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20 September 2015

Rationalität versus Spiritualität und Fantasie

Liebe Freundin, in deiner Arrgumentation sind wir an dem beliebten Punkt angekommen die Spiritualität fein säuberlich vom rationalen Denken und Handeln zu trennen. Dem Spirituellen wird das Esoteriklabel aufgeklebt und diese Begrifflichkeit ins Irrationale verschoben. Ich frage jedoch zurück: ist Rationalität und Spiritualität tatsächlich ein Widerspruch? 

Beides sind imho Leistungen unseres Gehirns und unseres fühlenden Gesamtkörpers. Und auch wenn angenommen wird, die Rationalität, der denkerische Akt, ist kein Gegensatz zur "gefühlten" Spiritualität, wird doch meist einem von beiden eine höhere und damit bessere Qualtität zugewiesen. Je nach kultureller Ausrichtung und persönlicher Vorbildung. Dazu kommt, dass Spiritualität immer noch wie ein von außen kommender Zustand behandelt wird, etwas das außerhalb unseres Selbst vorhanden ist und das wir ablehen oder annehmen können. Das ist aus meiner Sicht eine Fehlinterpretation (der Begrifflichkeiten) oder zumindest ein ungenauer Ansatz.

Spiritualität ist imho die, einem jedem Menschen innewohnende Geistigkeit und somit in spezieller eigener Form in jedem Individuum vorhanden und verfügbar. Nur wird sie scheinbar nicht von jedem als solche identifiziert bzw. genutzt oder findet eine andere Bezeichnung.

Die modernen Formen der Erziehung und Konditionierung unterbrechen gern die Verknüpfung zum freien spirituellen Ausdruck der Menschen und die fühlende Verbindung zu allen „beseelten“ Wesen und Arten um uns herum. Statt dessen wird (im patriarchalen Kontext) unsere stets auf Empfang stehende Geistigkeit auf Ideologien oder die Wertekataloge erfundener Gottes-Einheiten gelenkt. Wenn also jemand glaubt, nicht "spirituell" zu sein, dann hat das vielleicht etwas damit zu tun, dass 'er' oder 'sie' bei sich selbst nicht wirklich angeschlossen ist, diese Art der individuellen geistigen Dimension verdrängt hat oder von Kindheit an so manipuliert wurde, dass statt den eigenen spirituellen Kosmos zu ergründen, darauf trainiert wurde andere Konzepte nachzubeten.

Die eigene Spiritualität nicht wahrnehmen, heißt auch sich der eigen Intuition zu verweigern oder (durch Konditionierung) nicht dazu der Lage zu sein zu spüren, was das geistige Innere ausmacht.


Es kann hilfreich sein über Spiritualität im allgemeinen nachzudenken, wir sollten aber davon ausgehen, dass sie die eigenkörperliche Variante ist, die unser immanentes Fühlen mit unserer Geistestätigkeit und unsere, sowohl spontanen wie auch willentlichen, Handlungen verknüpft. Wobei es ja heißt, so etwas wie den freien Willen gibt es nicht, da auf Grund unserer persönlichen komplexen Erfahrungslage die Entscheidungen in unserem Gefühlskomplex oder -zentrum bereits gefallen sind. Das sogenannte rationale Denken ist nur so etwas wie die Endausgabe in die bewusste Interaktion mit dem vorhandenen Nähefeld (Anwesenheit anderer Menschen und das sonstige lebendige Umfeld). 

Die uns eigene Spiritualität, also unsere persönliche innere Geistigkeit, ist das Koordinatensystem bzw. Erklärungsmodell der Weltwahrnehmung deren Mittelpunkt wir selbst sind. Das Gespür mit dem wir uns mit den lebendigen Wesen um uns vernetzen. 

Leider haben viele der uns umgebenden Phänomene (natürlicher onder kultureller Art) inzwischen einen Bezeichnungskatalog, der (uns) mehr verwirrt als hilfreich ist. Wenn wir bestimmte Verbindungen und Vernetzungen (manchmal nur diffus) wahrnehmen, gibt es heute keine Bezeichnungen dafür (oder darf es nicht geben), es sei die Naturwissenschaft kann endlich durch Messung und andere "Abhörtechniken" beweisen, dass zum Beispiel Bäume oder andere Pflanzenkomplexe lebendige (gut wussten wir schon), fühlende (ahnten wir bereits) und denkende (ach wirklich!) Wesen sind. Das sich nach außen bemerkbar machende Innenleben der Pflanzen (und Tiere) und unsere Beziehung dazu, nannte man bisher vielleicht Devas, Naturgeister oder Anderswelt. Diese rein geistige Vernetzung der Interaktion mit unserer Umwelt ist eine sprituelle Leistung, ein Ausdruck unserer Spiritualität.

Die/der Mensch verarbeitete alle Signale im Außen mit all ihren Sinnen und zwar in den Programmen: 'Intuition', 'Spiritualität', 'Fantasie' und einigen mehr. Es sind alles Überlebensprogramme, die evolutionierten Ausdrucksmöglichkeiten unseres Körpers, auch um das was in unserem ureigensten Innenleben abläuft, nach außen hin sichtbar werden zu lassen.

Oft wird Spiritualität und Religiosität in einen Topf geworfen und ich sage, sie sind überhaupt nicht identisch. In der Religiosität folgt man (von anderen) vorgedachten Entwürfen oder Ideologien und gebraucht die eigene Spiritualität um diese angebotenen Formen zu adapzieren und mit Leben zu erfüllen. Die christliche Nonne ist hier ein Beispiel dafür, wie sehr das eigne spirituelles Sein einer Frau in enge religiöse (und patriarchale) Vorgaben eingeschlossen sein kann - Nonnen dienen einem männlichen Vatergott und tun z.B. "Gutes" für die Armen; sie lindern Mangelerscheinungen und Grausamkeiten dieser Welt, die erst durch die Erschaffer der Vatergottheiten initiiert wurden und damit eben diese körperliche und geistige Armut über den Großteil der Menschheit  brachten. Hildegard von Bingen ist eine der (wenigen überlieferten) Frauen, die es geschafft haben ihr spirituelles Sein durch den Wust der Einschränkungen einer monotheistischen Religion noch hindurch schimmern zu lassen.

Liebe Freundin, du bist auf jeden Fall ein spiritueller Mensch, aber nicht weil du dir das "erarbeitest" hast, sondern weil du es schon immer warst. Das spirituelle Sein gehört zu deiner menschlichen Grundausstattung. Leider wird unser geistiger (erworbener) Reichtum und unsere ererbten (instiktiven, also 'gnetisch' angelegten) Fähigkeiten im Zuge der gesellschaftlichen Verformung (elterliche und allgemeine kollektive Erziehung, Schule, Mainstream), meist erst einmal zurück gedrängt, überschrieben und verschüttet. Wenn wir uns später frei machen von dem Druck der Verbildung, des Verbiegens und verschiedentlicher Verführung, legen wir automatisch, wenn es gut läuft, das Verschüttete wieder frei (manchmal mühsam). Es ist erstaunlich was da zu Tage treten kann und wie wir uns dann vielleicht wieder an die weite freie Welt unserer Kindheit anschließen.

Eine enge Verbündete unserer Spiritualität ist unsere Fantasie (vielleicht sind sie sogar identisch). Das bewusste, das verbindliche Tun, dass besonders uns Müttern zu eigen ist, ist eigentlich immer durch unsere Spiritualität (unsere innere Geistigkeit) unterlegt. Mütter handeln intuitiv und sie handeln dabei bewusst. Je mehr wir dem (intuitiven) Bewusstsein Raum geben, desto mehr kommen wir in unserer Mitte - in die symbolische Mitte unseres weiblichen Seins (Der Mann ist immer gern mitgemeint). 

