27 Februar 2011

Natürlich


Als Kind liebte ich mein Buch Waldmärchen
Zauberhafte und mit Sagen vermengte Geschichten, die im Thüringer Wald angesiedelt waren. Märchen wie, Die Binsenhexe, Das vertauschte Kind oder Der Gläserne Krug, führten mich, Hand in Hand mit Bärbelchen Goldhaar, auf geheimnisvolle Pfaden, an Holzmeilern vorbei,hin zur Wohnstatt der Quellenjungfer und den Moosweibchen, durch den toten Wald und mit grausem Gelichter auf den Fersen …




Doch obwohl ich in Thüringen groß geworden bin, ist mir der richtige, der tiefe, Wald eher unvertraut geblieben, nur meine Ehrfurcht davor habe ich bis heute bewahrt.

Der deutsche Wald ist ja heuzutage, wie ich neulich aus einer ZDF Sendung erfahren habe, hauptsächlich eine Art großes Gemüsebeet mit Langzeitwirkung. Nur ein ganz kleiner Prozentsatz des Waldes in Deutschland ist unberührt - darf tun und lassen was und wie er will. Ansonsten wird der Wald schon seit Jahrhunderten bewirtschaftete und gesteuert und monokulturell verhunzt. 

Die „wilde“ Natur mit der ich als kleine Steffi Stephanie aufgewachsen bin, befand sich nur in ganz unbedeutenden Nischen, die mir heute noch in liebwerter Erinnerung sind. Sonst begegnete mir nur die gezähmte Natur. In meiner Kindheit gab es um mich herum, trotz ländlichem Ambiente, nicht wirklich etwas Unberührtes. Über weite Flächen und zwischen Hecken und Zäunen, wuchs und grünte nur, was der Mensch erlaubte und was er für seine tierischen Leibeigenen brauchte. Begradigt, zerstückelt, eingefasst. 




Hatten wir, die Älteren, dereinst schon kaum noch Zeit für ursprüngliche Erfahrungen in normaler freier Natur, wächst heute das Durchschnittsstadtkind in unglaublicher Kargheit auf. Auf mehr oder minder gepflegten Spielplätzen, auf überschaubaren platten Schulhöfen, in beaufsichtigten Kletterparadiesen. Natürlich könnten wir auch alle in die Alpen ziehen oder an die See oder nach Meckpomm, aber wer tut das schon und warum auch. Nur um von früh bis spät ins weite Grüne gucken zu können?

"Der Mensch" bemüht sich die Natur zu zähmen, das heißt, "er" will sie zwingen, ihm zu Willen zu sein. Er selektiert, behindert, vergiftet und rottet aus, da er jedoch ein Teil der Natur ist, gräbt er sich selbst die Gruben, in die er ständig fällt (und trotz alldem wächst unsere Spezies noch zahlenmäßig an).



Wer einen Garten hat, kann sich glücklich schätzen, der kann sich wenigstens der Illusion von Natur hingeben. Eine Freundin von mir hat einen netten kleinen Schrebergarten, den ich richtig mag. In dem kleinen Teich konnten die Kinder und ich schon Fröschlein beobachten, es gibt geheimnisvoll verwachsene Ecken und für den Weg vom Gartentor bis zur Laube bräuchte man manchmal eine kleine Machete. Aber von Zeit zu Zeit wirft auch der Schrebergartenvorstand einen strengen Blick über den Zaun und das üppig sprießende Grün muss gebändigt werden. Wildwuchs passt nicht in eine nette Kleingartenanlage. 

Allerdings bei aller Sehnsucht nach Ursprünglichkeit, setzt mich bitte nie in einem richtigen Wald aus. Da wäre ich Kleinstadtpflänzchen aber bestimmt völlig aufgeschmissen... 

 

Kommentare:

Ray Gratzner hat gesagt…

Liebe Stephanie,

da bin ich auch dagegen, dass Du im Wald ausgesetzt wirst.

Ja Wälder sind sehr interessant und eigentlich ist Gesamteuropa ein großer gemeinsamer Wald gewesen, den der Mensch nun bewirtschaftet und vor 10 - 12 Tausend Jahren war das Eis da und der Wald weg und nur Gräser vielleicht vorhanden.
Wir haben jeden Tag die Chance Natur respektvoll zu behandeln und man kann es auch als Verbraucher, indem man die richtigen Produkte kauft, die einen fairen Umgang mit der Natur voraussetzen.

Liebe Grüße Rainer

Grey Owl Calluna hat gesagt…

Liebe Stephanie!

Siehst Du gebietstypische Märchen hatte ich gar nicht.
Die Grimm-Märchen, Andersen und ein russisches Märchenbuch, dass ich auch sehr liebte, und immer wieder die Geschichten las, bis ich sie fast auswendig konnte.

