Wenn Freundin A mir nicht nur Instruktionen gibt, sondern sie auch noch detailliert ausarbeitet im Sinne von: „… und dann sagst du ihr dies und jenes, sage ihr ruhig, dass du…“ oder Freundin B sich ähnlich aufführt, wie meine ältere Schwester, mich an Briefschuld erinnert und Angst hat, es fällt auf sie zurück, wenn ich mich nicht normgerecht verhalte, dann könnte ich brav den Vorgaben folgen und „lieb“ sein oder renitent fragen: hast du kein anderes Objekt zum Erziehen?
Wenn mich die Verkäuferin an der Kasse anmauzt (was heute viel seltener vorkommt, als noch vor Jahren) oder ein ungeduldiger Zeitgenosse mich fast über den Haufen rennt, dann lächele ich.
Wenn eine von den jungen, flotten Powerfrauen die Augen verleiert, ob meiner Langsamkeit oder Begriffsstutzigkeit, sage ich nicht: komm erst mal in meine Jahre, sondern stehe still und sehe sie freundlich an.
Wenn Freundin C mit ihrem unermüdlichen Aktionismus versucht mir ein Beispiel zu sein für den allerorten gelobten Status einer „jungen Alten“, dann bleibt mir nur heitere Nachsicht.
Entschleunigung, Freundlichkeit, Lachen ist eine Strategie, die viele Situationen entschärft, wo ernste, gut gemeinte Worte, lange Vorträge oder eine strenge Mine wenig nützen.
Und ich lache auch, wann immer mir danach zumute ist. Auch einer tristen Alltäglichkeit kann ich humorvolle Seiten abgewinnen. Ein bisschen Ironie oder gar Sarkasmus, schadet auch nicht von Zeit zu Zeit.
Aber was sagt die Psychologie dazu?
"Ständiges Lachen deutet auf Unsicherheit hin."
Besonders Frauen versuchen sich so beim Gesprächspartner anzubiedern. Ihn in Sicherheit zu wiegen, von Unzulänglichkeiten abzulenken, sagen die Psychologen.
Ich lächele oder lache trotzdem. Nicht um den Werten der Kleingeister zu huldigen oder mich einzureihen, sondern um die, manchmal mühsam gehaltene Welt, meiner Gegenüber nicht ins Wanken zu bringen. Und natürlich beteilige ich mich auch hin und wieder an den herkömmlichen Spielchen, aber weniger um starre Formen zu bedienen, sondern um Menschen nicht zu verletzen.
Lachen kann Kartenhäuser zum Einsturz bringen, Dogmen in Frage stellen, sogar Böden unter den Füßen weg ziehen. Das haben auch schon andere erkannt. Heutzutage werden unliebsame Weiber auch nicht mehr einfach weggesperrt oder gar verbrannt, sondern zum Beispiel gern der Lächerlichkeit preisgegeben, was auch seine Wirkung hat.
Mein fröhlicher Langmut und die mir oft fehlende Akzeptanz der Konventionen, wird mir von einigen als bedenkliche Schwäche ausgelegt oder von anderer Seite als mangelnde Loyalität.
Doch kaum eine fragt mich, warum schwimmst du nicht gern im Mainstream?
Oder, wäre es für mich lohnenswert, das Gleiche zu tun?
Ist es für eine weise Alte angemessen, sich einfach mal anders zu verhalten?
Adele Sandrock, raubeinige Schauspielerin aus frühen Filmtagen, soll einmal gesagt haben: „Viele Kinder sind deshalb verzogen, weil man Großmütter nicht übers Knie legen kann.“
Sie brachte also in einem verheerendem Satz zum Ausdruck, dass Kinder nicht von Großmüttern „erzogen“ werden sollten. Wohl, da sie in der damaligen vorherrschenden öffentlichen Meinung zu nachgiebig oder zu sentimental an die hehre Aufgabe des Kinderdrills herangehen. Dafür verdienten sie, die Großmütter, eigentlich übers Knie gelegt zu werden, anstatt der Kinder!
Natürlich hätte die unbotmäßige Brut, auf Grund ihres Fehlverhaltens oder mangelnden Gehorsams gelegentlich körperliche Sanktionen durchaus „verdient“. Und damit die Großmütter wissen, wo ihre Befugnisse (nicht) liegen und sie die elterliche Macht nicht unterlaufen, werden diese auch gleich mit in die Schranken gewiesen.
In dieser Vorstellungswelt lebten, die mich umgebenden Generationen als ich Mutter wurde. Zum großen Teil geistern diese Art Vorbehalte noch heute durch die elterlichen „Erziehungsmaßnahmen“, insbesondere was den Ausschluss jeder weiteren Zuwendungsperson im Einzugsbereich der Kinder betrifft.
Mit einem Satz: „Vertrau nicht den Großmüttern, denn sie wissen nicht was sie tun!“
Und leider sind auch viele Großmütter der gleichen Meinung und pochen auf ihr Recht als verwöhnende Ausnahmekontaktperson.
Die legitimierte Kindererziehung liegt also selbstverständlich möglichst ausschließlich in den Händen der Eltern oder dem, von ihnen ausgewählten (und für die Kinder in der Regel fremden) Erziehungspersonal.
Im öffentlichen Bewusstsein ist aus einem „mit Kindern leben“, ein „Kinder haben“ geworden. Schlimmer noch, Kinder hat man eine Weile und dann hat man sie eben nicht mehr. Sie wachsen heran und „haben dann ein eigenes Leben“, so als hätten sie zuvor kein solches gehabt. Als wären sie ein Teil des Lebens der Eltern gewesen, fremdbestimmt auf den Moment wartend sich der erdrückenden Vereinnahmung zu entledigen. Später haben sie dann eigene Kinder, mit denen sie Vater – Mutter – Kind spielen dürfen. Das Wort Mutter- oder VaterRolle ist in unserem Sprachgebrauch denn auch sehr beliebt.
Und es scheinen Spiele auf Zeit zu sein! Erst leben und dann Kinder haben oder umgekehrt. Als Großmutter bin ich da auch nur bedingt eingebunden. Die nette Oma – Rolle sagt selten etwas darüber aus, dass Kindeskinder kaum wissen, dass die Großmutter nicht nur zur „Familie“ gehört, sondern die Enkel eigentlich ihre Familie sind und bleiben.
Stephanie Anhang: Das Aufmerksamkeitsdefizit, eine (med.) Bezeichnung für das Verhalten von Kindern, die nicht aufmerksam auf ihre Umwelt reagieren, sagt übrigens nichts darüber aus, wieviel und in welcher Qualität das betreffende Kind Aufmerksamkeit von seinem Umfeld erhält.
Bei einem Optimisten ist der Becher halbvoll und bei einem Pessimisten ist er halbleer!
Wir alle kennen diesen Spruch und Optimisten sind heute mehr denn je gefragt.
Aber halbvoll oder halbleer ist nicht nur eine subjektive Weltsicht, sondern auch eine physikalische Tatsache und eine Frage nach dem „wieviel hatte ich schon"?
Wie oft habe ich beim Einschenken gehört oder selbst gesagt: Bitte nur Halb (voll)!
Ist also „halbvoll“ die Selbstbeschränkung der Optimisten? Und „halbleer“ das Bedauern der Pessimisten, dass die Fülle zur Neige geht?
Ich bezeichne mich eher als RealistIn. Als Jungfrau – Geborene ist mir eigentlich Optimismus sowohl auch Pessimismus zuwider.
Nüchterne (weibliche) Betrachtung ist heute immer noch wenig geschätzt. Deshalb sind die angeblichen Pessimisten, respektive der Jungfrauen – Charakter nicht sehr beliebt. Die Erdzeichen sind zwar alle so etwas wie Wirklichkeitsmenschen. Jedoch die Wahrnehmungsfähigkeit der Jungfrauen ist wohl noch extra ausgeprägt. Sie kommen fast schon als zwanghafte Realisten daher.
Mit einem Blick alles durchschauen!
Es findet eine sofortige automatische Bestandsaufnahme von Vorteilen und Nachteilen statt.
Und oft genug werden die Nachteile einleitend genannt, da sie meist erst ausgeräumt werden müssen, um ein Projekt erfolgreich voran zubringen.
Diejenigen, die aus unbedarftem Optimismus ihre Kraft ziehen, werden dadurch verunsichert. Sie bezichtigen die Realisten des Pessimismus und möchten sie aus ihrem Umkreis verbannen. Sie leben oft nach der „Versuch und Irrtum“ – Devise. Ewas, was realistische Jungfrauen nicht gut aushalten und gern verhindern möchten. Denn das läuft für sie unter der Rubrik: Zeitverschwendung.
