26 Januar 2011
Mitternachtspost im Januar
Neulich las ich in einem Kommentar, dass ein Künstler an sich zweifeln muss und die besten Werke von Zweiflern stammen...
Ob das wirklich so ist, möchte ich hier und jetzt doch einmal bezweifeln...
ich weiß, ich weiß, Zweifler(innen) haben so was bescheidene, sympathisches... Zweifeln, auf der Suche sein ist auch ein bisschen chic! Wir kennen ja auch alle den Spruch: Der Weg ist das Ziel! Immer ist noch etwas zu verbessern, immer sind wir noch nicht gut genug, müssen wieder und wieder hart an uns arbeiten. Gut, manches Mal mag es auch nötig sein, denn manch erzieherischer Drill und unnütze Verbildung haben uns verbogen und eingeengt und uns selbst entfremdet.
Aber muss es denn wirklich auf einen dauernder Kraftakt hinauslaufen, zerquält von Selbstzweifeln und auf der Suche nach dem Heil, das uns andere vorenthalten haben?
Wir können stattdessen den Tag in dem Bewusstsein verbringen, dass wir die Welt heilen, mit unserem Handeln, unserer Kunst, mit unserem Dasein!
Zweifel bedeutet doch, ich bin nicht gut genug für diese Welt! Und mache ich alles richtig? Werde ich von den Anderen akzeptiert? Aber gut und möglichst noch besser, muss ich doch nur sein, wenn ich gegen irgendwelche Konkurrenten antrete, wenn ich meine Arbeit möglichst gewinnbringend verkaufen muss, wenn mein Umfeld mich zwingt, mich ständig zu beweisen.
Eigentlich ist das doch so ein Männerding... währenddessen scheint es ein Teil des weiblichen Existenzberechtigungsgefühl zu sein, sich immer ein wenig unwert fühlen zu müssen ...
ich will das schon lange nicht mehr...
Nichts ist weniger willkommen, als eine Frau, die selbstbewusst auftritt und die sagt: Ich weiß genau, was ich will und was ich tue!
Wir sollten wirklich aufhören an uns selbst zu zweifeln, sondern unserer Intention freien Lauf lassen und damit glücklich sein. Da kann ich abschließend nur sagen: ...nicht Eine von uns hat wirklich einen Grund an sich zu zweifeln!
Ich wünsche allen eine zweifelsfreie Zeit... und ganz besonders Dir!
Mitternachtsgedanken aus gegebenen Anlass...
Beim Essen nicht Lesen
Eine beliebte Mahnung an das Kind. Es ist nicht gut für... warum auch immer... doch als ich Kind war kümmerte es mich meist nicht und wenn ich sonst keine Unterhaltung hatte, dann habe ich halt gelesen! Das ist war und ist für mich normal, Essen und Informationsaufnahme gehören einfach zusammen.
Beim Essen nicht Reden! Noch schlimmer! Besonders, wenn das Kind sein notwendiges Mitteilungsbedürfnis in der Unterhaltung mit Erwachsenen nicht genug ausleben kann (darf). Mit meinen Kindern hielt ich es anders.
Als sich Menschen noch am Abend um ein gemeinsames Feuer versammelte und es weder Bücher noch Zeitungen, geschweige denn Fernseher gab, haben sich Menschen unterhalten. Doch es war sicher nicht nur ein Schwätzchen nach getaner Arbeit. Die was zu sagen hatten, die Alten, sprachen über ihre Erinnerungen, Erfahrungen, auch über manch ein Geheimnis, dass schon seit Generationen im internen Kreis weitergereicht wurde. Die Jungen hörten zu oder fragten und behielten die oft wiederholten Mären und Sagen im Gedächtnis. Eines Tages war es dann für sie an der Zeit, den Schatz an die Jüngeren weiterzugeben. Alles, was ihnen wiederum die Ahnen einst kündeten und die Erkenntnisse, die sie selbst in ihrem Leben sammelten... können wir uns ein solches Leben noch vorstellen?
Heute muss ein Kind die Kulturtechnik des Lesens erlernen um an das sprunghaft angewachsene Gesamtwissen der Menschen heran zu kommen. Und es soll in der Schule (still) sitzen und zuhören, auch möglichst ohne etwas anderes zu tun. Auch das habe ich in meinen Kindertagen nicht ausgehalten, obwohl ich ein wahrhaft braves Kind war. Zum Glück hatten die Hefte Löschblätter, die ich vollmalte und neben mir saß die beste Freundin mit der ich schwatzen konnte...
Der Mensch lebte schon immer auch von den Interaktionen mit den anderen, Input gab es stets und ständig … sehen, hören, fühlen, riechen, schmecken … und ganz besonders während der Mahlzeiten.
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23 Januar 2011
Tagesgeschäft
… ich bin nach zwei, drei unangenehmen Erfahrungen und Begegnungen ein wenig in Klausur gegangen, wollte etwas Abstand bekommen, kleine Seelenverletzungen ausheilen, ein bisschen die Duldsamkeit wieder zu Kräften kommen lassen.
Wenn ich Klausur oder Rückzug schreibe, dann ist davon natürlich nicht das Tagesgeschäft berührt. Dann fahre ich trotzdem meine Schwester zum Friedhof und zum Einkaufen, treffe dabei meinen Bruder, der sich gerade von seiner HerzOP vor etlichen Wochen zu erholen beginnt und berichtet, dass seine Frau, die nach einem Sturz ins dem Krankenhaus kam, nun am Montag nach Hause darf. Oder ich vertrete eine der Mamas bei den Enkelkindern, wenn die häusliche Lage schwierig wird. Wobei darunter heutzutage auch Arbeitszeiten oder krank sein fallen. Als normal gilt nämlich allerorten der tägliche reibungsloser Ablauf, auch wenn dieser Normalfall richtig kompliziert ist. In Familien mit mehreren Kindern finden im Alltag meist ausgeklügelte Logistikleistungen auf höchstem Niveau statt. Die Lage entspannt sich für die Eltern vielleicht, wenn die Kinder größer werden, das begleitende Mutterherz ist trotzdem immer dabei.
