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02 Juli 2014

meine Freundin Renate - Kindheit, die Zweite...

Renate, 60 Jahre her – sie war eine meiner kleinen Freundinnen. Mit ihr spielte ich schon, noch bevor ich in die Schule kam. Renatchen war ein süßes Ding, etwa ein Jahr jünger als ich, aber viel lauter und frecher. Ihre Oma wohnte ganz in unserer Nähe in einem kleinen langgezogenen Haus mit einem großen Hof und Garten nach hinten raus. Die Oma war eine dünne drahtige Person mit einer tiefen rauen Stimme, die ohne Unterlass eine Zigarette nach der anderen rauchte. Renate hielt sich manchmal wochenlang bei ihr auf. Über Renates Mutter waren per Dorfklatsch wilde Gerüchte im Gange, aber leider schienen die alle übertrieben, denn eines Tages wohnte meine Freundin wieder bei ihr in der Stadt. Dann sahen wir uns nur noch in den Ferien und bald gar nicht mehr... 
nur immer auf dem Hof spielen wurde uns unternehmungslustigen Kleingören schnell langweilig und so verdrückten wir uns manches mal klammheimlich wenn die Großmutter im Garten werkelte. Hatten wir uns durch das große grüne, wackelige Tor geschlichen und die damals stille Dorfstraße überquert, spielten wir in der langen Kastanienallee, die sich durch das halbe Dorf zog... im Frühsommer konnten wir Maikäfer fangen, winzige Frösche in dem sumpfigen Graben hinter den alten Bäumen beobachten und im Herbst Säckeweise glänzend runde Kastanien sammeln....
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23 August 2012

...unser Garten

Unsere Familie, hatte auch einen Schrebergarten. Und in den Garten zu gehen bedeutete nicht, einfach nur mal eben um das Haus herum zu laufen, sondern das ganze Dorf zu durchqueren.
Neulich erst habe ich von dem Weg geträumt – die lange Kastanienallee entlang und ein Stück hinter dem Spritzenhaus links abbiegen, dann die Straße entlang bis hin zum Sportplatz. Um diesen Platz herum, vorbei an zwei drei netten Häuschen wieder links um die Ecke. Da kam auch schon die Straßenbrücke über die Schmale Gera mit dem wenig sicheren Metallgeländer und nach dem Überqueren war man auch schon da. Zwischen der rechterhand liegenden Mühle und dem linkerhand liegenden verwilderten Ende des Gärtnereigrundstückes befand man sich am Dorfrand, wo Gärten allmählich in Felder übergingen. Zwei Seiten unseres Gartens bildetet eine Ecke der Straßenkreuzung und bei deren Überqueren stand man direkt vor unserem Gartenzaum.

Es war ein Nutzgarten, wie er in der Nachkriegszeit geschätzt wurde. Mit Platz für Kartoffeln, jede Art von Gemüse - vom Kohlrabi über Tomate bis Grünkohl und ein paar Obstbäumen. Das war kein Garten um sich zu erholen und spielen, dort wurde gearbeitet. Doch kleinerweise empfand ich diese Arbeiten, in die ich immer irgendwie mit eingebunden wurde, auch als Spiel. Ich konnte in der Erde wühlen, Regenwürmer ärgern, Steine sammeln, Erdbeeren ernten - eine in die Schüssel und eine in den Mund – und wenn es mir zuviel wurde, mich mit meiner Puppe hinter den Johannisbeeren verkriechen. In der Laube sitzen und lesen, das war erst später. Anfangs gab es sie nicht, unsere winzige Gartenlaube. Mein Vater hat sie später selbst gebaut - ein niedliches kleines Haus aus Holz, vorn mit schrägen Gittern, an denen sich Kapuzinerkresse hochrankte. So groß wie ein Buswartehäuschen und am Anfang vorn offen. Ein guter Unterstand bei Regen und mit Platz genug um einiges unterzustellen, damit nicht immer jede Hacke und jeder Rechen zwischen unserem Zuhause und dem Garten hin und her gekarrt werden musste...


