12 August 2016

… wir machen alle mal Fehler!

In unserer komplexen Welt beruhen wirkliche Fehler in der Regel auf mangelnder Information oder individuellem Ungeschick, gern auch „menschliches Versagen“ genannt.

Versuch und Irrtum
In der heutigen Informationsgesellschaft, ist Ahnungslosigkeit und Nichtwissen eine ganz schlechte Entschuldigung und schützt sozusagen vor Strafe nicht. Da richtet sich ein gnadenloser Blick auf alle Loser und Naiven, die daherkommen und denken, sie können einfach mal was ausprobieren und wenn es schief geht, erneut versuchen. Im Arbeits- und Wirtschaftsleben ist für Fehler einfach kein Platz und keine Zeit. Wer einmal Fehler macht, dem traut man nicht mehr und der ist ganz schnell weg vom Fenster. Allerdings halten unsere Wirtschaftsstrippenzieher, wie die Generation Praktikum weiß, gern auch die Arbeitswilligen hin und suggerieren den Betroffenen, es wäre ihr Fehler, dass sie immer noch keinen ordentlichen Job bekommen.

Im privaten Bereich jedoch liegen die Dinge, sprich die Feherquote, ganz anders. Da setzen wir ja auch mit unserer Fehlerfreudigkeit nicht die Gewinne oder die Produktionsmittel der Arbeitgeber aufs Spiel, sondern schaden nur uns selbst oder den uns Nahestehenden. Als Privatperson ist es scheinbar ein Privileg Fehler machen zu dürfen. Da heißt es: „... lass mich bitte meine eignen Fehler machen!“ Und Eltern lassen denn auch (schweren Herzen) die Heranwachsenden ziehen, damit sie über die „Versuch und Irrtum“ - Methode sich ihren Weg ins Leben bahnen. Wir legen also sogar Wert darauf Fehler machen zu dürfen. So kann es eben seine Zeit dauern bis wir den „Richtigen“ gefunden haben.

Im persönlichen Bereich kann ein einfacher Fehler aber auch ganz kräftige Kreise ziehen. Mir fällt da der Lottoschein einer Tippgemeinschaft ein, der nicht abgegeben wurde und dessen Zahlen dann in der Ziehung waren. Ein tragischer Fehler, der anderen die Möglichkeit zu Glück und Reichtum zu kommen verbaut, Rachegedanken nach sich ziehen kann und eine vorhandene Vertrauensgemeinschaft zerstört.

Eigentlich soll er nicht passieren, der sogenannte Fehler, aber wir müssen mit seinem ständigen Auftauchen immer wieder leben. Wie sieht denn in der Berufswelt ein konkreter Fehler aus? Eine versehentlich falsche Bestellung, nur eine unrichtige Wechselgeldsumme, gelegentlich eine Fehleinschätzung oder ein unvorsichtiger Handgriff oder der Moment der Unaufmerksamkeit, der einen Crash verursacht? Solche Fehler können auch Leben und Existenzen kosten.

Danebengegangenes Spekulieren an der Börse und ähnliches würde ich dagegen nicht verharmlosend als Fehler bezeichnen. Denn das ist inzwischen mit dem Begriff „Fehler“ auch passiert, er wurde im gesellschaftlichen und sprachlichem Kontext verharmlost, obwohl dahinter auch schon mal kriminelle Energie steckt. Aber es hat sich auch als gut erwiesen, dass der erbarmungslose Umgang mit „Fehlern“ wie auch mit der „Sünde“, als Verstößen gegen die Konventionen und Moral, ihren früheren Schrecken verloren und nicht mehr so gnadenlos sanktioniert werden. Jedenfalls dürfen Kinder beispielsweise nicht mehr geschlagen werden ...

Und ohne menschliche Fehler, Verwechslungen oder kleinen Intrigen, die hinterher als Fehler deklariert werden, gäbe es heutzutage keine Vorabendserie, Seifenoper und Telenovela. Lieblingssätze von Drehbuchautoren sind: „Es war halt ein Fehler...“ oder „...da habe ich eben einen Fehler gemacht!“, vielleicht auch, leicht perfide: „... hast du noch nie einen Fehler gemacht?“

Was ist ein Fehler?
Ein Fehler ist bestimmten Vorgaben entsprechend eine bezügliche menschliche Fehlentscheidung. Dass heißt, irgendwann hat sich im sozialen Zusammenleben ein Verhaltenskodex herausgebildet oder irgendwer schuf eine entsprechende Norm und die Abweichungen von derselben wurde als „Fehler“ oder Sünde oder Verbrechen deklariert.

Der Horror eines jeden Schulkind waren einmal die Diktate. Da wurde unnachgiebig erwartete, dass das Kind alles richtig schreibt oder die entsprechenden Kommata vorschriftsmäßig setzt. Da gab es (zu meiner Zeit) keine Toleranzen. Entweder es wurde alles richtig geschrieben und unter der Arbeit stand „0 Fehler“ oder es gab eine entsprechend schlechte Note. Das ist heute nicht mehr so.

Anfangs ihrer Schulzeit dürfen heute die „ABC Schützen“ schreiben wie sie wollen und richtige Treffer bezüglich der RECHT-Schreibregeln werden nicht mehr vorausgesetzt. Denn die Deutsche Rechtschreibung hat sich nach x Reformen (irgendwie) gewandelt, vor allem die unerbittliche Einstellung der Lehrenden dazu. Der Fehler, welcher einmal ein Fehler war, ist plötzlich keiner mehr.

In unseren Köpfen spuken trotzdem immer noch die althergebrachten Vorstellungen von Fehler machen, selbige vertuschen oder zugeben, herum. Hervorgegangen ist diese Art der Wertevorstellung aus dem einstigen Sündenkatalog, der in der christlichen Welt die gesellschaftlichen Normen bestimmte. Vieles von dem was einmal als schwere Sünde oder als eine Straftat angesehen wurde, ist heute bestenfalls eine unbedeutende Verfehlung oder das gute Recht des Einzelnen. Ich denke da an den Bereich Ehe, Liebe, Seitensprung und Trennungen, bzw. das daraus Entstehen von Patchworkfamilien...

Fehler erkennen und zugeben hat was mit Einsicht und Eigenverantwortung zu tun. Die manchmal emotionsgesteuerten und schiefgegangenen Entscheidungen, welche Probleme und Chaos verursachen, schiebt die verantwortungsbewusste Frau unserer Tage im Nachhinein nicht einfach den Umständen oder ominösen Anderen zu, sondern sie steht tapfer und aufrecht zu ihren Fehlentscheidungen. Das gilt (hoffentlich) für den Mann in gleichem Maße.