Zu meinem Tagesgeschäft gehört auch, dass ich mir über die banalsten Dinge Gedanken mache und das persönliche, alltägliche Geschehen um mich herum in die gesellschaftlichen Zusammenhänge hochrechne. Dort bekommt nämlich plötzlich alles eine andere Wertigkeit und ist gar nicht mehr so privat. Ich will jetzt hier nicht auf alte Slogans zurückkommen, dass das Private politisch sei, denn das ist es ohnehin schon immer gewesen. Aber der Wandel der Zeit ändert auch vieles in der täglichen Routine und es ist wichtig auch die Sicht auf den praktizierten Alltag anzupassen. Wie der Normaltag der durchschnittlichen Klein- und Kleinstfamilien als Alltagskampf in all seiner Schärfe abläuft, ist sogar hochgradig politisch. Aber wie gesagt, es gilt als normal und wer nicht mithalten kann stört nur das Getriebe. Und bei diesen meinen dramatischen Worten habe ich jetzt hier, noch nicht mal das große Ganze im Sinn, sondern nur ein etwas langsameres, verträumtes Kind im Blick, das sich einfach, in dem, Bildung verwaltenden, dauerhektischen und lauten Schulalltag, völlig fehl am Platze fühlt...
Meine Gedanken(- und Schreib)arbeit, die mir wirklich wichtig ist, lässt meine kleine Wohnung manchmal beinahe zum Elfenbeinturm werden. Aber ab und zu sind da diese besonderen Momente, die so nachdrücklich erden, wie einundeinehalbe Stunde süßes, weises Geplapper, entzückende Nachsicht mit Omas Begriffsstutzigkeit und seliges Lächeln bei den kleinen Ritualen, die wir beide so zusammen haben – die dreijährige Isolde war zu Besuch...
| Konspiratives Treffen im Korbsessel...! |
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17 Januar 2011
Glück
...menschlich sein macht glücklich, behaupte ich jetzt einfach mal. Oder...
Ein glücklicher Mensch stürzt andere nicht ins Unglück...
hört sich nach Kalenderspruch an, ich weiß und stimmt das auch?
Jedoch so oder anders herum, ich bringe glücklich und menschlich sein, in einen ursächlichen Zusammenhang. Glück ist nicht nur ein philosophischer oder esoterischer Begriff, es ist manifest, ein Grundmuster unseres menschlichen Seins, unser Wohlfühlfaktor. Dort, wo wir der Menschlichkeit, der Zugewandtheit und Beachtung begegnen, können wir befreit und zufrieden durchatmen, uns sicher und geborgen fühlen, glücklich sein.
Jedoch so oder anders herum, ich bringe glücklich und menschlich sein, in einen ursächlichen Zusammenhang. Glück ist nicht nur ein philosophischer oder esoterischer Begriff, es ist manifest, ein Grundmuster unseres menschlichen Seins, unser Wohlfühlfaktor. Dort, wo wir der Menschlichkeit, der Zugewandtheit und Beachtung begegnen, können wir befreit und zufrieden durchatmen, uns sicher und geborgen fühlen, glücklich sein.
Ich will jetzt nicht auf die vielen flüchtigen Augenblicke der Glückseligkeit eingehen, die uns streifen, berühren, aufsteigen wie bunte Luftballons, die uns die Tage verschönern und die Nächte versüßen. Sondern auf das Glücklichsein als eine Grundhaltung in meinem Leben. Glücklich für sich selbst und andere und damit ist nicht das saloppe Leben und Leben lassen oder das inakzeptable Jeder ist sich selbst der Nächste, gemeint.
Ist dieses grundlegende Glücklichsein jedoch im Angesicht des Wahnsinns, der allerorten tobt, überhaupt möglich? Im Wissen um die Zerrissenheit der Welt und all der Unmenschlichkeit die tausendfach jede Minute stattfindet, einfach nur glücklich sein, geht das? Wie geht das?
Immer wieder treten Situationen in unser, ansonsten hier so friedliches, Leben, die uns unsere Friedfertigkeit auch mal vergessen lassen oder wir verlieren gleich die Contenance.
Und wie reagiert mensch bei einer Naturkatastrophe oder als Zivilist in einem Kriegsgebiet, wenn uns nur noch Unmenschlichkeit umgibt? Können wir dann menschlich bleiben? Wann bricht sich die Urgewalt des Überlebenwollens Bahn und schadet dabei anderen? Oder verhält sich eine Mutter inhuman, wenn sie ihre Kinder mit allen Mitteln verteidigt? Vorausgesetzt die Mutter ist überhaupt in der Lage, sich zur Wehr zu setzten... und wenn ja, was bewirkt ihr heiliger Zorn?
Inhumanes Verhalten von dem wir hören, macht uns wütend, regt zum Handeln an oder sind wir direkt betroffen, lähmt es auch, lässt uns verzweifeln. Das Grauen, dem wir direkt gegenüber stehen, paralysiert und vernichtet die Basis von Glück.
Unmenschlichkeit zerstört Leben und menschliches Glück, das, denke ich, kann so stehen bleiben.
Was ist nun dieses Glück, diese menschliche Grundzufriedenheit und was hat sie dem Unglück, das nicht als fatales Ereignis, sondern als Ergebnis (un)menschlichen Handelns daherkommt, entgegenzusetzen?
Ich denke, ein verantwortungsdurchdrungenes, zutiefst humanes Verständnis für das eigene Sein und für mein jeweiliges Gegenüber, ein aus der Mitte heraus, bewusstes Geben und (An)Nehmen, sowie in Sicht- und Hörweite Menschenliebe fließen lassen, das ist schon mehr als nur die halbe Miete und eine richtig gute Voraussetzung für Glück, das nie so ganz allein gedeihen kann...
ich stelle mir immer wieder vor, dass auf diese Weise alle Menschen glücklich werden können und Inhumanität irgendwann... plop... verschwindet. Ach ja!
Liebe Karin, Danke für die Anregung auf deinem Blog writresscorner zu dem Thema, das mich bewog auch meine Gedanken frei zu lassen....
14 Januar 2011
eine evolutionsphilosophische Betrachtung...
