24 Mai 2011

zu pingelig?

 
… beim Zappen bin ich gestern Abend kurz in einem Film über Clara Schuhmann gelandet. In jener Szene stand diese am Klavier vor einem Orchester und einer der Musiker baute sich vor ihr auf, um ihr zu erklären, dass es nicht anginge von einer Frau und noch wo möglich in der Öffentlichkeit Anweisungen entgegen zu nehmen... Clara hat ihn quasi ignoriert und die Probe fort gesetzt.

Ich hab den Film trotzdem nicht weiter angesehen, manchmal halte ich so etwas nur schwer aus... 

Heute haben Frauen in der Musik ganz andere Möglichkeiten... aber mir fällt jetzt auf Anhieb aber auch keine Dirigentin ein. Frauen können Instrumente und Gesang studieren und im musikalischen Bereich, wie überall, im Prinzip all das tun, was Männer tun. 

Für jedes Mädchen ist Musik machen heutzutage kein Problem und auch mein ältestes Kindeskind Helene, tanzt, lernt Klavier und singt im Jugend- bzw. Kammerchor ihrer Schule.

Neulich gab es wieder eines dieser sensationellen (Großmuttermeinung) Konzerte.
Dem Kind auf der Bühne beim Singen zuzusehen hat was – 
gut bei Stimme, ausdrucksstarker Gesang, eine gute Präsenz, Körperhaltung und -sprache -
hach, es ist einfach zu schön! 
 
Der Titel des Konzertes war „Tag und Nacht“ und bewegte sich musikalisch durch einige Jahrzehnte. Die SängerInnen waren fantastisch, die Stimmung hervorragend und das Publikum durchgängig begeistert, ich natürlich auch – ich schwebte nahezu auf meinem Sitz.
 
Aber als gesellschaftskritischer Großmutter, schoss mir doch ab und zu, wenn diese recht jungen Mädchen Texte wiedergaben, die mir persönlich einfach unpassend vorkamen, durch den Kopf: dem Chor könnte eine weibliche Hand nicht schaden. 

Es war dieser, allerorten vorherrschende, immer so schwer zu beschreibende Eindruck einer grundsätzlichen männlichen Leichtfertigkeit mit einem leicht frivolem Hauch.
 
Natürlich ist der Leiter musikalisch großartig, beliebt und hat aus singenden Schülern einen richtigen Chor gemacht. Jedoch für einen Chor von vierzehn Jahren aufwärts, segelte das bunt gemischte Programm manchmal hart an der Grenze des guten Geschmacks... ich frage mich, wie eine Chorleiterin so ein Programm gestaltet hätte. 

Chansons mit kleinen Anzüglichkeiten haben früher die gestandenen Herrn in gewissen Kabarettprogrammen gesungen. Natürlich ist jede Art von Hemmschwelle seit damals enorm gesunken und so schlimm war es nun auch nicht und das „alte“ Liedgut zählt ja fast zu den Klassikern... In diesem Sinne also und wie schon die gute alte Marika Rökk gesungen hat: 

In der Nacht ist der Mensch nicht gern alleine, denn die Liebe im hellen Mondes Scheine, ist das Schönste, Sie wissen, was ich meine...


Kommentare:

Grey Owl Calluna hat gesagt…

....wenn schon nicht körperlich verfügbar, machen wir uns .....Gedanken, und lesen bei......breit gins......
Sei ganz lieb gegrüßt
Rosi

Stephanie hat gesagt…

...danke Rosi...grins... aber du hast wohl nicht ganz den Sinn meiner pingeligen Kritik verstanden... ich fand es un-pass-end...
die Mainstramwelt ist für FastKinder unangemessen...na, ich sag es noch mal...frivol... ;-)
Stephanie

Rosie hat gesagt…

Ich denke mal, das sehen die Jugendlichen heute nicht so. Ich fahre jeden Tag mit dem Regio zur Arbeit und die Gespräche und der Wortschatz der mitfahrenden Kinder und Jugendlichen ist...nun, sagen wir mal, teilweise ziemlich krass.
LG von Rosie

Stephanie hat gesagt…

ich weiß, ich weiß, liebe Rosie und leider wahr...
es geht mir auch nicht um unzeitgemäße Prüderie, sondern um die prinzipielle gedankenlose Bereitwilligkeit, die dabei Kinder zu sexuellen Konsumartikel im Patrisystem macht...
ich grüße dich
Stephanie

birgit hat gesagt…

ich habe nie verstanden wie eltern ihre kinder zur miniplaybackshow anmelden konnten
und musste schwer an mich halten als der liebste seine töchter zur casting agentur brachte