Jede Verfehlung gegen Leib und Leben eines Mitmenschen oder gegen die gesellschaftliche Ordnung ist inzwischen durch eine umfangreichen Gesetzgebung geregelt. Fehler, Sünden und Vergehen wurden zu allen Zeiten nicht nur nicht gebilligt, sondern auch geahndet. Die Gewichtigkeit und die Art der Bestrafung ändert sich allerdings (zum Glück) im Laufe der Zeit mit der Moral und der Ethik einer Gesellschaft.

Bestimmte (prominente) Menschen kamen auch in der Vergangenheit immer wieder mit, auch schwerwiegenden, Verfehlungen aller Art oder sogar mit mehr als einem Mord davon, während eine zeitlang der bloße Verdacht der Hexerei oder auch nur eine böswillige Unterstellung die nächstbeste Frau auf den Scheiterhaufen bringen konnte.

Heute werden Mörder, Verräter an der Krone oder Majestätsbeleidiger nicht mehr öffentlich hingerichtet. Die Art und Weise, wie wir mit Straftätern, Regimegegnern oder Kabarettisten umgehen hat sich vollkommen geändert. Es kostet sie nicht mehr das Leben, vielleicht nur die momentane, wirtschaftliche Existenz, wenn sie erwischt werden oder nicht genügend Einschaltquoten haben.  

Das Chaos kennt keine Fehler
Ich will hier auch niemanden seine Fehler ausreden oder sie von selbigen reinwaschen. Wenn eine meint, einen Fehler gemacht zu haben, darf sie damit tun und lassen was sie will. Sie kann ihn verschwinden lassen, indem sie daraus eine begründete Absicht macht (sehr beliebt) oder sie kann ihn zugeben (kommt immer gut, wusste schon W. Busch) oder sie sieht ihn als Chance und Gelegenheit (wer weiß, was sich das Universum dabei gedacht hat). Denn wir können in unserer komplexen Welt einfach nicht alles und alle berücksichtigen, um somit völlig fehlerfrei durchs Leben zukommen, da sei die Chaostheorie vor. Denn das was der Mensch als Fehler sieht, kann auch einfach nur als der Flügelschlag eines Schmetterlings verstanden werden.

Fehler werden zu Fehlern, wenn sie als solche erkannt oder benannt werden! Nicht immer stößt uns das Schicksal oder unserem Umfeld mit der Nase darauf. Mitunter kann sowohl die Erkenntnis, als auch die eventuelle Fehlerkorrektur seine Zeit dauern und manchen lässt sich auch nicht wirklich korrigieren oder wieder gut machen. Mein größter Fehler war, zulange in einer für mich schädlichen Beziehung, mangels Bewusstheit oder Erkenntnis oder Alternativen, ausgeharrt zu haben. Aber manchmal stellen wir auch fest, dass ein vermeintlicher Fehler nur das wunderbare Sprungbrett zu einer förderlichen Veränderung gewesen ist ...

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30 Juni 2016

jenseits von Gut und Böse...

… ich stellte schon vor Jahrzehnten fest, dass die Kategorien GUT und BÖSE nichts mehr als willkürliche Konstrukte sind und es daher das sogenannte Gute oder das absolute Böse gar nicht geben kann.

Gut und Böse sind Label für Bewertungen, die durch die (patriarchale) Geschichte hinweg stark differieren. Für das allseits akzeptierte und für gut befundene freizügige und selbstbestimmte Verhalten heutiger Frauen, sind ihre Vorfahrinnen vor ein paar Jahrhunderten auf einem Scheiterhaufen gelandet und unsere Steinzeit-Ahninnen, hätten ohne einen aus heutiger Sicht „unmoralischen“ Lebensstil die Art nicht erhalten können. Die menschliche, artgerechte Female Choice lässt sich nicht mit religiösen, also christlichen oder schlimmer noch islamischen Wertvorstellungen leben.

Wir haben gelernt, das Töten von Menschen im Allgemeinen als "böse" anzusehen, aber eben nicht immer. Unter den Verhältnissen des androzentrierten Patrisystems ist die legitimierte Tötung durch Männer, die sich selbst Macht über Leben und Tod erlauben, innerhalb eines bestimmten Kulturverständnisses sogar eine "gute" (Helden)Tat. Den Feind zu töten galt lange als "gut" ... auf beiden Seiten.

Die Auswüchse an zum Teil unvorstellbarer Grausamkeit, die philosophisch eher dem "Bösen" zugeordnet werden, sind letztendlich einem menschlichen und in der Regel männlichen Hirn entsprungen bzw. einer Art männlicher Experimentierfreude, die von den Opfern als bar jeder Humanität empfunden wird. Und da bisher niemand der latenten bis exzessiven Gewalttätigkeit ernsthaft Einhalt gebot und sie statt dessen zu unserem geduldeten Alltagshintergrund gehört, setzt sich diese bis in unsere Zeit fort. So fällt seltsamerweise das tausendfach geduldete Verbrechen gegen die Weiblichkeit, die Beschneidung (FGM - Female Genital Mutilation), also die weibliche Genitalverstümmelung, nicht unter den Begriff BÖSE, sondern wird den Opfern für sie und der Gesellschaft in der sie leben, von den Ideologen der patriarchösen Kultur, als gute Maßnahme verkauft.

Als Kind lernte ich im Zuge der christlichen Ausrichtung die Begriffe "GUT" und "BÖSE" kennen, aber ihr Bedeutungsinhalt war mir, die ich schon kleinerweise auf unlogische Momente reagierte, nie richtig schlüssig. Wie konnte ein "guter" Gott gestatten, dass es so viele Ausnahmen gab, die auch noch damit begründet wurden, dass grausame Taten "gottgefällig" waren? Mir wurde schnell klar, auch GUT ist nicht eine absolute und metaphorische Größe, sondern sehr relativ ... aber sowas von.

GUT ist eine Vorgabe von denen, die gerade das Sagen haben! Und BÖSE ist nicht nur einfach das Gegenteil davon, sondern oft auch einfach nur die gegenteilige Meinung und abweichendes Handeln gegen das aktuelle Herrschaftssystem. Und wenn die anderen gewinnen, wendet sich manchmal das Blatt.

Als BÖSE gilt im Allgemeinen rohe, brutale, mitleidslose oder versteckte und intrigante, körperliche aber auch psychische Gewalt. Einem anderen Menschen zu schaden wird grundsätzlich als "böse" eingestuft, wenn der Täter nicht mit einer gesellschaftlich akzeptierten Erklärungen daherkommt. Und so ist es immer wieder erstaunlich was die Gesellschaft alles vergibt.Und wenn das weltweite Wirtschaftssystem den Planeten verwüstet, dabei täglich verschiedene Spezies ausrottet (fällt im allgemeinen unter Kollateralschaden) und der Schaden inzwischen, auch durch zu erwartende Altlasten, irreparabel ist, dann sind trotzdem immer noch zu viele der Meinung, dass Fortschritt, Wachstum und Gewinn eine gute Sache sind...

