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22 Juli 2023

Die Frau als Genderidee

Aus der Reihe vom Kommentar zum Post...

Der Feminismus fing an als Suche nach Gerechtigkeit und dem Wunsch als weibliches Individuum nicht mehr dem grausamen patriarchösen Diktat unterworfen zu sein. In dem Zusammenhang wurden außerhalb bisheriger patriarchatsgesellschaftlicher Normen „die Frau“ neu definiert und dabei ging es sogar soweit, dass ihr Status als Naturwesen, als biologisches Individuum, beinahe ignoriert und in Frage gestellt wurde. Die Frau wurde zur Genderidee.

Mit dem Slogan „Das Private ist politisch“ eröffnete sich noch mal eine neue Dimension: die Frau als Teilhabende am (patriarchalen) Gesellschaftsgeschehen, am wirtschaftlichen Standard durch anerkannte Erwerbstätigkeit und parallel dazu konnte sie (nicht zuletzt durch die Pille) dem bisher unausweichlich erscheinenden Zwang zur Mutterschaft entgehen. Begriffe wie Zwangerschaft und Gebärstreik kamen in Umlauf und die EMMA titelte: Wir haben abgetrieben! In den NeunzehnhundertSiebzigern wurden Gesetze geändert, die bisher die Frau und Mutter zum Mündel ihres Ehemannes machten und allgemein wurde am bisher makellosen Image des Vaters gekratzt. Ab da begann die wundersame Umwandlung des schier omnipotenen Vaters als Besitzer des Kindes zum bloßen Ernährer der sozialen Kleinfamilie. Darin schloss sich die heute freundlich etablierte Variante des Fürsorger an. Gleichzeitig leitete der so gekränkte Mann den nächsten Backslash ein, um seinen Macho-Vater-Status nicht ganz zu verlieren.

Aber die Vater-Renaissance, denn 'der Vater' selbst durfte ja nicht angetastet werden, war eigentlich nur ein Nebeneffekt des Freiheitskampf der Frau, der gestartet war, um den Status einzunehmen zu können, den bisher nur Männer inne hatten. Wir könnten sagen, die bislang unterdrückte Tochter hatte es auf einen gleichberechtigten Platz neben dem per se privilegierten Sohn abgesehen.

Die Feministin war ja von Anfang an, selbst oder besonders als sogenannte Vatertochter, nie so vermessen den Platz des „Sohnes“ für sich selbst zu beanspruchen - aber trotzdem wird sie bis heute von den „Brüdern“ latent oder brutal offen bekämpft.

Der Feminismus ist ein Sammelbegriff unter dem sich eigentlich jede Frau wiederfinden kann, ohne sich bewusstseinsmäßig groß umstellen zu müssen. Besonders wenn sie zu den Frauen gehört, die endlich das enge patriarchale Rollenklischee hinter sich lassen möchten, dass jedem neugeborenen Mädchen als Label schon bei der Geburt aufgeklebt, später einmal ohnehin Mutter zu werden. 
Jedoch ist
bis heute „der Feminismus“ keine einheitliche Denkschule und weder ein offener noch ein geschlossener Verein. Statt zu sagen ich bin eine Frau, hört man eher die Aussage: ich bin eine Feministin und auch Männer können sich als Feminist bezeichnen (was eigentlich paradox ist).

Der Feminismus teilt sich inzwischen  in verschiedene gesellschaftspolitische Strömungen auf - von liberal bis radikal - und wie das das so ist, es entsteht sogar ein Gesellschafts- bzw. eine Art Klassenkampf – was Männer dürfen, können Frauen schon lange. Die Entstehung des Feminismus hatte viele Mütter und sogar Väter und brachte die politische Landschaft voran. 

Leider lag mMn im feministischen Kampf nicht genug Augenmerk auf den Kindern, auch nicht oder im besonderen, auf den weiblichen. Denn zum Beispiel im Emma-Feminismus war anfangs die „Mutter mit Kind“ fast eine Art Feindbild, da das Muttersein nicht als die biologische und damit humane Basis des Menschseins eingeordnet wurde, sondern (was ich als besonders absurd ansehe) als Kampfmittel des Patriarchats zur Frauenunterdrückung. 

Erst die Radikalfeministinnen, diejenigen, die von den Wurzeln her dachten, ließen die Mutter wieder zu, aber immer noch nicht als Ausgangspunkt allen Geschehens, sondern höchstens als temporäre Reproduktionerin. Oder als Mitkämpferin der feministischen Front gegen die Patriarchose. Inzwischen ist auch das besser geworden. Den meisten Radikalfeministinnen ist die Bedeutung der Mutter präsent.

Ich denke, der heutige politische Feminismus in seiner Gänze hat noch nicht gemerkt, dass mit der Genderidee nur eine weitere Ehrenrunde in der Patriarchose gedreht wird. Dagegen wäre das Leben in der menscheneigenen Matrifokalität sozusagen Feminismus pur.

Stephanie Ursula Gogolin

17 August 2020

Partnerschaft ist keine Geschwisterlichkeit

Betrachtung zum Begriff Partnerschaft von Stephanie Ursula Gogolin

Vorwort für eine Freundin
Liebe Freundin, ich weiß, dass es zur neueren Denkungsart gehört, alle patriarchalen Formen, die eine (bis dato) positive Ausstrahlung haben, leicht abgewandelt in den Kanon des modernen Matri-Sprech aufzunehmen. So wie das Paar und eben die allseits beliebte Partnerschaft.
Sowohl das Paar wie auch die Partner sind in der Regel zwei fremde (nichtverwandte) Personen. Wir wissen aber, im matrifokalen Kontext interagieren Fremde (die Nichtverwandten) eher nicht ständig. Weniger unmittelbar, nicht im Alltag, noch auf Lebensdauer. Die Konsequenzen für die Person und die Gemeinschaft wären (wie wir Patriarchatsbewohner immer wieder feststellen müssen) nicht nur störend, sondern auch verheerend. Der nichtverwandte Liebhaber wurde wohl da eine Art geregelte Ausnahme. Wir sollten daher lieber zweimal hinsehen, wenn wir uns euphemistisch eines gängigen Sprachbegriffes annehmen, der eigentlich sehr tiefe patriarchöse Wurzeln besitzt.
Sicher können sich auch konsanguin verwandte Geschwister wie Partner gebärden bzw. sich als solche verstehen und eine zielgerichtete Partnerschaft praktizieren. Überall da wo Arbeitsprozesse verbindliche und verlässliche Zuständigkeiten und Ansprechpartner benötigen, greift die regulierte Partnerschaft – nicht nur in der Erwerbsarbeitspraxis (die ja bekanntlich ein astreines Patri-Produkt ist), sondern auch im Patri-Privaten.
Die klassische Ehe ging bekanntermaßen aus dem Herrschaftskonzept der Patriarchalität hervor. Seit in der sehr aktuellen Geschichte gesellschaftsfähig wurde auch ohne Trauschein als Paar (bestehend aus zwei nicht konsanguin verwandten Personen) zusammenzuleben, brauchte diese Form einer Lebensgemeinschaft eine gängige (positiv belegte) Bezeichnung. Hier bot sich die Partnerschaft nahezu an. ‚Partner sein‘ ist im Patriarchat eine bedeutungsvolle Wertung. Ursprünglich ging das Männliche Partnerschaften ein. Frauenpartnerschaft im Sinn der bündlerischen Kultur gab es nicht. Jede Form von Frauenkollektiv stand unter männlicher Aufsicht (siehe Orden und Kongregationen).
Aber es kam der Zeitpunkt in dem diese Verbindung unter Männern auf Frau ausgedehnt wurde. Vor allem wurde die Partnerschaft das neue Label für die nichteheliche Paarbeziehung.
Im gesellschaftlichen Kontext avancierte diese von der geduldeten "Wilden Ehe" zu einer ordentlichen Lebenspartnerschaft, bestimmt durch Regeln und ungeschriebene Gesetze. Praktizierte Partnerschaft schließt allerdings Sippen(Matrifokal)Angehörige aus. Umgekehrt können wir auch sagen: Wenn ich mich geschwisterlich verhalte bedeutet das nicht per se, dass ich partnerschaftlich (wie bei einer verpflichtenden Arbeitspartnerschaft) handele.
Geschwisterliches Miteinander bedeutet im Sinne der (geliebten) Geschwister Verantwortung übernehmen bzw. im Namen einer (matrifokalen) Verbundenheit zu agieren. Diese Art des Handelns, von mir als Fürsorge bezeichnet, erfolgt prinzipiell (quasi von Natur aus im Sinne des Überlebens) ohne einen verpflichtenden Kontext. Es ist ein ausgedehntes Geben und Nehmen, ein verbindendes und damit verbindliches Fürsorgen auf der Basis - was kann ich und was kannst du! Wie geht es uns beiden damit, denn wir kennen uns von klein an und wissen was der anderen gut tut.
Ich unterscheide unbedingt Geschwisterlichkeit (als rein herstorische Entwicklung - als das evo-biologisches Ereignis) von der Partnerschaftlichkeit, als historisch-patriarchales Implantat.
Beide Begriffe haben sehr verschiedene Voraussetzungen. nehmen wir die Partnerschaft - sie besteht weitgehend aus Verpflichtungen – Verpflichtendes (und damit kontrollierbares) Miteinander ist in den (patri)zivilisierten Kulturen per Gesetz vorgegeben und gilt als Konvention. Partnerschaften waren/sind sind also geregelt, mit einem Vertrag schriftlich oder mündlich (verstärkt durch den typischen Handschlag), der als kulturelle Absprache eine gegenseitig sich verpflichtende Verbindlichkeit darstellt und die Beziehung der Partner zueinander deutlich macht. Partnerschaft entstand/entsteht, wenn ein herrschaftsfrei erscheinendes, gegenseitiges Verhalten einen Namen braucht und positiv konnotiert sein soll.
Geschwisterlichkeit ist ein ursprüngliche Qualität, die noch lange in die Patriarchalität hinein, sich in Sprüchen wie beispielsweise „sie sind wie Bruder und Schwester“ zeigte und hier eine Zugewandtheit und Innigkeit demonstrierte, an die beispielsweise eine Partnerschaft nicht herankommt (oder auch nicht soll, höchstens ironisiert wird). Seit für die Paarbeziehung der Begriff Partnerschaft salonfähig wurde, wird da eine Beziehung auf Augenhöhe und eine Verbindung im Sinne „wir gegen den Rest der Welt“ favorisiert, ohne sich bewusst zu sein wie patriarchal diese Idealisierung ist. Denn eine Partnerschaft einzugehen bedeutet nicht per se auf Augenhöhe, gleichberechtigt oder kungruent zu sein.

