmal von einer recht jungen Frau vorgehalten: Na und – nicht jede alte Frau ist weise.

Das stimmt und auch nicht. Weisheit ist kein Leistungssport. Aber ein Zug unseres menschlichen Seins und nicht immer an ein bestimmtes Alter gebunden. Trotzdem ehrten dereinst unsere Ahninnen und heute noch viele indigen und matrifokal lebende Gemeinschaften (Völker) das Alter. Sie wussten, was es für die Gemeinschaft hieße, ohne den weisen Rat, die Erinnerungen und den zwischenmenschlichen Ausgleich, den die Alten einbringen, leben zu müssen.

Dabei ist die Weisheit des Einzelnen nicht der entscheidende Faktor, sondern die Haltung, die alle in Respekt und gegenseitiger Zuwendung für einander einnehmen.

Die natürliche, die generationsübergreifende, Fürsorge umfasst eigentlich die Zeit von der Geburt bis zum Tod - ein menschen-art-gerechtes Geschehen, dass aus unserer Kultur fast völlig verschwunden ist. Mal abgesehen davon, dass ich tatsächlich eine mehrfache Großmutter bin, lebe ich schon seit Jahren in der Intention der Alten. Dieses Sein und diese Haltung erfährt, wir wissen es alle, in unserem patriarchalen Gesellschaftssystem wenig bis keinerlei Wertschätzung. Das seit Jahrhunderten missachtete Muttersein eben.

Die Alte, die Mutter der Mutter, ist immer in ihrem Wissen und ihrer Erfahrung die Vertreterin der "altenWelt" auf der letztendlich alles Zukünftige aufbaut.

Das wussten sie auch noch in Zeiten, als die Alte schon nicht mehr gehrt wurde. Wurden doch noch Märchen und Sagen von ihr und von Frau Holle und der Berchta erzählt. Einer solchen Geschichte habe ich einen kleinen Ausschnitt entnommen, der zeigt, dass 'die Alte' schon immer von dieser Welt, aber auch verbunden in den Zeiten war:

„Nun aber lebte auf diesem Hof eine uralte Frau. Die war noch von der alten Welt. Sie saß zu jeder Stunde am Herd, spann im Rauch und roch das Unsichtbare. Die Kunde von den alten Zeiten war ihr noch zugegen, und sie wußte mehr von dem Wechsel und Wandel der Dinge als die anderen.“

Zitat: Raunächte – Märchen, Brauchtum, Aberglaube – aus der Geschichte „Das ausgeblasene Licht“ - Herausgeberin: Sigrid Früh - (Quelle: K. Paetow: Frau Holle, Märchen und Sagen, Hannover 1952)


07 Dezember 2013

Adventnachmittag

... der Sturm hat sich gelegt ... draußen ist es still, friedlich und weiß.




Mit dem plötzlichen Winter kann ich noch gar nicht richtig umgehen. Er hat mich einfach überrascht, ebenso die Erkenntnis, dass wir schon fast mitten im Advent sind. 
Da sind wohl ein paar besinnliche Gedanken fällig.
Und so schiebe ich die Arbeit beiseite, zünde Kerzen an, bereite mir einen fruchtigen Tee zu und blättere die Datei mit den Fotos der vergangenen Monate durch... so viele glückliche Momente...
heuer kam das Jahresende auf schnellen Schwingen. Überhaupt flog das gesamte Jahr Zwanzig-Dreizehn nur so dahin. Es war recht bunt, das Jahr ... ich war mehr unterwegs als sonst, ein neues Menschlein, ein Töchterchen kam im Mai hinzu, nachdem bereits im Dezember zuvor ein kleines Mädchen meine Sippe komplettierte und ein besonderer Geburtstag wurde gefeiert. Die Kinder meiner Kinder wachsen heran und sind zu meiner ganz besonderen Großmutterfreude wunderbar gelungen. Die Alte zu sein hat schon was...

.


01 Dezember 2013

I love you

Für das eigne Handeln Verantwortung übernehmen sollte zum guten Umgang mit der Welt gehören. Und ebenso für das, was ich sage und vor allem, wie ich es sage. Wir sollten uns da nicht herausreden, mit so Plattitüden, wie: selber schuld, wenn du mich falsch verstehst, ich hab es nur nett gemeint. 
Wenn ich falsch verstanden werde, liegt es manchmal auch daran, wie ich kommuniziere. Und dann ist vielleicht eine kleine Erläuterung fällig. Gegenseitiges gutes Verständnis passiert selten von ganz alleine und bedarf immer wieder der Nachbesserung. Gerade dieses „wie“ ist hierbei nicht unerheblich. 
Das kennen wir alle, da laufen zwischen zwei Menschen so Insider-Geschichten, die scheinbar lustig daher kommen, aber wie Scharmützel anmuten. Das mag im geschützten Raum noch angehen und wenn beide am Ball bleiben, klärt sich eines Tages die vertrackte Angelegenheit.
Oder auch nicht.
Aber wie ist das, wenn der Schlagabtausch in die Öffentlichkeit verlagert wird?
Wenn eine die andere aufzieht, wegen einer angeblichen Schrulle? Oder gar dem Fehlen einer solchen? Nur weil sie auf bestimmte Dinge oder Angelegenheiten einfach nur eine andere Sichtweise hat oder einen anderen Umgang pflegt. Ihr möchtet ein Beispiel dazu?

Angenommen eine von beiden mag Teddybären und besonders einen, den sie ausgesprochen gern hat. Sie schleppt ihn den ganzen Tag mit sich herum und nimmt ihn sogar mit ins Bett. Sie versteckt ihn nicht, wenn andere in ihre Wohnung kommen. Aber sie spricht auch nicht ständig über ihre Teddyliebe. Das ist für sie einfach ganz selbstverständlich.

Die andere mag auch Teddybären, viele sogar und sie hat sie dekorativ in ihrer Wohnung verteilt. Sie sammelt sie und ist stolz darauf. Sie strickt ihnen Höschen oder Jäckchen und reiht sie auf Regalbretter. Dabei meint sie, so und nicht anders müsste man Teddybären behandeln. Sie glaubt alles über Teddys zu wissen. Und da sie den Teddy der anderen noch nicht zu Gesicht bekommen hat, glaubt sie immer wieder, sie müsste diese von Teddys im Allgemeinen und von richtiger Teddyhaltung im Besonderen überzeugen. Das kann sogar zu schmerzlichen Missverständnisse führen, wenn zwei zwar Teddybären mögen, aber der Umgang mit ihnen und die dabei erlebte sinnliche Erfahrung gravierend unterschiedliche ist.

Also ich liebe meinen Teddy, von ganzem Herzen und respektiere alle Teddys dieser Welt und ihre Besitzer.



13 November 2013

Wiederholungen

... sind im Fernsehen sehr beliebt... und es gibt tatsächlich bestimmte Dinge, die kann frau nicht oft genug wiederholen... deshalb stelle ich hier mal einen Querschnitt aus ein paar meiner Kommentare zusammen!
Ich beantworte nun mal zu gern die nicht oft genug gestellte Fragen zu matrifokal organisierten Gesellschaften, zu Stellung der Mütter von der Prähistorie bis heute, zur Sicht auf die Geschlechter, zum Patriarchat und zu der Definition von noch anderen relevanten Begriffen...


Wiederholungen - die Erste

Was wissen wir denn inzwischen genau? Es gibt eine sich seit ungefähr siebentausend Jahren immer weiter steigernde Patriarchalisierung und es gab davor Jahrtausendelang "etwas“ so ganz Anderes. Und das ist imho der (entscheidende) Teil, in dem die Mensch mit ihren außerordentlichen Fähigkeiten entstand, indem sie soziale Gebilde schuf, in denen "der Mensch" zum Menschen wurde. Diese, auf einer Natürliche Mütterlichen Ordnung beruhenden, Gemeinschaften organisierten sich in matrifokalen Strukturen, in denen Menschen in matrilinearer Herkunftsbindung lebten, wie ich schon oft ausführte.

Die Übergänge von den matrivivialen (egalitären) Lebensbedingungen in das sogenannte Patriarchat sind bereits von seiner Entstehungen an durch männlich dominiertes Religionsgeschehen sowie nachhaltig von Gewalt und Sexualdominanz gekennzeichnet. Die feingesponnen Ideologien der Vater-Superiorität, besonders die mit monotheistischem Hintergrund, verschieben seitdem den Sinn menschlichen Zusammenlebens hin zu einer steten Anerkennung der gewaltsam eingeführten Hierarchie durch privilegierte, omnipotent auftretende, männliche Herrscher. Die paar Frauen, denen gestattet wurde, sich an dem Spiel um die Macht zu beteiligen, können wir getrost vernachlässigen.

Was ist dieses davor? Die soziale Einheit der Fürsorgegemeinschaften, bestehend aus Angehörigen in matrilinearer Herkunftsbindung (konsanguin), bildete einst die Schutzsphäre für Nachwuchs und Sippenmitglieder der menschlichen Spezies und wird von mir als Natürliche Mütterliche Ordnung bezeichnet. Ich sehe diese Lebensweise als die menschenartgerechte Grundvoraussetzung für ein selbstbestimmtes Leben eines jeden Individuum in sozialer Einbindung an. 


Hierarchie ist eine Ordnung, die in sich eine Abstufung enthält. Eine Rangfolge oder Stufenordnung, die der Wortbedeutung nach eine „heilige“ Rangordnung ist und innerhalb eines Gebildes, sozusagen einem Jeden seinen Platz zuweist. Allgemein steht hinter Hierarchie das Verständnis von einem (gottgegebenen) Oben und einem (erduldeten) Unten. Und „archie“ wird auch hier als Herrschaft verstanden und angewendet, indem der Ursprung weg von den Müttern, den 'Patres' zugeordnet wird.

