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22 Juli 2023

Die Mär von der weißen prvilegierten Frau

Wenn ich was schädlich und ungeschickt finde, dann sind es die Modernismen, die Frauen gezielt gegen einander ausspielen. Dazu gehören Begrifflichkeiten wie "weiße privilegierte Frauen", "kulturelle Aneignung" oder der Kampfbegriff "Terf". Doch bleiben wir bei ersterem...

Von (weißen) privilegierten Frauen zu sprechen ist unrichtig. Frauen sind im Patriarchat nicht privilegiert. Denn nicht, wie das beim Manne der Fall ist, sind Frauen per se bevorzugt, weil sie (biologische) Frauen sind - im Gegenteil. Ihre Benachteiligung resultiert aus der Tatsache, dass sie (biologische) Frauen sind.
Während der Mann sich als in Biologie gegossene Krone der Schöpfung sieht, degradierte er die Frau ideologisch und konkret ob ihrer Gebärfähigkeit zu einem Natur abhängigen und daher minderwertigen Wesen. Gleichzeitig ist die weibliche Gebärfähigkeit der Grund für männliche Existenz und daher ein Quell der oft extremen Eifersucht auf alles was von Natur aus weiblich bzw. dass das Leben weiblich ist. Nichts ruft beim Manne mehr Neid hervor, als die Fähigkeiten der Frau Leben zur Welt zu bringen und zu erhalten.

Die Frau und Mutter ist die Garantin für Leben. Eben diese Kompetenz stachelt den Mann immer wieder in seinen Annektionsbestrebungen an.
Manche Frau, im Glanz einer Siegerelite stehend, erscheint manchen auch privilegiert, aber in Wirklichkeit ist der Grad ihres Unterworfenseins im patriarchösen System bzw. im Rahmen diverser Machtkonstellationen nur unterschiedlich ausgeprägt. Die politische Macht, die Männer ausüben, kann eine Gesellschaftsstruktur schlagartig verändern und zwar in erster Linie auf Grund ihres Waffen gestützen Gewaltpotentials. Auch Frauen sind immer wieder in der Lage Einfluss zu nehmen, aber eher auf der Überzeugungsebene, nach dem Motto „Steter Tropfen höhlt den Stein“. Die auf diese Weise erkämpfte Rechte (auch hier ist noch lange nicht an Privilegien zudenken) können allerdings schnell mal dem nächsten gesellschaftlichen Backlash zum Opfer fallen.

Die männliche Dominanz, Basis der Patriarchose, installierte der Mann einst gewaltsam sowie systematisch und deren Erhalt ist seit dem Beginn des Patriarchat ein Selbstläufer. Auch weil Gewalt, das anerkannte männliche Gewaltverhalten überhaupt, in jeder erdenklichen Form uns permanent als Alltagserscheinung umgibt. Der Mann ist patriarchal-gesellschaftlich gesehen der Geiselnehmer und wann war je eine Geisel privilegiert?
Frauen gleich welcher Hautfarbe, sind nicht privilegiert, auch nicht wenn sich temporär oder lokal die politischen Verhältnisse verändern und für Frauen wie auf einer Insel ein etwas entspannteres Gemeinschaftsleben stattfindet. In der Regel reicht es nicht für nachhaltige Verbesserungen für alle Frauen und Mütter oder gar für einen Paradigmenwechsel.

