30 Oktober 2015

Das bislang nicht definierte 'Matrifokal'


Neulich sprach ich mit einer lieben Freundin, die leicht genervt meinte, sie hätte jetzt beschlossen wieder den Begriff Matriarchat zu benutzen und zwar ohne schlechtes Gewissen. Nun wir sollten grundsätzlich derlei Begriffe immer ohne schlechtes Gewissen anwenden. Definitionsarbeit ist ohnehin nicht ohne, was also brauchen wir da auch noch ein schlechtes Gewissen. Wozu dient eine Selbst- oder Fremdzensur? Noch sind all die Begriffe um patriarchale und matriarchale Gesellschaftssicht so gut wie kein allgemeiner Sprachgebrauch. Wenn ich mir zum Beispiel das Wort 'Feminismus' so ansehe, dass immer noch unpassend und manchmal sogar absichtlich falsch benutzt wird, werden wir es noch eine Weile aushalten müssen, Worte wie Matrifokalität, Matriarchy oder eben auch Matriarchat immer und immer wieder zu erklären.

Trotzdem ist es nicht ganz so simpel. 'Matrifokalität' als Ausweichwort für 'Matriarchat' zu benutzen ist hierbei auf gar keinen Fall die Lösung. Denn diese beiden Worte sind in ihrer Bedeutung, also als Begriff, nicht deckungsgleich. Sie bewegen sich sozusagen auf völlig verschiedenen Ebenen. Ist die 'Matrifokalität' sowas wie eine reale Zustandsbeschreibung, haben wir bei 'Matriarchat' eher einen ideologisch geprägten Wunschbegriff. Zu diesem Zweck habe ich mal zusammengetragen, wie ich den Unterschied zwischen matrifokal und matriarchal, zwischen dem sogenannten Matriarchat und der, im allgemeinen und vor allem weiblichen Sprachgebrauch noch längst nicht angekommenen, 'Matrifokalität' sehe.

matriarchal versus matrifokal

...seit von einigen forschenden Denkerinnen gegen den Begriff 'Matriarchat' Sturm gelaufen wird, lassen manche den Ausdruck lieber ganz weg und setzen als Gesellschaftsbezeichnung beinahe unkritisch das Wort 'Matrifokalität' ein. Und für andere ist es eh ein und dasselbe. Aber die beiden Begrifflichkeiten sind nicht kongruent. Ich bin der Ansicht, dass der Unterschied zwischen den Begriffen Matrifokalität und Matriarchat größer ist, als frau im ersten Moment denkt. Und ohne weiter auf die Definitionsdifferenzen um das Wort „Matriarchat“ einzugehen, untersuchte auch ich die beiden Wortgebilde, die sich eben auch ähnlich sehen.

Wenn der Begriff 'Matriarchat' oder 'matriarchal' mit dem 'mütterlichen Ursprung' oder „Am Anfang die Mutter“ übersetzt wird, scheint das den meisten in vieler Hinsicht schlüssig. Jedoch ist diese Überlegung eher eine philosophische eben theoretische Definition, die als abstrakte Gesellschaftsbeschreibung daherkommt. 'Am Anfang die Mutter' ist zwar auch, wie wir heute darauf bestehen könnten, eine biologische und daher logische Definition. Hier würde ich aber immer mit einem gewissen Vorbehalt ausgehen. Diese Definition sagt nämlich im Detail nichts darüber aus, wie sich der innere soziale Kontext der frühen Menschengruppen am Beginn des Menschseins gestaltete und auswirkte.
Der Begriff 'matriarchal' bzw. 'das Matriarchat' betrachtet die frühe Menschengemeinschaft bereits als größere, kulturell interagierende Population und sieht darin somit bereits ein gesellschaftliches Phänomen mit einer Art kulturpolitischen Ausrichtung. Das 'Matriarchat' können wir eigentlich nur als gesellschaftstheoretische Definition bzw. Bezeichnung verstehen. Sie beschreibt nicht per se die Parameter des inneren sozialen und sich kulturell entwickelnden Zusammenlebens, sondern stellt sich bereits als sich anonymisierende Großgesellschaft dar.