Fantasie ist dabei ein (das) Werkzeug der Gestaltung und von unserer Mitte aus erreichen wir all die anderen „Fantasiebesitzer“, die uns umgeben. Fantasie ist die vorhandene Fähigkeit zur Abstraktion, das kreative Potential des Menschen, das Fühlen und Denken in Bildern. Bezogen auf unsere sprachliche und logische Leistung, auch Ideen genannt. Es ist unsere angeborene Vorstellungskraft, die innere Bilder, also eine, unsere eigene, 'Innenwelt' erzeugt... (siehe dazu auch Wikipedia u.a. Quellen).

Die Vorstellungskraft der jeweiligen Fantasie bezieht ihre Bausteine demnach aus den vorhandenen Erfahrungs- und Lernwerte, das heißt sie öffnet die „Schublädchen“ der Synapsen oder anders, sie greift auf die synaptische Effizienz der neuronalen Netze zu und somit auf unsere Gedächtnisinhalte, die aus einer schier unglaublichen unterschiedlichen Vielfalt bestehen und die niemals das Gleiche beinhalten können, wie die der anderen, neben uns lebenden Menschen. Vor allem die unbewusst gespeicherten Daten führen zu den erstaunlichsten Effekten und hier sind wir schon in der Dimension, die auch als Magie bekannt ist. Jedenfalls ist unser innerer Erfahrungs- und demnach individueller Wissen-Reichtum um ein vielfaches größer, als uns durchschnittliche Schulweisheit einreden will.

Und das ist das Fantastische an der Fantasie - aus all dem können wir unwillkürlich aber auch bewusst immer wieder neue Bilder und Ideen kreieren. Visionen kommen eher aus dem Unbewussten. Aber unsere persönliche Vorstellungskraft ist die eine Sache und das verantwortungsvolle Umsetzen und Handeln, die andere!

Somit ist Fantasie keine geheimnisvolle absolute Größe. Die Ausformung der eigenen Fantasie entsteht im Menschen im Laufe seiner persönlichen Entwicklung... sie ist die, einem jedem Menschen eigene, geistige Parallelwelt, in der sie/er sich nach Belieben aufhalten kann. So oder so, wir haben diesen geistigen, abstrakten Kosmos in uns, um zu überleben. Der Mensch ist vom ersten Moment der Zellteilung an ein absolut einmaliges (Menschen)Wesen, das einen Selbstwert besitzt. Da muss auch nichts oder wer, kommen und ihm seinen Selbstwert verleihen. Das Individuum Mensch ist in der Lage in seinem Geist ganze Welten zu erschaffen, ohne dass ein anderer davon etwas mitbekommt - das ist die konkrete Form der Anwendung der Fantasie. Denn wie gesagt, die Fantasie ist ebenfalls eine (körpereigenes) Instrument, die ureigene innere (virtuelle) Mal- und Gestaltungsfläche.
Wir besitzen also eine angeborene Vorstellungskraft und die Imaginationsmöglichkeit innere Bilder zu erzeugen, deren Umsetzung nach außen ein Jedes nach seinen Fähigkeiten und Begabungen Ausdruck verleiht - durch Sprechen, Tanzen, Singen, Malen, Musizieren, Erzählen, Kochen, Schreiben, Bauen, Natur- und Werkstoffen gestalten oder anderen Handlungen. All diese Strategien der Lebensbewältigung im zugewandten (Fürsorge)Gruppenalltag kannten und konnten wir schon an den Feuern der Steinzeit oder mehr oder weniger schon lange vorher.

Ein Kind (bzw. jedes Lebewesen) nimmt vom ersten Moment des Daseins alle es umgebende Eindrücke auf – die Signale unserer komplexen natürlichen Welt, in die es hineingeboren wird – es ist alles schon da - wir lernen mit jedem Tag mehr damit umzugehen (weißt vielleicht noch eine, welche inneren Bilder die eigene Vorstellungskraft uns als Dreijährige bescherte?). Was wir im Laufe der Zeit (an Eindrücken) sammelten, kommt zu dem in unserem Gehirn und in jeder Zelle unseres Körpers angelegten Fundus, unserer persönlichen „Erbmasse“, hinzu. Und wir fangen seit dem Mutterleib an auf unser üppig angelegtes Menschenpotential zuzugreifen. Eine unserer Befähigungen mit der Welt in Kontakt zu treten und in ihr mit all den anderen Menschen zurecht zu kommen, ist eben die Fantasie und/oder unsere Spiritualität. Sie sind unser Experimentierfeld, Rückzugsraum und unsere Probebühne. Die hier entstandenen Konzepte tragen wir in unserem Handeln und Verhalten nach außen.

Fantasie sowie Spiritualität findet im eigenen Kopf (Bilder) bzw. Körper (dazu gehörende Gefühle) statt und ist erst einmal keiner Beurteilung unterworfen, außer der eigenen. Zu meiner inneren Welt hat niemand sonst Zutritt. Erst wenn ich versuche mit meinen, mir eigenen Mitteln meinen Fantasien Gestalt zu geben, können andere diese wahrnehmen und von ihnen entzückt sein oder sich abwenden. Heute verfügen wir Frauen  über viele Freiräume uns angemessen und gemeinschaftsoerientiert auszudrücken (bezogen auf unsere gesellschaftskulturelle Ortung), was in der langen Zeit des Patriarchats nicht immer so war und noch ist. Das Wichtigste für jedes Kind, das anfängt sich seine Welt zu erober,  ist ihm Zeit und Raum zur Verfügung zu stellen und die Möglichkeiten zu bieten die inneren Bildern der Fantasie den passenden gestalterischen Ausdruck zu verleihen.

Außerdem - die Kraft der Fantasie muss nicht per se gut und schön sein. Nicht umsonst gibt es Worte wie „Gewaltfantasien“ oder „fantasielos“. Unser eigener innerer Wertekompass, die Fähigkeit sich mit 'richtig' und 'falsch' auseinander zu setzen sowie unser empathisches Empfinden, nordet die Ausdrucksformen unserer Fantasie und unserer Spiritualität ein. 

Die Fantasie ist stete sich ergebende Hochrechnung und Neukombination aller gesammelten Erfahrungswerte. Sie ist die innere Bühne auf der unser eigenes Stück läuft und wir wenden die Elemente der erlebten, eignen Erfahrungen und unserer Grundausstattung an. Eine meiner Theorien dazu ist auch, unsere (positiv performten) Fantasien erhalten uns "gesund" und am Leben, wenn die Alltagsumstände ein glückliches oder zufriedenes Leben vielleicht gerade verhindern. Als Lebewesen steuern wir immer Wohlbefinden an und dazu wird alles aufgewendet was uns zur Verfügung steht, es ist ein evolutionärer Effekt des Selbsterhalt. Alles was wir als Menschen können, uns als Spezies angeeignet haben, entspringt und fließt in die Kombination Arterhalt durch Selbsterhalt. Und das was wir rationales Denken nennen, ist eine Kombination aus all unseren inneren geistigen Möglichkeiten wie die Kraft der Spirtualtät oder eben auch die Fantasie...

Stephanie Ursula Gogolin
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17 Juli 2014

Der Sinn des Lebens...


oder die Sehnsucht nach dem höheren Sein...