Nur manchmal sind für kurze Zeit manche Männer punktuell nicht mehr ganz so privilegiert - als Nebenwirkung von Machtverschiebungen, Kriegen oder seltenem friedfertigen Zusammenleben in einer (kurzzeitig) gesellschaftlichen Entwicklung, die durch aufgeklärte, humane bzw. politisch-demokratische Prozesse entstand. Ein friedfertiges und Gerechtigkeit anstrebendes Zusammenleben im Rahmen von (säkularer) Kultur und Politik, hielt/hält in der Regel nur ein paar Jahre an, bestenfalls ein paar Jahrzehnte. Dann setzt gemeinhin ein typischer Backlash ein, der schleunigst das Vorrecht der Männer, und hier im Besonderen, das der Väter rettet bzw. bewahrt, indem man Gesetzeslagen anpasst und die „Gott gegebene“ oder als „natürlich“ erklärte männliche Überlegenheit, quasi wieder entdeckt und in den Fokus der Gesellschaft rückt. 
Diese baldige bzw. reflexartige Einleitung der frauen- und mütterfeindlichen Rückschrittlichkeit, bestehend aus diversen Rollbacks, Bedrohungen und Verfolgungen von aufmüpfigen Frauen, stellte das starke Gefälle zwischen den (biologischen) Geschlechtern nicht nur wieder her, sondern meist reichte der Schwung auch noch für mehrere Rollen rückwärts. Der patriarchale Männerstatus wird/wurde erfolgreich verteidigt und meistens ein wenig darüber hinaus wieder ausgebaut. Es ist nicht nur ein Gefühl, dass Veränderungen noch unerfreulicher, noch schlimmer, noch ungerechter für die Frauen, und hier vor allem für Mütter und ihre Kinder werden.

Als am Beginn des Patriarchats, mann die Mütter ihrer naturgemäßen Art zu leben enteignete, die Kinder den Vätern zugesprochen und der Sklavenstatus für Weiblichkeit eingeführt wurde, setzte mann körperliche Überlegenheit und brutale Waffengewalt ein. Später vertraute mann mehr und mehr auf das Wort - Ächtung weil weiblich geboren, durch Drohung erzwungener Gehorsam, soziale Kontrolle, Erschaffung von Mythen mit Vorbildfunktion.
Alles gegossen in Gebote und Gesetze und angedrohte bzw. umgesetzte Sanktionen bei Nicht-Einhaltung.
Als der Mann Götter und Religionsideologien erfand, welche halfen Frauen im Sklavenstatus zu bestätigen und zu halten, wurde aus einer (konsanguin angehörigen) Schwester die (zukünftige) Frau eines anderen Mann (eines Verbündeten oder auch Feindes) und die eigene Mutter war nur noch die unterworfene Frau des Mannes, der als (der eigene) Vater galt.
Den Patriarchen war ein großer Wurf war gelungen, der die Mutter und die Schwester im Fühlen, im Denken und im alltäglichen Handeln eine permanent minderwertige Position zuwies und ihnen weitgehend die Selbstbestimmung vorenthielt.
Von weißen privilegierten Frauen zu sprechen ist nur ein moderner und damit typischer patriarchöser Euphemismus. Denn jedes, durch das Patriarchat gewährte, Frauenrecht, kann mann jederzeit wieder nehmen. Der angestiftete Kampf der Frauen gegeneinander ist schon ein deutliches Symptom.

Stephanie Ursula Gogolin

11 Mai 2021

Wir sind unser Körper

In Diskussionen um Abtreibung usw. fällt gern mal der Satz: mein Körper gehört mir. Das hört sich an, als existiere die Mensch als Person außerhalb bzw. unabhängig von einem biologischen Körper, den sie dann nur für bestimmte Gelegenheit benutzt (zum Beispiel um ein Kind zu bekommen) und auf den auch andere Zugriff haben, wenn wir nicht aufpassen.

Wir sind eine solche Denkweise gewohnt, in der eine Person noch vor ihrem körperlichen Dasein im gesellschaftlichen Kontext als metaphorische Existenz rangiert. Diese Art der Beurteilung ordnet unser menschlichen Sein als einen ideellen Zustand ein, der den Körper in welchem alles stattfindet, wie Staffage, wie beliebige Hardware, wie ein bloßes Transportvehikel betrachtet - wir sind eine (virtuelle) Person und die "hat einen Körper".
Im Patriarchat müssen Frauen ihren Körper wie ein ihr zugemessenes Hoheitsgebiet verteidigen, wenn sie nicht sowieso so konditioniert wurden, dass sie bereits verinnerlichten, eigentlich irgendwem zu gehören – einer anderen Person oder einem Kollektiv. Wir haben uns als Frau eine extrem unsinnige Art angewöhnt, uns als personelles symbolisches Wesen zu präsentieren, aber wir sind keine ominöse Wesenheit, die unter anderem einen Körper hat.
Daher habe ich keinen Körper - Ich bin mein Körper! Mein virtuelles Selbst, von mir als real empfunden, gibt es ohne meine organische Manifestation nicht.
Ich habe/besitze also keinen Körper, der mir gehört, weil ein Schöpfer ihn mir zuteilte bzw. den ich vorübergehend bewohne, sondern ich bin ein biologischer Organismus, der sich in der Form eines sichtbaren, fühlbaren, also gegenständlich wahrnehmbaren, lebenden Körpers darstellt. Meine persönliches, individuelles Sein als Instanz, die in der Lage ist mit der Welt außerhalb meines Körpers Kontakt aufzunehmen und zu kommunizieren, ist eine geistige Potenz.