"In der Eiszeit zogen noch bunt gemischte Menschenhorden umher..." dieser Satz steht gegen Ende in einem Artikel in der Wochenzeitschrift Die Zeit und hat mich sehr gestört...
In dem Text kommen auch noch andere, ich bin mal höflich, Merkwürdigkeiten vor und sicher werde ich mich zu einigen Punkten auch noch äußern...
Ich frage mich, wie man diese Vorstellung genau verstehen soll?
Auch die frühen Menschen waren eher sesshaft, als mobil. Von unserer heutigen Vorstellung von Mobilität ganz zu schweigen. Die Menschen lebten landschaftsbezogen. Die vertrauten Horizontlinien umschlossen sie, wie uns heute die Wände unserer Wohnung. Das war nicht die gruselige und bedrohliche Natur, vor der man immer wieder flüchten musste, das war ihr Zuhause. Von den Anfängen in Afrika bis zur Eiszeit und bis zu deren Ende, haben sie Jahrtausende gebraucht, um nach Europa, bzw. in die ganze Welt zu kommen.
Es wurde sich wohl höchstens generationsweise wirklich wegbewegt, solange der Mensch ausschließlich zu Fuß ging. Die Vorstellung von der Umtriebigkeit der frühen Menschen scheint mir manchmal zu einfach gestrickt.
„Die Savanne trocknet langsam aus“, meinte eines Morgens der Clanchef, „lasst uns mal nach China gehen, dort soll es auch sehr schön sein...“ oder wie? Die haben auch nicht jede Woche ihren Fellkoffer gepackt und sind weitergezogen, immer den Mammuts hinterher...
Überlebensstrategien waren vielfältig, klimaabhängig und durch naturgemäße Veränderungen initiiert. Und zu ihnen gehörten auch lange Phasen des Dableibens an einem Ort, in einer Gegend. Es waren die Zeitspannen in denen die Menschen sich wichtige Komponenten des Menschseins aneigneten. Gefühle lernten, wie Genuss erleben, Erfüllung fühlen, Glück spüren, gleichbleibende Zufriedenheit auskosten. Alles was wir in Ruhe lernen und verinnerlichen können. Menschen wurden nicht irgendwann sesshaft, sondern sie bewegten sich ohnehin nicht ohne Not aus ihren Sammel- und Jagdgebiete fort.
Ich denke ja, die Ackerbau- und Viehzuchtära brach nicht einfach über die Menschen herein und ermöglichte ihnen dann erst sesshaft zu sein. Wenn die (Menschen)Spezies anzahlmäßig zulegt, weil in friedlichen Zeiten die Gruppen anwachsen und man gern in der vertrauten Umgebung bleiben möchte, musste frau sich auch was einfallen lassen, um alle satt zu bekommen.
Manchmal wird so getan als wären Menschenhorde wie die Wanderheuschrecken durch die Welt gezogen, ohne Sinn und Bezug zu ihren Wurzeln und der Landschaft, die sie formte. Selbst nomadenhaft lebende Völker bewegen sich über Jahrhunderte in einem sehr begrenzten Gebiet. Der Mensch war eigentlich schon immer sesshaft, wir allerdings haben heutzutage eine Art an Mobilität entwickelt, die ich nur als zivilisationsgeschädigt bezeichne und fast schon schmerzhaft empfinde...
„Die Savanne trocknet langsam aus“, meinte eines Morgens der Clanchef, „lasst uns mal nach China gehen, dort soll es auch sehr schön sein...“ oder wie? Die haben auch nicht jede Woche ihren Fellkoffer gepackt und sind weitergezogen, immer den Mammuts hinterher...
Überlebensstrategien waren vielfältig, klimaabhängig und durch naturgemäße Veränderungen initiiert. Und zu ihnen gehörten auch lange Phasen des Dableibens an einem Ort, in einer Gegend. Es waren die Zeitspannen in denen die Menschen sich wichtige Komponenten des Menschseins aneigneten. Gefühle lernten, wie Genuss erleben, Erfüllung fühlen, Glück spüren, gleichbleibende Zufriedenheit auskosten. Alles was wir in Ruhe lernen und verinnerlichen können. Menschen wurden nicht irgendwann sesshaft, sondern sie bewegten sich ohnehin nicht ohne Not aus ihren Sammel- und Jagdgebiete fort.
Ich denke ja, die Ackerbau- und Viehzuchtära brach nicht einfach über die Menschen herein und ermöglichte ihnen dann erst sesshaft zu sein. Wenn die (Menschen)Spezies anzahlmäßig zulegt, weil in friedlichen Zeiten die Gruppen anwachsen und man gern in der vertrauten Umgebung bleiben möchte, musste frau sich auch was einfallen lassen, um alle satt zu bekommen.
Manchmal wird so getan als wären Menschenhorde wie die Wanderheuschrecken durch die Welt gezogen, ohne Sinn und Bezug zu ihren Wurzeln und der Landschaft, die sie formte. Selbst nomadenhaft lebende Völker bewegen sich über Jahrhunderte in einem sehr begrenzten Gebiet. Der Mensch war eigentlich schon immer sesshaft, wir allerdings haben heutzutage eine Art an Mobilität entwickelt, die ich nur als zivilisationsgeschädigt bezeichne und fast schon schmerzhaft empfinde...
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10 Januar 2011
Inkarnation
Jedenfalls wurde wieder gekämpft, abgeschlachtet und vernichtet ohne Ende und zum Schluss wurde von der Stimme aus dem Off darauf hingewiesen, dass die Nähe zu den Helden auch einem völlig bedeutungslosen Menschen etwas Ansehen verleihen kann.
… nun ist mir ja schon lange klar, ich bin eine von denen, die in ihren Reinkarnationen nichts Spektakuläres erlebt haben. Eines der Erdenkinder, die beim Erzählen in der Weltliteratur immer als erstes umgekommen sind und die für die Geschichte dann keine Rolle mehr spielten. Das Bauernopfer der Mächtigen, völlig unheldisch und von den Geschichtsschreibern übersehen. Und ich gehörte wohl auch zu dem friedlich vor sich lebender Teil des Background, ohne den ein Herrscher nichts zu beherrschen gehabt hätte und den ein Romancier als Kulisse für die Hauptfiguren in seinem Werk braucht.
