31 Januar 2011

Trauer


Die fremde Tochter

… fünfzehn Jahre ist sie alt geworden, eine Zeit von der es heißt, dass das Leben nun erst richtig anfängt. Ein junges Mädchen, das über verschlungene Bande auch mit mir verknüpft war. Sie war die Halbschwester einer meiner Enkeltöchter und weder wirklich bekannt, noch jemals irgendwie präsent im Alltag unserer Kleinen. 

Eine, von meinem Schwiegersohn getrennte Lebensgefährtin, war ihre Mutter. Und für ihn ist sie die Tochter gewesen, die weit weg lebte und die er selten sah, über die wenig gesprochen wurde und er als Vater froh war, wenn alles gut lief. 

Nicht einmal ihr Name ist mir sofort eingefallen, als ich von ihrem Tod erfuhr und erst jetzt, wo ich diese Zeilen schreibe, steigt in mir eine überwältigende Trauer auf und ich fühle die grausame Endgültigkeit des Geschehens.

Ein Kind gehen lassen müssen, eine Tochter zu verlieren … wie groß kann Schmerz sein?

Mein Herz begleitet Dich in die andere Welt, in die Arme der Ahninnen. Schlaf gut, kleine Tochter!


29 Januar 2011

Goldwaage

...neulich rief mich eine Freundin an, von der ich lange nichts gehört habe. Irgend wann maßregelte sie mich im Gespräch mit der Bemerkung: „...man muss ja nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen“.

Ja vielleicht nicht jedes, aber einige schon, denke ich. 
Ist es denn wirklich alles pillepalle, was so daher geredet wird? 
Leg doch nicht jedes Wort auf die Goldwaage, sei nicht so pingelig, so kleinkariert.“ -  ich kenne noch härtere Ausdrücke, wenn ich es wieder einmal genau nehme und mitunter sogar von den Gesprächspartnern verlange, dass bestimmte umgangssprachliche Ausdrücke nicht immer wieder einfach (oder gedankenlos) verwendet werden. 
 
So sagte sie vorher während unseres Gespräches den nett gemeinten Satz: „Du nimmst deine Rolle als Großmutter eben sehr ernst...!“

Jede, die mich ein bisschen kennt, weiß, dass ich darauf sofort anspringe... ja fast schon allergisch auf das überall benutzte Wort „Rolle“ reagiere. Aber sie hatte eh grad andere Sorgen und reagierte dann etwas pikiert, als ich ihr so zartfühlend wie möglich mitteilte, dass ich eine Großmutter bin und keine Rolle spiele (den Doppelsinn jetzt bitte mal ausblenden). Worauf der Satz mit der Goldwaage fiel. Mir blieb also gar nichts anderes übrig, ihr daraufhin klar zu machen, dass eben genau das mein grundsätzliches Anliegen ist: bestimmte angewandte Begriffe in ihrer Etablierung zu hinterfragen und auf die Fallen aufmerksam zu machen, die in diesen scheinbaren Belanglosigkeiten stecken. 

(Manchmal fühle ich mich schon wie ein Nerd und gibt es davon eine weibliche Form?)

Das Wort Rolle wird gerade in Verbindung mit familiären Bezeichnungen gern angewandt: Da füllt einer seine Rolle als Vater aus oder eine bekommt ihrer Mutterrolle nicht auf die Reihe..., wie auch immer, in der Realität sind es nun mal keine Rollen in einem Bühnenstück. 

Da das Schauspielerhandwerk, pardon die Schauspielkunst, sich in unserer Zeit großer Beachtung und Wertschätzung erfreut, liegt es nahe, dass Redewendungen aus diesem Bereich in die Umgangssprache einfließen. Genau wie unsere Gehirntätigkeit der Anschaulichkeit halber, mit Computerabläufen verglichen wird (obwohl es eigentlich umgekehrt ist). 

Wie dem auch sei, in Wirklichkeit sind wir Mutter oder Vater ein Leben lang und ich bin inzwischen eine Großmutter, das ist keine Episodenrolle in einer Serie.

Wenn jedoch gewisse EU Bestrebungen so weitergehen, dann gibt es ohnehin irgendwann im offiziellen Sprachgebrauch kaum noch eine Großmutter und ich bin auf gewissen Formularen einfach nur ein Groß(Ä)Elter...



