15 Mai 2011

MüM

... ist hier nicht die Abkürzung für Meter über dem Meeresspiegel, sondern für:

Mitternachtsgedanken über Müll

Luisa Francia schreibt, dass ihr manchmal verübelt wird, wenn sie anderer Leute Müll fotografiert. Bisher bin ich selbst noch nicht auf die Idee gekommen Müll zu fotografieren. Aber ich werde damit bei meinem Müll anzufangen. Außerdem finde ich Müll im Erinnerungskosmos und im Blick auf eigenes zukünftiges Verhalten auch recht spannend.

als ich noch ein Kind war, gab es keine Müllabfuhr auf unserem Dorf. Was haben wir damals eigentlich mit unserem Müll gemacht? Gab es überhaupt so etwas wie das, was wir heute als Müll bezeichnen?

Doch irgendwie schon. Alles was brennbar war, wurde verfeuert. Das vorrangige Verpackungsmaterial war Papier. Der heute sogenannte Biomüll kam auf den Kompost oder den Haustieren zugute. Für manche Einkäufe brachte man eigne Behältnisse mit, Milch kam in die Kanne, später gab es (Pfand)Flaschen. 
 
Ziemlich weit außerhalb von unserem Dorf lag eine Schutthalde. Dort konnte jeder abladen was sich im Haushalt nicht mehr verwenden ließen – Kleinschrott, zerbrochene Gegenstände, kaputtes Spielzeug, alte Möbel, Farbtöpfe! Sondermüll war noch ein unbekannter Begriff. 

In größeren Abständen belud mein Vater unseren soliden Holzhandwagen mit Ehrlichgesagtichweißnichtwas und ich trabte neben ihm her die Landstraße entlang. Wenn wir zurückkamen hatten wir je nach Jahreszeit und Sommerwoche Fallobst dabei und bestimmt auch irgendwas, was wir auf der Müllkippe gefunden haben und mit zurück nach Hause nahmen. 

Dieser Abladeplatz war eine ehemalige Kiesgrube und ziemlich weitläufig. Auf dem Grund gab es Schilf bestandene kleine Teiche mit Fröschlein und auf den Steinen sonnten sich Eidechsen. Ich habe diese Müllfahrten in guter Erinnerungen, denn natürlich zogen wir nur bei allerbesten Wetter los. 

Später kam bei den Staatslenkern die Idee auf die wertvollen Rohstoffe wieder der Wirtschaft zuzuführen. Schüler mit und ohne blaue Halstücher gingen von Haustür zu Haustür fragten nach Altpapier und Glas. Meist lagen die verschnürten Bündel schon griffbereit. Irgendwann gab es auch Sammelstellen, an denen man Gläser und Flaschen abgegeben konnte und sogar Geld dafür erhielt

...für Foto extra gesammelt!
Heute hat Müll eine Dimension erreicht, die ich erstaunlich und manchmal beängstigend finde. 

Wenn ich so sehe, was allein in meinem Einpersonenhaushalt alles anfallen kann. 

Obwohl ich mich wirklich grundsätzlich bemühe Müll zu vermeiden, ist das Entfernen des wöchentlichen Müllaufkommens ein ständiger Punkt auf der ToDo-Liste. 



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Kommentare:

Grey Owl Calluna hat gesagt…

Geht mir auch so liebe Stephanie. Und jetzt im Wohnblock so wie so. Jeden zweiten Tag ein Eimer voll Müll. Jeder vier, fünf Tage ein gelber Sack....und Papiermüll, den auch wie nicht mehr verheizen können, so wie wir´s bis vor kurzem noch im Haus taten.
Ein Irrsinn....mit dem Müll.....aber wsenn sich "daran noch Geld verdienen läßt"! .....wird es wohl auch so bleiben.

Liebe Grüße
Rosi

birgit hat gesagt…

es ist eben mühsam
das bewusste leben
das ganze abgepackte und die plastiktüten sind schnell gegriffen beim einkauf nach der arbeit
es bedarf dieser entscheidung alles aber auch alles auf nachhaltigkeit zu überprüfen
und ich gestehe dazu bin ich viel zu erschöpft und nicht in der lage den mann dazu zu begeistern
aaber ich werde im urlaub einen neuen anlauf nehmen
allerliebste grüße
birgit
derzeit geht mein telefon nicht
und das des mannes ist IMMER leer
giggle

Karin hat gesagt…

Ah du liest die RentnerInnen Bravo. :-) Ich fotografiere oft Müll. Eigentlich Wohlstandsmüll. Unsere Wohnungen sind in weiten Teilen mit Möbeln eingerichtet die andere wegschmeissen. Neulich hat auf dem Sperrmüll eine Leder Couch Garnitur gestanden, die hatte keinen Kratzer, an der war nichts durchgesessen, und die war bestimmt nicht älter als 2 Jahre und garantiert nicht billig. Holz, Malutensillien alles das finde ich auf dem Müll.
Wir selber haben wenig Müll, also auch im Haushalt, denn wir kaufen in einer Cooperative in der mensch Papiertüten nutzt und in eigene Behältnisse abfüllt. Altpapier gibt es auch kaum, denn wir heizen mit Ofen. War ja nicht alles schlecht in der alten Zeit. :-)
Alles Liebe Karin