30 April 2013

Matrifokal


Von der Idee die Muttersippe wieder aufleben zu lassen
ein Kommentar von Stephanie Ursula Gogolin

... vor ein paar Wochen dümpelte im Netz die Testpedition: Gesetzliche Einführung eines alternativen Familienmodells zur Ehe (wahlweise)* vor sich hin. Die Petition ist bei 52 Stimmen steckengeblieben. Da das seit Jahren mein Thema ist, ich fasse hierzu meine Gedanken zusammen:
Im Gegensatz zu herkömmlichen Meinungen gibt es imho keine alternativen Familienmodelle, sondern nur verschiedene Spielarten des Klassikers „Familie“. Die Grundlage der Familie ist immer das Paarkonstrukt auf der Grundlage von Sexualität und (romantischer) Liebe und, heute mehr denn je, unter Ausschluss der Herkunftsangehörigen - sprich unseren Blutsverwandten. Zwischen der Intention einer Familie und der wie neu daher kommenden Idee eines sogenannten Matriclan, der auf der konsanguinen**, der natürlichen Müttergemeinschaft fußt, liegen daher Welten.
Denken wir doch bitte daran, was die „Familie“ einst eigentlich war - der Herrschaftsbereich eines privilegierten Mannes. Mag sich auch in unserer derzeitigen Kultur inzwischen diese Bedeutung verwischt haben und der modern daher kommende Trend hin zum partnerschaftlichen Paar gehen, es bleibt doch ein bestimmter Effekt bestehend: Zwei Fremde (Nicht-Verwandte) verbinden sich per Bereitschaftserklärung zu einem Paar mit der Absicht ab sofort in allen Bereichen ein gemeinsames Leben führen zu wollen. 
Das muss heutzutage nicht mehr unbedingt in einer bindenden Eheschließung enden, denn die unverbindlich-verbindliche Beziehung ist schon länger gesellschaftsfähig geworden. Manche probieren dabei ihr ganzes Leben lang aus, ob der jeweils Andere der „Richtige“ ist und manchmal ist es ein ständiges Kommen und Gehen. Die meisten der Paare leben dann in einer seriellen Monogamie und betreiben nebenbei eine Kleinfamilie. Unsere Gesellschaft ist daher heute zunehmend von der Familienspielart „Patchworkfamilie“ durchsetzt, in der die Kinder bereits die, von ihnen zukünftig erwartete, Flexibilität üben können, die das Wirtschaftsleben ausmacht.
Die Beinahe-Gleichberechtigung der Frau in unserer Gesellschaft lässt uns immer wieder gern übersehen, dass die bestehende Gesetzeslage vor allem die eheliche Verbindung, sprich das heteronormative Paar, schützt und fördert. Das Ehepaar gilt als klassische Grundlage der Familie und schließt inzwischen außer den Kindern, alle anderen Mitglieder beider Herkunftsfamilien rechtlich aus. Ein Gemeinschaftsleben im matrilinear-matrifokalen Verständnis ist derzeit weder im Mainstream noch in den Gesetzen des Staates vorgesehen. Das gilt es zu ändern.
Der hier als Alternative aufgezeigte Matriclan hat als Grundlage die Struktur einer Muttersippe, matrilinear und matrifokal, also so wie sich ursprünglich die Basis des menschlichen Zusammenlebens gestaltete. Dass die konsanguine Matrigemeinschaft, hier Matriclan genannt, nicht nur wirklich eine Alternative zur etablierten Kleinfamilie wäre, sondern bestimmt die bessere Variante sein wird, wurde in dem avaaz – Vorschlag klar benannt. Natürlich ist dieses Projekt noch lange nicht zu Ende gedacht. Vielleicht ist es in manchen Punkten noch zu futuristisch, aber es besitzt das Potential zur Bewegung anzuwachsen - ähnlich der nicht mehr tot zu kriegenden Idee des Bedingungslosen Grundeinkommen. Und ich bin überzeugt, die beiden Ideen bedingen einander und werden eines Tages in der Praxis zusammenwachsen.
Es geht bei dem Gedanken die Muttersippe rechtlich zu konstituieren, auch nicht um eine Erlaubnis für Frauen matrilinear leben dürfen, wie bereits vermutet wurde, sondern um die Forderung nach kollektiver Anerkennung und der selbstverständlichen Unterstützung dieser Lebensweise durch die Gesellschaft, auch in Form einer gesetzlichen Absicherung.
Ein matrilineares Gemeinschaftsleben kommt gegenwärtig jedenfalls sehr wenigen Frauen in den Sinn und wird eher als gestriges Gebaren angesehen. Das derzeitige Familienverständnis endet bei Vater-Mutter-Kind und die frühzeitig abgenabelten Teile der Herkunftsfamilien werden nur noch latent dazugerechnet. In der klassischen (Klein)Familie erfolgt im Erwachsenenalter nicht nur eine körperliche Distanzierung von den Angehörigen, sondern es entsteht dabei auch eine, manchmal irreversible, Trennung im Geiste. 
Das ist der bestehende entscheidende Unterschied zu einer konsanguinen Matrigemeinschaft, die sich auf die dauerhafte Zugehörigkeit zu den konsanguinen Verwandten stützt.
Die ohnehin vom patriarchösen System nicht gern gesehene Mutter-Kind-Bindung löst sich unter dem Abnablungsdogma Schritt für Schritt auf und hinterlässt bei Tochter und Sohn eine Leere, die auch noch als nicht gerechtfertigt gebrandmarkt wird. Und um diese Leere des sozialen Vakuums mit Geborgenheit und Verbindlichkeit aufzufüllen, wird uns in unserer Kultur lediglich die Paarbeziehung mit einem, uns bis dahin unbekannten, Menschen empfohlen.
Wenn wir die Idee einer 'Lebensgemeinschaft in Mütterlicher Linie' etablieren wollen, ist die gesellschaftliche Anerkennung auch innerhalb der Gesetzgebung eine zwingende Voraussetzung. Die Grundlage bisheriger Gemeinschaften und Gesellschaften sind und waren immer die natürlichen, die innigen und tragenden, Bindungsgeflechte der konsanguinen Angehörigen. Diese evolutionäre Strategie des Menschen in einer natürlichen (biologischen), mutterbezogenen Ordnung zu leben, wird seit Jahrhunderten durch das patriarchöse System gründlich ausgehebelt.
Einer der entscheidenden Eckpunkte des angedachten Matriclans ist, dass keine sexuell bezogenen Verhältnisse den Zusammenhalt einer solchen Lebensgemeinschaft bestimmen. Dem gegenüber ist heute mehr denn je das erotische (sexualisierte) Liebesverhältnis sowohl für die Ehe (und für andere Paarbeziehungen) eine selbstverständliche, ja zwingende Voraussetzung. Diese Ausgangsposition würde im Matriclan bzw. der Muttersippe entfallen. Die natürliche, matrilineare Verwandtschaft zwischen Angehörigen bildet die einzige Grundlage dieser neu zu etablierenden Lebens-, Fürsorge- und Wirtschaftsgemeinschaft, welche gesetzlich zu schützen wäre.
Wenn ich also zum Beispiel mit meiner Tochter und ihren Kindern eine solche Sippenstruktur praktizieren möchte, steht doch erst ein mal folgendes fest: genetisch verwandt sind wir bereits, also noch mehr an Zugehörigkeit geht gar nicht. In unserem derzeitigen Verständnis jedoch sind Erwachsene autonom und werden solange als ungebunden angesehen, bis sie sich zu einem (nichtverwandten) Partner zugehörig erklären. Diese Art Partnerschaft ist derzeit die einzige legitime und als förderungswürdig angesehene Lebensgemeinschaft – wobei der Ehe immer noch die höchsten Weihen zugesprochen werden. Auch eine eingetragene Lebenspartnerschaft reicht rechtlich noch nicht völlig an den (von den Kirchen geheiligten) Ehestatus heran.