26 Januar 2011

Mitternachtspost im Januar


Neulich las ich in einem Kommentar, dass ein Künstler an sich zweifeln muss und die besten Werke von Zweiflern stammen...

Ob das wirklich so ist, möchte ich hier und jetzt doch einmal bezweifeln...

ich weiß, ich weiß, Zweifler(innen) haben so was bescheidene, sympathisches... Zweifeln, auf der Suche sein ist auch ein bisschen chic! Wir kennen ja auch alle den Spruch: Der Weg ist das Ziel! Immer ist noch etwas zu verbessern, immer sind wir noch nicht gut genug, müssen wieder und wieder hart an uns arbeiten. Gut, manches Mal mag es auch nötig sein, denn manch erzieherischer Drill und unnütze Verbildung haben uns verbogen und eingeengt und uns selbst entfremdet.

Aber muss es denn wirklich auf einen dauernder Kraftakt hinauslaufen, zerquält von Selbstzweifeln und auf der Suche nach dem Heil, das uns andere vorenthalten haben?

Wir können stattdessen den Tag
in dem Bewusstsein
verbringen, dass wir die Welt heilen, mit unserem Handeln, unserer Kunst, mit unserem Dasein!

Zweifel bedeutet doch, ich bin nicht gut genug für diese Welt! Und mache ich alles richtig? Werde ich von den Anderen akzeptiert? Aber gut und möglichst noch besser, muss ich doch nur sein, wenn ich gegen irgendwelche Konkurrenten antrete, wenn ich meine Arbeit möglichst gewinnbringend verkaufen muss, wenn mein Umfeld mich zwingt, mich ständig zu beweisen.

Eigentlich ist das doch so ein Männerding... währenddessen
scheint es ein Teil des weiblichen Existenzberechtigungsgefühl zu sein, sich immer ein wenig unwert fühlen zu müssen ... 
ich will das schon lange nicht mehr...

Nichts ist weniger willkommen, als eine Frau, die selbstbewusst auftritt und die sagt: Ich weiß genau, was ich will und was ich tue!

Wir sollten wirklich aufhören an uns selbst zu zweifeln, sondern unserer Intention freien Lauf lassen und damit glücklich sein. Da kann ich abschließend nur sagen: ...nicht Eine von uns hat wirklich einen Grund an sich zu zweifeln! 


Ich wünsche allen eine zweifelsfreie Zeit... und ganz besonders Dir!


Mitternachtsgedanken aus gegebenen Anlass...

Beim Essen nicht Lesen


Eine beliebte Mahnung an das Kind. Es ist nicht gut für... warum auch immer... doch als ich Kind war kümmerte es mich
meist nicht und wenn ich sonst keine Unterhaltung hatte, dann habe ich halt gelesen! Das ist war und ist für mich normal, Essen und Informationsaufnahme gehören einfach zusammen.

Beim Essen nicht Reden! Noch schlimmer! Besonders, wenn das Kind sein notwendiges Mitteilungsbedürfnis in der Unterhaltung mit Erwachsenen nicht genug ausleben kann (darf).  Mit meinen Kindern
hielt ich es anders.

Als sich Menschen noch am Abend um ein gemeinsames Feuer versammelte und es weder Bücher noch Zeitungen, geschweige denn Fernseher gab, haben sich Menschen unterhalten. Doch es war sicher nicht nur ein Schwätzchen nach getaner Arbeit. Die was zu sagen hatten, die Alten, sprachen über ihre Erinnerungen, Erfahrungen, auch über manch ein Geheimnis, dass schon seit Generationen im internen Kreis weitergereicht wurde. Die Jungen hörten zu oder fragten und behielten die oft wiederholten Mären und Sagen im Gedächtnis. Eines Tages war es dann für sie an der Zeit, den Schatz an die Jüngeren weiterzugeben. Alles, was ihnen wiederum die Ahnen einst kündeten und die Erkenntnisse, die sie selbst in ihrem Leben sammelten... können wir uns ein solches Leben noch vorstellen?