Ich war weder eine ägyptische Prinzessin oder bekannte trojanische Priesterin oder sonst eine Adlige, noch ein siegreicher Feldherr, wahrscheinlich auch kein bedeutender Politiker der Antike, wurde nicht als Aufrührer hingerichtet, bin nicht auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden und habe keine sensationellen Entdeckungen gemacht. Nichts von alldem. Sollte ich auf einem von Columbus Schiffen gewesen sein, bin ich wohl bei einem Sturm über Bord gefallen und habe Amerika nie erreicht.
Ich war eher das Kind, das umkam, weil die Mutter an der Pest starb oder der junge Bursche, der in einer Schlacht verheizt wurde. Vielleicht auch der Gärtner oder die Haussklavin im Hausstand eines römischen Tribuns. Wenn ich mich recht erinnere, waren meine Leben als Mann eher kurz und beschwerlich und als Frau meist lang und erfüllt. Vielleicht ist das ja das Besondere.
Bestimmt verliefen meine Leben in aller Ruhe, als ganz normale Sammlerin in der Sippe oder als Frau und Mutter im Langhaus, mit Kindern um mich, den meinen und denen der Schwestern. Oder ich zog als Händler über die Berge, um anderen Clans Tauschwaren und Nachrichten zu bringen.
Ich habe am Feuer Geschichten erzählt und Lieder gesungen, gesponnen, gewebt und im Bach gefischt, aus Blumen Kränze geflochten und mich vor vorbeiziehenden Horden im Wald versteckt.
Ein Promi der Geschichte war ich jedenfalls nicht. Nur eine, die das Leben immer wieder am Laufen hielt, für Nahrung und den Nachwuchs sorgte und das alltägliche Wissen bewahrte und weiterreichte. Eine ganz durchschnittliche Menschenfrau eben...
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08 Januar 2011
Nanu Nabu
Also heute waren wieder auf meinem Balkon die Kohl- und Blaumeisen: Emmi, Addi, Karline, Fränzchen, Holger, Lindi, Adrius, Wally und Wallera, außerdem Konstantinus, der Eichelhäher, Murmel, die Taube und Hanni, Banni und Nanni, die Amseln. Leider soll ich das wilde Treiben nicht wirklich publik machen, da ich aus Datenschutzgründen die Namen nicht nennen darf, deshalb belass ich es bei diesem internen Blogbericht. Pleti und seine drei bis sieben Spatzenkumpels kann ich sowieso nicht auseinander halten... jetzt warte ich drauf, wenn ich das nächste Mal beim Italiener sitze, dass die dicke Katze von nebenan rein kommt und die Gäste zählt...
Verständnis
...schon als Kind gingen mir Fabeln auf den Geist!
Genau, das sind diese Geschichten in denen Tiere menschliche Denkungsart zum Besten geben, in Illustrationen auch noch mit Kleidung und Gestus den Menschen ähneln und deren engstirnigen, moralischen Vorstellungen unterliegen.
Und das Thema wird immer wieder gern aufgegriffen, um patriarchales Lebensgefühl auf so ziemlich jede Tierart übertragen, die es gibt. Ob Ameisen, Fische oder Bienen, alle werden gern immer wieder dem zur Zeit praktizierten Kleinfamiliendogma unterworfen.
Tja, es tut mir leid, aber ich kann Findet Nemo einfach nicht lustig finden. Diese völlig absurde Ausgangssituation: ein FischVater sucht seinen verlorenen, kleinen FischSohn und dann die Glückseligkeit, wenn sie sich wieder in den Flossen liegen! Geht es noch blöder?
Neulich wurde im Fernsehen eine abstruse Bienenstory gesendet (bei Zeichentrick kann ich nicht anders, ich muss da wenigstens mal reinschauen), die mich schon nach wenigen Minuten anschwellen ließ, wie nach einem Bienenstich. Die Biene, um die es ging, war natürlich ein junger BienenMann (Hallo!), der mit seinen kleinbürgerlichen BienenEltern in einer (mit für Menschen typischen Einrichtung) netten Einfamilienwabe lebte. Mit Honig-Swimmingpool! Der BienenHeld war irgendeinem Komplott auf der Spur und er wollte auf gar keinen Fall sein Leben lang einem öden Job im Bienenstock nachgehen... Maja, wo bist du?
Natürlich gibt es auch andere (Kinder und Tier)Geschichten. Erzählungen, in denen die Lebensart von Tieren authentisch dargestellt wird und die Verständigung mit den Menschen ist, wie sie ist … denn verbringen wir Zeit mit anderen Wesen, können wir sie früher oder später auch verstehen. Ich bitte jedenfalls Kätzchen Irma und Kater Max und die Hamster und Meerschweinchen um Geduld mit mir...
06 Januar 2011
31 Dezember 2010
Der Mantel der Zeit
Heute, haben wir wieder einen dieser besonderen Abende und ich berühre die Zeit, die jetzt so dicht, so greifbar ist.
Das vergangene Jahr ist wie ein alter weiter Umhang, alltagsgrau, aber in den Falten in tausend Farben schillernd. Eine Schleppe, so lang, dass sie schon in Welle hinter mir die Treppe herabfließt.
Gewirkt aus dem geheimnisvollen, wandelbarem Material, das wir Stunden, Wochen oder Sekunden nennen und das mit dem Sonnenlicht wächst und in den Träumen die Erinnerungen speichert.
Oft genug unansehnlich in der undefinierbaren Färbung der Tristesse und Langeweile, mit verschlungenen Mustern, die für Andere nicht deutbar sind. Und dann wieder wild geblümt mit schönen und schaurigen Momenten im Tanz durch die Jahreszeiten.
Manches Mal lag dieser Mantel schwer wie nasser Samt auf meinen Schultern, so dass ich kaum von der Stelle kam und es kostete mich viel Kraft ihn zu schleppen. Doch dann wieder, war er trocken und leicht, wie ein seidiges Cape, das mich weich und schwerelos umwehte, so das mir dünkte, ich würde fliegen...