Eine natürliche (biologische) Hierarchie ist eher absurd. Da sich bestimmte scheinbare Rangfolgen zum Beispiel unter den Männchen einer Spezies, immer als ein Prozess der laufenden sozialen Interaktionen gestaltet. Von einer Hierarchie könnten wir imho erst dann sprechen, wenn der Sohn des Oberaffen die Position des Vaters erben und das ganze durch eine Exekutive unterstützt würde. Oder dieser eine Art Nachfolge inszeniert. Das halte ich als das immer wieder auftretende Missverständnis, dass gesellschaftlich geschaffene Strukturen als eine Art Naturgesetz gesehen werden.

Für das Mutter-Kind-Verhältnis ist daher der Begriff Hierarchie auch nicht passend. Das Kind ist schließlich kein Untergebener der Mutter. Selbst wenn wir uns die Mutter als Mittelpunkt des Lebenskreises vorstellen, besteht doch grundsätzlich keine Abstufung – wir sind als sozial bezogene Wesen energetisch vernetzt und gleichwertig.

Hierarchie ist ein patriarchöses Konstrukt, das als natürliche Gesetzmäßigkeit gehandelt wird. Die „Hieros Gamos“ (oder Heilige Hochzeit) ist meiner Ansicht nach, bereits ein durch und durch patristischer Ritus. Ein König erhält die Weihen und seine Legitimation durch eine Verbindung mit einer Göttin, die durch eine Priesterin-Königin verkörpert wird. (siehe auch Barbara G. Walker)

Die Tatsache, dass bereits eine Herrschaftsstruktur eingeführt wurde um größere Landstriche und viele Menschen zu kontrollieren, beweist die Anfänge bzw. die Existenz eines funktionierenden patristischen Systems. Einzelbesitz und seine Vererbbarkeit stehen dem vorherigen Gemeinschaftseigentum gegenüber. Das Benutzen des noch vorhandene Brauchtum der Interaktion und Verehrung mit einer Göttin oder göttlichen Mutter, beruhend auf weiblichen Werten, dient hierbei der Legitimation männlicher Macht.

Diese
scheinbare friedfertig Übergangszeit setzte meist erst dann ein, nachdem zuvor gewaltsam eine Unterwerfung der jeweiligen indigenen Gemeinschaft erfolgt war. Diese Art der patriarchalen (gewaltsamen) Inbesitznahme fand mehrfach in der Geschichte statt, auch Mitteleuropa war irgendwann davon betroffen. Und die Verheiratung von sogenannten „Erbprinzessinnen“ mit den Erobern findet sich in mancher literarischen Bearbeitung wieder.

30 Oktober 2013

Zwischen Trance und Träumen

Derzeit wende ich mich einem neuen, für mich eher ungewohnten Projekt zu und dazu benötige ich jede Hilfe, die ich bekommen kann. Es wird also Zeit, sie wieder herbei zu rufen, die Freundinnen und Freunde der Kindheit - die Geister der Natur, der Elemente und des Sagenhaften. 

Von Anbeginn lebte ich mit ihnen, mal mehr, mal weniger, bewusst. Nie habe ich sie ganz aus meinen inneren Augen verloren. Und obwohl ich älter und verändert bin, werden auch sie mich, mein unveränderliches Sein, sofort erkennen.

Zur Zeit schüttle ich die knochentrockene Realität ab. Lange wandte ich mich, aus guten Gründen, nüchtern der Sachlichkeit und Objektivität zu, da sie für mich das schriftliche Parkett der Sachbezogenheit überhaupt erst gangbar machten. Jetzt haben sich die Prioritäten geändert. 

Und so betrete ich eines der verschlossenen Gemächer der Erinnerung. Hier finde ich einen fast vergessenen, aber vertrauten Anblick - wie in einem, seit langem unbewohnten, Raum in dem alles Mobiliar und die darin aufbewahrten kostbare Gegenstände sorgfältig mit Tüchern abgedeckt sind, um sie vor Schäden durch den Staub des Vergessenes und der Nichtbeachtung zu schützen. 

Nach und nach ziehe ich die grau gewordenen Schleier ab, die alles sorgfältig verhüllten. Welch eine Pracht an Traum und Wirklichkeit. Zum Vorschein kommen all die Wunderwelten meiner Kinderzeit und die meiner Kinder und Kindeskinder. Ich könnte mich im Spiel verlieren. Ich öffne weit die Fenster um die bisher ausgesperrte Fantasie wie einen frischen belebenden Luftzug hereinzulassen. Ein Wind, der auf blauen Schwingen neue Wunder trägt und im Raum verteilt. Doch etwas fehlt noch und so hebe ich das letzte Tuch. Darunter schlafen, lieblich und vertraut, die Gefährtinnen meiner Kindheit – fröhliche Fantasiegebilde, uralte wundersame Wesenheiten, Naturgeister, wie sie nur meine Augen sehen können. Ich setze mich still zu ihnen und warte, dass sie erwachen... 



02 Oktober 2013

... ach wie gut, dass jeder weiß...

Eine Freundin hat mich unbeabsichtigt mit einer Metapher daran erinnert, wer ich bin. Fast wäre sie mir im seichten Getriebe meines Alltags entglitten - die Alte - die Großmutter, die den bösen Wolf gefressen hat.
 

Beinahe hätte ich vergessen zwischen all dem Nettsein und Verständnishaben für all die Müllerstöchter und all die täglich um mich umherspringenden Rumpelstilzchen dieser Welt. Wir wissen es doch längst - ein Rumpelstilzchen wird niemanden retten. Im Gegenteil! Sein wahres Sein verbirgt er, seinen Namen nennt er nicht.
 

Als betagte Frau, habe ich zwar inzwischen eine recht milde Sicht auf den Wahnsinn der Welt, dennoch fehlt mir inzwischen die Toleranz dafür, dass im Allgemeinen die Vorstellung vom heutigen Frausein, immer noch in der Mädchenphase endet. Mir scheint oft, als blieben viele der Frauen das ahnungslose, allen Widrigkeiten und männlichen Kabalen ausgelieferte, suchende Mädchen. Sind sie denn (gern) das mutterlose, leichtgläubige, aber natürlich junge, wunderschöne Müllerstöchterlein, das sich nicht zu helfen weiß. Und so sitzt sie nun vor einem Haufen Stroh und weint. Doch was geschieht? Es erscheint ihr keine gute Fee. Keine verstorbene Mutter schickt Täubchen. Und da kommt auch keine weise Alte vorbei, um ihr einen Rat zu geben. Vom Vater verraten und verkauft, vom goldgierigen König ist keine Gnade zu erwarten, eilt auch sonst niemand herbei, sie aus dem Turm zu erretten.
 

In dieser Not erscheint es, das Rumpelstilzchen. Ungerufen! Ein harmlos scheinender Geist. Bieder bietet er ihr seine Zauberei an, gegen Bezahlung versteht sich. Und sie nimmt dankbar an. Sie schließt einen Pakt. Doch dieser Vertrag mit dem Ungeist wird sie nicht befreien, sondern sie in eine noch fiesere Falle locken. Seine Hilfe wird sie später um alles bringen, was ihr Leben wert macht – ihr Kind - sie hat es ihm in ihrer Not versprochen. Gewiss, später, zu guter Letzt, wird da jemand sein, der ihr aus dem Schlamassel heraus hilft. In ihre eigene Kraft kommt sie nicht.
 

Das innere Rumpelstilzchen wird gern als Metapher für Rebellion, für Wehrhaftigkeit verwendet - Trau dich, sei ein böses Mädchen! - aber die mutterlose Müllerstochter ist bis zum Schluss kein böses Mädchen und das Rumpelstilzchen wollte ihr gar nicht helfen, schon gar nicht sich zu wehren. Es hat eigene fiese Pläne und die werden langfristig allen naiven Mädchen mehr schaden, als anfangs die scheinbare Wohltat vermuten lässt. Er spinnt das Stroh zu Gold und sie bewahrt den Schein. Das Abkommen sichert ihr den Platz an der Seite eines bedeutenden Mannes, aber es soll sie auch um ihr Kind bringen. Ihr gelebtes Muttersein verhindern. Das - ist das wahre Rumpelstilzchen.
 

Und über dieses Mädchen, das nicht weiß was es tut, das das Leben noch nicht kennt, das zwar vielleicht Wissen sammelte, aber sich noch nicht selbst erfahren hat - über dieses Mädchen bin ich schon lange hinaus. Ich bin weder ein böses noch ein gutes Mädchen. 

Ich bin gar kein Mädchen mehr, sondern eine GroßeMutter. Und gut und böse sind für mich irrelevante Begriffe. Auch provoziere ich nicht mehr – ich stelle richtig, ich sorge für Klarheit, ich banne die Rumpelstilzchen dieser Welt.
 

Was tut eine Großmutter wie ich?
 

Ich bleibe, wenn andere gehen. Ich zeige wo die Kraft liegt, wenn andere hadern. Ich träume in die Vergangenheit und die Zukunft, wenn andere sich von der Gegenwart fesseln lassen.
 
Ich bin. Ich ich sitze am Feuer, streue Kräuter in die Flamme und sehe wie der Rauch aufsteigt. Ich weiß um die Welt und das Sein.


Ich antworte stets, wenn eine kommt und mir Fragen stellt. Und meine Antworten stammen allesamt aus der Alten Welt. Aus der Welt der weisen und patenten Mütter und Ahninnen.  

Die Mädchenfrauen unserer neuen Welt sollten langsam mal genug vom Spiel mit Puppen haben und erwachsen werden. Und es wäre gut, würden sie sich trauen die Hilfsangebote der Rumpelstilzchen durchschauen, statt sich davon verführen zu lassen. Es ist an der Zeit, dass sie die wahren Traditionen der Mütter und Großmütter wieder entdecken, um den tiefen Sinn des Mutterseins zu erkennen und so "Königin" im eigenen Reich zu werden.
Ich brauche kein inneres Rumpelstilzchen, keinen tobenden Geist, der mich zu irgendetwas antreibt oder mir hilft mich zur Wehr zu setzen. Gegen wen sollte ich mich wehren? 


