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21 Juli 2014

launig bis launisch...


gerade frage ich mich, ob nicht vielleicht launig und launisch das Gleiche ist ... schnell noch mal nach sehen - nein ist es nicht ... ich bin also gern launig, aber launisch bin ich nicht. Ich erinnere mich, als ich noch klein bzw. jung war, wurde auch mir manches Mal nachgesagt, ich wäre launisch ... dabei ging es mir vielleicht gerade nur nicht gut oder ich wurde wieder einmal nicht gehört und bekam vor lauter Frust 'schlechte Laune'.

Launisch sein ist ein Zustand, den man selten selbst bei sich diagnostiziert. Die „eigenen Launen“ fallen einer meist gar nicht auf. Dafür reagiert unser Umfeld auf unsere sogenannten Launen. Und das führt oft genug dazu, dass das liebe Umfeld uns noch mehr unter Druck setzt oder ganz und gar ablehnt, besonders für Kinder schwer zu ertragen und zu begreifen. Empathie kommt jetzt erst langsam wieder in Mode...

darüber hinaus ist meine Meinung dazu, wenn sich eine selbst für launisch hält, dann hat man es ihr eingeredet. Launisch, unbeständig, unzufrieden, mürrisch, wechselhaft, kapriziös - es gibt eine Menge Bezeichnungen für die, andere störenden, Gemütszustände und das meiste davon wird Frauen nachgesagt. Dabei sind es doch nur unterdrückte Emotionen. Das was als "Laune" bezeichnet wird, ist nämlich nichts weiter, als eine zurückgehaltene Gefühlslage, die sich durch Übersprunghandlungen, seltsames Verhalten oder genervte Reaktionen dann doch Bahn bricht und so an die Umgebung Signale sendet...

wenn ich mich nicht so geben kann wie ich möchte, bekomme ich "schlechte Laune". Mein Befinden ist dadurch gestört und oft sogar nachhaltig. Wenn ich nicht so sein darf wie ich bin, wenn die Fremdsteuerung wieder einmal mein Leben übernommen hat und trotzdem sich alle um alles andere kümmern, nur nicht um das Befinden ihres Mitmenschen, dann kann 'launisch sein' auch zum Dauerzustand, zur Masche, werden.

Darüber hinaus wurden und werden Frauen immer noch darauf trainiert, sich (an allem) die Schuld zu geben - „sieh doch erst mal wo deine Anteile liegen“, ist immer noch ein beliebtes (esoterisches) Programm...
'launisch sein' ist kein willkürlicher Akt. Wenn plötzlich die Stimmung umschlägt, gibt sehr wohl auch einen Grund - es ist die Folge von (unterschiedlichsten) Beeinträchtigungen. Dieser Grund ist nicht immer einfach zu erkennen und wie wir wissen, es geschieht nie absichtlich, sondern hier handelt es sich um eine (innerkörperliche) Reaktion auf Energien, die uns umgeben und die somit in unseren Gesamt-Körperhaushalt eingreifen. Aber auch körpereigene Zustände können auch zu einem "Witterungsumschwung" führen - wie eine blöde Hormonlage oder Krankheitssituation ... und da sind erst recht keine Vorwürfe angebracht, weder durch einen selbst, noch durch andere... Empathie und Zuwendung sind angesagt.

"Was die Welt zusammenhält sind Felder, Energiefelder..." und innerhalb und durch diese, sind wir mit allem Lebendigen vernetzt. Das Individuum einer jeden Art folgt immer zwei Lebensimpulsen – dem Selbsterhalt, der wiederum den Arterhalt möglich macht und so die jeweiligen Wesenheiten weiter existieren lässt. Das Bindungs- und Beziehungsgeflecht in das wir, besonders wir Menschen, vom ersten Moment unseres Seins eingebunden sind, sorgt auch für unsere 'Laune'. Das was gemeinhin als Launen bezeichnet wird, ist durch unsere (unbewussten) Empfindungsabläufe initiiert ... genau genommen gibt es keine Launen, im Sinne von unberechenbaren und als störend angesehenem Verhalten ... denn ... es gibt für alles einen Grund ... und wenn wir uns nicht die Mühe machen wollen oder können, die 'Launen' der anderen zu ergründen, müssen wir sie halt hinnehmen oder besser noch, einfach mal nach dem Befinden fragen ... Härte zeigen war gestern ... heute leben wir im Zeitalter (der Entdeckung) der Empathie... 

zum Thema 'Launen' siehe auch Freundinnenblog...