Heute Abend nun lasse ich dieses Cape von meinen Schultern gleiten. Ich werde später noch lange überall Fäden finden, die mich an diese bestimmte, meine gelebte Zeit denken lassen. Der abgelegte Umhang jedoch schwebt davon, wie eine bunte Wolke, um sich irgendwann unbemerkt nach und nach in der Ewigkeit aufzulösen...
… und morgen früh, wenn ich aufstehe, greife ich nach dem neuen, schmalen Plaid, das neben meinem Bett liegen wird, gewebt aus dem letzten Glanz der Sterne und dem ersten Morgenrot. Ich werde mich einhüllen, über das lockere Gewirk streichen, das sich nun wieder Tag für Tag ausdehnen und verdichteten wird - ein neues Jahr, der Bruchteil eines Aeons...
Ich wünsche Allen ein wunderbares und geborgenes 2011
24 Dezember 2010
... wie jedes Jahr, nur weiß...
... da ist sie, die oft vermisste Weiße Weihnacht!
Der liebliche Moment, da wir uns an der noch makellosen Weiße erfreuen. Die damit einhergehende Stille genießend, durch den Schnee stapfen, Autos frei schaufeln und dann doch nur die allernötigsten und nicht aufzuschiebenden Fahrten unternehmen.
Wie heute, wenn ich den Korb mit den bunten Päckchen einlade und hinunterrolle, zu den erwartungsvollen Kinder, welche die Treppe hoch und runter hüpfen und fast durchdrehen, weil die Zeit so langsam vergeht. Und dann eben einfach mal in Socken vor die Haustür treten und um die Ecke sehen, ob die Oma kommt, denn das hieße: das Glöckchen wird bald klingeln. Die Älteste der Kinderschar werkelt in der Küche und demonstriert Gelassenheit und die ganz Kleine ist sich nicht sicher, ob es auch so wird wie im letzten Jahr.
Mama ist immer mal kurz verschwunden, um dann mit diesem Leuchten in den Augen, das ich noch aus ihren Kindertagen kenne, wieder aufzutauchen. Papa, heute nicht ganz so leger gekleidet, überprüft die Kamera. Die Türen zur Stube, die heutzutage Wohnzimmer heißt, sind seit gestern abend verschlossen und das Familienleben ballt sich in der großen Küche. Aber dann läutet es doch, das Glöckchen.
Und nun lassen sich, erstaunlicher weise, auch wieder die Türen öffnen. Ein warmer Duft von vielen Kerzen umströmt alle und der Lichterschein weist den Weg in das zukünftige KinderErinnerungsWunderland...
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17 Dezember 2010
...von Ticken bis TickTack
Immer wieder wundere ich mich, dass sich so viele, besonders Frauen, über die unterschiedlichen Verhaltens- und Ausdrucksweisen von Männern und Frauen wundern. Als dürfte das eigentlich nicht sein, als müssten sie irgendwie basismäßig gleich sein, nach dem Motto: wir sind doch alle Menschen.
JedeR der fast sieben Milliarden Menschen dieser Welt ist nicht nur ein einzigartiges Individuum, sondern wird im Laufe des Lebens phasenweise von seinem innerbetrieblichen Hormoncocktail gesteuert, welcher für die Bandbreite: sehr feminine Frau bis sehr maskuliner Mann, verantwortlich ist. Dazwischen ist eine Menge möglich.
Die zur Zeit so populäre und fast schon dogmatisch daher kommende Idee des Gender-Mainstreaming ist gut für soziale Gerechtigkeit und Chancengleichheit, hat aber nichts mit den biologischen Voraussetzungen unserer Spezies zu tun, was gern mal verwechselt wird, wie mir scheint. Männer und Frauen ticken sehr verschieden, dass wissen wir doch schon
Von Louann Brizendine ist inzwischen auch das Buch: „Das männliche Gehirn“ auf dem Markt („Das weibliche Gehirn“ habe ich ja schon mehr fach angepriesen). Ich werde mir das Buch demnächst doch mal von meiner Tochter ausleihen, denn trotz Brüdern, Freunden, einem Ehemann, einem Sohn, Schwiegersöhnen und einem Enkelsohn, sind mir im Allgemeinen die Phasen des männliche Verhalten und die wenig empathische Denkungsart, auch gelegentlich ein Mysterium.
Ein mir gut bekannter, allein lebender älterer Herr hat in seiner Dreizimmer-Wohnung mindestens zehn Wanduhren mit Zeigern und unterschiedlichen Tick-Tack-Melodien, für mich das reinste
„Ach, ich finde das eigentlich ganz schön, da ist wenigstens Leben in der Bude...!“, antwortete er ganz zufrieden.
Ich sah ihn entgeistert an. „Das Geräusch eines mechanischen Gerätes nennst du Leben?“
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15 Dezember 2010
Zirkustrauma
… ich war noch ein ganz kleines Mädchen, als ein Zirkus in die Stadt kam, in deren Nähe wir wohnten. Auf dem große Platz unterhalb des Domes stand eine riesiges Gebilde aus festem Stoff, Gestänge und unvorstellbar vielen Seilen. Nie wieder habe ich ein Zelt in dieser Größenordnung gesehen. Es war ein Zirkus mit drei Manegen - Menschenmengen, dröhnend laute Musik, eine faschingsähnliche Ausnahmebuntheit.
Ich saß mit offenem Mund auf meiner Holzbank und konnte es einfach nicht fassen wie alles so gleichzeitig und scheinbar ungeordnet vor meinen Augen ablief. Nichts konnte ich mir in Ruhe ansehen, nichts wirklich festhalten. Tiere und Menschen, Bälle und Kegel, Podeste und Käfiggitter wechselten sich in rasanter Folge ab. Es war grauenhaft!