Mit Frauen will ich mich in gegenseitigem Wohlwollen verbünden. Mit Männern will ich nicht nur koexistieren, sondern auch kooperieren.

Mit Töchtern und Söhnen möchte ich zusammenleben und unlösbar bin ich mit ihnen in der Zeit verbunden. Meine Elf Töchter der Zukunft sind meine Motivation. Brauche ich mehr? 

... ach wie gut, dass jede Großmutter weiß, was das Rumpelstilzchen gar nicht wissen kann!

.
PS ... ich kenne sie alle, die Spielarten mit denen das Märchen vom Rumpelstilzchen schon variiert wurde. Von der strikten Fassung der Gebr. Grimm bis hin dem Rumpelstilzchen, das als liebenswerter Erdgeist dargestellt wird, der das naive Müllerstöchterlein "nur" belehren möchte und selbstverständlich auch das Kind nicht behalten will, sondern einen gedankelosen oder hartherzigen König bekehren. Es wird wohl noch viele Interpretationen geben...

08 September 2013

Kinder sind kein Partnerersatz

... schon gefühlte tausendmal stolperte ich über den Satz: „Kinder sind kein Partnerersatz..."

So auch heute wieder und hier der (etwas überarbeite) Kommentar, den ich zu dem Thema hinterlassen habe:
 

Ja, das stimmt! Kinder sind kein Partnerersatz.
Kinder sind die, uns am meisten verbundenen Angehörigen. Auch noch, wenn sie dem Kindesalter entwachsen sind. Diese Verbundenheit ist in unserer Kultur des separierten erwachsenen Menschen sozusagen als irrelevant erklärt worden. Doch wir wissen inzwischen: das artgerechte Sein der Angehörigenbindung ist die eigentliche Basis des menschlichen Zusammenlebens.
Die Idee, dass manche Menschen ihre Kinder als „Partnerersatz missbrauchen“, ist eine komplette Umkehrung der eigentlichen Wertigkeit.
Im Gegensatz zum Kind ist der sogenannte Partner, dem tradierend die ganze Liebe gelten soll, nur ein Surrogat, eine Ersatzperson für den im Patriarchat verlorengegangenen natürlichen Lebenskreis.
Der heutige, vereinzelte Erwachsene ist imho niemals so „erwachsen“, dass er bzw. sie den irrwitzigen Ansprüchen unserer heutigen Gesellschaftskultur gerecht werden kann und auch nicht sollte: allein (in wechselnden Beziehungen) zu leben.
Das Einschwören auf den zukünftigen Partner, mit dem frau/mann möglichst den Rest des Lebens verbringt, beginnt in der Ausbildung unserer Kindern zu autarken und möglichst bindungslosen Erwachsene, schon sehr früh. Dafür wird Natürliches Bindungsverhalten so früh wie möglich unterdrückt und der Augenmerk auf beliebige Beziehungen gelenkt.
Wir erziehen unsere Kinder nur noch teilweise selbst und lassen erziehen und ausbilden (jedoch nicht immer freiwillig, siehe Schulpflicht oder unter dem Druck der Erwerbstätigkeit).
Das patriarchal geprägte Familiensystem ist ursprünglich ein Herrschaftssystem. Und in diesem herrscht(e) als Prinzip eine Atmosphäre, die vergleichbar ist mit einer Geiselnahme und daher auch immer wieder die Symptome eines Stockholmsyndrom zeigt. Ein hervorragender Nährboden für Gewalt, Übergriffigkeit und Missbrauch aller Art. Überall da, wo vereinzelte Erwachsene mit einer gewissen Macht ausgestattet sind und in einem unnatürlichen, quasi nicht kontrollierbarem, Raum agieren, findet grundsätzlich eine Art systemimmanenter Missbrauch statt.
Den heutigen Erwachsenen und hier besonders den männlichen, umgibt nicht mehr das selbstverständliche Korrektiv einer konsanguinen* Angehörigengruppe.
Der moderne Mensch wendet sich schon während des Heranwachsens in vielen kleinen Brüchen von seiner Herkunftssippe, dem naturgemäßen Lebenskreis ab - wird systematisch „abgenabelt“.
Dabei wird so früh wie möglich eine distanzierte, für Menschen unnatürliche, Alltagssituation geschaffen, die sozusagen als Sprungbrett in das „eigene“ Leben dienen soll. Das derzeitige Ziel ist in den, möglichst permanenten, Zustand der romantischen Liebe zu kommen und eine, auf sexuellem Begehren aufgebaute Lebensgemeinschaft mit einem, bis dato "fremden" Menschen zu gründen.
Das Erfüllen der kulturellen Maßvorgaben ist für den einzelnen fühlenden Menschen zu einem permanenten Mangelzustand an Schutzwärme, an Geborgenheit geworden.
Nachhaltige Sentimente, Zuwendung, Aufmerksamkeit und vor allem die generationsübergreifende Fürsorge ist in unserer, auf den Erwachsenen mittleren Alters ausgerichteten Welt, alles andere als selbstverständlich vorhanden. Wir klagen über das Vorhandensein von ständigem Menschenmissbrauch und dabei wird übersehen, dass
mit der Hörigkeit dem patriarchalen System gegenüber täglich aufs Neue, die dazugehörigen Voraussetzungen geschaffen werden.


(* konsanguin bedeutet: durch Geburt verwandt in mütterlicher Linie

26 August 2013

Manchmal...


... manchmal lese ich in meinem eignen Blog, der inzwischen einen Umfang von respektablen 320 Beiträgen verzeichnet und viele davon sind nicht gerade kurz.
Ich picke mir von Zeit zu Zeit ein Label heraus und schaue, was ich unter dem Stichpunkt so abgelegt habe.
Zum Thema „Großmutter“ finden sich 47 und bei „Mutter“ sogar 62 Texte. Natürlich gibt es dabei etliche Überschneidungen. Aber wenn ich die einzelnen Texte miteinander verknüpfen würde, käme eine recht umfangreiche, konsistente Betrachtung zum Thema Mutter dabei heraus. Die Frage ist jedoch, interessiert das "Mutterthema" noch Andere außer mir?
Frauen zeigen sich heute an allem Möglichen interessiert und genießen die Freiheit sich zu jedem nur erdenklichen Thema zu verbreiten. Manchmal sind auch einige darunter, die sich dem Phänomen Mutter zuwenden. Gefühlte 1% und überwiegend junge Frauen, die sich aktuell im Mutterstatus befinden.
Die Frau von Heute hat viele Identifizierungsmöglichkeiten über die sie eine Pseudoverbundenheit* mit anderen Menschen leben kann. Sie ist Bürgerin eines Staates und sie kann Christin, Buddhistin oder Muslima sein. Frau ist Feministin oder Esoterikerin, Künstlerin, Rentnerin oder Mitglied einer Jugendgang. Sie liebt es, die Frau an der Seite von Herrn Y zu sein oder eine bekannte Politikerin. Eine Frau kann sich mit ihrem Beruf identifizieren - als Sekretärin, Ärztin oder Nutte, alles ist möglich. Sie kann als Model Karriere machen, ja sogar als Fan einer Berühmtheit selbst berühmt werden. Je nach ihrem Lebenskonzept oder ihrer Einstellung wird sie in der Öffentlichkeit als Vegetarierin, Lesbe, Ehefrau, Bloggerin oder Nonne wahrgenommen. Sie kann anstrengend, angepasst, modebewusst oder völlig desinteressiert sein. Die Vielfalt an Merkmalen, die es für die Frau heute gibt, sind schier unendlich und alle Frauen können außerdem noch Mütter sein. Das wird aber nur manchmal registriert...


* ... in der patriarchös geprägten Gesellschaft sind für den erwachsenen Menschen eigentlich nur Pseudobindungen vorgesehen...
.

06 August 2013

Analyse eines Selbstverständnis


...ein Artikel bei Zeit - Online stellt fest:  Wir Eltern sind unsolidarisch  - und weiter:
„Wir wollen nur das Beste für unsere Kinder. Warum lassen wir dann zu, dass ihre Erzieherinnen so schlecht dastehen?“

Sagt mal, habe nur ich mit dieser Formulierung Probleme und bin ich zu alt für dieses Selbstverständnis mit dem Mütter ihre Kinder ununterbrochen Menschen,
die sie gar nicht kennen, in die Hand geben und sie von diesen erziehen lassen? Wir wollen also nur das Beste für unsere Kinder und daher engagieren wir sozusagen fremde Menschen, die im Rahmen von staatlich vorgegebenen Richtlinien und Einheitsplänen aus einzigartigen Kleinkindern erst ein angepasstes Schulkind und später einen gefügigen Arbeitnehmer formen?

Diese, von mir gestellte, Frage fällt natürlich aus dem mainstreamigen Fortschrittsgeist. Die moderne Frau ist emanzipiert und somit der Hausfrau-Mutter-Fessel ledig und was sollte sie auch sonst tun – Väter und Mütter müssen arbeiten und die Gesellschaft hat es sich zur Aufgabe gemacht dem Nachwuchs relativ einheitlich Kultur und Wissen angedeihen zu lassen. Die moderne, die feministische, Frau und Mutter, für die ein Beruf - eine Karriere - eine Erwerbstätigkeit eine ökonomische Notwendigkeit darstellt und als Sinnhaftigkeit in ihrem Leben einen festen Platz einnimmt, darf daher gar kein Problem damit haben, ihr Kind durch andere Leute nicht nur unterrichten, sondern auch erziehen zu lassen.

