Posts mit dem Label Geborgenheit werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Geborgenheit werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

06 November 2019

Das geteilte Sorgerecht als immer währende Mütterfalle

Was zuvor nie so krass im Vordergrund stand, wird derzeit durch verschiedene politische Einflussnahmen und den (scheinbar) daraus folgenden Gesetzesregelungen auf eine fatale Spitze getrieben, die bisherigen und durchaus ohne weiteres als Einzeloption genannten Subjekte Mutter und Vater, gibt es neuerdings und vor allem vor dem Gesetz nur noch als Doppelpackversion als Eltern.
Und nicht nur in bestimmten Gesetzeslagen, sondern der politisch korrekte Mainstream in seiner medialen Verbreitung kennt scheinbar nur noch das, auf ein bestimmtes Kind bezogene Elternpaar. Man feiert den neuen Glaubenssatz: die gewisse Vaterschaft ist vom Kind nicht mehr zu entkoppeln, da man sie jetzt auch nachweisen kann. Zwar nur etwas aufwändig im Labor, aber dort fast zweifelsfrei.
Diesen Triumph des patriarchalen Mannes gab es vorher nicht, da war nur die Mutter gewiss.
Der Vater, das installierte soziale Modul auf dem sich die Patriarchose gründet, war ein paar Jahrtausende mehr Spekulation als reine Gewissheit. Elternsein als gesellschaftsrelevante Zuständigkeit von Vater und Mutter, ist in den patriarchal geprägten Jahrtausenden in die Patrilokalität der angenommenen männlichen Abstammung eingebettet. Für jedes Menschenkind wurde die Beziehung zum angenommenen Vater ein primäres Merkmal, da der zugeordnete Vater als Besitzer des Kindes galt. Er konnte sich daher auch ohne weiteres vom Kind distanzieren oder sein Vaterschaft ganz leugnen und wenn er damit keinen anderen männlichen Interessen ins Gehege kam, blieb ein solches Verhalten für den Mann in der Regel folgenlos. Die prinzipiell rechtlose Mutter wurde jedoch in einem solchen Fall für das Wohl des Kindes allein verantwortlich gemacht, wenn es überhaupt jemanden kümmerte.
Diese (für Mutter und Kind im Grunde vorteilhafte) alleinige Verantwortung der Mütter wurde aus der Steinzeit bis in unsere Zeit herüber gerettet und als eine natürliche Bindungssymbiose hingenommen, anerkannt, ja später sogar glorifiziert.
Gestatteten die (patriopathischen) Verhältnisse (wie z.B. die Kriegs- und Nachkriegsjahre) eine vaterlose Kleinfamilienkonstellation, durfte die Mutter alleiniges Sorgerecht (mit Einschränkungen) ausüben. Der Kampf der modernen Väter ums Kind hatte noch nicht begonnen. Das Vaterrechtler-Syndrom - der Kampf ums Kind - lief erst so richtig vor ein paar Jahrzehnten an. Vorher war es möglich und sogar anerkannt, dass Mütter ihre Kinder allein aufzogen und kein patriarchaler Hahn krähte danach.
Aber plötzlich sprossen überall sogenannte entsorgte Väter aus dem Boden, die unter dem „nicht für ihr Kind sorgen zu dürfen“ furchtbar litten. Dafür dürfte der Hintergrund sein, dass der ganz normale Mann (der sich in der Regel selbst outsourct) den Mangel an Geborgenheit zu spüren bekam, der entsteht, wenn ein Erwachsener keinen rechten Anschluss an eine fürsorgende oder zumindest Identitätstiftende Gemeinschaft hat (es fielen/fallen im gesellschaftlichen Kontext immer wieder gut etablierte Männerbündnisse weg und wenn es nur eine Stammtischrunde war).
Aber jetzt gibt es nur noch die Kleinfamilie! Diese Miniversion einer Fürsorgegemeinschaft ist zwar immer noch besser als keine Quelle menschlicher, fürsorglicher Nähe-Energie, doch der erwachsene, sich autonom begreifende Mann braucht zum Leben ebenfalls den menschenartgerechten Geborgenheitseffekt. Und so dockt er einfach (in der Patriarchose) an die Grundeinheit des menschlichen Lebens an: an eine Frau und noch besser an eine Mutter und ihre Kinder.
Der eigentlich solitäre Mann partizipiert also weiter von der natürlichen Matrifokalität, auch wenn diese in der Patriarchose als soziales Kontinuum fast vernichtet wurde und nur noch rudimentär wirkt. Seine Eintrittskarte in die elementar vorhandene Bindungseinheit von Mutter und Kind war/ist seine (behauptete) Vaterschaft. War Vatersein zu Beginn des Patriarchats ein reines Herrschaftskonzept (Kongruenz von Vater und Herr), bringt sich der Mann der Neuzeit auch als mit-sorgendes Element auf partnerschaftlicher Basis ein. Der Vater als deklarierter „Erzeuger“ und damit Besitzer des Kindes, übernimmt im gesellschaftlichen Wandel der Moderne die Rolle eines sozialen Vaters. Auch wenn er nicht als leiblicher Vater des Kindes gilt, wird von ihm erwartet, dass er sich im Kleinfamilienverbund kümmert, die Paarungsfamilie wirtschaftlich erhält oder für das Kind zumindest Unterhalt zahlt bei aktueller Nicht-Partnerschaft zur Mutter des Kindes. Vor allem der geregelte Unterhalt ist eine gesellschaftlich determinierte Voraussetzung um Kinder aufzuziehen, gibt es doch, auch im aktuellen (anonymen) Hochpatriarchat, keine prinzipielle Absicherung von Mutter und Kind. Eine generelle wirtschaftliche Autonomie der Mütter ist im Patriarchat ohnehin nicht vorgesehen. Müttersippen sind verpönt und sozusagen "ausgestorben worden". Die Ausübung der Mutterschaft wird in der Normopathie der modernen Patriarchose als temporäre Phase in einem Frauenleben begriffen. Auf den Zug springen auch gern manche Feministinnen auf. Was in dem wirksamen patriarchalen Dogma gipfelt, prinzipiell eine Mutter in ihrer Selbstbestimmung einzuschränken und ihre umfassenden Verantwortung für das, von ihr geborene Leben durch die Vätergilde zu kontrollieren (hierzu gehört auch der Staat als solcher).
Da hat sich die Frau nun endlich bis zu dem Punkt frei gestrampelt, dass sie allein oder mit anderen zusammen wohnen und ohne eine männliche Aufsicht das Haus verlassen kann. Frau hat die Möglichkeit sich eigenständig zu bilden, einer Erwerbstätigkeit nachgehen und sogar einen Lebenspartner bzw. (nur) Sexualpartner zu wählen, ohne ins soziale Aus zu geraten oder in irgendeiner Weise geächtet zu werden. Frau kann Karriere machen oder politische Ämter bekleiden. Sie kann beispielsweise in jungen Jahren allein mit einer Freundin ein Jahr durch Neuseeland traveln und worken, ja sie kann sogar eine geliebte Freundin heiraten. Frau besitzt, das ist allgemeiner Konsens, einen gesellschaftlich gleichberechtigten Status. Sie kann daher auch jede Menge Sportarten betreiben und jedes nur erdenkliche Hobby pflegen. Sie darf Aktivistin sein und sich brisanten oder feministischen Polit-Themen zuwenden. Sie ermächtigt sich sogar selbst ernsthaft (auch außerhalb akademischer Weihen) zu forschen, zu schreiben und zu veröffentlichen. Sie kann andere Frauen (und Männer) an ihren Ergebnissen und Erkenntnissen teilhaben lassen und mit vielen Gleichgesinnten Patriarchatskritik und Aufklärung betreiben … aber sie darf immer noch nicht wirklich selbstbestimmt ein Kind bekommen und es ohne einen (Einfluss nehmenden) Mann, einen sogenannten Vater, allein aufziehen. Beziehungsweise, sie darf es jetzt wieder nicht mehr.
Das Bestreben jedem sogenannten genetischen Vater neuerdings automatisch ein (halbes) Sorgerecht einzuräumen, katapultiert eine jede Mutter wieder in das Sklaventum der patriarchalen Fremdbestimmung, die schon fast überwunden schien. Natürlich wird sie nach wie vor das Geschehen der Schwangerschaft und der Geburt als Person autark bewältigen und auch weiterhin auf die seit Urzeiten vorgesehene mütterliche, gemeinschaftliche Unterstützung verzichten müssen, aber dafür wird nun eine hundertprozentige Kontrolle durch einen Kindsvater eingeführt… ein gesellschaftspolitischer Backlash, wie er schlimmer nicht sein kann!