Partnerschaft versus Geschwisterlichkeit
Der Begriff Partnerschaft löste nicht nur fast alle Bezeichnungen wie Beziehung und Ehe ab, er wurde inzwischen auch als zukunftsweisend verinnerlicht. Dabei herrscht zunehmend die idealisierte Vorstellung, dass nur ein jeder Mann und eine jede Frau sich in einem kollektiven Sinn eines schönen baldigen Tages partnerschaftlich verbünden müssten, um die heute noch bestehenden Probleme zu den Geschlechterdifferenzen aufzulösen.
Partnerschaftliches Verhalten bedeutet für die meisten, dass sich Mann und Frau ab jetzt auf Augenhöhe und in gegenseitigem Respekt begegnen sowie ohne Missverständnisse und Gewalttendenzen im noch bestehenden Geschlechterchaos eine globale harmonische Zukunft ansteuern. Hier setzt insbesondere die Frau auf Männereinsicht, -vernunft und -handeln. Und da sind sie wieder unsere drei Probleme!
Die Einsicht in die Notwendigkeit der Frau Selbstbestimmung und Freiheit zuzugestehen ist eher unterentwickelt. Die Freiheit sich in einer Männerkultur als Frau selbst zu definieren, ihr Geburtsrecht der Female Choicewahrzunehmen und als Mutter für das eigene Kind in Matrifokalität da zu sein (und ohne mit dem leiblichem Vater eventuell darum kämpfen zu müssen), sind Grundvoraussetzungen, die eine generelle Partnerschaftlichkeit als Gesellschaftsnorm als wünschenswert erscheinen lässt. Wir müssen also auch noch darauf warten, dass Frauen, den ihnen zustehenden Anteil an der Welt endlich einfordern und auch erhalten. Wenn diese Punkte durchgesetzt wurden, kommen wir vielleicht endlich wieder zur Geschwisterlichkeit.
An dem Begriff Partnerschaft, als Synoym für  Gleichberechtigung bzw. scheinbare Gleichwertigkeit stört mich, dass er eigentlich ein so durch und durch patriarchales Ding ist. Ich kann zwar grundsätzlich den Sinn hinter dem Bestreben, das Wort Ehe oder Beziehung durch den Begriff der Partnerschaft zu ersetzten, verstehen - aber bedeutet das wirklich ein gleichwertiges Miteinander von Mann und Frau? Denn zuerst ist es die ungewisse Kombination zwischen einem fremden Mann und einer fremden Frau. Fremd im Sinne von “nicht verwandt sein”! Die einst matrifokal lebende Mensch wird genötigt sich nicht mehr als soziales, sondern als autonomes Lebewesen zu begreifen und in eine Paarbeziehung zu begeben, die wertig über jeder verwandten Herkunft steht. War ein paar Jahrhunderte lang die verbindliche, bis in den Tod reichende Ehe, der bindende Kodex für die Frau, ist heute die freigewählte Partnerschaft für sie ein Menschenrecht.
Wir lieben es Partner zu sein. Partnerschaft hört sich solide an, verbreitet eine Aura von verlässlichem Miteinander. Aber von der eigentlichen Bedeutung her, hat Part(ner) nichts mit Gleichberechtigung oder -behandlung zu tun, sondern bezeichnet erst einmal nur eine Teilhabe an derselben Sache. Beispielsweise ist ein Part auch eine Rolle oder ein Gesangsstück für einen Künstler - ihre/seine Beteiligung an einem gemeinsamen Prozess, an einem größeren Ganzen. Bei einer Partnerschaft kommen Menschen per Bereitschaftserklärung im Sinne einer Sache zusammen, um sich an einem gemeinsamen Projekt oder Geschäft oder eben auch einer Beziehung zu beteiligen. Über eventuelle Gleichwertigkeit oder Gleichwürdigkeit sagt das erst einmal nichts aus.
In einem gewöhnlichen Geschäft bedeutet das auch, dass es Teilhaber gibt, aktive oder auch stille. Die Grundlage in einer wirtschaftlichen Partnerschaft ist der Geldwert, die Einlage in das Unternehmen oder Produktionsmittel eventuell die eigene Arbeitskraft, die in den Geldwert umgerechnet wird. Die Teilhaber bestimmen wie sich ein Unternehmen gestaltet und entwickelt. Somit ist auch nicht jeder, der in einem Unternehmen arbeitet, ein Partner. Das Partnersein betrifft nur die Verantwortungsträger, also die Inhaber oder Entscheidungsträger. In einem Unternehmen zu arbeiten (eine Erwerbsarbeit auszuführen) ist Lohn- bzw. Mitarbeiter vorbehalten. Die bedingte Beteiligung, also das Mitmachen-Dürfen kann jederzeit (abrupt) enden. Ein Unternehmen ist an einen gewissen wirtschaftlichen Erfolg geknüpft, weniger an die Zufriedenheit und das Wohlbefinden der Entscheidungsträger und schon gar nicht der anderen Mitarbeiter.
Ganz anders geht es dagegen im „Unternehmen“ einer (privaten) Partnerschaft (die heutige Form der Normveranstaltung für Ehe und andere Lebensgemeinschaften) zu. Hier spielt der individuelle bzw. gemeinsame Wohlfühlfaktor eine wesentliche Rolle und das Drehbuch enthält alle Klischees der romantische Liebe. Den geldwerten Erfolg und das wirtschaftliche Gelingen einer solchen Lebensgemeinschaft einzukalkulieren und zu beachten weist, zumindest dem momentan vorherrschenden Anspruch nach, auf einen Mangel an bedingungsloser Liebe und Vertrauen hin.
War in der Vergangenheit der letzten Jahrhunderte eine Ehe durchaus ein wirtschaftliches Unternehmen in dem der weibliche Part manchmal nur die eigene Person als Einlage (Arbeitskraft und Mutterpotenz) einbrachte, ist die heutige (Paar)Beziehung als gemeinsames Unternehmen ein relativ neues Geschäftsmodell. Hier ist die Geschäftseinlage die Idealvorstellung von gegenseitiger dauerhafter Liebe, die alles überwindet und als Garant für Glück gilt. In der Alltagspraxis wird als Ausdruck dieser Liebe ein bedingungsloses Zueinanderstehen und Vertrauen, ein immerwährendes (sexuelles) Begehren und nicht zuletzt ein komplizierender Treueanspruch erwartet und gefordert.
Zwei Menschen, die auf Grund der vorherrschenden gesellschaftlichen Spielregeln als alleinstehend* gelten, schließen also sich zu einer Partnerschaft zusammen. Bisher galt das offiziell und vorzugsweise für jeweils Vertreter beiderlei Geschlechts, also um eine Hetero-Kombination. Ich vernachlässige mal all die anderen Spielarten der Zuneigung und richte mein Augenmerk auf Mann und Frau, denn sie sind die Vertreter, die in Zukunft generell Partnerschaftlichkeit in die Welt tragen sollen – und zwar halbe-halbe! Die Hälfte der Arbeit, die Hälfte der Verantwortung, die Hälfte des Gewinns, die Hälfte des Glücks. Spätestens jetzt müsste uns auffallen, dass das irgendwie nicht wirklich hinhaut und auch mir kommen immer wieder starke Zweifel wie je umgesetzt werden kann, besonder wenn ich lese, dass wieder mal ein Partner seine Partnerin umbrachte. In der gesamten patriarchalen Vergangenheit existierte keine bekannte Epoche in der humane Partnerschaftsgedanken im Sinne von Menschlichkeit und Geschwisterlichkeit, die Kultur prägten und sich dabei auf ein alltägliches Miteinander von (nichtverwandten) Frauen und (nichtverwandten) Männern bezogen. Das herbeigesehnte Partnerschaftsideal wird in der Gegenwart nicht mal Ansatzweise umgesetzt.

(* ohne einen anderen Anspruch erhebenden Partner, unabhängig von anderen Sippen/Familienmitgliedern)

