30 November 2006

In der Weihnachtsbäckerei

Gestern zu nachtschlafender Zeit rief mich mein Sohn an mit der dringenden Bitte nach dem Familienpfefferkuchenrezept. Es wurde noch ein ausführlicher Schwatz über Gebäck, Berufsaussichten und Computerprogrammierung. Wobei ich mehr zu Ersterem beisteuern konnte. Zum Glück hatte keiner das Rezept verschleppt!
Die Altniederunger Pfefferkuchen habe ich schon als Kind mit meiner Mutter gebacken.
Am schönsten waren die Sterne mit glänzendem Schokoguss und bunten kleinen Kügelchen bestreut. Der Teig wurde noch vor dem ersten Advent zubereitet und dann in einem Tontopf kühl gestellt. Also im Keller, nicht im Kühlschrank, denn den gab es nicht, als ich klein war. Vor Weihnachten wurde der, wunderbar durchgezogene aber sehr festen Teig wieder mühsam geschmeidig geknetet, dann Plätzchen ausstechen oder die Teile fürs Hexenhaus ausschneiden. Der Duft ließ keine Zweifel offen, Weihnacht steht vor der Tür. Der zweite große Akt, war die Dekoration der Pfefferkuchen.
Meine Älteste hat immer die ganz große Plätzchenkunst betrieben, ein paar haben wir für das Familienmuseum aufgehoben. Diese Pfefferkuchen haben die faszinierende Eigenschaft unendlich haltbar zu sein, wenn sie keiner isst!
Ich hänge mal das Rezept an, noch ist genügend Zeit der Witterung zum Trotz, auf Vorweihnachtliche Stimmung und Besinnung zu bestehen oder im Kindheitsnostalgieland zu spazieren.
Altniederunger Pfefferkuchen
500g Zucker, 250g Honig, 250g Sirup - alles zusammen erwärmen (nicht kochen!)
10g Pottasche + 10g Hirschhornsalz in Rosenwasser, ersatzweise Rum oder einfach warmes Wasser auflösen.
alles mit 1250 g Mehl, 2 Eier, 125g Butter, 1Päckchen Staetsz - Pfefferkuchengewürz vermengen (oder normales, dann Mengenverhältnis beachten oder selbst gemörsertes: Nelken Sternanis, Ingwer, Kardamom, Zimt, Muskatnuss, Zitronenschale, Pomeranzenschale, dauert etwa einen halben Tag und bitte beachten im Pfefferkuchen ist kein Pfeffer! ;-) falls der Teig etwas dunkler sein soll, Kakao zusetzen zu 500g Mehl einen El Kakao)
Teig ruhen lassen, vor dem Backen geschmeidig kneten, nicht zu dünn ausrollen, bei 180 bis 200° C ausbacken
nach dem Auskühlen zum weich werden in Blechdose oder anderes dichtes Gefäß legen und viel Spaß bei der Zuckerguss - Streusel - Verzierungsorgie!

Adventliche Grüße Stephanie

21 November 2006

Ein AbendTraum

Die weise Alte sitzt zwischen meinen drei Türen auf dem einzigen freien Platz in meiner kleinen Wohnung. Nichts kann dort eigentlich lange verweilen.
Diese Stelle ist ein Durchgang, vielleicht sogar ein Übergang, ein heiliger Ort!
Es ist der Fleck, der für mich drei Möglichkeiten bereithält
- meine Räume zu betreten, in denen ich allein sein kann,
- in das Treppenhaus zu gehen, um die Mitbewohner des Hauses zu erreichen,
- das Haus zu verlassen und ins Draußen einzutauchen.
Die weise Alte sitzt und spinnt aus Maisbärten, Bast und den Spinngeweben aus meinen Zimmerecken einen dicken Faden. Alle Helligkeit verliert sich unter ihren unermüdlichen Händen. Schwarz windet sich der Faden durch den Raum, stark genug, um daran in die Nacht zu klettern.
Aber, das geht nur, wenn es völlig dunkel ist!
Jedoch es ist nie natürlich dunkel.
Immer brennt eine Straßenlaterne, ist ein Fenster erleuchtet oder fährt ein Auto vorbei.
Wieweit müsste ich laufen um den schwarzen Faden nach oben werfen zu können, damit er sich in der Nacht verfängt und zum Aufstieg fest genug verankert ist?
Liefe ich jetzt los, ich würde bis zum Morgengrauen nicht genügend Dunkelheit finden.
Die weise Alte sitzt und spinnt, dreht und drillt und der Faden windet sich durch einen Fensterspalt hinaus. Sie sitzt und spinnt bis zum Tagesbeginn!
Ich werde heute wieder nicht die Nacht erreichen, die jeden Abend erneut auf mich wartet…

13 November 2006

Jahresneige

Herbstwind fegt durch unsere Straßen
Raschellaub in Gold und Braun
Kecke kleine Nebelkinder
Kannst du hinter Büschen schaun
Schokoladene Kastanien
Stoßen gegen meine Schuh
In dem sanften blauem Dämmern
Geht der Sommer leis zur Ruh
Herbst - ich liebe: deine Farben
den bunten Abschiedsblumenstrauß
Sonnenschein mit leichtem Wehmut
Tobend wildes Sturmgebraus
Und ein leichtes Geisterseufzen
Hexenflüstern, Feensang
In mondhellen Zaubernächten
Feiern wir den Jahresdank
Trag nach Haus den roten Apfel
Und die Hagebuttenfrucht
Zünde an die ersten Kerzen
Schmücke mich mit Herbstlaubduft


Eigentlich wollte ich mein wieder gefundenes Gedicht noch vor Samhain in den Blog setzen, aber das Wetter bringt mich ganz durcheinander. Der Garten sieht noch nicht wie November aus und ich hab heute noch eine extra schöne Rose geschnitten...