Die Muttersippe würde also im persönlichen Zusammenleben und der gemeinsamen Haushaltsführung genauso anerkannt sein wie ein Ehe/Familie. Es wäre weder der Segen einer Kirche noch die Trauung vor einem Standesbeamten erforderlich, um die Angehörigen der Muttersippe für zusammengehörig zu erklären, denn das sind sie ja bereits von Geburt an. Wenn diese konsanguine Lebensgemeinschaft arriviert und eingeführt wird, würde daher lediglich der Urzustand des menschlichen Zusammenlebens wieder hergestellt und damit die generationsübergreifende Fürsorge für alle Angehörige ganz selbstverständlich vorausgesetzt.
Bisher hat das praktizierte Patriarchat verhindert, dass starke Weiber- und Mutterbande erhalten blieben. Trotzdem gab es, wir können es zwischen den Zeilen der Märchen oder in den eigenen Herzen lesen, einen Ort, den die Menschen in ihrer Seele, als Haus der Mutter abspeichern – es ist der natürliche, aber derzeit unterdrückte Drang nach der Rückbindung an das mütterliche Energiefeld und somit an die Herkunftssippe. Die Suche nach der verlorenen Geborgenheit ist eine Grundstimmung in unserer Gesellschaftskultur.
Ich bin überzeugt dass bei vielen, wenn auch vielleicht nur diffus, diese dauernde Sehnsucht vorhanden ist. Da sich Töchter schon lange nicht mehr im natürlich-mütterlichen Geist bewegen und sie auf die (lebenslange) "Bindung" zu einem Mann geprägt werden, wird versucht diese latente Sehnsucht in der romantisch verbrämten Liebe auf Lebenszeit zu stillen. 