Sinnsuche ist uns Menschen eigen und eine der Triebfeder unserer Existenz - so scheint es. Ein Dasein, das morgen schon abrupt enden kann, ist manchen bei weitem nicht genug. Oder ihnen dünkt, das Leben ist ein Spiel und das kann schnell vorbei sein. Selbst in unserer heutigen Zeit, da die Durchschnittsbevölkerung ein hohes Alter erreichen kann, wird das Leben als kurz angesehen. Da muss unbedingt eine Verlängerung her. Bis wir als Einzelperson unsere Gegenwart auf Erden richtig durchschaut und halbwegs im Griff haben, ist unsere Spanne an Zeit ja auch fast schon wieder um.
Dabei wollten wir doch noch so viel tun und lernen und uns verbessern und vervollkommnen. Vielleicht fiel uns endlich die entscheidende Erkenntnis zu und nun fehlen uns die Jahre und die Gelegenheit oder die Kraft diese für unser Dasein sinnvoll anzuwenden.
Da braucht manch einer einfach mehr Zeit und nicht etwa nur ein paar Minuten Nachspielzeit, sondern am besten eine Möglichkeit alles nochmal und nochmal zu wiederholen, quasi solange zu reinkarnieren, bis das perfekte Sein für uns dabei herauskommt. Die christliche Vorstellung feuert den Menschen an, sich mittels Tugendhaftigkeit während seiner Erdenspanne den himmlischen und damit ewigen Lohn zu verdienen. Blöd ist nur, wenn man dann trotzdem in der Hölle landet. Daher ist vielen die Variante des abgeschlossenen Jenseits zu
unsicher und daher zu unattraktiv. Die Menschenseele möchte mindestens eine zweite Chance, noch besser mehrere.
Das Hoffen auf eine unendliche Abfolge von zu korrigierenden Variationen des eigenen Seins, eine Art Lebenszeitschleife meines höheren Selbst, ist eine der beliebten Lösungen. Diese Vorstellung beruhigt das Menschenwesen, das inzwischen weiß, dass es nicht perfekt ist, dass vieles schief gehen kann und dass nicht jeder Einzelne ein langes und erfülltes Leben genießen kann. Ein für alle mal nur ein Leben zu haben ist für keinen ein leichter Gedanke.
Unser Geist erschafft, erforscht, gestaltet unzählige Vorstellungen von möglichen Seinsstufen in den wir uns virtuell bewegen, unabhängig von der realen Welt in der sich unsere körperliche Manifestation bewegt. Da lassen wir unsere materielle Hülle im Alltagstrott oder in leidvollen Zuständen einfach zurück und träumen uns eigene Welten und bewegen uns in phantastische Räume und Imagination. Und wenn wir darüber schweigen, wird nie ein anderer Mensch je davon erfahren.

Das Mysterium 'Leben' selbst ist eine gigantische vielfältige Kraft, die wächst und wächst, sich variiert aber nie wiederholt. Es gibt, soviel ich weiß, keine Schablonen oder Matrizen, die immer Gleiches hervorbringen, es ist bestenfalls ähnlich. Es gibt keine identischen Lebewesen oder vollkommene Kopien. Für mich ist es ein faszinierender Gedanke, dass jedes Lebewesen, klein oder groß, ein absolutes Unikat ist. Bei all der Artenvielfalt und -ähnlichkeit auf unserem wunderbaren Planeten sind doch alle als Individuum einzigartig.
Aber trotzdem sind wir, als Menschen und so ist es auch bei anderen Arten, niemals "Einzelkämpferinnen". Viele Arten leben in mehr weniger großen und in mehr oder weniger geschlossenen Verbänden und darüber hinaus sind alle symbiotisch in dem sich selbst organisierenden und balancierenden Ökosystem miteinander verbunden. Und die viele Jahrtausende zurückreichende lebendige Komplexität, die wir in jeder Zelle tragen, führt zu Nachkommen und diesen reicht der Mensch auch sein erworbenes Wissen weiter.
Unseren Erdball überzieht ein fantastisches lebendes Gewebe, in einzigartige Schönheit und geheimnisvoller Varianz. Ein Phänomen, dass uns immer wieder wie ein tiefer Zauber anmutet und doch nichts weiter ist, als der Impuls des Lebens, der sich einst vor langer Zeit in Gang gesetzt hat.
Dieser Lebens- und Arterhalt ist mir persönlich eigentlich als das wirkliche 'Höheres Selbst' genug. Ich bin Teil eines überwältigend großen Ganzen und transportiere mein mir anvertrautes, von den Ahninnen überliefertes Potential und das von mir erworbenes Sein durch die Zeiten...
das muss nicht immer gut gehen, so wie wir Menschen es immer wieder hoffen, denn wie sagte auch schon Erich Kästner:


„Wird's besser? Wird's schlimmer?“, fragt man alljährlich.
Seien wir ehrlich: Leben ist immer lebensgefährlich.


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24 Juni 2014

traditionell

Heute morgen bin ich über einen Artikel zum Thema Rituale von Ulrich Greiner gestolpert und fand darin den Satz: "Man kann die Moderne als den Versuch beschreiben, ohne Tradition auszukommen und sich dem jeweils Neuen zu verpflichten."

Ist das so und was sind uns Traditionen wert?

... wenn von Traditionen und Konventionen die Rede ist, dann wirft man meist nur einen kurzen Blick in die Vergangenheit. Und wenn ein eher konservativer christlicher Abendländler die Historie betrachtet, schafft er es meist auch nur ein paar Jahrhunderte weit. Als gäbe vor der Kultur der Christenheit keine von menschlichen Gemeinschaften gestaltete und erlebte Vergangenheit, wird das aktuelle mitteleuropäische Brauchtum zur (einzigen) Tradition erklärt. Die Rituale der christlichen Kirche scheinen dabei aus dem Nichts zu kommen (obwohl wir es bereits besser wissen) und sie garantieren den Benutzern opitimalen "spirituellen" Nutzen. Aber das tradierte und christlich aufgerüschte Volksbrauchtum fragt sehr wohl heute wieder nach seinen Wurzeln...

Die SommerSonnenWende - der längste Tag und die kürzeste Nacht des Jahres - ist wieder ein gerngefeiertes und vielbeachtetes Naturereignis. Und das nicht ohne Grund - es war und ist eine traditionsreiche Festzeit, die interessanterweise in der umfangreichen Feierkultur des Kirchenjahrs keinen direkten Niederschlag findet. Ähnlich dem sinnenfreudige Fest Anfang Mai, heute als Beltane oder Walburgisnacht bekannt, wenn um den Vollmond das Frühjahr seinen klimatischen Hochpunkt erreichte. 

Welche Rituale auch immer rund um und während der alten Feste stattfanden, fast immer ist Feuer eine  Bestandteil der Gebräuche ... verliebte Paare springen Hand in Hand über das Sonnenwendfeuer, es gibt noch immer die Osterfeuer und in manchen Gegenden wurden zu verschiedenen Gelegenheiten Feuerräder zu Tal gerollt. An der Küste gibt es noch das Biikebrennen, wir stellen Lichter in ausgehöhlte Kürbisse und die Weihnachtszeit, welche als Quellcode die WinterSonnenWende hat, ist traditionsgemäß Kerzenzeit ... uraltes Brauchtum ist immer noch unglaublich vielfältig erhalten und nicht alles konnte von der christlichen Umgestaltung übertüncht oder gar ganz ausgelöscht werden...

so bilden sich auf den Relikten alter Bräuche immer auch neue Rituale. Vielleicht führt das Leben, bezogen auf die Natur, uns ohnehin immer wieder in den altbewährten zyklischen Ablauf, in unseren bunten Jahreskreis...

































Wolf Dieter Storl sagte in einem Vortrag: "... Rituale sind archaische Techniken, die Dinge bewegen, die den Geist bewegen, die die Seele bewegen, die auch eine Wirkung haben...