Wenn ich also sage: mein Körper gehört mir, ist dass objektiv falsch, Für mich hört sich das an, als wäre es bisher so gewesen, dass ich nie eine richtige Verfügungsgewalt über meinen Körper habe und ihn mit dieser Feststellung einfordere. Jederzeit könnte eine andere/höhere Macht mir meinen Leib streitig machen, ihn mir wegnehmen. So wurde wohl auch von manchen der Tod verstanden. Doch das sind Glaubenskonzepte. Wir leben aber in einer evo-biologischen Realität. Ich bin mein Körper. Ohne meinen Körper, ein lebender, hoch entwickelter Bioorganismus, gäbe es mich weder als Mentalwesen, noch als sogenannte Seele, noch als virtuelle Person.

Mein lebender Körper beherbergt meinen Geist und meine Psyche. Dieser Soma-Komplex Körper stellt zwecks Überleben die dazu notwendigen vegetativen und geistigen Funktionen bereit und alles bildet unter günstigen Bedingungen eine, sich selbst erhaltende Einheit.

Man kann einen (anderen) Biokörper an seinem Funktionieren hindern, ihn (schmerzhaft) einschränken oder ihn vernichten, aber nie eine tatsächliche Trennung von Körper, Geist und Psyche vornehmen. Dieser, unter bestimmten gefühlten Umständen, Effekt kommt uns real vor, findet aber immer noch innerhlab dieses einen Körpers bzw. in seinem Gehirn statt.

Ist kein körperlicher Organismus vorhanden, gibt es auch keinen (separaten) Geist oder eine sogenannte Seele.

Wir, als Frau, als Menschenwesen, sind unser biologischer Körper und in dem wächst, je nach Schicksal, ein anderes Menschenwesen heran. Da wir unser Körper sind, liegt es also in der eigenen Verantwortung, uns selbst zu erhalten und stellen unseren Körperkomplex unserem Nachwuchs zur Verfügung, um so neuem Leben eine Chance auf Existenz zu geben. Es ist ein biologisches Phänomen, die unwillkürliche Lebensweitergabe, die sich schon sehr lange vor allen kulturellen Werten, Moralvorstellungen und (patriarchalen) Gesetzgebungen, im evolutionären Naturgeschehen herausbildete.
Eine beginnende Schwangerschaft bedeutete nie, dass auch tatsächlich später ein lebendes gesundes Menschenkind auf die Welt kommt. Lebensweitergabe unterliegt ebenso einem Zufallsprinzip wie das Leben als solches auf unserem Planeten und die Anpassung an vorhandene Bedingungen drückt sich im selektiven, evolutionären Geschehen aus. Jedes menschliche Individuum, jede Frau, ist ihre eigene, zu respektierende Bio-Körperlichkeit und als solcher in einer natürlichen Menschengemeinschaft Teil derselben.

Doch wir leben derzeit im Pariarchat und somit in einer kulturell verinnerlichten, graduell unterschiedlich empfundenen Sklavinnenhaltung (Traumaeffekt). Diese aufgezwungene Körpererfahrung löst bestimmte vegetative Reflexe aus: u.a. können wir scheinbar mit unserem Geist oder "als Seele" aus unserem Körper (virtuell) heraustreten um Drangsal, Schmerz und Todesangst in unserem körperlichen Daseins zu ertragen. Gefahr lässt den Körper reagieren mit Flucht, Kampf, Erstarrung und dissoziativer Unterwerfung. Darüber hinaus sind beispielsweise manche Verhaltensweisen ein Ergebnis von religiöser Konditionierung und übler patriarchaler Gehirnwäsche und/oder qualvoller Fremdbestimmung (und damit Teil des Stockholmsyndroms), die uns scheinbar als Pseudo-Geist-Wesen von unserem Körpersein abspaltet. Aber es gibt definitiv diese Spaltung nicht als nachweisbare Realität.