Ach nein,…der Wald ist Dir fremd geblieben? Wie schade.
Ich fühle mich dort so wohl,…als würde ich nach Hause kommen……schwelg….
Die Bäume, wo meine Baumfrau ist, und ich so gerne hingehe…..gegangen bin….auch der Farnwald…..da war ewig niemand. Auf diesen kleinen Stück….wurde noch nicht rum gehuntzt.
Weiß auch nicht warum. Ist wohl doch etwas Besonderes dort.
Natürlich sind Weiden und Äcker in der Nähe, angrenzend so zu sagen. Aber da ist wohl wirklich selten jemand. Deshalb ist es auch so unwegig dort, Gras, dass schon ewige Jahre wuchert, nie geschnitten wird….
Ja, ich muss auch einen Haufen Umwege machen um heute dorthin zu kommen,…und sogar unter Weidezäunen durch krichen….wo Frau mal ganz leicht einen Schlag bekommt…

Ja, der Wildwuchs…..
Nur gar zu gut gut kann ich mich an meine Eltern erinnern, die jedes „Unkräutchen“ rausreißen, ständig mähen mussten….wie kann da überhaupt noch Samen ausfallen, der wieder Blumen wachsen lässt?
Aber mein Vater hat sich nicht beirren lasse: „Es muss alles seine Ordnung haben!“
Da wurde sogar Lenoliumbelag in den Garten und Teppich in den Hof gelegt. Das fand ich ssssoooo unmöglich!
Na ja,…vorbei….
Sei lieb gegrüßt
Rosi
P.S.:Ha! Da weiß ich ja, was ich tue, wenn Du mich mal besuchen solltest….grins….

birgit hat gesagt…

das ist der grund warum ich keinen garten bei schrebers habe
und hier ums haus muss ich auch manchmal die zähne zusammenbeissen
um nicht bösartige kommentare abzugeben aber zwischendrin ist es richtig nett und der wald am hausberg ist auch bewirtschaftet aber immerhin einen teil des jahres in ruhe
ich verstehe nie die angst der kinder vor insekten schnecken spinnen
aber das konnt ich den meinen auch nicht nehmen
schade
ach glaub mir
wir würden uns nach kurzem grausen schon zurecht finden
grüne grüße
birgit :)))

Stephanie hat gesagt…

Hallo Ray, na da bin aber froh!
Ich danke dir für deine Ergänzung. Aber die Eiszeit ist ja nun schon ein bisschen vorbei und in der Zeit hat sich viel verändert. Natürlich haben wir jeden Tag die Chance Natur respektvoll zu behandeln, aber im großen Stil wird es nicht getan. Was passiert wirklich? Während dem einzelnen, ohnehin schon willigen Verbraucher, eingeredet wird, er könnte sofort mit fair trade und ähnlichen, durchaus vernünftigen Maßnahmen, die Welt retten, werden anderen Orts Regenwälder abgeholzt, um Pflanzen für Biosprit anzubauen.
Wälder sind nicht nur interessant, sie waren hier in Mitteleuropa in ihrer Ursprünglichkeit einmal die Lebensgrundlage unserer Ahnen. Ich hatte nur leider nicht die Gelegenheit einen richtigen Wald vor der Haustür zu haben, obwohl ich in Thüringen groß geworden bin. Die paar Bäumchen vom Stadtwald mochte ich zwar sehr, aber Wald... naja!
Grüße von Stephanie




Hi Rosi,
das ostdeutsche Kinderbuch war manchmal nicht zu verachten, besser als Hanni und Nanni, an Astrid Lindgren war ja auch kein rankommen.

Der richtige Wald ist mir fremd geblieben, weil ich höchstens an Wandertagen damit in Berührung kam. Seit langem wird Natur eben bewirtschaftet, das ist Realität. Jetzt wohne ich in der Nähe der Lüneburger Heide und diese Landschaft ist ein Ergebnis des Holzschlagens für Bautätigkeit und vor allem um Salzsieden zu können. auch hier gab es einst dichte Wälder...
Allerdings gab es eben auch eine Zeit, da Menschen nicht in die natürliche Ordung, die sich selbst organisiert, eingriffen.
liebe Grüße Stephanie




Hallo Birgit
als Kind bin ich quasi im Garten groß geworden, mit eigenen kleinen Beeten und passenden Gerätschaften, was war ich stolz...
Noch ein Wort zu dem grausen Gelichter - im Märchenbuch ging es dabei um tückische Gnome und gefährliches Gewürm...
aber, das kenn ich, eine große Schnecke kann ein kleines zartes Mädchen auch schon mal in die Flucht schlagen... ;-)
Liebe Grüße
Stephanie
.

irkas welt hat gesagt…

Ich könnt nicht ohne und doch komm ich derzeit nicht wirklich in den Wald. Aber dieses Schlafen im Wald (was ich ja auch mit Kindern mache), wo wir ganz leise die Nacht da verbringen, das ist unglaublich verbindend und für dieKinder unvergeßlich. Soll ich dich mal mitnehmen?

irka

Karin hat gesagt…

Bei mir waren es die Andersenmärchen. Ich hatte so ein tolles Buch mit Aquarellen zu den Märchen und habe es geliebt. Jetzt hat es meine Tochter.
Später waren es denn die Zigeunermärchen und noch später die Anne Sextons Version der grimmschen Märchen.
Alles Liebe Karin