23 Juni 2014

happy enden

... sicher kennt jede das Zitat: ...nach dem Happyend wird jewöhnlich abjeblendt... 
es kommt der Punkt, da ist die Geschichte auserzählt, da nimmt endlich alles eine glückversprechende Wendung und Märchen schließen mit der Verheißung "..und sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage!"
Ich mag ja eher den Schluss: "... und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute!", das lässt viele schöne Möglichkeiten offen.

Wir brauchen und das nicht nur bei Erzählungen und Romanen, ab und zu ein möglichst gutes Ende, einen Zwischenstopp der aufgeputschten Gefühlslage. Ein nicht enden wollendes Drama bedeutet Dauerstress. Auch beim Geschichten erzählen (bzw. schreiben) ist es für den Leser (und auch für den Erzähler) frustrierend, wenn die unerfreulichen Wendungen so gar kein Ende nehmen wollen und die Normalität eines gediegenen Alltags sich nicht mehr einstellen will. Dauerstress macht krank, selbst wenn es ein vermeintlich positiver Stress ist.
Ein ununterbrochenes dramatisches Wechselbad der Gefühle, ohne dass zwischendurch (lange) Phasen der Entspannung in einem eher ruhigen Gleichmaß stattfinden, kann uns in einen Zustand von (sowohl positiver wie auch negativer) Euphorie versetzen, die wir vielleicht nicht als solche wahrnehmen. Denn das ist wohl das Problem, wir gewöhnen uns auch an Extreme, wenn uns (scheinbar) keine Alternative bleibt. Wir passen uns an und das muss nicht bedeuten, dass wir uns damit wohlfühlen und schon gar nicht wird es uns gut tun, es ist eher ein Überlebensreflex (siehe Stockholmsyndrom).
Die Weltliteratur liebt Dramen und Tragödien, unerfüllte Liebe und das meist hart erkämpfte Happyend. Nach Zeiten der Prüfungen und des Leids möchte all die Bitternis und das Unrecht endlich vorübergehen. Wir sehnen uns alle nach einem guten Ende.
Und genau genommen soll dieses Ende auch gar kein Ende sein, sondern ein Anfang – der Beginn einer endlich unbeschwerten Zeit. Eine Zeit, in der das grundlegende Lebensgefühl mindestens Zufriedenheit am liebsten jedoch (ein sanftes andauerndes) Glück ist. Wohl kaum wird eine ein pausenloses Feuerwerk der Glücksgefühle erwarten – das wäre unrealistisch und anstrengend - aber eine glückliche Grundstimmung wäre schön, um das zu tun was eine Mensch halt so tun muss, um auch weiterhin zufrieden durchs Leben zu gehen.
Das Happyend, auf das wir seit Kindheit an geeicht werden, geht immer mit der Vorstellungen von einer alles außer Kraft setzenden, romantisch-sensationellen und möglichst lebenslang dauernden Liebe zu einem – nein, zu dem – Partner einher, dem heißersehnten Märchenprinzen, dem Traummann, Mr. Right bzw. seine weiblichen Pendants. Wir können nur happy enden, wenn eine einzigartige Zweierbeziehung von nun an unser Leben bestimmt... ach ja!
Und hier vermischen sich nur zu gern Fantasie und angestrebte Realität. Die Literatur, die täglichen Serien, die Filme der Superlative machen es uns vor, wie unser Anspruch auszusehen hat - love for ever... unter dem tut es keiner mehr ... wobei heute mehr denn je die 'Liebe' (literarisch) auch lediglich als serieller Sexkonsum mit durchaus akzeptierten Gewaltkomponenten daher kommen darf.
Aber ein glückliches Ende kann viele Formen annehmen und die müssen, wenn sie gerade beginnen, nicht immer super-mega-spektakulär sein. Manchmal besteht das glückliche Ende auch daraus, eine dieser Wahnsinnsbeziehungen "überlebt" zu haben und endlich wieder frau (man) selbst zu sein... oder wir finden das, was wir eigentlich die ganze Zeit suchen … Geborgenheit, Aufmerksamkeit, Zuwendung, gegenseitige Fürsorge in verlässlicher (artgerechter) Nähe...
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Kommentare:

Grey Owl Calluna hat gesagt…

Nicht jede weiß, was Du unter "argerechte Nähe" verstehst.....das ist für Menschen, die sich nicht mit dem Matriarchat auskennen oder noch nie davon gehört haben halt leider unverständlich. Und selbst wenn wir wissen, was es bedeutet, ist es schwer das nachzufühlen oder sich vorzustellen.
....und auch wenn Du's jetzt nicht glauben magst,.....bis auf das, was Du als "artgerechte Nähe" verstehst, ist bei Rea doch alles vorhanden......da fehlt bei Rosi schon wesentlich mehr.... :/ .....was sich vielleicht auf irgendeine Weise ergänzt.....daher braucht Rosi Rea und Rea Rosi. Warum, wirst du jetzt fragen.....na weil sie schon zwanzig Jahre weiter ist...und irgendwie als eine Mentorin fungiert....vielleicht unter "Gunnars Namen"...zwinker..(Ja. ein Mann. Klar. Aber leider fällt mir das mit der "Schwester", und besonders als Rea, noch immer schwer. Ich hatte nie eine und habe mich mit Frauen oft nicht gut verstanden...)
Liebe Grüße
Rosi

Stephanie hat gesagt…


liebe Rosi, ich schreibe schon so lange und sehr detailiert zu meinen Themen, so dass diejenigen, die hier lesen eigentlich Bescheid wissen sollten...
und der Begriff des artgerechten (Menschen)Seins ist inzwischen auch anderweitig nicht unbekannt und Gegenstand der Forschung...
ich kenne ja deine Rea - Problematik, aber es ist nun mal eine fiktive Person, eine Romangestalt...
in meinen Beschreibungen des natürlichen, eben artgerechten, Menschendasein beziehe ich mich auf reale Verhältnisse, auch wenn sie schon weit in der Vergangenheit liegen... die auf Matrilinearität beruhende Matrifokalität ist nun mal unsere ursprüngliche Gemeinschaftsform...