Eigentlich wollte ich mich ja nicht mehr direkt zu solchen Fragen, wie: „...bilden wir uns das Patriarchat nur ein und gab es überhaupt je Matriarchate?“, äußern. Aber da diese Thema nicht zur Ruhe kommt, sind wir offensichtlich noch (lange) nicht damit durch.
Ja, es gab matriarchale Strukturen weltweit und sogenannte Matriarchate existieren immer noch, wenn auch in verschwindend kleiner Anzahl. Jeder kann dazu googeln und sie werden auch deshalb so leicht übersehen, weil es sich dabei eben nicht um Zusammenschlüsse machtgieriger Weiber handelt, welche die armen Männer knechten...
Diese matrifokalen Urformen sind und das ist imho inzwischen hinreichend bekannt, egalitäre Formen einer Gesellschaft, in denen die Männer das sind, was sie schon immer waren, die Söhne und Brüder der Frauen (und nicht die Partner, wie es gern so modern bezeichnet wird - dazu mein offener Brief beim Waschweib).
Das Patriarchat ist eine schmerzliche Realität, schmerzlich für Mann und Frau.
Die Frage ist auch nicht wirklich, ob wir sofort etwas dagegen tun oder ändern können. Noch sind vor allem Frauen damit beschäftigt diese todkranke Gesellschaft ständig zu pflegen und wiederzubeleben, denn leider müssen wir uns alle tagtäglich darin aufhalten.
Wenn Frau (im allgemeinen) also bisher noch nicht einmal die Diagnose gestellt hat, wie kann sie da das Heilmittel gegen diese Krankheit suchen oder gar anwenden? Und wir werden noch suchen müssen! Wenn etwas so lange dauert, dann liegt auch der Verdacht nahe, dass diese Krankheit bereits chronisch ist...
Außerdem verwirren mich die, mich immer wieder erreichende gendermainstreamigen Meinung. Ich verstehe das hartnäckige Leugnen der grundsätzlichen Unterschiedlichkeit der Geschlechter nicht wirklich. Ich finde das respektlos beiden gegenüber!
Die biologische Ausformung der beiden Geschlechter hat seinen Grund und wir gehören nun mal auch zur Kategorie der Säugetiere...
Die Probleme, die in unserer Zivilisation vor allem die Frauen treffen, sind auch nicht, wie pauschal behauptet, weder in der Vergangenheit noch heute, von allen Menschen fabriziert worden, sondern sind in voller Absicht von den machtversessenen männlichen Vertretern der Patriarchalgemeinde kreiert worden. Aber auch das, weiß inzwischen JedeR.
Wir könnten uns Frauen hierzulande vorwerfen, dass wir auf ziemlich hohen Niveau jammern. Mal abgesehen davon, dass es inzwischen ohnehin uncool für Frauen ist, zu klagen. Doch Frauen wuppen alles, sie behalten selbst in verzweifelten Augenblicken die Übersicht, sie arbeiten bis zum Umfallen oder bis sie zur Kur geschickt werden. Und ja, selbst wenn sie scheinbar gemütlich auf einer Bank im Sonnenschein am Rande des Spielplatzes sitzen, arbeiten sie.
Sie verwalten die umfangreiche Terminliste eines normalen Kleinfamilienhaushalts und sorgen für deren Umsetzung. Sie halten Mann und Kind bei Laune, sie handwerkern, gärtnern, waschen, kochen, bügeln, nähen stricken, schreiben und und und... (ach klickt euch doch selbst durch die Bloggerlandschaft, um zu sehen, was Frauen alles tun, oft genug noch neben einer Berufstätigkeit). Und wenn sie allein zu Hause sind, dürfen sie auch weinend zusammenbrechen, aber klopft dann jemand an die Tür, sind schnell die Tränen abzuwischen und wahlweise kann behauptet werden, sie hätten Schnupfen oder sich gerade den Balken aus den Augen gewischt...
Eigentlich können wir Frauen hier in Mitteleuropa meist ganz entspannt unserem Tagesgeschäft nachgehen, ohne Gefahr für Leib und Leben, wenn wir nicht gerade zur Prostitution gezwungen werden, gegen den Ehrbegriff der Machokultur verstoßen haben oder sonst wie in die Mühlen der kriminellen Subkultur unserer Gesellschaft verwickelt sind.
Doch solches tangiert die meisten Frauen nicht, im Gegenteil, viele wähnen sich bereits im aufgeklärten Wunderland. Selbst dann noch, wenn sie verhüllt und mit Kopftuch neben einem locker gekleideten Teenagern in einer Schulklasse hocken oder vielleicht als karrierebewusste Singlefrau, den Müttern erklären, wo es lang geht.
Trotz ständigem Aufschrei mitleidiger Seelen, aber noch kämpfen Frauen nicht gegen Männer, sondern sie wehren sich höchstens gegen „häusliche“ Gewalt, Übergriffe, Ungerechtigkeiten, Demütigungen oder weisen auf das weltweite Leid anderer Frauen hin... denn in anderen Teilen der Welt geht es nicht so gemütlich zu, wie bei uns.
Und dafür sollten wir unsere privilegiertere Stellung auch nutzen. Denn, wenn ich mich, als Frau aus lauter Angst und Sorge und Schmerz nicht gegen meine Peiniger auflehnen kann, bleibt mir nur die Hoffnung auf die Schwestern in dieser Welt, die in einem unversehrten Körper stecken, der frei fühlen kann und die den Kopf zum Nachdenken frei haben.
Nichts finde ich schlimmer, als wenn wohlmeinende Frauen ihren Mitschwestern die Welt erklären, die in ihren Augen, Hand in Hand mit jedem und ab sofort partnerschaftlich gesinnten, Mann, doch gar nicht so übel ist...
Langsam verliere ich meinen großmütterlichen Langmut!
Zweitausendachtundzwanzig wird Isolde zwanzig Jahre alt sein... was sie da wohl vorfinden wird?