In einer persönlichen Lebensgemeinschaft gibt es keine tariflich vereinbarten Arbeits- und Pausenzeiten, keine Stechuhr, keine Gehaltsabrechnung. Nur am liebsten Liebe bis ans Ende aller Tage - „gemeinsam alt werden“ ist heute die gängige Wunschvorstellung - als Äquivalent zum einstigen Ehecredo: “...bis dass der Tod uns scheidet!” In jedem Liebesgeschichtenanfang schwingt auch immer diese Sehnsucht mit, die heute zu unserem Alltag gehört seit wir Teenager sind: nie mehr allein sein müssen – mindestens einen Menschen an unserer Seite haben, der immer für uns da ist und wir keinen emotionalen Mangel leiden müssen.
Es ist ein Dogma unserer Moderne, sich so früh wie möglich 'abzunabeln', dass heißt unsere Familie (genauer unsere patrilokalen Herkunftsangehörigen), zu verlassen um uns einen Lebenspartner zu suchen und ein „eigenes“ Leben zu führen. Seitdem sind wir permanent im Zugzwang. Wir suchen den idealen Partner, möglichst das wunderbare Wesen, dass das Schicksal uns vorherbestimmte. Denn, so heißt es im allgemeinen, je inniger und partnerschaftlicher es in einer solchen Verbindung zugeht, desto größer sind die Chancen, dass dieses Konstrukt ein Leben lang hält. Aber „partnerschaftlich“ bedeutet eigentlich im Sinne der Sache handeln, nicht zwangsläufig im Sinne der/s Anderen.
Partnerschaftliches Agieren ist vielleicht ein gutes wirtschaftliches Konzept, aber meiner Meinung nach nicht lebenstauglich, im Sinne von fürsorglich, empathisch, beständig, verlässlich und konsensbereit. Das wird um so deutlicher, wenn sich diese private Co KG um mehrere kleine Personen erweitert (andere erwachsene Mitglieder kommen in der Regel ohnehin auf gar keinen Fall in die partnerschaftliche Paargemeinschaft rein, höchstens temporär oder als exotische Ausnahme). Denn zuvor bedeutete „partnerschaftlich“ im ökonomischen und gesellschaftlichen Sinn nicht, dem Partner mit Nachsicht, Wohlwollen und Liebe zugetan zu sein. „Partnerschaftlich“ auf das persönliche Miteinander der Geschlechter anzuwenden ist relativ neu.
Partnerschaft ist ein etablierter patriarchaler Begriff. Einen Partner haben, kennen wir auch aus der, uns durch hunderte Bücher, Filme und Serien bekannten Heldenmythologie von der Antike bis in unser Neopatriarchat. Diese Narrative gipfelt darin, mit einem Partner mehr Zeit als mit der eigenen Familie zu verbringen  ... oder im Zivilisationsdschungel mit ihm durch dick und dünn gehen. Für ihn sogar das eigene Leben zu riskieren ist obligat. Ja als Partner wird manchmal sogar ein Gegenspieler bezeichnet. Jedenfalls alles sehr untaugliche Vorstellungen um sie auf eine alltagsbeständige Beziehung mit Frau und Kind zu übertragen, finde ich.
All diese Kumpelgetue, die sich auf die maskuline Art bezieht, mit Nichtkonkurrenten umzugehen, ist für mich eine eher gruselige Vorstellung im Zusammenhang mit dem Tagesgeschäft einer privaten, kinderbezogenen und häuslichen Lebensgemeinschaft. Die Partnerin eines Mannes zu werden, bedeutet hier auch immer sich auf die etablierte männliche Verständnisebene zu begeben.
Ich habe in einer Ehe gelebt (die auch da schon wahlweise als Beziehung oder Partnerschaft bezeichnet wurde), als Partnerin habe ich mich eigentlich nie gefühlt. Da ich anfangs in meinem Verständnis noch als klassische Ehefrau agierte, die (ausschließlich) das persönliche Wohl ihres Gatten im Sinn zu haben hat, änderte sich diese Aktionsbühne für mich mit der Geburt meiner ersten Tochter. Stand ich vielleicht zuvor unter dem Eindruck, ich erfülle (spiele) meinen Part, fing jetzt mein Leben an.
Mutter sein, ist eine ganz andere Dimension als Partnerin zu sein. Ich fühlte, anfangs nur diffus, das Partnerinnenimage war nicht mehr meine Aufgabe, wenn ich meinen Kindern gerecht werden wollte. Von Seiten meines Mannes und dem Vater der Kinder stellte sich zwar zum Teil auch diese urbrüderliche Unterstützung ein, die eine Ahnung von sippenhaften Lebens aufkommen ließ, das allgemeine, männliche Rollenklischee stand ihm jedoch selbst ständig im Weg.
Den Mann als solches, als Liebespartner, als Vater der Kinder, als besten Freund, auch als Haustyrann zu sehen, ist stets akzeptabel, ihn unter dem Aspekt der Brüderlichkeit wahrzunehmen, ist immer noch verpönt. Dabei ist seit Anbeginn der geschwisterliche Zusammenhalt die Grundformen des sozialen Zusammenlebens, die Schwesterlichkeit , aber auch die Brüderlichkeit. Und Geschwister haben in der Regel nicht diesen totalitären Anspruch den Ehemann/Partner in die Beziehung trägt. Partnerschaftliche Erwartungen (ohne Liebesgefühle), an einen Vertreter des anderen Geschlechtes, bleiben in der momentanen gesellschaftlichen Art des Umgangs der Geschlechter eher ohne Echo. Genau genommen ist es, bei der immer noch gut etablierten Frauenverachtung allerorten, fast nicht vorstellbar, die prinzipielle gegenseitige, menschliche (geschwisterliche) Achtung und den dazu gehörigen Gemeinsamkeitssinn von Seiten des Mannes zu erwarten bzw. zu bekommen.
Wir Menschenkinder sind einzigartige Individuen, die in (matrifokaler) Geschwisterlichkeit ihr Leben beginnen, die eine grundlegende geschwisterliche Fürsorglichkeit als Starterpaket mitbekamen und denen die patriarchale Moderne diesen Überlebensdrang abtrainiert. Statt dessen gibt man uns Fremde als Partner zur Seite.
Die Paarbeziehung als dauerhafte Lebensgrundlage ist ein künstliches Konstrukt, dessen Regeln heute immer noch von außen nach innen in die jeweilige Beziehungskiste getragen werden. Es war und ist die exklusive “Bindung” einer Frau an einen Mann, aus Prestige oder wirtschaftlichen oder politischen Interessen. Die romantische Liebe, als sozusagen einzige Grundlage einer Dauerbeziehung, konnten wir inzwischen als eine relativ junge Erfindung der Patriarchose identifizieren. Die beiden Einzelpersonen, aus denen das Paar besteht, streben aus ihren herkömmlichen verwandten Zusammenhängen heraus und nach dem Motto: “unsere Liebe gegen den Rest Welt”, starten sie in einen Status, der sich als der Klassiker Familie etablieren soll und als kleinste Zelle des Staates gehandelt wird.
Mit dem Beginn der Industrialisierung stellte sich der Standard von Groß-Familie auf Klein-Familie um. Der wesentliche Eckpunkt blieb, dass weiterhin für jeden Mann verlässlich eine Frau zur Verfügung stehen sollte. Der Mann widmet seine Lebenszeit der Erwerbsarbeit und zu Haus wartet eine Frau auf ihn – sie ist quasi der Inbegriff einer intakten Infrastruktur und die bequeme Voraussetzung der Lebensgestaltung eines Mannes, die jedoch nur funktioniert, wenn die Frau durchhält oder überhaupt mitspielt. In jener Zeit brauchte sich der Mann kaum Gedanken um Beziehungspflege zu machen. Die Frau war per Gesetzeslage und mit drohender gesellschaftlicher Ächtung an die Paarkonstellation bis an ihr Lebensende gebunden. Diese Vorstellung prägt auch heute immer noch das Handeln und Aushandeln von jedweden Paar-Beziehungen (gegenseitig mit einem Nichtverwandten). Die jeweilige Herkunftsfamilie steht neo-traditionell bedingt im laufenden Alltag beiden nicht mehr zur Verfügung, also bleibt nur die Partnerschaft eines Zweierpaars.
Nach allem was wir also über Partnerschaft wissen, bleibt noch die Frage: Was genau ist denn so arglos vorausgesetzte, erwartete partnerschaftliche Verhalten? Gibt es das überhaupt? Was sagen all die gängigen Synonyme dazu tatsächlich aus? Wir können im Ranking der modernen Wortspiele großzügig schwesterlich, brüderlich oder geschwisterlich neben partnerschaftlich stellen, aber sind sie tatsächlich damit identisch? Ich denke nicht!


Nachtrag: der Begriff konsanguin wird von mir als Bezeichnung für matrilineare Zugehörigkeit bzw. verwandt durch Geburt in mütterlicher Linie, verwendet...




12 November 2019

Grundsätzliches zur sozialen Vaterschaft

Die soziale Vaterschaft ist eine sehr moderne Erfindung und ein Nebeneffekt der Tatsache, dass frau sich (auch als Mutter) heutzutage einen Partner wählen kann und nicht nur die Ehe als gesellschaftliches Muss im Nacken hat.
Der patriarchale Mann als Vater hatte von Anbeginn der von ihm gestalteten Patriarchose keine fürsorgerischen Ambitionen. Er fiel aus seiner natürlichen Aufgabe als Mutterbruder heraus. Selbst wenn dieser oder jener Mann auch eine liebevolle Beziehung zu einem Kind aufbaute (bitte in dem Zusammenhang das Wort Bindung nicht einmal denken), blieb er in einer Herrschaftsrolle, selbst wenn er als Mann* zur unteren Ebene der Hierachie zählte.
Der Mann in seiner Rolle als Vater (und hier ist es tatsächliche, eine Rolle), zelebrierte sich als der Besitzer des Kindes (und dessen Mutter) und bis vor ein paar Jahrzehnten schlug sich das noch ungeniert in unserer Gesetzgebung nieder.
Ich hoffe inständig, dass diese, derzeit noch diffuse Vorstellung von sozialer Vaterschaft sich nicht auf Dauer auf die gleiche gedankenlose Art etabliert wird, wie der Begriff Familie virulent ging. Aber ich fürchte, auch das soziale als Hervorhebung in bezug auf Vaterschaft wird ein rethorischer Selbstläufer werden. As Vaterschaft verstand man bisher die Tasache, dass ein Mann sich auf seine genetische Verwandtschaft zu einem Kind beruft, es bezeichnete seinen Status als Besitzer des Kindes. In der Moderne des westlichen Kulturkreis wird mehr denn je der soziale, sprich fürsogerische Aspekt einer Vateranwesenheit betont. Das ist jedoch nach wie vor nur bedingt verlässlich.
In dem ideellen Kunstbegriff der soziale Vaterschaft und in der Umsetzung dieser Neuerung, liegt sehr viel Unverbindlichkeit und Gedankenlosigkeit den Kindern gegenüber. Die Fluktuation der sozialen Väter ist relativ hoch. Jedem, auch kurzfristigen Lebensbegleiter/Partner einer Mutter wird in einer stillschweigenden gesellschaftlichen Absprache sofort die Würde des sozialen Vaters hinterhergeworfen und damit einem jedem betroffenen Kind eine unverhoffte Anpassungsleistung zugemutet. Es wird also vom Kind erwartet, das es sich von Zeit zu Zeit mit einer neuen Beziehungs- bzw. Betreuungsperson arrangiert (was sich gerade bei Töchtern verheerend auswirken kann). Diese sozialen Väter sind letzlich austauschbar. Es wird generell so getan, als müsste immer ein Mann als Vater in der Rolle eines sozialen Kompensator für alles Männliche im Leben eines Kindes vorhanden sein und selbstverständlich obendrein noch der genetische Vater. Ein deutlicher Überschuss an Vater-Energie wird spürbar und soll wohl auch sein, das gehört zu patriarchösen Grundausstattung, während Mutter-Energie in ihrer Wirksamkeit geleugnet wird.
Das Problem ist, dass sich die im Patriarchat gut konditionierte Frau ein Leben ohne einen Mann an ihrer Seite kaum vorstellen kann. Die tief sitzt die Konditionierung hin zur romantischen Liebe und der Paarungsfamilie wird außerdem ein Lebenlang durch alle Medien weiter befeuert. Daher nehmen die meisten Frauen immer noch an, ihrem Kind etwas Gutes zu tun, wenn die Planstelle Vater immer von einem (nichtverwandten) Mann besetzt wird, einem Partner, der auch den sozialen Vater mimt - alles um dem patriidiotschen Mainstream gerecht zu werden.
Denn leider ist noch keine Mutter im Patriarchat aus ihrer Geisel-Nummer raus und kann (darf) weder ihre Female Choice, noch die unantastbar sein sollende Mutter-Kind-Bindung, noch das Erbe der Matrifokalität selbstbestimmt leben ...