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01 Dezember 2013

I love you

Für das eigne Handeln Verantwortung übernehmen sollte zum guten Umgang mit der Welt gehören. Und ebenso für das, was ich sage und vor allem, wie ich es sage. Wir sollten uns da nicht herausreden, mit so Plattitüden, wie: selber schuld, wenn du mich falsch verstehst, ich hab es nur nett gemeint. 
Wenn ich falsch verstanden werde, liegt es manchmal auch daran, wie ich kommuniziere. Und dann ist vielleicht eine kleine Erläuterung fällig. Gegenseitiges gutes Verständnis passiert selten von ganz alleine und bedarf immer wieder der Nachbesserung. Gerade dieses „wie“ ist hierbei nicht unerheblich. 
Das kennen wir alle, da laufen zwischen zwei Menschen so Insider-Geschichten, die scheinbar lustig daher kommen, aber wie Scharmützel anmuten. Das mag im geschützten Raum noch angehen und wenn beide am Ball bleiben, klärt sich eines Tages die vertrackte Angelegenheit.
Oder auch nicht.
Aber wie ist das, wenn der Schlagabtausch in die Öffentlichkeit verlagert wird?
Wenn eine die andere aufzieht, wegen einer angeblichen Schrulle? Oder gar dem Fehlen einer solchen? Nur weil sie auf bestimmte Dinge oder Angelegenheiten einfach nur eine andere Sichtweise hat oder einen anderen Umgang pflegt. Ihr möchtet ein Beispiel dazu?

Angenommen eine von beiden mag Teddybären und besonders einen, den sie ausgesprochen gern hat. Sie schleppt ihn den ganzen Tag mit sich herum und nimmt ihn sogar mit ins Bett. Sie versteckt ihn nicht, wenn andere in ihre Wohnung kommen. Aber sie spricht auch nicht ständig über ihre Teddyliebe. Das ist für sie einfach ganz selbstverständlich.

Die andere mag auch Teddybären, viele sogar und sie hat sie dekorativ in ihrer Wohnung verteilt. Sie sammelt sie und ist stolz darauf. Sie strickt ihnen Höschen oder Jäckchen und reiht sie auf Regalbretter. Dabei meint sie, so und nicht anders müsste man Teddybären behandeln. Sie glaubt alles über Teddys zu wissen. Und da sie den Teddy der anderen noch nicht zu Gesicht bekommen hat, glaubt sie immer wieder, sie müsste diese von Teddys im Allgemeinen und von richtiger Teddyhaltung im Besonderen überzeugen. Das kann sogar zu schmerzlichen Missverständnisse führen, wenn zwei zwar Teddybären mögen, aber der Umgang mit ihnen und die dabei erlebte sinnliche Erfahrung gravierend unterschiedliche ist.

Also ich liebe meinen Teddy, von ganzem Herzen und respektiere alle Teddys dieser Welt und ihre Besitzer.



28 Juni 2013

Finden

Wenn ich mich selbst entdecken will, muss ich mein eigenes Land betreten. Solange ich mich in den Welten der Anderen aufhalte, ihren Pfaden folge und aus ihren Brunnen trinke, werde ich den Weg zu mir, in meine Mitte, nur schwer finden. Es ist heute in, dass Frauen ganze Berge an Literatur auf ihrem Nachtisch stapeln und jederzeit betonen, was und wen sie gerade lesen und unbedingt noch lesen müssen. Es ist der nur zu verständliche Drang, sich an das verlorene (weibliche) Wissen anzuschließen - aus dem diffusen Ahnen ein wirkliches Erinnern werden zu lassen - die reale Ahnin in uns zu erwecken, sich selbst in jeder Minute des Seins zu spüren und heil zu werden. 
Das Suchen nach der Identität innerhalb der verschütteten weiblichen Dimension, ist ein starkes Anliegen vieler Frauen. Aber wir setzen uns nicht mehr Tag für Tag zusammen und reden ohne Unterlass über Alltagskram, Gedankenflüge und Gefühlsexplosionen sondern greifen zu den Mitteln der heutigen Zeiten - wir lesen und verlagern den Austausch in die neuen virtuellen Welten. 
Ich selbst bin auch nicht frei von diesem Trend, denn auch ich lese viel und sammle gern von meinen lieben Mitmenschen zu bestimmten Themen deren Buchgefasste Meinung. Und natürlich freue mich über jede Übereinstimmung. 
Doch eines schönen Tages stellte sich von selbst bei mir, der für mich entscheidende Moment der Erkenntnis ein – ich suche nicht mehr und schon gar nicht in den Gefilden der Anderen - ich bleibe bei mir und zwar betrachte die Meinung anderer und finde so auch die Energie, die zu mir passt, doch meine Anfälligkeit für guristische Einflüsse ist wohl endgültig vorbei.
Lernen, Erkennen und Entdecken ist ein persönlicher Prozess – weil alles schon da ist und ich nur noch die Fäden verknüpfen und verweben brauche, die meine Sphäre vollenden.
Ich unterscheide nachdrücklich und konsequent das (komplexe) Wissen um das Wesen der Dinge und die Abläufe (Gesetzmäßigkeiten) in der Natur, von dem heute immer noch so hoch bewerteten Faktenwissen. Das eine ist die Ganzheit, das andere sind lediglich die Teile, deren Summe letztendlich doch kein Ganzes ergeben.


16 April 2012

Im ersten Stock kommt nie eine Katze vorbei


... derzeit liegt mein Blog ein wenig brach und ich starte den Versuch dieses zu ändern. Daher habe ich mich entschlossen ab und zu eine Art Themenwoche abzuhalten. Die erste Serie widme ich dem Thema Katze!

Im ersten Stock kommt nie eine Katze vorbei

Nicht, dass ich es wirklich vermissen würde, zumal ich diesen Schock den Meisen und Spatzen ersparen möchte, die sich in diesen kühlen Frühjahrstagen die letzen Körnchen auf meinem Balkon abholen. Der freie Blick in die Himmelsweite schenkt mir auch so manchen Ausgleich, neulich flog sogar ein Reiher vorbei.

Aber bei all den ebenerdigen Wohnungen, die ich in der letzten Jahren so hatte, war ich es gewohnt beim Blick aus dem Fenster ab und zu einer Katze ins Auge zu sehen. Mit einigen war ich, nein nicht befreundet, so weit würde ich nicht gehen, aber auf wohlwollende Weise bekannt, das trifft es eher. 

Besonders als ich noch in T. wohnte, gab es diese hübsche Schwarze, die morgens und abends unserem Garten einen Kurzbesuch abstattete. Ihre eine weißen Pfote leuchtete geheimnisvoll, besonders in sommerlicher Dämmerung. 

Ich saß dann an meinem Schreibtisch und sie vor der Sandsteinputte neben der pinkfarbenen Azalee und putze sich, während wir uns telepathisch unterhielten, was immer sehr anregend war. Ich lernte von ihr so manchen Zauberspruch und außerdem haben mich besonders ihre persönlichen Ansichten zur Magie und Reinkarnation fasziniert.

Schließlich interessiert sich nicht jede Katze dafür. Manche habe auch nur Mäuse oder leckere Katzenfutterdöschen im Sinn und Kater besitzen sowieso eher eine uninspirierte und pragmatische Auffassung von der Katze - Mensch – Beziehung. 

Aber diese eine war wirklich etwas Besonderes - eine echte Mittlerin zwischen den Welten. Von Zeit zu Zeit vermisse ich sie...




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16 März 2012

ausgeborgt...