Die abzuwehrende, angeblich schlechte Weltsicht der Pessimisten, ist oft nur die heimliche verdrängte Zukunftsangst der Optimisten. Denke positiv, sei optimistisch. Deshalb wird die Welt aber nicht besser und die rosa Brille nützt eher denjenigen, die mit der Welt leichtfertig herumspielen oder sie kriminell vernichten. Zuviel Optimismus kann auch schädlich sein.
Eine klare und gnadenlose Sicht auf die Realität, kann aber auch lähmen. Je größer der Blick auf den Gesamtzusammenhang ist, desto mehr Mut braucht es, den Mut nicht zu verlieren.
Allen ein realoptimistisches Jahr 2009 mit einer kleinen Prise Objektivpessimismus!
Am Anfang war die Mutter und am vorletzten Wochenende im Mai fand in Karlsruhe der Internationale Muttergipfel 2008 statt.
(Link siehe rechts)
Es war ein inspirierendes Ereignis, ein nachhaltiges Erlebnis und eine persönliche Bereicherung.
Mit Vorträgen und Beiträgen, die kompetent und lustig und ergreifend waren!
Mit anregenden Gesprächen von Frau zu Frau, mit Wiedertreffen und Kennenlernen!
Mit einem tollen Ambiente und einer hervorragenden Organisation.
Hinwärts weiße Hollerblüten an der Autobahnraststätte gepflückt als kleinen Reiseschutz, heimwärts auf einer Wiese mit der Freundin Kräuter bestimmt und ein paar grüne Blättchen der Göttin zu Ehren gekaut.
Es gab für mich auf diesem Kongress viele wunderbare Momente der Bestätigung und die Festigung meiner Gewissheit, dass das Matriarchale Sein die Antwort auf die Probleme dieser Welt ist.
Wir sollten es nur noch schaffen, dass die Großmutter, die Alte, die im Schwarzen Aspekt ihres Lebens stehende Frau, nicht wie eine gesellschaftliche Minderheit gehandelt wird. Sondern, dass wir uns das Einssein von Weiß und Rot und Schwarz ins Bewusstsein rücken. Großmutter ist immer noch Mutter, nur älter und trägt die JungFrauenZeit mit sich!
Und liebe Ulrike, Danke, dass Du mich überredet hast, daran teilzunehmen!
Von einer Fräundin habe ich den SPIEGEL Artikel: „Pummel aus dem Eis“ (14.04.08) erhalten.
Eine Betrachtung zum 100 jährigen Fund - Jubiläum der Großen Mutter von Willendorf. Für viele inzwischen eines der bedeutendsten Kunstwerken der Menschheit.
Der Artikel wurde von Matthias Schulz verfasst, der sich auf jedes historische Thema stürzt und es gern mit Ignoranz und männlicher Naivität einer gewissen Lächerlichkeit preisgibt. Dieser "Auftragsschreiberling" (Zitat aus einem Forum) hat eine große Fangemeinde, die ihn verachtet und hasst.
Für mich ist das wirklich nur ein Grund den Spiegel nicht mehr zu lesen. Leider ziehen sich zu viele diesen manipulativen und dabei noch unqualifizierten Schrott nur zu gerne rein. Aber Schulz hat eben auch eine unglaubliche Art mit Worten zu spielen, z.B. „Der Pummel“ und prompt geht es im Text mit "er" weiter! Ist das Dummheit, eingefleischtes patriarchalisches Denken oder Absicht?
An solchen Stellen könnte ich zur Verschwörungstheoretikerin werden.
Als Kind (in der damaligen DDR) habe ich übrigens schon mit der Willendorferin Bekanntschaft gemacht. Ich bekam zum Geburtstag von meiner Mutter ein Buch geschenkt in dem der Autor die Figurine als ein Mutterandenken in seine Geschichte integrierte. Und im Anhang gab es auch eine Bild von IHR.
Besagte Fräundin malt übrigens die Mutter – Statuetten, die in Çatal Höyükund auf der ganzen Welt gefunden werden und sie stellt ihre Bilder beim Muttergipfel aus.
Jedenfalls Glückwunsch an uns alle, dass SIE vor einhundert Jahren wieder zu uns zurück gekehrt ist.
Am Samstag vermälte sich mein lieber Sohn mit seiner langjährige Fräundin, Liebsten und Lebensgefährtin. Es war ein wunderbares Fest, mit allem was dazu gehört. Selbst Baby Isolde (jüngste Tochter meiner ältesten Tochter) hat bis spät in die Nacht mit gefeiert. Drollig ist nur, dass meine liebe Schwiegertochter auf den gleichen Vornamen hört wie ich und sie jetzt auch den gleichen Familiennamen führt. Aber sollten wir mal in derselben Stadt wohnen oder zum selben Zahnarzt gehen, kann ich, um Verwechslungen auszuschließen, immer noch versuchen meinen matriarchalen Namen „Ursula Marthastochter“ anzunehmen.
Gerade habe ich erfahren, dass Irene Fleiss in Wien gestorben ist. Von ihr nahe stehenden Frauen begleitet, konnte am 04.04.2008 in "die Stadt der Frauen" gehen.
Sie hat uns viel gegeben, in ihrem Werk lebt sie weiter!
Angeregt durch die letzte Sendung von Anne Will habe ich unter „Papa allein zu Haus“ gegoogelt und siehe da es gibt einige Blogs unter dieser oder ähnlicher Bezeichnung.
Bei „Mama allein zu Haus“, ist unter diesem Titel und gleichem Verständnis kaum etwas zu finden. Dafür gleich als erstes: Mama klaut – Drei Kinder allein zu Haus! Es geht dabei um einen Film, bestimmt nahe am „wahren Leben“!
Bei „Mutti allein zu Haus“ landete der dritte Hinweis bereit bei der ersten Versager – Mutti.
Unter der Eingabe „Mutter allein zu Haus“ lag der Hinweis bereits auf Platz eins: "Mutter: Zweijähriger Robin war vor Tod drei Tage allein zu Hause"!
Der Ordnung halber habe ich noch Mami eingegeben und erzielte keinen diesbezüglichen Treffer!
Natürlich gibt es jede Menge Blogs von Müttern jedes Alters, die über ihre Erfahrungen im häuslichen Umfeld und über das Zusammenleben mit ihren Kindern berichten, in der Regel aus der Sicht des größten Selbstverständnisses. Ich habe auch noch keine Mutter erlebt, die sich im Zusammenleben mit ihren Kindern, als „allein zu Haus“ definieren würde.
Allein zu Haus in der Rolle des Kinderversorgers ist wohl nur für Männer sensationell. Interessant ist, dass die alltäglichen Erfahrungen, die für Frauen seit der Erfindung der Kleinfamilie zur bitteren Realität gehören, durch einen Mann an die Öffentlichkeit getragen, sich größerer Beachtung erfreuen.
Und Großmütter oder Omas allein zu Haus sind noch mal ein ganz anderes Kapitel und haben mit dem gängigen Familienalltag scheinbar gar nichts zu tun!
Tun wir doch einmal einfach so, als wüssten alle bereits um die heilsamen, dienlichen und fördernden Auswirkungen der weiblichen Gegenwart und ihres Einfluss im gemeinschaftlichen Zusammenleben. Als wäre die tragende Kraft der Frauen sichtbar und fühlbar in das alltägliche Leben integriert, anerkannt und als natürliche Voraussetzung akzeptiert.
Tun wir doch einfach einmal so, als wäre es für Frauen selbstverständlich, dass sie sich von der Geburt bis zum Tod in ihrer Muttersippe als Verantwortungsträgerin in den Ablauf der Gemeinschaft einfügen und dass sie das auch so für ihre Kinder wünschen. Als würde bereits jede Frau ständig mit gleichgesinnten Frauen über die eigene Lebensgestaltung, die Ihrer Kinder, vielleicht auch die eines Partners korrespondieren. Als könnte jede Frau jederzeit die Wohnung verlassen, um den täglichen Verrichtungen nachzugehen, ohne weit reichende Vorkehrungen zu treffenzu müssen, ihre Kinder versorgt oder behütet zu wissen. Ebenso mit der Gewissheit lebend, sich immer auf eine helfende Hand zu verlassen.
Tun wir doch einfach mal so, als wüsste bereits eine jede Frau jenseits bzw. während der Pubertät welchen Platz sie in der Gemeinschaft einnehmen wird. Ein Platz der nicht statisch ist, sondern sie fließend in ihrem Leben durch alle Phasen führt, die ein Frauenleben beinhaltet. Das heißt, die verschiedenen Verantwortungsbereiche in den unterschiedlichen Lebensphasen nicht nur wahrzunehmen, wenn es an der Zeit ist, sondern auch eine angemessene Vorbereitung auf die selbigen zu genießen. Das Sich - Ausprobieren der Jugend wird dann für die Begabungen und Neigungen reserviert sein und nicht um Lebenszeit zu verplempern mit patriarchalen Lernprogrammen.