25 Juni 2014

nachdenklich

... gestern Nachmittag rief mich nach langer Zeit eine Freundin an. Vor etwa zwei Monaten hatte sie eine Brust-OP und nun plagt sie sich mit irrationalen Schuldgefühlen. Statt in Ruhe zu heilen, kämpft sie verzweifelt um Normalität und bezichtigte sich der Faulheit. Statt einfach anzunehmen, dass sie von ihrem Lebensgefährten gut versorgt wird, hadert sie damit, dass ihr selbst das Staubwischen schwer fällt. Zweimal in der Woche geht sie schon wieder wie zuvor zum Sport, obwohl sie hinterher fix und fertig ist... ich fragte sie vorsichtig, ob sie denn wirklich das eigene Wohl im Auge behält?
Am Abend, relativ spät, rief mich eine andere Freundin an und... wir sprachen über ihre Brust-OP – es war ein einziges Déjà-vu! Sie unternimmt hektisch dutzende Maßnahmen um zu gesunden ... nimmt zusätzlich Heilerin und Heilpraktikerin in Anspruch und rast weiter durch die Welt, ohne sich zu schonen, so wie ich sie schon immer kannte und ihre Arbeitstermine sind auch nur aufgeschoben und keiner wurde aufgehoben. Ich würde sagen: Beider Ziel ist, so schnell wie möglich wieder so zu funktionieren wie zuvor.
Und jetzt frage ich mich: was weiß ich über meine wahren Bedürfnisse? Was brauche ich in diesem Moment und in der Zukunft, um froh, zufrieden und möglichst heil zu sein? Wie sehr lebe ich mit mir im Einklang?
Bei beiden Frauen habe ich den Eindruck, dass sie nicht wirklich wissen, was sie brauchen ... was ihnen fehlt, mal abgesehen davon, dass ihnen ein Stück, ein nicht unerheblicher Teil, ihres Körpers genommen wurde...

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23 Juni 2014

happy enden

... sicher kennt jede das Zitat: ...nach dem Happyend wird jewöhnlich abjeblendt... 
es kommt der Punkt, da ist die Geschichte auserzählt, da nimmt endlich alles eine glückversprechende Wendung und Märchen schließen mit der Verheißung "..und sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage!"
Ich mag ja eher den Schluss: "... und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute!", das lässt viele schöne Möglichkeiten offen.

