24 Juni 2014

traditionell

Heute morgen bin ich über einen Artikel zum Thema Rituale von Ulrich Greiner gestolpert und fand darin den Satz: "Man kann die Moderne als den Versuch beschreiben, ohne Tradition auszukommen und sich dem jeweils Neuen zu verpflichten."

Ist das so und was sind uns Traditionen wert?

... wenn von Traditionen und Konventionen die Rede ist, dann wirft man meist nur einen kurzen Blick in die Vergangenheit. Und wenn ein eher konservativer christlicher Abendländler die Historie betrachtet, schafft er es meist auch nur ein paar Jahrhunderte weit. Als gäbe vor der Kultur der Christenheit keine von menschlichen Gemeinschaften gestaltete und erlebte Vergangenheit, wird das aktuelle mitteleuropäische Brauchtum zur (einzigen) Tradition erklärt. Die Rituale der christlichen Kirche scheinen dabei aus dem Nichts zu kommen (obwohl wir es bereits besser wissen) und sie garantieren den Benutzern opitimalen "spirituellen" Nutzen. Aber das tradierte und christlich aufgerüschte Volksbrauchtum fragt sehr wohl heute wieder nach seinen Wurzeln...

Die SommerSonnenWende - der längste Tag und die kürzeste Nacht des Jahres - ist wieder ein gerngefeiertes und vielbeachtetes Naturereignis. Und das nicht ohne Grund - es war und ist eine traditionsreiche Festzeit, die interessanterweise in der umfangreichen Feierkultur des Kirchenjahrs keinen direkten Niederschlag findet. Ähnlich dem sinnenfreudige Fest Anfang Mai, heute als Beltane oder Walburgisnacht bekannt, wenn um den Vollmond das Frühjahr seinen klimatischen Hochpunkt erreichte. 

Welche Rituale auch immer rund um und während der alten Feste stattfanden, fast immer ist Feuer eine  Bestandteil der Gebräuche ... verliebte Paare springen Hand in Hand über das Sonnenwendfeuer, es gibt noch immer die Osterfeuer und in manchen Gegenden wurden zu verschiedenen Gelegenheiten Feuerräder zu Tal gerollt. An der Küste gibt es noch das Biikebrennen, wir stellen Lichter in ausgehöhlte Kürbisse und die Weihnachtszeit, welche als Quellcode die WinterSonnenWende hat, ist traditionsgemäß Kerzenzeit ... uraltes Brauchtum ist immer noch unglaublich vielfältig erhalten und nicht alles konnte von der christlichen Umgestaltung übertüncht oder gar ganz ausgelöscht werden...

so bilden sich auf den Relikten alter Bräuche immer auch neue Rituale. Vielleicht führt das Leben, bezogen auf die Natur, uns ohnehin immer wieder in den altbewährten zyklischen Ablauf, in unseren bunten Jahreskreis...

































Wolf Dieter Storl sagte in einem Vortrag: "... Rituale sind archaische Techniken, die Dinge bewegen, die den Geist bewegen, die die Seele bewegen, die auch eine Wirkung haben...


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Kommentare:

Grey Owl Calluna hat gesagt…

Jetzt bin ich doch echt erstaunt, dass Du in einem einzigen Post gleich auf zwei Männer berufst.....aber bitte nicht falsch verstehen......wo ich selber es doch zunehmend vermeide Männer zu zitieren....Obwohl,....den Storl mag ich schon ganz gerne und ich höre gerne, was er zu sagen hat.
Sei lieb gegrüßt
Rosi

Stephanie hat gesagt…


... ach, was soll denn immer dein Erstaunen... schließlich bin ich nicht lebensfremd...
wenn etwas Treffendes gesagt wurde, dann sollte es auch erwähnt werden und besonders dann, wenn die Zitate mein Meinung und meine Haltung bestätigen...