Heute muss ein Kind die Kulturtechnik des Lesens erlernen um an das sprunghaft angewachsene Gesamtwissen der Menschen heran zu kommen. Und es soll in der Schule (still) sitzen und zuhören, auch möglichst ohne etwas anderes zu tun. Auch das habe ich in meinen Kindertagen nicht ausgehalten, obwohl ich ein wahrhaft braves Kind war. Zum Glück hatten die Hefte Löschblätter, die ich vollmalte und neben mir saß die beste Freundin mit der ich schwatzen konnte...

Der Mensch lebte schon immer auch von den Interaktionen mit den anderen, Input gab es stets und ständig … sehen, hören, fühlen, riechen, schmecken … und ganz besonders während der Mahlzeiten.

23 Januar 2011

Tagesgeschäft


… ich bin nach zwei, drei unangenehmen Erfahrungen und Begegnungen ein wenig in Klausur gegangen, wollte etwas Abstand bekommen, kleine Seelenverletzungen ausheilen, ein bisschen die Duldsamkeit wieder zu Kräften kommen lassen.


Wenn ich Klausur oder Rückzug schreibe, dann ist davon natürlich nicht das Tagesgeschäft berührt. Dann fahre ich trotzdem meine Schwester zum Friedhof und zum Einkaufen, treffe dabei meinen Bruder, der sich gerade von seiner HerzOP vor etlichen Wochen zu erholen beginnt und berichtet, dass seine Frau, die nach einem Sturz ins dem Krankenhaus kam, nun am Montag nach Hause darf. Oder ich vertrete eine der Mamas bei den Enkelkindern, wenn die häusliche Lage schwierig wird. Wobei darunter heutzutage auch Arbeitszeiten oder krank sein fallen. Als normal
gilt nämlich allerorten der tägliche reibungsloser Ablauf, auch wenn dieser Normalfall richtig kompliziert ist. In Familien mit mehreren Kindern finden im Alltag meist ausgeklügelte Logistikleistungen auf höchstem Niveau statt. Die Lage entspannt sich für die Eltern vielleicht, wenn die Kinder größer werden, das begleitende Mutterherz ist trotzdem immer dabei.

Zu meinem Tagesgeschäft gehört auch, dass ich mir über die banalsten Dinge Gedanken mache und das persönliche, alltägliche Geschehen um mich herum in die gesellschaftlichen Zusammenhänge hochrechne. Dort bekommt nämlich plötzlich alles eine andere Wertigkeit und ist gar nicht mehr so privat. Ich will jetzt hier nicht auf alte Slogans zurückkommen, dass das Private politisch sei, denn das ist es ohnehin schon immer gewesen. Aber der Wandel der Zeit ändert auch vieles in der täglichen Routine und es ist wichtig auch die Sicht auf den praktizierten Alltag anzupassen. Wie der Normaltag der durchschnittlichen Klein- und Kleinstfamilien als Alltagskampf in all seiner Schärfe abläuft, ist sogar hochgradig politisch. Aber wie gesagt, es gilt als normal und wer nicht mithalten kann stört nur das Getriebe. Und bei diesen meinen dramatischen Worten habe ich jetzt hier, noch nicht mal das große Ganze
im Sinn, sondern nur ein etwas langsameres, verträumtes Kind im Blick, das sich einfach, in dem, Bildung verwaltenden, dauerhektischen und lauten Schulalltag, völlig fehl am Platze fühlt...

Meine Gedanken(- und Schreib)arbeit, die mir wirklich wichtig ist, lässt meine kleine Wohnung manchmal beinahe zum Elfenbeinturm werden. Aber ab und zu sind da diese besonderen Momente, die so nachdrücklich erden, wie einundeinehalbe Stunde süßes, weises Geplapper, entzückende Nachsicht mit Omas Begriffsstutzigkeit und seliges Lächeln bei den kleinen Ritualen, die wir beide so zusammen haben – die dreijährige Isolde war zu Besuch... 



Konspiratives Treffen im Korbsessel...!

17 Januar 2011

Glück


...menschlich sein macht glücklich, behaupte ich jetzt einfach mal. Oder...

Ein glücklicher Mensch stürzt andere nicht ins Unglück...

hört sich nach Kalenderspruch an, ich weiß und stimmt das auch?
Jedoch so oder anders herum, ich bringe glücklich und menschlich sein, in einen ursächlichen Zusammenhang. Glück ist nicht nur ein philosophischer oder esoterischer Begriff, es ist manifest, ein Grundmuster unseres menschlichen Seins, unser Wohlfühlfaktor. Dort, wo wir der Menschlichkeit, der Zugewandtheit und Beachtung begegnen, können wir befreit und zufrieden durchatmen, uns sicher und geborgen fühlen, glücklich sein.