Wir brauchen und das nicht nur bei Erzählungen und Romanen, ab und zu ein möglichst gutes Ende, einen Zwischenstopp der aufgeputschten Gefühlslage. Ein nicht enden wollendes Drama bedeutet Dauerstress. Auch beim Geschichten erzählen (bzw. schreiben) ist es für den Leser (und auch für den Erzähler) frustrierend, wenn die unerfreulichen Wendungen so gar kein Ende nehmen wollen und die Normalität eines gediegenen Alltags sich nicht mehr einstellen will. Dauerstress macht krank, selbst wenn es ein vermeintlich positiver Stress ist.
Ein ununterbrochenes dramatisches Wechselbad der Gefühle, ohne dass zwischendurch (lange) Phasen der Entspannung in einem eher ruhigen Gleichmaß stattfinden, kann uns in einen Zustand von (sowohl positiver wie auch negativer) Euphorie versetzen, die wir vielleicht nicht als solche wahrnehmen. Denn das ist wohl das Problem, wir gewöhnen uns auch an Extreme, wenn uns (scheinbar) keine Alternative bleibt. Wir passen uns an und das muss nicht bedeuten, dass wir uns damit wohlfühlen und schon gar nicht wird es uns gut tun, es ist eher ein Überlebensreflex (siehe Stockholmsyndrom).
Die Weltliteratur liebt Dramen und Tragödien, unerfüllte Liebe und das meist hart erkämpfte Happyend. Nach Zeiten der Prüfungen und des Leids möchte all die Bitternis und das Unrecht endlich vorübergehen. Wir sehnen uns alle nach einem guten Ende.
Und genau genommen soll dieses Ende auch gar kein Ende sein, sondern ein Anfang – der Beginn einer endlich unbeschwerten Zeit. Eine Zeit, in der das grundlegende Lebensgefühl mindestens Zufriedenheit am liebsten jedoch (ein sanftes andauerndes) Glück ist. Wohl kaum wird eine ein pausenloses Feuerwerk der Glücksgefühle erwarten – das wäre unrealistisch und anstrengend - aber eine glückliche Grundstimmung wäre schön, um das zu tun was eine Mensch halt so tun muss, um auch weiterhin zufrieden durchs Leben zu gehen.
Das Happyend, auf das wir seit Kindheit an geeicht werden, geht immer mit der Vorstellungen von einer alles außer Kraft setzenden, romantisch-sensationellen und möglichst lebenslang dauernden Liebe zu einem – nein, zu dem – Partner einher, dem heißersehnten Märchenprinzen, dem Traummann, Mr. Right bzw. seine weiblichen Pendants. Wir können nur happy enden, wenn eine einzigartige Zweierbeziehung von nun an unser Leben bestimmt... ach ja!
Und hier vermischen sich nur zu gern Fantasie und angestrebte Realität. Die Literatur, die täglichen Serien, die Filme der Superlative machen es uns vor, wie unser Anspruch auszusehen hat - love for ever... unter dem tut es keiner mehr ... wobei heute mehr denn je die 'Liebe' (literarisch) auch lediglich als serieller Sexkonsum mit durchaus akzeptierten Gewaltkomponenten daher kommen darf.
Aber ein glückliches Ende kann viele Formen annehmen und die müssen, wenn sie gerade beginnen, nicht immer super-mega-spektakulär sein. Manchmal besteht das glückliche Ende auch daraus, eine dieser Wahnsinnsbeziehungen "überlebt" zu haben und endlich wieder frau (man) selbst zu sein... oder wir finden das, was wir eigentlich die ganze Zeit suchen … Geborgenheit, Aufmerksamkeit, Zuwendung, gegenseitige Fürsorge in verlässlicher (artgerechter) Nähe...
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06 August 2013

Analyse eines Selbstverständnis


...ein Artikel bei Zeit - Online stellt fest:  Wir Eltern sind unsolidarisch  - und weiter:
„Wir wollen nur das Beste für unsere Kinder. Warum lassen wir dann zu, dass ihre Erzieherinnen so schlecht dastehen?“

Sagt mal, habe nur ich mit dieser Formulierung Probleme und bin ich zu alt für dieses Selbstverständnis mit dem Mütter ihre Kinder ununterbrochen Menschen,
die sie nicht wirklich kennen, in die Hand geben und sie von diesen erziehen lassen? Wir wollen also nur das Beste für unsere Kinder und daher engagieren wir sozusagen fremde Menschen, die im Rahmen von staatlich vorgegebenen Richtlinien und Einheitsplänen aus einzigartigen Kleinkindern erst ein angepasstes Schulkind und später einen gefügigen Arbeitnehmer formen?

Diese, von mir gestellte, Frage fällt natürlich aus dem mainstreamigen Fortschrittsgeist. Die moderne Frau ist längst emanzipiert und woke sowieso und tunlichst der Hausfrau-Mutter-Fessel ledig und was sollte sie auch sonst tun? Väter und Mütter müssen arbeiten, also erwerbstätig sein und die Gesellschaft hat es sich zur Aufgabe gemacht dem Nachwuchs relativ einheitlich Kultur und Wissen angedeihen zu lassen. Die heutige feministische Frau und Mutter, für die ein Beruf, eine Erwerbstätigkeit und wenn möglich
eine Karriere, auch als ökonomische Notwendigkeit vorausgesetzt ist, darf daher gar kein Problem damit haben, ihr Kind durch andere Leute nicht nur unterrichten, sondern auch erziehen zu lassen.
Selbstverständlich ist die „ErzieherIn“ nicht als die bessere Mutter zu verstehen (auch wenn das gern durch Politik und Medien suggeriert wird), sondern es handelt sich dabei um einen anerkannten, geachteten Ausbildungsberuf, genau wie die LehrerIn. Aber geachtet und wertgeschätzt ist auch hier immer noch nicht deckungsgleich