Tun wir doch einmal so, als gäbe es überall bereit Ringähnliche Wohneinheiten, mit einem sehr großen grünen Innenhof, der Aufenthalts-, Spiel- und Lernfläche für die Kinder der Mütter- und Schwesterngemeinschaft. Der Gebäudering ist versetzt ausgestattet mit nach außen liegenden Geschäften und Werkstätten. Je nach Umfang der Anlage oder der Anzahl der BewohnerInnen liegen Gemeinschaftsräumen dazwischen für Treffen, kulturellen Austausch und gemeinsamen Unterrichtens für jedes Alter. Das Lernen in jungen Jahren ist völlig aus den früheren Schulghettos in die überschaubare und geborgene Atmosphäre innerhalb der Wohneinheiten verlegt worden. Der Wissensstand der Heranwachsenden wird von Zeit zu Zeit erfasst und Empfehlungen für den weiteren Lernverlauf gegeben. Eine Studierkultur etabliert sich für jedes Kind, das dafür bereit ist. Wobei das Eingebundensein in den familiär-häuslichen Ablauf und das Erlernen der gegenseitigen Fürsorge die Grundlage des Heranwachsens ist. Die Kinderbetreuung wird, vorzugsweise verwandtschaftlich, innerhalb der Gemeinschaft geregelt und ermöglicht den Müttern oder Großmüttern auch außerhalb der Wohnanlage einer Tätigkeit nach zu gehen. Ein Großmütterteam ist an den Arbeitstagen als Reparatur- und Instandhaltungscrew unterwegs. Die Praxen der Heilerinnen oder Hebammen befinden sich in der Etage über den Wohnräumen. An der großen Informationswand im Gemeinschaftszentrum finden wir eine Tauschbörse für Tätigkeiten und angebotene Leistungen, die Termine der Seminare und kreativen (kulturellen) Veranstaltungen größeren oder kleineren Umfangs und einen Raum des Schenkens. Und tun wir mal so, als gäbe es noch soviel Technologie, wie für die Aufrechterhaltung des weiteren gesellschaftlichen Lebens nötig ist und so wenig, dass die Vernichtung des natürlichen Lebensraum gestoppt und rückgängig gemacht wurde. Die integrierten Manufakturen und Leistungsstationen für die BewohnerInnen sind ebenso Lehrbetrieb für junge Interessenten, wie Produktionsstätten. Und zum Beispiel gehören die auf der Ost- und Südseite gelegenen Gärten und Plantagen zu dem jeweiligen Mütter–Ring und die individuelle oder gemeinschaftliche Tierhaltung rundet den Lebensraum der Habitate ab.
Tun wir doch einmal so, als lebten wir schon in der Mütter-Gemeinschaft der Zukunft!
Der Alltag hat mich wieder! Nach einem Umzug in den Norden und einer längeren Abstinenz von Telefon und Internet (ich bin in der Zeit aus zwei Foren rausgeflogen - sehr merkwürdig), lebe ich still, aber noch nicht vergnügt in einer kleinen Wohnung in der Provinz und verteile meine Großmuttergedanken und -gefühle jetzt auf neun Enkelkinder. Im Juni diesen Jahres ist noch ein entzückendes Mädchen dazu gekommen.
Über mein neues Leben XXS werde ich jetzt hoffentlich wieder regelmäßig berichten. Ich hatte einiges nachzuholen, was das Lesen auf anderen Seiten betrifft. Das Beste bisher war der Satz bei Luisa Francia: "...vieles von dem was ich vor zwanzig jahren geschrieben habe, verstehe ich überhaupt erst heute..."
Das kann ich nur bestätigen, was auch meine eigenen Erkenntnisse betrifft.
... haben meine letzten Versuche, auf das Dashboard meines Alltags - Blog zu kommen, einfach zu keinem Erfolg geführt. Heute ging es anstandslos, versteh eine die Technik?! Und somit haben wir schon April und ich muss meinen Märzbeitrag überarbeiten, der schon vor vier Wochen erscheinen sollte und da mir der Osterhase einfach keine neue Inspiration gebracht hat, bringe ich ihn heute nachträglich und widme ihn meinen Zuhörerinnen vom letzen Sonntag.
Draußen scheint die Sonne und ich blicke mit eckigen Augen und trüben Blick in den Garten. Seit ein paar Tagen bin ich vom Computer nicht mehr weggekommen. Ich habe ein paar Arbeiten beendet und die Erleichterung wird langsam spürbar.
Seit mehren Monaten begleiten mich Hex und Holle und die Macht der Erinnerung.
Beim Schreiben an einem Vortrag zu den Themen Frau Holle und Hexen, bin ich einige Male in die Tiefen meiner Erinnerung getaucht und oft genug noch weiter.
Den historischen und mythologischen Aspekt der Göttin Holle erarbeite ich mir schon seit ein paar Jahren und ich sehe mich noch heute gebannt und fasziniert in Euskirchen im Stadtmuseum sitzen und dem Vortrag von G. Nositschka über Frau Holle lauschen (2003). Alles war mir bekannt und doch völlig neu. Das war für mich der Impuls noch etwas mehr in die Tiefe zugehen.
Den spirituellen Zugang brauchte ich nicht zu suchen - SIE - war mir vertraut, seit meiner Kindheit. Damals kannte ich sie nicht (bewusst) als Göttin, aber als Abbildung im Märchenbuch, als Trickfilmfigur und Eigendarstellung mit den kleinen Freundinnen auf der großen Wiese hinter dem Haus.
Wen störte es, dass unser Apfelbaum eigentlich ein Kirschbaum war und die Sache mit dem Spinnen nicht so richtig funktionierte, aber eine Bindfaden tat es auch. Der Backofen, Marke Eigenbau, wurde von uns aus ein paar Wackersteinen aufgeschichtet, in dem die Rindenstückchenbrote buken und die Kissen zum Schütteln kamen aus dem Puppenwagen. Ich erinnere mich noch an den Tag, als es bei unserem Spiel vom Baum weiße Blüten schneite. Unser Brunnen am Wiesenrand, ein Formstück aus Beton, war groß genug um hinein zuspringen. Irgendwann wuchs in ihm eines Tages ein kleiner Busch, ich glaube es war ein Holunder.
Kinderseligkeit, in einer Zeit, da in den Thüringer Dorfalltag der Sozialismus integriert wurde und meine katholische Erziehung eigentlich eine Göttin undenkbar machte. Es war alles so einfach, ich kroch durch die Weißdornhecke und befand mich im Märchenland, so mancher Tropfen Blut blieb als Wegzoll zurück. Natürlich hätte es noch den bequemen Weg gegeben, durch das Gartentor, an den Gemüsebeeten und Beerensträuchern vorbei. Doch wer wollte das schon?
Damals wusste ich von Holles Allgegenwärtigkeit in der Zeit noch nichts, obwohl auch ich zu denen gehörte, die IHR Andenken bewahrt haben.
Und so habe ich neulich die wenigen Fotos aus meiner Kinderzeit herausgekramt und die Bilder aus der Blackbox der Vergangenheit abgerufen - Das behagliche Zusammenhocken mit den Freundinnen an der Hecke und was wir da wohl alles ausgeheckt haben? Kleine Katzen drangsalieren, die nicht in der Puppenwiege liegen bleiben wollten, oder wie wir am besten in den Dachstuhl der Scheune klettern konnten? Wir waren Prinz und Prinzessin oder Hänsel und Gretel, ohne Hexe! Wir wurden zum Gänse Hüten eingeteilt und saßen bei Regen in Ursels Küche und sahen ihrer Oma beim Spinnen zu. Die hatte noch ein richtiges Spinnrad, verspann Schafswolle und erzählte dabei. Fast wie im Märchen.
Meine süßen Enkelkinder können sich aber auch schöne Spiele ausdenken. Wenn draußen ekliges Wetter ist, ziehen sie ihre Bikinis an, drehen die Heizung bis zum Anschlag auf, legen das Kinderzimmer mit Kissen und Decken aus, die rosafarbenen für den Strand, die Hellblauen für das Meer, blasen die Schwimmtiere auf und die Kuschelpuppen bekommen Sonnenbrillen auf nicht vorhandenen Nasen. Das Ganze nennt sich: Urlaub in Spanien. Ach ja und der längliche Deckel von der Spielzeugtruhe ist das Surfbrett!
Hallo ich bin wieder da.
Ich habe meine Taschen ausgepackt, die Pflanzen entsorgt, die meine lange Abwesenheit nicht überstanden haben, meinen Schreibtisch wieder eingenommen und den Computer angeworfen.