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09 Mai 2016

...lieber philosophieren (auf naturgemäßen Niveau), statt jammern (auf hohem Niveau)

aus einem Konzept zu verschiedenen Kommentaren...

„… erkennen wir unsere wahre Natur. In unserer etwas freieren westlichen Welt kommt sie langsam wieder an die Oberfläche.
Danke, liebe Gabriele, dass du auf diese entscheidenden Punkt hingewiesen hast. Unsere „Urnatur“ kommt eben immer dann zum Vorschein, wenn die Repression der patriarchalen ideologischen und konkret gewaltsamen Zwangsverordnungen an Wucht und Bedeutung in der Gesellschaft verliert.
Die Female Choice hatte sich, wie du schon nachgewiesen hast, ohnehin nie völlig unterdrücken lassen, was die Patriarchose einerseits unterlief, andererseits unendlichen vielen Frauen (und auch Kindern) das Leben kostete und heute immer noch als die Sünde schlechthin wider des Vatersystems gewertet wird. Das hat sich seit seinem Beginn bis heute zu der allgemeinen Androzentriertheit ausgewachsen, die sich immer noch in der Gesetzgebung, der Denkungsart des Mainstreams und den kulturellen Dogmen und Tabus der anonymen Großgesellschaft niederschlägt. Dazu gehört auch die sich hartnäckig haltende Behauptung, ein Kind braucht seinen Vater.

Hier setze ich gern an und behaupte, dass es umgekehrt ist: Der 'Vater' braucht das Kind! Jedenfalls heutzutage. Schließlich ist so ein kleines Menschenwesen oft genug seine einzige Anbindung in puncto Zugehörigkeit und Identifikation mit verwandten Angehörigen. Auch Väter sind letztlich verlorene Kinder der nicht mehr existierenden Mutter-Sippe. Der moderne kinderliebe und fürsorgende Vater agiert in der Beziehung zu "seinen Kindern" seinen (evolutionär - berechtigten) immanenten Drang zur Geborgenheit aus und zwar in der vorhandenen und ihm möglichst auch wohlwollenden, (Klein)Gemeinschaft. Das Patriarchat bietet nun mal seinen Männern neben ein paar privilegierten Machtoption für wenige, nur noch das Kerngeschäft der Paarungsfamilie.
(siehe http://stephanieursula.blogspot.de/2015/11/das-in-die-pflicht-genommene-elternpaar.html

Nicht nur hier in der Diskussion, auch in der Forschung oder populärwissenschaftlichen Betrachtungen wird sich meiner meiner Meinung nach zu sehr auf Vererbung und den Gen-Anteil kapriziert. Die patriarchale Denke zwingt uns ein Geschacher um das Kind auf. Dabei ist es doch genau so ein berechtigtes Mitglied der Menschengemeinschaft wie ein paar Jahre später als Erwachsener. Das Gerangel wer den größten (pseudo-)berechtigten Anteil an einem Kind und damit welche (Verfügungs)Rechte über das Kind hat, sind Relikte der Patriarchose. Es ist nur ein paar Jahrzehnte her, dass die Zeit zu Ende geht in der dem Vater per Gesetz das ganze Kind „gehörte“ oder er es bei Nichtgefallen einfach nicht anerkannte. Im Patriarchat ging es nie darum dem Kinde durch den Vater Fürsorge angedeihen zu lassen, das ist ein recht moderner Anspruch. Vaterschaft wurde/wird als eine Art Verursacherprinzip angesetzt, dem zu Grunde lag/ liegt, aus "dem Schwängern einer Frau" das Recht abzuleiten über diese beiden Menschen, Mutter und Kind, verfügen zu können – das ist Patriarchat.

Der 'Vater', also der an der Zeugung per Spermium beteiligte Mann, sah einen Vorteil für sich darin sein Kind und hier vor allem die Söhne, für seinen Clan, seinen Einflussbereich und bei entsprechendem politischen Rang für seine Wehrhaftigkeit zu rekrutieren.
Das setzte voraus, dass die Frau und ihre Sexualität und Gebärfähigkeit, unter eine rigide Kontrolle gebracht wird und weil dass (bis heute) die einzige Möglichkeit war, der „eigenen“ Söhne (und Töchter) einigermaßen gewiss zu sein. Der dabei entstandene Ehrbegriff mit dem heute noch kleine Jungs aufgezogen werden, wurde überall da geltend gemacht, wenn unbedingt zu erhaltende Jungfräulichkeit der Tochter und die lebenslange Treue und Keuschheit der Ehefrau über die innere Privatheit hinaus zu einem grundsätzlichen Politikum erhoben wurden. Nicht der prinzipielle (und evo-biologische) Wert eines Lebewesens, wie auch das des menschlichen Kindes, ist im patriarchalen Universum von Bedeutung, sondern die bloße quantitative Anwesenheit, seine Arbeitskraft, seine Nutzbarkeit, seine Kampfkraft…

Leben ist ein unwillkürliches, sich selbst erhaltendes System und nur weil wir Menschen ein paar der möglichen Mechanismen erkannt oder glauben durchschaut zu haben, stellen wir immer wieder Theorien auf, die direkt oder latent den Menschen in den Mittelpunkt der Evolution stellen. Als wäre 'der Mensch' tatsächlich die so gern zitierte Krone der "Schöpfung". Es wird auf hohem ideellen Niveau philosophiert und leicht dabei vergessen, dass wir als Teil des Natursystems ein abhängiges Individuum sind, das im Falle 'Mensch' einer sozial eingestellten, also fürsorgenden, Gemeinschaft bedarf. Denn das (menschliche) Individuum wurde einst in seine Bindungsgruppe hineingeboren und verblieb in der Regel in diesen Lebenszusammenhängen bis zu seinem Tod (vor allem wenn es weiblich war). Diese Grundeinheit einer naturgemäßen und damit artgerechten Fürsorgegemeinschaft ist eine Spezialität der Spezies Mensch... ich nenne sie 'Das Matrifokal'.