09 November 2006

Gedankenbäckerei


„Ich mag Croissant nur wenn sie laut sind“, mit dieser Aussage überraschte ich gestern die nette Bäckerin und wir hatten noch ein angeregtes Gespräch über Frühstücksgebäck im Allgemeinen und im Besonderen. Dann zog ich ganz zufrieden mit meinem Kürbiskernbrötchen von dannen.
Dabei fiel mir ein (belauschtes) Gespräch in einer Kassenwarteschlange ein.
Ein (sehr) junges Paar vor mir:
Sie: Kürbiskernbrot
Er: Was?
Sie: Kürbiskernbrot, könnten wir auch mal machen. Voriges Jahr als ich deine Mutter kennen gelernt habe, gab es bei ihr Kürbiskernbrot, das war superlecker!
Er: Hol dir doch das Rezept!
Sie: Ja mach ich, jetzt gibt es nämlich wieder überall die Kürbisse….
Ich stellte mir vor, wie die Junge Frau mehrere Kürbisse zerlegt, um an die Kerne kommen, um anschließend ein Brot zu backen. Sie wirkte jedenfalls sehr entschlossen.

07 November 2006

Kommunikation I


Am Anfang war das Wort - das Wort zwischen Mutter und Kind!


Wieviel Kommunikation braucht der Mensch, die Frau im Kommunikationszeitalter?
Mit der Freundin habe ich mich über die weibliche Art zu kommunizieren unterhalten, über die Menge an Kommunikationseinheiten, die frau zur Verfügung steht und die auch angewandt werden wollen. Täglich!
Ich denke, es fehlt uns oft genug der tatsächliche tägliche Austausch. Nicht umsonst wird das Medium Internet begeistert von Frauen genutzt.
Es ist nicht immer leicht, unsere mehrtausend Kommunikationseinheiten real im Alltag unter zu bekommen (die neben dem gesprochenen Wort auch Gestik und Mimik beinhalten)?
Bei manchen Berufstätigkeiten kommt Frau schon auf ihre Kosten. Aber frau allein zu Haus kann auch schon mal austrocknen, die stürzt sich eben am Abend auf den heimkehrenden Ehemann, der dann eher maulfaul vor dem Fernseher hockt, denn seine 2000 Einheiten hat er meistens schon vertan.
Ob eine Frauengruppe einmal im Monat da wohl Abhilfe schafft?
Ich denke jetzt, da ich in seliger Stille an der Tastatur sitze, darüber nach, wie sehr mir/uns wohl das gesprochen und das ausgesprochene Wort fehlt. Wollen Frauen einfach nur Gedanken loswerden und Verbindlichkeit schaffen und wie wichtig ist uns das Feedback? Der weibliche Austausch hat Kultur geschaffen, nicht alle Erfindungen und Schöpfungen entstehen durch dumpfes männliches Brüten, wie uns immer wieder weisgemacht wurde und wird. Lebbare gesellschaftliche Regeln sind bestimmt weibliche Erfindungen.
Und wie war das mit den langen Winterabenden, wo die Frauen sich in den Spinnstuben trafen, beim Federn schleißen oder Erbsen und Bohnen pulen zusammen saßen. Und im Sommer gemeinsam aufs Feld gingen?
Irgendwann und das ist bestimmt schon sehr lange her, hat sich das unterschiedliche Kommunikationsbedürfnis der Geschlechter ja heraus gebildet und das ist nicht durch ‚das Weib schweige in der Gemeinde’ wieder verschwunden..
Als Mädchen habe ich noch einen kleinen Abglanz dörflicher Frauen - Kommunikationspower erlebt. Wie oft war ich beim Kartoffeln lesen, Rüben verziehen oder Kirschen pflücken dabei und mir klingen heute noch die Ohren, von all den Neuigkeiten und „Geheimnissen“ die da durch genommen wurden. Und so manche philosophische Grundlage habe ich von den handfesten Bauersfrauen mitgenommen.
Immer noch werden über die geschwätzigen Weiber Witze gemacht und oft genug wurden sie ungehalten zum Schweigen gemahnt. Dabei stoßen Männer einfach nur an ihre Grenzen.
Was ist der Kern meiner Aussage: wir habe den selbstverständlichen, den täglichen Kontakt mit einer Frauengemeinschaft quasi verloren. Mag hier und da die eine oder andere froh darüber sein, nicht ihr Leben mit Mutter, Schwester, Tante zu teilen zu müssen oder es gut finden in trauter Zweisamkeit den Lebensabend zu verbringen. Die Gefährtinnen fehlen uns. Es ist ein Verlust für die Frau dieser Tage, dessen sich kaum noch eine bewusst ist. Jede kämpft allein, jede hat es allein zu schaffen, jede will es auch allein schaffen. Und mit allein meine ich nicht die Abwesenheit eines Mannes, sondern die der weibliche Unterstützung, das Tragen von Mutter und Säugling in der Gemeinschaft, die Begleitung bei Übergängen und Initiationen