Wir sind unser Körper. Und als solcher, müssen wir besonders als Frau darauf bestehen gesellschaftliche Unterstützung zu erhalten (im Sinne unserer angeborenen Matrifokalität) und Bedingungen vorzufinden, in der unsere Körperlichkeit unversehrt bleibt und wir ganzheitlich unser Leben in einem realen Alltag leben können.

Anhang: Und hier eine kleine Zusatzerklärung wie ich die Themen Hirntätigkeit, Geist, Bewusstsein und Seele sehe: Was nicht existiert, ist nicht vorhanden - eigentlich ganz einfach - und was existiert bzw. erfahrbar wäre, aber von uns Menschen noch nicht erkannt wurde, ist zwar da, aber noch nicht für unser Welt definiert und daher für den menschlichen Geist nicht erfassbar.
Diese Art der Definition, erfasst durch einen menschlichen Geist, als Erinnerung bewahrt in einem menschlichen Geist, per menschlicher Kommunikation beschrieben und weitergegeben (als Meme verbreitet), ist das Schlüsselmoment zum gegenseitigen Verständnis im Alltag und ursprünglich um die Verbesserung im Zusammenlebens zu fördern. Der sogenannte menschliche Geist, also unsere Art der Gehirntätigkeit und hier vor allem das Zusammenspiel individueller Erinnerung mit kollektiver Weitergabe, ist ein wesentliches, ständiges Überlebensereignis. Die Erfahrungen und Erkenntnissen aller Individuen, hätten keine Bedeutung, würden sie diese nicht in und mit ihrer Lebensgruppe teilen.
Der Austausch findet über jede Form der artspezifischen Kommunikation statt und ist eine der evolutionsbiologisch selektierten Überlebensstrategien, welche die Mensch mittels ihrer hochkomplexen differenzierten Sprache (gegenüber anderen Tierarten) entwickelte und kulturell verfeinerte. Mit diesem Sprachvermögen definierte sie nicht nur ihre Umwelt, sondern sorgte für die Weitergabe der individuellen und kollektiven Erinnerungen. Das wiederum führte zu dem Phänomen des abstrakten Denkens. Diese Form des Abstrakten, der nur geistig, also abstrakt, vorhandenen Vorstellung, erschien wohl durch die Jahrhunderte hindurch vielfältig ausgeübte Denktätigkeit, so manchem als ein vorhandener Geist außerhalb des Körpers. Wir erfassen energetische Feldwirkungen im Außen und weisen ihnen eine Art (bewusstes) Eigenleben zu. Diese Denkweise brachte die Vorstellung von Göttern und Dämonen hervor, spekulierte über die Möglichkeit der Reinkarnation und verbreitete angenommene, aber nicht tatsächlich existierende "Realitäten" - Phantasiewelten und Glaubenskonstrukte aller Art.
Die/der Mensch kann inzwischen ganze Universen geistig erschaffen, also erdenken und diese im Detail sogar als Vorlage für zukünftige Technologie verwenden. Der kulturell trainierte menschliche Geist denkt sich komplexe Parallel- und Anderswelten aus und versucht diese auch gern zu beweisen - die Basis des maskulinen Machbarkeitswahns. Und unser kulturell geschulter Geist ist in Lage nicht reale, materiell nicht existierende Phänomene so zu definieren, dass sie anderen wiederum real erscheinen. Aber nichts desto trotz … würden plötzlich alle menschlichen Körper mit samt ihren Gehirne verschwinden, blieb auf der immateriellen, also geistigen, Ebene ohne eine vorhandene organische Gehirnsubstanz in einem lebendem Organismus, nichts davon übrig - nur die Medien, die Schrift-, Ton- und Bildträger, die wir hinterließen, wären noch da, aber niemand mehr, der sie auswertet und der einstigen Sinn erkennt.