Heute mal im Buchenhain die Befindlichkeitsliste ausgeliehen (auf Grund mangelder eigener Einfälle) und den gestrigen Tag bearbeitet:15. März 2012 - interessante Einsichten gewonnen:

Gegessen: 1 Scheibe Sonnenbrot mit Butter, Käsewürfel und Oliven, Nudelsuppe mit viel Gemüse, ein einsames Würstchen, das im Kühlschrank vor sich hin wartete, Cornflakes mit Milch, ein Flammküchle,

Getrunken: 5 Kaffee, jede Menge Leitungswasser, 1Glas Traubensaft

Gemacht: geschrieben, meine Schwester zu einem Termin gefahren, einen Behördengang erledigt, meine Küche geputzt, meinem Bruder (75) was im Internet herausgesucht, dazwischen telefoniert, Bett bezogen, Wäsche zum Waschen sortiert und... Vampierserie angesehen,

Gedacht: Alltagskram und an das tolle Chorkonzert vom Vorabend, bei dem Helene mitgesungen hat, nachgedacht über Hoffnung und Trennung und über Leben und Tod (eine Bekannte ist gestorben)

Geträumt: …von einem kleinen Klammertierspielzeug (es sah sehr niedlich aus), dass lebendig wurde und meinen Zeigefinger umklammerte und ich war so erschrocken, dass ich es abschüttelte, worauf es weg sprang und einen Bleistift in meinem Stiftebecher umklammerte. Eine Stimme neben mir sagte: Jetzt musst es aber auch behalten...!

Gefreut: ...dass die Sonne schien, ich keine Süßigkeiten gegessen habe und über ein knuddeliges schokoladenbraunes Baby, das im Kinderwagen in unserem Hausflur stand….

Gesehnt: nach Ruhe

Gesorgt: um einen lieben Menschen, obwohl sie schon groß ist und bereits ganz andere Probleme gemeistert hat

Geärgert: ….dass ich mich bequatschen ließ, die Telefonnummer einer Bekannten heraus zu geben....

Gehört: Dido: Here with me und Lennons: Imagine

Gewundert: ...dass es Menschen gibt, die offensichtlich kein Bedürfnis nach Ruhe haben oder vielleicht einfach nur jünger sind...

Was ist heute gut: …einem Unwissenden ein paar Zusammenhänge erklärt zu haben und dabei nochmal selbst auf eine gute Idee gekommen zu sein... und weil sich ein Termin in Luft auflöste, blieb mir heute eine schwierige Entscheidung erspart - verschoben auf morgen...

Was ist heute nicht so gut:….dass ich nur dazu kam, ein paar Kommentare zu schreiben und meine anderen Projekte schon seit Tagen vor sich hin modern...

Vorläufig festgelegt: ... dass ich meine Umzugsideen langsam angehe...

Gelächelt: beim Frühstück, beim Telefonieren, mit der Dame hinter dem Tresen, zu den Sprüchen meines Bruders...

Gelacht: ... mit meiner Schwester, als ich ihr von Helenes Konzert erzählte ...

Befinden: leichte Nackenschmerzen beim Aufstehen, verträumte Wolke im Gehirn beim Musik hören, zufrieden mit dem Tag...

Erinnert: ….an die schwierigen Zeiten mit Ehemann und wie sich das geändert hat...

Wetter: grau verhangen, später sonnig, gefühlte Temperatur angenehm...

Mond: nicht gesehen

Spirituelles: meditatives Staubwischen, mit einer Interessierten ein Ritual am Telefon besprochen... und meine Mitte aufgesucht!

Zufrieden?: Ja... auf einer Skala von 1 bis 10 eine glatte 9 mit Sternchen 

Einsicht des Tages: ...im milden Licht der Erinnerungen trocknen Tränen und wächst die Stärke angesichts der eigenen Entwicklung...
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04 Februar 2012

Erlösung

Wir suchen alle irgendwie Erlösung – ein Erlösen aus vielleicht unerträglichen oder auch nur ungeliebten Lebensbedingungen oder von, auf uns einwirkende, Unterdrückungsmechanismen. Erlösung von Leid und Schmerz oder das Erlösen von Schuld, welcher Art auch immer – ein Erlöser hätte also eine Menge zu tun.

Das bindende Grundkonzept der monotheistisch Religionen fußt auf einem geschickt angelegten Schuld – Bekenntnis - Sühne – Vergebung – Konzept. Und je nach Zeit und Mainstream wurde ein bestimmter Teil bevorzugt. Heute sind wir sozusagen bei der Vergebung angekommen. Im Prinzip gehen wir doch davon aus, dass der mündige und ethisch handelnde Mensch sogar den unzureichenden Sündenkatalog der Zehn Gebote hinter sich gelassen und meist individuell diese Gebote so modifiziert hat, dass es sich damit leben lässt. Kulturelle Absprachen aber auch bestimmte Tabus, gestützt auf ein verinnerlichtes Rechtssystem, lassen uns die nötige Bewegungsfreiheit im Alltag außerhalb der alttestamentarischen Vorschriften.

Zudem lassen sich zu jedem der zehn Gebote jede Menge Fragen stellen. Zum Beispiel wie: betrifft das Tötungsverbot auch Tiere und Pflanzen oder nur Menschen oder nur bestimmte Menschen oder gibt es einfach nur privilegierte Menschen, die den anderen sagen, wann das Gebot gilt und wann man es vernachlässigen kann? Denn seit der Steintafeln waren weder vor den Geboten noch vor Gott alle Menschen gleich. Wobei das Weib noch mal extra außen vor war bei der Sache mit dem Menschsein.

Als Kind saß ich Sonntags in der Kirche und hörte mir die gehirnwäscheartigen Wiederholungen an. Es waren derer viele und ein Popanz wurde besonders sorgfältig aufgebaut und auf die schlichten Gemüter losgelassen um für ein kollektives schlechtes Gewissen zu sorgen: Christus starb am Kreuz für die Erlösung von den Sünden der Welt. 

Anfangs fand ich das Leiden des Herrn zwar noch bedauerlich - doch was gingen mich die Sünden der Menschen vor 2000 Jahren an? Die Erlösung war erfolgt und damit hatte sich die Sache für mich erledigt. Es dauerte ein zeitlang bis mir klar gemacht wurde, dass der Mensch per se sündig ist, mit einer Erbsünde geboren wird und immer und ständig Schuld auf sich lädt. Selbst so ein kleines harmloses Mädchen vom Dorf in den Fünfzigern. Das Sündenkonto der Menschheit war damals lediglich auf 0,0 gesetzt worden und ab da musste ein JedeR für sich selbst sorgen um keine Sündenschuld mehr anzuhäufen. Ich kam also aus der Nummer mit der Sünde nicht mehr raus.

Die Sünde ist Ungehorsam gegen Gott und schließt alles ein, auch die Gedanken und Gefühle (entsprechendes, wenn auch harmloseres Sünden-Beispiel: ...was für ein Blödmann, wie ich den hasse!). Wenn die Religionsbetreiber es geschafft haben, die dazu nötige Selbstkontrolle bei den Gläubigen auszulösen, ist irgendwann nicht nur mein Denken und Fühlen, sondern der gesamte eigene Körper mein Feind. Der Mensch wird zur Marionette, an deren Fäden jeder ziehen kann. Es dauerte lange bis ich die Mechanismen wahrgenommen, durchblickt und mich davon erlöst habe.

Diese Haltung der präventiven Schuld prägt immer noch unsere Kultur und Frauen haben darin so was wie eine epigenetische Neigung zum „sich Schuldig fühlen“ entwickelt. Und auch ihr Hoffen auf den (persönlichen) Erlöser ist ungebrochen. Von der permanenten Schuld des Ungehorsams gegen einen Vatergott und dem Wahn einen Erlöser zu benötigen, können wir uns eigentlich nur selbst erlösen.


Dieser Post ist im Zuge der Kommentarbeiträge bei Antje Schrupp entstanden.

09 Januar 2012

Verständnis

Das Jahr fängt spät an, auf meinem Alltagsblog.
Manchmal ist es schwer aus der eigenen Mitte heraus all jene zu erreichen, die wie geschlagene Tennisbälle an mir vorbeizischen, abprallen und sofort in eine andere Richtung unterwegs sind. Kommunizieren durch Zurufe ist kein Gespräch, keine Unterhaltung. Das miteinander Sprechen ist heute nicht mehr so einfach. 