Die weiblichen Energiefelder einer mütterlichen Sippenstruktur sind als Kraftquell längst vergessen. Inzwischen gelten maskuline Werte und eine Herkunftsbindung wird im patriarchalen Verständnis, über die Vaterlinie festgeschrieben - die Bedeutung der Mutter verblasste immer mehr.
Es geht hier also nicht um einen sogenannten Wahlclan oder um eine "Ehe" unter Frauen oder um die Erweiterung der Eingetragenen Lebensgemeinschaften zwischen Fremden, sondern um nichts weniger als die Legalisierung der Sippenzugehörigkeit in der mütterlicher Linie. Also um die Akzeptanz der urtümlichen, natürlichen und artgerechten Lebensgemeinschaft, bestehend aus weiblichen Blutsverwandten als Gründerinnen sowie den angehörigen Söhnen und Brüdern. Noch mehr verwandt als Mutter – Tochter / Sohn - Tochterskinder ist nicht möglich.
Das erotische Begehren bzw. eine sexuelle Betätigung, fände außerhalb dieser matrifokalen Lebensgemeinschaft statt. Daher wäre es auch angesagt, die nun mehr veralteten Inzestgesetze zu reformieren. Die klassische Ehe, als patriarchal verordnete Institution, wurde im christlich geprägten Abendland, als einziger Ort der legitimierten Sexualität bestimmt und die Ehe wiederum gilt immer noch als die Basis der (Klein)Familie. Der Geist der Institution Familie besteht nach wie vor darin den Mann als den Herr des Hauses vorauszusetzen, selbst wenn er nicht anwesend ist. Wenn beispielsweise drei erwachsene und konsanguin** mit einander verwandte Frauen eine Lebensgemeinschaft bilden, gelten sie trotzdem vor dem Gesetz als alleinstehend, da sie keinen Mann haben und ihr Zusammenleben hat WG-Charakter.
Es gilt also eine echte Alternative zur Ehe/Familie anzustreben und die bereits bestehenden konsanguinen Verwandtschaftsverhältnisse offiziell als Lebensgemeinschaft anzuerkennen. Und diese müssten in unserer Gesellschaft genauso gesetzlich gefördert werden, wie die klassische Ehe mit Familienstatus, da hier vor allem auch die Kinder aufgezogen würden und sich die unangemessene bezeichnung "Alleinerziehend" damit auch erledigt.
Der Hauptaspekt, der hier angedachten Lebensgemeinschaft Matriclan bzw. Muttersippe oder auch Matrifokal, ist der generationsübergreifende und geschwisterliche Effekt des Zusammenlebens und somit Voraussetzung für das geborgene Eingebettetsein der Kinder in eine verlässliche Sippengemeinschaft.
Bisher läuft es im gesellschaftlichen Verständnis und in der Gesetzeslage so ab - wenn ein älteres Ehepaar oder auch nur eine Mutter oder ein Vater mit seinen bereits erwachsenen Kindern in einem gemeinsamen Haushalt oder unter einen Dach zusammenlebt, so ist das zwar möglich, wird jedoch bei aller natürlicher Bindung nicht als verbundene Lebensgemeinschaft erkannt. Jeder Erwachsene, außer den Eheleuten zählt einzeln (und wird auch entsprechend versteuert). Auch wenn (kleine) Kinder zu einer Person gehören, bilden sie mit ihrer derzeit ungebunden Mutter (oder Vater) eine eigene Lebensgemeinschaft und diese fallen dann unter den Begriff der Alleinerziehenden.
Ich empfinde es als absurd, aber sowohl vom Gesetz sowie durch den Mainstream wird jeder Erwachsene grundsätzlich ab der Volljährigkeit wie eine autonome „Lebensgemeinschaft" gehandelt, bis eine Paarbildung erfolgt, also geheiratet wird oder man sich in einer Beziehung zusammentut. Damit beginnt auch die gegenseitige Fürsorgepflicht (in guten wie in schlechten Tagen usw.), die vorallem der Paarbeziehung zugeordnet wird. 
Alle anderen Verwandtschaftsbeziehungen rücken endgültig in die zweite Reihe. Demnach ist im modernen Verständnis die Blutsverwandtschaft nur im Kindesalter wirklich relevant. Natürlich bleibt eine gewisse moralische (und bedingt gesetzliche) Pflicht sich bspw. um pflegebedürftige Eltern zu kümmern, schließlich bleibt das Verwandtschaftsverhältnis bestehen, aber wie bekannt genießt der (amtierende bzw. angeheiratete) Partner immer die Vorrangstellung.
Der noch vor Jahrzehnten in der patriarchalen Familienstruktur beschworene Zusammenhalt hat sich in den heutigen Tagen sehr gelockert. Die zu einem Berufsalltag gehörende Verhinderung von Nähe stört auch ein kontinuierliches Festigen der Familienbande. Daher ist Fürsorge und Pflege innerhalb der Herkunftsfamilien zwar immer noch durchaus üblich, gesellschaftlich gesehen jedoch weder eine anerkannte noch geschätzte Arbeit. Diese Zuwendung wird im Alltag neben der Familienarbeit und der honorierten Erwerbstätigkeiten irgendwie verquetscht. In der Regel betrifft diese dreifache Belastung dann die Frau - die Familienmutter.
Ich bin daher sehr wohl dafür, den „Matriclan“ - Vorschlag mit aller Kraft zu unterstützen, denn seine Ziele erscheinen mir förderungswürdig, obwohl der letzte Punkt mir noch sehr als Zukunftsmusik erscheint:
  • Verstärkter Schutz von Müttern und Kindern
  • Lückenlose Betreuung von Kindern, Alten und Pflegebedürftigen
  • Gewaltfreies Zusammenleben in einem intakten sozialen Verbund
  • Perspektivisch ökologischer Landbau und Subsistenzwirtschaft als Lebensgrundlage