In einem Rund tobte eine weiße Pudelnummer, im anderen verknotete sich eine dünne junge Frau auf einer drehenden Scheibe und in der dritten Manege machte ein Elefant Männchen, was ich obszön gefunden hätte, wäre mir die Bedeutung des Wortes geläufig gewesen. Ich wandte mein Köpfchen hin und her, dass die blonden Zöpfchen flogen und versuchte von meinem Platz in einem der oberen Rängen die pausenlos wechselnden Ereignisse zu verfolgen. Ich wünschte mir Zeitlupe, obwohl ich keine Ahnung hatte, dass es so etwas gab. Von mir aus hätten die Kinder der Akrobaten ganz oben auf den menschlichen Pyramiden regungslos stehen können, während die Clowns ihr buntes Auto reparierten und die Pferde mit den üppigen Federbüschen auf den Köpfen ganz langsam in ihrer Manege kreisten. Das nicht enden wollende Gewimmel und das Tempo bereitete mir fast körperliche Schmerzen.
Ich verließ das Zirkuszelt mit der, tief in mir drin sich ausbreitenden Gewissheit, dass ich so eine Veranstaltung nicht noch einmal bräuchte, denn wahrscheinlich hatte ich jetzt und hier alle Zirkusnummern dieser Welt bereits gesehen.
Ich glaube, es hätte mir auch völlig ausgereicht, wenn die fliegenden Artisten unter der Zeltkuppel wie reife Äpfel in das gigantische Netz geplumpst wären, der Tiger dem Dompteur den Kopf abgebissen und ich mit den Kindern und den Hunden in der großen mittleren Manege einfach nur zwei Stunden hätte spielen dürfen...
In einem Rund tobte eine weiße Pudelnummer, im anderen verknotete sich eine dünne junge Frau auf einer drehenden Scheibe und in der dritten Manege machte ein Elefant Männchen, was ich obszön gefunden hätte, wäre mir die Bedeutung des Wortes geläufig gewesen. Ich wandte mein Köpfchen hin und her, dass die blonden Zöpfchen flogen und versuchte von meinem Platz in einem der oberen Rängen die pausenlos wechselnden Ereignisse zu verfolgen. Ich wünschte mir Zeitlupe, obwohl ich keine Ahnung hatte, dass es so etwas gab. Von mir aus hätten die Kinder der Akrobaten ganz oben auf den menschlichen Pyramiden regungslos stehen können, während die Clowns ihr buntes Auto reparierten und die Pferde mit den üppigen Federbüschen auf den Köpfen ganz langsam in ihrer Manege kreisten. Das nicht enden wollende Gewimmel und das Tempo bereitete mir fast körperliche Schmerzen.
Ich verließ das Zirkuszelt mit der, tief in mir drin sich ausbreitenden Gewissheit, dass ich so eine Veranstaltung nicht noch einmal bräuchte, denn wahrscheinlich hatte ich jetzt und hier alle Zirkusnummern dieser Welt bereits gesehen.
Ich glaube, es hätte mir auch völlig ausgereicht, wenn die fliegenden Artisten unter der Zeltkuppel wie reife Äpfel in das gigantische Netz geplumpst wären, der Tiger dem Dompteur den Kopf abgebissen und ich mit den Kindern und den Hunden in der großen mittleren Manege einfach nur zwei Stunden hätte spielen dürfen...
Petra A. Bauer forderte in ihrem Blog anlässlich der Adventskalenderverlosung die Teilnehmer heute auf, min. 40 Worte zum Thema Zirkus zu verlieren. 40 Worte... ha... ich kann nicht so kurz oder bräuchte dazu viel mehr Zeit... aber es schien mir die Gelegenheit mein Kindheitstrauma den Zirkus betreffend einmal ernsthaft anzugehen. Denn noch heute wache ich manchmal schreiend auf, weil mir träumte, ein dicker Elefant steht auf meinem Balkon und trötet, während Artisten und Clowns über meine Möbel springen...
09 Dezember 2010
Advent - Ticker
- KK 10 (Kindeskind zehn), offiziell bestätigte 3 cm gewachsen, ganz lieb, schläft nachts sechs Stunden
- Ballettaufführung von Mathilde verpasst, alles ganz klein auf dem Monitor der Kamera gesehen
- ... eben noch schnell alle Bücher lesen, die ich zu Weihnachten verschenken will
- Tochter hat mit ihrem Kurz-Krimi (das ist der, den ich mehrfach gegengelesen habe) beim Wardenburger Krimi Wettbewerb den 3. Platz belegt
- vor drei Tagen am Abend vom Balkon aus einen Brand beobachtet, Feuerwehr war schon unterwegs
- Meisen habe schon drei Tüten Sonnenblumenkerne verdrückt
- Caro hatte Geburtstag, neun Jahre, will definitiv keine Puppen mehr, stattdessen Bücher und Nintendo
- immerzu Winterkinder von Zuckowski hören, in der Küche, im Auto, im Bad, im Keller, im Alkoven, auf dem Balkon, beim Bäcker, auf dem Weihnachtsmarkt...
- Helenes Gutschein vom Geburtstag einlösen (Oma bekochen)
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08 Dezember 2010
Caro antwortet...
Vicky sagt: Ich bin Widder, wie Papa!
Caro sagt: Ich bin Schütze!
Vicky fragt: Was ist eigentlich ein Schütze?
Caro antwortet: Jemand, der andere beschützt!
06 Dezember 2010
Lasst und froh und munter sein
Ja, ja, die Weihnachtsinsel... ich möchte hier eigentlich keine Werbung für ein konventionelles Weihnachten machen, sondern wollte mit meiner Metapher sozusagen den Ist-Zustand beschreiben. Denn an Weihnachten kommen wir alle nicht vorbei, selbst wenn wir es hassen.
Die Schokoladenweihnachtsmannprokuktion läuft fast das ganze Jahr auf Hochtouren, kein Label versäumt es inzwischen einen auf ihre Kundschaft zugeschnittenen Adventskalender auf den Markt zu bringen und wenn Anfang Oktober die ersten Paletten mit Lebkuchen in die Supermärkte geschoben werden, wissen wir, es ist so weit, die Weihnachtslobby schlägt wieder gnadenlos zu.