.

15 September 2015

Artgerechte Geborgenheit oder Stockholmsyndrom

Kinder sind kein Partnerersatz (eine Wiederholung vom September 2013)

... schon gefühlte tausendmal stolperte ich über den Satz: „Kinder sind kein Partnerersatz..." So auch heute wieder und hier der (etwas überarbeite) Kommentar, den ich zu dem Thema hinterlassen habe:Ja, das stimmt! Kinder sind kein Partnerersatz.

Unsere Kinder sind die, uns am meisten verbundenen Angehörigen. Auch noch und natürlicher weise, wenn sie dem Kindesalter entwachsen sind. Diese Verbundenheit wird in unserer (westlichen) Kultur des 'separierten erwachsenen Menschen' als irrelevant erklärt. Wir wissen: das (menschen)artgerechte Sein einer durch Geburt verwandten Angehörigenbindung ist die eigentliche Basis des menschlichen Zusammenlebens.

Die Idee, dass manche Menschen ihre Kinder als Partnerersatz "missbrauchen", ist daher eine komplette Umkehrung der naturgemäßen Wertigkeit.

Im Gegensatz zum Kind ist der sogenannte Partner, dem tradierend die ganze Liebe gelten soll, nur ein Surrogat - die Ersatzperson für den im Patriarchat verlorengegangenen natürlichen Lebenskreis. Unsere Kinder sind die Menschen die naturgemäß zu uns gehören - sie sind unsere unmittelbarsten Bindungsangehörigen.

Eigentlich schlimm genug, dass wir sie durch fremde (nicht verwandte) "Partner" ersetzen sollen. Und bevor hier eine Schutzzone um die 'Familie' gezogen oder der beliebte Satz zitiert
wird, dass man sich Familie bekanntlich nicht aussuchen kann, sollten wir einfach nur das künstliche, patriarchöse Familienkonzept mit dem natürlichen matrifokalem Sein vergleichen, um zu verstehen, dass unsere Kinder in letzteres gehören.

Schon sehr früh beginnt in unserer tradierten Kultur das Einschwören auf den noch unbekannten zukünftigen Partner, mit dem frau/mann möglichst den Rest des Lebens verbringen wird. Die Konditionierung zu autarken und bindungslosen, aber dafür beziehungssüchtigen Erwachsenen, erfolgt bereits ab der frühesten Kindheit. Um das zu erreichen wird natürliches Bindungsverhalten (im Besonderen die Mutter-Kind-Bindung) so früh wie möglich diskriminiert bzw. unterdrückt und der Augenmerk auf beliebige andere Beziehungskonstellationen gelenkt.

So gehört es zur Standard-Denke, dass ein Kind durch beliebige Bezugspersonen ebenso versorgt werden kann und es daher nicht zwangsläufig der Mutter und einer Angehörigensippe bedarf, als Kind eine geborgene Entwicklung in einer mütterlichen Nähegemeinschaft zu erleben. 

Die Fixierung erfolgt im Kindesalter in der Kleinfamilie erst auf das Elternpaar - Vater und Mutter - und später tritt als Ideal der sogenannte Partner auf und besetzt die freigehaltene Stelle als (einzige) Bezugsperson.Wir leben daher in einem permanenten Mangel an Bindung, Zuwendung und Zugehörigkeit. Der heutige, vereinzelte, Erwachsene ist imho niemals in der Lage, dass er bzw. sie dem irrwitzigen Anspruch unserer heutigen Gesellschaftskultur einem Partner alle Komponenten einer Fürsorgegemeinschaft zu ersetzen. Wir und hier vor allem die Frau, sollen eigentlich allein (bzw. in wechselnden Beziehungen) leben und aus eigner Kraft immer noch einen Partner und eventuelle Kinder mitversorgen.

Die ursprüngliche Fürsorgegemeinschaft, das Matrifokal bzw. die matrifokale Sippe wurde im Patriarchat ins Reich der Mythen verwiesen bzw. wurde als nicht existent erklärt. Der natürliche Background einer Angehörigengemeinschaft ist in unserer Realität nicht mehr existent und so wird erwartet, dass Mütter im Patriarchat ihre Kinder kaum noch oder nur teilweise selbst aufziehen. Es wird ihnen, sowohl den Müttern als auch den Kindern, nicht nur die letzte Bindungsperson wo immer es geht entzogen, sie lernen auch noch Geborgenheit als Verhinderung des autarken Lebensweges einzustufen. Der permanente Mangel an Zuwendung steht als Selbstverständnis einem zukünftgen Ausgleich durch einen (noch unbekannten) Lebenspartner gegenüber, auf den die eigene Bedürftigkeit projiziert wird.

Noch ist es vermehrt so, dass es die vorhandene Bindung zum Kind sukzessive zu lösen gilt und dem Kinde so früh wie möglich "Flügel" gegeben werden, manchmal noch bevor sie "Wurzeln" bekamen. Frau wird durch die anonyme, konventionelle Gesellschaft dazu genötigt und lässt in vorauseilendem Gehorsam freiwillig erziehen und ausbilden - hier greift das staatliche Bildungssystem (Schulpflicht), der wirtschaftliche Druck der Erwerbstätigkeit und die Ideologischen Dogmen der Mainstreammedien.

Das patriarchal geprägte Familiensystem ist von seinem Ursprung her der Abklatsch eines jeden Herrschaftssystem im Patriarchat. In diesem herrscht(e) als Prinzip eine Atmosphäre, die vergleichbar ist mit einer Geiselnahme und daher auch immer wieder die Symptome eines Stockholmsyndrom bei den Betroffenen hervorbringt. Ein permanenter Nährboden für Gewalt, Übergriffigkeit und Missbrauch aller Art. Überall da, wo vereinzelte Erwachsene mit einer gewissen Macht ausgestattet sind und in einem unnatürlichen, sozial quasi nicht korrigierenden Raum agieren, findet grundsätzlich eine Art systemimmanenter Missbrauch statt.

Den heutigen Erwachsenen und hier besonders den männlichen, umgibt nicht mehr das selbstverständliche Korrektiv einer (anwesenden) konsanguinen* Angehörigengruppe.
Der moderne Mensch wendet sich schon während des Heranwachsens in vielen kleinen Brüchen von dem naturgemäßen Lebenskreis (seiner Herkunftssippen, die nun mehr nur fiktiv vorhanden ist) ab - d.h. es/sie/er wird systematisch vom naturgemäßen Versorgungssystem kulturell „abgenabelt“.