Dann erst einmal alle Blog – Seiten gelesen, die ich schon vermisst habe, im Forum vorbei geschaut und siehe da, da stolpere ich doch über einen Link der mich gleich wieder auf den Boden der Tatsachen holt. www.sevillana.de/weisheiten/planet.htm#7tage und auf dieser Seite bin ich auf die erbauliche Endzeitvision von Jörg Zink gestoßen. Klar, dass mich das gleich zu einer Gegendarstellung reizte, viel Spaß dabei
Zukunftsvision
Zufällig entstand im unendlichen Universum ein niedlicher blauer Planet, auf dem es nach kurzer Zeit, gerade mal ein paar Millionen Umdrehungen um seine Sonne, vor Leben wimmelte. Und husch husch nach dem Kommen und Gehen von verschiedenen Arten, erhob sich eine Gruppe der Säugetiere auf zwei Beine. Plötzlich hatten sie ständig zwei freie Hände und begannen damit ihr Leben zu verbessern und immer wieder auch den Planeten zu verändern. Erst ganz harmlos, sie rodeten Waldstücke, zähmten Herdentiere, bauten die ersten Siedlungen und Hügel um darin ihre wichtigen Toten zu bestatten. Die Jagd wurde immer unwichtiger für die Versorgung, da auch Raubzüge für einige männlichen Gruppen ein einträglicher Zeitvertreib war.
Während die Mütter weiter für die Sippe sorgten, hatten immer mehr Männer immer mehr Zeit, um sich unterhaltsame Spiele auszudenken, wie Krieg führen, Pyramiden bauen oder neue Religionen erfinden. Und als einer ihrer Götter gar meinte, der Mensch solle sich den Planeten untertan machen, waren die Männer nicht mehr zu halten. Sie breiteten sich aus, teilten die Welt unter sich auf und perfektionierten ihre Spiele. Sie trieben es so bunt, dass der niedliche kleine blaue Planet mit samt seiner Artenvielfalt und ihrer eigenen Spezies ernsthaft in Gefahr geriet.
Jedoch eines Tages wurden endlich die Mütter auf das Treiben ihrer Söhne aufmerksam und stellten fest, dass es höchste Zeit sei, ihre Nachsicht, Ängstlichkeit und Mutlosigkeit abzulegen und die Gestaltung des Lebens wieder in die Hand zu nehmen. Sie begannen ihren Söhnen und deren Vätern Einhalt zu gebieten. Und so blieb der kleine blaue Planet fast unversehrt, bis auch diese Spezies ausgestorben war.
„Uff“, meinten ein paar Engel, die die ganze Entwicklung von Zeit zu Zeit beobachteten, „gerade noch mal gut gegangen!“
Ich habe mir was ausgedacht,
dass mir aber keiner lacht!
Dieses Jahr zur Weihnachtszeit,
da beschenk ich weit und breit
alle Leut - ihr glaubt es kaum!
Jeder kriegt von mir ’nen Traum…
… Schulen nur zum Lachenlernen,
Flugzeugtaxis zu den Sternen,
Sofas, um drauf rum zuspringen,
Lieder, die sich selber singen,
Pulver zum Unsichtbarmachen,
ein paar kleine zahme Drachen,
Katzen, die auf Rollschuh rennen,
Morgenstunden zum Verpennen,
Wände, um sie anzumalen,
Nüssen ohne harte Schalen,
einen Löwen zum Liebkosen,
und statt Ärger rote Rosen.
Hier ist die Bescherung aus.
Sucht für euch das Beste raus!
Dieses reizende Gedicht ist von: Gina Ruck – Pauquèt, und im Original doppelt so lang. Also ich würde die kleinen Drachen nehmen!
Ich bin eine Weile nicht da und möchte allen einen schönen Advent und eine weihevolle Zeit wünschen. Merkt euch eure Träume in den zwölf Raunächten und schaut doch mal nach draußen, ob Frau Holle mit ihren Holden und Heimchen vorbei zieht.
Ach ja und nicht spinnen, putzen oder waschen und vergesst nicht die Wäsche von der Leine zu nehmen!
Liebe Grüße Stephanie
02 Dezember 2006
Die Weisheit besteht nicht darin, viel zu wissen.
Nein, du musst das wenige, was du weißt, verstehen.
Gestern zu nachtschlafender Zeit rief mich mein Sohn an mit der dringenden Bitte nach dem Familienpfefferkuchenrezept. Es wurde noch ein ausführlicher Schwatz über Gebäck, Berufsaussichten und Computerprogrammierung. Wobei ich mehr zu Ersterem beisteuern konnte. Zum Glück hatte keiner das Rezept verschleppt!
Die Altniederunger Pfefferkuchen habe ich schon als Kind mit meiner Mutter gebacken.
Am schönsten waren die Sterne mit glänzendem Schokoguss und bunten kleinen Kügelchen bestreut. Der Teig wurde noch vor dem ersten Advent zubereitet und dann in einem Tontopf kühl gestellt. Also im Keller, nicht im Kühlschrank, denn den gab es nicht, als ich klein war. Vor Weihnachten wurde der, wunderbar durchgezogene aber sehr festen Teig wieder mühsam geschmeidig geknetet, dann Plätzchen ausstechen oder die Teile fürs Hexenhaus ausschneiden. Der Duft ließ keine Zweifel offen, Weihnacht steht vor der Tür. Der zweite große Akt, war die Dekoration der Pfefferkuchen.
Meine Älteste hat immer die ganz große Plätzchenkunst betrieben, ein paar haben wir für das Familienmuseum aufgehoben. Diese Pfefferkuchen haben die faszinierende Eigenschaft unendlich haltbar zu sein, wenn sie keiner isst!
Ich hänge mal das Rezept an, noch ist genügend Zeit der Witterung zum Trotz, auf Vorweihnachtliche Stimmung und Besinnung zu bestehen oder im Kindheitsnostalgieland zu spazieren.
Altniederunger Pfefferkuchen
500g Zucker, 250g Honig, 250g Sirup - alles zusammen erwärmen (nicht kochen!)
10g Pottasche + 10g Hirschhornsalz in Rosenwasser, ersatzweise Rum oder einfach warmes Wasser auflösen.
alles mit 1250 g Mehl, 2 Eier, 125g Butter, 1Päckchen Staetsz - Pfefferkuchengewürz vermengen (oder normales, dann Mengenverhältnis beachten oder selbst gemörsertes: Nelken Sternanis, Ingwer, Kardamom, Zimt, Muskatnuss, Zitronenschale, Pomeranzenschale, dauert etwa einen halben Tag und bitte beachten im Pfefferkuchen ist kein Pfeffer! ;-) falls der Teig etwas dunkler sein soll, Kakao zusetzen zu 500g Mehl einen El Kakao)
Teig ruhen lassen, vor dem Backen geschmeidig kneten, nicht zu dünn ausrollen, bei 180 bis 200° C ausbacken
nach dem Auskühlen zum weich werden in Blechdose oder anderes dichtes Gefäß legen und viel Spaß bei der Zuckerguss - Streusel - Verzierungsorgie!
Die weise Alte sitzt zwischen meinen drei Türen auf dem einzigen freien Platz in meiner kleinen Wohnung. Nichts kann dort eigentlich lange verweilen.
Diese Stelle ist ein Durchgang, vielleicht sogar ein Übergang, ein heiliger Ort!
Es ist der Fleck, der für mich drei Möglichkeiten bereithält
- meine Räume zu betreten, in denen ich allein sein kann,
- in das Treppenhaus zu gehen, um die Mitbewohner des Hauses zu erreichen,
- das Haus zu verlassen und ins Draußen einzutauchen.
Die weise Alte sitzt und spinnt aus Maisbärten, Bast und den Spinngeweben aus meinen Zimmerecken einen dicken Faden. Alle Helligkeit verliert sich unter ihren unermüdlichen Händen. Schwarz windet sich der Faden durch den Raum, stark genug, um daran in die Nacht zu klettern.
Aber, das geht nur, wenn es völlig dunkel ist!
Jedoch es ist nie natürlich dunkel.
Immer brennt eine Straßenlaterne, ist ein Fenster erleuchtet oder fährt ein Auto vorbei.
Wieweit müsste ich laufen um den schwarzen Faden nach oben werfen zu können, damit er sich in der Nacht verfängt und zum Aufstieg fest genug verankert ist?
Liefe ich jetzt los, ich würde bis zum Morgengrauen nicht genügend Dunkelheit finden.
Die weise Alte sitzt und spinnt, dreht und drillt und der Faden windet sich durch einen Fensterspalt hinaus. Sie sitzt und spinnt bis zum Tagesbeginn!