Diese ErzieherInnen unserer Kinder sind erst einmal Menschen, die wir in der Regel gar nicht kennen. Wir wissen nichts über ihren Charakter, ihre Herkunft, ihre tatsächliche weltanschauliche Einstellung, über ihr Privatleben – und natürlich geht uns das auch gar nichts an.
Aber letztendlich sind es die Parameter nach denen sich diese fast unbekannte Person verhält und auf unsere Kinder einwirkt. Auch später in der Schule findet nicht nur reine Wissensvermittlung statt, sondern soziale Interaktion und das oft auf eine sehr stressige, komplizierte, vielschichtige Art, welche das Kind eher vom Lernen abhält, als es zu begeistern. Die Eltern der Kinder erwarten zwar vom Lehrerkollegium ausreichend pädagogische Kenntnisse, welche sie befähigt ihr Kind angemessen zu erziehen, doch wie aufmerksam und zugewandt kann schon eine LehrerIn hunderten von unterschiedlichsten Klein-Persönlichkeiten gegenüber sein?

Diese mangelnde Wertschätzung der Erziehertätigkeit ist imho auf zwei Punkte zurück zu führen. Einmal die generelle Verachtung eines jeden mütterlichen Engagements, denn das ist es was ErzieherInnen letztendlich für unsere Kinder aufbringen müssen, da Mütter scheinbar etwas besseres zu tun haben und zum anderen das natürliche Misstrauen, dass naturgemäß eigentlich erst einmal einem jedem „Fremden“ entgegengebracht wird, der uns unseren Nachwuchs entzieht.

Trotzdem liefern wir, gegen besseres Gefühl, den (bestimmt ehrlich bemühten und freudig engagierten) ErzieherInnen unsere Kinder aus, weil es erstens unserem derzeitigen kollektiv verankerten Sozialverhalten entspricht und zweites in dem Wissen, dass diese nur vorübergehend in das Leben unserer Kinder eingreifen – wir also unser Kind wieder unbeschadet, möglichst verbessert und gut gebildet zurück bekommen.

Das Einverständnis zu Fremdbetreuung ist natürlich keine Entscheidung, die jede Mutter jeden Morgen fällt bevor sie ihr Kind in der Einrichtung abliefert oder hinschickt. Hierbei handelt es sich
inzwischen um kollektive Mechanismen, die nicht mehr hinterfragt werden und in vorauseilendem Gehorsam der Schwarmkonvention gegenüber schon vor der Geburt eines Kindes akzeptiert und in die Wege geleitet werden.

Aber vielleicht wertschätzen wir auch die Erzieherinnen deshalb nicht wirklich, weil sie das letzte Glied in der Kette eines törichten und nicht artgerechten Aufzuchtsystems unserer Töchter und Söhne sind. 

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25 November 2012

Das Umschalten zwischen den Welten...

Neulich habe ich mich mal wieder in eine Großstadt verirrt und das Leben der modernen jungen Leute studiert. Einiges hat sich doch geändert, seit ich dereinst selbst noch im Hamsterrad des Alltags kreiste - manches ist leichter geworden, anderes hat sich verschärft... habe dazu ein bisschen reflektiert:

Das Umschalten zwischen den Welten und der kaum registrierte Stress, den diese Lebensweise verursacht!

Wir setzen uns täglich als erwachsenes Individuum, allein und bewusst, einer Kette von Ereignissen aus, die bei uns trotz aller Gewohnheit eine Art Dauer- Stress auslöst. Der gesamte klassische Tagesablauf, den wir als durchschnittlicher Arbeitnehmer, Familienbetreiber und Freizeitnutzer durchlaufen ist ein recht unnatürlicher Vorgang geworden, wenn wir die menschlichen naturgemäßen Abläufe unserer (ausschließlich zu Fuß gehenden) Vorfahren als die normalen Voraussetzung ansehen.

Viele von uns leben Tag täglich auf einem Stresslevel ohne ihn groß zu registrieren, der uns jedoch bestimmt schadet . Diese Form des Stress ist eine Art Dauerschleife. Logischerweise waren unsere Urmütter und ihre Kinder auch einem naturgemäßen Stress ausgesetzt, aber erstens nie allein, sondern in der Regel in der angehörigen Sippe und zweitens in einem anderem Tempo, dass das Bindungspotential ausschöpfte. Unsere Vormutter der Steinzeit lebte nicht als ständig separierte Person unter hunderten anderen unbekannten Personen - also allein, sondern als ein integrierter Teil einer generationsübergreifenden Bindungsgemeinschaft.