Selbstverständlich ist die „ErzieherIn“ nicht als die bessere Mutter zu verstehen (auch wenn das gern durch Politik und Medien suggeriert wird), sondern es handelt sich dabei um einen anerkannten, geachteten Ausbildungsberuf, genau wie die LehrerIn. Aber geachtet und wertgeschätzt ist auch hier nicht unbedingt deckungsgleich

Diese ErzieherInnen unserer Kinder sind erst einmal Menschen, die wir in der Regel gar nicht kennen. Wir wissen nichts über ihren Charakter, ihre Herkunft, ihre tatsächliche weltanschauliche Einstellung, über ihr Privatleben – und natürlich geht uns das auch gar nichts an. Aber letztendlich sind es die Parameter nach denen sich dieser fast unbekannte Mensch verhält und auf unsere Kinder einwirkt. Auch später in der Schule findet nicht nur reine Wissensvermittlung statt, sondern soziale Interaktion und das oft auf eine sehr stressige, komplizierte, vielschichtige Art, welche das Kind eher vom Lernen abhält, als es zu begeistern. Die Eltern der Kinder erwarten zwar vom Lehrerkollegium ausreichend pädagogische Kenntnisse, welche sie befähigt ihr Kind angemessen zu erziehen, doch wie aufmerksam und zugewandt kann schon eine LehrerIn hunderten von unterschiedlichsten Klein-Persönlichkeiten gegenüber sein?

Diese mangelnde Wertschätzung der Erziehertätigkeit ist imho auf zwei Punkte zurück zu führen. Einmal die generelle Verachtung eines jeden mütterlichen Engagements, denn das ist es was ErzieherInnen letztendlich für unsere Kinder aufbringen müssen, da Mütter scheinbar etwas besseres zu tun haben und zum anderen das natürliche Misstrauen, dass naturgemäß eigentlich erst einmal einem jedem „Fremden“ entgegengebracht wird, der uns unseren Nachwuchs entzieht.

Trotzdem liefern wir, gegen besseres Gefühl, den (bestimmt ehrlich bemühten und freudig engagierten) ErzieherInnen unsere Kinder aus, weil es erstens unserem derzeitigen kollektiv verankerten Sozialverhalten entspricht und zweites in dem Wissen, dass diese nur vorübergehend in das Leben unserer Kinder eingreifen – wir also unser Kind wieder unbeschadet und möglichst verbessert, zurück bekommen.

Das Einverständnis zu Fremdbetreuung ist natürlich keine Entscheidung, die jede Mutter jeden Morgen fällt bevor sie ihr Kind in der Einrichtung abliefert oder hinschickt. Hierbei handelt es sich
inzwischen um kollektive Mechanismen, die nicht mehr hinterfragt werden und in vorauseilendem Gehorsam der Schwarmkonvention gegenüber schon vor der Geburt eines Kindes akzeptiert und in die Wege geleitet werden.

Aber vielleicht wertschätzen wir auch die Erzieherinnen deshalb nicht wirklich, weil sie das letzte Glied in der Kette eines törichten und nicht artgerechten Aufzuchtsystems unserer Töchter und Söhne sind. 

.

25 Juli 2013

wir werden nicht von alleine klug...

...ein Ausschnitt aus einem Kommentar und die Erweiterung dieses Gedankens...

Der Mensch, das Individuum, wurde und wird auch weiterhin nicht aus dem Nichts heraus klüger. Und wie wichtig ist denn das (heutige) Klüger werden überhaupt, wenn es nur auf den Versuch abzielt, die Gesetze der Natur und deren Zusammenspiel innerhalb dieses sich selbstorganisierenden Systems zu durchdringen und womöglich manipulieren zu können? Das erhoffte Klüger werden und das Verstehen wollen wie die „Schöpfung“ funktioniert, entspringt imho wohl eher dem Kontrollwahn des patriarchalen Menschen.
Wir kommen mit bestimmten, lange vor der patriarchalen Welt angelegten, Anlagen zur Welt – der Mensch ist eine kühne Kombination aus dem Genpool unserer VorfahrInnen und den exklusiven epigenetischen, individuellen Zutaten. Natürlich sind es die Mutter- und Vateranteile die uns vor allem prägen und davon werden im Laufe unseres Lebens jene wirksam, die zu dem Lebensumfeld, in das wir hinein geboren werden, passend sind. Es werden die Anlagen aktiviert, die gebraucht werden um in einem bestimmten Erdenkreis, unterschiedlichen Kimazonen und entsprechenden Landschaftsbedingungen, zurecht zu kommen und zu überleben. Jedes Menschenkind bringt in der Regel die Möglichkeiten mit, sich an seine Welt, in die es hinein geboren wird, optimal und nachhaltig anzupassen.
Die aktive Voraussetzung dafür ist natürlich die permanente Interaktion in einem intensiven Bindungskreis – der Angehörigengruppe, die den Nähe-Hintergrund bildet. Ständige Nähe zu anderen, sich wohlwollend verhaltenden, Menschen, bedeutet ständiges Interagieren mit nahestehenden Körpern und Gehirnen. Hier wird unsere Lebensklugheit ausgebildet.
Wenn dieser Bindungskreis für ein Neugeborenes nur aus einer Mutter und eventuell einem Vater in einer modernen Wohnschachtel besteht, haben wir hier bereits einen empfindlichen Mangel an menschlichen (interaktiven) Impulsen für das Baby. Auch liegt es imho in der menschlichen Natur, dass das Kleine sozusagen einen weiblichen Background erwartet. Das ist unsere prä-natürliches Erbe.
Dieser spür- und sichtbare Mangel wird jedoch in unserer derzeitigen Kultur völlig ignoriert und die Kleinfamilie, diese Kümmerversion einer menschlichen Lebensgemeinschaft, als höchste Entwicklungsstufe gepriesen. Vielleicht mag das ja ein Idealraum für den (modernen gefühlsarmen) angepassten Erwachsenen sein, das Kind, das in diese Welt hineingeboren wird, erwartet von seinen Anlagen her ein komplettes Urzeit-Sippengefüge und mindestens ein Empfangskomitee bestehend aus Müttern und Großmüttern und deren Schwestern.


Die hochgejubelte soziale Vaterschaft unser Zeit ist eine Mischung aus patriarchöser Ideologie und einem verzweifeltem Erhalt des Paargedankens (Ehe, etablierte Paarbeziehung, Kleinfamilie) und stützt sich in der Praxis letztendlich auf die einstigen Aufgabenbereiche der (matriarchalen) Mutterbrüder.

Der heutige Vater eines Kindes (der im Idealfall den Erzeuger, im Sinne von Verursacher, und den sozialen Versorger in sich vereinen soll) hat im Alltag mehrere Rollen zu erfüllen - die des permanenten Liebhabers der Mutter, des Versorgers bzw. Ernährers und die, als alleiniger Ersatzmann, um die nicht artgerechte Leere auszufüllen, welche durch die nicht mehr vorhandenen Sippenangehörigen entsteht. Letzteres ist von ganz wesentlicher Bedeutung und kann gar nicht von einem einzelnen Menschen aufgefangen werden.

Leider unterliegen wir dem modernen Wahn, dass der einzelne Vater die Rahmenbedingungen und die Gegebenheiten der Patriarchose bei (seinem) Kind auszugleichen hat. Der einzelne Mann muss also für die patriarchösen Hybris seinem Nachwuchs gegenüber gerade stehen. Wäre es da nicht klüger, wenn er sich endlich die richtige Unterstützung sucht?
.

22 Juli 2013

...bei mir ist es wie früher...

Gestern Abend habe ich mir wieder einmal den betagten Defa-Spielfilm für Kinder Jorinde und Joringel angesehen. Dieser Film ist, als DVD, in unserer Familie sogar mehrfach vorhanden, weil damals meine beiden ältesten Töchter als Komparsinnen mitgewirkt haben. Sie stellten mit vielen anderen Erfurter Mädchen die, von der Fee verzauberten Jungfrauen dar.

Diese Fee, die Alte, wie sie auch im Abspann bezeichnet wird, wurde von Jutta Wachowiak gespielt und sie hat es richtig gut gemacht. Wenn auch der Film ein paar Längen und leicht verkrampfte Szenen aufwies, waren doch die Dialoge für die damalige Zeit und vor allem für die ideologischen Umstände außergewöhnlich.

Die DrehbuchautorInnen Wera und Claus Küchenmeister sind der, möglichst positiven, Linie der DDR Kinderfilme treu geblieben und so ist die Alte auch keine böse Zauberin oder eine heimtückische Hexe, wie sie gern in anderen Verfilmungen gezeigt wird. Die Geschichte ist ganz konkret im Dreißigjährigen Krieg angesiedelt, jedoch die Märchenelemente stellen eine zauberhafte Verbindung zu einer längst vergangenen Zeit her. 


Manchmal denke ich: ob die Macher des Filmes wohl beabsichtigten, was sie umgesetzt haben? Denn so sagt die Alte, die auch symbolträchtig als Eule oder Wacholderbaum erscheint, zur Mutter, welche auf der Suche nach Jorinde und Joringel ist:
 

„Bei mir ist es wie früher, wie vordem, als die Mütter herrschten...“ 

Und das ist auch mein einziger wirklicher Kritikpunkt. So gut wie der Text gemeint war – die Mütter haben nie „geHERRscht“. Aber diese Feinheiten wurden erst in den letzten Jahren wirklich herausgearbeitet. Trotzdem erscheint mir die Alte in diesem Märchenfilm wie eine Prophetin. Und inzwischen wissen wir es auch: matriarchale Gesellschaften waren weder eine Frauen- noch eine MutterHERRschaft – weil es Herrschaft in diesem Sinne einfach nicht gab.



Der Dialog zwischen der Mutter und der Alten aus dem Defa - Kinderfilm 
Jorinde und Joringel 1985 /1986

Alte: ... Hast du Angst? Das hilft dir nichts! Meine Sprüche sind älter. Und sie kommen aus dem Baum. Aus dem Baum und dem Traum vom Baum!

Mutter: Hast du meine Kinder?

Alte: Deine Kinder? Eines hast du nur getragen!

Mutter: Wo sind meine Kinder?

Alte: Ja, wo sind sie? Das Vöglein zart flog in die helle Sonne, flog auf, flog ab. Flog über ein Grab.

Mutter: Gib mir meine Kinder zurück, du!

Alte: Zurück kann man nur geben, was man genommen. Sie ist von selbst zu mir gekommen.