(* https://secure.avaaz.org/de/petition/Gesetzliche_Einfuhrung_eines_alternativen_Familienmodells_zur_Ehe_wahlweise

(** verwandt durch Geburt in mütterlichen Linie
.

Kommentare:

Stephanie hat gesagt…

...sollte sich diese oder jene wundern, weil ihr der Text bekannt vorkommt... es ist eine Überarbeitung und stand vor einem halben Jahr schon einmal im Blog... das Thema ist noch nicht vom Tisch... so hoffe ich...

faszinationmensch.com hat gesagt…

Mir ist diese Art des Familienclans das erste Mal vor zweit Jahren bekannt geworden. Inzwischen sehe ich auch immer mehr die Vorteile dieser Konstallation, besonders hinsichtlich der emotionalen Stabilität. Ich denke nur an den Frust der Kinder bei Trennung der Eltern. In diesem Fall wären die Bindugnen an den Rest des Clans so stark, dass das Fehlen des Sexualpartners kaum bemerkbar wäre.
Seit meiner Trennung von meiner Exfrau und meinen drei Töchern lebe ich in einer eigenen Wohnung und habe aber seit 15 Jahren eine Beziehung zu einer anderen Frau, die mit ihren beiden Töchtern zusammenlebt. Ich empfinde diese Situation als wesentlich entspannter.
Es gibt ja auch noch einige Völker auf dieser Welt, die so leben und eine gewissen Stabilität zeigen, aber auch wensentlich friedvoller sind.
Danke für den Artikel und viele Grüße
Martin