Stephanie Ursula Gogolin



29 Dezember 2020

Der MannundFrau-Mythos

Mütter, Kinder, Väter und der MannundFrau-Mythos

Diese gern beschworene Arbeitsteilung zwischen Mann und Frau, die auch die Care-Arbeit beinhaltet, ist ein rein hypothetisches Gebilde. Wir kommen ohne die liebenswerte Vorstellung kaum noch aus, dass es selbstverständlich sein müsste, dass Männer sich genau wie Frauen für das tägliche Allerlei und die Arbeit, die Kinder so machen, zuständig und verantwortlich fühlen. Mann und Frau als vom Schicksal konzipiertes Dreamteam - es könnte doch so einfach sein!
Aber es gibt nun mal keinen biologischen Imperativ der ein organisch gewachsenes Gebilde MannundFrau hervorbringt. Auch nicht in der umgekehrten Intention FrauundMann. Es gibt keine biologisch determinierte, gleichschwingende Paareinheit 'Frau und Mann' als natürlich entstandenes Alltagsmodul.
Diese unausrottbare Wunschvorstellung
(des patriarchalen Kulturmenschen) gibt es bei keiner Säugetierart und auch die Vogelarten, die paarweise Brutpflege betreiben, sind zufällige Begegnungen in der Natur, bei denen sich die Individuen dem Biomechanismus Arterhalt gemäß verhalten.
Es wird gern davon ausgegangen bzw. erwartet, dass entgegen allem menschenartgerechten Verhalten, die ominöse Paareinheit MannundFrau, die sich in der Moderne als Kleinfamilie figuriert (formiert und firmiert), sich ähnlich einem Schwarm verhält (permanent auf einander bezogen) oder ähnlich einer Herde auf der Basis einer kollektiven Intelligenz durch den Alltag stapft. Säugetiere sind hochentwickelte Individuen und damit als Einzelwesen weitgehend autonom. Wobei jede Spezies ein eigenes Sozialmodul entwickelte.
Die in besonderer Weise intelligente Mensch, findet in der Dynamik ihrer matrifokalen Fürsorgegruppe den ÜL-Effekt der Geborgenheit und damit ausreichend Schutz, Support und Spaß, um ein zufriedenes Leben zu führen.
Die paarweise Zweierkombination aus einem nichtverwandten Mann und einer mit ihm nichtverwandten Frau als Dauerlebenspaar, ist eine kulturell begünstigte Fehlentwicklung, auf Grund der u.a. durch Oxytocinmangel erzeugten Gewaltspirale im System der Patriarchalität.
Die heute wie ein Naturgesetz gehandelte MannundFrau-Idee, die quasi als sexualisierte Dauerschleife des Zusammenlebens unseren Alltag bestimmt, ist jedoch auf keinen Fall als eine Art evo-biologischer Imperativ selektiert, sondern ein anti-soziales Phänomen, dass die vergleichsweise jüngste Menschenkultur auf den letzten Metern der Geschichte (in besagter Patriarchalität) hervorgebrachte.
Wenn wir als (junge) Frau uns verlieben und uns das starke Verlangen antreibt, uns mit einem attraktiven Mann unserer Wahl zu paaren und unbedingt (sofort) zu kopulieren, sind wir in dem hormonellen Drive des in allem Lebendigen angelegten Drang zum Arterhalt, der naturgemäßen Parallele zum glücklich machende Selbsterhalt plus Female Choice.