Ich werde heute wieder nicht die Nacht erreichen, die jeden Abend erneut auf mich wartet…
Schokoladene Kastanien Stoßen gegen meine Schuh In dem sanften blauem Dämmern Geht der Sommer leis zur Ruh
Herbst - was lieb ich deine Farben diesen bunten Abschiedsstrauß Sonnenschein mit leichter Wehmut Tobend wildes Sturmgebraus
Und ein leichtes Geisterseufzen Hexenflüstern, Feensang In mondhellen Zaubernächten Feiern wir den Jahresdank
Trag nach Haus den roten Apfel Und die Hagebuttenfrucht Zünde an die ersten Kerzen Schmücke mich mit Herbstlaubduft
Eigentlich wollte ich mein wieder gefundenes Gedicht noch vor Samhain in den Blog setzen, aber das Wetter bringt mich ganz durcheinander. Der Garten sieht noch nicht wie November aus und ich hab heute noch eine extra schöne Rose geschnitten...
„Ich mag Croissant nur wenn sie laut sind“, mit dieser Aussage überraschte ich gestern die nette Bäckerin und wir hatten noch ein angeregtes Gespräch über Frühstücksgebäck im Allgemeinen und im Besonderen. Dann zog ich ganz zufrieden mit meinem Kürbiskernbrötchen von dannen.
Dabei fiel mir ein (belauschtes) Gespräch in einer Kassenwarteschlange ein.
Ein (sehr) junges Paar vor mir:
Sie: Kürbiskernbrot
Er: Was?
Sie: Kürbiskernbrot, könnten wir auch mal machen. Voriges Jahr als ich deine Mutter kennen gelernt habe, gab es bei ihr Kürbiskernbrot, das war superlecker!
Er: Hol dir doch das Rezept!
Sie: Ja mach ich, jetzt gibt es nämlich wieder überall die Kürbisse….
Ich stellte mir vor, wie die Junge Frau mehrere Kürbisse zerlegt, um an die Kerne kommen, um anschließend ein Brot zu backen. Sie wirkte jedenfalls sehr entschlossen.
Am Anfang war das Wort - das Wort zwischen Mutter und Kind!
Wieviel Kommunikation braucht der Mensch, die Frau im Kommunikationszeitalter?
Mit der Freundin habe ich mich über die weibliche Art zu kommunizieren unterhalten, über die Menge an Kommunikationseinheiten, die frau zur Verfügung steht und die auch angewandt werden wollen. Täglich!
Ich denke, es fehlt uns oft genug der tatsächliche tägliche Austausch. Nicht umsonst wird das Medium Internet begeistert von Frauen genutzt.
Es ist nicht immer leicht, unsere mehrtausend Kommunikationseinheiten real im Alltag unter zu bekommen (die neben dem gesprochenen Wort auch Gestik und Mimik beinhalten)?
Bei manchen Berufstätigkeiten kommt Frau schon auf ihre Kosten. Aber frau allein zu Haus kann auch schon mal austrocknen, die stürzt sich eben am Abend auf den heimkehrenden Ehemann, der dann eher maulfaul vor dem Fernseher hockt, denn seine 2000 Einheiten hat er meistens schon vertan.
Ob eine Frauengruppe einmal im Monat da wohl Abhilfe schafft?
Ich denke jetzt, da ich in seliger Stille an der Tastatur sitze, darüber nach, wie sehr mir/uns wohl das gesprochen und das ausgesprochene Wort fehlt. Wollen Frauen einfach nur Gedanken loswerden und Verbindlichkeit schaffen und wie wichtig ist uns das Feedback? Der weibliche Austausch hat Kultur geschaffen, nicht alle Erfindungen und Schöpfungen entstehen durch dumpfes männliches Brüten, wie uns immer wieder weisgemacht wurde und wird. Lebbare gesellschaftliche Regeln sind bestimmt weibliche Erfindungen.
Und wie war das mit den langen Winterabenden, wo die Frauen sich in den Spinnstuben trafen, beim Federn schleißen oder Erbsen und Bohnen pulen zusammen saßen. Und im Sommer gemeinsam aufs Feld gingen?
Irgendwann und das ist bestimmt schon sehr lange her, hat sich das unterschiedliche Kommunikationsbedürfnis der Geschlechter ja heraus gebildet und das ist nicht durch ‚das Weib schweige in der Gemeinde’ wieder verschwunden..
Als Mädchen habe ich noch einen kleinen Abglanz dörflicher Frauen - Kommunikationspower erlebt. Wie oft war ich beim Kartoffeln lesen, Rüben verziehen oder Kirschen pflücken dabei und mir klingen heute noch die Ohren, von all den Neuigkeiten und „Geheimnissen“ die da durch genommen wurden. Und so manche philosophische Grundlage habe ich von den handfesten Bauersfrauen mitgenommen.
Immer noch werden über die geschwätzigen Weiber Witze gemacht und oft genug wurden sie ungehalten zum Schweigen gemahnt. Dabei stoßen Männer einfach nur an ihre Grenzen.
Was ist der Kern meiner Aussage: wir habe den selbstverständlichen, den täglichen Kontakt mit einer Frauengemeinschaft quasi verloren. Mag hier und da die eine oder andere froh darüber sein, nicht ihr Leben mit Mutter, Schwester, Tante zu teilen zu müssen oder es gut finden in trauter Zweisamkeit mit dem in die Jahre gekommenen Gatten den Lebensabend zu verbringen. Die Gefährtinnen fehlen uns, auch wenn wir uns dessen nicht bewusst sind. Es ist ein Verlust für die Frau dieser Tage, keine uns nahestehende Frauen um uns zu haben. Jede kämpft allein, jede hat es allein zu schaffen, jede will es auch allein schaffen. Und mit allein meine ich nicht die Abwesenheit eines Mannes, sondern die der weibliche Unterstützung, das Tragen von Mutter und Säugling in der Gemeinschaft, die Begleitung bei Übergängen und Initiationen... .
So, ich bin allein im Haus. Tochter mit Schatz (Lebensgefährten) im Engagement in Hamburg, Zwillinge bei Tante Suse in Lüneburg (gleich neben Hamburg) und Oma blieb allein zurück und hütet gewissermaßen das Haus.
Erst mal durchatmen. Das Waschen, Sortieren und Packen für fast ein halbes Jahr (die gesamte Winterzeit) mit Schulsachen, Ballettschuhen und Spielzeug für achtjährige Zwillinge, die voll im Leben stehen, will erst mal von Oma bewältigt sein. Fast ein kleiner Umzug. (Außerdem hasse ich packen. Ich reise auch nur, wenn ich muss.) Die Mama hatte schon seit dem 19. Okt. Proben in Hamburg und die lieben Kinder mit samt ihrem Gepäck wurden vom Opa ein paar Tage später hinterher gekarrt. Meinem Miniauto war die Last leider nicht zuzutrauen.
Erst gönnte ich mir eine ganz kleine Auszeit, ein Kurzurlaub sozusagen, bei dem Wetter ideal. Ein bisschen raus gehen und mal wieder um den See laufen, endlich ‚Sakrileg’ lesen, ein paar nette Menschen anrufen, die sonst zu kurz kommen und einmal am Tag Kochen und Essen zelebrieren. Nicht schlecht, so vom Schreibtisch aus den beginnenden Herbst zu beobachten oder im Garten Nüsse zu sammeln.
Der ‚Da Vinci Code oder Sakrileg' ist bestimmt für die meisten inzwischen ein alter Hut, aber ich lese nun mal lieber Sachbücher und kluge Gedanken von klugen Frauen, da muss so in Roman einfach auf seine günstige Gelegenheit warten, um sich dazwischen zu quetschen. Also ich fand ihn nicht so doll. Erstens kannte ich die Story von endlosen Debatten und Filmbesprechung vorher schon und mit etwas weiblich/esoterisch/historischem Standardwissen waren selbst die Passwörter des so genannten Schlusssteins ein Heimspiel. Der Harvardprofessor hat sich da etwas männlich (beinahe hätte ich dämlich geschrieben) angestellt. Na gut, es ist ein Roman und es kommen einige interessante Hintergrundinformationen unter die Leute und schon dafür hat Dan Brown ein Lob verdient.
Ich werde nun mein Alleinsein als eine spannende Zeit ansehen und überlegen, ob ich mal was ändern sollte, vielleicht vergessene Gewohnheiten reaktivieren oder Dinge tun, die ich bisher nur aufgeschoben habe und damit meine ich nicht nur den Keller aufräumen. Das Alleinsein genießen und erforschen, mit Tätigkeiten ausfüllen die bisher zu kurz kamen und zu denen frau wirklich Muße braucht.
Aber fehlen wird mir meine temperamentvolle Familie doch.