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04 Juni 2012

on Air...



und ohne Sammeln geht es nicht ...



09 April 2012

Mitternachtsgedanken im April


Avatar ...
ohne Frage ein fantastischer Film, eine offensichtlich computertechnische Meisterleistung und selbst auf dem Bildschirm eines mittelgroßen Fernsehers noch beeindruckend. Der Entwurf der natürlichen Umwelt auf Pandora ist wild und mysteriös, ein urtümlicher Wald in zarte Farben mit vielen sanften Blautönen und Rosa und trotzdem Dschungelgrün. Aber wer, um Pandoras Willen, hat nur diese zum Erbrechen bekannten Darstellungen des sozialen und gesellschaftlichen Filmmilieu kreiert? 

Die erste Begegnung des Protagonisten (ein desillusionierter Held mit einer an Kadavergehorsam grenzenden Machobildung und einem sanftmütigen humanen Kern) mit einer einheimischen Jägerin, verläuft wie schon hundertmal variiert. Als er sie fragt, wer sie ist, habe ich als Antwort eigentlich „Pocahontas“ erwartet. 

Überhaupt geben sich die Na’vi alle wie übergroße blaue Indianer. Und zwar solche, wie wir sie von Karl May Verfilmungen her kennen, die aufgepeppt wurden durch Flugkünste aus Dinotopia und trillernden Tarzanschreie. Im Prinzip ist auf Pandora fast alles so, wie auf der guten alten, patriarchalen Hollywood – Erde. 

Die Tochter der Na’vi, ein menschenähnliches, indigenes Volk auf Pandora, hat einen Vater, der so was wie ein Kriegerhäuptling ist, während ihre Mutter als die spirituelle Führerin des Clan auftritt. Sie scheint auch als einzige den Grips zu besitzen, sich der Unterstützung des Fremden zu versichern in dem Kampf, der nicht mehr zu vermeiden ist. Wenn das Volk nicht untergehen will, sollte man seinen Feind, dessen Waffen und Taktik kennen. Schließlich hat dieses eingeborenen Volk der zerstörerischen Technologie der Fremdlinge von der Erde scheinbar nichts entgegenzusetzen. Sie brauchen den militärisch ausgebildeten Strategen, der weiß wie Feuer mit Feuer zu bekämpfen ist. Was dann auch letztendlich zu einem fragwürdigen Sieg führt.

Doch trotz des Sieges stelle ich mir vor, dass die Welt der Na’vi unwiederbringlich mit dem patriarchalen Gift der Gewalt und der Intrige, der dahintersteckenden Gier und Empathielosigkeit kontaminiert wurde. Was mag wohl der Baum der Seelen für die Nachkommen der Na’vi bewahren, nach diesem böswilligen Eingriff in ihre Welt? 
Dass es Wesen gibt, deren Denkungsart und Handeln sich über alles hinwegsetzt und der Kampf gegen diese gefühllosen Mächte alle Beteiligten in deren Sumpf mit hineinzieht?

Gezeigt wurde letztendlich das unerträgliche Klischee eines Heldenepos und ich habe den Eindruck der End - Kampf um das sogenannte Gute und die Gerechtigkeit wird immer härter, immer gnadenloser, zieht sich immer länger hin. Es ist alles erlaubt um die Gegner und zuletzt den gewissenlosen Bösewicht zur Strecke zu bringen. Interessant war auch, dass die Dramaturgie die beiden Erdenfrauen, die zu dem kleinen Trupp gehörten der den Widerstand unterstützte, im Kampf umkommen lässt, während dem Helden eine Transformation geschenkt wird, die ihn endgültig zu einem Angehörigen der Na’vi macht. 

Jedenfalls konnte ich den Film weder genießen, noch haben mich die spektakulären Bilder ausgesöhnt. Die Grundaussage war schrecklich bis deprimierend. Das patriarchale Grundmuster wird kompromisslos überall hinein transportiert und eine wirklich andere Welt, ohne eine Väterhierarchie und pseudoschamanischen Schnickschnack können sich die maskulinen Filmemacher einfach nicht vorstellen. 