Anders der Begriff 'matrifokal'. Er setzt sich auch aus 'matri' - das Mütterliche und 'focus' – das Zentrum, die Bündelung, aber auch 'der Herd', zusammen und basiert auf den beiden Voraussetzungen 'matrilinear' und 'matrilokal'. Die Matrifokalität ist das naturgemäße menschenartgerechte Kontinuum – entstanden durch das selektive Überlebensprozedere bis hin zu den frühesten Gruppen- und Sippengemeinschaften der Spezies Mensch. Hier von einer bestehenden oder organisierten Gesellschaft zu sprechen, finde ich unzutreffend. Diese evolutionär entstandenen innersozialen Strukturen sind ein Naturkonzept und funktionieren auf Grund seiner mütterzentrierten, generationsübergreifenden und geschwisterbasierten Attribute.


matrifokal versus patriarchal 

Logischer Weise deute ich auch das Wort 'matriarchal' als gesellschaftstheoretische Begrifflichkeit wenn auch nicht als Pendant zu 'patriarchal'. Im heutigen gesellschaftlichen Deutungskontext findet hier eine unzulässige Umkehrung statt - eine Art Herrschaftstausch. Herrschaftsstrukturen sind im Matrifokalen Urkonzept jedoch nicht vorhanden und die Geschlechter nehmen am Fürsorgegeschehen mit ihren (persönlichen) Affekten und biologisch determinierten Intentionen teil.

Da 'die Mutter' bzw. 'die Mütter' das naturgemäße Zentrum der konsanguinen* Fürsorgegemeinschaften sind und somit vom matrifokalen Anbeginn an die offensichtliche Drehscheibe des menschengemeinschaftlichen Evolutionsgeschehen waren, sollten wir die auf weiblichem Agieren aufgebaute Selbst- und Arterhaltsfähigkeit - die mütterliche Gemeinschaftskompetenz - auch als die soziokulturelle Grundlage der frühen Menschengruppen ansehen. Wenn schon der Begriff 'matriarchal' benutzt wird, dann eben auch nur im Sinne von „auf die Mutter bezogen“ ohne Zuschreibungen wie "Herrschaft" mitzudenken.

Und wir sollten beachten, dass 'patriarchal', im Sinne von „auf den Vater bezogen“, einen ganz anderen Bedeutungsinhalt hat. Der 'Vater' ist eine kulturelle Kreation und als sozialer Taktgeber keine naturgemäße (biologische) Entwicklung innerhalb der Matrifokalität. Da männliches Dominanzverhalten immer mit einem (nicht nur die eigene Art) schädigenden Gewaltverhalten einher ging bzw. geht, wurde die menschen-artgerecht bestehende brüderliche Sozialkompetenz zu Gunsten der machtbezogenen Vaterinstallation ausgetauscht - erst kollektiv und dann grundsätzlich individuell. 

Der (Mutter)Bruder, der von Anbeginn als Fürsorgepartner seiner Schwestern innerhalb eines 'Matrifokal' agierte, bekam so sukzessive eine ideologisch umgerüstete Bedeutung. Im Sinne von Bruderschaft zu anderen nicht angehörigen Männern, wandelte sich verwandtschaftliche Ebenbürtigkeit in androzentrierte Rangfolgen. Und während sich die nun im (Mutter)Sippengefüge platzierten Väter miteinander verbrüderten, wurde die (nicht menschenartgerechte) Trennung von Müttern, Töchtern und Schwestern durchgesetzt und zwar gewaltsam. Der durch Machterwerb privilegierte Mann stieg parallel zu dem jeweils bestehenden Herrscherideal zum Vateridol auf. Die allegorische Vaterfigur etablierte sich als omnipotent erscheinendes Subjekt, das bis heute die patriarchale Gesellschaft fest im Griff hat.

Mal abgesehen davon, dass es bis in unsere Zeit hinein nicht wirklich feststellbar war, ob ein Mann der "leibliche Vater" eines Kindes war, ist der Vaterbegriff in zwei Bedeutungen aufgespalten. Einmal als biologischer Mit-Zeugender eines neuen Lebens (er stellt ein Spermium zu Verfügung, das seine "Gene" an die Eizelle abgibt) und zum anderen als (gewaltsam eingeführter) Beherrscher einer sozialen Klein- oder Großstruktur. Seine gesellschaftlich performte und etablierte Rolle als temporärer Fürsorger einer Kleinfamilie (ein Status der heute zelebriert wird) bzw. als unmittelbarer Verantwortungsträger für den eigenen Nachwuchs, ist ein recht junge Entwicklung. 'Der Vater', genauer die patriarchöse Vateridee, welche durch patriarchalpolitische Ideologie und Religion stabilisiert wird, ist eine rein männlich inszenierte Schöpfung. 