Die Weihnachtsindustrie ist weitreichend. Bunter Glitzerkitsch kommt aus Asien und erzgebirgische Schnitzereien kann man auf der ganzen Welt kaufen. Es werden Bäumchen gepflanzt, ein paar Jahre später abgehackt und in die Menschenwohnungen verschleppt.
Heute wachsen wir in die Vorstellung hinein, dass jemand irgendwann Weihnachten festgelegte (was quasi auch der Fall ist). Dabei gibt es immer wieder Bemühungen der Sache, ohne Bezug auf die eigentliche Ursache, einen Sinn zu verpassen, als Fest der Familie beispielsweise! Also will es die moderne Tradition, dass wir nun alle, an den extra berufsarbeitsbefreiten Tagen froh und munter sein müssen...
Aber das Alles ist nicht wirklich Weihnachten...
Wir sollten uns erinnern - weil Menschen einst zusammen kamen und gemeinsam feierten sind die geweihten Nächte entstanden. Menschen erkannten in der Natur besondere Ereignisse und Zeiten und trafen sich in einer gemeinsamen Intuition, sie feierten, ernsthaft und froh und ausgelassen und dieser Anlass wurde überliefert und dann, irgendwann in der jüngeren Geschichte entstand ein Festtagskatalog. Aber mit verordneten Feiertagen ist das so eine Sache... Das ursprüngliche Begehren scheint nicht mehr zu existieren und zieht sich doch durch Jahrhunderte oder eher, Jahrtausende…
Die Weihnacht oder besser, die Geweihten Nächte, sind eine besondere Zeit. Wenn etwas geweiht wurde, dann hat es eine tiefe, eine spirituelle Bedeutung und zwar für viele Menschen. Menschen, die sich nahe standen, miteinander verwandt waren. Die das ganze Jahr zusammen lebten, gemeinsam arbeiteten, gemeinsam feierten, gemeinsam glücklich waren, aber auch gelitten und getrauert haben. Aus der Gemeinsamkeit ist die Bedeutung entstanden und aus der Bedeutung der Ritus.
Da ist die Sache mit dem wiederkehrenden Licht! Ich bin schon darauf eingegangen und die Weihnachtstradition, wie wir sie kennen, hat nun mal viel mit unserem Klima, unseren Jahreszeiten zu tun. Lange Winternächte, kurze düstere Tage! Da hilft es Feuer zu machen und zusammenzurücken. Gut zu essen, lecker trinken, Geschichten erzählen, gemeinsam lachen und wer was weiß noch...
Ich bin wohl ein Weihnachtskind...
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05 Dezember 2010
Reif für die Insel
Jedes Jahr zur gleichen Zeit ziehen immer wieder viele Menschen um und zwar...
auf die Weihnachtsinsel.
auf die Weihnachtsinsel.
Sie besteigen eines der Boote, das sie nach dem Arkadien bringt, das verwunschen und doch so voller Leben ist. Dahin, wo die immer laute, anstrengende oder auch schreckliche Welt, in der sie sonst leben, möglichst weit weg liegt. Sie hoffen auf der Weihnachtsinsel den Ort zu finden, an dem alles anders und am liebsten alles besser ist. Wo, Fuchs und Hase sich Gute Nacht sagen, sich alle Menschen lieben und Friede auf Erden herrscht.
Die Weihnachtsinsel ist eines dieser seltenen Phänomene, die ab und zu oder auch regelmäßig, in Raum und Zeit auftauchen und nach einer Weile wieder verschwinden. Geheimnisvoll, unberührt und für manche unerklärlich.
Wissenschaftler bemühen sich schon seit längerem das Wunder zu entzaubert. Sie behaupten, sie könnten exakt das Auftauchen der seltsamen Insel an Hand von Sternenkonstellationen, im Zusammenhang mit der Mondbahn und dem Vogelflug bestimmen und so die Lage und ihr Erscheinen genau errechnen. Was eigentlich die reinste Zeitverschwendung ist, denn lange bevor es diese eifrigen Wissenschaftler gab, kannte die Menschen schon die Weihnachtsinsel.
Wissenschaftler bemühen sich schon seit längerem das Wunder zu entzaubert. Sie behaupten, sie könnten exakt das Auftauchen der seltsamen Insel an Hand von Sternenkonstellationen, im Zusammenhang mit der Mondbahn und dem Vogelflug bestimmen und so die Lage und ihr Erscheinen genau errechnen. Was eigentlich die reinste Zeitverschwendung ist, denn lange bevor es diese eifrigen Wissenschaftler gab, kannte die Menschen schon die Weihnachtsinsel.
Die Weihnachtsinsel ist wie, wir uns alle denken können, recht beliebt. Einige der Weihnachtsliebhaber machen, wie Touristen, dort nur eine kurze Stippvisite, andere halten sich Jahr für Jahr wochenlang in den lieblichen Gefilden auf. Für sie ist es fast wie ein Zweitwohnsitz und sie nehmen dann möglichst das allerletzte Gefährt, um wieder ihren Alltag zu erreichen, bevor die Insel im Nichts verschwindet.
Die Weihnachtsinsel ist ein wunderbarer Ort. Ein Ort an dem sich Wünsche erfüllen und mancher Traum wahr wird. Er ist vielfältig wie nichts auf der Welt. Mit seltsamer, sich ständig verändernder Landschaft. Wir können dort durch Schnee stapfen und einen Schlitten hinter uns herziehen. Dann wieder kommen wir an Palmen vorbei, hinter denen ein Stall steht und um den sich Hirten und Schafe drängen. Die Luft ist erfüllt von lieblichen Klängen und Glockengeläut. Feuerräder kreuzen unsere Bahn, Yulböcke sehen aus dem Gebüsch und vorbeiziehende Engel streuen Sternchen auf die Wege und verteilen kleine Gaben. Die Wege sind von tausenden Kerzen beleuchtet und an den meisten der Koniferen hängen bunte Glaskugeln und Süßigkeiten. Für manche Menschen ist diese Insel das Kinderwunderland und für andere eine heilige Stätte.