Da fällt mir wieder der Goldschnitt verzierter Gedichtsband ein, mit den elegischen Versen und den romantischen Stichen aus der guten alten Zeit im Ludwig Richter Stil, wie hieß es doch dort: Allein zu sein! Wie oft in stillen Stunden hab ich’s erfleht von des Geschickes Gunst …
Und es würde nicht aus älterer Zeit stammen, wenn nicht noch das moralische Ponyfüßchen käme, nämlich dass Alleinsein nicht nur, nicht erstrebenswert, sondern auch die gewünschte Einsamkeit mit Sehnsuchtsschmerz, wenn nicht gar mit Gewissensbissen verbrämt ist. Wahrscheinlich habe ich das Buch auch nicht mehr, sicher ist es in seine Zeit zurückgekehrt.
So geht das, mitten im Getriebe sehnen wir uns nach Ruhe, Abstand, Kontemplation. Ich möchte dann immer in Klausur gehen, eine Hütte im Wald beziehen oder einfach nur mal einen Gedanken zu Ende denken können. Alles gut und schön, aber allein sein ist doch eine recht zweifelhafte Lebensform für ein Menschenwesen. Natürlich gab es immer einsame Waldfrauen, Einsiedler, Eremiten, jedoch in froher Gemeinschaft lebt Mensch einfach am besten. .
Ich habe heute mehrere Ablagen durch gesehen, sortiert, abgeheftet, mich gewundert, was so alles zusammenkommt und meinen Papierkorb gefüllt. Viele bunte Flyer flogen so davon, seit langem gesammelt, von einigen Stationen meines Lebens, von verschiedenen Wohnorten. Gehortet unter dem Motto: ‚könnte frau noch brauchen’, ‚wenn ich mal Zeit habe!’ oder einfach nur als Erinnerung konserviert.
Wir kennen sie alle, die Offerten, die vielen Heilsversprechen, aber auch die wirklich wichtigen Angebote von Weisheit und Wissen so von Frau zu Frau.
Und da sind die Preislisten und die unglaublich künstlerisch gestalteten Vorderseiten, die Seminartermine und Vollmondzusammenkünfte mit dem implizierten Hinweis, dass wir das doch alle nötig haben. Haben wir auch, aber haben wir das als Konsumentinnen nötig?
Ich denke an die Frauengruppen und Stammtische, an Treffen zu Jahreskreisfesten oder Meditationen. Da ist das Faltblatt von einem Beginenhof, das ich wehmütig weglege, er soll pleite sein.
Und hier die Textseite aus einem Mary-Daly-Buch, hergestellt als Flugblatt für das christliche Jugendtreffen in Köln, mit unserem Motto: „Die Göttin lebt“ versehen.
Und weg mit Gruppenarbeit und Einzeltherapie, mit Ritualtänzen und schamanischen Trommeln, mit Seelenbilder malen und Vorträge über Radiästhesie, spirituelle Workshops, biodynamische Massagen, Orakeln, Pendeln und Tiefenentspannung.
Ein Flyer von einer Edelsteinmesse von vor drei Jahren und da eine alte Einladung zur Kräuterwanderung. Mit der Kräuterfrau bin ich inzwischen gut befreundet, leider ist sie inzwischen weit weg gezogen und meine Kräuter erwandere ich mir jetzt selbst.
Außerdem hat sie heute Geburtstag: Herzlichen Glückwunsch!
Und was ist das für ein Zettel? Ah, ein Hinweis wie frau ihr Auto ummeldet, den hebe ich auf, der nächste Umzug kommt bestimmt.
Am 06.09.2006 jährte sich der Geburtstag meiner Mutter zum einhundertsten Male. Natürlich lebte sie nicht mehr. Sie starb bereits vor 32 Jahren. Das ist sehr lange her, meine beiden ältesten Töchter waren noch recht klein und mein Sohn und meine Jüngste noch nicht geboren.
Sie hat uns immer gefehlt, da auch die andere Großmutter ein halbes Jahr später starb und die Großväter bereits seit Jahren tot waren.
Viele Tanten und Onkel, Basen und Vettern haben zwar das Defizit bei unseren Kindern ausgeglichen, aber Großeltern hatten sie halt keine.
Am Nachmittag dieses Geburtstags haben wir uns im kleinen Kreis zusammen gefunden, Kaffee getrunken, extra gebackenen Apfelkuchen gegessen, Kerzen angezündet und an die Urgroßmutter gedacht. Wir haben Fotos angesehen, die meisten waren aus der Zeit nach 1945, ihre Kindheit und Jugend ist nicht dokumentiert und ich habe erzählt, was ich noch so wußte! Die Zwillinge hatten viele Fragen und nicht alle waren leicht zu beantworten.
Das alles lag für sie unvorstellbar weit zurück!
„Wie lange, tausend Jahre?“, fragte die Kleine.
Das süße Enkelkind zählt die zwölf Stadtteile von unserem Wohnort auf. Die liebe Mutter fragt: "Und das müsst ihr alles schon auswendig können?" Die Antwort der Achtjährigen: „Müssen nicht – Sollen!“
Und da steht es in dem Wochenblatt „Die Zeit“: Wir brauchen einen neuen Feminismus!
Meiner Meinung nach nicht unbedingt einen neuen, jedenfalls keine Neuauflage des einstigen so genannten Feminismus. Aber was eigentlich?
Einen anderen, einen nicht nur politischen, einen individuellen. Einen selbstverständlichen, der bis in private Beziehungen reicht, denn privat ist politisch, hieß es einmal.
Aber ist es dann noch Feminismus?
Greifen wir doch mal wieder zum Wörterbuch!
Feminismus: weibliches Merkmal oder Verhalten beim Mann; Bewegung der Feministinnen. Eine Feministin ist eine „Frau, die für die Aufhebung der Herrschaft des Mannes über die Frau und Gleichberechtigung im gesellschaftlichen und privaten Bereich kämpft“ (Wahrig, 7. Auflage 2002).
Na also! Nur der private Bereich scheint mir damals etwas zu kurz gekommen. Dass haben die meisten Frauen, glaube ich, mehr oder weniger für sich nachgeholt. All die Strömungen der Selbstfindung, des Esoterikboom, Wahrnehmen der weiblichen Publizierenden, Schaffen eines neues Körperbewußtsein, Anstreben von wirtschaftlicher Unabhängigkeit (Erreichen steht auf einem anderen Blatt), Ansätze der Bildung von Frauengemeinschaften (dem Anschein nach die größte Schwierigkeit).
Jedoch bis zur Bereinigung von Mutter und Tochter – Beziehungen, selbstverständlicher Schwesterlichkeit und weiblicher Solidarität hat es wohl noch nicht ganz gereicht. Der Satz: "Ich bin nicht gegen Männer, sondern für Frauen", ist in seiner ganzen Bedeutung noch nicht umgesetzt.
Oberflächlich betrachtet hat der Feminismus von einst alles geschafft. Im politisch trägen Deutschland wurden überholte Gesetze gekippt und die öffentliche Meinung hat sich auch verändert. Welche der (positiven) Entwicklungen gehen auf das Konto des Feminismus oder aber auf die weltweit veränderte Wirtschaftslage oder Globalisierung?
Es ist ein weites Feld. Und haben sich die Verhältnisse wirklich verändert?
Frauen können Kanzlerin werden, aber sich immer noch nicht zu jeder Tages- und Nachtzeit überall frei bewegen. Das öffentliche männliche Gewaltpotential, besonders unter Jugendlichen scheint eher angestiegen zu sein, weibliche Teenager geben sich selbstbewusst, signalisieren jedoch mit Kleidung und Gebärden Unterwerfung. Bestimmte Frauen geben sich feminin bis zur Magersucht oder lassen sich von Chirurgen zurechtschneidern. Mütter sind immer noch der Abtreter der Nation und von Zeit zu Zeit heult eine auf, dass sie doch das Recht hätte, sich gegen Kinder zu entscheiden und Männer ziehen sich still und heimlich aus Zeugungsgeschäft und Aufzucht des Nachwuchses zurück. Der Aufruf zum Gebärstreik der Frauenbewegung von einst, hat jedenfalls scheinbar funktioniert.
Die schwarz-weiß Moral der Vergangenheit hat viele neue Farbnuancen bekommen und Worte, wie Flittchen oder Schlampe sind gesellschaftsfähig geworden. Dafür hat jede, seinerzeit vielleicht noch achtbare weibliche Bezeichnung in der Umgangssprache eine Abwertung erfahren. Der ehemals angeprangerte Sexismus hat inzwischen ein Level erreicht, den wir uns vor dreißig Jahren noch nicht vorstellen konnten.
Aber der bewusstseinsverändernde Aspekt des Feminismus von damals ist nach wie vor nicht zu unterschätzen und nach der langen Pause schadet ein Neustart sicher nicht, im Gegenteil!
