11 Februar 2011

Eigentlich


Eigentlich wollte ich mich ja nicht mehr direkt zu solchen Fragen, wie: „...bilden wir uns das Patriarchat nur ein und gab es überhaupt je Matriarchate?“, äußern. Aber da diese Thema nicht zur Ruhe kommt, sind wir offensichtlich noch (lange) nicht damit durch.

Ja, es gab matriarchale Strukturen weltweit und sogenannte Matriarchate existieren immer noch, wenn auch in verschwindend kleiner Anzahl. Jeder kann dazu googeln und sie werden auch deshalb so leicht übersehen, weil es sich dabei eben nicht um Zusammenschlüsse machtgieriger Weiber handelt, welche die armen Männer knechten...

Diese matrifokalen Urformen sind und das ist imho inzwischen hinreichend bekannt, egalitäre Formen einer Gesellschaft, in denen die Männer das sind, was sie schon immer waren, die Söhne und Brüder der Frauen (und nicht die Partner, wie es gern so modern bezeichnet wird - dazu mein offener Brief beim Waschweib).

Das Patriarchat ist eine schmerzliche Realität, schmerzlich für Mann und Frau.

Die Patriarchose, wie Dagmar Margotsdotter-Fricke den Zustand nennt, ist wahrhaftig eine krankhafte (und krank machende) Entwicklung in der Menschheitsgeschichte, die schon viel zu lange anhält.

Die Frage ist auch nicht wirklich, ob wir sofort etwas dagegen tun oder ändern können. Noch sind vor allem Frauen damit beschäftigt diese todkranke Gesellschaft ständig zu pflegen und wiederzubeleben, denn leider müssen wir uns alle tagtäglich darin aufhalten.

Wenn Frau (im allgemeinen) also bisher noch nicht einmal die Diagnose gestellt hat, wie kann sie da das Heilmittel gegen diese Krankheit suchen oder gar anwenden? Und wir werden noch suchen müssen! Wenn etwas so lange dauert, dann liegt auch der Verdacht nahe, dass diese Krankheit bereits chronisch ist...

Außerdem verwirren mich die, mich immer wieder erreichende gendermainstreamigen Meinung. Ich verstehe das hartnäckige Leugnen der grundsätzlichen Unterschiedlichkeit der Geschlechter nicht wirklich. Ich finde das respektlos beiden gegenüber! 
Die biologische Ausformung der beiden Geschlechter hat seinen Grund und wir gehören nun mal auch zur Kategorie der Säugetiere...

Die Probleme, die in unserer Zivilisation vor allem die Frauen treffen, sind auch nicht, wie pauschal behauptet, weder in der Vergangenheit noch heute, von allen Menschen fabriziert worden, sondern sind in voller Absicht von den machtversessenen männlichen Vertretern der Patriarchalgemeinde kreiert worden. Aber auch das, weiß inzwischen JedeR.

Wir könnten uns Frauen hierzulande vorwerfen, dass wir auf ziemlich hohen Niveau jammern. Mal abgesehen davon, dass es inzwischen ohnehin uncool für Frauen ist, zu klagen. Doch Frauen wuppen alles, sie behalten selbst in verzweifelten Augenblicken die Übersicht, sie arbeiten bis zum Umfallen oder bis sie zur Kur geschickt werden. Und ja, selbst wenn sie scheinbar gemütlich auf einer Bank im Sonnenschein am Rande des Spielplatzes sitzen, arbeiten sie. 

Sie verwalten die umfangreiche Terminliste eines normalen Kleinfamilienhaushalts und sorgen für deren Umsetzung. Sie halten Mann und Kind bei Laune, sie handwerkern, gärtnern, waschen, kochen, bügeln, nähen stricken, schreiben und und und... (ach klickt euch doch selbst durch die Bloggerlandschaft, um zu sehen, was Frauen alles tun, oft genug noch neben einer Berufstätigkeit). Und wenn sie allein zu Hause sind, dürfen sie auch weinend zusammenbrechen, aber klopft dann jemand an die Tür, sind schnell die Tränen abzuwischen und wahlweise kann behauptet werden, sie hätten Schnupfen oder sich gerade den Balken aus den Augen gewischt...

Eigentlich können wir Frauen hier in Mitteleuropa meist ganz entspannt unserem Tagesgeschäft nachgehen, ohne Gefahr für Leib und Leben, wenn wir nicht gerade zur Prostitution gezwungen werden, gegen den Ehrbegriff der Machokultur verstoßen haben oder sonst wie in die Mühlen der kriminellen Subkultur unserer Gesellschaft verwickelt sind.

Doch solches tangiert die meisten Frauen nicht, im Gegenteil, viele wähnen sich bereits im aufgeklärten Wunderland. Selbst dann noch, wenn sie verhüllt und mit Kopftuch neben einem locker gekleideten Teenagern in einer Schulklasse hocken oder vielleicht als karrierebewusste Singlefrau, den Müttern erklären, wo es lang geht.