Dabei wird so früh wie möglich eine distanzierte, für Menschen unnatürliche, Alltagssituation geschaffen, die als Sprungbrett in das sogenannte „eigene“ Leben dienen soll. Als vorgegebenes Ziel erlernen wir einen möglichst permanenten Zustand der romantischen Liebe anzustreben und auf sexuellem Begehren aufgebaute Beziehungsgebilde (auf Lebenszeit) mit einem bis dato unbekannten Menschen einzugehen. Das Erfüllen der patriarchös geformten kulturellen Maßvorgaben ist für den einzelnen fühlenden Menschen zu einem permanenten Mangelzustand an Schutzwärme, Geborgenheit und energetischem Austausch geworden. Nachhaltige Sentimente, Zuwendung, Aufmerksamkeit und vor allem generationsübergreifende Fürsorge ist in unserer, auf den Erwachsenen mittleren Alters ausgerichteten Welt, alles andere als selbstverständlich vorhanden. Wir klagen über das Vorhandensein von ständigem Menschenmissbrauch und dabei wird übersehen, dass mit der Hörigkeit dem patriarchalen System gegenüber täglich aufs Neue, die dazugehörigen Voraussetzungen geschaffen werden.

Der (fremde = nichtverwandte) Partner in einer Zweierbeziehung ist in jedem Fall der Ersatz für die verpönte Kindes- und Angehörigenbindung und 'das Kind' ist gerade nur noch als Synonym für die konsanguine Angehörigensippe gestattet. Hier wird auch deutlich, dass der gern gebrauchte Ausspruch, dass ein Kind seinen Vater braucht, im Grunde auch nur die Verkehrung der eigentlichen Tatsache ist, denn 'Der Vater braucht das Kind!'.


(* konsanguin bedeutet: durch Geburt verwandt in mütterlicher Linie

.

21 Mai 2015

Postpatriarchat oder matrifokale Gemeinschaft

Das Postpatriarchat
Für mich hat dieser Begriff so ein Flair von postapokalyptisch. Das Postpatriarchat wäre dann also die unmittelbare Zeit nach dem Patriarchat. Es suggeriert, dass eine Art Paradigmenwechsel stattgefunden bzw. sichtbar im Gange ist. Ich kann dergleichen noch nicht feststellen. Der Begriff Postpatriarchat bezeichnet also keine konkrete Gesellschaftsform, sondern bringt nur die Hoffnung zum Ausdruck: das Ende des Patriarchat ist gekommen.
Einige tun so als hätte sie bereits begonnen, die Zeit danach - das Postpatriarchat – die noch nicht definierte Zukunft unserer globalen Gesellschaft. Meiner Meinung nach ist derzeit gar nichts „post“. Und weder der Beginn noch das Gefüge, des zu erwartenden gesellschaftlichen Öko- und Wertesystems einer zukünftigen Weltgesellschaft, ist bisher umrissen. Was folgt also nach dem Patriarchat und wie könnten sich tatsächlich die ernsthaften Schritte des Übergangs gestalten? Welche Art eines Gesellschaftsgefüges wird sich aus der jetzigen, für alle so drückenden Patriarchose entwickeln und was, wenn die Nutznießer der derzeitigen Kultur ihre Macht einfach nicht aus den Händen geben wollen?
Ich weiß, dass da eine gern zitierte Vision im Raum steht: Mann und Frau als autarke, also vollkommen unabhängige (auch wirtschaftlich), Individuen, welche sich aus Liebe und nach Bedarf zusammen tun und innerhalb gewisser, biologisch vorgegebenen, Lebensabschnitte für einen Fortbestand der Art sorgen, ohne ein Sippengefüge aufkommen zu lassen. Die Fortführung des Eheideals auf höchstem Niveau, jedoch ohne das strenge Reglement des (christlichen) Ehegedanken und gleichzeitig unter Vernachlässigung der relevanten elementaren Kindheitsphase und möglichst ohne Wahrnehmung des biologischen Alterungsprozesses. Der naiv vorgegebene, gesellschaftlich Leitsinn zielt immer noch auf das (unnatürliche) Ideal der dauerhaften Partnerschaft hin, welche jedoch nicht verpflichtet ist eine (kollektiv relevante) Altersabsicherung zu gewähren.
Ich kenne solche futuristischen Trugbilder noch aus der Zeit meiner Jugend, die ich im DDR eigenen sozialistischen Umfeld der staatlichen Indoktrination und dem dazu passendem Schulsystem erlebte. Daher fällt es mir auch schwer, mir das Postpatriarchat als eine funktionierende Partnerschaftsgesellschaft (ohne die ursprüngliche Sippenbindung) vorzustellen. Das ist für mich genauso unrealistisch, wie einst die kommunistischen Gesellschaftsmodelle einer marxistisch - leninistischen Ära, die ähnliche utopische Ideen pflegten, dabei auf technischen Fortschritt setzten und im sozialen Bereich diffus eine allgemeine Verbrüderung als tragendes Element annahmen. Auch hier wurde weder der Schwestern, noch der Mütter und Töchter gedacht.

Der Mann als Träger des Postpatriarchats?
Wie wird sich also, wenn es soweit ist, die postpatriarchalische Gesellschaft entwickeln? Aus welchen, heute bereits wirksamen Impulsen geht das neue Paradigma hervor? Wird der Mann, die ihm bisher (durch göttliche Fügung) beigegebene Gehilfin „Frau“, zu seiner Nenn-Partnerin machen und ab sofort auf jede weibliche Ausbeutung und Diskriminierung verzichten? Oder strampelt sich der Großteil der Frauen frei und findet nach dem individuellen das kollektive Bemühen der Frauen statt, den Mann überhaupt erst partnerschaftstauglich auszubilden, damit für jede/n ein ersprießliches und Nähe garantierendes Zusammenleben gewährleistet werden kann?
Findet im Postpatriarchat nach der Sozialisierung des Machoman dann weiterhin eine Art permanenter Singlebörse als einziger Sinn der Lebensgestaltung statt? Und wo finden wir den Ort der Sozialisierung, um einen postpatriarchaltauglichen Mann zu kreieren? In der bereits etablierten Kleinfamilie wohl nicht, das hat bisher kaum geklappt? Oder durch all die alleinerziehende Mütter bzw. Väter? Oder gar in dem Gewirr der modernen Patchworkfamilien-Landschaft oder in einem der matrifokalen Sippe nachgebildeten Wahlclan? Um weiterhin weit weg von mütterlichen oder blutsverwandten Verbandelungen, das erwachsene, bindungsarme, autarke Individuums zu formen und auf die Suche nach einzelnen Partnern zu schicken, die ebenso unter den Defiziten leiden, die die moderne Vereinzelung mit sich bringt? Der Dreh- und Angelpunkt scheint auch für die Zukunft immer noch in einer differenzierten Neuordnung des Geschlechterverhältnis innerhalb oder außerhalb einer Bindungsgemeinschaft zu liegen. Es wird ihn (hoffentlich) nicht geben, den Gender-Norm-Menschen der Zukunft - für den prinzipiell keine Geborgenheit in einer naturgemäßen menschlichen Herkunftsgemeinschaft vorgesehen ist und der durch den postapokalyptischen Mainstream zum beziehungsbereiten doch bindungsarmen, flexiblen Partner für jedefrau bzw. jedermann geformt zu wird.
Unsere Natur können wir nicht abschütteln und so wird der Mensch auch weiterhin als ein von mütterlicher, menschlicher Fürsorge abhängiges Wesen zur Welt kommen. Aber unsere moderne Welt ist bekanntlich bereits in allen ihren Ausprägungen vorhanden und gefühlt besteht sie nur aus fertigen erwachsenen Menschen im besten Erwachsenalter. Diese festgelegte erwachsene Welt kreist als Ego-Karussell durch unser Leben. In dieser Welt haben es die kleinen hineingeborenen Menschlein nicht einfach all das zu bekommen, was sie eigentlich für ihren Start ins Leben brauchen und um später ihre individuellen Lebensaufgabe zu erfüllen.
Wir kommen auf die Welt und müssen als Individuen erst einmal lernen im jeweiligen kulturellen Kontext zu interagieren und uns nach und nach die Anforderungen des späteren erwachsenen Lebens erarbeiten. Die urzeitlichen Menschen (deren Muster bei uns noch wirksam sind) wuchsen (über Jahrtausende) unmittelbar in einem Sippengefüge unter Geschwistern und direkten Angehörigen auf und verblieben in der Regel bis ans Ende ihrer Tage in diesen Gemeinschaften. Somit erlebte die/der Mensch auch permanent jede menschliche Alters- und Entwicklungsphase bei den Anderen mit und an sich selbst. Die natürlich aufgewachsene Frau wird auch daher ohne weiteres den weiblichen Gesamtzyklus verinnerlicht haben. Die eigenen ineinander fließenden Lebensabschnitte waren (sind) komplex mit denen der Nähemenschen (Sippenangehörige und Alltagsgefährten) verwoben. Das menschliche Dasein fand/findet eigentlich in unmittelbaren Bindungsfeldern statt, die zklisch und generativ verschränkt waren. Dass ihre Lebensabläufe heutzutage von vielen Mitfrauen oft wie eine Einbahnstraße gelebt werden, ist der männlichen Dominanz geschuldet, welche alle unsere Alters- und Lebensphasen beherrscht. Die Frau lebt von Natur aus eigentlich einen anderen Rhythmus als der Mann und würde es jederzeit wieder tun, wenn sie ihrem Takt folgen kann.
Das Patriarchat baut sich vor allem auf die vitale (und zum Teil aggressive) Lebensperiode des Mannes auf. In dieser Phase eines Männerlebens wurden die heute noch wirksamen hierarchischen Machtpotentiale geschaffen. Hier ist der Mann kein von der Mutter abhängiges Kind mehr und kein von der Sozial-Gemeinschaft abhängiger alter Mann, sondern immer der starke (je nach Sub-Kultur auch gewaltbereite) und im Kreis seiner Verbündeten lebende, Mann mittleren Alters.
Der wettbewerbende Mann im mittleren Alter ist der Taktgeber in unserer patriarchösen und androzentrierten Gesellschaftsstruktur. Ein Postpatriarchat würde erst einmal weiterhin unter der Dominanz des Mannes stehen, da das Ideal des Vaters von jeher nur ein kulturelles Konstrukt war, dass zudem parallel mit der gewaltsam eingeführten Herrschaftshierarchie platziert wurde. Das ursprünglichen Gefüge der artgerechten Gemeinschaft ist somit nach und nach fast vollständig global zerstört worden.