Von den höllischen Gewaltexzessen, ohne die ein solcher Film heutzutage offensichtlich nicht mehr auskommt, will ich gar nicht mehr sprechen, nur so viel dass hier die beliebte Botschaft platziert wird: auch wenn wir alles zerstören, was essentiell und wertvoll ist und die bestehende Welt zu Grunde geht, es gibt immer irgendeinen Messias, der gerade soviel korrigiert, das ein paar Überlebende weitermachen können wie bisher!

Ich denke, ich muss dringend fasten: mindestens vier Wochen keine Blockbuster mehr!


17 März 2012

Komm lieber März und mache...


... die Bäume wieder grün. Was einst vom Mai erwartet wurde, lässt uns jetzt
 schon der März langsam zukommen. So dass wir ausrufen möchten: 
"Frühling lässt sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte ..."
Aber ist es wirklich schon so weit?
 An manchen Stellen ist alles doch noch sehr grau, trocken, häßlich und das verheißungsvolle Blau, ist wohl eher ein alter Müllsack!


Aber wenn wir uns umsehen findt sich doch hier und da eine liebliche,
eine hoffnungsfrohe Farbenvielfalt 
und wenn es nur auf den langen Tischen vor einer Gärtnerei ist...


und Goethe würde heute vielleicht nicht mehr reimen:
"...doch an Farben fehlts im Revier,
er nimmt geputzte Menschen dafür..."

Denn bunte Blumen stehen in und vor jedem Supermarkt, die Menschen 
allerdings kommen vergleichsweise eher trist daher...

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22 November 2011

Mein Freund der Baum

...ist tot. Er fiel im frühen Morgenrot...

wer kennt es nicht, das berühmte Lied, dass Alexandra einst gesungen hat. 
Und wer kennt nicht den Schmerz, wenn eine vertraute Baumfreundin plötzlich nicht mehr da ist, weil eine Säge sich kreischend ins Holz gefressen und eine Astschere den gefallenen Stamm verstümmelt hat. 
Ja, ja, ich weiß - der Kreislauf der Natur, alle müssen einmal sterben, nichts währt ewig - aber mein Herz schmerzt bei dem Gedanken, dass diese vertrauen Lebewesen vor meinem Fenster eben einfach nicht mehr da sind und ich mag auch die Tränen nicht zurück halten. 
Gut dafür gibt es demnächst keine tränenden Augen mehr, weil die Hasel blüht, aber auch keinen süß duftenden weißen und zartlila farbenen Flieder vor dem Badfenster, Und das stolze Bäumchen, an dessen Stamm die Eichhörnchen auf und ab flitzten, mit ihrer Haselnussbeute? Keine Spur mehr von ihm...wie war doch der Schluss von dem Lied, dessen Text ich nie vergessen habe?


...vielleicht wird es ein Wunder geben

ich werde heimlich darauf warten

vielleicht blüht vor dem Haus ein Garten

und er erwacht zu neuem Leben.

Und ist er dann auch schwach und klein

und wenn auch viele Jahre gehen -

er wird nie mehr derselbe sein...


das gibt es nicht mehr...!

09 November 2011

mein Alltag

... ist in letzter Zeit hier im Blog etwas zu kurz gekommen. 

Also diese hochwichtigen Fragen: Was tue ich wann und warum, wohin fließt meine Aufmerksamkeit und wie geht es den Kindeskindern, blieben unbeantwortet.


Schwestern im Baum

Letzteres zuerst - ... den Enkelkinder geht es soweit recht gut und einige von ihnen sind inzwischen aber so was von Teenager. Die jüngste im Bunde ist jetzt ein Jahr alt und drei vom Jahrgang 1998 wachsen mir gerade über den Kopf...

Aber kommen wir zu der Tatsache, dass mein Posts nur noch sporadisch und spärlich fließen...