Wochen sind ins Land gegangen, die Tage der Insel sind schon lange vorbei.
Der Sommer hat mich mitgerissen. Ich habe die Kühle meiner vier Wände genossen und in vollen Zügen das Barfußlaufen. Habe unter der Hitze gestöhnt und mich nach Regen gesehnt. Ich fand es gut zwischendurch im Haus ganz allein zu sein, da alle im Urlaub waren.
Inzwischen ist es wieder kühler geworden.
Der üppige Sommer hat ein wenig seinen Schwung verloren und ich finde endlich die Zeit, zurückzudenken: Die Tage auf der Insel waren wie eine Zeitreise, noch einmal Frühling, drei, vier Wochen rückwärts zu der Raps- und Hollerblüte, die hier schon vorbei war und dort erst begann.
Auf den Wellen der Ostsee schaukelten einige Schwäne zur Begrüßung und das Hexenhäuschen, das uns als Unterkunft diente, war unserer Intention durchaus angemessen.
Wir verweilten an den gewaltigen Steinen der Dolmen und wanderten zwischen Feld und Hecken und den Zeiten, ohne einem Menschen aus dem 21. Jahrhundert zu begegnen.
Und am vorbestimmten Tag war ich zur Mittagszeit am Herthasee. Meinen Gang zum See habe ich so wahrgenommen, wie ich es mir schon lange gewünscht hatte. Ohne Planung und Hetze, erreichte ich doch zur Geisterzeit das Ufer. Es ging von ganz allein.
Und dieser Tag im Frühsommer war warm und still und tief. Ich habe gerasselt und geräuchert und die Göttin angerufen. Ich habe Steine und Hirse geopfert. Über uns flogen Kolkraben, die Unke rief und Nattern schwammen im See. Die Spiegelbilder der Baumreihen am Ufer schienen alles in unermessliche Tiefe zu ziehen.
Wanderer, die vorbei kamen, haben fast gar nicht gestört, sie hielten gewissermaßen die Verbindung zur alltäglichen Welt und ohne meine Begleiterin, wer weiß, wäre ich vielleicht da geblieben.
Es waren ein paar wahrhaft magische Tage. Aber irgendwann beamten uns die grünen Tunnel der Alleenbäumen auf dem Heimweg wieder in die Realität zurück.
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Nun habe ich mir auch hier und da meine Gedanken gemacht zu Schwänen, Bären und Menschen.
Wir teilen uns einen gemeinsamen Lebensraum: die Erde und die Spezies Mensch hat sich ganz schön breit gemacht. Da der Durchschnittsmensch immer noch nicht gelernt hat mit den anderen Arten zu kommunizieren, sieht es für uns Menschen zunehmend trübe aus. Wir könnten an unserer eigenen Ausbreitung ersticken. Denn so wie zwischen Asphalt und Beton immer wieder Grün hervorbricht, nutzen auch die Tiere jede Enklave im Menschenbesiedelungsbereich. Greifvögel und Waschbären in der Großstadt, Wildschweine mitten in Berlin, Wölfe vor den Toren. Die einen sind begeistert, die anderen fühlen sich bedroht. Nun sind wilde Tiere eindeutig, genau wie „zahme“ Menschen nicht ungefährlich. Aber mensch muss ja nicht endlos sein Grenzen- und Schrankenlos weiter kultivieren. Wir zeigen unseren Kindern wie sie sich im Straßenverkehr bewegen sollten, jetzt sie müssen wir ihnen eben wieder beibringen, wie Wolf und Bär leben. Das heißt, wir räumen einander einen Ort zum Leben ein.
An jeder Art von Miteinander müssen alle mitarbeiten, sonst wird es nichts. Jede mit den Mitteln, die sie / er so zur Verfügung hat.
Das heißt, Aufeinanderhören, wie beim Singen im Chor. Da muss auch mal die eine, die Be – Denken der anderen aufnehmen, das Fühlen respektieren, sich an der Pracht des weiblichen Kaleidoskops erfreuen.
So, Schluss mit den salbungsvollen Worten, ich freu mich auf die Schwaneninsel, zu der ich in den nächsten Tagen reisen werde und hoffe, dass die Schwäne dort den dummen panischen Angriff der Menschen vergeben. Die Tier- und Pflanzenwelt hat uns eine Menge zu verzeihen.
Ich werde den Gänsen – den Schwänen, den heiligen Tieren der Holle, der Baba Jaga, der Caer am Herthasee ein Opfer bringen.
In allem was wir tun und zeigen, drücken wir auch eine Geisteshaltung aus. Manches ist leicht zuerkennen, anderes für Außenstehende nicht so einfach zu interpretieren. Unsere Welt ist daher voller Missverständnisse.
Da sagt eine „Liebe“ und ein anderer versteht „Sex“. Da sagt die eine „Blau“ und eine andere denkt an das scheußliche dunkeltürkisfarbene Kleid, das sie so gehasst hat und gleich steht die Kommunikation unter einem Unstern. Da streift ein echter wilder Bär durch die Berge und berührt mit seiner Existenz die Menschen. Für die einen „kommt die Natur zurück“ (die jedoch niemals weg war), für andere ist die Zivilisation bedroht und sie holen schon mal die Gewehre aus dem Waffenschrank.
Schnell entstehen kontroverse Debatten, politisches und ethisches Für und Wider, mitunter eine allgemeine Begeisterung, die sogar esoterische Funken schlagen kann.
Wenn eine die allgemeine Be – Geister – ung nicht teilt, kann das auch im persönlichen Bereich zu Irritationen führen, oft genug wird ihr dann geholfen, auch wenn sie nicht darum bittet.
Der Geist weht wo er will und trägt so manches Begeisternde durch die Welt. Aber nicht alles ist lieb und nett und harmlos, wie wir wissen.
Mit den Geistern ist das ja so eine Sache. Geister spielen gern, auch mit unserem guten Willen und besten Absichten, sie lieben es zu schaukeln und zu gaukeln. Da muss eine schon ganz schön gewitzt sein, wenn sie sich nicht plötzlich statt in liebenswerten Tiergefilden, im tückischen Schlagzeilensumpf wieder finden soll. Zwischen Krafttieren und fröhlichen Naturgeister tummeln sich wie selbstverständlich Stichelkobolde und mürrische Düsteralben oder die kleinen chaotischen Küchen – Kuddelmuddel. So manche Geistlein scheinen auch Trittbrettfahrer zu sein. Die Mammongeister tummeln sich ganz besonders gern zwischen gewinnträchtigen Themen, die so durch die Medienlandschaften und Wahrnehmungssphären geistern.
Ich habe mir angewöhnt, mit all den, mich umgebenden Geistern achtsam und höflich um zugehen, klappt meistens ganz gut. Soll übrigens auch bei Menschen hilfreich sein.
Die liebliche Tünche des Muttertags blättert einen Tag später schon wieder ab. Die fertigen Präsente und Sträuße welken in den Geschäften vor sich hin und werden zum halben Preis angeboten. Die Mütter der Nation machen ein Jahr lang weiter wie bisher, die Väter vermutlich auch.
Nicht jede Frau ist eine Mutter, aber jede Frau ist eine Tochter und hat somit eine Mutter. An dem „Mutterthema“ kommen wir also nie vorbei. Und ein Thema ist es, aber Hallo! Jede Frau springt auf ihre Weise darauf an. Manche Frauen reiben sich an der Thematik so sehr, dass sie dabei vergessen, dass sie selbst schon Mutter sind. Mutter und Tochter, ständig scheinen sie auf allen Ebenen im Clinch zu liegen. Wieviel Mutter braucht ein Kind, eine Menschengruppe, die ganze Welt?
Die Selbstverständlichkeit der Mutterpräsenz ist uns verloren gegangen, wurde nachdrücklich ausgemerzt. Es wurde getrennt, was eigentlich nicht zu trennen ist. Es wird eingeengt, wo Bewegungsfreiheit lebensnotwendig ist und Distanz gefordert, wo Zuwendung existenziell ist. Mutter: der Ausgangspunkt des Lebens! Aber wie sieht es wirklich aus, wie wird sie gesehen?
„Mutter“ trägt für alles die Verantwortung und ist an allem Schuld. Sie ist zu viel da und gleichzeitig zu wenig. Sie beschneidet unsere Freiheit und verweigert uns die Zuwendung, die jeder gern hätte. Das Muttersein wird fast ausschließlich von außen betrachtet. Meist pragmatisch und im männlich geprägten Verständnis bedeutet das: Frau kriegt irgendwie ein Kind und gut isses! Und überhaupt hat Frau hauptberuflich Ehefrau zu sein. Wenn sie ausschert und sich als Karrierefrau versucht oder gar als Alleinerziehende den patriarchalen Gedanken unterläuft ist das heute auch ok. Dafür haben Feministen und Emanzen schließlich gekämpft. Wenn 'man' schon Mutter, dann ist 'man' das nebenbei. Da soll um das ‚Kinder haben’ auch kein großes Tamtam gemacht werden. Es reicht wenn Frau verinnerlicht hat, dass sie zum Ganzen nur ihre Eizelle beisteuert.