Ich will jetzt nicht auf die vielen flüchtigen Augenblicke der Glückseligkeit eingehen, die uns streifen, berühren, aufsteigen wie bunte Luftballons, die uns die Tage verschönern und die Nächte versüßen. Sondern auf das Glücklichsein als eine Grundhaltung in meinem Leben. Glücklich für sich selbst und andere und damit ist nicht das saloppe Leben und Leben lassen oder das inakzeptable Jeder ist sich selbst der Nächste, gemeint.

Ist dieses grundlegende Glücklichsein jedoch im Angesicht des Wahnsinns, der allerorten tobt, überhaupt möglich? Im Wissen um die Zerrissenheit der Welt und all der Unmenschlichkeit die tausendfach jede Minute stattfindet, einfach nur glücklich sein, geht das? Wie geht das?

Immer wieder treten Situationen in unser, ansonsten hier so friedliches, Leben, die uns unsere Friedfertigkeit auch mal vergessen lassen oder wir verlieren gleich die Contenance.
Und wie reagiert mensch bei einer Naturkatastrophe oder als Zivilist in einem Kriegsgebiet, wenn uns nur noch Unmenschlichkeit umgibt? Können wir dann menschlich bleiben? Wann bricht sich die Urgewalt des Überlebenwollens Bahn und schadet dabei anderen? Oder verhält sich eine Mutter inhuman, wenn sie ihre Kinder mit allen Mitteln verteidigt? Vorausgesetzt die Mutter ist überhaupt in der Lage, sich zur Wehr zu setzten... und wenn ja, was bewirkt ihr heiliger Zorn?
Inhumanes Verhalten von dem wir hören, macht uns wütend, regt zum Handeln an oder sind wir direkt betroffen, lähmt es auch, lässt uns verzweifeln. Das Grauen, dem wir direkt gegenüber stehen, paralysiert und vernichtet die Basis von Glück.

Unmenschlichkeit zerstört Leben und menschliches Glück, das, denke ich, kann so stehen bleiben.

Was ist nun dieses Glück, diese menschliche Grundzufriedenheit und was hat sie dem Unglück, das nicht als fatales Ereignis, sondern als Ergebnis (un)menschlichen Handelns daherkommt, entgegenzusetzen?

Ich denke, ein verantwortungsdurchdrungenes, zutiefst humanes Verständnis für das eigene Sein und für mein jeweiliges Gegenüber, ein aus der Mitte heraus, bewusstes Geben und (An)Nehmen, sowie in Sicht- und Hörweite Menschenliebe fließen lassen, das ist schon mehr als nur die halbe Miete und eine richtig gute Voraussetzung für Glück, das nie so ganz allein gedeihen kann...

ich stelle mir immer wieder vor, dass auf diese Weise alle Menschen glücklich werden können und Inhumanität irgendwann... plop... verschwindet. Ach ja!


Liebe Karin, Danke für die Anregung auf deinem Blog writresscorner zu dem Thema, das mich bewog auch meine Gedanken frei zu lassen....

14 Januar 2011

eine evolutionsphilosophische Betrachtung...

"In der Eiszeit zogen noch bunt gemischte Menschenhorden umher..." dieser Satz steht gegen Ende in einem Artikel in der Wochenzeitschrift Die Zeit und hat mich sehr gestört...
In dem Text kommen auch noch andere, ich bin mal höflich, Merkwürdigkeiten vor und sicher werde ich mich zu einigen Punkten auch noch äußern...
 