Das relativ schnelle Umsichgreifen hierarchischer Herrschaftsstrukturen könnten wir auch als erforderliche Konsequenz ansehen, das Vakuum zu füllen, dass die Zerstörung der naturgemäßen Muttergemeinschaft nach sich zog. Die verkaufte und versklavte Frau hinterließ zwangsweise ein verwaistes 'Matrifokal' und die weitergereichte Tochter (verheiratet oder als politische Geisel aus ihrer Muttersippe oder später Vaterfamilie heraus genommen) stand als zukünftige Trägerin der mütterlichen Fürsorgegemeinschaft nicht mehr zur Verfügung. Innerhalb kürzester Übergangszeiten übernahmen (einstmalige Mutter-)Brüder die Rolle (und hier handelt es sich tatsächlich nur um eine Rolle) des reputierlichen Vaters, des geachteten Häuptlings (bis hin zur Königswürde) oder des gefürchteten Anführers der Krieger (als Vorstufe der Imperatoren). Der durch legislative und exekutive Macht aufgestiegene privilegierte Mann veränderte dramatisch und nachhaltig die einstigen matrifokalen Sozialgemeinschaften. Die neuen patrigeprägten Kollektivformen bauten mehr und mehr auf Normen auf, die sich als naturfeindlich und inhuman erwiesen.

Das Matrifokal ist ein von mir kreierter Begriff, der die menschenartgerechte, naturgemäße Fürsorgegemeinschaft bezeichnet!

Die 'matrifokale Gemeinschaftsform' ist die naturgemäß artgerechte Seinsform der Spezies Menschen. Auf der Basis der Female Choice** gründete sich hier der biotische, also evolutionär durchgesetzte, optimale Lebenserhalt der menschlichen Spezies. Die dem Menschen artgerechte 'Matrifokalität' bleibt daher nach wie vor, einem Organismus ähnlich, unsere evolvierte Lebensbasis - selbst unter den Bedingungen der nicht naturgemäßen Patriarchose.

Das Leben im 'Matrifokal' war und ist unser ur-natürliches Dasein - das organisch entstandene Kontinuum des Menschseins. Das Matrifokal verstehe ich als das dynamische Habitat, das als existenzsichernde Schutzsphäre für die Mütter und ihren Nachwuchs fungierte. In der Regel bestehend aus den konsanguinen Angehörigen (beiderlei Geschlechts) innerhalb der frühen generationsübergreifend lebenden Menschengruppierungen. Das bedeutet, die Menschen interagierten in ihrem Alltag in überschaubaren, geschwisterbasierten Fürsorge-Gruppen. Ein Jedes wurde in die bestehende Gemeinschaft ihrer Angehörigen hineingeboren und verblieb in diesem Kontinuum in der Regel bis zum Tod. 

Die hundert bis zweihundert, als 'heute noch bestehenden Matriarchate' bezeichneten indigenen Kleingesellschaften auf unserer Welt sind Gemeinschaftsorganismen- bzw. -organisationen auf Angehörigenbasis, welche überwiegend die menschengerechte 'Matrifokalität' im überlieferten Sinn praktizieren.

'Das Matrifokal' oder auch 'das menschliche Kontinuum' ist nicht als vergängliche Episode in einer Abfolge von Gesellschaften zu verstehen. Als naturgemäße Grundlage des Menschseins ist es auch im Patriarchat stets gegenwärtig, wenn auch durch das Diktum der religiös/ideologischen Herrschaftsstrategien aus dem Bewusstsein des kullturell tradiertem Mainstreams getilgt. Es gibt wesentliche Unterschiede zwischen der menschlichen Gemeinschaft und einer (anonyme agierenden) Gesellschaft. Die (Sippen)Gemeinschaft beim Menschen (bei anderen Säugetieren von uns Menschen bezeichnet als: Herden, Rudel, Horden, Muttergruppen) im naturgemäßen Sinne, besteht aus einer Ansammlung überwiegend konsanguiner* Angehöriger, die ihr Zusammenleben miteinander gestalten. 

Im Matrifokal verbringen in einer überschaubaren Gruppierung 'auf einander bezogene' doch in ihrer Persönlichkeit frei agierende Individuen ihren Alltag miteinander. Es ist das gelebte Kernmuster der Angehörigengruppe - die matrilinearen Sippe, die eine artgerechte (natürliche) Ordnung nach einem mütterlichen Prinzip lebt. Hier finden wir einen interagierenden Personenkreis, der in individueller Entscheidungsfreiheit*** sich in der förderlichen Nähebindung der überwiegend konsanguinen Angehörigen bewegt.