Das Grundmuster des menschlichen Arterhaltes (in dem der notwendige Selbsterhalt integriert ist) finden wir nun mal in der Matrifokalität, welche auf das natürliche Agieren der female choice setzt. Matrifokalität bedeutet Matrilinearität und Matrilokalität als Basis vereint und diese beiden Begriffe sind hier nicht gesellschaftstheoretisch zu verstehen, sondern als Ausdruck des konkreten evolutionsbiologischen Daseins. Wir können es noch in den wenigen, meist abgelegenen Gemeinschaften finden, die salopp „Matriarchate“ genannt werden. Das sind aber keine politisch konzipierten Kleingesellschaften, sondern artgemäß homogen gewachsene Bindungs- und Fürsorgegemeinschaften, mit einem Wort Muttersippen.

und noch zu Georg Reischel … du schreibst: „Erst dann, wenn sich die Evolution bereitwillig den Interessen eines individuellen männlichen Organismus unterwirft und für ihn die Monogamie etabliert, entwickelt er zumindest rudimentär “Brutpflegeeigenschaften”...“
Ich nehme mal an, du hast das satirisch gemeint.. ;-) … denn ich denke, wir sollten uns abgewöhnen in unseren Formulierung 'die Evolution' wie ein handelnd und denkendes Phänomen darzustellen, das auch noch eigene Interessen verfolgt.  
Als 'Evolution' bezeichnen wir u.a. die unwillkürliche Entwicklung des sich selbsterhaltenden Systems (organisches) 'Leben', das zwischen den vorhandenen energetischen, chemischen und physikalischen (anorganischen) Parameter (die ebenfalls als Natur bezeichnet werden), stattfindet und sich ununterbrochen im Lebewesenuniversum unseres Planeten gegenseitig beeinflusst. Das Prinzip der Evolution ist das der Chaostheorie, die thematisiert, dass innerhalb einer Komplexität sich mit jedem „Flügelschlag eines Schmetterlings“ ständig das Gesamtsystem graduell abwandelt und sich somit in einer ständigen durch nichts zu kontrollierenden, absichtslosen Veränderung befindet.

Die Monogamie oder was auch immer, selektiert sich dann, wenn es sich für eine Gesamtspezies innerhalb des lebendigen Systems, zum Beispiel im 'Tierreich', als aktueller und weiterführender Vorteil erweisen würde - hat sie z. Beispiel in der Vogelwelt. Und Vögel sind direkte Nachfahren der Dinos und die sind in ihrer massiven Ausführung bekanntlich ausgestorben. Menschliche Monogamie fällt meines Erachtens nicht unter evolutionären Vorteil, sondern ist eher als (einseitiges) maskulines Wunschdenken zu verstehen, dass im Patriarchat gern erfüllt wird.

Beim Flix habe ich gerade ein für mich neues Wort entdeckt: sar-ra-zi-nie-ren. In der Comic-Zeichnung wurde es folgendermaßen erklärt: „etwas biologisch rechtfertigen, obwohl es völliger Quatsch ist...“ ... und so sollten wir aufpassen, dass sich beim eifrigen Argumentieren Ursache und Auswirkung nicht verknoten, so dass nicht immer wieder, die durch den Menschen kulturell entstandenen und alchemistisch erzeugte Bedingungen, grundsätzlich als Selektionsvorteil umgedeutet werden


03 Februar 2016

Was ist Familie...

...neulich stolperte ich wieder einmal über das Wort „matriarchale Großfamilie“. Das ist für mich nun doch der Anlass auf das fast schon gedankelose Selbstverständnis hinzuweisen, mit dem leider allerorten mit dem Begriff „Familie“ umgegangen wird. 'Familie' ist nicht nur das patriarchöse Verständnis von patrilinearen und patrilokalem Zusammenleben, es ist darüber hinaus ein aktiv gelebtes Bekenntnis gegen den naturgemäßen matrifokalen Sippenzusammenhang.
 

Das hört sich vielleicht für manche spitzfindig an, aber "Familie" (und "Ehe") gab es nun mal im sozialen Miteinander der Spezies Mensch nicht von Anfang an. Die Familie ist eine patriarchale "Errungenschaft" und diese ist, wie alle patriarchösen Meriten, keine natürliche Entwicklung. Schauen wir also was Familie ist bzw. wo die Bezeichnung herkommt. Semantisch leitet sich das Wort 'Familie' von lat. 'familia' - der römischen Hausgemeinschaft und hier von 'famulus' - dem Haussklaven, ab.  

Familie bezeichnet den Herrschaftsbereich eines privilegierten Mannes. Zu diesem Herrschafts- und Einflussbereich gehör(t)en Frau(en) und deren Kinder aber auch die damals reichlich vorhandenen Sklaven, Gesinde sowie „Bluts“- oder andere Verwandte, die mit unter dem Dach des 'pater familias' lebten (siehe auch Wikipedia). Dieser männliche Herrschaftsaspekt, der dem Familienbegriff immanent ist, ist global betrachtet bis in unsere Zeit hochwirksam, auch wenn das heutzutage in unserer relativ freiheitlichen westlichen Kultur nicht mehr ganz so offensichtlich scheint.

In matriarchal, genauer gesagt matrifokal, lebenden Gemeinschaften wirken Sippen-Strukturen. Das sind die natürlich gewachsene Bindungsgemeinschaften, die sich in der Regel aus den konsanguinen Angehörigen zusammensetzen. Als 'konsanguin' bezeichnen wir Angehörige, die durch Geburt in mütterlicher Linie miteinander verwandt sind.


Eine Familie ist dagegen ein künstliches Konstrukt. Das heutige Verständnis von Familie basiert auf dem anerkannten Phänomen der Paarbildung als Voraussetzung, die wiederum vor allem auf der sexuellen Komponente der Beziehung beruht (wobei wir inzwischen nicht mehr auf das Hetero-Paar bestehen). Hier können wir nicht von Bindung sprechen, da es sich um ein ideelles Bündnis handelt, dass je weiter wir in die Vergangenheit der Patriarchose zurückgehen immer seltener für die Frau eine freiwillige Option gewesen sein dürfte. Die (immer auch gewaltsame) weibliche Unterwerfung fand ursächlich in der Sklaverei und in dem auf vielfältiger Unfreiheit der Frau beruhenden Familiensystem statt. Es ist daher zu bedenken, ob wir die Lebenskonstellation indigen/matrifokal lebender Gemeinschaften als „Großfamilie“ bezeichnen sollten. Auch wenn mit „Groß...“ der generationsübergreifende Charakter beschrieben werden soll, sind Matrifokale doch keine 'Familien'.
 

Derzeit finden wir unter dem Begriff der Familie verschiedene Auffassungen und Ableitungen (auch hier siehe Wikipedia). So ist es üblich die Vater-Mutter-Kind-Kleinfamilie als Kernfamilie zu bezeichnen. 'Die Familie' ist inzwischen ein eher fiktives Gebilde, da ihr ein schwammiges Verständnis von Verwandtschaft zugrunde liegt. Jede Variante möglicher Lebensgestaltung wird heute als Familie bezeichnet – zusammenlebende Freunde fühlen sich ebenso als Familie wie der Klassiker Kleinfamilie auf der Grundlage des Ehepaares. Aber auch ein kinderloses Paar oder die alleinerziehende Mutter mit Kindern gilt als 'Familie'. Eine andere Spielart der anerkannten Familienidee ist die sogenannte „Bonusfamilie“ bestehend aus den fluktuierenden Fragmenten moderner Patchwork-Familien. Wir haben hier verschränkte Gebilde verschiedener Paar-Gemeinschaften, deren Bindeglieder die Kinder sind.