Ich frage mich, wie man diese Vorstellung genau verstehen soll? 
Auch die frühen Menschen waren eher sesshaft, als mobil. Von unserer heutigen Vorstellung von Mobilität ganz zu schweigen. Die Menschen lebten landschaftsbezogen. Die vertrauten Horizontlinien umschlossen sie, wie uns heute die Wände unserer Wohnung. Das war nicht die gruselige und bedrohliche Natur, vor der man immer wieder flüchten musste, das war ihr Zuhause. Von den Anfängen in Afrika bis zur Eiszeit und bis zu deren Ende, haben sie Jahrtausende gebraucht, um nach Europa, bzw. in die ganze Welt zu kommen.
Es wurde sich wohl höchstens generationsweise wirklich wegbewegt, solange der Mensch ausschließlich zu Fuß ging. Die Vorstellung von der Umtriebigkeit der frühen Menschen scheint mir manchmal zu einfach gestrickt. 
„Die Savanne trocknet langsam aus“, meinte eines Morgens der Clanchef, „lasst uns mal nach China gehen, dort soll es auch sehr schön sein...“ oder wie? Die haben auch nicht jede Woche ihren Fellkoffer gepackt und sind weitergezogen, immer den Mammuts hinterher... 
Überlebensstrategien waren vielfältig, klimaabhängig und durch naturgemäße Veränderungen initiiert. Und zu ihnen gehörten auch lange Phasen des Dableibens an einem Ort, in einer Gegend. Es waren die Zeitspannen in denen die Menschen sich wichtige Komponenten des Menschseins aneigneten. Gefühle lernten, wie Genuss erleben, Erfüllung fühlen, Glück spüren, gleichbleibende Zufriedenheit auskosten. Alles was wir in Ruhe lernen und verinnerlichen können. Menschen wurden nicht irgendwann sesshaft, sondern sie bewegten sich ohnehin nicht ohne Not aus ihren Sammel- und Jagdgebiete fort. 
Ich denke ja, die Ackerbau- und Viehzuchtära brach nicht einfach über die Menschen herein und ermöglichte ihnen dann erst sesshaft zu sein. Wenn die (Menschen)Spezies anzahlmäßig zulegt, weil in friedlichen Zeiten die Gruppen anwachsen und man gern in der vertrauten Umgebung bleiben möchte, musste frau sich auch was einfallen lassen, um alle satt zu bekommen.
Manchmal wird so getan als wären Menschenhorde wie die Wanderheuschrecken durch die Welt gezogen, ohne Sinn und Bezug zu ihren Wurzeln und der Landschaft, die sie formte. Selbst nomadenhaft lebende Völker bewegen sich über Jahrhunderte in einem sehr begrenzten Gebiet. Der Mensch war eigentlich schon immer sesshaft, wir allerdings haben heutzutage eine Art an Mobilität entwickelt, die ich nur als zivilisationsgeschädigt bezeichne und fast schon schmerzhaft empfinde...

10 Januar 2011

Inkarnation

... gestern lief im Fernsehen der Film „Troja“. Die Erzählung über den bekannten Kampf um die legendäre Stadt, fest gemacht an der Figur der Kampfmaschine Achilles, der Brad Pitt in seiner Darstellung auch ein paar menschliche Züge verlieh. 

Jedenfalls wurde wieder gekämpft, abgeschlachtet und vernichtet ohne Ende und zum Schluss wurde von der Stimme aus dem Off darauf hingewiesen, dass die Nähe zu den Helden auch einem völlig bedeutungslosen Menschen etwas Ansehen verleihen kann. 

nun ist mir ja schon lange klar, ich bin eine von denen, die in ihren Reinkarnationen nichts Spektakuläres erlebt haben. Eines der Erdenkinder, die beim Erzählen in der Weltliteratur immer als erstes umgekommen sind und die für die Geschichte dann keine Rolle mehr spielten. Das Bauernopfer der Mächtigen, völlig unheldisch und von den Geschichtsschreibern übersehen. Und ich gehörte wohl auch zu dem friedlich vor sich lebender Teil des Background, ohne den ein Herrscher nichts zu beherrschen gehabt hätte und den ein Romancier als Kulisse für die Hauptfiguren in seinem Werk braucht. 
 
Ich war weder eine ägyptische Prinzessin oder bekannte trojanische Priesterin oder sonst eine Adlige, noch ein siegreicher Feldherr, wahrscheinlich auch kein bedeutender Politiker der Antike, wurde nicht als Aufrührer hingerichtet, bin nicht auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden und habe keine sensationellen Entdeckungen gemacht. Nichts von alldem. Sollte ich auf einem von Columbus Schiffen gewesen sein, bin ich wohl bei einem Sturm über Bord gefallen und habe Amerika nie erreicht.