Trotz ständigem Aufschrei mitleidiger Seelen, aber noch kämpfen Frauen nicht gegen Männer, sondern sie wehren sich höchstens gegen „häusliche“ Gewalt, Übergriffe, Ungerechtigkeiten, Demütigungen oder weisen auf das weltweite Leid anderer Frauen hin... denn in anderen Teilen der Welt geht es nicht so gemütlich zu, wie bei uns.

Und dafür sollten wir unsere privilegiertere Stellung auch nutzen. Denn, wenn ich mich, als Frau aus lauter Angst und Sorge und Schmerz nicht gegen meine Peiniger auflehnen kann, bleibt mir nur die Hoffnung auf die Schwestern in dieser Welt, die in einem unversehrten Körper stecken, der frei fühlen kann und die den Kopf zum Nachdenken frei haben. 

Nichts finde ich schlimmer, als wenn wohlmeinende Frauen ihren Mitschwestern die Welt erklären, die in ihren Augen, Hand in Hand mit jedem und ab sofort partnerschaftlich gesinnten, Mann, doch gar nicht so übel ist...

Langsam verliere ich meinen großmütterlichen Langmut!

Zweitausendachtundzwanzig wird Isolde zwanzig Jahre alt sein... was sie da wohl vorfinden wird?


Kommentare:

Karin hat gesagt…

Danke Stephanie, du hast das auf den Punkt gebracht, was mir schon seit einigen Tagen durch den Kopf geht. Alles Liebe Karin

birgit hat gesagt…

was du da schreibst
und ich unterschreibe jedes wort
wird jeden tag genau anders herum berichtet
wenn frau beginnt / überhaupt dazu kommt sich damit auseinanderzusetzen wird ihr täglich stündlich die patriarchalische lesart um die ohren gehaun
auch von *netten* männern die den müll rausbringen windeln wechseln bla
die fähigkeit alles gegen den strich zu lesen
das von geburt an eingetrichterte weltbild vom kopf auf die füsse zu stellen
kostet viel kraft und zeit
und immer wieder rückversicherung und bestätigung
dafür ist es notwendig
(um die not zu wenden)
es immer wieder laut zu sagen
darüber zu schreiben
davon zu erzählen
neue lebensformen zu finden
dafür brauchen wir einen langen atem
geduld
ausdauer
denn dagegen steht gewalt
das ständige
wenn du nicht... dann...
liebesentzug verhöhnung demütigung
lg birgit

Ray Gratzner hat gesagt…

2028 wird es für Isolde anders sein. Rechte, Freiheit und Respekt sind Werte, die gemeinsam geübt und gelebt werden.
Auch wir Männer ändern uns und werden wieder zu neuen Rollenbildern und zu neuem Rollenverständnis finden. Das ist ein Prozess der Zeit beansprucht und wenn man den Blick zurück wendet, dann wird einem klar, dass vieles offensichtlich besser geworden ist.

Ich wünsche Isolde, dass sie sich früg klar darüber wird, was sie in ihrem Leben erleben will und dass sie mutig das kreiert.

Letztlich sterben die Hindernisse auf dem Weg zur Freiheit nicht aus. Ob Patri- oder Matriarchat.

Wir brauchen sie, um Freiheit wirklich finden zu können. Und die sieht für jeden von uns individuell anders aus.

Liebe Grüße rainer

Christian hat gesagt…

"Die Probleme, die in unserer Zivilisation vor allem die Frauen treffen, sind auch nicht, weder in der Vergangenheit noch heute, wie pauschal behauptet von allen Menschen fabriziert worden, sondern wurden von den machtversessenen männlichen Vertretern unserer Spezies in voller Absicht kreiert."

Dem würde ich widersprechen. Immerhin haben die Frauen auch genug Anteile daran, indem sie Männer mit Macht attraktiv finden.

Sexuelle Selektion hat zu einem Teil der von ihnen angesprochenen Unterschiede geführt, die heute zwischen Mann und Frau bestehen. Und da hat eben die Frau den Mann mit Status bevorzugt, weswegen Männer Status wollen.