Fairy hat gesagt…

Ich habe leider nichts von dierser Petition mitbekommen, ich h¨tte sie sofort gezeichnet.. ich stamme slebst aus eine Grossfamilie und lebe jetzt mit meiner tochter und deren Freund in einem kleinen neuen MatriClan es funktioniert hervorragend..und auch der Mann fühlt sich wohl im "bemuttert sein" anfangs war er misstrauisch aber inzwischen erkennt er die vorteile gegenüber dem Single oder Paar-Leben, auch sein kleiner Sohn der von eine anderen Frau ist, kommt an den Besuchstagen gerne zu uns.. Da es im Wortschatz heutiger Menschen offenbar keine Anrede für "Clanmutter" gibt, nennt er mich "Mama-Dame" ;)

MarieSoledad hat gesagt…

Ich habe mich auch schon öfters mit dem Thema matrifokaler Lebenstil (ich fass es jetzt mal so zusammen ;) ) befasst. Genau wie meine Mutter - ich bin ja erst 22 - hoffe ich, dass sich die Möglichkeiten bieten werden.

Einem Punkt (oder zwei?) stehe ich da aber kritisch gegenüber: nämlich dass es zwingend auf Blutsverwandschaft aufgebaut sein soll, oder zumindest den Eindruck erweckt. Auch in diesem Text wird ausdrücklich von "Wahlclans" distanziert - und das finde ich einen Fehler.

Ich finde, man sollte allen die Möglichkeit geben, den Clan zu "wechseln", wenn man das möchte. zB ist meine Mutter in ihrer Herkunftsfamilie fast so etwas wie ein Alien. Die sind alle eher spießbürgerlich, in der Kirche tätig und gerade meine Großmutter pflegt die Religiösität im alltag sehr, die wesentlichen Probleme ihres Lebens sind die Nachbarn aus dem Ort und was es über wen zu berichten gibt - und natürlich alle anständig verhairatet...

Meine Mutter, die auf Entwicklungshilfe war, geschieden, in Lebenspartnerschaft auf einem Bio-Bauernhof lebend, 3 Kinder aus 2 Partnerschaften, Energetikerin usw - wenn diese beiden Welten aufeinander treffen werden Floskeln ausgetauscht und smalltalk getrieben, denn sie können einander nicht verstehen.

Meine Mutter hat sich vor langer Zeit größtenteils von iher Herkunftsfamilie gelöst und die sie als verlorene Seele abgeschrieben, was nicht heißt das kein Kontakt mehr besteht.

Ich finde also, dass es dabei das Recht geben sollte, nicht blutsverwandte Menschen in den Clan zu adoptieren oder auch Clanmitglieder sich trennen dürfen. Im Falle von Kindern müsste dabei eine Regelung gefunden werden - würden Kinder mit einer sich trennenden Mutter mitgehen oder im Clan verbleiben und die Mutter geht vorübergehend oder ganz kinderfrei in die Welt...

Die Rolle der Partner ist der zweite Punkt der mich da etwas stört. Ich finde auch absolut, dass Liebe nicht die einzige Basis einer Familie sein sollte und Monogamie sowieso höchstens freiwillig geschenkt werden darf, aber niemand Anspruch darauf hat.

Aber einen Mann den man liebt, länger liebt, im Gegensatz so auschließen zu müssen finde ich wiederum traurig. Damit wird diese Liebe irgendwie zu etwas reduziert, das man mit dem heutigen Begriff Affäre gut beschreiben könnte.
Es sollte nicht die Basis sein - aber darf es ein Teil sein? Darf er als dauerhafter Gast (so lange die Liebesbeziehung dauert bzw alle Beteiligten es wünschen) Teil des clans und der Familie werden? Mit dem entsprechenden Untersützungsanspruch und -pflichten eins Clanmitglieds. Ohne für die Kinder eine wesentlich andere Rolle als die der Onkel-Väter zu haben?