Der Vater und das Postpatriarchat
Die Berufung auf die Wichtigkeit der Vaterschaft halte ich eher für eine Kampftaktik und weniger als die Vorstellung, dass der Mann einst seine Bedeutung bei der Entstehung des Nachwuchses erkannte und bereit war in diesem Sinne Verantwortung zu übernehmen. Gewiss, der Sohn hatte für den Vater im beginnenden Patriarchat einen bedeutenden Stellenwert, als hoffentlich verlässlicher Verbündeter, als sein Erbe, als Verlängerung der eigenen Person über den Tod hinaus.
Dass die Vater-Sohn-Konstellation auch immer wieder Konflikte barg, ist allerdings auch zu bekannt.
Heute hat das Kind - der Sohn im Sinne von Status - für den in der westlichen Kultur lebenden Mann fast keine Bedeutung mehr. Da heißt es eher: mein Haus, mein Auto, meine Yacht – aber weniger mein Sohn oder gar meine Tochter. Auch wenn es den Anschein hat ich tue hier einer Menge Männer unrecht, läuft, wenn wir genau hinsehen und uns nicht von den neuen Idealen blenden lassen, das volle Patriarchenprogramm immer und überall im Hintergrund mit. 'Pater' bedeutet nun mal nicht, wie wir eigentlich wissen sollten, (leiblicher, biologischer) 'Vater' sondern 'Herr'. Sehr schön ist hier in dem Zusammenhang das Beispiel des Papstes, der ja nun im heutigen Verständnis so gar kein (sorgender) Vater ist, jedoch von seinen Millionen Gläubigen und auch von der atheistischen Welt als (Heiliger) 'Vater' bezeichnet wird.
Nichts finde ich zurzeit schwieriger als den Vaterbegriff, obwohl er allen mit dem allergrößten Selbstverständnis über die Lippen geht. Egal ob leiblich, sozial oder im übertragenen Sinne, 'Vater' ist der Begriff, welcher mit dem Patriarchat unmittelbar verknüpft ist und ihn nicht nur sprachlich geprägt hat.
Ich persönlich kann mir die Zeit nach dem Patriarchat eigentlich nur als Matria-Gesellschaft, als eine matrifokal-basierte Welt (in der natürlichen mütterlichen Ordnung) vorstellen. Eine Welt in der wieder die Geschwisterlichkeit ihren Platz hat und das generationsübergreifende Selbstverständnis zu unserem Bewusstsein gehört. Der heutige so populäre Partnerschaftsgedanke (alle einander fremden Männer und Frauen sind sich menschlich zugetan und spüren immer und überall ein partnerschaftliches Verständnis) wird sich bei aller Anstrengung höchstens als eine Art Übergangslösung entpuppen, da diese Art Partnerschaft auf (anonymer) Nichtverwandtschaft basiert und ein rein ideologisches (bzw. politisches) Konstrukt ist. Und daher sage ich es gern immer wieder: es wird nicht funktionieren. Denn dem Individuum wird weiterhin bei einem Gesellschaftsmodell der Partnerschaft, also dem Paarkonzept ohne Angehörigenbindung, die erforderliche Geborgenheit und kollektive Fürsorge entzogen wird. Als unser artgerechtes Sein sollten wir endlich die geschwisterliche und durch allgegenwärtige Mütterlichkeit geprägte Gemeinschaft annehmen, denn hier wird, wahrscheinlich schon immer, in angemessener Form den Geschlechtern, egal wie vielen, Gerechtigkeit zuteil.
Nun ist ja Patriarchatsrecht nicht automatisch Männerrecht. Es gibt reichlich Anzeichen dafür, besonders im Hinblick auf das Wirtschaftssystem, dass die uns umgebende Patriarchose hin zu einer maligenen Phallokratie fortschreitet. Nicht der, ohnehin fragwürdige, väterliche Anspruch konditioniert die Gesellschaft, sondern ungezügelte, männliche Hybris weniger Privilegierter, die sich wie Geiselnehmer der Gesellschaft verhalten bzw. sich als Drahtzieher eher im Hintergrund halten. Auch das Patriarchat war und ist bisher kein Maßanzug für JederMann. Immer wieder müssen wir Frauen mitansehen, dass die wahren Privilegien im Patriarchat auch den Männer nicht in den Schoß fallen und nicht ein jeder automatisch ein Gewinner ist. Um zu einem Gewinner aufzusteigen, gilt es erst einmal sich dem allgemeinen Wettbewerb zu stellen und diverse Kämpfe auszutragen. In den Anfängen des Patriarchats war das wörtlich zu verstehen. Eine entsprechende Herkunft hat auch schon immer diese Form des Anerkennungskampfes erleichtert. Aber am Ende sind Triumphzüge trotzdem selten genug. So mancher Knabe fängt zwar bereits bei der Geburt recht weit oben auf der Hierarchieleiter an, doch das ist keine Garantie am Ende zu den Gewinner der Patri-Gesellschaft zu gehören. Das Zeitalter der Väter, der Macht gewohnten Patriarchen, scheint sich ohnehin immer mehr aufzulösen, aber nicht etwa um den nun gleichberechtigten Müttern (Frauen) Platz zu machen.