Was hat den Müttern und Töchtern ihren ungerechten Platz beschert? Was ist denn schief gelaufen? Nichts! Es handelt sich nicht zufällig um eine Schieflage, sondern um die lange traurige Entwicklung mit patriarchalen Vorzeichen, Frau kann diese analysieren, erklären, begründen, sollte sie aber nicht länger hinnehmen. Es ist an der Zeit die Veränderungen einzuleiten.
„Kinder brauchen Kinder…“, sagte Frau von der Leyn bei Christiansen. - Ich würde sagen, falscher Ansatz, Kinder haben genug nur Kinder um sich, aber viel zu wenig mütterliche Erwachsene. Was Kinder überhaupt nicht brauchen, ist der Aufenthalt in einer Herde Gleichaltriger mit einem, wenigen letzlich überforderten erwachsenen Gegenüber, im Verhältnis eins zu fünfundzwanzig! Kinder brauchen das gemischte unmittelbare Umfeld von Erwachsenen, die sie lieben, leiten, ihnen eine gesunde Entwicklung innerhalb von altersgerechten Grenzen garantieren. Ich gehe noch weiter und behaupte, Kinder brauchen vor allem reichlich weibliche Erwachsene, jedenfalls mehr als jetzt zur Verfügung stehen, nicht nur einen Vater und eine Mutter.
Gut, stürmen wir nicht zu weit in die Zukunft, fangen wir damit an, unsere Einstellung und unser Denken zu verändern. Jede in ihrer Verantwortung.
Mutter sein ist nicht nur ein Einzelschicksal, es immer auch ein kollektives Erlebnis.
Noch eine Buchempfehlung für Interessierte: ‚Das Lehrerhasserbuch’ von Lotte Kühn!
In den letzten Tagen habe ich mehr in anderen Blog’s geschrieben, als in meinem eigenen, mir schwirren so viele Themen durch den Kopf, dass ich mich nicht entscheiden kann. Der Sommer tanzt bereits durch den Garten, das Grün ist schon kräftig und die Leichtigkeit der zarten Frühlingsblumen ist satten Farben gewichen. Der Walnussbaum hat schon ganz ordentliche Blätter bekommen. Er gehört zu den Bäumen, die im Herbst als erstes ihr Laub verlieren und im Frühjahr sich recht spät wieder ihr grünes Kleid anziehen. Die merkwürdige Wetterlage gibt mir oft das Gefühl etwas verpasst zu haben. Erst hat sich der Winter gar nicht trollen wollen, plötzlich wurde es warm und alles knallte auf einmal auf. Kein gemächliches Hintereinander, sonder zugleich, sofort und üppig. Alles ist überall dick mit gelbem Blütenstaub überzogen und wenn ich in mein Auto steige und los fahre, fange ich sofort an zu niesen. Als Kind war das die Zeit, da ich über eine riesige (aus meiner Sicht, später war sie recht überschaubar) Wiese sprang und Löwenzahnblüten pflückte. Meine Freundin und ich spielten Bienen und das war der Honig. Im Hof auf den Platten gab es Kreidestrichwaben und da wurde der Honig fein säuberlich eingelegt. Wir waren sozusagen Biene Maja, aber ohne die mollige Zeichentrickfigur im Hinterkopf zuhaben, die gab es nämlich noch nicht. Wir hatten damals auch keinen Fernseher, aber das Buch von W. Bonsels kannte ich schon, Dorfbibliothek, alter Bestand. Wir spielten viel draußen, im Grünen, stromerten den Feldweg hinter dem Garten entlang und als wir etwas älter waren, ging es bis zur Hasengrube oder im Wäldchen Veilchen pflücken. Gegenüber dem Schrebergarten meiner Eltern floss ein Bächlein und an ihm standen knorrige Weiden, in denen ich herumkletterte, fast könnte ich sagen, wohnte. Ich konnte im Gras sitzen, ohne dass mich mein Bruder fand und im Herbst Körbe voll Kastanien sammeln. Den Sommer über galt es Futter für die Kaninchen zu suchen, das auch aus Löwenzahn bestand, der regional Bumbaumeln hieß. Ich weiß bis heute nicht wo das Wort herkommt. Was ich damals nicht lernte war, was sich aus dieser Pflanze zu gewinnen ließ. Überhaupt hatten die Kräuter in der Zeit, als vor ihnen noch ein „Un“ stand, keinen guten Ruf. Trotz meiner kindlichen Naturverbundenheit wäre es mir nicht in den Sinn gekommen ein Löwenzahnblatt zu essen. Was wild auf der Wiese wuchs, war nicht essbar, wenn nicht giftig. Die braven, im Garten geduldeten Pflanzen, so auch die Küchenkräuter, wie Petersilie, Dill und Schnittlauch mussten über die karge Zeit, da vergessen ward welchen Wert die meisten Kräutlein besaßen, hinweghelfen. Und die geheimnisvolle Wendung aus dem Märchen „Quendel und Dost“ konnte ich lange nicht aufklären. Heute weiß natürlich was sich dahinter verbirgt und ich bin froh, dass Die wilden Kräuter ohne „Un“ zu uns zurückgekehrt sind, beziehungsweise, wir zu ihnen. Der Regen hat aufgehört, mein Exkurs in die Kindheit ist zu Ende und heute ist der Tag des Vollen Mondes, eigentlich Beltane.
Der Jahresbeginn hat alle an die Frustgrenze geführt, ein nicht enden wollender Winter und mir, wie vielen anderen war es einfach zu kalt. Die Natur scherte sich nicht drum, nach den ersten Sonnenstrahlen fing trotzdem alles an zu grünen und zu blühen.
Dabei gibt es keinen Grund zu klagen, in dieser Zeit, also zwischen Frühlingsäquinox und Mitte Mai, gab es immer schon Kälteeinbrüche, Nachtfröste und nasse kühle Tage.
Im Garten sind die Veilchen schon verblüht, der Kirschbaum schneit weiße Blüten, die Vergissmeinnicht stehen in voller Blüte und jeden Tag findet sich ein anderes Gewächs, das sich anschickt den Garten bunter zu machen. Ich habe die ersten Wildkräuter gegessen, einschließlich der Knoblauchrauke, die wie wild in unserem Garten wächst. Zum Glück blüht sie und so hat der Rasenmäher(mann) noch einen Bogen darum gemacht. Auf die Gartengestaltung habe ich leider keinen Einfluss. Von der Gundelrebe, die im vorigen Jahr noch zwischen den Steinen wuchs, habe ich heuer nichts wieder gefunden. Ich hoffe sie hat trotzdem in einer Ecke überlebt und taucht wieder auf. Obwohl Giersch so ziemlich überall wächst, ist mir hier noch keiner begegnet. Dafür habe ich schon Vogelmiere in der Küche verarbeitet und Löwenzahn. Natürlich auch ein paar Blättchen von den ordentlichen Pflanzen im Kräuterbeet.Den Bärlauch habe ich diesmal nur gekauft und für die Brennnesseln (3 x n – neue Rechtschreibung, sieht aus, als würde die Taste klemmen) ein paar neue Gartenhandschuhe. An dieser Stelle ganz herzliche Grüße an meine Freundin, die Kräuterfrau, ich freue mich auf die Fahrt zur Göttinneninsel (Rügen).
Jetzt gehe ich Sauerampfer pflücken für die Blackenröstis.
Frühlingsgrüße an alle Stephanie
02 Mai 2006
Scheinbar bin ich doch nicht so abenteuerlustig, dass ich mich kopfüber in meinen Blog stürze. Keine Zeit? Klar, Großmütter haben immer keine Zeit. Mit jedem Enkelkindwird die Welt größer, reicher, bunter. Auch wenn sie nicht um die Ecke wohnen. Es sind viele Bänder, die ans Leben knüpfen. Und wenn es auch inzwischen unpopulär ist, dass Großeltern selbstverständlich zum Leben der Kindeskinder dazu gehören, sind diese Verbindungen da. Großmutter sein ist schon ein Abenteuer der besonderen Art im Alltag. Die Kür nach der Pflicht? Nicht nur. Es ist viel mehr.
Zu dem Thema gibt es noch einiges zu bemerken und das werde ich auch noch.
Also Gute Nacht und ich hoffe, liebe Vera du bist froh, dass ich endlich die Hürde meines Einstiegs genommen habe