Mutter: Gib sie mir zurück, du!

Alte: Pack mich, aber hüte dich, dass dir nicht das Blut gerinnt.

Mutter: Verfluchte Hexe!

Alte: Immer wenn ihr nicht mehr weiter könnt, muss eine Hexe her. Ich war eine Mutter, wie du, habe Kinder geboren. Der Krieg hat sie mir genommen.

Mutter: Du lügst, du. Du lügst. Warum nimmst du mir meine Kinder?

Alte: Jorinde soll leben. In Frieden. In meinem Frieden. Bei mir ist es wie früher. Wie vordem, als die Mütter herrschten. Begreif doch! ....


* * * * *
Der Film endet damit, dass beim Läuten der Friedensglocken (hier das Geläut des Erfurter Domes) all die Mädchen, nun wieder entzaubert und in ihrer menschlichen Gestalt, aus dem Wald gelaufen kommen, fröhlich rufend und lachend eine Wiese hinunter rennen, um nach Hause zu ihren Familien zu gehen. Aber was fanden sie dort wohl vor? Die Mütterherrschten“ schon lange nicht mehr...


10 Juli 2013

Alltag

Nicht Religionen und Tempel, nicht Herrschertum und dessen Verwaltung, nicht Kämpfe und Kriege prägten die beginnende Entwicklung zum Menschsein, sondern aus dem schlichten, fürsorgenden Alltag ging das menschliche Sein hervor.

.

03 Juli 2013

Gedanken zu Gestern und Morgen...

Ich hatte eine zufriedenstellende Kindheit - nicht gerade perfekt, jedoch auf geheimnisvolle Weise vollkommen. Mit nur einer Puppe und einem einäugigen Teddybären, aber vielen lebendigen Tieren und Freundinnen. Mit einer wunderbar uneingeschränkten Bewegungsfreiheit und einem ziemlich eingeschränkten Informationsinput. Die klägliche Dorfschule, die Minibibliothek im Gemeindeamt (ein Schrank voll Bücher), die Erzählungen meiner Mutter - das war die Basis meiner Bildung – bis heute habe ich das Gefühl, ich muss das Wissen, das mir vorenthalten wurde, noch nachholen. Alles was für mich wirklich von Bedeutung ist, habe ich mit selbst beigebracht.

Meine Jugendzeit war dann auch eher verstörend. Es wurden von mir so merkwürdige Dinge erwartet, wie sich für Jungs interessieren, es aber auf keinen Fall zu zeigen. Oder sich angenehm, tugendhaft und fromm benehmen, aber doch über die menschliche und vor allem männliche Sündhaftigkeit Bescheid zu wissen, schon deshalb, um ihr ausweichen zu können. Täglich taten sich neue Abgründe auf, aber von dem liebwerten und wohlerzogenen Mädchen, das ich mich bemüht zu sein, wurde selbst im Sozialismus erwartet, dass ich sie nicht wahrnahm. Ich hielt mich tunlichst von allem fern was mich mit in den Abgrund reißen könnte. Später erst bemerkte ich, dass so mancher Schlund von dessen Kante ich reichlich Abstand hielt, letztendlich nur eine kleine Bodensenke war. Einige Schlaglöcher des Lebens bleiben allerdings auch mir nicht erspart. Ich achtete sehr auf mich und später wurde ich wie von selbst Mutter von vier Kindern.

Und jetzt lehne ich mich sehr weit aus dem Fenster - die genetisch motivierte Steuerung, die vielleicht hinter so mancher unerklärlichen Lebensentscheidung steckt, wird auch heutzutage nicht einmal Ansatzweise in Betracht gezogen. So wird meine Enkeltochter mit ihren zarten 18 Jahren als Au pair recht weit in die Welt hinausziehen. Erstens ist das ist heute normal – und zweitens bleiben bei ihrer Mutter noch drei Schwestern zurück.

Das intensives Erleben, dass der scheinbar begrenzte Radius in einem matri-gewichteten Alltag bietet, hält für eine junge Frau die elementare Möglichkeit der tiefen Kenntnis eines zukünftigen mütterlichen Lebens bereit. Oder sie zieht los, um mutig eigene Erfahrungen in einem unbekannten und auch heute noch nicht ungefährlichen Umfeld zu sammeln. Es sind zwei sehr verschiedene Ansätze, die eine junge Frau als Lebensgestaltungsansatz wählen kann. Und vielleicht erfüllt sie dabei nichts weiter, als einen unerkannten (biologischen) Auftrag...

.

28 Juni 2013

Finden

Wenn ich mich selbst entdecken will, muss ich mein eigenes Land betreten. Solange ich mich in den Welten der Anderen aufhalte, ihren Pfaden folge und aus ihren Brunnen trinke, werde ich den Weg zu mir, in meine Mitte, nur schwer finden. Es ist heute in, dass Frauen ganze Berge an Literatur auf ihrem Nachtisch stapeln und jederzeit betonen, was und wen sie gerade lesen und unbedingt noch lesen müssen. Es ist der nur zu verständliche Drang, sich an das verlorene (weibliche) Wissen anzuschließen - aus dem diffusen Ahnen ein wirkliches Erinnern werden zu lassen - die reale Ahnin in uns zu erwecken, sich selbst in jeder Minute des Seins zu spüren und heil zu werden. 
Das Suchen nach der Identität innerhalb der verschütteten weiblichen Dimension, ist ein starkes Anliegen vieler Frauen. Aber wir setzen uns nicht mehr Tag für Tag zusammen und reden ohne Unterlass über Alltagskram, Gedankenflüge und Gefühlsexplosionen sondern greifen zu den Mitteln der heutigen Zeiten - wir lesen und verlagern den Austausch in die neuen virtuellen Welten. 
Ich selbst bin auch nicht frei von diesem Trend, denn auch ich lese viel und sammle gern von meinen lieben Mitmenschen zu bestimmten Themen deren Buchgefasste Meinung. Und natürlich freue mich über jede Übereinstimmung. 
Doch eines schönen Tages stellte sich von selbst bei mir, der für mich entscheidende Moment der Erkenntnis ein – ich suche nicht mehr und schon gar nicht in den Gefilden der Anderen - ich bleibe bei mir und zwar betrachte die Meinung anderer und finde so auch die Energie, die zu mir passt, doch meine Anfälligkeit für guristische Einflüsse ist wohl endgültig vorbei.
Lernen, Erkennen und Entdecken ist ein persönlicher Prozess – weil alles schon da ist und ich nur noch die Fäden verknüpfen und verweben brauche, die meine Sphäre vollenden.
Ich unterscheide nachdrücklich und konsequent das (komplexe) Wissen um das Wesen der Dinge und die Abläufe (Gesetzmäßigkeiten) in der Natur, von dem heute immer noch so hoch bewerteten Faktenwissen. Das eine ist die Ganzheit, das andere sind lediglich die Teile, deren Summe letztendlich doch kein Ganzes ergeben.


25 Mai 2013

...Vater sein dagegen sehr?


... ich habe einen Sohn, der vor ein paar Tagen zum zweiten Mal Vater einer Tochter wurde. Er ist ein hingebungsvoller Vater und Partner für seine Frau und füllt nach modernen Maßstäben ganz wunderbar seine Rolle aus... 


...aber überzeugt mich das, dass wir hier so was wie einen neuzeitlichen, kulturell auf den Weg gebrachten, evolutionären (Fort)Schritt haben? Nein, eigentlich nicht!

Der, oft verdeckt laufende, Kulturkampf der Geschlechter, in dem sich heutzutage etliche Frauen aufreiben, will mit Macht den (Durchschnitts)Mann zu einem per se fürsorgenden Vater programmieren und zu einem verantwortungsbewussten Alltagspartner für die (Haus)Frau (und Mutter der Kinder). Was auf der Grundlage des klassischen (Klein)Familienkonzeptes wahrscheinlich nur temporär gelingen wird.

Es ist einfach nicht artgerecht, dass zwei, oder gar nur ein, erwachsener Mensch ohne weitere dauerhafte Unterstützung mit einem oder mehren Kindern vor sich hin wurschtelt und für die Zeit der (Erwerbs)Arbeit und der Herzens- und Wissensbildung ihrer Kinder sowie zur Gestaltung von sozialen Beziehungen (Erlernen der sozialen Kompetenzen), die Hilfe von absolut „Fremden“ annehmen (muss).

Die Väter, die gern und willig für ihren Nachwuchs und die junge Mutter sorgen, erfüllen eigentlich keinen Vaterauftrag der Natur, sondern sie haben den Part der Mutterbrüder übernommen, den diese urtümlich in den Sippen innehatten. Die patriarchösen Regeln unserer Gesellschaft zwingen die heutigen Väter darüber hinaus den umfangreichen, jedoch nicht mehr vorhandenen, aber nach wie vor benötigten Komplex der Fürsorgetätigkeit durch weibliche, angehörende Sippenmitglieder, allein zu ersetzen.

Die jungen Väter der Moderne agieren sozusagen unter erschwerten Bedingungen, denn sie sind weder wirklich darauf vorbereitet, noch verfügen sie naturgemäß über das Körpergefühl und das Vorstellungsvermögen sich in eine Frau, die schwanger war, gerade geboren hat und nun ihr Kind nähren muss, hineinzuversetzen. Da die Eltern eines Kindes natürlicherweise nicht miteinander verwandt sind und heutzutage auch sonst eher selten miteinander aufwuchsen, besteht in der Regel zwischen Mutter und Vater des Kindes höchst selten das vertraute Band der Kindheit und Jugend (wodurch man sich schon gut kennt) und die meisten Beziehungen sind daher geprägt von der harten Arbeit des Kennenlernens und des sich vertraut machen, um über die erotische Anziehung hinaus auch den wirtschaftlichen Minibetrieb, die Kleinfamilie, verlässlich am Laufen zu halten. Eine noch so gut gepflegte Beziehung zwischen den Lebenspartnern wirft doch immer wieder Fragen oder Probleme auf und erfordert so, nach Art von Fuzzylogic, eben die berühmte Beziehungsarbeit, die in der Regel nie abreißt, da beispielsweise mit dem Alter die erotische Attraktivität nachlässt oder andere Unwägbarkeiten die Paarbalance gefährden.