Stephanie hat gesagt…

Liebe Karin,
ja das Thema ist sehr komplex und meine Meinung dazu auch nicht gerade populär, aber wir werden dran bleiben...
liebe Grüße Stephanie




liebe birgit,
„...das von geburt an eingetrichterte weltbild vom kopf auf die füsse zu stellen kostet viel kraft und zeit...“

wie wahr... ich glaube, es wird auch gerade erst angefangen, sich die Möglichkeiten einer matrivivialen Lebensweise zu erschließen, aber dazu müssen wir eben erst, wie gesagt die Diagnose stellen und wie du schreibst: einen langen Atem, Geduld, Ausdauer... aufbringen.
Noch fällt es mir leicht, Geduld zu üben, ich muss nur an meine Kinder und Kindeskinder denken...
danke und liebe Grüße an dich
Stephanie

Stephanie hat gesagt…

Danke, lieber Rainer,
aber um die Lebensgestaltung meiner Kindeskinder mache ich wenig Gedanken, sie haben alle Mütter, die wissen was sie wollen und Väter, die sie unterstützen. Die Frage ist doch ob die jeweiligen gesellschaftlichen Bedingungen eine freie Entfaltung der gesamten Persönlichkeit zu lassen?
Rechte, Freiheit und Respekt für die Eizelne/n werden in zwanzig Jahren hoffentlich überall selbstverständliche Werte sein, in der Ausübung und als allgemeine Lebensgrundlage.
„...auf dem Weg zur Freiheit nicht aus. Ob Patri- oder Matriarchat...“
Hier muss ich dir jedoch eindeutig widersprechen: im Patriarchat werden wir kaum die besagte Freiheit für alle finden, das wird jetzt schon seit ein paar tausend Jahren versucht... aber natürlich können wir auch in Ketten oder hinter Mauern eine illusorische Freiheit des Geistes leben...




Hallo Christian
Verdrehst du da nicht etwas?
Vereinfachung ist ja immer nur die halbe Wahrheit, so auch der berechtigte Hinweis auf die sexuelle Selektion! Als Frauen noch frei wählten und sich sozusagen nur ihr Immunsystem den jeweiligen Liebespartner aussuchte, gab es keine Männer mit Wirtschaftsmacht, politischem Ansehen oder regelrechter Herrschergewalt, ihr Status war Teil des Sippengefüges.
Als es Männer mit wirklicher Macht gab und sich innerhalb der Männerschaft hierarchische Machtstrukturen etablierten, hatten Frauen nicht mehr wirklich die Freiheit zu wählen. Wenn es die, auf Status gerichtete, sexuelle Selektion gibt, so war sie immer nur die weibliche Antwort auf männliche Gesellschaftsgrundlagen.

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Christian hat gesagt…

"Als Frauen noch frei wählten und sich sozusagen nur ihr Immunsystem den jeweiligen Liebespartner aussuchte, gab es keine Männer mit Wirtschaftsmacht, politischem Ansehen oder regelrechter Herrschergewalt, ihr Status war Teil des Sippengefüges."

Auch in eine Sippe gibt es Anführer, gute Jäger, stärkere und schwächere, gute und schlechte Versorger. Eine Frau, die die guten Versorger attraktiver fand hat Kinder besser durchbringen können, so dass sich ihre Gene im Genpool anreichern konnten. Ein Mann der gute Eigenschaften darstellen konnte hat mehr Frauen davon überzeugen können, dass er ihre Kinder gut durchbringt und damit auch mehr Kinder bekommen.

Das sich heute Status an anderen, ausgefeilteren Prinzipien festmacht spricht ja nicht dagegen, dass man das Prinzip bereits früher hatte.

Affen haben es ja immerhin auch und sie haben auch keine moderne Gesellschaft.

Stephanie hat gesagt…

Hallo Christian,

Wir gehen von unterschiedlichen gesellschaftlichen Grundlagen aus. Du scheinst diese Jäger-Sammler-Horden mit einem Clanchef oder (männlichen) Anführer vorauszusetzen. Gruppierungen, in denen sich sozusagen das heutigen Familienbild bereits manifestiert hat und in denen eine Art dauerhafte Paarverbindung, die Grundlage des Zusammenlebens der frühen Menschen gewesen sein soll... patria Wunschdenken... würde ich meinen.
Körperliche Merkmale, Gesundheit, sichtbare Intelligenz sind ja durchaus (gegenseitige) Auswahlkriterien bei erotischen oder sexuellen Kontakten. Das „Immunsystem“ guckt nicht nach Reichtum oder Statussymbolen. Das findet erst auf der nächste Stufe des gefühlsmäßigen (Auswahl)Verfahrens statt: welche Erfahrung hat Frau in ihren bisherigen Lebenszusammenhängen gemacht. Das heißt, welche Orientierung hinsichtlich auf die bestehenden Machtverhältnisse, garantiert ihr und ihren potentiellen Kindern ein Durchkommen und ein Überleben. Solange frau in ihrer Herkunftssippe unter Schwestern und Brüdern geborgen war, haben statusmäßige Überlegungen wohl kaum eine Rolle gespielt.
Das heutige Auswahlverfahren ist kaum ausgefeilter, als in früheren Zeiten. Es geht immer noch um eine Anpassung zwecks Überleben in den vorgefundenen Verhältnis für das einzelne Individuum. Dass es gerade hier und heute recht moderat zu geht, setzt das Prinzip des Selbst- und Arterhalts nicht außer Kraft.