Diese andauernde Zurückhaltung hat einen Grund, heißt Mütter - Gruppe auf Facebook, macht Spaß und gibt mir Gelegenheit mein allgewaltiges Lieblingsthema Großmütter-Mütter-Töchter auf einem anderen Level zu bearbeiten. An dieser Stelle möchte ich gern weiterhin alle Mütter, Großmütter und Töchter dazu einladen!



Ich wünsche allen 

einen schönen bunten Herbst 

mit Sturmgebraus und Blätter rieseln 

 Nebelschwaden und 

stillen kühlen Nächte...

27 Juni 2011

... neulich übers Land gefahren

durch üppig grüne Ländlichkeit
















vorbei am Elbe-Seiten-Kanal













 
durchs Nadelöhr geschlüpft
und jetzt aber schnell nach Hause!














































12 Juni 2011

Pfingsten






Allein auf sandigen Wegen...










vorbei an sonnigen Wiesen...





blicken auf stille Wasser






und zurück nach Haus!




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25 April 2011

Freud und Leid


Mein Küchenschnittlauch gibt sich hier als Ostergras aus und die Körbchen hat der Osterhase immer noch nicht versteckt




 .... und was hatte ich vom traumhaft schönen Osterwetter? 
Niesen, entzündete Augen und Schnuffeln den ganzen Tag. 
Rings um grünt und blüht es, was auch bei geschlossenem Fenster wirklich sehr schön aussieht...



15 April 2011

unsre kleine Stadt...


Anruf vom Schwiegersohn ...Redakteur bei der Lüneburger LZ... das Haus in dem ich einst wohnte, brennt! Feuerwehr ist vor Ort und die ersten Bilder vom Einsatz wurden mir auch schon gemailt. Leider kann ich diese nicht verwenden, da sie vom Fotografen der Landeszeitung geschossen wurden.

Also habe ich schnell noch ein Foto aus besseren vergangenen Tagen heraus gekramt!



... so nett sah das Haus aus, als wir im ersten Jahr dort lebten ... dann, zehn Jahre weiter zerstreute sich die Familie in alle Winde und mich verschlug es ins Rheinland!



... die Mini-Korkenzieher-Weide, war bei meinem Auszug so hoch wie das Haus.

Ach ja, jetzt wohnt dort ein Lehrer von Helenes Gymnasium... nun sind Abiturarbeiten seiner Klasse vernichtet worden und müssen von den bedauernswerten Schülern wiederholt werden... wahrscheinlich gibt es grad ein paar Nervenzusammenbrüche!

Ist das nicht schön, wenn frau alles so aus erster Hand erfährt...

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10 April 2011

Durchbruch

 


Na bitte, geht doch und Ostern wirft auch schon seine bunten PlastikEierSchatten voraus...




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22 März 2011

Frühjahrsäquinox














Die Winterprinzessin

freut sich über 

den Frühling...

















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27 Februar 2011

Natürlich


Als Kind liebte ich mein Buch Waldmärchen
Zauberhafte und mit Sagen vermengte Geschichten, die im Thüringer Wald angesiedelt waren. Märchen wie, Die Binsenhexe, Das vertauschte Kind oder Der Gläserne Krug, führten mich, Hand in Hand mit Bärbelchen Goldhaar, auf geheimnisvolle Pfaden, an Holzmeilern vorbei,hin zur Wohnstatt der Quellenjungfer und den Moosweibchen, durch den toten Wald und mit grausem Gelichter auf den Fersen …




Doch obwohl ich in Thüringen groß geworden bin, ist mir der richtige, der tiefe, Wald eher unvertraut geblieben, nur meine Ehrfurcht davor habe ich bis heute bewahrt.

Der deutsche Wald ist ja heuzutage, wie ich neulich aus einer ZDF Sendung erfahren habe, hauptsächlich eine Art großes Gemüsebeet mit Langzeitwirkung. Nur ein ganz kleiner Prozentsatz des Waldes in Deutschland ist unberührt - darf tun und lassen was und wie er will. Ansonsten wird der Wald schon seit Jahrhunderten bewirtschaftete und gesteuert und monokulturell verhunzt. 