Vieles an Wissenserwerb findet heute über das geschriebene Wort statt. Früher
wurde zu Bewahrendes ausschließlich von Mund zu Mund weitergegeben. Aber Lesen macht auch schlau, wenn man damit umgehen kann. Doch bei der einseitigen Kommunikation des geschriebenen Wortes - wir nehmen die Gedanken einer nicht anwesenden Person auf - brauchen wir anschließend Zeit, das Gelesene zu reflektieren, zu verarbeiten. Aber gehen wir deshalb in den Dialog mit dieser Person? Höchst selten (ganze drei Frau kenne ich persönlich, deren Bücher ich gelesen habe). Vielleicht kreisen unsere eigenen Gedanken eine zeitlang in den Theorien oder Fantasien der Schreibenden. Ein Gespräch ist es nicht.
 
Das Sich-Austauschen hat moderne Formen angenommen. Das Telefonieren nimmt bereits einen großen Raum im Kommunikationsleben ein (in meinem jedenfalls). Aber auch hier ist es eine distanziertes Gespräch. Mimik und Gestik des Gegenübers entfallen. Einzig die Stimme vermag einen körperlichen Ausdruck, der für ein richtiges Gespräch so wichtig ist, zu transportieren. Ich versuche stets all meine Gefühlslagen in die Stimme zu geben, so dass für die Gesprächspartner meine oft sachlichen Formulierungen und Ausdrucksweise durch die Wärme meiner Stimme unterstützt werden. Wortwahl und -kombination der Inhalte eines Dialogs haben viel (oder alles) mit der eigenen Konditionierung, der Offenheit der Gedanken und der allgemeinen zeitgemäßen Umgangssprache zu tun. Trotzdem klappt eine Verständigung nicht immer. Manche haben einfach kein passendes Übersetzungsprogramm im Hintergrund laufen (ich wünsche mir oft, ein jedes hätte einen Babelfish im Ohr).
 
Einander nicht verstehen, hat jedoch nicht nur was mit der geschriebenen oder verbal geäußerter (Mutter)Sprache zu tun . In der Konfrontation mit einem anderen Menschen kann eine Fremdsprache nonverbal überbrückt werden - durch Handzeichen, Lächeln, Blicke, Körperhaltung, durch den Klang der Stimme - selbst wenn wir das gesprochene Wort nicht enträtseln können. Es ist jedenfalls hilfreich sich dem Gesprächsteilnehmer wohlwollend zuzuwenden, das Herz zu öffnen, bereit zu sein zu verstehen und im Miteinander kann es geschehen, dass Verständnis zur tragenden Energie zwischen beiden wird.
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15 November 2011

Worthülsen, Engel und Mütter

Worthülsen, so finde ich ist ein interessanter Begriff - inflationsartig angewendete Bezeichnung eines mainstreamigen Begriffs, der allen bekannt ist und unter dem sich doch jeder etwas anderes vorstellt...

...nun kenne ich derer ja viele: Liebe, Esoterik, Freiheit, Glauben, Frieden, vielleicht auch Patriarchat und Matriarchat! Es sind Worte, die wie Schlagzeilen im Raum stehen und jede weiß was sie bedeuten und hat doch deutlich andere Emotionen als die Nachbarsfrau bei jedem der Begriffe.

Das Problem kennen wir von allen abstrakten Begriffen, Worte die einen Zustand ausdrücken, der von allen völlig verschieden wahrgenommen wird. Um so größer ist dann unsere Freude, wenn wir mit anderen eine Übereinstimmung bestimmter Gefühlslagen feststellen. Ein abstrakter, ein ideeller Begriff, ist immer auch einer gewissen persönlichen Beurteilung unterworfen, im Gegensatz zu den konkreten Gegenständen oder den körperlich fühl- und sichtbaren Seinszuständen.

Als die Sängerin Nicole bei einem weit zurückliegenden Grand Prix über ein „bisschen Frieden“ sang, wurden Stimmen laut, die das „bisschen“ monierten – das gäbe es nicht: ein bisschen Frieden, ebenso wenig, wie ein bisschen Schwanger.

Ich bin war nicht der Meinung, denn Schwanger sein ist ein ganz konkreter biologischer Seinszustand, welcher allerdings von den Nicht-Betroffenen nur mit gefühlt, aber nicht erlebt werden kann. Wo hingegen Frieden, wie gesagt ein abstrakter Begriff ist, der an bestimmte äußerliche Bedingungen und eine jeweils empfundene Gefühlslage gebunden ist. Was ich beispielsweise unter Frieden verstehe, ist mehr als nur das maskuline Verständnis: zur Zeit laufen keine Kampfhandlungen.Meine Vorstellung von Frieden läuft mehr in Richtung von totaler Idylle. Ich denke, unter Frieden verstehen sehr viele verschiedene Menschen, sehr viel verschiedene Lebensumstände.

Doch gehen wir mal einen Begriff an, der so eine Art Zwischenphänomen bildet – wie Engel. Für die eine, ein durch und durch abstrakter Begriff, fern ab von empirischer Beweisbarkeit und für die andere eine selbstverständliche Existenz, wenn auch wissenschaftlich nicht wirklich nachweisbar, wie immer noch vieles auf der Welt.

Das Pantheon, der nicht materiellen Wesen, das uns Menschen schon immer umgab, gehört auch in unseren modernen Zeiten und vielleicht mehr denn je, zu unserem Leben als ständige Begleiter. Feen, Engel, Teufel, Elfen, Kobolde, Götter, Dämonen, der Osterhase und der Weihnachtsmann. Alle sind anerkannte Mitbewohner unserer Welt und gehören vor allem zum geistigen Kosmos des Menschen, obwohl ich nicht behaupten möchte sie seien irreal – da darf nun mal jede denken was sie will.

Menschenmütter hatten schon immer innige Beziehungen zu den Geistern der Natur und was wir selbst so überaus stark spüren ist nun mal auch eine Realität für uns. Wir können uns daher auch nicht wirklich unser besonderes Empfinden gegenseitig zum Vorwurf machen und auch nicht die guten Absichten, die von anderen Frauen vielleicht nicht so verstanden werden, wie sie gemeint sind. Da stoßen wir oft an die berühmte Sprach- und Definitionsbarriere.

Gerade die Verbundenheit mit der Natur, die von so vielen Frauen gleich oder ähnlich intensiv gefühlt wird, ist ein Muttererbe, eine Weitergabe unserer Ahninnen, eine Menschenkompetenz. 

Ich habe mit dem Begriff Engel auch so meine Probleme, da es sich dabei um ein, von diversen patriarchösen Religionen hoffnungslos vereinnahmtes Wort handelt. Aber ich kann trotzdem mit der gelegentlichen Aussage und Anwendung anderer oder ihren Auseinandersetzungen mit der Idee „Engel“, leben. Meine Mutter glaubte noch, dass mir als Kind ein Schutzengel beistand und ich finde ja, er hat gute Arbeit geleistet. Denn neben dem netten Engelchen, stand mir vor allem meine Mutter zur Seite ...

26 Juni 2011

Vor Zeiten, da das Wünschen noch geholfen hat


... ist eine der alten Märchenerzählformel wie auch „...und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heute!“ oder „...und sie lebten glücklich und vergnügt bis ans Ende ihrer Tage!“.

Der wichtigste Satz jedoch, wie ich finde, ist nach wie vor: „Es war einmal...“! 