Stepanie Ursula Gogolin

06 November 2019

Das geteilte Sorgerecht als immer währende Mütterfalle

Was zuvor nie so krass im Vordergrund stand, wird derzeit durch verschiedene politische Einflussnahmen und den (scheinbar) daraus folgenden Gesetzesregelungen auf eine fatale Spitze getrieben, die bisherigen und durchaus ohne weiteres als Einzeloption genannten Subjekte Mutter und Vater, gibt es neuerdings und vor allem vor dem Gesetz nur noch als Doppelpackversion als Eltern.
Und nicht nur in bestimmten Gesetzeslagen, sondern der politisch korrekte Mainstream in seiner medialen Verbreitung kennt scheinbar nur noch das, auf ein bestimmtes Kind bezogene Elternpaar. Man feiert den neuen Glaubenssatz: die gewisse Vaterschaft ist vom Kind nicht mehr zu entkoppeln, da man sie jetzt auch nachweisen kann. Zwar nur etwas aufwändig im Labor, aber dort fast zweifelsfrei.
Diesen Triumph des patriarchalen Mannes gab es vorher nicht, da war nur die Mutter gewiss.
Der Vater, das installierte soziale Modul auf dem sich die Patriarchose gründet, war ein paar Jahrtausende mehr Spekulation als reine Gewissheit. Elternsein als gesellschaftsrelevante Zuständigkeit von Vater und Mutter, ist in den patriarchal geprägten Jahrtausenden in die Patrilokalität der angenommenen männlichen Abstammung eingebettet. Für jedes Menschenkind wurde die Beziehung zum angenommenen Vater ein primäres Merkmal, da der zugeordnete Vater als Besitzer des Kindes galt. Er konnte sich daher auch ohne weiteres vom Kind distanzieren oder sein Vaterschaft ganz leugnen und wenn er damit keinen anderen männlichen Interessen ins Gehege kam, blieb ein solches Verhalten für den Mann in der Regel folgenlos. Die prinzipiell rechtlose Mutter wurde jedoch in einem solchen Fall für das Wohl des Kindes allein verantwortlich gemacht, wenn es überhaupt jemanden kümmerte.
Diese (für Mutter und Kind im Grunde vorteilhafte) alleinige Verantwortung der Mütter wurde aus der Steinzeit bis in unsere Zeit herüber gerettet und als eine natürliche Bindungssymbiose hingenommen, anerkannt, ja später sogar glorifiziert.
Gestatteten die (patriopathischen) Verhältnisse (wie z.B. die Kriegs- und Nachkriegsjahre) eine vaterlose Kleinfamilienkonstellation, durfte die Mutter alleiniges Sorgerecht (mit Einschränkungen) ausüben. Der Kampf der modernen Väter ums Kind hatte noch nicht begonnen. Das Vaterrechtler-Syndrom - der Kampf ums Kind - lief erst so richtig vor ein paar Jahrzehnten an. Vorher war es möglich und sogar anerkannt, dass Mütter ihre Kinder allein aufzogen und kein patriarchaler Hahn krähte danach.
Aber plötzlich sprossen überall sogenannte entsorgte Väter aus dem Boden, die unter dem „nicht für ihr Kind sorgen zu dürfen“ furchtbar litten. Dafür dürfte der Hintergrund sein, dass der ganz normale Mann (der sich in der Regel selbst outsourct) den Mangel an Geborgenheit zu spüren bekam, der entsteht, wenn ein Erwachsener keinen rechten Anschluss an eine fürsorgende oder zumindest Identitätstiftende Gemeinschaft hat (es fielen/fallen im gesellschaftlichen Kontext immer wieder gut etablierte Männerbündnisse weg und wenn es nur eine Stammtischrunde war).
Aber jetzt gibt es nur noch die Kleinfamilie! Diese Miniversion einer Fürsorgegemeinschaft ist zwar immer noch besser als keine Quelle menschlicher, fürsorglicher Nähe-Energie, doch der erwachsene, sich autonom begreifende Mann braucht zum Leben ebenfalls den menschenartgerechten Geborgenheitseffekt. Und so dockt er einfach (in der Patriarchose) an die Grundeinheit des menschlichen Lebens an: an eine Frau und noch besser an eine Mutter und ihre Kinder.
Der eigentlich solitäre Mann partizipiert also weiter von der natürlichen Matrifokalität, auch wenn diese in der Patriarchose als soziales Kontinuum fast vernichtet wurde und nur noch rudimentär wirkt. Seine Eintrittskarte in die elementar vorhandene Bindungseinheit von Mutter und Kind war/ist seine (behauptete) Vaterschaft. War Vatersein zu Beginn des Patriarchats ein reines Herrschaftskonzept (Kongruenz von Vater und Herr), bringt sich der Mann der Neuzeit auch als mit-sorgendes Element auf partnerschaftlicher Basis ein. Der Vater als deklarierter „Erzeuger“ und damit Besitzer des Kindes, übernimmt im gesellschaftlichen Wandel der Moderne die Rolle eines sozialen Vaters. Auch wenn er nicht als leiblicher Vater des Kindes gilt, wird von ihm erwartet, dass er sich im Kleinfamilienverbund kümmert, die Paarungsfamilie wirtschaftlich erhält oder für das Kind zumindest Unterhalt zahlt bei aktueller Nicht-Partnerschaft zur Mutter des Kindes. Vor allem der geregelte Unterhalt ist eine gesellschaftlich determinierte Voraussetzung um Kinder aufzuziehen, gibt es doch, auch im aktuellen (anonymen) Hochpatriarchat, keine prinzipielle Absicherung von Mutter und Kind. Eine generelle wirtschaftliche Autonomie der Mütter ist im Patriarchat ohnehin nicht vorgesehen. Müttersippen sind verpönt und sozusagen "ausgestorben worden". Die Ausübung der Mutterschaft wird in der Normopathie der modernen Patriarchose als temporäre Phase in einem Frauenleben begriffen. Auf den Zug springen auch gern manche Feministinnen auf. Was in dem wirksamen patriarchalen Dogma gipfelt, prinzipiell eine Mutter in ihrer Selbstbestimmung einzuschränken und ihre umfassenden Verantwortung für das, von ihr geborene Leben durch die Vätergilde zu kontrollieren (hierzu gehört auch der Staat als solcher).
Da hat sich die Frau nun endlich bis zu dem Punkt frei gestrampelt, dass sie allein oder mit anderen zusammen wohnen und ohne eine männliche Aufsicht das Haus verlassen kann. Frau hat die Möglichkeit sich eigenständig zu bilden, einer Erwerbstätigkeit nachgehen und sogar einen Lebenspartner bzw. (nur) Sexualpartner zu wählen, ohne ins soziale Aus zu geraten oder in irgendeiner Weise geächtet zu werden. Frau kann Karriere machen oder politische Ämter bekleiden. Sie kann beispielsweise in jungen Jahren allein mit einer Freundin ein Jahr durch Neuseeland traveln und worken, ja sie kann sogar eine geliebte Freundin heiraten. Frau besitzt, das ist allgemeiner Konsens, einen gesellschaftlich gleichberechtigten Status. Sie kann daher auch jede Menge Sportarten betreiben und jedes nur erdenkliche Hobby pflegen. Sie darf Aktivistin sein und sich brisanten oder feministischen Polit-Themen zuwenden. Sie ermächtigt sich sogar selbst ernsthaft (auch außerhalb akademischer Weihen) zu forschen, zu schreiben und zu veröffentlichen. Sie kann andere Frauen (und Männer) an ihren Ergebnissen und Erkenntnissen teilhaben lassen und mit vielen Gleichgesinnten Patriarchatskritik und Aufklärung betreiben … aber sie darf immer noch nicht wirklich selbstbestimmt ein Kind bekommen und es ohne einen (Einfluss nehmenden) Mann, einen sogenannten Vater, allein aufziehen. Beziehungsweise, sie darf es jetzt wieder nicht mehr.
Das Bestreben jedem sogenannten genetischen Vater neuerdings automatisch ein (halbes) Sorgerecht einzuräumen, katapultiert eine jede Mutter wieder in das Sklaventum der patriarchalen Fremdbestimmung, die schon fast überwunden schien. Natürlich wird sie nach wie vor das Geschehen der Schwangerschaft und der Geburt als Person autark bewältigen und auch weiterhin auf die seit Urzeiten vorgesehene mütterliche, gemeinschaftliche Unterstützung verzichten müssen, aber dafür wird nun eine hundertprozentige Kontrolle durch einen Kindsvater eingeführt… ein gesellschaftspolitischer Backlash, wie er schlimmer nicht sein kann!

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20 September 2019

...verliebt in die Liebe?

Das Patriarchat hat in den letzten paar Jahrtausenden verschiedene Ideologie-Gesellschaften geschaffen, in denen die Frau je nach kulturellen Zeitgeist, aber immer passgenau, in Männerbedürfnisse und -fantasien eingelassen wurde. Das ist nach wie vor gängige Praxis.
Aber die, in die Märchenliebe, Pardon, in die Pärchenliebe dauerverliebte Frau bekommt das nicht immer mit. Heutzutage ist mehr denn je die aktuelle Masche als eine Ablenkung von menschenartgerechtem Dasein, der zur Kunstform erhobene Glaube an die romantische große Liebe. Das ganze ist zwar erst in dieser Ausprägung wenige Jahrhunderte alt und galt lange nicht für Jedermann und schon gar nicht für jede Frau. Aber dafür ist es heute um so schöner sich vorzustellen, dass es ein Grundkonzept des Menschseins ist, einen geliebten Menschen ganz für sich alleine zu haben und alle anderen nicht mehr zu brauchen. Diese Form der absurden Gehirnwäsche sitzt erstaunlich tief und lässt Frauen vieles auf sich nehmen und unglaubliches Leid ertragen. Doch wie gesagt, dass ist die eher moderne History. Die eigentliche Herstory im Zeichen patriarchaler Überschattung sah ganz anders aus.
Vor unserer Moderne befand sich die Frau* innerhalb des patriarchösen Systems weitgehend in einem allgemein praktizierten Sklavenstatus unter willkürlicher (männlicher) Fremdbestimmung. Sie war Eigentum des Vaters oder ihres (Ehe)Mann (Herrn). Oft war sie auch nur das Mündel ihres Bruders oder anderer männlicher Verwandter. Die Frau wurde gehandelt – geraubt, verkauft, verheiratet, verliehen, gezwungen sich zu prostituieren oder ihr Leben in Keuschheit zu verbringen. Das naturgemäße Leben im fürsorgendem Sozialverband der artgerechten Matrifokalität war einer permanenten Geiselnahme der Frau* gewichen. Jedoch das unattraktive Bild der Sklavin wurde nach und nach modifiziert, aufpoliert und umdekoriert, um einen freien Anstrich zu erwecken und das führte geradewegs in ein romantisiertes bürgerliches und später liberal individualistisches Frauenbild, das jetzt als anerkannte Schablone für jedefrau dient.
War die Zweier-Paar-Bildung bis vor kurzem noch eine Konvention auf Lebenszeit, darf jetzt in serieller Monogamie immer wieder der/die richtige Lebenspartner/in gesucht werden. Es muss nur die Paar-Idee eingehalten werden - das unbedingte, wenn auch fragile Bündnis zwischen zwei fremden (nichtverwandten) Menschen, die ihre Liebe auf einem (möglichst andauerndem) sexuellem Begehren errichten und dabei den/die Partner/in in die Pflicht nehmen die essentiell gebrauchte, angehörige Fürsorgegemeinschaft zu ersetzen. Diese Form der Fürsorgegemeinschaft, das urtümliche Matrifokal, existiert in der derzeit wirksamen patriarchalen Kulturgesellschaft nicht mehr. Entsprechend groß ist der allseits vorhandene Mangel - an Geborgenheit, an Intimität ohne sexuellem Druck, an Zugewandheit und weiblicher Selbstbestimmung.
Das Zweierideal wird weiterhin hingebungsvoll gepflegt und wo es nur geht medial untermauert, damit nicht vielleicht der Gedanke aufkommt, dass zu einem erfüllten Alltagsleben mehr als nur ein/e sogenannter Partner/in und ein bis x Kinder gehören. Die patriarchale Androkratie versuchte so einen Lebensstil zu etablieren, der jedem Mann mindestens eine Frau garantiert, die seine Bedürfnisse erfüllt. Der Bund fürs Leben war primär bindend für die (einzelne) Frau. Ein sozialer Käfig und damit Kontrollinstrument, um ihre Arbeitskraft, ihre Sexualität, ihre Gebärfähigkeit, ihre Mutterkompetenz und ihr gesamtes energetisches Potential auf das Wohle des Mannes hin zu kanalisieren.
Egal welchem Lebensentwurf eine Frau heute folgt, sie bewegt sich in den vorgezogenen Linien eines für sie kreierten Hüpfkästchenspiel, in dem sie ihr Leben lang herumspringen kann/darf/soll. Und dessen Regeln sind streng … nicht über die Striche treten, sich immer schön innerhalb der sichtbaren und sogar unsichtbaren Grenzen bewegen und so dieses kräftezehrende Spiel mit allen Gefühlen und Sehnsüchten und unerfüllten Bedürfnissen hingebungsvoll zu zelebrieren, um den romantischen Idealen und der gesellschaftlichen Deadline der Anpassung gerecht zu werden. Selbst wenn der harte Alltag der Frau und Mutter über ihr zusammenschlägt, sie hält in der Regel an der Vorstellung fest, in der von der Belohnung durch die Liebe eines anderen (fremden) Menschen, der ihren Weg kreuzt, die Rede ist. Und da alle ähnliche Erwartungen hegen und als zutiefst bedürftige Menschen reagieren, wird auch kaum ausprobiert, was wäre wenn! Zum Beispiel, wenn wir als weibliche Menschen uns auf unsere Ur-Natur besinnen würden. An dieser Stelle darf gern jede weiterspinnen, wie das sein könnte!
Wir können uns heute noch so sehr vormachen, dass wir eine Art Recht auf erfüllende Liebe (eines Mannes oder Frau) haben. Dass wir für die Liebe in einer Zweierkonstellation, im Sinne von gemeinsam alt werden und bis uns dann der Tod scheidet, geboren wurden, dass das schon immer für die Frau die Normalität eines Menschenlebens sei … ist es nicht.