Dieses bio-angelegte Verlangen des Körpers die Art zu erhalten, ist inzwischen mit vielen irreführenden Vokabeln belegt. Derzeit gipfelt die Bezeichnung dieses Verlangen in der Vorstellung einer dauerhaften romantischen Liebe, die völlig widersinnig mit dem Gebot einer am liebsten unauflöslichen Hetero-Paar-Konstellation gekoppelt ist. Diese wird, auch in unserer modernen, aufgeklärten Gesellschaft, nach wie vor, von verschiedenen sozialen Konventionen sowie moralischen und von den,die weibliche Sexualität kontrollierenden Dogmen begleitet.
Beide, Frau und Mann, sind zuerst einmal biologische Individuen, die immer aus dem matrifokalen Nest einer (ihrer) Mutter stammen. Der unbewusste Denkfehler ist meist, dass die Biografie einer Person, die mit der Geburt durch eine Mutter beginnt, nicht mitgedacht wird. Wenn von Mann und Frau die Rede ist, besteht das System Kulturmensch scheinbar nur aus lauter vom Himmel gefallene autarke Erwachsene. Das lässt uns die lang gehegte Vorstellung von einer nicht wegzudenkenden Alltagserscheinungseinheit, die ich MannundFrau nenne, immer wieder neu auflegen. Hier wird Mann zwanghaft mit Frau zusammengedacht und umgekehrt.
Was weitgehend wegfällt ist das automatische Mitdenken von Kindern, Geschwistern bzw. mütterlicherseits zugeordneten Angehörigen.
Es gibt sie aber nicht, die Frau X und den Mann Y, als jeweils eine Art exklusiven Prototyp. Abstrakte weibliche und männliche Kultureinheiten, die eine Gesellschaft ausmachen und in ihrem Erwachsenenleben unbedingt eine Zweiheit anstreben, die als Einheit wahrgenommen werden muss. Tatsache ist jedoch, das Individuum, also jede Person, besitzt eine persönliche Geschichte und versucht auf ihre individuelle Art im Patriarchat zu überleben und folgt daher dem Paradigma der Gesellschaft bzw. der jeweiligen Kultur.
Frau X und Mann Y sind daher im Bezug zu ihrer kulturellen Deadline - die für den Erwachsenen von unserer anonymen Gesellschaft geforderten Partnersuche - austauschbar. War über Jahrhunderte hinweg der, in der Patriarchose immer zuerst gedachte und in der Regel auch zuerst genannte, Mann als Privilegling der Verhältnisse derjenige, der per se dazu vorgesehen ist sich nach Belieben eine Frau zu halten, ist heute auch die Frau berechtigt, in bescheidenem Maße, einen sogenannten Partner zu wählen, der eine dauerhafte Einrichtung in ihrem Leben sein soll.
Das bestehende hochpatriarchöse Gesellschaftsambiente brachte so den MannundFrau-Mythos erst als unauflösliches Ehepaar und in der Moderne in dem Begriff Partnerschaft hervor. Die gleichberechtigt anmutende Partnerschaft bleibt trotzdem ein typisch patri-kulturelles Konstrukt, dass schon wieder jede Frau und Mutter in die androzentriert-patriarchale Irre führt. Mann und Frau wurden so konditioniert, dass sie unentwegt versuchen als ideale Einheit ein ganzes Leben lang zusammenbleiben, was eigentlich nur mit sozialen Zwängen einher ging und die Regel ist es ohnehin nicht mehr, seit die Frau grundsätzlich zu einigen Rechten gekommen ist.

