02 Mai 2006

Scheinbar bin ich doch nicht so abenteuerlustig, dass ich mich kopfüber in meinen Blog stürze. Keine Zeit? Klar, Großmütter haben immer keine Zeit. Mit jedem Enkelkind wird die Welt größer, reicher, bunter. Auch wenn sie nicht um die Ecke wohnen. Es sind viele Bänder, die ans Leben knüpfen. Und wenn es auch inzwischen unpopulär ist, dass Großeltern selbstverständlich zum Leben der Kindeskinder dazu gehören, sind diese Verbindungen da. Großmutter sein ist schon ein Abenteuer der besonderen Art im Alltag. Die Kür nach der Pflicht? Nicht nur. Es ist viel mehr.

Zu dem Thema gibt es noch einiges zu bemerken und das werde ich auch noch.

Also Gute Nacht und ich hoffe, liebe Vera du bist froh, dass ich endlich die Hürde meines Einstiegs genommen habe

Stephanie

Kommentare:

Vera hat gesagt…

Jawohl, liebe Stephanie, das bin ich. Die Frage, die sich mír bei deinen Aussagen geradezu aufdrängt, ist: Haben wir denn dann nie Zeit für unsere eigenen Dinge?
liebe Grüße
Vera

Stephanie hat gesagt…

Was sind denn die eigenen Dinge?
Und wer oder was hindert mich daran sie zu tun?
Wieso erscheint die Frage erst wenn Frau etwas älter wird. Und was haben wir vorhergetan?
Sind unsere Kinder, unsere Arbeit, unsere Liebe nicht unsere Dinge gewesen?
Guten Morgen Stephanie

Vera hat gesagt…

doch meine Kinder sind meine Dinge gewesen, aber der Gedanke daran, dass ich mich in Zukunft auch noch um Enkelkinder kümmern sollte, stimmt mich persönlich nicht froh, wenn ich ehrlich bin. Aber vielleicht ist das auch für jede Frau anders. Ich für meinen Teil sehe meiner Zukunft als Oma (falls ich überhaupt eine werde) auf jeden Fall nicht darin, meine Enkelkinder zu hüten. Frau muss doch einiges für die Kinder zurückstecken, solange ich selber Mutter bin, war und ist das für mich auch in Ordnung, aber wenn meine Zeit vorbei ist, dann habe ich persönlich keine Lust, dann bei anderen Kindern wieder von vorne anzufangen. Ab und an mal auf sie aufzupassen ist ja eine Sache, aber so als ständige Einrichtung, nein. Das ist nichts für mich. Kann sein, dass ich in ein paar Jahren vielleicht anders darüber denke, aber so ist es zur Zeit für mich.
Liebe Grüße
Vera

Stephanie hat gesagt…

Liebe Vera,
„andere Kindern“? Ob du willst oder nicht, solltest du dereinst Enkelkinder haben, werden diese dir in einer Weise nahe sein, die du vielleicht tatsächlich jetzt noch nicht nachvollziehen kannst.
Es sind Menschen, die mehr zu dir gehören, als ein willkürlich gewählter Mann (trotz großer Liebe).
Das Selbstverständnis mit einer Familie (Mutter, Großmutter, Schwestern, Tanten, Nichten, Basen und Väter, Brüder usw.) zusammen zu leben, ist ja schon längst verloren gegangen. Also schlägt sich frau heutzutage, hierzulande quasi allein durch. Und Frauen sind in der Tat verschieden, die Bandbreite reicht von der starken, alleinerziehenden siebenfachen Mutter, bis zur verzweifelten Frau, die ihre Kinder beseitigt. Die Frage knüpft doch immer wieder an dem Punkt an: wie allein sind Frauen? Egal, ob sie in einer Partnerschaft leben oder nicht.
Und was heißt „Enkelkinder kümmern soll“? Du wirst froh sein, wenn du kümmern darfst.
Du kennst ja meine Meinung, aber der Begriff „Kinderhüten“ bringt mich auf die Palme. Was sind sie denn, Schafe auf der Weide? Auch bei ganz kleinen Menschen, mit denen du direkt oder indirekt zusammenlebst, ist Gefühl und Verantwortung im Spiel, da muss schon mal geguckt werden an welcher Stelle meiner Zugehörigkeitsprioritätenliste stehen sie denn. Unabhängig davon, ob ich, der sie versorgende Mensch bin oder nicht. Frau wird immer auf Erfordernisse reagieren. Wie weit sie sich einbringt, ist ihre Entscheidung. Die Mitsorge für unsere Nächste bleibt uns erhalten.