Unsere kulturell geschaffene (unnatürliche) Art der fixen Paarbeziehung, als derzeit einzige akzeptierte Lebensgemeinschaft, ist genau so anormal und ungeeignet Kinder artgerecht aufwachsen zu lassen, wie das inzwischen gesellschaftsfähige Leben als „alleinerziehende“ Mutter (oder Vater).  


Einer der häufigen Denkfehler unserer Zeit ist immer noch die (Bibel)Vorstellung, dass schon immer lediglich das autark agierendes Elternpaar der natürliche Ausgangspunkt der Menschwerdung gewesen ist. 
Jedoch „die Eltern“ waren einst die 'Älteren'. Nicht aber, wie heute immer vorausgesetzt wird, die spezielle, nur auf ein bestimmtes Kind bezogene Kombination eines Vaters und einer Mutter. Die natürlichen matrifokalen Fürsorgegemeinschaften boten Identität, Schutz und die essentielle Herkunftsbindung für jedes konsanguine* Mitglied der Sippe auch über das Kindesalter hinaus.


(* konsanguin - verwandt durch Geburt in mütterlicher Linie...
.


04 Mai 2013

Perspektivwechsel

Redaktionssitzung mit Baby – unruhiges Töchterchen wechselt aus dem Arm der Mutter auf Papa's Schoß und gleich strahlt das Baby wieder - denn jetzt hat sie eine völlig neue Sicht auf die Mama. Das Kind brabbelt fröhlich vor sich hin, ob der veränderten Perspektive, die für sie den Raum verändert. Sie freut sich über den anderen Blickwinkel, welcher dieselben anwesenden Menschen neu erscheinen lässt. Die Perspektive zu wechseln kann - die Laune heben, die Neugier anstacheln und die manchmal dröge Realität in einem interessanteren Licht erscheinen lassen...

30 April 2013

Matrifokal


Von der Idee die Muttersippe wieder aufleben zu lassen
ein Kommentar von Stephanie Ursula Gogolin

... vor ein paar Wochen dümpelte im Netz die Testpedition: Gesetzliche Einführung eines alternativen Familienmodells zur Ehe (wahlweise)* vor sich hin. Die Petition ist bei 52 Stimmen steckengeblieben. Da das seit Jahren mein Thema ist, ich fasse hierzu meine Gedanken zusammen:
Im Gegensatz zu herkömmlichen Meinungen gibt es imho keine alternativen Familienmodelle, sondern nur verschiedene Spielarten des Klassikers „Familie“. Die Grundlage der Familie ist immer das Paarkonstrukt auf der Grundlage von Sexualität und (romantischer) Liebe und, heute mehr denn je, unter Ausschluss der Herkunftsangehörigen - sprich unseren Blutsverwandten. Zwischen der Intention einer Familie und der wie neu daher kommenden Idee eines sogenannten Matriclan, der auf der konsanguinen**, der natürlichen Müttergemeinschaft fußt, liegen daher Welten.
Denken wir doch bitte daran, was die „Familie“ einst eigentlich war - der Herrschaftsbereich eines privilegierten Mannes. Mag sich auch in unserer derzeitigen Kultur inzwischen diese Bedeutung verwischt haben und der modern daher kommende Trend hin zum partnerschaftlichen Paar gehen, es bleibt doch ein bestimmter Effekt bestehend: Zwei Fremde verbinden sich per Bereitschaftserklärung zu einem Paar mit der Absicht in allen Bereichen ein gemeinsames Leben führen zu wollen. 
Das muss heutzutage nicht mehr unbedingt in einer bindenden Eheschließung enden, denn die unverbindlich-verbindliche Beziehung ist schon länger gesellschaftsfähig geworden. Manche probieren dabei ihr ganzes Leben lang aus, ob der Andere der „Richtige“ ist und manchmal ist es ein ständiges Kommen und Gehen. Die meisten der Paare leben dann in einer seriellen Monogamie und betreiben nebenbei eine Kleinfamilie. Unsere Gesellschaft ist daher heute zunehmend von der Familienspielart „Patchworkfamilie“ durchsetzt, in der die Kinder bereits die, von ihnen zukünftig erwartete, Flexibilität üben können, die das Wirtschaftsleben ausmacht.
Die Beinahe-Gleichberechtigung der Frau in unserer Gesellschaft lässt uns immer wieder gern übersehen, dass die bestehende Gesetzeslage vor allem die eheliche Verbindung, sprich das heteronormative Paar, schützt und fördert. Das Ehepaar gilt als klassische Grundlage der Familie und schließt inzwischen außer den Kindern, alle anderen Mitglieder beider Herkunftsfamilien rechtlich aus. Ein Gemeinschaftsleben im matrilinear-matrifokalen Verständnis ist derzeit weder im Mainstream noch in den Gesetzen des Staates vorgesehen. Das gilt es zu ändern.
Der hier als Alternative aufgezeigte Matriclan hat als Grundlage die Struktur einer Muttersippe, matrilinear und matrifokal, also so wie sich ursprünglich die Basis des menschlichen Zusammenlebens gestaltete. Dass die konsanguine Matrigemeinschaft, hier Matriclan genannt, nicht nur wirklich eine Alternative zur etablierten Kleinfamilie wäre, sondern bestimmt die bessere Variante sein wird, wurde in dem avaaz – Vorschlag klar benannt. Natürlich ist dieses Projekt noch lange nicht zu Ende gedacht. Vielleicht ist es in manchen Punkten noch zu futuristisch, aber es besitzt das Potential zur Bewegung anzuwachsen - ähnlich der nicht mehr tot zu kriegenden Idee des Bedingungslosen Grundeinkommen. Und ich bin überzeugt, die beiden Ideen bedingen einander und werden in der Praxis zusammenwachsen.
Es geht bei dem Gedanken die Muttersippe rechtlich zu konstituieren, auch nicht um eine Erlaubnis für Frauen matrilinear leben dürfen, wie bereits vermutet wurde, sondern um die Forderung nach kollektiver Anerkennung und der selbstverständlichen Unterstützung dieser Lebensweise durch die Gesellschaft, auch in Form einer gesetzlichen Absicherung.
Ein matrilineares Gemeinschaftsleben kommt gegenwärtig jedenfalls sehr wenigen Frauen in den Sinn und wird eher als gestriges Gebaren angesehen. Das derzeitige Familienverständnis endet bei Vater-Mutter-Kind und die frühzeitig abgenabelten Teile der Herkunftsfamilien werden nur noch latent dazugerechnet. In der klassischen (Klein)Familie erfolgt im Erwachsenenalter nicht nur eine körperliche Distanzierung von den Angehörigen, sondern es entsteht dabei auch eine, manchmal irreversible, Trennung im Geiste. 
Das ist der bestehende entscheidende Unterschied zu einer konsanguinen Matrigemeinschaft, die sich auf die dauerhafte Zugehörigkeit zu den konsanguinen Verwandten stützt.
Die ohnehin vom patriarchösen System nicht gern gesehene Mutter-Kind-Bindung löst sich unter dem Abnablungsdogma Schritt für Schritt auf und hinterlässt bei Tochter und Sohn eine Leere, die auch noch als nicht gerechtfertigt gebrandmarkt wird. Und um diese Leere des sozialen Vakuums mit Geborgenheit und Verbindlichkeit aufzufüllen, wird uns in unserer Kultur lediglich die Paarbeziehung mit einem, uns bis dahin unbekannten, Menschen empfohlen.
Wenn wir die Idee einer 'Lebensgemeinschaft in Mütterlicher Linie' etablieren wollen, ist die gesellschaftliche Anerkennung auch innerhalb der Gesetzgebung eine zwingende Voraussetzung. Die Grundlage bisheriger Gemeinschaften und Gesellschaften sind und waren immer die natürlichen, die innigen und tragenden, Bindungsgeflechte der konsanguinen Angehörigen. Diese evolutionäre Strategie des Menschen in einer natürlichen (biologischen), mutterbezogenen Ordnung zu leben, wird seit Jahrhunderten durch das patriarchöse System gründlich ausgehebelt.
Einer der entscheidenden Eckpunkte des angedachten „Matriclans“ ist, dass keine sexuell bezogenen Verhältnisse den Zusammenhalt einer solchen Lebensgemeinschaft bestimmen. Dem gegenüber ist heute mehr denn je das erotische (sexualisierte) Liebesverhältnis sowohl für die Ehe (und für andere Paarbeziehungen) eine selbstverständliche, ja zwingende Voraussetzung. Diese Ausgangsposition würde im Matriclan bzw. der Muttersippe entfallen. Die natürliche, matrilineare Verwandtschaft zwischen Angehörigen bildet die einzige Grundlage dieser neu zu etablierenden Lebensgemeinschaft, welche gesetzlich zu schützen wäre. Wenn ich also zum Beispiel mit meiner Tochter und ihren Kindern eine solche Lebensgemeinschaft praktizieren möchte, steht doch erst ein mal folgendes fest: genetisch verwandt sind wir bereits, also noch mehr an Zugehörigkeit geht gar nicht.
In unserem derzeitigen Verständnis jedoch sind Erwachsene autonom und werden solange als ungebunden angesehen, bis sie sich zu einem Partner zugehörig erklären. Diese Art Partnerschaft ist derzeit die einzige legitime und als förderungswürdig angesehene Lebensgemeinschaft – wobei der Ehe immer noch die höchsten Weihen zugesprochen werden. Auch eine eingetragene Lebenspartnerschaft reicht rechtlich noch nicht völlig an den geheiligten Ehestatus heran.
Die Muttersippe würde also im persönlichen Zusammenleben und der gemeinsamen Haushaltsführung genauso anerkannt sein wie ein Ehe/Familie. Es wäre weder der Segen einer Kirche noch die Trauung vor einem Standesbeamten erforderlich, um die Angehörigen der Muttersippe für zusammengehörig zu erklären, denn das sind sie ja bereits von Geburt an. Wenn diese konsanguine Lebensgemeinschaft arriviert und eingeführt wird, würde daher lediglich der Urzustand des menschlichen Zusammenlebens wieder hergestellt und damit die generationsübergreifende Fürsorge für alle Angehörige ganz selbstverständlich vorausgesetzt.
Bisher hat das praktizierte Patriarchat verhindert, dass starke Weiber- und Mutterbande erhalten blieben. Trotzdem gab es, wir können es zwischen den Zeilen der Märchen oder in den eigenen Herzen lesen, einen Ort, den die Menschen in ihrer Seele, als Haus der Mutter abspeichern – es ist der natürliche, aber derzeit unterdrückte Drang nach der Rückbindung an das mütterliche Energiefeld und somit an die Herkunftssippe. Die Suche nach der verlorenen Geborgenheit ist eine Grundstimmung in unserer Gesellschaftskultur.
Ich bin überzeugt dass bei vielen, wenn auch vielleicht nur diffus, diese dauernde Sehnsucht vorhanden ist. Da sich Töchter schon lange nicht mehr im natürlich-mütterlichen Geist bewegen und sie auf die (lebenslange) "Bindung" zu einem Mann geprägt werden, wird versucht diese latente Sehnsucht in der romantischen Liebe zu stillen. 