Die „wilde“ Natur mit der ich als kleine Steffi Stephanie aufgewachsen bin, befand sich nur in ganz unbedeutenden Nischen, die mir heute noch in liebwerter Erinnerung sind. Sonst begegnete mir nur die gezähmte Natur. In meiner Kindheit gab es um mich herum, trotz ländlichem Ambiente, nicht wirklich etwas Unberührtes. Über weite Flächen und zwischen Hecken und Zäunen, wuchs und grünte nur, was der Mensch erlaubte und was er für seine tierischen Leibeigenen brauchte. Begradigt, zerstückelt, eingefasst. 




Hatten wir, die Älteren, dereinst schon kaum noch Zeit für ursprüngliche Erfahrungen in normaler freier Natur, wächst heute das Durchschnittsstadtkind in unglaublicher Kargheit auf. Auf mehr oder minder gepflegten Spielplätzen, auf überschaubaren platten Schulhöfen, in beaufsichtigten Kletterparadiesen. Natürlich könnten wir auch alle in die Alpen ziehen oder an die See oder nach Meckpomm, aber wer tut das schon und warum auch. Nur um von früh bis spät ins weite Grüne gucken zu können?

"Der Mensch" bemüht sich die Natur zu zähmen, das heißt, "er" will sie zwingen, ihm zu Willen zu sein. Er selektiert, behindert, vergiftet und rottet aus, da er jedoch ein Teil der Natur ist, gräbt er sich selbst die Gruben, in die er ständig fällt (und trotz alldem wächst unsere Spezies noch zahlenmäßig an).



Wer einen Garten hat, kann sich glücklich schätzen, der kann sich wenigstens der Illusion von Natur hingeben. Eine Freundin von mir hat einen netten kleinen Schrebergarten, den ich richtig mag. In dem kleinen Teich konnten die Kinder und ich schon Fröschlein beobachten, es gibt geheimnisvoll verwachsene Ecken und für den Weg vom Gartentor bis zur Laube bräuchte man manchmal eine kleine Machete. Aber von Zeit zu Zeit wirft auch der Schrebergartenvorstand einen strengen Blick über den Zaun und das üppig sprießende Grün muss gebändigt werden. Wildwuchs passt nicht in eine nette Kleingartenanlage. 

Allerdings bei aller Sehnsucht nach Ursprünglichkeit, setzt mich bitte nie in einem richtigen Wald aus. Da wäre ich Kleinstadtpflänzchen aber bestimmt völlig aufgeschmissen... 

 

05 Dezember 2010

Reif für die Insel


Jedes Jahr zur gleichen Zeit ziehen immer wieder viele Menschen um und zwar... 
auf die Weihnachtsinsel.

Sie besteigen eines der Boote, das sie nach dem Arkadien bringt, das verwunschen und doch so voller Leben ist. Dahin, wo die immer laute, anstrengende oder auch schreckliche Welt, in der sie sonst leben, möglichst weit weg liegt. Sie hoffen auf der Weihnachtsinsel den Ort zu finden, an dem alles anders und am liebsten alles besser ist. Wo, Fuchs und Hase sich Gute Nacht sagen, sich alle Menschen lieben und Friede auf Erden herrscht.

Die Weihnachtsinsel ist eines dieser seltenen Phänomene, die ab und zu oder auch regelmäßig, in Raum und Zeit auftauchen und nach einer Weile wieder verschwinden. Geheimnisvoll, unberührt und für manche unerklärlich. 

Wissenschaftler bemühen sich schon seit längerem das Wunder zu entzaubert. Sie behaupten, sie könnten exakt das Auftauchen der seltsamen Insel an Hand von Sternenkonstellationen, im Zusammenhang mit der Mondbahn und dem Vogelflug bestimmen und so die Lage und ihr Erscheinen genau errechnen. Was eigentlich die reinste Zeitverschwendung ist, denn lange bevor es diese eifrigen Wissenschaftler gab, kannte die Menschen schon die Weihnachtsinsel.