Und heute begeben wir uns nur noch vereinzelt jeden Tag in die freie Wildbahn der Moderne, auch jede Mutter und ihr Kind. Wir kennen es nicht mehr in einem Pulk mit vertrauten Personen loszuziehen, wo eine auf die andere aufpasst. Höchstens kommt das noch bei manchen Freizeitaktivitäten vor und dann auch eher in der Jugendzeit.

Der einzige Vorteil dabei ist, dass sich für uns im Alltag viele äußere Parameter wiederholen und wir dabei zwischendurch die Erholung der Routine zu spüren bekommen. Sitzen wir im Auto und fahren zur Arbeit, sind wir als Individuum zwar in dieser Blechkugel unmittelbar geschützt, müssen jedoch auf die sich schnell und ständig neu gestaltende Verkehrslage außerhalb unseres Fahrzeugs reagieren – die Situation auf der Straße und besonders im Berufsverkehr sind wie ein Videospiel – ständig kann etwas Unvorhergesehenes eintreten. Dauerkonzentration ist daher angesagt, auch nach einem langen Arbeitstag.

Sind wir mit Bus und Bahn unterwegs, brauchen wir uns keine Gedanken um das Verkehrsgeschehen machen, dafür ist unser Körper unmittelbar vielen verschiedenen Fremdkontakten ausgesetzt. Dabei denke ich, dass es hier auch einen, oft deutlich sichtbaren, Unterschied zwischen gewollten und unbewussten Reaktionen von betroffenen Männern oder Frauen gibt. Und hier können wir davon ausgehen, dass die Frau in der Regel, auch wenn ihr das kaum bewusst ist, immer viel mehr auf der Hut ist.

Trotzdem geht praktisch jeder scheinbar ganz selbstverständlich mit der Ausgangslage des normalen Alltags um, schließlich wurden wir von Kind an darauf trainiert. Dieses (Distanz)Training zielte sozusagen darauf ab, unsere natürlichen Instinkte zu entschärfen und vor allem auf zwei Aspekte zu richten – einmal dass wir uns als Alleingänger angstfrei zwischen Unbekannten bewegen und zum anderen die Masse, der uns ständig umgebenden Fremden, weitgehend zu ignorieren. Wenn sich alle in dem gleichen trägen oder rasanten Fluss bewegen, sind die anderen Menschen wie Gegenstände, die an uns vorbei treiben. Wahrscheinlich würde es uns verrückt machen, wenn wir all die Massen um uns als einzelne Personen wahrnehmen und auch noch auf sie reagieren müssten bzw. würden. Besonders dann, wenn wir nur kurz ein Bad in der Menge nehmen.

Da wir hier und heute davon ausgehen können, uns im gesellschaftlichen, also öffentlichen Raum relativ gefahrenfrei zu bewegen, ist es möglich unsere Sinne zwischen latentem Alarmzustand und entspannten Rückzug hinter unserer Aura, also in uns selbst, einzupendeln. Wir nutzen Fahr- und Wartezeiten, besonders mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, zur persönlichen Beschäftigung - schlafen, lesen, tagträumen, mit dem Kind ein Bilderbuch ansehen - und eher selten passiert etwas Aufregendes. Trotzdem sind wir nicht wirklich unaufmerksam oder gar tiefenentspannt. Unbewusst läuft permanent das Wahrnehmungsprogramm der Urzeit mit. Noch mehr verschärft sich die Lage, auch wenn es nach außen nicht sichtbar ist, wenn wir ein Kind dabei haben. Unsere Aufmerksamkeit ist nun mehrfach gebunden. Jetzt gilt es zwei Personen unbeschadet an den Bestimmungsort zu bringen. Und das bedeutet sofort, das wir eine ganz andere Haltung einnehmen und mehr Wachsamkeit an den Tag legen, wenn wir für ein oder mehrere Schutzbefohlene die Verantwortung tragen. Wohlgemerkt, als nicht unterstützte Einzelperson.