Stephanie Ursula Gogolin


ÜL - natürlich selektierierte Strategie
des Überlebens einer Art

.

05 November 2020

Oxytocinmangel - ein Beschleuniger des Patriarchats

Der Entwurf einer Betrachtung zu der Frage und Dauerbrenner: Wie entstand das Patriarchat?
... überarbeitet, ergänzt und in Wordpress online gestellt

Hierbei handelt es sich um hypothetische Überlegungen und mögliche Zusammenhänge im Entstehen der seit min. achttausend Jahren, expandierenden Patriarchose...


20 Oktober 2020

... die sogenannte Todesstrafe

...ein paar Gedanken zum "Internationalen Tag gegen die Todesstrafe"

Männer töten Männer um ihres eigenen Selbsterhalts willen. Das bedeutet unbedingte Kontrolle des eigenen Umfeldes: Abschrecken durch ernsthafte Drohungen, körperliches Angreifen und Zuschlagen, ehe es der andere tut. Das betrifft prinzipiell das männliche Individuum und darüber hinaus den androzentrierten Kollektivgeist.
Der patriarchal tradierte Androzentrismus wird, bis in unsere Zeit, durch potentiell unberechenbare Männergewalt geschützt und erhalten.
Zu allen Zeiten des androzentrierten Herrschaftspatriarchats töteten (oder ließen töten) privilegierte Männer im Namen ihrer selbst ermächtigten Gerechtigkeit (und daraus resultierenden juristischen Legitimation) andere Männer – oft in aufwändigen Abschreckungsverfahren. Die zur Kunst erhobenen Hinrichtungskultur des Mächtigen (die aktuell Machthabende Person) ist immer ein Teil ihrer Absicherung nicht zu schnell selbst unter einem Henkersbeil zu landen. Die Regelwerke, die festlegten, wer wann einen anderen Menschen – Mann oder Frau - töten darf, wurden in der gesellschaftlichen Patriopathie immer massenwirksamer.
Die Hinrichtungsarten, die eine Art der Bestrafung für Verfehlungen der verschiedensten Art darstellen sollen, wurden immer spezieller in ihrer Grausamkeit und Ausführlichkeit des Leidens. Als gesellschaftliche Regelverstöße angesehenen Verbrechen und sogar, uns heute harmlos erscheindene Vergehen, wurden immer wieder brutal sanktioniert. Manche Handlung oder Äußerung, die in heutigen Kulturen zum menschlichen Grundrecht gehören – wie Würde und Selbstbestimmung, Meinungsfreiheit, Gleichberechtigung sogar die zweifelhafte Religionsfreiheit, waren in der Vergangenheit (und sind es bis in die Gegenwart) ein gefährliches Terrain.
Die quasi nicht vorhandenen Rechte der weniger oder gar nicht privilegierten Menschen waren/sind im Patriarchat herrschaftlicher Willkür ausgesetzt und die Rechte der Frauen fielen/fallen weg, ohne dass ein Hahn danach kräht.
Tötungen fanden statt, weil sich diese Praxis sowie die so entstandene Gesinnung mit der Züchtungsideologie des Hirtenkriegers etablierte. Systematisches Töten von Leben sowie das dazu gehörige Blutvergießen, wurde Teil des Alltags des (potentiell patriarchalen) Mannes und zudem ritualisiert.
Vieh zu Züchten, zu Halten und zu Nutzen, geht nicht ohne Formen von Gewalt. Direkte Gewalt ist das Mittel des Mann sein Umfeld zu kontrollieren – Unterwerfung, totale Fremdbestimmung für die anderen und die latente oder direkte Androhung des Todes bei Ungehorsam. Unliebsame innere und äußere Gegner herrschaftlicher Macht, Sklaven und alle Untergebenen, die das System durch Ungehorsam bedrohen, sind nicht nur durch Sanktionsmaßnahmen zu unterwerfen, sondern im Bedarfsfall gleich endgültig zu beseitigen. Die Hinrichtung von nicht herrschaftskonformen Mitmenschen zieht sich durch die Jahrtausende des Patriarchats.
Die durch einen Staat und seine Rechtsprechung sowie dessen Verfassung, legitimiert die Tötung von Verbrechern - ein nach wie vor angewendetes Verfahren - nicht mehr überall auf der Welt, aber noch oft genug. Die Festlegung, wer ein Tod würdiges Verbrechen beging, ist nach wie vor den vielfältigen patriarchösen Normen unterworfen und allen voran diversen religiösen Regeln.
Ein Leben auszulöschen gehört immer zu den verwerflichen Taten des sogenannten kultivierten Menschen, aber der Mann als solcher, wird trotzdem von Kindheit an immer noch mit einer hocheffizienten Tötungssublimierung sozialisiert, die eine niedrige Hemmschwelle der speziellen Frauentötungen per se einschließt.
Wurden für die 'Tötung des Mannes' aufwändige Ideologien, Gesetzeslagen und religiös begründete Dogmen kreiert, ist das Töten von Frauen (hier vor allem der ignorierte Femizid) immer noch ein eher wenig beachtetes Phänomen, dass zwischen Kollateralschaden und „sie hat es nicht anders verdient“ schwebt. Auch Frauen wurden per Gesetz und nach dem Gewohnheitsrecht eines Herrn, hingerichtet, gelyncht, abgeschlachtet – aber hier fehlt in der Regel der edle Touch, den eine männliche Exekution oft begleitet. Im gewaltsamen Tod ist jeder Mann ein Held. Die Frau nur ...
Die sogenannte Todesstrafe ist eine rein patriarchale Erfolgsgeschichte. Es wird Zeit, dass nicht nur diese fragwürdige Form der angeblichen Gerechtigkeit bzw. Vergeltung aus der Welt verschwindet, sondern auch das System selbst, das zu jeder Art bewusstem Auslöschen von Leben animiert.
 
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