24 Mai 2019

Trennung - eine neue Spielart der Patriarchose...

aus der Reihe vom Kommentar zum Post...

"Eine Welt zerbricht – Wenn Eltern sich trennen" … diese Aussage ist, wenn wir sie unaufgeregt betrachten, erst einmal sachlich richtig.
Das Kind erlebte bisher ein Näheverhältnis mit bestimmten Abläufen und Regeln, einen Tagesablauf, der es mit mehr oder weniger geborgenen Gefühlen begleitete und einer für seine Entwicklung benötigten Sicherheit. Bei einer Trennung der Eltern, egal wie dramatisch oder scheinbar unspektakulär diese abläuft, zerbricht diese kleine Lebenswelt. Sie löst sich, manchmal von einem Tag auf den anderen auf und zwingt das Kind in eine Veränderung. Das Kind muss, ob es will oder nicht, eine Anpassungsleistung erbringen, die erst einmal Schmerz, Verunsicherung und Verlust beinhaltet und zwar ohne Garantie ob es jemals wieder gut wird. Jeder Mensch muss irgendwann einmal Verluste hinnehmen und in sozial gut sortierten bzw. gewachsenen Kulturen gibt es dafür kollektive Rituale oder andere Möglichkeiten der Kompensation.
Unsere noch nicht einmal einhundert Jahre alte Trennungskultur der Moderne ist in der Regel für die Beteiligten eher ein Desaster und dann eine Chance und später vielleicht ein Gewinn. Unsere (patriarchal tradierte) Gesellschaft setzt auf Kleinfamilie, serielle Pärchenbildung und nimmt das damit einhergehende Beziehungsauf-und-ab als gegeben, sogar als notwendig hin. Ja schlimmer noch, alle versuchen das Beste daraus zu machen. Dabei wird die Patchworklandschaft aus zerbrochenen Beziehungen immer unübersichtlicher, die Alleinsorgenden Mütter immer unterversorgter und die im Wechselmodell gestrandeten Kinder immer mehr.
Es ist relativ neu, dass die Elternschaft als untrennbares Gebilde beschworen wird, wie es
neuerdings gefordert und praktiziert wird. Dabei werden der Mutter der Kinder immer mehr die Möglichkeiten genommen, ihre Bindungskompetenz wahrzunehmen. Dem väterlichen Part wird jedoch seltsamerweise mehr Rechte als Verpflichtungen eingeräumt. Könnte sein, um das verlorene (patriarchale) Besitzrecht am Kind zu kompensieren.
Das Paar trennt sich, aber "Sie bleiben Eltern" - ist nur formal eine richtige Aussage, denn während die Eltern bisher nur als Paar-Einheit gedacht wurden, sind sie jetzt auf der Paarebene nicht mehr einander zugehörig, manchmal sogar verfeindet. Und während nun ein jedes Elternteil im persönlichen Alltag (und in der eigenen Psyche) eine Art ständige diplomatische Vertretung einrichten soll, die wenigsten für Neutralität oder gar abrufbares Wohlwollen sorgt, auch bei grobem Fehlverhalten eines Parts, wird eine enorme humane Leistung von den beteiligten Erwachsenen erwartet, für die es bisher kaum Vorbilder gibt. Als Paar können die Beteiligten in serieller Monogamie kommen und gehen wie es sich aus ihren Gefühlslagen ergibt, als gemeinsame Eltern eines Kindes verlangt unsere moderne Kultur ein hohes Maß an Selbstlosigkeit und gegenseitiger Abstimmung zum Wohl des Kindes über Jahre hinaus. Diese konkrete sowie gedankliche und gefühlsmäßige Zwangsgemeinschaft der (Kleinfamilien)Elternschaft ist ein absolut neuer Hochpunkt der Patriarchose. Hier kollidiert eindeutig die auf das Kind bezogene und damit unauflösliche Elternverkettung mit unserem (modernen) Selbstbestimmungsrecht
aller betroffenen Personen.
Während inzwischen jede Ehe geschieden werden kann, ist die Elternschaft, der biologisch determinierte Bund von Mutter und Vater, in unserem modernen Verständnis der Unauflöslichkeit unterworfen und von Gesetz wegen wird neuerdings auf 50/50 % Beteiligung an der Versorgung (Unterhaltsbeteiligung) und Partizipation (Liebhaben) am Kind bestanden. Es ist so abstrus wie es sich anhört.
Klar können wir sagen: c'est la vie! So ist das Leben und Trennungen kommen vor. Sind wir doch alle einer gesellschaftlichen Grundkonditionierung unterworfen, die eine stete alltagssoziale Veränderung als selbstverständlich voraussetzt, egal ob eine tatsächlich diese Erfahrungen damit machen möchte. Von frühesten Tagen an unterwerfen wir unsere Kinder einem gezielten Distanztraining (und haben es selbst erlitten).
Krippe, Kindergarten, Schulzeit usw. … man tackert den Kindern Flügel an, noch bevor es zu einer soliden Wurzelbildung kam. Vor diesem Hintergrund gehen wahrscheinlich zu viele davon aus, dass ein Kind in der Lage sein sollte eine elterliche Trennung, die es als Pingpongball zurücklässt, auch noch wegzustecken.
Vor ein paar Jahrzehnten setzte man quasi wenn der Tag gekommen war (der Zeitgeist gab das vor), das Kind im Kindergarten aus. Heute nehmen Eltern Jahresurlaub um ihre Kinder bei der Eingewöhnung in einer Kita zu begleiten. Fast sieht es aus, als hätten wir dazu gelernt. Bei einer Trennung der Eltern gibt es in der Regel keine Eingewöhnungszeit (wenn wir mal die Phasen der Streitereien, der Wortgefechte und Schreierei oder vielleicht sogar Handgreiflichkeiten ausklammern) und wahrscheinlich gibt es einen liebevoll begleiteten Übergang eher selten. Ein Grundszenario war beispielsweise einst: Der Vater verpisst sich, die Mutter bricht zusammen, das Kind versteht die Welt nicht mehr. Aber inzwischen bildete sich parallel zu dieser Variante allgemein eine mehr und mehr zivilisierte Trennungskultur. Man geht einvernehmlich auseinander, spricht sich ab, regelt den Aufenthalt der Kinder und lässt sich als getrenntes Paar seine Freiräume und ... stellt diese hint an, wenn es um das unauflösliche Elternsein geht.
Allerdings steigen nach einer Trennung die neuen Singles irgendwann wieder in das Karussell der erneuten Partnersuche und für die Kinder steht die nächste dramatische Veränderung an. Letztlich sind die Kinder immer die Betroffenen und oft genug die Leidtragenden des bestehenden klassischen Familien- und Paarkonzepts mit eingebauter Trennungsoption, mit anderen Worten: in dieser prinzipiell unreifen, bindungsgestörten, beziehungsunfähigen Erwachsenenpatriarchose. Dass Mütter hier nochmal eine besondere Form der Betroffenheit erleiden - geschenkt.
Im Paar- und Familiendogma herrscht neben anderen Implementationen, die uns schon gar nicht mehr auffallen, ein essentieller Nähemangel, der immer nur mit einer weiteren fremden (nichtverwandten) Person aufgefangen werden soll. Die Mütter, die das alles grad nicht mehr wollen und statt dessen mit ihren Kinder dem Wohlgefühl auf der Spur sein möchten selbstbestimmt, friedfertig und zugewandt ihren (menschenartgemäßen) Alltag zu leben, werden durch gesellschaftskonforme Umstände, bestimmte Gesetzeslagen und dem uninformierten und uniformierten Mainstream massiv behindert. Pech gehabt - wir leben im Patriarchat!
Unsere menschenartgerechte (matrifokale) Fürsorgegemeinschaft ist im patriarchal praktizierten Alltag der modernen, westlichen Kultur nur noch eine ferne Ahnung. Eine Sehnsucht, die wir mit uns tragen und die manche Trennung begleitet bzw. auslöst.
Und wenn wir uns schon trennen, dann bitte auch gleich von den Narrativen:
Familie, romantische Paarliebe auf Lebenszeit und dem beschwörendem Dogma 'Das Kind braucht einen Vater' ... stimmt sowieso alles nicht!


Der Vater braucht das Kind!

Kinder sind kein Partnerersatz!

Das in die Pflicht genommene Elternpaar!


Das geteilte Sorgerecht als immer währende Mütterfalle

Wechselmodell - ein "Kind" des Patriarchats

und als Nachsatz ein Zitat aus dem Artikel "Und dran bist du":
"Viele Partnerschaften zerbrechen nach der kritischen Kindererziehungsphase. Das Wechselmodell löst diesen Zustand kollektiv zugunsten der Männer auf, die ihre Ex-Frauen erfolgreich reproduktiv ausgebeutet haben. Zudem kann der Staat weitere Einsparungen vornehmen, wenn er nicht mehr für Unterhaltsausfälle einspringen muss. Wer hier von „Gleichberechtigung“ redet, geht der neoliberalen Ideologie auf den Leim – total flexibilisierte Kinder inklusive. Die weitgehende Teilnahmslosigkeit vieler postmoderner Feministinnen diesbezüglich spricht Bände. Ein Feminismus, der materialistisch sein will – und den wollen derzeit viele –, muss das Patriarchat im Kern als Ausbeutungsverhältnis begreifen." (Hervorhebungen von mir)



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29 März 2018

Wechselmodell - ein "Kind" des Patriarchats

Zum Wechselmodell und seinen Folgen fürs Kind (und die Mutter) kann sehr viel gesagt werden. Und ja es gibt auch reichlich Verfechter dieser Idee, welche sie als Fortschritt preisen und welche die das WM einfach praktizieren, weil es ihre Lebensumstände hergeben.

Aber was ist das Wechselmodell im Gesamtzusammenhang mit unserer Gesellschaftsart? Wieso fällt scheinbar niemanden bzw. den Entscheidungsträgern auf, dass es eine unglaubliche Zumutung ist ein Kind wie ein Gepäckstück alle paar Tage zwischen zwei Wohnsituationen zu verschieben? Und warum werden jene, die sich dieses gesellschaftspolitischen Lapsus bewusst sind, nicht gehört bzw. ernst genommen. Vor allem die betroffenen Kinder?

Das Gebot der Stunde ist eine neu entdeckte Gerechtigkeit und zwar die, dass unter allen Umständen den Kindern gleichviel Vater und Mutter zusteht, bzw. sie deren Zeit halbehalbe verbrauchen dürfen. Das Kindeswohl ist daher nicht etwa der Zustand des Befindens in dem sich ein Kind möglichst dauerhaft wohlfühlt, sondern das fragwürdige Rechenexempel: halbe Mutter plus halber Vater gleich Wohlgefühl!

Unter diesen Umständen gibt es aber wahrscheinlich mehr Unwohlsein als Wohlgefühl. Doch das darf für alle Betroffenen kein Problem sein, ist doch das allgegenwärtige Distanztraining, dass alle von klein auf durchlaufen, ein Teil des Alltags der Patriarchalität in die wir hineingeboren wurden.

