10 November 2010

Es ist was es ist


Es ist was es ist, sagt die Liebe...
die lebenskluge Zeile von Erich Fried drückt einfach und selbstverständlich das Vorhandensein von Liebe aus.

Wenn von Liebe die Rede ist, und davon ist ständig die Rede, denkt man an junges Glück, Liebe mit der man alt werden kann oder Liebe, die auch weh tut. Kurzum, Liebe ist heute gedanklich und gefühlsmäßig überwiegend an Erotik, Sexualität und trauter Zweisamkeit gekoppelt... eventuell werden Kinder einbezogen. Wann hört man schon im Alltag von Erwachsenen Aussagen, wie „ich liebe meine kleine Schwester“ oder „ich liebe meine Mutter“? Wohl vergleichsweise selten, dann schon eher „meinen großen Bruder“… im Bekenntnis wird gewissermaßen eher von weiblich nach männlich oder von unten nach oben geliebt!

Liebe und Schmerz gekoppelt, ist immer auch ein todsicheres Konzept. Die Literatur lebt davon: sie kriegen sich, sie kriegen sich nicht, sie kriegen sich! Dann ist es ratsam aufzuhören um den happyenden Eindruck des beschworenen, beständigen Glücks nicht zu desillusionieren.

Liebe ist ein Gefühl und gegen Gefühle ist man machtlos! Das ist auch so eine der Botschaften, die uns von jeder Seite eines (Liebes)Romans, aus jeder Serie und fast jedem Spielfilm anspringen. Und wenn die Protagonisten alles Glück dieser Welt haben, ist es die große Liebe, die ein Leben lang hält, wenn der Autor es so will.

Die Liebe“ ist wichtig wie nie zuvor in unserer Kultur. Sie scheint inzwischen der Dreh- und Angelpunkt des persönlichen Lebens mit entsprechenden Auswirkungen auf das gesellschaftliche Leben zu sein. Die wichtigste Kampagne in unser Lebensplanung und -führung ist, sich von den Angehörigen zu trennen und sich dann einen Partner zu suchen, um sich der lebensnotwendigen Liebe zu versichern. Es gilt jemanden zu finden, der uns als Individuum liebt, was und wie wir sind und den wir natürlich auch lieben können. Denn wie gesagt, wir alle brauchen die Liebe. Eigentlich ist dieses kleine Wort ein Synonym für das Wirkungsfeld, in dem der Mensch am besten existiert. Liebe ist der Oberbegriff für Nähe und Zuwendung, Geborgenheit und Herzenswärme, Schutz und Zuverlässigkeit, Geben und Nehmen, auch für innige Verbundenheit und Erotik.

Im allgemeinen Fokus scheint mir die Liebe jedoch ständig ihre fürsorgenden Komponenten zu verlieren und bloßer Ausdruck von zwischenmenschlicher Sexualität zu sein. Und manchmal wird im Sprachgebrauch sogar etwas als Liebe bezeichnet, was nichts weiter ist als rohe Gewalt.

Was ist die Liebe? Eine chemische oder hormonelle Reaktion? Eine menschliche Interaktion zum Wohle der Beteiligten? Eine spirituelle Dimension? Ist sie einfach nur die innige Bindung zwischen sich nahe stehenden Menschen? Oder die essentielle Grundlage menschlichen Zusammenlebens und Zugehörigkeit?

Ist sie was ist, die Liebe...?


Kommentare:

Irmi hat gesagt…

Liebe Stephanie,
was kann man nicht alles über die Liebe sagen. Was nicht alles hineininterpretieren in dieses Wort.
Für mich ist Liebe nicht unbedingt an Sexualität gekoppelt. Wahre Liebe sieht man später, wenn die Nöte des Alltags da sind, wenn Krankheiten und Siechtum den geliebten Menschen befallen. Wenn man auch dann noch füreinander da ist. Und wenn man sagen kann: Es war ein erfülltes Leben, das wir miteinander geführt haben.
Und dann gibt es die Liebe zur Natur, zur Literatur. Wenn man aufpaßt, kann man so viel Liebe empfangen und weitergeben.
Oft sind es die kleinen Dinge, die uns aufhorchen lassen und uns zeigen:
Dies ist ein Liebesbeweis!
In diesem Sinn
Liebe Grüße
Irmi

birgit hat gesagt…

will you still need me
will you still feed me
when i'm sixtyfour...

die liebe in der familie ist mir gründlich ausgetrieben worden
und heute wundern sie sich
dass ich mich selten melde

aber
es ist was es ist sagt die liebe
da hat er recht
der erich fried
und ich liebe seine gedichte
liebe grüße birgit

frieda hat gesagt…

Hallo Stephanie,
oooh... das ist ja sehr umfassend, das Thema.

Hab mal was Interessantes gehört: Liebe und Angst sind die jeweiligen Aussenpunkte auf einer Skala. Ist man im Angst-Modus, macht man Sachen, die man eigentlich gar nicht so will und die einem eigentlich gar nicht entsprechen. Ist man im Liebe-Modus, ist man "man selber".

So in der Art, nur mal verkürzt ausgedrückt.

Du schriebst: Geliebt wird meist "von unten nach oben" - stimmt. Dabei wäre es doch andersrum viel besser. Ich seh's ja schon bei Eltern und Kindern: Die Eltern sind eigentlich die Überlegenen, die zuerst lieben müssten - aber die Liebe wird rationiert und sanktioniert.... (.."nur, wenn...")... und wenn man die Anforderungen sogar tatsächlich auch noch erfüllt, wird die Wurst doch wieder ein Stückchen weiter weg gehalten.....

Naja, ist schon Schiet.

Ich find es zwar doof, wenn Leute dauernd mit ihren Kindern prahlen, aber wenn Eltern überhaupt niemals auch nur eine Spur "stolz" auf ihre Kinder sind, dann ist das auch schon frustrierend....

So, am frühen Morgen bin ich nun schon ins Schwallern gekommen ;-D

Schöne Grüsse für den Tag
von frieda