Die Frau und das Postpatriarchat
Dieser Tage ist das noch wirksame Patriarchachtssystem immer noch eine Art Konfektion für den Mann mittleren Alters (bevorzugter Typus: Einsamer Jäger), ein Anzug, der natürlich trotzdem nicht jedem passt. Da sich derzeit die ethisch/ideologische Kleiderordnung von ausschließlich 'Mann' auch hin zu 'Mensch' erweitert hat, dürfen auch Frauen mehr denn je in diese Kostümierung schlüpfen. Unter bestimmten Umständen können sie sich zeitweise auch gut darin bewegen, doch vom Grundansatz her ist es immer noch ein maskuline Uniform.
Wirkliches weibliches Sein und weibliche Werte finden nur schwer Einlass in die patriarchalen Männerbünde. Der Kampf, manchmal um jeden Preis, der auf die Niederlage der Gegner und den eigenen Sieg zielt, ist nicht wirklich ein Frauending. Obwohl auch da unser Schulsystem so früh wie möglich Mädchen und Jungen in einen ungesunden Wettbewerb zwingt und Konsens und Miteinander vergessen lässt. Dass Frauen immer noch nicht die Chefetagen stürmen, liegt nicht nur an der sogenannten gläsernen Decke, sondern auch daran, dass Frauen dem System hilflos (...was soll das Ganze?), kritisch (...wozu soll das Gerangel gut sein?) oder unwillig (...ach nee lass mal, ich will das nicht!) gegenüber stehen. Sich im Wettbewerb unter Einhaltung der Hierarchieregeln nach oben zu kämpfen ist für so manche Frau keine Option sondern manchmal nur eine verdammte Zeitverschwendung. Als Mütter haben wir eigentlich sowieso was anderes, etwas Besseres, zu tun.
Bleibt also nach wie vor die Frage: können wir das Patriarchat überwinden und uns als Gesellschaft heilen? Werden wir statt der Patriarchose und deren postumen Erscheinungen eine Gesellschaft schaffen, die nahtlos an das Konzept der matrifokalen Urgemeinschaft anknüpft? Bisher will ja keine in die Steinzeit zurück. Und selbst wenn sich auch gerade an der Stelle neue Einsichten bilden, hat trotzdem fast eine Jede Angst die bequeme Moderen zu verlieren. Übersehen wird dabei ständig, dass wir nicht das steinzeitliche Know-how zurückholen wollen, sondern die artgerechten sozialen Bedingungen unter denen unsere Ahninnen lebten und so zu 'Menschen' wurden. Wir sind das Ergebnis unseres naturgemäßen und artgerechten Seins. Und diese Basis wieder als Alltagslage einzuführen wäre schon allen Kindern zuliebe wünschenswert.
Hier begegnen mir leider immer wieder eine sehr geringe Vorstellungskraft, die gerade unter Frauen in der bangen Frage gipfelt: "Wie soll das denn gehen?" oder "Ist das denn belegt...?" oder in der Feststellung, dass wir ja 'vieles nicht wissen können, weil ja niemand von uns dabei gewesen ist'. Da die (anerkannten) Wissenschaftler der Archäologie oder ähnlichen Disziplinen so manches völlig anders darstellen, traut Frau meist nicht ihrer Vorstellungskraft, die eine Art kollektive Erinnerung ist. Ich bin eh der Meinung, dass wir, als aufmerksames Individuum, viel mehr wissen, als nur die Faktenhäppchen, die uns sparsam serviert und in männlich/ patriarchaler Manier auch noch vor-interpretiert werden. Frauen sollten wirklich damitbeginnen die Welt zu erklären...

Dazu ein kurzer Auszug aus meinem betrachtenden Essay "Das weibliche Wissen"...:
Unser Wissenserwerb geschieht von Anbeginn über unser sinnliches Sein und wird bewahrt durch die aktive menschliche Erinnerung, die immer eine kollektive Komponente war und ist.
Unsere Ahninnen, heißt es, kamen viel herum ... sie waren als Wildbeuterinnen unterwegs. Allerdings sind sie nicht etwa nur irgendwie ziellos in der Welt herumgestreift und haben "Beute gemacht". Sondern sie erkundeten die Landschaftsgebiete, in denen sie lebten und die die Nahrung für die Sippe sicherstellten, oft über viele viele Genrationen hindurch und das Wissen, das frau daraus zog, wurde nicht nur von einer Person verinnerlicht, sondern als aktive kollektive Erfahrung abgespeichert (ein Effekt der Epigenetik). Sie brachten Kunde davon zurück in ihre Gruppe, zu denen, die noch nicht oder nicht mehr mithalten konnten und sie legten diese in den persönlichen und vor allem in den kollektiven Erinnerungsspeichern ab - in den Hirnen aller Gemeinschaftsangehörigen. (und vergessen wir nicht: Kommunikation ist weiblich!)
Alles, was sie unterwegs gesehen, geschmeckt, gerochen, gehört und gefühlt hatten gaben sie weiter. Nie kann Eine je alles allein erfahren und trotzdem verfügen wir als Individuum oft über ein sehr viel umfangreicheres Wissen. Schon weil sich das Individuum nie selbst an alle Plätze dieser Welt begeben und wenn, dann dort andere eigene Erfahrungen macht und weil wir immer viel mehr sind als ein Einzelwesen … der Mensch als Gruppenwesen tritt (als Person) mit einem umfassenden Anlagepool in die Welt und dieser Erbteil unserer Ahninnen ermöglicht(e) uns unser lebenslanges Lernen und Erinnern, das wiederum jedem Einzelwesen und der Bindungsgemeinschaft zu Gute kommt. Menschen nehmen, wie alle andere Lebewesen auch, das Wissen der sie umgebenden Umwelt auch osmotisch auf und zwar vom Anbeginn ihrer personellen Existenz. Unsere Sinne sind unsere Verbindung nach außen und zwar jeden Moment des Lebens, auch wenn einem das im Alter nicht mehr so vorkommt. In der Natur (aber auch in der von Menschenhand und -hirn geschaffenen Kultur) sind daher alle unsere Sinne von immenser Bedeutung. Das ist unsere Natur. Selbst wenn Unmassen von Ideologien, Theologien oder Patrireligionen uns weismachen wollen, dass der Mensch als eine Art beseelte Schöpfung kreiert wurde bzw. eine (natur-) unabhängige Seele hat.
Wenn wir allerdings auf eine Art Beseelung bestehen, dann wäre das für mich der Kollektivgeist den wir in uns tragen. Die gespeicherten Erfahrungswerte unserer Vorfahren, zu denen auch all unsere Vorgängerarten gehören. Unser erstaunliches und scheinbar autarkes Wissen ist keine Einzelleistung des Individuums, auch wenn das manche gern hätten. Es gibt imho kein Wissen und keine Erleuchtung oder große Vision deren Grundlagen nicht ohnehin ständig kollektiv neu angelegt, vervollkommnte und individuell variiert wird ... wir mixen nur aus allem, was wir in uns tragen (was bereits durch die langen Verkettungungen zwischen dem Potiential unserer Vorfahrinnen grundgelegt wurde) und dem was wir im Laufe unseres Lebens dazu erworben haben ein ständig neues Bild von der Welt und ihren Möglichkeiten und zwar seit dem Moment, in dem wir eine winzige Anlage zur Eizelle waren. Unser persönliches Wissen um die Welt, in die wir hineingeboren wurden, gipfelt darin ein einzigartiges Individuum einer bestimmten Spezies zu sein - aber ohne alle Anderen vor uns und diejenigen, die bis heute unsere Nähegemeinschaft bilden, sind wir eben auch nur der berühmte Flügelschlag des Schmetterling im Fluss der Zeit.