Die merkwürdige Art, erst in der Sprache und dann im Leben Distanzen aufzubauen treffen wir überall. Entschuldige bitte, aber was soll dieses lineare Denken? Die Zeit ist vorbei! Ich fange nicht noch mal von vorn an!
Wir befinden uns im Kreis des Lebens, da gibt es kein Anfang und kein Ende, da fließt eins ins andere über. Wir sind Frauen, wir leben zyklisch, schon vergessen?
Die Kinder sind groß, jetzt bist du dran. Hau rein, ich hoffe du hast einen guten Plan für die nächsten vierzig Jahre
ganz liebe Grüße Stephanie

Vera hat gesagt…

Liebe Stephnaie,
ich glaube wir beide gehen von verschiedenen Standpunkten aus. Das was du beschreibst ist eine Vision und ich gehe von der Realität aus und das klafft natürlich auseinander. Du hast schon recht, so sollte es sein. Aber die Großmütter werden meistens von ihren Kindern wie Angestellte behandelt, denen gnädiger Weise die Kinder anvertraut werden, wobei ihnen aber keinerlei Mitspracherecht eingeräumt wird und manchmal ist die Situation noch schlimmer, da sind sie noch nicht einmal Angestellte sondern fast schon Sklaven, gute Dienstbare Geister, die jederzeit abrufbar zu sein haben und zur Verfügung stehen sollten. So erlebe ich das auf jeden Fall und das will ich nicht.
Und bei dem Thema mit "den anderen" Kindern ist es glaube ich tatsächlich ein Unterschied ob frau Söhne hat oder Töchter, denn matriarchal gedacht sind meine Enkelkinder tatsächlich aus einer anderen Linie. Meine Linie hört mit mir auf. Bei dir ist es was anderes, du bist eine Ahnin geworden. Ich werde das in diesem Sinne so nicht sein, wenn Enkelkinder auf die Welt kommen. Da ist die Ahnin die Schwiegermutter meines Sohnes. Wahrscheinlich habe ich aus diesem Grund auch diese Art von Distanz, die du angemerkt hast.
Lass uns mit dem Thema am Ball bleiben. Es ist wichtig.

antje hat gesagt…

Hallo Vera,
ob Du ich zum Sklaven oder Angestellten machen lässt, liegt ganz allein in Deinen Händen. Und die Tatsache, dass frau auch für Enkelkinder Verantwortung übernimmt und daran auch noch Spaß hat, ist doch eigentlich sehr positiv. Oder? Ich finde das, was Du schreibst klingt so, als wäre man als Frau lebenslänglich verdonnert, Dinge zu tun, die nicht selbstgewählt sind. Aber wer verdonnert denn eigentlich all diese versklavten Frauen?
Ich wünsche Dir, dass Du bald die Welt wieder etwas positiver sehen kannst.
Herzliche Grüße
Antje

Vera hat gesagt…

Liebe Antje,
ich glaube nicht, dass es hier darum geht die Welt positiv oder negativ zu sehen, sondern ich sage das, was ich erlebe. Ich bin selber keine Großmutter, aber ich ich kenne einige, die mir solche Dinge erzählen. Alte Frauen erfahren nach meinen bisherigen Kenntnissen wenig bis keine Achtung. Es sei denn sie heißen Tina Turner und sind berühmt, es ist gut, dass es sie gibt, aber das gilt für die "einfache" alte Frau nicht.

Vera hat gesagt…

Sorry, habe die Grüße vergessen,
also liebe Grüße von mir

antje hat gesagt…

Hallo Vera,
Du hast Recht, wenn Du sagst, dass alte Frauen häufig nicht mit Achtung behandelt werden. Ich frage mich aber eben manchmal, woran das liegt. Gehört nicht zum "behandelt werden" auch immer ein "behandeln lassen"? Und liegt es nicht in unserer Macht, nicht alles mitzumachen sondern selbstbewußt und selbstbestimmt unser Leben zu führen. Wenn Du sagst, dass Du einige Frauen kennst, die von ihren Kindern wie Sklaven behandelt werden, kannst Du Dir erklären woran das liegt? Warum können diese Frauen nicht einfach aufhören sich so behandeln zu lassen? Wer zwingt diese Frauen denn Dinge zu tun, die sie nicht tun wollen?
Herzliche Grüße
Antje

Vera hat gesagt…

Liebe Antje,
die Fragen, die du gestellt hast, kann ich dir nicht mit zwei drei Sätzen beantworten. Ich habe schon gestern nach einem Buch gesucht, wo am Anfang eine Beschreibung ist, wie Frauen sich gegenüber ihren Kindern und Männern verhalten sollten. Es handelte sich dabei um einen Ratgeber aus den 60ern. Es geht darum, dass Frauen, die heute "alt" sind darauf koniditioniert wurden sich so zu verhalten. Sie sind mit diesen Maßstäben groß geworden und haben sie verinnerlicht. Das lässt sich nicht so einfach abschütteln. Sie sind darauf trainiert sich über nichts und niemanden zu beklagen.
Und wenn dir ständig erzählt wird, dass du nichts wert bist, dann fühlst du dich am Ende auch wertlos. Verstehst du was ich damit meine? Sie werden so behandelt und sie lassen sich so behandeln, weil sie verinnerlicht haben, dass sie so behandelt werden dürfen.
Liebe Grüße Vera