In meinem Leben würde mir ohne meine Mutter als Hilfe, weise Ratgeberin, sicherer Ort, Bestärkung, liebesvolles Willkommen-sein etwas sehr großes fehlen.

Aber ohne den Mann den ich liebe, als Spielkamerad, Gesprächspartner, zärtlicher Geliebter, Sexualpartner, geduldiger Tröster, Stressventil (oh jahh, die fliegenden Fetzen sind wichtig!), der zu dem ich am liebsten mit jedem winzigen Detail meines Lebens gelauben käme um ihn teilhaben zu lassen - ohne den würde mir auch etwas sehr wesentliches fehlen.
Und wenn er mich nur nachts oder nur immer wieder mal ein paar Tage besuchen dürfte...etwas würde fehlen.

Das sidn meine Kritikpunkte an dem Modell - allem anderen stimme ich völlig zu ;)

Und am Ende noch:
@Fairy falls du das liest: die Petition ist soweit ich das sehe keineswegs zu ende - du kannst sie unterschreiben.

lg

Stephanie hat gesagt…

Liebe MarieSoledad,

Nein es erweckt nicht nur den Eindruck, die Blutsverwandtschaft ist tatsächlich die Voraussetzung dieser absolut nicht neuen Idee... unser artgerechtes Menschsein ging aus urnatürlichen konsanguinen Gruppierungen hervor, die durch Geburt miteinander verwandt waren - Mutter und Tochter und Sohn, Bruder und Schwester, Großmutter, Muhme und Mutterbruder. Väter im heutigen Verständnis existierten nicht.
(Ich verwende übrigens aus vielen Gründen den Begriff „blutsverwandt“ nur ungern.)
Der Witz ist ja, dass so etwas wie der von dir geforderte Wahlklan doch ohnehin existiert. Genaugenommen ist die derzeitige (Patchwork-)Familienlandschaft nichts anderes. Eine gewählte Verbindung in der sich Fremde miteinander verpartnern und in der Kinder in der Regel bis zu ihrer Volljährigkeit verbleiben, um sich dann selbst einem fremden Clan anzuschließen (historisch hervorgegangen aus dem patriarchalen Brauch der Verheiratung oder dem gewaltsamen Raub der Töchter).
Der sogenannte Wahlklan ist nichts, um das gekämpft werden muss, da seine Grundlagen bereits existieren. Was heute nicht selbstverständlich ist, sind natürlich gewachsene Sippenstrukturen. Es geht bei der Petition schließlich nicht um die Genehmigung mit X und Y zusammenzuleben zu dürfen, sondern darum, dass Menschen, die matrilinear bereits verwandt sind, weiterhin eine (staatlich) anerkannte Lebens- und Wirtschaftsgemeinschaft bilden dürfen. Das ist nämlich aufgrund bestimmter Gesetze so nicht möglich. Derzeit ist es normal und gewünscht, dass sich Erwachsenen aus ihren Herkunftsfamilien lösen. Alles was du unten forderst gibt es doch bereits.
Was uns bisher fehlt, ist die tatsächliche Alternative zu den herkömmlichen Spielarten der Ehe und Kleinfamilie – die konsanguine Muttersippe oder der Mutterclan (die Bezeichnung ist noch nicht relevant). Das bedeutet, dass die Basis einer (dauerhaften) Lebensgemeinschaft eben nicht die Sexualität ist, sondern vor allem die mütterlichen, menschlichen Werte sind. Gegenseitige Fürsorge, generationsübergreifendes Zusammenleben in mütterlicher Linie, gemeinsames Aufziehen der Kinder der Sippe (oder Clan).
Wir sind an das Ehe- und Familienkonzept so gewöhnt und darauf konditioniert, dass sich die meisten gar nichts anderes mehr vorstellen können. Unsere Gesetzgebung trägt dem seit vielen Jahrhunderten Rechnung. Aber leider handelt es sich beim (Ehe)Paar, der sogenannten Partnerschaft und der beliebten Kleinfamilie um ein künstliches, unter patriarchalen Bedingungen entstandenes Konstrukt.

Ich grüße dich herzlich und stehe dir gern bei weiteren Fragen zur Verfügung...
Stephanie