Die Mutter als Zentrum der artgerechte Fürsorgegemeinschaft (im Postpatriarchat?)
Als soziales Wesen haben wir uns auch Regeln des Zusammenlebens geschaffen. Der grundlegende Automatismus war und ist: das Wohl der Gemeinschaft und somit des Individuums, denn das wiederum garantierte den über den Selbsterhalt hinausgehenden Arterhalt.
Vergessen wir die angebliche Bedeutung von Unterrichtsstunden oder Lehrbüchern, sie sind nur ein (kleiner) aufgesetzter Teil der gesamten Lernerfahrung unseres Daseins. Entscheidend ist dagegen immer die innige, die intensive und wohlwollende Nähe der Fürsorgegemeinschaft in die einst das Menschenkind hineingeboren wurden und auch heute noch wird. Die aus (bevorzugt konsanguinen*) Angehörigen bestehende Fürsorgegemeinschaft ist der Lebensschlüssel unseres Menschseins seit der Zeit, da sich die Spezies Mensch zu formen begann.
Was ist der Nähekreis? Was können wir uns darunter vorstellen. Die klassische (Klein)Familie ist es nicht oder nur bedingt, besonders für ein Kind. Denn was ist schon für ein Kreis der lediglich aus aus zwei (erwachsenen) Personen besteht: Vater und Mutter? Noch dazu wenn das Kind sie oft über mehrere Stunden am Tag kaum zu Gesicht bekommt. Selbst wenn zusätzlich Geschwister da sind, bleibt dem Kind in der Regel die Erfahrung verwehrt von verschiedenen angehörigen Nähepersonen betreut zu werden, ihnen am Tag immer wieder zu begegnen bzw. mit ihnen nach Bedarf zu interagieren.
Trotzdem ist der Kern eines jeden Menschenbeginns die Mutter-Kind-Einheit und das was ich als Nähekreis bezeichne, ist etwas, was wir quasi nicht mehr kennen – ein Umkreis von nahestehenden und vor allem (konsanguin) verwandten Menschen die im Alltag permanent zu uns gehören und in dem die Einbettung der Mütter und ihre Kinder als Selbstverständnis daher kommt.
Leider ist es heute in der westlichen Kultur mit einer fürsorgenden Nähegemeinschaft nicht weit her. Die Kleinfamilie (bzw. das alleinerziehende Elternteil) ist lediglich ein mangelhaftes Surrogat, das aus einem maximal zwei erwachsenen Menschen zusammensetzt ist und nur dauerhaft funktioniert, weil es unterstützt wird durch ein Heer anonymer Dienstleister, die zum Teil als fragwürdige Miterzieher fungieren.
Sollten wir als Gesellschaft die Vernunft aufbringen und wieder anfangen 'von der Mutter her' zu denken und daher an das natürliche soziale Gefüge unserer Ahninnen - die Matrifokalität - anknüpfen, bliebe auf alle Fälle unseren Kindern die immer dramatischer werdende Vereinzelung erspart. Die Mütter, die dann das Postpatriarchat aufräumen werden, müssen sich auf Menge Arbeit gefasst machen. Eine gründliche Trennung von all den patriarchösen und somit schädlichen Konditionierungen und deren Umwandlung zurück zu humanen Werten ist dafür die dringenste Voraussetzung...


*konsanguin - durch Geburt verwandt in mütterlicher Linie

...und sollte euch das Alles schon wieder sehr bekannt vorkommen, auch diesen Text klöppelte ich aus verschiedenen meiner Kommentaren und Statements zusammen...
.

28 Dezember 2014

Trauer - Gedanken aus dem Tagebuch II

040414 ... wenn mir meine Heimat verlustig geht, bleibt mir in der Regel gar nichts weiter übrig, als mich mit den nun mehr bestehenden Lebensumständen zu arrangieren. Gleichgültig ob wir selbst entschieden haben oder uns schicksalhafte Verstrickungen heimatlos gemachten, die Anpassungsarbeit an die veränderte Situation muss das Individuum auf jeden Fall leisten.

Wir sind heute in unserer Kultur auf Nichtbindung aller Art seit Kindheit an trainiert. Nach zwei Wochen wird heute nach einem Ortswechsel schon gefragt: na hast du dich schon eingelebt? Und bei einem Verlust wird einem kaum Zeit zum Trauern und Verarbeiten zugestanden. Dieser Verlust muss nicht immer ein Todesfall sein. Täglich verschwinden Menschen aus unserem Umfeld, die bisher zu unserem Lebenskreis gehörten, die uns in irgendeiner Weise nahestanden und vertraut waren. Von Kind an gibt es in unserer fremd-strukturierten und flexibel angelegten Gesellschaftskultur ein ständiges Kommen und Gehen. Die Spielkameradin zieht weg, die beste Freundin wechselt die Schule, die Arbeitskollegin verlässt den Betrieb, der Ehemann kommt abhanden, der Freund löst die Beziehung oder eine bricht selbst mit dem eben noch innig Geliebten oder gar mit ihrem familiären Background. 

Doch nicht nur der Verlust eines Menschen - alles was wir an vertrautem Alltag verlieren beschäftigt unser Gemüt. Ein Umzug, der Wechsel der Arbeitsstelle, der Abschluss einer Schule, selbst eine größere Reise lässt unsere (Lebens)Energie aus der sonst so beruhigenden Routine und der, uns stabilisierenden, Geborgenheit fließen und die neue, manchmal auch bedrohliche Situation bearbeiten. Wir mögen es nicht, aber wir wurden darauf trainiert, uns mit einer grundsätzlichen und manchmal direkten dramatische Fremdbestimmung zu arrangieren, die keinen wirklichen eigenen Lebensrhythmus duldet.

Ständiger Verlust gehört zu unserem Alltag und ist als grundsätzliches Muster in unseren gesellschaftlichen Gepflogenheiten angelegt. Aber dieses neue, schon über ein paar Generationen tradierte Selbstverständnis (der permanenten Trennung) in unserer abendländischen Kultur ist und das wissen wir inzwischen genau, keine artgerechte Verhaltensweise unserer Spezies.


Als Individuum bleiben wir, selbst bei relativ harmlosen Verlusten, immer als jeweils allein Betroffene zurück. Und die anderen ebenso. Wir verarbeiten Trennungsschmerz und Trauer nicht mehr in homogen gewachsenen Nähe-Gruppen, sondern bleiben in der Regel auf uns selbst zurückgeworfen. Muss zum Beispiel der „Verlust“ einer vertrauen Arbeitskollegin im Alltag überwunden werden, wird kaum eine lange klagen oder darüber viele Worte verlieren, aber in unserem Inneren laufen trotzdem bestimmte Prozesse ab. Es gehört seit Prä-Zeiten zu uns sich mit Verlusten auseinanderzusetzen. Von unserer menschlichen Grundausstattung her mussten wir das einst nicht allein durchleben. Genauso wenig wie eine Mutter ihr Kind allein aufzog. Das autarke Individuum ist genau wie die isolierte Mutter ist ein moderner, aber nicht menschenartgerechter Effekt und so das klassische Beispiel für Vereinzelung, Ungeborgenheit und Verlust.