Die weiblichen Energiefelder in der mütterlichen Sippenstruktur sind als Kraftquell längst vergessen. Inzwischen gelten maskuline Werte und eine Herkunftsbindung wird im patriarchalen Verständnis, über die Vaterlinie festgeschrieben - die Bedeutung der Mutter verblasste immer mehr.
Es geht hier also nicht um einen sogenannten Wahlclan oder um eine "Ehe" unter Frauen oder um die Erweiterung der Eingetragenen Lebensgemeinschaften zwischen Fremden, sondern um nichts weniger als die Legalisierung der Sippenzugehörigkeit in der mütterlicher Linie. Also um die Akzeptanz der urtümlichen, natürlichen und artgerechten Lebensgemeinschaft, bestehend aus weiblichen Blutsverwandten als Gründerinnen sowie den angehörigen Söhnen und Brüdern. Noch mehr verwandt als Mutter – Tochter / Sohn - Tochterskinder ist nicht möglich.
Das erotische Begehren bzw. eine sexuelle Betätigung, fände außerhalb dieser Lebensgemeinschaft statt, daher wäre es auch angesagt, die nun mehr veralteten Inzestgesetze zu reformieren. Die klassische Ehe, als patriarchal verordnete Institution, wurde im christlich geprägten Abendland, als einziger Ort der legitimierten Sexualität bestimmt und die Ehe wiederum gilt immer noch als die Basis der (Klein)Familie. Der Geist der Institution Familie besteht nach wie vor darin den Mann als den Herr des Hauses vorauszusetzen, selbst wenn er nicht anwesend ist. Wenn beispielsweise drei erwachsene und mit einander verwandte Frauen eine Lebensgemeinschaft bilden, gelten sie trotzdem vor dem Gesetz als alleinstehend, da sie keinen Mann haben.
Es gilt also eine echte Alternative zur Ehe/Familie anzustreben und die bereits bestehenden konsanguinen Verwandtschaftsverhältnisse offiziell als Lebensgemeinschaft anzuerkennen. Und diese müssten in unserer Gesellschaft genauso gesetzlich gefördert werden, wie die klassische Ehe mit Familienstatus. 
Der Hauptaspekt, der hier angedachten Lebensgemeinschaft 'Matriclan' bzw. 'Muttersippe', ist der generationsübergreifende und geschwisterliche Effekt des Zusammenlebens und somit Voraussetzung für das geborgene Eingebettetsein der Kinder in eine verlässliche Sippengemeinschaft.
Bisher läuft es im gesellschaftlichen Verständnis und in der Gesetzeslage so ab - wenn ein älteres Ehepaar oder auch nur eine Mutter oder ein Vater mit seinen bereits erwachsenen Kindern in einem gemeinsamen Haushalt oder unter einen Dach zusammenlebt, so ist das zwar möglich, wird jedoch bei aller natürlicher Bindung nicht als verbundene Lebensgemeinschaft erkannt. Jeder Erwachsene, außer den Eheleuten zählt einzeln (und wird auch entsprechend versteuert). Auch wenn (kleine) Kinder zu einer Person gehören, bilden sie mit ihrer derzeit ungebunden Mutter (oder Vater) eine eigene Lebensgemeinschaft und diese fallen dann unter den modernen Begriff der Alleinerziehenden.
Ich empfinde es als absurd, aber sowohl vom Gesetz sowie durch den Mainstream wird jeder Erwachsene grundsätzlich ab der Volljährigkeit als autonome „Lebensgemeinschaft" gehandelt, bis eine Paarbildung erfolgt, also geheiratet wird oder man sich in einer Beziehung zusammentut. Damit beginnt auch die gegenseitige Fürsorgepflicht (in guten wie in schlechten Tagen), die der Paarbeziehung zugeordnet wird. 
Alle anderen Verwandtschaftsbeziehungen rücken endgültig in die zweite Reihe. Demnach ist im modernen Verständnis Blutsverwandtschaft nur im Kindesalter wirklich relevant. Natürlich bleibt eine gewisse moralische (und bedingt gesetzliche) Pflicht sich bspw. um pflegebedürftige Eltern zu kümmern, schließlich bleibt das Verwandtschaftsverhältnis bestehen, aber wie bekannt genießt der (amtierende) Partner immer die Vorrangstellung.
Der noch vor Jahrzehnten in der patriarchalen Familienstruktur beschworene Zusammenhalt hat sich in den heutigen Tagen sehr gelockert. Die zu einem Berufsalltag gehörende Verhinderung von Nähe stört auch ein kontinuierliches Festigen der Familienbande. Daher ist Fürsorge und Pflege innerhalb der Herkunftsfamilien zwar immer noch durchaus üblich, gesellschaftlich gesehen jedoch weder eine anerkannte noch geschätzte Arbeit. Diese Zuwendung wird im Alltag neben der Familienarbeit und der honorierten Erwerbstätigkeiten irgendwie verquetscht. In der Regel betrifft diese dreifache Belastung dann die Frau - die Familienmutter.
Ich bin daher sehr wohl dafür, den „Matriclan“ - Vorschlag mit aller Kraft zu unterstützen, denn seine Ziele erscheinen mir förderungswürdig, obwohl der letzte Punkt mir noch sehr als Zukunftsmusik erscheint:
  • Verstärkter Schutz von Müttern und Kindern
  • Lückenlose Betreuung von Kindern, Alten und Pflegebedürftigen
  • Gewaltfreies Zusammenleben in einem intakten sozialen Verbund
  • Perspektivisch ökologischer Landbau und Subsistenzwirtschaft als Lebensgrundlage

(* https://secure.avaaz.org/de/petition/Gesetzliche_Einfuhrung_eines_alternativen_Familienmodells_zur_Ehe_wahlweise

(** verwandt durch Geburt in mütterlichen Linie
.

22 April 2013

Über die Grausamkeit in Märchen

...aus gegebenen Anlass ein Text aus meiner Schublade...

Ich hörte und las als Kind Märchen, ohne immer deren wirklichen tieferen Sinn zu erahnen. Später liebte ich jede Art von historischem Roman. Im Prinzip sind diese auch nichts anderes als anders aufbereitete Märchen für Erwachsene. Denn auch ein Märchen – eine Mär - ist eine durch Weitersagen hundertfach gewandelte, fantasievoll ausgeschmückte und doch erinnerte wahre Kunde. Die überlieferten Märchen sind Dokumente aus vergangenen Zeiten, das sogenannte herabgesunkenes Kulturgut und leider sind sie ohne verbindliche Zeitangabe. „Es war einmal...“ oder „...vor langer Zeit trug es sich zu...“ - wir kennen das ja. Geschichte war in der Schule eines meiner Lieblingsfächer und ich nehme heute noch begierig alles auf, was mich an die vergangenen Zeiten anschließt. Ich bin mehr denn je an Geschichte interessiert. Aber mein Interesse und meine Kenntnisse erstrecken sich nicht nur über die, mir einst zur Verfügung gestellten und oft kärgliche und fehlinterpretierte Faktenlage, sondern ich werte viel mehr selbst Alles aus. Ich stelle dabei Querverbindungen her, die sonst so nicht üblich sind. Für mich steckt in allem eine Spur, die uns hilft unsere lange Menschengeschichte zu verstehen und für mich sind ganz andere Fakten und Hinweise relevant – nicht alles ist ein Kultgegenstand und nicht jede gefundene Speerspitze ist der Ausdruck von beginnender Kultur. Inzwischen kenne ich mich ganz gut aus in der Welt meiner (unserer) Ahninnen. Auch weil ich mich schon lange mit all meinen Sinnen, meinem Wissen und meiner mir zur Verfügung stehenden Imagination, in den Welten der Vergangenheit (und der Zukunft) aufhalte. 

Das anfängliche Menschenleben beinhaltete neben einem simpel und zufriedenstellenden und bestimmt auch glücklich erlebten Alltag, ebenso Schmerz, Leid (Verlust) und Tod. Und eines Tages fingen die Menschen an, alles was sie erlebt hatten und dessen sie sich erinnerten, bewusst an ihre Nachkommen weiterzugeben. Geschichten und Geschichte ist ein und das Selbe, denn auch unsere Fantasie schöpft nur aus tatsächlichen Überlieferungen oder selbst gemachten Erfahrungen. 

