05 Februar 2014

sorgsam

Eine Freundin meinte, dass ihr das Wort 'Fürsorge' nicht so gut gefällt, weil die ihr negativ erscheinende 'Sorge' darin steckt.
Nun verwende ich
eigentlich den Begriff 'Fürsorge' in meinen Ausführungen ständig, denn noch habe ich für die gegenseitige essentielle Zuwendung in (konsanguinen) Lebenskreisen, keine andere, passendendere Bezeichnung gefunden.
Sorge ist imho erst in der heutigen Zeit zu einem sorgenvollen Wort geworden - Fürsorge, Obsorge, sind quasi Spezifikationen von dem natürlichen 'sorgen für' oder anders ausgedrückt: sorgsam und fürsorglich sind basics des mütterlichen Umgangs. 
Für jemanden Sorge tragen, sich um die Nächsten sorgen (nicht zwanghaft Sorgen machen!) ist ein zukunftsgerichtetes Handeln. Sorge, ist eine altbekannte Beschreibungen für Zuwendung und Beachtung. Und 'ausgesorgt' ist gleichbedeutend mit endgültig gut beendet. 
Das sind alles vom Ursprung her keine „negativen“ Formulierungen. Gibt es also noch andere treffendere Worte und sind sie genau so komplex und umfassend wie Fürsorge?

Bei meinen Sachtextausführungen verzichte ich gern auf weitschweifiges Formulieren und komme möglichst gleich auf den Punkt. Aber ich bringe in meinen Texten auch gern all die vielen umschreibenden Attribute des Fürsorgekomplexes unter, wie geduldige Pflege oder Geborgenheit spendende Hege, innige Zuwendung und sorgsame Aufmerksamkeit sowie wohlwollende Verlässlichkeit, was dazu führen soll, dass diese zum Teil "unmodernen" Begriffe endlich mal wieder unter die Leute kommen. Sind auch diese Begrifflichkeiten fraglos obligat,  als Sammelbegriff für die generationsübergreifende, gegenseitige 'Hege und Pflege' in Sippengemeinschaften finde ich sie nicht so gut geeignet.

Denn es geht mir bei dem 'Fürsorge' - Begriff nicht um gefühlte Befindlichkeit, sondern um das Darstellen der, auf das gegenseitige Wohl gerichteten, Handlungen...

 .

Kommentare:

birgit hat gesagt…

über viele jahre haben wir empört aufgeschrien dass wir keine 'fürsorge' mehr sein wollen
dass wir beraten und unterstützen
heimlich hab ich fürsorgerisch gearbeitet und wenn es aufflog bekam ich gemeckert ;)))
familiär gabs keine sorge nur sorgen
und heute suche ich mühsam die scherben zusammen
die kinder streben jetzt auch jedes in andere richtung
sippenhalt ist derzeit nicht gegeben
heute bekam ich wenn auch scherzhaft zu hören wenn ich wunderlich würde strebe man zwangsverwahrung an
in dieser generation ist noch kein fürsorglicher langmut zu spüren
nur leistung zählt ...

Stephanie hat gesagt…


das ist genau der Punkt... die zuletzt als staatliche Fürsorge bekannte Aufsicht über alles was aus der Norm ausscherte, ist ja auch keine Fürsorge im Sinne von fürsorglichem Miteinander in gegenseitiger Aufmerksamkeit und Zuwendung.
Das setzt nämlich eine Nähe voraus, die für jedes Kind verlässliche Bindungspersonen und generatives Miteinander garantiert.
Aber das gibt es nicht mehr, wie wir immer wieder feststellen müssen.

'Zwangsverwahrung' hört sich auch scherzhaft bitter an, also eher schmerzhaft...
fürsorglicher Langmut muss wohl erst wieder gesellschaftsfähig gemacht werden... von uns vermutlich...