Der heutige Trend geht jedoch nach wie vor hin zur Unterdrückung und Verdrängung der Verlust-Gefühle und deren möglichst schnellen Überwindung. Sich lange damit beschäftigen oder den schmerzlichen Gefühlen Raum zu geben, ist weitgehend verpönt. Jede Art von Verlust- und Trauerarbeit wird als überflüssig angesehen bzw. wie ein Tabu gehandelt. Sogleich wird uns von allen Seiten empfohlen, doch wieder nach vorn zu sehen. Denn schließlich geht das Leben weiter. Aber es geht auch weiter, wenn wir angemessen trauern oder uns des Verlustes bewusst werden. Statt dessen ziehen wir uns vielleicht eine Weile in uns zurück, dabei lassen wir unseren Schmerz möglichst nicht den Alltag tangieren. Schließlich haben wir das von Kindheit an trainiert und bei den meisten sitzt die Konditionierung tadellos. Frauen sind immer wieder in besonderem Maße betroffen, müssen sie doch im herrschenden patriarchösen System schon seit Jahrtausenden ihre Herkunftsgeborgenheit verlassen und sehen sich mit vielfältigen Nuancen von Heimatlosigkeit, Verlassenheit und Trauer konfrontiert.

Das Problem unserer Zeit ist, dass wir bei dem permanenten Verlustszenario aus dem unser durchschnittlicher Alltag besteht, kaum noch aus unserer unverarbeiteten und permanent verdrängten Trauer herauskommen...

.

11 Oktober 2014

Verlustigt - Fundstück aus einer Sammeldatei

Wenn mir meine Heimat verlustig geht, bleibt mir in der Regel gar nichts weiter übrig, als mich mit den nun mehr bestehenden Lebensumständen zu arrangieren. Gleichgültig ob wir es selbst entschieden haben oder uns schicksalhafte Verstrickungen heimatlos gemachten, die Anpassungsarbeit an die veränderte Situation muss das Individuum auf jeden Fall leisten.

Wir sind heute in unserer Kultur auf Nichtbindung seit Kindheit an trainiert. Nach zwei Wochen wird heute nach einem Ortswechsel schon gefragt: na hast du dich schon eingelebt? Und bei einem Verlust wird einem kaum Zeit zum Trauern und Verarbeiten zugestanden. Dieser Verlust muss nicht immer ein Todesfall sein. Täglich verschwinden Menschen aus unserem Umfeld, die zu unserem Lebenskreis gehörten, die uns in irgendeiner Weise nahe standen und vertraut waren. Von Kind an gibt es in unserer fremd-strukturierten und flexibel angelegten Gesellschaftskultur ein ständiges Kommen und Gehen. Die Spielkameradin zieht weg, die beste Freundin wechselt die Schule, die Arbeitskollegin verlässt den Betrieb, der Ehemann kommt abhanden, der Freund löst die Beziehung oder eine bricht selbst mit dem eben noch innig Geliebten oder gar mit ihrem familiären Background.

Ständiger Verlust gehört zu unserem Alltag und ist als grundsätzliches Muster in unseren gesellschaftlichen Gepflogenheiten angelegt. Aber dieses neue, schon über ein paar Generationen tradierte Selbstverständnis (der permanenten Trennung) in unserer abendländischen Kultur ist und das wissen wir inzwischen genau, keine artgerechte Verhaltensweise unserer Spezies.

Als Individuum bleiben wir, selbst bei relativ harmlosen Verlusten, immer als jeweils allein Betroffene zurück. Und die anderen ebenso. Wir verarbeiten Trennungsschmerz und Trauer nicht mehr in gewachsenen Nähe-Gruppen, in unseren angehörigen Lebensgemeinschaften, sondern bleiben auf uns zurückgeworfen. Muss zum Beispiel der „Verlust“ einer vertrauen Arbeitskollegin im Alltag überwunden werden, wird kaum eine lange klagen oder darüber viele Worte verlieren, aber in unserem Inneren laufen trotzdem bestimmte Prozesse ab. Es gehört seit Prä-Zeiten zu unserer Art sich mit Verlusten auseinanderzusetzen. Von unserer menschlichen Grundhaltung her mussten wir das jedoch nicht allein durchleben, genauso wenig als isolierte Mutter die eigenen Kinder allein aufziehen.

Der moderne Trend geht jedoch nach wie vor hin zur Unterdrückung und Verdrängung der Verlust-Gefühle und der möglichst schnellen Überwindung. Sich lange damit beschäftigen oder den schmerzlichen Gefühlen Raum zu geben, ist verpönt. Jede Art von Verlust- und Trauerarbeit wird als überflüssig angesehen bzw. wie ein Tabu gehandelt. Sogleich wird uns von allen Seiten empfohlen, doch wieder nach vorn zu sehen. Das Leben geht weiter. Aber es geht auch weiter wenn wir angemessen trauern oder uns des Verlustes bewusst werden. So ziehen wir uns also eine Weile in uns zurück und lassen unseren Schmerz möglichst nicht den Alltag tangieren. Schließlich haben wir das von Kindheit an trainiert und bei den meisten sitzt die Konditionierung tadellos. Frauen sind immer wieder in besonderem Maße betroffen, müssen sie doch im herrschenden patriarchösen System schon seit Jahrtausenden ihre Herkunftsgeborgenheit verlassen und sehen sich mit vielfältigen Nuancen von Heimatlosigkeit konfrontiert.

21 Juli 2014

launig bis launisch...


gerade frage ich mich, ob nicht vielleicht launig und launisch das Gleiche ist ... schnell noch mal nach sehen - nein ist es nicht ... ich bin also gern launig, aber launisch bin ich nicht. Ich erinnere mich, als ich noch klein bzw. jung war, wurde auch mir manches Mal nachgesagt, ich wäre launisch ... dabei ging es mir vielleicht gerade nur nicht gut oder ich wurde wieder einmal nicht gehört und bekam vor lauter Frust 'schlechte Laune'.

Launisch sein ist ein Zustand, den man selten selbst bei sich diagnostiziert. Die „eigenen Launen“ fallen einer meist gar nicht auf. Dafür reagiert unser Umfeld auf unsere sogenannten Launen. Und das führt oft genug dazu, dass das liebe Umfeld uns noch mehr unter Druck setzt oder ganz und gar ablehnt, besonders für Kinder schwer zu ertragen und zu begreifen. Empathie kommt jetzt erst langsam wieder in Mode...

darüber hinaus ist meine Meinung dazu, wenn sich eine selbst für launisch hält, dann hat man es ihr eingeredet. Launisch, unbeständig, unzufrieden, mürrisch, wechselhaft, kapriziös - es gibt eine Menge Bezeichnungen für die, andere störenden, Gemütszustände und das meiste davon wird Frauen nachgesagt. Dabei sind es doch nur unterdrückte Emotionen. Das was als "Laune" bezeichnet wird, ist nämlich nichts weiter, als eine zurückgehaltene Gefühlslage, die sich durch Übersprunghandlungen, seltsames Verhalten oder genervte Reaktionen dann doch Bahn bricht und so an die Umgebung Signale sendet...

wenn ich mich nicht so geben kann wie ich möchte, bekomme ich "schlechte Laune". Mein Befinden ist dadurch gestört und oft sogar nachhaltig. Wenn ich nicht so sein darf wie ich bin, wenn die Fremdsteuerung wieder einmal mein Leben übernommen hat und trotzdem sich alle um alles andere kümmern, nur nicht um das Befinden ihres Mitmenschen, dann kann 'launisch sein' auch zum Dauerzustand, zur Masche, werden.