antje hat gesagt…

Liebe Vera,
das mit den Frauen die heute alt sind, sehe ich teilweise auch so. Aber was ich nicht verstehe ist, dass Frauen in unserem Alter (so Mitte, Ende 40) noch Angst davor haben, dass uns so etwas passieren könnte. Natürlich hat man auch uns noch einiges beigebracht, was in diese Richtung geht (ich war auf einem katholischen Mädchengymnasium, da kannst Du Dir vorstellen, was ich gelernt habe), aber wir haben doch im Vergleich zu diesen "alten" Frauen viele Vorteile und Möglichkeiten unsere Denkweise zu ändern: eine Frauenbewegung die Dinge bewegt hat, Bücher, Bildungsmöglichkeiten, Vorbilder etc.
Vielleicht ist dieses Thema aber auch einfach zu umfassend für dieses Forum und wir sind gar nicht so weit auseinander mit unseren Eistellungen.
Ein schönes Restwochenende wünscht
Antje

Stephanie hat gesagt…

Liebe Vera, liebe Antje
auch die Alten können noch ihre Denkweise und antrainierten "Werte" ändern. Wir können uns, wenn wir wollen schon umprogrammieren und in die schöne neue Zeit einsteigen. Die Frage ist, wollen wir das?
Wollen wir uns hier einklinken oder gleich einen Schritt weitergehen?
Weder die emanzipatorische Entwicklung der Frauen ist abgeschlossen, auch wenn gerade mal wieder weniger davon die Rede ist, noch die Frage, wie viel Mutter braucht die Welt. Und darf es auch eine Große Mutter sein? Ich würde sagen, egal welchen Alters, wir fangen gerade erst an.
liebe Grüße
Stephanie

Vera hat gesagt…

Liebe Antje,
ich stimme dir zu, für das Forum ist das Thema zu umfassend, Antworten auf die Frage, warum auch viele Frauen in unserem Alter noch so ihre Probleme haben, kannst du sehr gut in zwei Büchern finden. Einmal in meinem eigenen Buch "Die Starken werden nicht getröstet" und zum anderen in dem Buch "Die ganze Frau" von Germaine Geer. Da wird auch sehr schön die subtile Art beschreiben, wie die Männer es verhindern, dass Frauen tatsächlich selbstbestimmt leben können. Denn solange es so läuft, dass wenn Betty Friedan stirbt es kaum eine Notiz in der Tagespresse wert ist, aber wenn Harald Juhnke stirbt die ganze Nation trauert, solange sind wir Frauen noch nicht da, wo wir hinkommen müssen.
Liebe Grüße
Vera

antje hat gesagt…

Liebe Vera,
ich habe nochmal über unseren Austausch nachgedacht und ich glaube, dass Dein ursprünglicher Eintrag einfach einen wunden Punkt bei mir getroffen hat. Ich habe in letzter Zeit häufig beobachtet, dass Frauen in meinem Freundes-und Bekannntenkreis beschließen, dass es Dinge gibt, die sie eben mal gelernt haben und dass sie das nicht ändern können... Und ich habe einfach keine Lust mehr zu hören, dass frau etwas nicht verändern kann und ich will auch nicht in den Chor der Jammernden einstimmen, die sich vielleicht in ihrem Elend manchmal auch ganz gemütlich eingerichtet haben. Mir ist das zu einfach. Wenn ich andere Bedingungen will, muss ich mich bewegen und es hilft mir wenig mich darauf zu berufen, dass ich als Frau eben sowieso nichts ändern kann.
Herzliche Grüße
Antje

Vera hat gesagt…

Liebe Antje,
unter diesem Aspekt stimme ich dir voll zu. Auch ich möchte nicht Jammern und ich möchte auch nicht sagen, dass Frau nicht grundsätzlich etwas ändern kann. Ich beschäftige mich schon seit fast zwanzig Jahren mit dem Thema und habe festgestellt, dass je älter ich werde, desto mehr Feinheiten lerne ich auseinanderzuhalten. Und manchmal bewegt frau sich da auf sehr schmalen Erklärungspfaden.
Was ich allerdings auch oft erlebe ist die Tatsache, dass Frauen gerne bereit sind über Emanzipation zu reden, aber wenn das eine echte Veränderung von Seiten der Frauen bedeutet, dann schrecken viele doch wieder zurück. Ich kann deine Wut da also sehr gut nachvollziehen. Schöner Austausch übrigens mit dir. Bringt doch beiden auch Klarheit, findest du nicht?
Liebe Grüße
Vera