Dieses erwähnte Distanztraining ist der permanent betriebene soziale Abnablungsprozess, der die Bindung an die Mutter und deren Herkunftsangehörige (in der Mutterlinie) so früh wie möglich unterbindet.

Patriarchalität ist das Bestreben des Mannes den Vater im System an allen Schaltstellen der Macht zu installieren. Hört sich clever an und ging nach Einführung der heroischen Gewalt einst ganz einfach. Im Patriarchat ging/geht es um die Macht Besitz und Eigentum zu erwerben, dieses zu erhalten und zu verteidigen ... und dazu gehörte von Anfang an das Kind, dass der patriarchale Vater als seinen Besitz handelte.

Was hat das alles auch noch mit dem Wechselmodell und den Kitas und unseren sonstigen Bildungseinrichtungen für Kinder zu tun?

Nehmen wir die Kita - sie ist eine typische Erscheinung der patriarchalen Realität und sie ist (für die Patriarchatsbetreiber der liberalen westlichen Kultur) auch eine Notwendigkeit um als System die Kontrolle über die erwachsenen Individuen der arbeitenden Bevölkerung so weit möglich zu behalten. Die Erwachsenen zu kontrollieren heißt auch ihren Nachwuchs rechtzeitig ins System einzugliedern und sie so wenig wie möglich der Obhut einer naturgemäßen Fürsorge-Einheit (der Mutterlinie) bzw. Fürsorgegruppe (dem Matrifokal) zu überlassen ...
ja ich weiß, das ist ein Satz, der sich nach Verschwörungstheorie anhört, aber es ist nun einmal, sachlich ausgedrückt, nur die Wirklichkeit, die viele gar nicht in dieser Deutlichkeit wahrnehmen (können oder wollen).

Das zeitige soziale Abnabeln eines Kindes von den konsanguinen Herkunftsangehörigen und allen voran der Mutter, ist nun mal ein inzwischen tradierter Prozess, der das Patriarchat von Beginn an ausmachte und sich leitmotivisch durch das Leben aller Patriarchatsbewohners zieht. Das Wechselmodell ist einfach eine weitere kleine Spielart der groß angelegten Mutterentfremdung ... noch so ein Satz den frau sich kaum laut auszusprechen traut, da die mainstreamige Öffentlichkeit so manipuliert und konditioniert ist, dass die Ungeheuerlichkeit dieser Entmenschlichung nicht hinterfragt werden darf und daher auch nicht wird.

Die hier in D ständig modifizierte (Familien)Gesetzeslage bietet schon längst die juristische und damit eine Druckmittelmäßige Handhabe, jedes Kind (theoretisch und demzufolge auch praktisch) von der (sich nicht konform verhaltenden) Mutter zu trennen. Eifrige und inzwischen gut organisierte Väterrechtler kommen populär daher und dem seines, ihm zustehenden Kindes beraubten Vaters winkt jetzt über den Kompromiss des Wechselmodells eine Art Etappensieg.

Patriarchat bedeutet auch immer Kontrolle (der Untertanen). Auf dem (den meisten Vätern und Müttern) nicht bewussten Weg der Kontrolle des erwerbstätigen Bürgers, finden weitere Konditionierungen statt, die sich als Sozialkontrolle im gegenseitigen Beobachten und Korrigieren ausdrücken. Was unsere Kinder betrifft hat sich doch schon längst ein vorauseilender Gehorsam eingebürgert.

Die Grundlage aller alten und modernen Maßnahmen rund ums Kind, ist ja bekanntermaßen die Verklärung des Vaterstatus! Auf den ersten Blick nicht immer gleich zu erkennen, da in unserer Zeit wieder gern mit der Biologie des Vaterseins gepunktet wird. Das einst geheiligte gottgleiche Vatertum ist jetzt der naturwissenschaftlich nachgewiesene Anteil eines Mannes an der Entstehung des Kindes. Und damit steht, so will es die patriarchöse Logik, dem leiblichen Vater auch die Hälfte des Kindes zu. Zumal dem 'rechtlichen' Vater per Gesetz eh das Sagen in den Belangen des Kind quasi hinterher geworfen wird und er sich als sozialer Vater seit ein paar Jahrzehnten das Partizipieren am Kinde verdient hat (der 'soziale Vater' ist eine Erfndung der Moderne). Also wird das Ideologiedogma vom Patriarchen heute eher übersehen und sich ab jetzt auf den menschlichen Mann konzentriert, der ja nur Vater sein will und mit seinem Kind zusammenleben möchte - seinem eigenen Kind - Identitätsanker in der Verlorenheit der Mutterarmen Gesellschaft. Seine Insel im Meer der Bindungslosigkeit. 

Gut, das Patriarchat hat alle Probleme, mit denen wir uns zunehmend herumschlagen, erst selbst verursacht, aber lassen wir das nicht gerade hinter uns und tun so als wäre das Patriarchat, sozusagen postum, überwunden?

Ohne die Vateridee gibt es kein Patriarchat. Die beiden Marker sind kausal verknüpft – der Vater und die Patriarchose. Und bis vor Kurzem wurde der Vaterbegriff (ausschließlich) mit Herr(scher), Gebieter, Eigentümer, Machthaber und Gott assoziiert bzw. gleichgesetzt, jetzt ist er plötzlich u.a. sowas wie der zur Naturvernuft gekommene (Mutter)Bruder, der Fürsorge leistet?

Erst in den Tagen der unmittelbaren Moderne wird der Vater zu einer (angeblich schon immer vorhandenen) Komponente des artgerechten menschlichen Fürsorgepaketes hochstilisiert. Der soziale Vater als eine Facette des biologischen Vaters, ist eine Erfindung der aktuellen Mainstreamgesellschaft und eine Art Geschenk an den patriarchalen Mann, der selbst unter dem bestehenden Fürsorge- und Geborgenheitsmangel leidet.

Das ihm zugehörige Kind darf dann die patriarchale Suppe auslöffeln, die sich gerade in der Abstrusität des Wechselmodells zeigt, in welchem dem Kind noch mehr Mutter weggenommen wird. Ein junger Mensch, der immer wieder seinen Lebensmittelpunkt verliert und von den ihn umgebenden Erwachsenen, von einer ihrer (Lebens)Partnerschaften in die nächste gestoßen werden darf .

Das Wechselmodell stellt wieder einmal einen der Geniestreiche der überzeugten Vertreter der Patriopathie dar. Es ist von Seiten der Rechtssprechung als unangekündigter Einbruch in das betroffene Kinderleben vorgesehen. Sicher gibt es nicht nur Dramen um das WM, aber die, die es gibt, sind alle zuviel. Weder Mutter noch Vater sind für solche Fälle ausgebildet, genauso wenig wie die meisten Richter, die den Aufenthalsort eines Kindes zum Kasus der Rechtsprechung machen.

Eingewöhnungszeiten wie in der Kita ist im Wechselsystem nicht vorgesehen, weil ungerührt davon ausgegangen wird, dass es dem Kind (egal in welchem Alter) ein Bedürfnis ist Zeit mit dem (biologischen) Vater zu verbringen (einem Mann, der von dieser Würde von Natur aus gar nichts wüsste, wenn es ihm nicht mitgeteilt wird oder die Umstände keinen anderen Schluss zulassen). Alle Überlegungen was Männer, Väter, oder Frauen und Mütter so in der Alltagspraxis tun, landen in der Betrachtung immer noch viel zu oft bei den banalen Aktualitäten und fressen sich dort fest - zu selten sehen wir den gesellschaftlichen Mechanismus dahinter, der uns wie Spielzeuge bewegt.

Es ist zu kurzsichtig nur unser Staatssystem als oberste Instanz anzusehen. Die Reduzierung auf "Vater Staat" und seine privilegierten Vertreter sind längst nicht das ganze Dilemma … das Problem, was wir in der Patriarchose haben, ist nicht nur die aktuelle Interessenlage der Nutznießer des Patriarchats, sondern das über einen langen Zeitraum sorgfältig installierte Ideologiegemenge, dass jedes Bewusstsein so infiltriert hat, dass wir, wenn wir auf die Welt kommen und in sie eintauchen, einen Zustand vorfinden, der uns "natürlich" erscheint (Normopathie) - so scheint die Trinität des allgegenwärtigen Vaters (biologisch, rechtlich, sozial) in einer Art und Weise "natürlich", dass dessen Konstruiertheit kaum noch jemanden auffällt.

Die überlieferte Ordnung, deren Regeln und Gesetzmäßigkeiten innerhalb der Patriarchose, zieht scheinbar den logischen Schluss nach sich, dass wir fast in der besten aller Welten leben und wir sie nur noch ein klein wenig verbessern müssen, um sie perfekt zu machen. Dabei stimmt, wenn wir genauer hinsehen, in unserem Alltag und der anvisierten Zukunft ganz und gar nichts und das Leben auf unserem Planeten ist permanent in großer Gefahr.

Wir verstören unsere Kinder mit Wechselmodellen und Umgangsregeln, die einfach nur inhuman sind. Diesen für manche Kinder praktizierter Horror (mal abgesehen davon, dass in anderen Teilen der Welt Kindern noch viel mehr Schrecken im Alltag zugemutet wird) dürfen letztlich irgendwie alle momentanen Kinder und die künftigen Generationen ausbaden ...
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30 März 2017

Der Beginn des Patriarchats


Der Beginn des Patriarchats setzte dem gemeinsamen Leben der Menschin mit ihres Gleichen ein dramatisches Ende und die Ideologen der Patriarchose arbeiten bis heute an der Vernichtung 'der Mutter'...

Oberflächlich betrachtet lebt auch heute die Mensch in bezogenen Gemeinschaften, meist als (Klein)Familie, also überwiegend nicht 'menschenartgerecht'. Die matrifokale Bindungsgruppe, in der die Menschheit einst entstand, wurde vor etwa 8 Jahrtausenden sukzessive durch eine pseudolinerare* Patrilokalität ersetzt. Über diesen langen Zeitraum hinweg bis heute tradiert man(n) die sogenannte Großfamilie (patrilokale Kultur-Habitate). Jeder halbwegs privilegierte Mann strebte nun nach den dynastischen Vorbildern der Herrschaftsmachtvertreter ein eigenes kleines Imperium an. Der Schritt vom Klassiker der ländlichen und nur teilweise urbanen 'Großfamilie' hin zur separierten Kleinfamilie in einer anonymen Großgesellschaft wurde jedoch erst im Industriezeitalter der heutigen Epoche vollzogen.

Die Vorstellung, dass im Paläolithikum bereits 'Vater, Mutter, Kind' gespielt wurde, ist wissenschaftlich immer weniger haltbar. Die (durch "den Menschen" kulturell geschaffene) Vorform einer 'Gesellschaft' ging bereits mit den Anfängen der Patriarchose einher. Der Beginn der frühen patriarchalen Gesellschaftsform** steigert sich relativ schnell durch massive Gewaltspitzen, wie diverse Eroberungskriege oder Regulierungsmaßnahmen zum Machterhalt. In den sogenannten Hochkulturen (ab Neolithikum und Bronzezeit) wurden sie zu durchorganisierten politischen Systemen, die wir als androzentriert und patri-ideologisiert beschreiben können. Diese Grundzüge sind bis heute wirksam. Die Übergangsphase vom naturgemäßen menschengerechtem (also dem evolutionierten matrifokalen) Kontinuum hin zum ideologisch geformten und durch die antiken und erste monotheistische Religionen gestütztem Hoch-Patriarchat dauert quasi immer noch an. Verschiedene indigene, noch teilweise oder ganz matrifokal lebende, Menschengemeinschaften existieren nach wie vor - über die Welt verteilt und mehr oder weniger im Verborgenen.