Das überlieferte Märchen ist kein unwirkliches Fantasieprodukt, so wie heute der Begriff des Märchens manchmal gebraucht wird. Allerdings bietet es viele (literarische) Möglichkeiten, z.B. können die aktuellen politischen Verhältnisse kritisiert werden, indem wir sie in vergangene Zeiten verlegen. Bestehende kulturelle Verhältnisse und neue Ideologien sickern absichtlich oder unwissend in die Berichte der Ereignisse ein, die vor langer Zeit statt gefunden haben. Oder vielleicht getarnt als Moral und Sittlichkeit oder als Trost in trostlosen Zeiten. Auch die uns nicht unbekannte Vorstellung von den „guten“ vergangenen (alten) Zeiten speist sich aus dieser Quelle.

Doch genug Vorrede, kommen wir zu all den Märchen, die ob der in ihnen vorkommenden Grausamkeiten getadelt werden und heute nur modifiziert in die Kinderzimmer vordringen dürfen. Und da gilt es erst einmal die Tatsache zur Kenntnis zu nehmen, dass die erzählte Mär und die weitergesagte Sage, nicht als harmlose Gute-Nacht-Geschichte für Kinder in die Welt gesetzt wurde. Märchen waren Unterhaltung für Erwachsene bevor sie als bunte Klischees in heutigen Kinderzimmern landeten.
 

Ich meine, die Grausamkeit die zur Grundausstattung vieler Märchen gehört, steht vor allem für eines: für die Ungeheuerlichkeit einer tatsächlich vorangegangenen, einer begangenen Tat. Auch in all den Märchen wird letztendlich über tatsächliche Geschehnisse berichtet und sie dienten auch der Verarbeitung von Erlebnissen oder als Vorbereitung auf eventuell erfolgende Gräuel. 

Denn Grausamkeit, einmal in die Welt gesetzt, breitet sich aus und ist nur schwer einzudämmen. Da kommt Vergeltung und Rache ins Spiel und manchmal beginnt es nur mit dem Gedanken, dass Angriff die beste Verteidigung ist. Begangene Grausamkeiten mit erneuten Grausamkeiten zu sühnen finden wir als gängige Praxis schon in den alttestamentarischen Zeiten (Auge um Auge, Zahn um Zahn). 

Hier handelt sich m.E. um eine Konditionierung zur Akzeptanz von Grausamkeiten, welche real als rigide Bestrafung und Abschreckung bei gemeinschaftsschädlichem Fehlverhalten durch die jeweilige Exekutive demonstriert wurde. Und damit sind wir bereits mittendrin in dem gut funktionierenden patristischen System.
 

Mögen die Grundlagen unserer sehr alten Märchen noch aus Zeiten stammen, da „Gewalt“ noch Walten und Wirken bedeutete, also eher mit verwalten übereinstimmte und nicht als Synonym für (männliche) Willkür, Repressalien, Unterdrückung, Regression und Abschlachten daherkam. Die Jahrhunderte der Grausamkeiten und des Blutvergießens haben leider ihre Spuren in den Mären hinterlassen, die vielleicht einst von friedlichen Zeiten berichteten. Die Geschichte veränderte sich und mit ihr die Geschichten. 

Sicher gibt es immer noch Märchen, die von guten Entwicklungen, von Bewältigung des Alltags oder liebenswerter Tolpatschigkeit handeln und in denen niemand Schaden an Leib und Leben nimmt. Aber wir haben uns auch an ein gewisses Gewaltpotential gewöhnt und „harmlose Literatur“ für Erwachsene und Kinder ist heute scheinbar uncool. Krimi-Literatur und -Filme boomen immer noch. Mich wundert das nicht. Schließlich sind ja mehrere Generationen mit Hänsel und Gretel und der bösen Knusperhexe aufgewachsen und für bestimmte (männliche) Zielgruppen werden wilden Spielen, Action und Wettkampf kreiert. Auch die heute geschriebenen Geschichten für Kinder und Jugendliche gehen für den jugendlichen Protagonisten kaum noch ohne ein gerüttelt Maß an Gefahr, Herausforderung, risikoreiche Betriebsamkeit und dem berühmten Kampf „Gut gegen Böse“ durch. Harry Potter ist das Paradebeispiel dafür.

Aber bleiben wir bei 'Hänsel und Gretel oder Die Knusperhexe' - dieses Märchen eignet sich in vieler Hinsicht gut, die uns bekannte und verharmloste Märchengrausamkeit zu untersuchen.

Einen Menschen bei vollem Bewusstsein und absichtlich zu verbrennen und dabei noch zuzusehen, ist für mich eine unvorstellbare Entsetzlichkeit, ein so furchtbarer Gedanke, das ich den eigentlich nicht zulassen kann. Im Märchen wird diese unvorstellbare Brutalität verniedlicht. Natürlich geschah es der „bösen“ Hexe recht – hat sie doch die Kinder bedroht und Gretel sah keine andere Möglichkeit sich und ihren Bruder zu retten, als die Hexe ins Feuer des Backofen zu stoßen. Denn diese hat den Kindern angedroht, sie zu fressen. 

 „Gretel lief fort und die gottlose Hexe musste elendiglich verbrennen.“ 

Das arme Mädchen war auf sich gestellt, niemand, auch der Bruder nicht konnte ihr helfen. Und dazu kam noch ihre zuvor gemachten Erfahrungen: die einzige, ihr nahestehende Frau, ihre Mutter, hatte sie bereits verraten und ihren Bruder und sie im Wald ausgesetzt. Da sehen wir dem Mädchen ihre Tat, die Tötung der Hexe, gern nach und plädieren selbstverständlich auf Notwehr. Außerdem ist bekanntermaßen eine Hexe per se böse und es ist normal, dass diese geballte weibliche Boshaftigkeit bestraft werden muss, zumal noch einmal ausdrücklich auf die Gottlosigkeit des Hexenweibes hingewiesen wird. Hier wirkt bereits der neue Geist ... die junge Frau vernichtet die Alte.

Den Kindern war es also gelungen zu entkommen und sie kehrten nach Hause zurück. Und da inzwischen die Mutter gestorben war, lebten die Kinder von den Schätzen der Hexe glücklich und in Freunden mit ihrem Vater zusammen. Welch viele versteckte Hinweise auf weit zurückliegendes Brauchtum. Und was für eine Ansammlung von infamen Darstellungen wirklicher Weiblichkeit findet heute, verharmlost und mit bunten Bildern versehen, Einlass in die Kinderzimmer. 

Vordergründig können wir argumentieren, dass das heutige Kind seinen Alltagsfrust, den es mit der Mutter oder anderen weiblichen Bezugspersonen hat, in Backofengewaltfantasien umsetzt kann und sich so auf der psychischen Ebene zur Wehr setzt. Unterschwellig jedoch lassen wir dabei ganz andere Botschaft zu: Mütter und andere böse Frauen werden vom Schicksal (und ihren Kindern) bestraft, denn sie lassen ihre Kinder im Stich oder nutzen sie nur aus.

Manch eine empfindet heute das klassische Märchen als ein raffiniert eingesetztes Kampfmittel im Krieg gegen die Frau. Ein Krieg, der sich leitmotivisch durch die patriarchalisierten Jahrhunderte zieht. Die Märchen fühlen sich dann an, als ob es sich dabei um eine großangelegte Kampagne, um eine gezielte Gehirnwäsche handelt und gerade bei den überlieferten und modern bearbeiten Märchen kommt es mir oft genauso vor. Die Denkungsart in den Zeiten, da Märchen-Volksgut gesammelt und aufgeschrieben wurde und zudem viele romantisierte Kunstmärchen entstanden, war geprägt durch die Doppelmoral christlicher Werte und patriarchaler Traditionen. Die Märchendichtungen enthielten auch überlieferte Fragmente und in ihnen kam der damalige Mainstream zum Tragen. Ihr Erfolg (siehe Andersen und Hauff) entsprach dem Zeitgegeschmack.

Zudem gab es noch zu Beginn der Aufklärung Prozesse und Todesurteile gegen Hexen. Und als die Gebrüder Grimm ihre Kinder- und Hausmärchen herausbrachten, hatte das Gesellschaftsbewusstsein die angebliche Schändlichkeit der Hexen bei weitem nicht vergessen. Noch etwa bis Mitte des 20. Jahrhundert kamen Anschuldigungen wegen Hexerei vor Gericht. Weltweit gesehen hat die Hexenverfolgung nie aufgehört und fordert immer noch Opfer ohne Ende.

Das Märchen war also schon immer viel mehr als nur eine nette Gute-Nacht-Geschichte. Und deshalb können wir doch nicht allen Ernstes, die real existierenden Exzesse einer patriarchalen Gesellschaft, in die Märchen der letzten Jahrhunderte verpackt, heute unseren Kindern als therapeutische Maßnahme unterjubeln wollen, damit sie sich vom Tun ihrer Mütter distanzieren können. Die in den Märchen geschilderten Grausamkeiten sind eben tatsächliche und real praktizierte Bestrafungen oder Todesurteile gewesen, dessen sollten wir uns immer bewusst sein.Ein Hinweis darauf, wie sich das Menschenbild inzwischen gewandelt hat, wäre als Anmerkung zumindest angebracht.

Mir ist die scheinbar allgemein akzeptierte Feststellung, dass Kinder (welchen Alters?) die Grausamkeit der Märchen
brauchen, in der das „Gute“ siegt und das „Böse“ bestraft wird, zu simpel und zu gestrig. Ich glaube auch nicht wirklich, dass diese Art der Infiltration der kindlichen Psyche und des Geistes, humanes Fühlen fördert und glückliche Menschen hervorbringt. Märchen, in denen Grausamkeiten als drastische Strafe selbstverständlich zelebriert werden, brauchen unsere Kinder nicht! Denn wie ich schon sagte, das klassische Märchen wie es heute als Kinderliteratur vorliegt war einst Lehrbeispiel und "Unterhaltung" für Erwachsene und gleichzeitig auch so was wie ein (Ekel)Trainig zur Abstumpfung. Weder die Seele, noch der Geist, noch die Körper unserer Kinder braucht virtuelle oder gar konkrete Grausamkeiten als Beispiel oder gar als Erfahrung.
.