Wir sind zwar angehalten, haben es gelernt, uns an die moderne Alltagssituation zu gewöhnen, aber als moderne Mensch werden wir durch die vielen Einflüsse, und es kommen ständig welche hinzu, permanent in Atem gehalten. Wenn sich also die Mensch in ihrem eng getakteten Alltag ständig gestresst fühlt, ist das wahrhaft kein Wunder und keine gesunde Voraussetzung, weder für Mutter und Kind, noch für Jederfrau.
Die Mensch als solches ist ein Anpassungsgenie und logischerweise setzt sich dieses Verhalten auch in unserer Moderne fort. Die moderne Mensch passt sich an Situationen an, auch wenn sie ihr nicht gut tuen. Wenn wir unsere Lage (scheinbar) nicht ändern können, versuchen wir auch gern mal die damit permanent einhergehenden unerfreulichen Gefühle zu ignorieren. Was nicht jeder bzw. immer gelingt. Wir sind so in unser Hamsterrad eingepasst, so dass wir oft erst munter werden, wenn die Gesundheit massiv auf dem Spiel steht. Dabei sollten wir, gerade wenn Kinder zu unserem Lebensraum gehören, das eigene Wohlbefinden nicht aus den Augen verlieren.

Da wir weiterhin in der Regel mehrfach am Tag zwischen den Welten und ihren Forderungen an uns, hin und her wechseln, werden wir uns auch eher auf die gerade anstehenden bzw. aufploppenden nächsten (mulmigen) Gefühle konzentrieren. Unser Tagesgeschehen ist, auch wenn es uns so vorkommt, selten ein organischer Ablauf in einer geborgenen Atmosphäre, sonder ein Jumpen zwischen den unterschiedlichen Anforderungen verschiedener Subroutinen. Es ist zudem üblich, dass sich die Erwachsenen (und ebenso die Kinder), auch wenn sie die gleiche Häuslichkeit miteinander teilen, trotzdem in verschiedenen Subwelten der Gesellschaft aufhalten. Als Teilnehmerinnen ihrer häuslichen Minigemeinschaften sind sie zudem damit beschäftigt, nicht nur ihre eigenen Gefühlslagen auf die Reihe zu bekommen, sondern die ihrer Mitbewohner gleich mit.

Das weibliche Individuum der Spezies Mensch ist ein natürliches Bindungswesen und endet im culture clash der Patriarchose als Beziehungsgeberin für Beziehungsnehmer. Wir treten im Laufe unseres Lebens mit hunderten Menschen in verschiedentliche Beziehungen. Im Bindungsangehörigen-Kontext sind es immer nur einige, die in patriarchaler Tradition, so früh wie möglich aussortiert werden. Es ist die allseits bekannte Beziehungsarbeit, die Frauen und Mütter gewohnt sind zu leisten ... wir sind auf 'fremd', 'nicht bekannt' und 'nicht verwandt' trainiert. Das Individuum lernt mit der Verunsicherung, die damit einhergeht, zu leben. Unser soziales Arrangement in unserer Kultur funktioniert auch leidlich, wenn die Gesellschaft ein Niveau bereitstellt, in dem ein jedes Mitglied (auch die Frau und Mutter) einigermaßen aufgefangen wird.

Eine der größten Herausforderungen ist und bleibt, besonders für das Kind, das Umschalten zwischen den so gänzlich verschiedenen Subwelten unserer Gesellschaft. Das kleine Bindungswesen 'Mensch' bringt für die Anforderung, sich relativ früh und in der Regel allein, in wechselnden Zivilisationsenklaven in Bindungslosigkeit wieder zu finden, eine Anpassungsleistung mit, die letztlich auch nur eine Überlebenstechnik darstellt. Irgendwann greift auch die Routine und das Kind gewöhnt sich an die verschieden Wechsel. Ob das allerdings für ein Kind gut ist, wird nicht hinterfragt.

Allein sein und klarkommen in einer anonymen Gesellschaft, ist das Ziel und die Norm der patriarchösen Kultur - ein wahrhaft absurdes Konzept. Das anpassungsfähige Kind der Spezies Mensch kriegt das zwar hin, aber was diese Situationen als permanente Dauerschleife mit dem Individuum macht, permanent aus der Pseudo-Sippe 'Familie' verstoßen und wieder zugelassen zu werden, ist ein Phänomen, das noch viel zu wenig Beachtung findet. Dieser Mangel an gelebter Bindung und Geborgenheit und statt dessen das gesellschaftliche Beziehungskarussell zu bedienen, gehört für das moderne Kind zur Normalität und wir alle sind auch bereits damit groß geworden.

Aber ... es ist nicht unsere Natur  ...
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