Die (patrilineare und patrilokale) Großfamilie von früher besaß noch eine gewisse generationsübergreifende Qualität, wie wir sie von der Muttersippe her kennen (sollten). Der heutige Gebrauch des Ausdrucks 'Großfamilie' bezieht sich eher auf das patriarchale Elternpaar und eine erkleckliche Anzahl Kinder, welche also in der Regel mit auch nur zwei Erwachsenen (unter)versorgt sind. Im (ursprünglichen) 'Mutterland' gibt es keine „Familie“, die als Gründungsmitglieder zwei Fremde zusammenbringt, welche sich per (freiwilliger) Bereitschaftserklärung zu einer gemeinsamen Lebensführung verpflichten und in der es nahezu ein Dogma ist, die eigenen Herkunftszusammenhänge hinter sich zu lassen. Die "eigene kleine Familie" zu gründen, die heutzutage auf einer moderne Partnerschaft beruht, ist der gesellschaftlich anerkannte Lebenssinn. Die uneingeschränkte Freiwilligkeit, die uns hierbei suggeriert wird und die in unserer Kultur die Beziehung exklusiv stellt, ist allerdings weltweit immer noch nicht selbstverständlich, zum Teil noch nicht einmal in unserem Land.

Statt im matriarchalen Denken mit Begriffen wie Großfamilie zu operieren wäre ein Begriff wie 'Das Matrifokal' angebracht. Das Matrifokal war und ist unser ur-natürliches Dasein im evolutionär entstandene Kontinuum des Menschseins. Das Matrifokal verstehe ich als die
real vorhandene, naturgemäße, dynamische Enklave, die von Beginn des Menschseins als existenzsichernde Schutzsphäre für die Mütter und ihren Nachwuchs fungierte. In der Regel bestehend aus den konsanguinen Angehörigen (beiderlei Geschlechts) innerhalb der frühen generationsübergreifend matrilinear und matrilokal lebenden Menschengruppierungen. Was bedeutet, die Menschen interagierten in ihrem Alltag in überschaubaren mutterbasierten und geschwisterbezogenen Fürsorge-Gruppen, in denen jedes Individuum integriert und geborgen lebte.
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26 Januar 2016

Trotz dem...

Unsere Erziehungskultur neigt dazu sich über das altersgemäße kindliche Verständnis (Verstehen können) hinwegzusetzen und (Klein)Kinder zu über- oder zu unterfordern. Ihnen wird mehr denn je ein angehörigenarmer, naturferner und mit reizüberflutender Technik durchsetzter Tagesablauf übergestülpt. 
Artgerechterweise läuft das Klein- und später größere Kind einfach im Alltagsgetriebe mit und lernt in seinem Tempo sukzessive alles was es zum Bestehen seines zukünftigen Lebens in der Gemeinschaft braucht. Es imitiert seine Umwelt, verinnerlicht dabei Sprache und hat seine eigenen Strategien sich verständlich zu machen. Da natürlicherweise Kinder altersgemischt aufwachsen (müssten), findet sich auch immer eine, die versteht was es möchte. Kinder die verstanden werden haben kaum Grund zu trotzen oder sich entsprechend aufzuregen. Die sogenannte Trotzphase ist m.E. schlichtweg Notwehr und darauf zurückzuführen, dass das Kind gelernt hat auf diese Art zu kommunizieren (ich habe es nämlich auch schon anders erlebt). Wie soll es sich sonst verständlich machen, wenn es (jetzt und auf der Stelle) Aufmerksamkeit, Zuwendung und Interaktion mit (geliebten oder interessanten Mitmenschen) braucht, diese Bedürfnisse jedoch (aus erzieherischen Gründen oder weil es nicht in den erwachsenen Ablauf passt) ignoriert und wegrationalisiert werden? Da bleibt einem doch nur übrig zu brüllen, sich auf den Boden zu schmeißen und bockig alles abzulehnen, was dann der zuständige Erwachsene ins Feld führt, um diese Herausforderung oder Peinlichkeit abzumildern.

Unser Alltag ist ihre Kindheit. So war es schon in meiner Kindheit und davor und davor, nur der jeweilige Stresslevel dürfte jeweils ein anderer gewesen sein. Heutzutage werden (Klein)Kinder mehr denn je außer Haus (quasi per Crashkurs) in unsere komplexe, bindungsarme Kultur eingeführt und integriert, ohne wirklich die Chance zu haben, sich dazu artikuliert äußern zu dürfen. Sie müssen die vorgegebenen Bildungsstufen absolvieren und da ist es, auch später im Schulsystem, mit der Meinungsäußerung oder gar dem Ausdruck des anstehenden Gefühl eher schlecht bestellt. Hier ist oft die einzige Strategie sich bemerkbar zu äußern: Lautstärke und Penetranz. Selbst dann, wenn den Kindern bereits ein ausreichendes Vokabular zur Verfügung steht, fällt es ihnen meist nicht leicht die überwältigenden Gefühle, welche durch die grundlegend mangelnde Geborgenheit in unserer Kultur auslöst werden, verständlich oder angemessen zum Ausdruck zu bringen.
Bei unseren Kleinen ist zudem weder der Wortschatz noch das Vermögen zu Abstrahieren bereits soweit vorhanden, dass sie "normgerecht" und auf erwartetem erwachsenem Niveau mitteilen können wo das Schuhchen drückt. Und oft genug sind die meisten Erwachsenen nicht in der Lage sich auf entspannte Art auf das Kind einzulassen und die Situation nach der Prämisse angehen: hier handelt es sich um eine Gelegenheit, die so nie wieder kommt. Ich kenne viele wunderbare Mütter, die es trotzdem schaffen mit diesen anstrengenden und zermürbenden Trotzarien gekonnt umzugehen - an der Ausgangssituation, unserer patriarchösen Gesellschaftsstruktur, können sie aber auch nichts (auf die Schnelle) ändern.

Das frustrierte Kind ist ein Markenzeichen unserer Gesellschaft! Unserer modernen Welt mangelt es an einer Nähekultur in der unser Nachwuchs emotional mitgetragen wird. Alles ist auf den (anonymen) Erwachsenen zugeschnitten und zwar in erster Linie auf den Taktgeber der Gesellschaft - dem vitalen männlichen Erwachsenen. 

Jedes Menschen-Kind passt sich dem Umfeld an, in das es hineingeboren wird, um darin zu wachsen und zu überleben. Dass unsere Kinder sich trotzenderweise ausleben dürfen ist hier auch ein Moment ihrer Privilegierung. In vergangenen Zeiten bzw. in der globalen patriarchalen Welt wurde/wird das un- bzw. eigenwillige Kind in der Regel strikt reglementiert und dabei nicht selten sein individuelles Sein gebrochen. Es gab/gibt natürlich immer Enklaven, auch heute noch, in denen Kinder menschlich (artgerecht) aufwachsen und einfach sein dürften und verstanden werden.