Dagegen ist eine 'Gesellschaft' ein größerer und bereits organisiert zu verstehender Zusammenschluss an menschlichen Gemeinschaftsgebilden und Individuen, die einer Art (bereits tradierten) Leitideologie unterworfen wurden und die auf das Individuum bezogen weitgehend anonym interagieren. Die Anonymität, das Hauptmerkmal einer Großgesellschaft, fördert spürbar die zunehmende Separierung des Individuums. Statt einen gewachsenden sozialen Zusammenhalts in einem integrierten Kontext zu leben, separieren sich die Mitglieder der patriarchalen Gesellschaft zunehmend und zwar unter dem eindruck einer relativen Sicherheit in der anonymen Großgemeinschaft. Diese Sicherheit wird jedoch durch eine größtmögliche Anpassung an die verschiedenen politischen Systeme bzw. an die Leitideologien der (patriarchösen) Gesellschaftsform erkauft.

Unsere persönlichen Mittelpunkte im heutigen Alltag sind zwar nach wie vor einer natürlichen Angehörigenbindung angeschlossen bzw. in den kulturell geschaffene Kleinorganisationen (wie die aktuelle Familie, Arbeitsstellen oder andere Organisationen) verankert, denen wir mit oder ohne Bereitschaftserklärung temporär einverleibt werden oder uns freiwillig zugehörig fühlen. Gesellschaften werden in ihren inneren Abläufen von Vertretern der jeweiligen Machtkonzepte gesteuert (und nur in der heutigen Demokratie besteht für jedes einzelne Mitglied die Illusion des Mitbestimmungsrechtes). Das soziokulturelle Ideologiekonzept der heutigen patriarchalen Gesellschaft variiert nach Kulturkreis, ist aber immer noch durchweg androzentriert.

Das soziale, also das zwischenmenschliche, Miteinander in der matrifokalen Grundgemeinschaften, dem 'Matrifokal', bezog sich urtümlich auf den unmittelbar erlebten, alltäglichen Nähekontakt. Dieser war für die Menschenbildung essentiell und ist in unseren menschlichen Erbanlagen als unwillkürlicher Drang zur Zugehörigkeit und in Form von Bindungsemotionen zu unseren Angehörigen vorhanden.Bei nicht Vorhandensein einer natürlichen Bindungsgruppe übertragen wir das Zugehörigkeitsverlangen im Zuge der Überlebensanpassung auf andere, uns sozial nahestehende und möglichst wohlwollenden,vertraute Mitmenschen. Hierin liegt m.E. auch die ungebrochene Willigkeit begründet, sich in Peergroups und Paarbeziehungen zu arrangieren und sich diese, manchmal auch über jede Vernunft hinaus, erhalten zu wollen. Auch das von mir so gern angeführte Stockholmsyndrom hat hier seine Wurzeln. Das Verlangen (auch unter widrigen Umständen) zu überleben bringt ein Individuum dazu dauerstressige, extreme oder schädliche Situationen in stark fremdbestimmten Abhängigkeitsverhältnissen auszuhalten. Das Zugehörigkeitsverlangen und die lebenswichtige soziale Interaktion kann so durch Repression oder Gewaltexesse beherrscht werden. Patriarchale Strukturen bauen auf dieser Form der Unterdrückung auf.

Soziales, zugewandtes Interagieren auf Basis der matrifokalen Bindungsgemeinschaft regulierte urtümlich den Alltag der matrifokalen Sippengruppierungen. Der gegenseitig zur Anwendung kommende Drang zur Angehörigkeit (basierend auf der Mutterbindung) sowie die individuelle Empathie verknüpft mit notwendiger kollektiver Kooperation, bildete eine Überlebensgrundlage mit der sich die frühen Menschengemeinschaften offenbar erfolgreich erhielten und vermehrten. Das naturgemäß matrifokale Menschsein (in einem Matrifokal) ist sozusagen die Grundrechenart ohne die es letztlich auch keine „höhere Mathematik“ des soziale Miteinanders in Balance geben kann



* konsanguin - verwandt durch Geburt in mütterlicher Linie (umgangssprachlich auch 'blutsverwandt')

