20 Mai 2011

Ziellos-Planlos

Ich behaupte jetzt mal, ja auch wenn es dir, du weißt schon wer, nicht gefällt: Der Weg ist das Ziel ist keine weibliche Aussage!

Der Satz, der mir wirklich auf den Zeiger geht, um es höflich auszudrücken und der auch so gern von Frauen, nicht nur fernöstlich orientierten, angewendet wird, ist: 

Der Weg ist das Ziel...

Natürlich weiß ich nicht, wer tatsächlich diesen nervigen Ausspruch geschaffen hat, es könnte auch eine Ameise gewesen sein. Auf mich wirkt er wie eine Beschäftigungstherapie, bei der Sisyphus Pate stand. Aber eigentlich will ich es auch gar nicht wissen, wer sich das ausgedacht hat, doch es war bestimmt keine Frau. 

Der Satz schließt immerhin ein, dass ein Ziel wohl vorhanden sein muss, sonst bräuchten wir uns ja gar nicht auf den Weg machen. Ursprünglich ist der Mensch so strukturiert, dass er sich nicht oder nur unter Not von dem heimatlichen Standort fortbewegte. Den Wohn- oder gemeinsamen Lebensplatz (weiträumig, also landschaftlich gedacht) verlassen zu müssen, bedeutete, vielleicht alles zu verlieren, aufwändig Sack und Pack mitzuschleppen, die vertrauten Gefilde aufzugeben und sich einer ungewisse Zukunft zu zuwenden. Ohne zu wissen, ob hinter dem nächsten Wald oder Berg die Welt so ähnlich ist, wie die, aus der sie gerade kamen. Wege gehen nur des Lernens willen oder um sich Bewgung zu verschaffen ist eine sehr neuzeitliche Erfindung.

Natürlich weiß ich, dass sich der obige und allen gut bekannte Satz, mehr auf die Wege einer inneren Reise bezieht. Einer Reise, zur Erkenntnis des täglichen Umgangs mit anderen und zur Selbstfindung, auf die Erfahrung mit dem innersten Sein. Trotzdem gibt es auch dabei, soetwas wie ein konkretes Ziel, nur eben, dass uns die Erfahrungen, die wir auf diesem Weg sammeln bereits bereichern. Leider fühlt sich für mich diese Devise immer so wenig bodenständig, abgehoben, irgendwie männlich an. 

Des (weiblichen) Menschen (Ur-)Tätigkeiten sind in der Regel zielgerichtet. Und das Erkennen, das geistig spirituelle Wachstum, passiert dabei wie von selbst, besonders im immerwährenden Umgang mit Kindern und ihrer Entwicklung. Das Leben einer Mutter besteht im konkreten Alltag aus zu bewältigenden Aufgaben und Arbeiten, sowie aus der (Für)Sorge für sich und die Ihren. Das hört sich nach unserer heutigen Definition nach Pflicht und Quälerei und Unfreiheit an. Dabei ist es das ganz normale (natürliche) Leben.

Die einstigen „Yin und Yang“-Theoretiker, die solch meditative Weisheiten in ihre elitäre Welt setzten,  waren auch nur Patriarchen und sind unter Garantie keine Mütter gewesen. Die können sich nämlich im Alltag kaum ziellose Wege leisten. Ja nicht einmal das Abschotten ihrer „unabhängigen“, ungebundenen Seele, denn Mütter leben in der Verbundenheit eines Seelennetzes (oder sollten es zumindest). 

Den männlichen Luxus der Bindungslosigkeit oder die ungeborgene Autonomie des Mannes, ist für Mütter nie eine Option gewesen. Die Mutter ist das Zentrum des Lebens und wir sind alle schon immer von dieser zentralen Mutterkraft abhängig.
Abhängigkeit ist jedoch heute ein weniger gern gesehener Zustand. Dabei ist dieses Abhängigsein in Gegenseitigkeit die Basis der Geborgenheit, an der es grundsätzlich heutzutage mangelt.