Zeigt er doch am anschaulichsten wie Wissen über Jahrtausende hinweg weitergereicht wurde. Durch Sagen und Künden, durch direkte Mensch zu Mensch – Kommunikation. Das Wünschen als magischen Vorgang gibt es in vielen Variationen, unter anderem ist es uns vielleicht als Verwünschung geläufig. Darüber ließe sich eine Menge sagen und ich könnte überlegen, warum und weshalb, eine jemanden verwünscht. Vergeltung, die nicht in der körperlichen Auseinandersetzung stattfindet, sondern auf eine Metaebene verlegt wird. Aber mein Wunsch ist es, hier über das Wünschen nachzudenken.

Was ist Wünschen? Ein Verlangen, ein Bedürfnis, eben einen Wunsch äußern und darauf hoffen, dass ihn jemand erfüllt? Oder selbst eine Idee haben zur Verbesserung des Seins und sie, als Wunsch formuliert, in die Welt entlassen, um die Kräfte zu mobilisieren, die bei der Erfüllung des Wunsches behilflich sein werden. Ist Wünschen ein eher inniges Begehren oder nur ein hilfloses Hoffen?


Das wahre Wünschen fällt unter die Magie des Alltags. Frei von Zweifeln, der eventuellem Konsequenzen bewusst ließen die Weiber der Vergangenheit ihre Wünsche aus ihren Bedürfnissen heraus Gestalt annehmen... sie sprachen darüber, sie besprachen sie, sie setzten die Assoziationskette in Gang, die Kräfte und Energie in Bewegung setzte. Das selbsttätige Gestalten ihres Lebens, des Alltags, war Frauen einst nicht nur selbstverständlich, ihre Handlungen schufen die Grundlagen dessen, was uns heute Mensch sein lässt. Aus ihren Handlungen entstand ihre geistige Potenz.

Nun ist das magische Denken, das Wandeln und Hexen den Frauen über Jahrhunderte hinweg sehr nachdrücklich ausgetrieben worden und doch haben sie es nicht verlernt. Zurück blieb immer die Ahnung, das vererbte Wissen, die Sprüche und die Märchen. Dort hörten wir, dass es Zeiten gab, da das Wünschen geholfen hat. So schließt sich der Kreis, wir kommen wieder da an, wo wir drei Wünsche frei haben oder mit dreimaligem Rufen die Wirklichkeit wandeln können... und wünschen darf Frau immer und überall, sie sollte nur wirklich genau wissen, was sie sich wünscht...


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23 Mai 2011

Information

... wer es bisher noch nicht gelesen hat, hier die interessanten Links zum Thema:

Matriarchatskongress in St. Gallen



Zitat: des Kommentars 63 von
 Irene  im Blog von Schrupp:
To do für mich: Rausfinden, wie die Frau heißt, von der ich diesen Spruch habe:
Auch Rationalität ist altes weibliches Wissen!

und noch eine besondere Postkarte

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16 März 2011

Alltag und Magie


… ich habe es bestellt und bereits erhalten, das neue Buch für die Alltagsmagierin
von Luisa Francia. Und es ist prächtig, eines ihrer Bilderbücher, wie ich diese Serie nenne. Hochwertige Ausführung, wunderschöne Fotos, kreative Zeichnungen und Bilder der Autorin, das Format fast quadratisch, edel aufgemacht. Für meine Erwartung und vor allem für das Thema erscheint es mir zu illuster...

Nun bin ich selbst schuld, wenn ich eine Erwartung habe. Und andere sind bestimmt begeistert von dem Kunstwerk. Ich jedoch kann den Text nicht flüssig lesen, da die lackglatten Seiten das Licht reflektieren und ich mit Alltag einfach etwas Schlichtes, eben Alltägliches verbinde. Das ist kein Buch, dass ich in meiner Küche zwischen den kleinen magischen Ritualen und meinen Kochvorbereitungen herum liegen lassen möchte, aus Angst das feine Buch könnte beschmutzt werden. Es ist mir einfach zu schön, um in mein Feeling eines magischen Alltag einordnet zu werden. Und so wird es von mir denn brav gelesen und dann in das Regal gestellt. Auch eine Luisa Francia kann es wohl nicht jeder recht machen... 


Lesen, Zeichnen oder Tanzen, das ist hier die Frage...?



13 März 2011

Elemente

die Erde bebt und bricht und zerbricht dabei eine von Menschenhand geschaffene Anlage, an der nicht gerührt werden sollte, denn sie birgt in sich das Feuerelement, von dem Menschen immer noch glauben, 
sie könnten es kontrollieren 

das Wasser wirft die Gewalt der Flutwellen über das Land und trägt 
ab jetzt in jedem seiner Tropfen den grausamen Schrecken 
eines Gau in jeden Winkel dieser Welt 

das Element der Luft, der Wind, weht immer und die Strömungen des Gasgemisches, das unseren kleinen Planeten umgibt, 
verbreitet die unsichtbare, tödliche Gefahr 

das Element des Feuers jedoch zeigt seine größte und für Lebewesen bedrohlichste Macht nicht Form eines Brandes oder Vulkanausbruches, sondern in einer Kernschmelze 
und das ist in unser aller Alltag kein natürliches Ereignis...

03 Februar 2011


Imbolc...


war das  erste Jahreskreisfest, das ich vor Jahren mit einer Freundin feierte, sie wohnt jetzt weit weg, ich sehe sie kaum   ... 

überhaupt, jetzt da mich gerade die Endlichkeit gestreift hat, nehme ich mich ein wenig aus dem Alltagsgetriebe heraus und verweile etwas länger in meiner Mitte, fühle die Zeitlosigkeit  im Vergehen...

alles, was mich bis vor drei Tagen noch, ach so beschäftigt hat, schiebe ich in eine Ecke,  setze mich davor und blicke in eine andere Richtung ...


14 Januar 2011

eine evolutionsphilosophische Betrachtung...

"In der Eiszeit zogen noch bunt gemischte Menschenhorden umher..." dieser Satz steht gegen Ende in einem Artikel in der Wochenzeitschrift Die Zeit und hat mich sehr gestört...
In dem Text kommen auch noch andere, ich bin mal höflich, Merkwürdigkeiten vor und sicher werde ich mich zu einigen Punkten auch noch äußern...
 
Ich frage mich, wie man diese Vorstellung genau verstehen soll? 
Auch die frühen Menschen waren eher sesshaft, als mobil. Von unserer heutigen Vorstellung von Mobilität ganz zu schweigen. Die Menschen lebten landschaftsbezogen. Die vertrauten Horizontlinien umschlossen sie, wie uns heute die Wände unserer Wohnung. Das war nicht die gruselige und bedrohliche Natur, vor der man immer wieder flüchten musste, das war ihr Zuhause. Von den Anfängen in Afrika bis zur Eiszeit und bis zu deren Ende, haben sie Jahrtausende gebraucht, um nach Europa, bzw. in die ganze Welt zu kommen.
Es wurde sich wohl höchstens generationsweise wirklich wegbewegt, solange der Mensch ausschließlich zu Fuß ging. Die Vorstellung von der Umtriebigkeit der frühen Menschen scheint mir manchmal zu einfach gestrickt. 
„Die Savanne trocknet langsam aus“, meinte eines Morgens der Clanchef, „lasst uns mal nach China gehen, dort soll es auch sehr schön sein...“ oder wie? Die haben auch nicht jede Woche ihren Fellkoffer gepackt und sind weitergezogen, immer den Mammuts hinterher... 
Überlebensstrategien waren vielfältig, klimaabhängig und durch naturgemäße Veränderungen initiiert. Und zu ihnen gehörten auch lange Phasen des Dableibens an einem Ort, in einer Gegend. Es waren die Zeitspannen in denen die Menschen sich wichtige Komponenten des Menschseins aneigneten. Gefühle lernten, wie Genuss erleben, Erfüllung fühlen, Glück spüren, gleichbleibende Zufriedenheit auskosten. Alles was wir in Ruhe lernen und verinnerlichen können. Menschen wurden nicht irgendwann sesshaft, sondern sie bewegten sich ohnehin nicht ohne Not aus ihren Sammel- und Jagdgebiete fort. 
Ich denke ja, die Ackerbau- und Viehzuchtära brach nicht einfach über die Menschen herein und ermöglichte ihnen dann erst sesshaft zu sein. Wenn die (Menschen)Spezies anzahlmäßig zulegt, weil in friedlichen Zeiten die Gruppen anwachsen und man gern in der vertrauten Umgebung bleiben möchte, musste frau sich auch was einfallen lassen, um alle satt zu bekommen.
Manchmal wird so getan als wären Menschenhorde wie die Wanderheuschrecken durch die Welt gezogen, ohne Sinn und Bezug zu ihren Wurzeln und der Landschaft, die sie formte. Selbst nomadenhaft lebende Völker bewegen sich über Jahrhunderte in einem sehr begrenzten Gebiet. Der Mensch war eigentlich schon immer sesshaft, wir allerdings haben heutzutage eine Art an Mobilität entwickelt, die ich nur als zivilisationsgeschädigt bezeichne und fast schon schmerzhaft empfinde...