** siehe hierzu: http://www.gabriele-uhlmann.de/pdf/female-choice.PDF

*** siehe 'The Continuum Concept' von Jane Liedloff

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Kommentare:

Georg Reischel hat gesagt…

Das Matrifokal hat sich trotzalledem insofern erhalten, als das die Mutter durchgehend bis heute die Brutpflege übernimmt. Und das Kriterium der Brutpflege ist der einzige Grund für die Etablierung einer familiären Konstellation. Der Vater war dementsprechend nie "ein brutpflegender" und somit nie ein Ersatzkonzept zur Mutter. Vater und Mutter sind zwei komplett verschiedene Einheiten, die nicht unter einem gemeinsamen Begriff (z.B. Eltern) zusammen gefasst werden können. Und das der Vater die Rolle des Ernährers der Familie übernimmt, wird von dem Datum der Statistik widerlegt, dass Frauen zwei Drittel aller Arbeiten weltweit übernehmen. Man sieht, dass ich es mir sehr einfach mache.

Stephanie hat gesagt…

"Das Matrifokal hat sich trotzalledem insofern erhalten, als das...", Danke lieber Georg, aber genau das ist ja meine Kernaussage, dass 'Das Matrifokal' unsere, also der Menschenspezies, ureigenste (evo-biologische) Basis ist... aber das war nicht der Grund "...für die Etablierung einer familiären Konstellation...", denn das naturgemäße 'Matrifokal' (auf der Grundlage der natürlichen female choice der Frau) und das kulturelle Familienkonstrukt sind nicht identisch. Deine Kommentare bestätigen einerseits meine Theorie, andererseits kommen deine Kommentare wie eine Kritik rüber, von der ich noch nicht weiß, worauf sie eigentlich hinausläuft. Es ist schon klar, dass wir es uns alle nicht einfach machen können, weil es nämlich alles andere als einfach ist.
Vielleicht liegt es aber auch daran, dass zu oft von allen Seiten und besonders gern im sogenannten Mainstream, die heutigen gesellschaftlichen Verhältnisse genommen und eins zu eins mit der bisher spärlich erforschten sozialen Basisgruppe unserer menschlichen Vorfahren in eine Topf geworfen werden. Dazwischen liegen jedoch tausende von Jahren und Welten.
Wenn irrigerweise angenommen wird, dass schon immer so was Ehe und Familie das frühe Steinzeitleben geformt hat und der Jäger und "Clan-Chef" das soziale Leben der Gruppe bestimmte, können wir auch schwer die nötigen Differenzierungen zwischen dem langen Zeitraum des frühen matrifokalen Kontinuums und dem ungefähr achttausend jährigen Patriarchat vornehmen.
Das gemeinsame, gleichberechtigte Elternkonzept ist ein sehr, sehr junges gesellschaftliches Konzept, dass auch durch bestimmte moderne Einsichten und Gesetzeslagen noch weiter forciert wird. Bis vor ein paar Jahrzehnten war der Mann noch nach patriarchaler Sitte der Herr im Haus, der zwar nicht mehr über Leben und Tod verfügen konnte, aber das (Aufenthalts)Bestimmungsrecht für Frau und Kinder inne hatte und alle anderen möglichen Rechte des Eingreifens in das Alltagsleben der Gattin und der Kinder ohnehin besaß.

" Vater und Mutter sind zwei komplett verschiedene Einheiten, die nicht unter einem gemeinsamen Begriff (z.B. Eltern) zusammen gefasst werden können."

...da gebe ich dir recht und wenn wir es evo-biologisch betrachten macht das eben auch Sinn. Aber das andere ist die kulturelle Entwicklung ... und das habe ich oben in meinem Beitrag bereits (wenn auch stark komprimiert) ausgeführt...
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Georg Reischel hat gesagt…

Ich muss zugeben, dass ich mit deinen Begriffen gespielt habe, da meine Argumentation nicht bis zur jener Ebene kommt, wo sich das matrifokale ausbreitet. Wenn man in meinem obigen Kommentar die Erwähnung matrifokal und familiäre Konstellation übersieht, kommt mein Kommentar besser. Letzlich bleibt als Einziges die vorab notwendige Brupflege - Beziehung übrig. Und das war und ist in allen Zeiten der Menschheit die Einheit "Mutter - Kind". Das schlicht Notwendige (Brutplege in diesem Fall) bleibt in allen kulturellen Pervertierungen erhalten. Wie gesagt, mit dieser Argumentation komme ich nur bis zur Mutter als solcher.