(* pseudo weil nie ein Mann sich seiner Vaterschaft sicher sein konnte, auch mit heutigen Mitteln sind es immer noch keine hundert Prozent anzunehmen...
(** die K. Marx als Sklavenhaltertum klassifizierte...


Die drei Säulen des Patriarchats sind

Das Gewaltpotential

Das Patriarchat entstand u.a. durch das Gewaltpotential, das ein einzelner Mann mit einer Waffe in der Hand darstellt bzw. das sich im Bündnis diverser maskuliner Interessenverbände zeigt. Darüber hinaus die (nicht naturgemäßen) Formen der Gewalt, die durch Herrschaft legitimiert wurden. Hier finden wir die innere Exekutive eines Herrschaftsbereiches (hier ist auch der Ursprung unserer heutigen Familie zu verorten, die aus der von einem privilegierten Mann beherrschten Hausgemeinschaft entstand) sowie die nach außen wirkende, stehende oder abrufbereite Militärmacht eines Herrschenden oder des Herrschaftssystem. Da das patriarchöse Gesamt- bzw. interne Gewaltkonzept auf nachhaltig kultivierter maskuliner Wettkampfsmentalität und gepflegtem Konkurrenzgebaren beruht, ist immer auch mit einem automatisch vorhandenem Gewaltpotential oppositioneller Gegner zu rechnen. Dazu zählen nicht nur von außen kommende politische Aggressoren, innerpolitische bzw. ideologische Dissidenten, sondern auch die, durch Unterdrückung entstandenen, kriminellen Subkulturen.

Der ideologische Mythos
... der ideologische Mythos* baut sich auf der Erfindung dreier männlicher Figuren auf, die es bis dahin im Naturgeschehen des menschlichen Kontinuums nicht gab: der Heros, der Vater, der Gott
Diese Einzelinstallationen und als Steigerung ihre Verschmelzung miteinander, bilden das essenzielle geschlechterbezogene Gerüst der durchgängigen Patriarchose.
Diese drei Komponenten, einschließlich ihrer Synonymitäten, definieren die bis heute gültige Darstellung des patriarchalen Mannes in den meisten Kulturen.
Der ideologische Mythos ist die Basis der pan- und monotheistischen Religionen sowie politischer Staatsideologien und dem des dadurch indoktrinierten jeweiligen Mainstream.
Scheint sich auch das Heldentum und die Gottesverehrung in unseren derzeitigen Kulturpraktiken etwas relativiert zu haben, nimmt doch die Idee der Vaterschaft als Dreh- und Angelpunkt als (persönliche) männliche Identifizierung eine vorherrschende Rolle ein. Einmal da die biologische Tatsache einer genetischen Beteiligung des Männlichem an neuem Lebens in der Moderne eine schwindelerregende Überhöhung erfahren hat und zum anderen die Heros- und Gottesideologie mit der Vaterinstallation verschmolz.
Waren die anfänglich Vaterinteressen im Sinne von Besitzdenken und die 'eigenen' Söhne als gezielt aufgezogene Verbündete zu verstehen, ist im Info-Zeitalter die Ideologie des Vaterideals (als umfassende Gehirnwäsche) zu einer in der Gesellschaft vorherrschenden Kraft geworden. Der Heros-Vater-Gott - Komplex ist die ideelle und damit emotionale Basis der Patriarchose.

Das Wirtschaftssystem
Bisher jede Art von patriarchalem Wirtschaftskonzept baut auf dem Besitzdenken einzelner, machtorientierter Privilegierter auf, mit der einfachen Formel: Besitz gleich Erhöhung des eigenen Selbst. Diese ego-bezogene männliche Intention, ging m.E. aus einem narzisstisch übersteuerten Selbsterhalt hervor, die dazu führte sich gleichberechtigtes Leben zu unterwerfen.
Besitz oder Eigentum ist eine vergegenständlichte kulturelle Absprache, die von den sozialen Gruppierungen anerkannt oder akzeptiert wird. Das begründete sich zum einen darauf, dass Gewaltanwendung zum Tagesgeschäft wurde und zum anderen auf der Neuerung, dass es anerkannt wurde Lebewesen zu besitzen und zu benutzen, einschließlich anderer Menschen. 
Des weiteren schufen Besitzende durch Zweckbündnisse, bei denen die Mitglieder am Besitz partizipieren oder selbst einen Anteil davon erwerben konnten, die ersten stabilen Wirtschaftssysteme außerhalb der bisherigen Subsistenz. Das so geschaffene soziale Gefälle baut sich auf der Unterwerfung und der nun systemimmanenten Unfreiheit und grundsätzlichen Ausbeutung der Frau sowie der Gruppe der unterdrückten, unterprivilegierten Männer, den Sklaven und Besitzlosen auf. Das alles bildete bereits vor Jahrtausenden die Steilvorlage für unseren heutigen Kapitalismus und Imperialismus.


(* siehe auch http://www.doriswolf.com/wp/aus-dem-4-kapitel-die-verheimlichte-tragodie-einer-invasion-aus-vorderasien/das-patriarchat-entstehung/neu-die-total-verruckten-mythen-des-patriarchats/)

Das Patriarchat, oder auch Patriarchose, ist die Gesellschaftsform in der wir uns derzeit fast weltweit bewegen...

Wenn wir es genau nehmen, ist es sogar die einzige Gesellschaftsform, die es bisher gab und die den existierenden Menschengemeinschaften als übergeordnetes Zugehörigkeitsmuster übergestülpt wurde. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass im Verständnissinn von Patriarchat kein Matriarchat existierte und wir für die vorpatriarchale Phase eine andere Bezeichnung finden müssten. Selbst mit kulturellen Anteilen können wir immer noch von einem naturgemäßen Agieren der Spezies Mensch ausgehen.

Das vorpatriarchale Leben der Menschin, das den überwiegenden Teil des Menschseins ausmachte, können wir im Sinne des Lebenserhalts als ein 'sich selbstregulierendes Naturgeschehen' ansehen. In den menschlichen Gruppierungen wirkten zwar gewisse innere Regelungen des Miteinander (unsere menschenspezifische Strategie des Art- und Selbsterhalt) und diese Gepflogenheiten verbreiteten sich, quasi osmotisch, nach außen in die nahen Angehörigengruppen und flossen wieder zurück.

Es gab zu der Zeit jedoch bestimmt keine durch eine festgelegte Leitkultur gesteuerte Überorganisation. War das frühe Menschsein wie gesagt einfach ein Naturgeschehen, das in seinen anfänglichen und später bereits bestehenden Kulturformen bis noch weit ins Neolithikum reichte, begann mit dem Gewaltzuwachs einiger Androkraten der Siegeszug eines verhängnisvollen Gedankens, dem des alles bestimmenden Vaters, der per se als Heros geehrt und als Gott verehrt wurde. Der Vater "als Beginn allen Lebens" war jedoch nicht etwa die gute Nachricht, die sich auf Grund ihres Wahrheitsgehaltes verbreitete und etablierte, sondern eine erschreckend gewaltsam durchgesetzte Idee, die sich zu einem Jahrtausende lang wirkendem Schlüssel der männlichen Macht erwies.

Das reine Wissen um die Vaterschaft reichte längst nicht aus, um eine Vormachtstellung über Frauen und Kinder einzunehmen. Warum sollte ich als Frau, die in ihrer Muttersippe geborgen und gut aufgehoben lebt, mich den Vorgaben eines Mannes unterwerfen, nur weil er der Mitzeugende meines Kindes ist? Warum sollte ich ihn suchen und fragen, wie ich mit dem Kind umgehen darf? Warum sollte er überhaupt in einem Kulturgeschehen, dass noch seiner natürlichen Matrix folgt, „seinen“ (ungewissen) Nachwuchs für sich beanspruchen, wo doch die (durch Geburt verwandten) Kinder seiner Schwestern neben ihm in dem gemeinsamen Matrifokal naturgemäß aufwuchsen?

Zwar ist die Zeugung eines Lebewesen ein evolutionäres Konzept, dass sich (bereits lange vor den Menschen) im Sinne des Arterhalts als eine Hetero-Kombination bewährte, also selektiert wurde, der Reflex jedoch, der die Geschlechter zwecks Arterhalt zusammenführt, ist keine permanente willentliche Entscheidung, auch nicht beim Männchen der Menschenarten. Das biologische Geschehen hat für den (Menschen)Mann kein Bewusstsein für seinen Nachwuchs, an dessen Zeugung er beteiligt war, vorgesehen. Denn wie wir wissen: weder denkt 'die Evolution' noch handelt sie bewusst!

Ein Mann, der nicht ahnt, dass durch die Ausübung seiner Sexualität ein Kind entstanden ist, weiß einfach nicht um seine Vaterschaft. Und Millionen Jahre bis heute ist der männliche Part bei der Zeugung kein willentlicher Akt eines männlichen Individuum, sondern ein unwillkürlich biologischer und auch wenn der Mensch diesen inzwischen manipulieren kann, bleibt es ein natürlicher Prozess. Der Vater, wie wir ihn inzwischen verstehen, weil sozial festgelegt (abgesprochen), ist ein kulturelles Konzept.

Das artgerechteste Moment im menschlichen Dasein ist das fürsorgende Aufziehen des Nachwuchses...

Als die Cluster matrifokaler Gemeinschaften, in denen sich die angehörige Nähebindung als das spezielle Überlebenskonzept der Mensch erwies, durch das Gewaltkonzept des beginnenden Patriarchat zerstört wurde, blieben natürlich trotzdem alle biologischen Voraussetzungen nach wie vor erhalten. Es gesellten sich nur die ideologischen Regelwerke (Meme - hier auch gewaltsam installiert und durch Furcht gespeist) in dem Maße hinzu, wie die patriarchalen Strukturen zu wachsen begannen. Die Furcht vor der Gewalt des neuen maskulinen Terrors überschrieb nach und nach die natürlichen Überlieferungen im Bewusstsein und Handeln des (weiblichen) Menschen .

Die gesellschaftsideologisch immer ausgefeilteren Herrschaftssysteme verdrängten mehr und mehr das naturgemäße menschliche Kontinuum. Das größte Desaster, dass die Patriarchose anzettelte, war daher das Verändern des Naturgeschehen in dem die Menschen lebten, in eine durch Vater-Herrschaftsmacht kontrollierte Zivilisation. 

Durch das gewaltsame Herauslösen der Töchter, also der zukünftigen Mütter und weiblichen Überlebensgarantinnen, aus ihren artgerechtem Matrifokalen, bluteten diese aus, im wahrsten Sinn des Wortes. Dieses Metapher des Ausblutens macht deutlich, dass es sich hier um einen grausamen Eingriff und einen Akt der Gewalt handelte und keine natürliche (Langzeit)Entwicklung darstellt. Die freie Tochter der Muttersippe wurde durch männliche Gewalt geraubt, versklavt bzw. verheiratet und zur Vatertochter umetikettiert. Dabei verlor sie und ihre zukünftigen Töchter als Unterworfene des Mannes ihr naturgemäßes weibliches Geburtsrecht: die Female Choice.