Heute geht der Anspruch der Eltern auch mehr denn je dahin, ihren Kindern eine unbeschwerte Kindheit angedeihen zu lassen und manchmal führt das auch dazu das Kind mit intellektuellen und materiellen Privilegien zu überschütten, was selten identisch ist mit dem Respekt vor seiner Persönlichkeit. Ab einem gewissen Punkt, meist wenn das Kind zu Laufen beginnt, werden vom (modernen) erwachsenen Umfeld Forderungen an das Kind herangetragen, die das Kleinkind oft genug nicht nur an seine Grenzen bringt, sondern es auch hindert seiner altersgerechten Intention zu folgen. Es lernt stattdessen einem Zeitrhythmus zu folgen, den es nicht versteht und der es beeinträchtigt. Dabei wird es fremdbestimmt von seiner eigenen „Arbeit“, dem kreativen selbstbestimmten Spielen, abgehalten. Unsere Gesellschaft erwartet, dass wir die Einsamkeit und den Drill des (von den Angehörigen separierten) Erwerbsleben bereits auf Zweijährige übertragen.

Das Bewegen zwischen vielen Gleichaltrigen frustiert vielleicht mehr als es Spaß macht und Erwachsene, die das nicht abfangen können oder wollen, noch mehr. So kommt es, dass in der Fremdbetreuung (und später in den andern Bildungseinrichtungen) der unsägliche Ansatz zum Tragen kommt, Gleichaltrige in nicht artgerechten Mengen über frustierend längere Zeiträume zusammenzuzwingen. Der kindliche Drang zur notwendigen Körper und Geist befeuernden Kommunikation wird sich so auch immer (für manche quälend langsam) im Rahmen des Gruppenniveaus bewegen. Und zu allem Überfluss wird dieses Niveau durch einzelne (fremde und anonyme) Erwachsene reguliert, die es geschafft haben den Eltern einzureden, dass das das Beste für ihr Kind sei.

Dem individuellen Bedürfnis des Kindes nach interaktiver Stimulanz oder seinem Ruhebedürfnis kann in den Kindergruppen in der Regel nur selten nachgegeben werden. Ihre Gefühle, ihre Fragen und gerade gewonnenen Erkenntnisse adäquat den Mitmenschen mitzuteilen, also mit ihnen zu teilen und sich dabei ihres Wohlwollen sicher zu sein, ist in einer gleichgerichteten Kindergruppe für das einzelne Kind schwer zu gestalten, denn alle haben gerade (fast) das gleiche Anliegen.

Für das sehr junge Kind bedeutet das: Die sogenannte Trotzphase ist die Zeit, in der mich die Welt spürbar (noch) nicht versteht und sich grad nicht die Mühe macht das schleunigst zu ändern. Die Verzweiflung darüber, wie auch immer zu äußern, ist eine gesunde Reaktion.

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17 Januar 2016

was haben sie zu verlieren?


...es kommt wirklich nicht oft vor, dass ich Alice Schwarzer zitiere, aber hier ist es mal angesagt:  

"Aber was wir am Fall Köln nicht vergessen dürfen: Zum allerersten Mal in meinem Leben erlebe ich, dass wir in Deutschland in aller Öffentlichkeit vor den Augen der Polizei einen rechtsfreien Raum haben. Das hat es noch nie gegeben. Und es hat es auch noch nie gegeben, dass eine Männergruppe von 1000 Männern oder mehr sich auf Frauen stürzt. Das ist eine Eskalation, die ein Politikum ist. Über das allgemeine Problem der sexuellen Gewalt hinaus … Ich halte Political Correctness für tief reaktionär. Weil sie die Ideologie über die Realität stellt. Das geht nicht."

Ich komme nicht umhin ihr zuzustimmen. Dieses Politikum wird im Moment noch nicht wirklich als solches im Mainstream wahrgenommen. Noch wird gern eher angemahnt, dass es auch hier, in unserer westlichen Gesellschaft, schon immer sexualisierte Gewalt gab. Natürlich ist das so! Auch hier und sogar in besonderer Weise leben wir im Patriarchat und da sind (sexuell motivierte) Belästigungen und (gewaltinduzierte) Übergriffe sowie Frauenverachtung jedweder Couleur an der Tagesordnung. Aber eben eher weitgehend als Einzelerscheinung, wenn auch durchgängig. Der gewaltbereite Mann ist nun mal ein akzeptierter Aspekt der patriarchösen Gesellschaft. Allerdings ein vielfacher gezielter Angriff auf Frauen, wie bei den Ereignissen der letzten Silvesternacht durch eine im Pulk auftretende bestimmte Gruppe Männer, ist neu in unserer liberalen Gesellschaft. Zwar gibt es das im sogenannten arabischen Raum inzwischen häufiger - es ist dort sozusagen an der Tagesordnung - aber in Deutschland, in Europa, kannten wir das so eben noch nicht. Heißt das jetzt, dass wir uns daran werden gewöhnen müssen?

Dieses Phänomen sorgt nicht nur für den unterschiedlichsten Aufruhr, es deckt auch gleich noch einige bisher verdrängte „Schwachstellen“ im System auf. So wird beispielsweise ein handfester gewaltsamer, als sexuell motiviert verkappter Angriff auf die Frau von unseren Gesetzen nicht wirklich geahndet. Diese Männer, die aus welchen Motiven auch immer heraus sich dieser Vergehen schuldig machten, haben also erst einmal nicht wirklich etwas zu befürchten. Nicht einmal, dass sie eventuell Knall und Fall abgeschoben werden, wenn es sich um Migranten handelt - da sei unser Rechtsstaat vor. Es werden viele Motive und Gründe vermutet und einer dieser Hintergründe ist auch, dass sie aus ihrem Kulturverständnis heraus kaum Unrechtsbewusstsein an den Tag zu legen brauchen, denn sie können sicher sein, dass sie bei solch einem Verhalten nichts zu verlieren haben. Im Gegenteil, sie können auf Anerkennung und Beifalls in ihren Peergroups hoffen.