Die Weihnachtsinsel ist unter recht verschiedenen Namen bekannt. Viele sagen einfach nur kurz und bündig Weihnacht oder bezeichnen sie als ihren Festplatz. Manchen nennen sie Yul, sogar Avalon und andere sind überzeugt, sie hieß schon immer Bethlehem. Das Faszinierende an dieser wunderbaren Insel ist, wir können ohne Visum einreisen, kommen und gehen wie es uns beliebt und uns dort bis zum Platzen wohlfühlen.
Obwohl, man hört immer wieder, ganz so friedlich, wie es sich manche wünschen, geht es auf dieser Insel, welche unbeirrt durch die Zeit schwimmt, nicht immer und überall zu. Ist ja eigentlich klar, wenn sich dort zur gleichen Zeit so unglaublich viele Menschen treffen und jeder für sich die idyllischen Plätze beansprucht, an denen er entspannte Tage verleben möchte, kann es schon mal eng werden. Das Beste wäre, wir streifen umher und suchten diese reichlich vorhandenen Nischen auf, in denen Einzelne, Jahr für Jahr, allein auf der Weihnachtsinsel sitzen und das nicht immer freiwillig. Aber egal, auch ich bin in diesem Jahr wieder reif für die Insel...
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04 Dezember 2010
Das Leben ist kein Ponyhof
... über diesen entzückenden Ausspruch, stolpere ich in letzter Zeit andauernd.
Er wird immer dann zitiert, wenn die harte Wirklichkeit einer angenommenen Realitätsflucht gegenübergestellt wird. Nach dem Motto: sei nicht so naiv und akzeptiere die Gegebenheiten.
Ponyhof - das ist Idylle, Verspieltheit, Verdrängen von bitteren Wahrheiten und nicht zu überbietende Blauäugigkeit.
Dabei sind die real existierenden lieben Ponys dieser Erde auch nur ein Bestandteil der harten Realität. Lediglich im Spielzeugregal springen sie in Glitzerpink mit Schleifen und fliederfarbenen Mähne durch die Welt.
Jede hat doch irgendwie, irgendwo ihren Ponyhof. Wir würden verrückt werden, wenn wir nur an all die Schrecken und die Grausamkeiten in diesem Dasein denken würden. Ohne ein gesundes Maß an Verdrängung könnten wir nicht leben. Und nicht alle sind gleichermaßen pragmatisch oder kämpferisch unterwegs. Obwohl, so prinzipiell, schadet es nicht, konventionelle Vorstellungen und angeblich Bewährtes, ab und zu, zu hinterfragen.
Auch mein Leben ist kein Ponyhof und ich wüsste in meiner kleinen Wohnung mit einem Pony auch nicht wohin...
01 Dezember 2010
Es ist für uns eine Zeit angekommen...
Familienerinnerungen, religiöse Traditionen, volkstümliches Bräuche … jeder kann sich heute aus den inzwischen reichlich vorhandenen Versatzstücken rund um Weihnachten ein schönes Fest kreieren. Mit und ohne christliche Bedeutung, die Möglichkeiten vermehren ständig sich auf wunderbare Weise.
Weihnachtliche Gefühle hin, Konsumterror und Kitsch her. Wenn wir schon drei Wochen vorher vom Weihnachtszuckerguss genervt sind und uns „oh, Tannenbaum“ zu den Ohren heraus hängt, können wir auch einfach nur an den eigentlichen, ursprünglichen Anlass denken. Wir bewegen uns und das ist inzwischen allen bekannt, in einer seit altersher überlieferten Festperiode, in der auch der Advent auf uraltem Brauchtum aufbaut. Es gilt sich vorzubereiten, zu rüsten für die Geweihten Nächten.
Ganz gleich wie sich das Wetter, das Klima, dereinst zeigte, ob die Luft milde wehte oder Stürme tobten, ob es vor Kälte klirrte oder der Schnee die Welt verhüllte, der zuverlässig stattfindende Wechsel vom Dunkeln ins wiederkehrende Licht, war der wirkliche Anlass zur Freude und zum Feiern. Für unsere Vorfahren ein wichtiges Geschehen auf der Jahresbahn. Die Wende im Jahreskreis.
Die dunkle Zeit neigt sich dem Ende zu, bald haben wir die längste Nacht und den kürzesten Tag. Der Moment der Wintersonnenwende ist der tiefste Punkt, ab da werden die Tage wieder länger, das Licht kehrt langsam zurück. Das wiedergeborene Lichtkind besiegt die Dunkelheit und allmählich wird es immer heller - ein Grund zur Freude.
Und denken wir daran, dass die heiligen Nächte von je her auch die Zeit und das Fest der Mütter war!
In der christlichen Tradition erfahren wir deshalb von Mutter Maria, die auf Reisen ihr Kind in einem Stall zur Welt bringt. Sie findet Erwähnung als Mutter des Herrn, der seine ersten Tage unter so unwirtlichen Umständen vielleicht nicht überstanden hätte, wäre er nicht nach mütterlicher Art fürsorglich gestillt, liebevoll und gütig versorgt und gewärmt worden.
Die weihnächtlichen Tagen sind eine gute Zeit, die Mütter zu ehren. Nicht die Söhne, Mütter retten tagtäglich die Welt. Die Weihnacht ist der eigentliche Muttertag.
Und die Zeit zwischen den Jahren ist auch eine besondere, geheimnisvolle Zeit, in der wir den Wesen begegnen, die heute Zeit keinen Platz im lauten Alltag haben, die wir kaum noch wahrnehmen.
Frau Holle mit ihren Holden und Heimchen zieht umher. Weises Sagen fliegt durch die Luft. Fangen wir es auf. Die rauen Nächte sind die überlieferte Zeit des Lozen, des Sehens, des Wissens! Es ist die Zeit, da die Räder still stehen, Frauen nicht spinnen und weben, nicht putzen und waschen und keine Wäsche auf die Leine hängen sollten. Meine Mutter hat sich noch an das Gebot gehalten und an mich weiter geben. Der Sinn der Arbeitsruhe liegt im Loslassen und Besinnen.
Also dann jetzt schon mal, einen schönen, geschäftigen Advent, eine weihevolle und ruhige Weihnachtszeit und merkt euch eure Träume in den zwölf Rauhnächten...
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