Die Weihnachtsinsel ist wie, wir uns alle denken können, recht beliebt. Einige der Weihnachtsliebhaber machen, wie Touristen, dort nur eine kurze Stippvisite, andere halten sich Jahr für Jahr wochenlang in den lieblichen Gefilden auf. Für sie ist es fast wie ein Zweitwohnsitz und sie nehmen dann möglichst das allerletzte Gefährt, um wieder ihren Alltag zu erreichen, bevor die Insel im Nichts verschwindet.

Die Weihnachtsinsel ist ein wunderbarer Ort. Ein Ort an dem sich Wünsche erfüllen und mancher Traum wahr wird. Er ist vielfältig wie nichts auf der Welt. Mit seltsamer, sich ständig verändernder Landschaft. Wir können dort durch Schnee stapfen und einen Schlitten hinter uns herziehen. Dann wieder kommen wir an Palmen vorbei, hinter denen ein Stall steht und um den sich Hirten und Schafe drängen. Die Luft ist erfüllt von lieblichen Klängen und Glockengeläut. Feuerräder kreuzen unsere Bahn, Yulböcke sehen aus dem Gebüsch und vorbeiziehende Engel streuen Sternchen auf die Wege und verteilen kleine Gaben. Die Wege sind von tausenden Kerzen beleuchtet und an den meisten der Koniferen hängen bunte Glaskugeln und Süßigkeiten. Für manche Menschen ist diese Insel das Kinderwunderland und für andere eine heilige Stätte.

Die Weihnachtsinsel ist unter recht verschiedenen Namen bekannt. Viele sagen einfach nur kurz und bündig Weihnacht oder bezeichnen sie als ihren Festplatz. Manchen nennen sie Yul, sogar Avalon und andere sind überzeugt, sie hieß schon immer Bethlehem. Das Faszinierende an dieser wunderbaren Insel ist, wir können ohne Visum einreisen, kommen und gehen wie es uns beliebt und uns dort bis zum Platzen wohlfühlen.

Obwohl, man hört immer wieder, ganz so friedlich, wie es sich manche wünschen, geht es auf dieser Insel, welche unbeirrt durch die Zeit schwimmt, nicht immer und überall zu. Ist ja eigentlich klar, wenn sich dort zur gleichen Zeit so unglaublich viele Menschen treffen und jeder für sich die idyllischen Plätze beansprucht, an denen er entspannte Tage verleben möchte, kann es schon mal eng werden. Das Beste wäre, wir streifen umher und suchten diese reichlich vorhandenen Nischen auf, in denen Einzelne, Jahr für Jahr, allein auf der Weihnachtsinsel sitzen und das nicht immer freiwillig. Aber egal, auch ich bin in diesem Jahr wieder reif für die Insel...




15 November 2010

Novembermitte


Wenn die Bäume nicht so leer wären, würde ich heute nicht an November denken.

Himmelblau mit weißen Streifen über mir, zarter Sonnenschein und... Rasenmähergeräusch?!? 

Aber das ist noch nicht alles!

Handwerker in der leerstehenden Wohnung der unteren Etage … unberechenbares Aufheulen von Bohrmaschine und Schwingschleifer, polterndes Umfallen von was auch immer, fluchtartiges Verlassen des Hauses der Restmieter. Jetzt ist kurzzeitig eine Pause, die Ruhe vor dem nächsten Kreischton...

Sweet November mit tristen Einschlägen und der Nachbar gegenüber hängt die erste Lichterkette auf...





04 Oktober 2010

Also wie ist das?


...Wähler wählen ein Parlament, damit sie sich nicht ständig um alles selbst kümmern müssen und statt dessen ihrer Berufstätigkeit nachgehen können. Dabei verdienen sie Geld und bezahlen Steuern. Von den Steuern werden Behörden, Bauvorhaben, Subventionen und vieles mehr finanziert.


