11 Mai 2010

Projekt


Da stehe ich, gestützt auf den Spaten und blicke auf den trägen breiten Strom, der sich kaum merklich zu meinen Füßen an mir vorbei wälzt. Der einst so wilde, ungestüme Fluss, gebändigt und begradigt, ein Kanal, wie mit dem Lineal gezogen. Der macht keine Probleme mehr. 


Aber er macht auch nichts anderes mehr. Nicht mal mehr Ringe, wenn ich ein Lachen hinein werfe...

Ein wahrhaft hartes Stück Arbeit liegt vor mir. Wie schaffe ich es, ihm die Mäander wiederzugeben? Die Auen und Sandbänke? Die dichten Wälder und lichten Wiesen, die sich an seinem Ufer einst entlang zogen?


Das Schwierigste wird wohl sein, den Felsen wieder in die Mitte des Stroms zu schieben, auf dem ich einst saß, die Sonnenuntergänge beobachte und mich vom Sturm beuteln ließ...


Kommentare:

Grey Owl Calluna hat gesagt…

Liebe Stephanie!
Ja, sogar dem Wasser wird der Mund verboten, es wird ihm vorgeschrieben, wieviel es zu atmen hat, wie es reden soll, und alle Freuden werden ihm genommen.....so macht man es wohl auch mit den Menschen....
Sei lieb gegrüßt
Rosi

Neckarstrand hat gesagt…

Stephanie, oft stehe ich am Neckar und blicke auf den Strom. Er fließt dahin - ebenfalls begradigt und gestaut - mit vielen Stauwehren.
Aber er schlägt noch zurück - immer dann wenn keiner damit rechnet. Dann tritt er über die Ufer und über- schwemmt Wiesen und Felder und holt sich etwas zurück, von dem, was man ihm angetan hat.
Liebe Grüße
Irmi

Sica hat gesagt…

Der Mensch will alles "verbessern", begradigen und am liebsten zu Geld machen. Dabei hätte er es viel nötiger, sich selbst zu verbessern, die Ursache seiner Zerstörungslust zu untersuchen, um ihr Einhalt zu gebieten...

Aber man kann sich darauf verlassen, dass die Natur zurückschlagen wird, denn sie ist nämlich die Stärkere...
LG

Stephanie hat gesagt…

liebe Grey Owl,
dann wird es wirklich Zeit, dass wir für ein wenig Verwilderung sorgen. Die Frau hatte mit dem Chaos ja noch nie wirklich ein Problem ;-)

Gruß Stephanie




Hallo Irmi
eine Zeitlang habe ich im Rheinland gelebt. In Bonn gibt es ein Gelände das nennt sich die Rheinauen - als ich das erste Mal dort war, dachte ich doch tatsächlich, ich finde da eine wilde Landschaft vor. Es ist ein großanlegtes Parkähnliches durchgestyltes Gelände, das sich an dem gebändigten Rhein entlang zieht. Hier in Lüneburg gibt es auch ein Flüsschen, die Ilmenau, die nur im Stadtgebiet nicht sein darf, was sie einmal war...
Gruß Stephanie




Hallo Sica,
da hast du recht. Ich hoffe es gibt kein zu böses Erwachen, wenn wir die Stärke der Natur erfahren werden.

Das Leben in unserer Gesellschaft gleicht in vielem, diesem gebändigten Strom...

Gruß Stephanie