Männer, die Frauen belästigen, sie mit eindeutiger sexuellen Motivation attackieren, dabei noch ihre Gewaltfantasien ausleben oder sie gleich vergewaltigen, tun das, wenn sie unserem Kulturkreis angehören, eher heimlich, möglichst versteckt, zumindest unter Ausschluss irgendeiner Öffentlichkeit. Denn diese Männer haben in ihrem Alltagsleben meist etwas zu verlieren. Ich lehn mich mal aus dem virtuellen Fenster und behaupte: Heute ist ein Vergewaltiger kein toller Hecht mehr sondern nur noch ein Verbrecher. Wenn auch unsere Gesetzeslage auf beschämende Art und Weise hinterherhinkt und der Schwere all dieser Vergehen und Untaten immer noch nicht gerecht wird. Daher ist es, ich kann es kaum glauben, möglich Frauen körperlich anzugreifen (im doppelten Sinne sowie gegen ihren erklärten Willen) und es findet sich kein Paragraph, der den oder die Täter hier eines Verbrechens bezichtigt und eine Bestrafung in Aussicht stellt. Beleidigung ist das einzige, was dabei rumkommt. Immerhin schon mal Beleidigung - aber es ist doch letztendlich viel mehr als nur ein beleidigender Akt. Das Betatschen, Festhalten, Angrapschen, das Zerreißen von Kleidungsstücken oder gar das Einkesseln von einzelnen Frauen durch mehrere Männer ist und bleibt ein böswilliger Angriff, auch wenn er den Täter Spaß bereitet. Es ist ein Angriff, bei dem auch eine Verletzung (oder gar schlimmeres) billigend in Kauf genommen wird, der das (arglose) Opfer in Angst und Schrecken versetzt und immer ein Trauma zur Folge haben wird. Gewiss lassen sich einige traumatischen Erfahrungen, die wir alle im Leben einmal haben, überwinden. Ein Unfall, ein Sturz, ein Situation wie beinahe Ertrinken kann dazu führen, dass wir ernsthaft in Gefahr geraten und der dabei durchlebte Schrecken und Schock ein Trauma auslöst. Doch ein willentlicher Angriff durch einen oder mehrere anderen Menschen ist in unserer wohl geordneten Gesellschaft eine Erfahrung, die niemand machen möchte und die in den letzten Jahrzehnten zwar vorkam, aber, na sagen wir, relativ selten. Und nun müssen wir immer und überall damit rechnen?

Die Akzeptanz meiner Person, die Unversehrtheit meines Körpers und meines Geistes bewahren zu können, das Recht auf meinen persönlichen Ausdruck - mit einem Wort - meine Integrität zu achten - all das erwarte ich von meinen Mitmenschen und ich bin evident bereit einer jeden anderen Person diesen Respekt entgegenzubringen – das ist ein natürlicher sozialer Akt. Auf dieser Basis existiert auch der artgerechte matrifokale Zusammenhalt. Aber die patriarchale Gesellschaft tickt nicht so.

Die androzentrierten und hier im Besonderen die monotheistischen Religionen, wie der Islam aber auch das Christentum, sind lediglich rigide Interpretationen des Grundgedankens des Patriarchats – der Vater-Herrschaft - und sie haben allesamt in der sozialen Balance eines artgerechten Menschenlebens ungeheuren Schaden angerichtet. Dieser gut installierte Ungeist setzt sich immer noch weiter fort. Und auch gefühlt gemäßigte Ideologien oder aufklärerische Philosophien, die auf der scheinbar fortschrittlichen Idee von Freiheit, Gleichheit und vor allem Brüderlichkeit aufbauen, streben lediglich eine Verschiebung der Machtverhältnisse auf dem bestehenden Herrschaftsfundament an. Denn das patriarchale System ist die gewaltsame Durchsetzung des Gedankens, dass dem Mann – Vater – Herrscher die Kontrolle über jedwede Form des soziokulturellen Zusammenlebens aller Menschengemeinschaften zusteht und der privilegierte Mann sie exklusiv nach seinem Gutdünken ausüben darf. Das drängt automatisch die Frau nicht nur in die Passivität, sondern macht sie auch zur komplett Unterworfenen. Sie ist seitdem das gottgewollte Opfer dieser gesellschaftlichen Geiselnahme, das sich nur noch ins Stockholmsyndrom rettet kann um zu überleben. Die patriarchöse, durch den privilegierten Mann ausgeübte Macht (von latent und unterschwellig bis zu offen brutal) umgibt grundsätzlich jede Frau, selbst jene die glauben an den Privilegien des Mannes beteiligt zu sein. Sie alle, uns alle, umgibt die Aura des patriarchal instrumentierten Sklaventums.

Die paar Jahrzehnte des Besinnens auf humane Werte und der Beginn der Selbstbestimmung der Frau in einer modernen Gesellschaft, die wir nach dem letzten großen patriarchösen Crash in Europa, dem I und II Weltkrieg, zu leben begannen, scheinen nun vorbei zu sein. Ein neuer erschreckender Backlash holt uns gerade ein. Denn unter der Camouflage der Friedfertigkeit gärten sie weiter, die seit Jahrtausenden gehärteten Gewaltrituale der patrizentrierten Bruderschaften.

Wir Schwestern und Mütter sind noch lange nicht gemeinsam mit unseren Töchtern, Söhnen und Brüdern im Mutterland angekommen.


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30 November 2015

Das in die Pflicht genommene Elternpaar als moderner Garant des menschlichen Arterhalts und die Grenzen dieses Kunstprojektes...

Ständig begegnet mir, auf Grund der allgegenwärtig patriarchalen Konditionierung in der modernen Denke die Annahme, dass die biologische Reproduktion des Menschen lediglich eine Sache zwischen einem Mann und einer Frau sei, da dieser natürliche Akt auf (Hetero)Sexualität beruht. Das Paar, ob flüchtig bekannt oder dauerhaft vermählt, hat aus Sicht des Mainstreams eine Art kongenitalen Fortpflanzungsauftrag inne. Hierbei steht die Zeugung, geadelt durch den beteiligten Mann, im ideologischen Focus, während das 'Austragen' und das 'Auf die Welt bringen' sowie das 'Aufziehen' des Nachwuchses sich in einer Art Grauzone der Gesellschaft abspielt und der jeweiligen, mehr oder weniger separierten, Mutter zugeordnet wird. Das Gros der Gesellschaft verhält sich dabei immer noch so, als würden Kinder, sind sie einmal da, von alleine groß oder sieht sie lediglich als das Nebenprodukt des sexuellen Vergnügens des (Eltern)Paares.
 
Seit sich das Patriarchat (Patriarchose) etablierte, wird dem Mann prinzipiell, heute allerdings eher inoffiziell, mehrere Sexualpartnerinnen zugestanden (die auch immer wieder männlicher Willkür und Gewalt unterworfen wurden/werden), während die Frau durch die tradierte patriarchale Kultur brachial in der Entfaltung ihres Geburtsrechtes, der naturgemäßen (und somit verantwortungsvollen) Female Choice, behindert wird.