Ich war eher das Kind, das umkam, weil die Mutter an der Pest starb oder der junge Bursche, der in einer Schlacht verheizt wurde. Vielleicht auch der Gärtner oder die Haussklavin im Hausstand eines römischen Tribuns. Wenn ich mich recht erinnere, waren meine Leben als Mann eher kurz und beschwerlich und als Frau meist lang und erfüllt. Vielleicht ist das ja das Besondere.

Bestimmt verliefen meine Leben in aller Ruhe, als ganz normale Sammlerin in der Sippe oder als Frau und Mutter im Langhaus, mit Kindern um mich, den meinen und denen der Schwestern. Oder ich zog als Händler über die Berge, um anderen Clans Tauschwaren und Nachrichten zu bringen. 
 
Ich habe am Feuer Geschichten erzählt und Lieder gesungen, gesponnen, gewebt und im Bach gefischt, aus Blumen Kränze geflochten und mich vor vorbeiziehenden Horden im Wald versteckt.

Ein Promi der Geschichte war ich jedenfalls nicht. Nur eine, die das Leben immer wieder am Laufen hielt, für Nahrung und den Nachwuchs sorgte und das alltägliche Wissen bewahrte und weiterreichte. Ein ganz durchschnittlicher Mensch eben...

08 Januar 2011

Nanu Nabu


Also heute waren wieder auf meinem Balkon die Kohl- und Blaumeisen: Emmi, Addi, Karline, Fränzchen, Holger, Lindi, Adrius, Wally und Wallera, außerdem Konstantinus, der Eichelhäher, Murmel, die Taube und Hanni, Banni und Nanni, die Amseln. Leider soll ich das wilde Treiben nicht wirklich publik machen, da ich aus Datenschutzgründen die Namen nicht nennen darf, deshalb belass ich es bei diesem internen Blogbericht. Pleti und seine drei bis sieben Spatzenkumpels kann ich sowieso nicht auseinander halten... jetzt warte ich drauf, wenn ich das nächste Mal beim Italiener sitze, dass die dicke Katze von nebenan rein kommt und die Gäste zählt...





Verständnis


...schon als Kind gingen mir Fabeln auf den Geist! 
Genau, das sind diese Geschichten in denen Tiere menschliche Denkungsart zum Besten geben, in Illustrationen auch noch mit Kleidung und Gestus den Menschen ähneln und deren engstirnigen, moralischen Vorstellungen unterliegen.

Und das Thema wird immer wieder gern aufgegriffen, um patriarchales Lebensgefühl auf so ziemlich jede Tierart übertragen, die es gibt. Ob Ameisen, Fische oder Bienen, alle werden gern immer wieder dem zur Zeit praktizierten Kleinfamiliendogma unterworfen. 
 
Tja, es tut mir leid, aber ich kann Findet Nemo einfach nicht lustig finden. Diese völlig absurde Ausgangssituation: ein FischVater sucht seinen verlorenen, kleinen FischSohn und dann die Glückseligkeit, wenn sie sich wieder in den Flossen liegen! Geht es noch blöder?

Neulich wurde im Fernsehen eine abstruse Bienenstory gesendet (bei Zeichentrick kann ich nicht anders, ich muss da wenigstens mal reinschauen), die mich schon nach wenigen Minuten anschwellen ließ, wie nach einem Bienenstich. Die Biene, um die es ging, war natürlich ein junger BienenMann (Hallo!), der mit seinen kleinbürgerlichen BienenEltern in einer (mit für Menschen typischen Einrichtung) netten Einfamilienwabe lebte. Mit Honig-Swimmingpool! Der BienenHeld war irgendeinem Komplott auf der Spur und er wollte auf gar keinen Fall sein Leben lang einem öden Job im Bienenstock nachgehen... Maja, wo bist du?

Natürlich gibt es auch andere (Kinder und Tier)Geschichten. Erzählungen, in denen die Lebensart von Tieren authentisch dargestellt wird und die Verständigung mit den Menschen ist, wie sie ist … denn verbringen wir Zeit mit anderen Wesen, können wir sie früher oder später auch verstehen. Ich bitte jedenfalls Kätzchen Irma und Kater Max und die Hamster und Meerschweinchen um Geduld mit mir...