Georg Reischel hat gesagt…

Ich grase nicht auf dem Feld der mannigfaltigsten Argumentationen herum und versuche dabei das Plausibelste aufzufinden. Mein Feld sind die "absoluten Notwendigkeiten", die im menschlichem Leben unter jeglichen Bedingungen unverzichtbar sind. So entgehe ich der diskussionsfreudigen Zerredung eines Arguments. Das heißt für dich, dass ich nicht auf die Ebene hochsteige, auf der du argumentierst. Meine Einlässe tangieren nicht die Zulässigkeit oder die Legitimation deiner Argumentationsweise. Auf der Ebene der absoluten Notwendigkeiten ist eine Beweisführung nicht mehr von Nöten.

Meine persönliche Thematik, von der meine Einlässe herrühren ist die Kritik an der Theorie der geschlechtlichen Fortpflanzung, die nicht das ist, was sie vorgibt zu sein. Ein Schluss aus dieser Thematik ist, dass ein Vater nicht aus der geschlechtlichen Fortpflanzung abgeleitet werden kann, so komisch das auch erscheinen mag.

Im Post ( http://reproduktion-fortpflanzung-vererbung.blogspot.de/2016/04/zwei-sehr-unterschiedliche-konzepte.html?m=1 )
habe ich meine Einfälle zum löcherigen Vaterkonzept aufgelistet.

Stephanie hat gesagt…


Hey Georg ... das "löchrige Vaterkonzept" ist, wie ich schon häufig in meinen Ausführungen festgestellt habe, eine patriarchale und somit ausschließlich gesellschaftskulturelle Errungenschaft. Den (sozialen) Vater, von dem unsere Moderne fabuliert und als allgemeines Lebenskonzept für jedermann vorsieht, hat es im artgerechten Seinsanfang der Menschen so nicht gegeben ... und schon gar nicht als Teil eines Elternpaares ohne Angehörigengemeinschaft!

Dass heißt, die Zeugungsbeteiligung eines Mannes wurde zwar zum einem als biologische Voraussetzung zur Entstehung eines Kindes irgendwann erkannt*, aber das brachte insofern keine persönlichen Verpflichtungen für den Mann mit sich, da das Kind, an dessen Entstehung er beteiligt war, ohnehin in der Fürsorgegruppe (Sippe) der Mutter aufwuchs. Der Mann war als Sohn und Bruder in seiner Muttersippe integriert und auch wenn ihm „sein“ Kind bekannt war, galt (in der Regel) seine wirtschaftliche Fürsorgebeteiligung und Zuwendung den Kindern seiner Schwestern. Das ist das artgerechte (biologische und sozio-kulturelle) Grundkonzept unser Spezies und dieses wurde in vielen Jahrtausenden in immerwährenden verschiedenen kulturellen Entwicklung variiert. Bei einigen indigenen Völkern existiert dieses Basiskonzept (das Evo-Konzept der Matrifokalität) im Zusammenleben noch heute (in den sogenannten Matriarchaten) und sowieso als Matrix in uns allen.

Zum anderen ist die Vateridee vor allem ein (patriarchales) Herrschaftskonzept. Und damit erübrigt sich auch dem Vatersein unbedingt eine naturgemäße Bedeutung einzuhauchen. Das verzweifelte Bemühen des patriarchalen Mannes seine „Vaterschaft“ als die Krone der Lebensschöpfung dazustellen, ist was sie immer war, der Versuch den Platz der Mutter einzunehmen, ohne deren natürliche Kompetenz zu besitzen und ihren körperlichen Einsatz auf sich nehmen zu müssen.


(*das wird schon relativ früh der Fall gewesen sein und von 'biologisch' werden die frühen Menschen auch andere Vorstellungen gehabt haben, als unser heutiger Erkenntnisstand es erlaubt

in meinem Blog finden sich noch andere Gedanken und Beiträge zum Thema „Vaterkonzept“ unter dem Label 'Vater'

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Georg Reischel hat gesagt…

Die erste Antwort war nichts und habe sie gelöscht.

Ich habe in der Gegenüberstellung Matri/Patri auf die zwei Konzepte abgestellt. Und wenn man dann an die zwei Konzepte vor sich hat und dabei nicht an Matri/Patri denkt, wird deutlich, welches Konzept überhaupt einen Sinn macht.