Bauvorhaben, besonders große, sind für die Zukunft angelegt, damit es unsere Kindern einmal besser haben und sie noch flexibler werden, als wir es bereits sind. Daher ist es wichtig, dass in Stuttgart ein hochmoderner Bahnhof gebaut wird, von dem unsere Kinder, wenn die mal groß sind, dann noch schneller von A nach B kommen. Dabei ist es erforderlich, dass störende Bäume, die auch leicht als Symbol des Stillstands und der Immobilität verstanden werden können, gefällt werden.

Traditionsstätten der Beschaulichkeit und Ruhe, wie Parkanlagen und ähnliche überflüssige, gewachsene Strukturen, dürfen dabei vernachlässigt werden. So etwas beschließt das gewählte Parlament und teilt es auch irgendwann und irgendwie den Bürgern mit. Leider gibt es immer wieder Unverbesserliche, die sich in letzter Minute zusammenrotten und den Zukunftsschmieden ihre Vision und den Spaß verderben wollen. Uneinsichtig ketten sie sich an Bäume oder stellen sich, friedlich vor sich hintuckernden, Baufahrzeugen in den Weg. 


Das ist natürlich eine Ungehörigkeit, denn Widerstand gegen eine technikblitzende Zukunft ist selbst in einer Demokratie zwecklos.

Daher wird die von den Steuern finanzierte Polizei eingesetzt, um
schnell und gründlich all die uneinsichtigen Nörgler wegzuräumen, die einfach nicht begreifen wollen, dass im Hinblick auf die nächste Generation die Milliarden für einen Bahnhof besser ausgegeben sind, als für die Sanierung von Schulen und Bildung im allgemeinen...

Oder habe ich da was falsch verstanden? 



24 September 2010

Bäume und Träume


...noch träume ich
von
riesigen Wasserfällen
die donnernd den Kleinmut hinweg spülen
von
unendlichen Blumenwiesen
die ich in Jahren nicht durchstreifen kann
von
Bäumen groß genug
um ein Leben lang darin zu wohnen...


... Auszug aus meinem Gedicht "Aufbruchsstimmung", Bonn, Mabon 2004

Auf der fembio - Seite gibt es ein gutes Feminar zum Thema Bäume...


05 Februar 2010

Winter Ade - die Zweite


Da sitze ich und sehe zu wie der Schnee schmilzt. Ein hellblauer, grau gestreifter Himmel stützt sich auf die Tannenspitzen und die Birken rechts im Bild sehen so bedürftig kahl aus. In ein paar Wochen werden sie zartgrün herüber winken und Frühlingsgefühle verbreiten. Meine Topfpflanzen drücken sehnsüchtig ihre Blätter an die Scheibe. Wenn die Kälte und die Kühle gewichen sind, können sie sich jenseits des Fensterglases auf dem Balkon recken. Jetzt haben sie eher unangemessen warme Wurzelfüße von der Heizung, aber gleich gibt es einen Schluck aus der Gießkanne...

13 November 2006

Jahresneige

Herbstwind fegt durch unsere Straßen
Raschellaub in Gold und Braun
Kecke kleine Nebelkinder
Kannst du hinter Büschen schaun
Schokoladene Kastanien
Stoßen gegen meine Schuh
In dem sanften blauem Dämmern
Geht der Sommer leis zur Ruh
Herbst - was lieb ich deine Farben
diesen bunten Abschiedsstrauß
Sonnenschein mit leichter Wehmut
Tobend wildes Sturmgebraus
Und ein leichtes Geisterseufzen
Hexenflüstern, Feensang
In mondhellen Zaubernächten
Feiern wir den Jahresdank
Trag nach Haus den roten Apfel
Und die Hagebuttenfrucht
Zünde an die ersten Kerzen
Schmücke mich mit Herbstlaubduft


Eigentlich wollte ich mein wieder gefundenes Gedicht noch vor Samhain in den Blog setzen, aber das Wetter bringt mich ganz durcheinander. Der Garten sieht noch nicht wie November aus und ich hab heute noch eine extra schöne Rose geschnitten...