10 Januar 2011

Inkarnation

... gestern lief im Fernsehen der Film „Troja“. Die Erzählung über den bekannten Kampf um die legendäre Stadt, fest gemacht an der Figur der Kampfmaschine Achilles, der Brad Pitt in seiner Darstellung auch ein paar menschliche Züge verlieh. 

Jedenfalls wurde wieder gekämpft, abgeschlachtet und vernichtet ohne Ende und zum Schluss wurde von der Stimme aus dem Off darauf hingewiesen, dass die Nähe zu den Helden auch einem völlig bedeutungslosen Menschen etwas Ansehen verleihen kann. 

nun ist mir ja schon lange klar, ich bin eine von denen, die in ihren Reinkarnationen nichts Spektakuläres erlebt haben. Eines der Erdenkinder, die beim Erzählen in der Weltliteratur immer als erstes umgekommen sind und die für die Geschichte dann keine Rolle mehr spielten. Das Bauernopfer der Mächtigen, völlig unheldisch und von den Geschichtsschreibern übersehen. Und ich gehörte wohl auch zu dem friedlich vor sich lebender Teil des Background, ohne den ein Herrscher nichts zu beherrschen gehabt hätte und den ein Romancier als Kulisse für die Hauptfiguren in seinem Werk braucht. 
 
Ich war weder eine ägyptische Prinzessin oder bekannte trojanische Priesterin oder sonst eine Adlige, noch ein siegreicher Feldherr, wahrscheinlich auch kein bedeutender Politiker der Antike, wurde nicht als Aufrührer hingerichtet, bin nicht auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden und habe keine sensationellen Entdeckungen gemacht. Nichts von alldem. Sollte ich auf einem von Columbus Schiffen gewesen sein, bin ich wohl bei einem Sturm über Bord gefallen und habe Amerika nie erreicht.

Ich war eher das Kind, das umkam, weil die Mutter an der Pest starb oder der junge Bursche, der in einer Schlacht verheizt wurde. Vielleicht auch der Gärtner oder die Haussklavin im Hausstand eines römischen Tribuns. Wenn ich mich recht erinnere, waren meine Leben als Mann eher kurz und beschwerlich und als Frau meist lang und erfüllt. Vielleicht ist das ja das Besondere.

Bestimmt verliefen meine Leben in aller Ruhe, als ganz normale Sammlerin in der Sippe oder als Frau und Mutter im Langhaus, mit Kindern um mich, den meinen und denen der Schwestern. Oder ich zog als Händler über die Berge, um anderen Clans Tauschwaren und Nachrichten zu bringen. 
 
Ich habe am Feuer Geschichten erzählt und Lieder gesungen, gesponnen, gewebt und im Bach gefischt, aus Blumen Kränze geflochten und mich vor vorbeiziehenden Horden im Wald versteckt.

Ein Promi der Geschichte war ich jedenfalls nicht. Nur eine, die das Leben immer wieder am Laufen hielt, für Nahrung und den Nachwuchs sorgte und das alltägliche Wissen bewahrte und weiterreichte. Eine ganz durchschnittliche Menschenfrau eben...

06 Dezember 2010

Lasst und froh und munter sein


Ja, ja, die Weihnachtsinsel... ich möchte hier eigentlich keine Werbung für ein konventionelles Weihnachten machen, sondern wollte mit meiner Metapher sozusagen den Ist-Zustand beschreiben. Denn an Weihnachten kommen wir alle nicht vorbei, selbst wenn wir es hassen.
Die Schokoladenweihnachtsmannprokuktion läuft fast das ganze Jahr auf Hochtouren, kein Label versäumt es inzwischen einen auf ihre Kundschaft zugeschnittenen Adventskalender auf den Markt zu bringen und wenn Anfang Oktober die ersten Paletten mit Lebkuchen in die Supermärkte geschoben werden, wissen wir, es ist so weit, die Weihnachtslobby schlägt wieder gnadenlos zu. 
Die Weihnachtsindustrie ist weitreichend. Bunter Glitzerkitsch kommt aus Asien und erzgebirgische Schnitzereien kann man auf der ganzen Welt kaufen. Es werden Bäumchen gepflanzt, ein paar Jahre später abgehackt und in die Menschenwohnungen verschleppt. 
Heute wachsen wir in die Vorstellung hinein, dass jemand irgendwann Weihnachten festgelegte (was quasi auch der Fall ist). Dabei gibt es immer wieder Bemühungen der Sache, ohne Bezug auf die eigentliche Ursache, einen Sinn zu verpassen, als Fest der Familie beispielsweise! Also will es die moderne Tradition, dass wir nun alle, an den extra berufsarbeitsbefreiten Tagen froh und munter sein müssen...

Aber das Alles ist nicht wirklich Weihnachten...
Wir sollten uns erinnern - weil Menschen einst zusammen kamen und gemeinsam feierten sind die geweihten Nächte entstanden. Menschen erkannten in der Natur besondere Ereignisse und Zeiten und trafen sich in einer gemeinsamen Intuition, sie feierten, ernsthaft und froh und ausgelassen und dieser Anlass wurde überliefert und dann, irgendwann in der jüngeren Geschichte entstand ein  Festtagskatalog. Aber mit verordneten Feiertagen ist das so eine Sache... Das ursprüngliche Begehren scheint nicht mehr zu existieren und zieht sich doch durch Jahrhunderte oder eher, Jahrtausende…

Die Weihnacht oder besser, die Geweihten Nächte, sind eine besondere Zeit. Wenn etwas geweiht wurde, dann hat es eine tiefe, eine spirituelle Bedeutung und zwar für viele Menschen. Menschen, die sich nahe standen, miteinander verwandt waren. Die das ganze Jahr zusammen lebten, gemeinsam arbeiteten, gemeinsam feierten, gemeinsam glücklich waren, aber auch gelitten und getrauert haben. Aus der Gemeinsamkeit ist die Bedeutung entstanden und aus der Bedeutung der Ritus. 
Da ist die Sache mit dem wiederkehrenden Licht! Ich bin schon darauf eingegangen und die Weihnachtstradition, wie wir sie kennen, hat nun mal viel mit unserem Klima, unseren Jahreszeiten zu tun. Lange Winternächte, kurze düstere Tage! Da hilft es Feuer zu machen und zusammenzurücken. Gut zu essen, lecker trinken, Geschichten erzählen, gemeinsam lachen und wer was weiß noch...
Ich bin wohl ein Weihnachtskind...