Das Problem dieser Betrachtungsweise – erwachsener Mann und erwachsenen Frau, egal wie gut sie sich kennen, machen untereinander beabsichtigt oder per dummen Zufall die Reproduktion der Spezies auf individueller Basis aus – ist nicht nur eine Denkfalle, sondern vernachlässigt im Sinn unseres Daseins das bewusste Integrieren des Nachwuchses in die menschliche (Nähe)Gemeinschaft. Bei der Konzentration auf das (patrarchös) angesagte sexzentrierte Lust- und Fortpflanzungsgedöns wird regelmäßig das, was danach kommt, nämlich die uns menscheneigene und artgerechte Weise mit unseren Kindern das Leben zu teilen, unter den Teppich gekehrt. 
 
Mit dem Moment des Zusammentreffens von Eizelle und Spermium ist der biologische Part des Mannes als Mitzeugender eines neuen Lebens abgeschlossen. Weder die Schwangerschaft, noch die Geburt oder das anschließende mütterliche Fürsorgepaket, welches das Gedeihen des Nachwuchses gewährleistet, erfordert zwingend die Anwesenheit des männlichen Beteiligten oder wirkt sich als spürbarer natürlicher Effekt im Leben dieses Mann aus. Anders ausgedrückt, wenn ein Mann von seiner Vaterschaft nichts weiß, ändert sich absolut nichts für ihn (manchmal auch, wenn er es weiß). 

Keine hormonellen oder sonstigen physiologischen Hinweise signalisieren ihm die Existenz des Nachwuchses zu dem er sein Spermium beigesteuert hat. Nur kulturell entstandene und kollektiv gestützte Sozialregeln machen einen Mann zum 'Vater' eines bestimmten Kindes. Sich seiner Vaterschaft (einigermaßen) sicher zu sein, setzt u.a. eine sozial gut organisierte Kontrolle über die potentielle Mutter voraus. Doch trotz der heute so selbstverständlich vorausgesetzte romantischen Liebe und der sich auf selbige berufende Gesetzteslage, bleibt die Zuordnung eines Kindes zu einem 'Vater' bzw. 'seine Rechte' an diesem, ein patriarchaler Akt. Schließlich wird eine jede Frau im Patriarchat so konditioniert, dass sie aus Liebe oder in vorauseilendem Gehorsam keinem Vater sein Kind vorzuenthalten hat und keinem Kind den Vater. Eines der größten (und fragwürdigsten) Dogmen der Neuzeit lautet: Ein Kind braucht seinen Vater!

Hier setze ich gern an und behaupte, dass es umgekehrt ist: Der Vater braucht das Kind! Jedenfalls der Mann, der sich nach moderner Lesart als Vater dieses Kindes begreift. Schließlich ist so ein kleines Menschenwesen oft genug seine einzige Anbindung in puncto Zugehörigkeit und Identifikation mit verwandten Angehörigen. Auch Väter sind letztlich verlorene Kinder der nicht mehr existierenden Mutter-Sippe. Der moderne, kinderliebe und fürsorgende Vater agiert hier seinen berechtigten immanenten Drang zur Geborgenheit in einer (ihm) wohlwollenden Gemeinschaft aus. Das Patriarchat bietet nun mal seinen Männern neben der eher privilegierten Machtoption nur noch das Kerngeschäft der Paarungsfamilie.

'Das Menschenkind' als individueller Teil einer Angehörigengemeinschaft, wurde unter den patriarchalen Verhältnissen zu einem Objekt. Und hier avancierte besonders der Sohn zur Figur und Einsatz in diversen Machtspielen. Vom kostbar gehaltenen Erben bis hin zum ausgebeuteten elenden Sklavenkind wird jedweder Nachwuchs dem Status des als Vater geltenden Mannes zugeordnet und seiner Anerkennung oder Verleugnung unterworfen. Die Kinder des Patriarchats wurden/werden vom 'Vater' im Idealfall legitimiert oder durch diesen bzw. des ideellen Vatertums: geduldet, ignoriert, verdinglicht und sogar als Feind bekämpft. In patriarchalen Verhältnissen muss(te) das "vaterlose" und nur der Mutter zugehörige Kind mit gewissen Formen der Diskriminierung bis hin zur Entmenschlichung rechnen. Grundsätzlich galt das Kind, besonders in privilegierten Verhältnissen, als Eigentum des Vaters.

In einem 'Matrifokal' sind Kinder, wie jede erwachsene Person auch, gemeinschaftsintegrierte und dabei frei handelnde Subjekte. Der (hierarchiefreie) Sozialverband einer artgerecht lebenden Fürsorgegruppe (der matrilinearen und matrilokalen Muttersippe) bestand/besteht aus konsanguinen* Angehörigen. Die männlichen Identifikationsbilder in einem solchem Alltag und im kollektiven Miteinander waren/sind die Söhne und Brüder (Mutterbrüder). Was die Mutter (und Schwester) gebar, wuchs als selbstverständlich Teilhabende(r) unter dem Schutz aller heran. Ein (dauerhaft oder temporär liiertes) Elternpaar (bestehend aus zwei Nichtverwandten) ist keine naturgemäße Voraussetzung und väterlichen Gewalt über das Kind (und seine Mutter) ist im Matrifokal undenkbar .

Die auf Androzentriertheit beruhende kollektive Patriarchose (das Patriarchat) beutet das 'schwanger werden können' sowie die Gebärfähigkeit und die Mutterpotenz einer jeden Frau immer noch schamlos aus. Das steinzeitliche Sozialmodul 'Fürsorgegruppe' - Matrifokal - wurde durch die Versklavung oder Verheiratung der Frau in patrilinearen und patrilokalen Strukturen sukzessive aufgelöst. Die Zerstörung der Muttersippe (Matrifokal) sowie jede Form der Angehörigensippe als Lebensbasis, aus dem Alltag unserer Gesellschaft endgültig zu tilgen, dauerte immer noch an. 

Bewusste weibliche Veränderungsprozess unsere Zeit sorgen aber auch für ein Abrücken von den tradierten Mechanismen der Partriarchose. Das Besinnen auf unser naturgemäßes Dasein hat schon seit längerem begonnen. Und obwohl es immer noch vielfach akzeptiert wird, dass der natürlicherweise kollektiv gestaltete Arterhalt der Menschenspezies zu eine Art Privatvergnügen der Väter verkam (bzw. in unserer Zeit in der Hand von zwei Personen liegt, die eben noch Unbekannte waren), durchschauen mehr und mehr Frauen den Krampf der als Verpflichtung angelegten Elternschaft und besinnen sich auf ihr verantwortungsbewusstes Mutternaturell (auf der Grundlage der menschlichen Female Choice). Heute wissen wir, dass der komplexe menschliche Arterhalt (der in unserer Moderne auf den Begriff der sogenannten biologischen Reproduktion gekürzte wird) seit Anbeginn in den Händen der kollektiv und schwesterlich agierenden Weiblichkeit lag, unterstützt und begleitet durch die Brüder ihres Matrifokals.


* konsanguin - verwandt durch Geburt in mütterlicher Linie