Ich jedenfalls befinde mich immer wieder auf vielen Wegen und sie haben alle ein Ziel.

 

Kommentare:

Grey Owl Calluna hat gesagt…

Liebe Stephanie!
Geistige Wege sind Menschen, Frauen, wie Männer schon immer gegangen, ob sie es nun "so" definiert haben oder nicht. Wie könnte es sonst Spiritualität geben. Und auf diesen geistigen WEgen, kannst Du unmöglich gleich zum Ziel kommen. Abkürzungen gibt es da nicht.
Mein Weg bis hier her war Kindheit, Teenie, Schhule, Party, Kerle, Leben auf der Überholspur,....Krankheit,.....völlig ausgebremst,....noch mal Krnakheit......wieder hochgerappelt,....und völlig verändert.....und mal schauen, was jetzt noch so kommt auf meinen Weg.

Und wenn Frau´s genau nimmt,....gibt´s glaube ich gar kein Ziel. Denn selbst die Erleuchtung ist nur ein kurzer Moment, der vorüber geht. Und das Nirvana, ....selbst das ich nicht das Ende.
Also,.....sind wir immer auf dem Weg, und deshalb, ist er das Ziel.


Es kommt halt auch immer darauf an, aus welchem Blickwinkel mans sieht, mit was man es in Verbindung bringt.


Eigentlich habe ich die Erfahrung gemacht, dass gerade die Männer immer gerne kurze Wege gsehr gerne gehen, und sich dann am Ziehl wähnen. Ist dann aber meist scheiße gelaufen.....und nix erreicht.



Die Fürsorge für mich war in meiner Programmierung nicht enthalten. Deshalb ist sie wohl dann auch moralisch verwerflich, nach der bestehenden Norm ausgeartet.

Jetzt weiß ich natürlich, dass es da eine Verbundenheit gibt, zwischen allem, was ist.


Herje,...das Kind (Jimmy) wurde mitgeschleift, egal wohin,...in meiner Bindungslosigkeit.
Es hat viele Männer gesehen, Schwarze, Weiße, Gelbe.....
(Schade das kein Roter dabei war....grins...Aber was heißt schon "rot". Beziehe ich das auf die Politik,....stimmt es nicht. Kommunisten waren Einige dabei.)


Geborgenheit,....finde ich mitlerweile wirklich nur bei mir selbst.
Und in der heutigen patriarchalen Gesellschaft.....(über)lebt man/frau alleine auch nicht so gut....schon mal ganz "finanziell" gedacht....


JA! Das ist es doch! "Viele Wege"!......sind wir alle schon gegangen.....

Sei ganz lieb gegrüßt
Rosi

birgit hat gesagt…

ach du je
so hochtrabend sehe ich das gar nicht mit erleuchtung
für mich ist das zielorientierte
effiziente effektive das patriarchale zumal wenn es auf kinderaufzucht bezogen wird
handlungsziele wirkungsziele smart definiert runtergebrochen *würg*
welche mutter erzieht zielorientiert?
versorgt sie nicht eher jeden tag aufs neue lebt vor
der weg ist das ziel heisst für mich ich hechel nicht durch die zeit zum ziel sondern bin hier bei mir bei jedem schritt
das klappt wohl nicht immer
ich sehe mich ja gern als wilde frau von ort zu ort streifend *giggle* was allerdings wohl eher nicht zutreffend ist bei meiner baumart :)))
der weg ist das ziel heisst für mich alltag langsam zeit für alles was anfällt...
den akt der herstellung ebenso schätzen wie das ergebnis
sicherlich geht es immer um ein ergebnis ein ziel aber auch um den weg dahin
für mich jedenfalls

Stephanie hat gesagt…

Danke, liebe Rosi und liebe Birgit,
für die weiteren Denkanstöße zum Thema und die Hinweise, dass nun mal jede Frau mit ihrem eigenen Erfahrungspaket daher kommt.
Ich grüße euch herzlich
Stephanie