Wenn ich mir diese nachhaltigen Eingriffe der martialischen und zivilisierenden Männermacht und ihre Auswirkung auf das Naturgeschehen vor Augen führe, muss ich immer an eine Sequenz in dem Film "Jurassikpark" denken. Während der Vorführung eines Werbefilms für den Park, wird erklärt, wie die fehlerhaften Gensequenzen aus den Saurierrelikten durch Frosch-DNA ergänzt wurden um ein Saurierbaby zu erschaffen. Was im Film gelang - die gezielte Manipulation von Lebewesen - nahm seinen Ursprung vor langer Zeit, als aus der unbewussten Zeugungsbeteiligung des Männlichen sich der Menschenmann eine gezielte Züchtungsabsicht und -kontrolle erschloss. Die nunmehr im beginnenden Patriarchat eingeführte Male Choice ist eine Art anlaufendes Zuchtprogramm auf Menschenbasis. Der Mann sucht sich nach persönlichen, egoistischen, Kriterien eine (mehrere) Sexualpartnerin, die durch die oft radikale Abtrennung von ihrer matrifokalen Herkunft in eine tragische Abhängigkeit von diesem einen Mann (und seiner Patri-Family) geriet. Hier liegt die Ursache eines ganzen Bündels noch heutiger Probleme.

Der Heros – Vater – Gott – Kult kürte also ein männliches Idol als Mittelpunkt des Alltagsgeschehens. Und bis heute wurde daraus als Prototyp eine Art Selfmademan, welcher der menschlich-mütterlichen Bindungsgemeinschaft scheinbar nicht bedarf. Natürlich trügt auch hier der Schein ... denn nach wie vor bedarf der Mann eines gut funktionierenden Background, der ihm auch weiterhin bis ans Ende seiner Tage reichende Fürsorge angedeihen lässt. Wenn es sich dabei auch nicht mehr um fürsorgende Bindungsangehörige handelte, sorgten doch die privilegierten Männer-Cliquen dafür, dass für sie und ihren Anhang ein flächendeckendes Versorgungspotential zur Verfügung stand/steht, das in seiner Ausweitung die "Gesellschaft" bildete, anonym und bindungslos. Heute überlebt ein Individuum (fast problemlos) in der anonymen Gesellschaft, darauf trainiert mit einem Minimum an Nähe und dem permanenten Mangel an Geborgenheit zurecht zukomme.

„Der Mann ist im Grunde das Verlangen Gott zu sein“ (J.P. Sartre)

Mann und Gott - ist die unheilige Allianz, mit der das Männliche um seiner selbst willen alle Gipfel besteigt, alle Lande erobert, alles Leben unterwirft.



Fortsetzung folgt...
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22 Februar 2017

Der 'Vater' braucht das Kind!


Unsere „Urnatur“ kommt immer dann zum Vorschein, wenn die Repression der patriarchalen ideologischen und konkret gewaltsamen Zwangsverordnungen an Wucht und Bedeutung in der Gesellschaft verliert. Die Female Choice, die evolutionär selektierte 'Weibliche Wahl', ist hier der Ausgangspunkt* und lässt nie völlig unterdrücken. Es ist ein Naturgeschehen, dass die Patriarchose einerseits immer wieder unterläuft und andererseits unendlichen vielen Frauen (und auch Kindern) das Leben kostete und heute immer noch als die Sünde schlechthin wider des Vatersystems gewertet wird. Das hat sich seit dem Beginn des Patriarchats bis heute zu der allgemeinen Androzentriertheit ausgewachsen, die sich immer noch in der Gesetzgebung, der Denkungsart des Mainstreams und den kulturellen Dogmen und Tabus der anonymen Großgesellschaft niederschlägt. Dazu gehört auch die sich hartnäckig haltende Behauptung "ein Kind braucht seinen Vater".

Hier behaupte ich, dass es in der Patriarchose schon immer (und nicht nur heutzutage) umgekehrt ist: Der 'Vater' braucht das Kind! - schließlich ist so ein kleines Menschenwesen oft genug seine einzige Anbindung in puncto Zugehörigkeit und Identifikation mit verwandten Angehörigen. Auch Väter sind letztlich verlorene Kinder der nicht mehr existierenden Mutter-Sippe. Es ist zwar ein hausgemachtes Problem der patriarchalen Strukturen, aber das Kind zu besitzen ist ein Schlüsselmoment des Patriarchats.

Der moderne kinderliebe und fürsorgende (leibliche) Vater agiert in der Beziehung zu "seinen Kindern" einen (evolutionär - berechtigten) immanenten Drang zur Teilhabe an der Geborgenheit einer Bindungsgemeinschaft aus. Heute steht ihm dazu nur eine (wohlwollende) Klein-Gemeinschaft zur Verfügung. Das Patriarchat bietet nun mal seinen Männern neben den privilegierten Machtoption für wenige (Alpha)Männer, nur das Kerngeschäft der Paarungsfamilie. 

(siehe auch:  http://stephanieursula.blogspot.de/2015/11/das-in-die-pflicht-genommene-elternpaar.html

Nicht nur in diversen Diskussionen, auch in der Forschung oder den populärwissenschaftlichen Betrachtungen wird sich meiner Meinung nach zu sehr auf Vererbung und den Gen-Anteil kapriziert. Die patriarchale Denke zwingt uns ein Geschacher um das Kind auf. Dabei ist ein jedes unserer Kinder einfach nur ein berechtigtes Mitglied der Menschengemeinschaft, sowohl als Winzling wie auch ein paar Jahre später als Erwachsener. Das unwürdige Gerangel wer den größten (pseudo-)berechtigten Anteil an einem Kind und damit (Verfügungs)Rechte über 'das Kind hat', sind Relikte der Patriarchose. Es sind ja auch nur ein paar Jahrzehnte her, dass die Zeit zu Ende ging in der dem Vater per Gesetz das ganze Kind "gehörte" oder er es bei Nichtgefallen einfach nicht anerkannte bzw. aus Angst um seine individuelle Freiheit ignorierte. Im Patriarchat ging es nie darum dem Kinde durch den Vater Fürsorge angedeihen zu lassen. Das ist ein moderner Anspruch, der dem Vater nach seiner Entthronung als 'Herrn der Familie', lediglich als Ausgleich angeboten wird.

Die patriarchal determinierte Vaterschaft w
urde/wird als eine Art Verursacherprinzip angesetzt, dem zu Grunde lag/ liegt, aus "dem Schwängern einer Frau" das Recht abzuleiten über diese beiden Menschen, Mutter und Kind, verfügen zu können – auch das ist eine der Säulen des Patriarchats. Der 'Vater', also der an der Zeugung per Spermium beteiligte Mann, sah einst einen Vorteil für sich darin sein Kind und hier vor allem die Söhne, für seinen Clan, seinen Einflussbereich und bei entsprechendem politischen Rang für seine Wehrhaftigkeit zu rekrutieren. 


Das setzte voraus, dass die Frau und ihre Sexualität und Gebärfähigkeit, unter eine rigide Kontrolle gebracht werden musste, da derlei Maßnahmen (bis heute) die einzige Möglichkeit war, der "eigenen" Söhne (und Töchter) einigermaßen gewiss zu sein. Der dabei entstandene Ehrbegriff mit dem heute noch kleine Jungs aufgezogen werden, wurde daher überall geltend gemacht und die unbedingt zu erhaltende Jungfräulichkeit der Tochter und die Verpflichtung zur lebenslange Treue und Keuschheit der Ehefrau, auch über die innere Privatheit hinaus, wurde zum grundsätzlichen Politikum erhoben. Nicht der prinzipielle (evo-biologische) Wert eines einzigartigen Lebewesens, wie auch das des menschlichen Kindes, ist im patriarchalen Universum von Bedeutung, sondern die bloße quantitative Anwesenheit, seine Kampfkraft, seine Arbeitskraft oder sonstige Nutzbarkeit 

Leben ist ein unwillkürliches, sich selbst erhaltendes System und nur weil wir Menschen ein paar der möglichen Mechanismen erkannten oder glaubten durchschaut zu haben, stellen wir immer wieder Theorien auf, die direkt oder latent den Menschen in den Mittelpunkt der Evolution stellen. Als wäre "der Mensch" tatsächlich die so gern zitierte Krone der "Schöpfung". Es wird auf hohem ideellen Niveau philosophiert und leicht dabei vergessen, dass wir als Teil des Natursystems ein abhängiges Individuum sind, das im Falle 'Mensch' einer sozial eingestellten, also fürsorgenden Gemeinschaft bedarf. Denn das (menschliche) Individuum wurde einst in seine Bindungsgruppe hineingeboren und verblieb in der Regel in diesen Lebenszusammenhängen bis zu seinem Tod. Diese Grundeinheit einer naturgemäßen und damit artgerechten Fürsorgegemeinschaft ist eine Spezialität der Spezies Mensch und seines Lebenskontinuums ... ich nenne diese Grundeinheit: Das Matrifokal.

Das Grundmuster des menschlichen Arterhaltes (in dem der notwendige Selbsterhalt integriert ist) finden wir nun mal in der Matrifokalität, welche auf ein Naturgeschehen, die Female Choice setzt. Matrifokalität bedeutet Matrilinearität und Matrilokalität als Basis vereint und diese beiden Begriffe sind hier nicht kulturell und gesellschaftstheoretisch zu verstehen, sondern als ein Ausdruck des konkreten evolutionsbiologischen Daseins. Wir können es noch in den wenigen Gemeinschaften finden, die salopp „Matriarchate“ genannt werden. Das sind aber keine politisch konzipierten Kleingesellschaften (so sie wie heute klassifiziert werden), sondern sie gingen aus den artgemäß homogen gewachsene Bindungs- und Fürsorgegemeinschaften hervor - mit einem Wort, es sind Muttersippen. Hier gab es keine (kontrollierenden und Einfluss nehmenden) Väter, sondern Söhne und Brüder im gemeinsamen Kontinuum.

Die heutige flüchtige Art mit Theorien umzugehen veranlasst mich noch zu einem Nachtrag:
...wir sollten uns abgewöhnen "Mutter Natur" Absichten und Ziele zu unterstellen oder in unseren Formulierung 'die Evolution' wie ein handelndes und denkendes Phänomen zu postulieren, das womöglich noch eigene Interessen verfolgt. Als 'Evolution' bezeichnen wir u.a. die unwillkürliche Entwicklung des sich selbsterhaltenden Systems organischen 'Lebens', das zwischen den vorhandenen energetischen, chemischen und physikalischen (anorganischen) Parameter (die ebenfalls als Natur bezeichnet werden), stattfindet und sich ununterbrochen im Lebewesenuniversum unseres Planeten gegenseitig beeinflusst. Das Prinzip der Evolution ist das was auch die Chaostheorie thematisiert, dass sich innerhalb einer Komplexität mit jedem „Flügelschlag eines Schmetterlings“ ständig das Gesamtsystem graduell abwandelt und sich somit in einer ständigen durch nichts zu kontrollierenden, absichtslosen Veränderung befindet.

(ein wiederholter und etwas umgearbeiteter Beitrag vom Mai 16)

* siehe auch hier: Gabriele Uhlmann...
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