Darüber hinaus wurden und werden Frauen immer noch darauf trainiert, sich (an allem) die Schuld zu geben - „sieh doch erst mal wo deine Anteile liegen“, ist immer noch ein beliebtes (esoterisches) Programm...
'launisch sein' ist kein willkürlicher Akt. Wenn plötzlich die Stimmung umschlägt, gibt sehr wohl auch einen Grund - es ist die Folge von (unterschiedlichsten) Beeinträchtigungen. Dieser Grund ist nicht immer einfach zu erkennen und wie wir wissen, es geschieht nie absichtlich, sondern hier handelt es sich um eine (innerkörperliche) Reaktion auf Energien, die uns umgeben und die somit in unseren Gesamt-Körperhaushalt eingreifen. Aber auch körpereigene Zustände können auch zu einem "Witterungsumschwung" führen - wie eine blöde Hormonlage oder Krankheitssituation ... und da sind erst recht keine Vorwürfe angebracht, weder durch einen selbst, noch durch andere... Empathie und Zuwendung sind angesagt.

"Was die Welt zusammenhält sind Felder, Energiefelder..." und innerhalb und durch diese, sind wir mit allem Lebendigen vernetzt. Das Individuum einer jeden Art folgt immer zwei Lebensimpulsen – dem Selbsterhalt, der wiederum den Arterhalt möglich macht und so die jeweiligen Wesenheiten weiter existieren lässt. Das Bindungs- und Beziehungsgeflecht in das wir, besonders wir Menschen, vom ersten Moment unseres Seins eingebunden sind, sorgt auch für unsere 'Laune'. Das was gemeinhin als Launen bezeichnet wird, ist durch unsere (unbewussten) Empfindungsabläufe initiiert ... genau genommen gibt es keine Launen, im Sinne von unberechenbaren und als störend angesehenem Verhalten ... denn ... es gibt für alles einen Grund ... und wenn wir uns nicht die Mühe machen wollen oder können, die 'Launen' der anderen zu ergründen, müssen wir sie halt hinnehmen oder besser noch, einfach mal nach dem Befinden fragen ... Härte zeigen war gestern ... heute leben wir im Zeitalter (der Entdeckung) der Empathie... 

zum Thema 'Launen' siehe auch Freundinnenblog...


09 Juli 2014

ich sage es immer wieder gern


Jede ursprüngliche Kulturtätigkeit ist ein Nebenprodukt des (menschlichen) Arterhalts...

.

08 Juli 2014

relativ physikalisch...

Wo ein Körper ist, kann kein anderer sein ... Männer haben das als Jungs schon verinnerlicht und im naturwissenschaftlichen Unterricht bestätigt bekommen. Deshalb wird von klein an geschubst und gerangelt, sich gegenseitig überholt, gewetteifert und gekämpft, um zu guter Letzt als Gewinner auf dem Platz, dem Siegertreppchen oder dem Chefsessel zu bleiben.
Kleine Mädchen sind da von Natur aus anders, sie sind ja auch angeblich nicht so gut in Physik. Man könnte meinen physikalische Gesetze sind ihnen ganz egal. Mädchen kommen offenbar mit einer ganz anderen Wahrnehmung auf die Welt – und die kommt zu dem einfachen Schluss: wo ein Körper ist, passt gut noch ein zweiter und ein dritter hin.

Da wird sich aneinander gekuschelt und noch näher zusammengerückt. Vertraulich und innig die Köpfe zusammengesteckt und in wohliger Nähe fast mit einander verschmolzen ... der Körperbegriff kann ja so verschieden sein!
Leider sorgt die Schule immer wieder dafür, dass auch Mädchen lernen sollen, wie sie konkurrieren müssen und dass es immer nur einen Ersten geben kann ... Heureka!



Das uralte Naturgesetz 
der 'glücklichen Nähe und Verbundenheit' wird jedoch in keiner unserer Schulen gelehrt...
wie wäre es mit einem neuen Fach: 
'Die Physik der Geborgenheit'?
.

23 Juni 2014

happy enden

... sicher kennt jede das Zitat: ...nach dem Happyend wird jewöhnlich abjeblendt... 
es kommt der Punkt, da ist die Geschichte auserzählt, da nimmt endlich alles eine glückversprechende Wendung und Märchen schließen mit der Verheißung "..und sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage!"
Ich mag ja eher den Schluss: "... und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute!", das lässt viele schöne Möglichkeiten offen.

Wir brauchen und das nicht nur bei Erzählungen und Romanen, ab und zu ein möglichst gutes Ende, einen Zwischenstopp der aufgeputschten Gefühlslage. Ein nicht enden wollendes Drama bedeutet Dauerstress. Auch beim Geschichten erzählen (bzw. schreiben) ist es für den Leser (und auch für den Erzähler) frustrierend, wenn die unerfreulichen Wendungen so gar kein Ende nehmen wollen und die Normalität eines gediegenen Alltags sich nicht mehr einstellen will. Dauerstress macht krank, selbst wenn es ein vermeintlich positiver Stress ist.
Ein ununterbrochenes dramatisches Wechselbad der Gefühle, ohne dass zwischendurch (lange) Phasen der Entspannung in einem eher ruhigen Gleichmaß stattfinden, kann uns in einen Zustand von (sowohl positiver wie auch negativer) Euphorie versetzen, die wir vielleicht nicht als solche wahrnehmen. Denn das ist wohl das Problem, wir gewöhnen uns auch an Extreme, wenn uns (scheinbar) keine Alternative bleibt. Wir passen uns an und das muss nicht bedeuten, dass wir uns damit wohlfühlen und schon gar nicht wird es uns gut tun, es ist eher ein Überlebensreflex (siehe Stockholmsyndrom).
Die Weltliteratur liebt Dramen und Tragödien, unerfüllte Liebe und das meist hart erkämpfte Happyend. Nach Zeiten der Prüfungen und des Leids möchte all die Bitternis und das Unrecht endlich vorübergehen. Wir sehnen uns alle nach einem guten Ende.
Und genau genommen soll dieses Ende auch gar kein Ende sein, sondern ein Anfang – der Beginn einer endlich unbeschwerten Zeit. Eine Zeit, in der das grundlegende Lebensgefühl mindestens Zufriedenheit am liebsten jedoch (ein sanftes andauerndes) Glück ist. Wohl kaum wird eine ein pausenloses Feuerwerk der Glücksgefühle erwarten – das wäre unrealistisch und anstrengend - aber eine glückliche Grundstimmung wäre schön, um das zu tun was eine Mensch halt so tun muss, um auch weiterhin zufrieden durchs Leben zu gehen.
Das Happyend, auf das wir seit Kindheit an geeicht werden, geht immer mit der Vorstellungen von einer alles außer Kraft setzenden, romantisch-sensationellen und möglichst lebenslang dauernden Liebe zu einem – nein, zu dem – Partner einher, dem heißersehnten Märchenprinzen, dem Traummann, Mr. Right bzw. seine weiblichen Pendants. Wir können nur happy enden, wenn eine einzigartige Zweierbeziehung von nun an unser Leben bestimmt... ach ja!
Und hier vermischen sich nur zu gern Fantasie und angestrebte Realität. Die Literatur, die täglichen Serien, die Filme der Superlative machen es uns vor, wie unser Anspruch auszusehen hat - love for ever... unter dem tut es keiner mehr ... wobei heute mehr denn je die 'Liebe' (literarisch) auch lediglich als serieller Sexkonsum mit durchaus akzeptierten Gewaltkomponenten daher kommen darf.
Aber ein glückliches Ende kann viele Formen annehmen und die müssen, wenn sie gerade beginnen, nicht immer super-mega-spektakulär sein. Manchmal besteht das glückliche Ende auch daraus, eine dieser Wahnsinnsbeziehungen "überlebt" zu haben und endlich wieder frau (man) selbst zu sein... oder wir finden das, was wir eigentlich die ganze Zeit suchen … Geborgenheit, Aufmerksamkeit, Zuwendung, gegenseitige Fürsorge in verlässlicher (artgerechter) Nähe...
.