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12 Oktober 2019

Ist die Erde unsere Mutter?

Betrachtung zu dem gern gebräuchlichen Begriff Mutter Erde ...

Es wird Zeit, dass ich hier doch mal betonen, dass ich nicht sehr glücklich bin mit dem gebräuchlichen Terminus Mutter Erde! Auch wenn unzählige Frauen und darunter Koryphäen wie von Werlhof oder Göttner-Abendroth oder Armbruster, ihn benutzen, ist dieser Ausdruck für mich zu undifferenziert, zu ungenau, zu esoterisch - realistisch betrachtet schlicht weg falsch.

Wir, die natürlich entstandene Spezies Mensch in unserer Entwicklungsvariante Kulturmensch, leben in einem lebensfeindlichen Kosmos auf einem Materiebrocken, der sich laut Wikipedia massenanteilig zusammensetzt aus: Eisen (32,1 %), Sauerstoff (30,1 %), Silizium (15,1 %), Magnesium (13,9 %), Schwefel (2,9 %), Nickel (1,8 %), Calcium (1,5 %) und Aluminium (1,4 %). Die restlichen 1,2 % teilen sich Spuren von anderen Elementen.

Was in unserer Wahrnehmung die Erde als ein gesamt mütterliches kosmisches Element ausmacht, ist die Unmenge von vorhandenen (überwiegend weiblichen) Lebewesen. Sie machten/machen mit ihrer bloßen Existenz, ihrer Masse-Vermehrung, ihrem Stoffwechsel und Endresten den Planeten Erde erst zu einem 'bewohnbaren' Ort für alle autarken Lebewesen (innerhalb des Systems) und damit auch für uns, die Spezies Mensch.

Seit schätzungsweise rund 3,77 Milliarden Jahren gibt es auf dem Planeten das Phänomen, was wir Leben nennen und das besteht aus Lebewesen in Form von individuellen Organismen, die sich artenmäßig unterscheiden, aber einen gemeinsamen Ursprung haben. Die Ur-Organismen begannen, nach letztem Erkennnisstand, ihr Dasein im Ozean.
Das Leben selbst schuf beispielsweise durch unwillkürliche, sukzessive Wandlung der unmittelbaren Planetenbedingungen sogar irgendwann die (Leben)schützende Atmosphäre.
Wenn also der Klimawandel oder wie auch immer wir das Menschen-Mann gemachte Desaster bezeichnen wollen, die sogenannte Mutter Erde bedroht, dann sind erst einmal nur Teile der lebenden Spezies in ernsthafter Gefahr und die Spezies Mensch gehört leider dazu. Der Planet als solcher geht dadurch wahrscheinlich nicht unter - auch das Gesamtsystem des Leben nicht.
Diese Masse an Leben, welches die Gesteinskugel Erde (wie Plaque einen Zahn) überzieht, ist ziemlich resilient - siehe: Dinosaurier starben aus, eine noch vielfältigere Welt wuchs nach. Wahrscheinlich wäre das Phänomen Leben nur durch eine Planetenexplosion vollständig zu vernichten und wer weiß, wie oft das im All schon vor kam.

Bio in Öko auf Erdmaterie

Dieses unglaublich dichte Gewebe aus Myriaden von Organismen ist der eigentliche Mutterursprung, das Leben selbst. Und der Planet als solches, prosaisch ausgedrückt, (nur) die anorganische, leblose Trägermasse dieses Ökosystems. Daher bei allem Verständnis meinerseits für jedwede schwelgende Verklärung des Lebensbegriffes und der mystischen Zusammenfassung von Planet und Leben, wünschte ich mir doch, auch wir Frauen und Mütter würden in diesem Punkt differenzierter vorgehen.

Wie ich schon sagte, die Erde ist kein Gesamtorganismus, kein lebendes Wesen und weder denkt noch fühlt der Planet. Lediglich die existenten Lebewesen, die auf und in der Erdoberfläche, der Luft und in den Wassern dieser Welt vorhanden sind, bilden eine amorphe Masse, die aus Myriaden von Individuen besteht. Diese sind durch endlose gegenseitigen Abhängigkeiten auf einander bezogen und mehr oder weniger angewiesen. Sie sind das besagte Ökosystem, aber kein, in eine Hülle eingeschlossener, einheitlicher Organismus. Es gibt ein energetisches Zusammenwirken und den genetisch angelegten Drang der Anpassung des Individuum an die vorhandenen Bedingungen zu seinen Lebzeiten.Und die Bio-Masse der Lebewesen verstoffwechselte sich schon immer gegenseitig ... so ist es, das Leben!

Diese ganze, oft auch ideologisierte, Wertung durch den (Kultur-)Menschen, ist jeweils eine interpretierende Sichtweise von Individuen oder Gruppen - und kein Naturgesetz im Sinne des evolutionierden Geschehens. Gäbe es von jetzt auf gleich keine (hochintelligenten) Menschen mit abstrakten Vorstellungswelten mehr, würde alles weiterhin unter den Bedingungen, die gerade vorhanden sind, einfach vor sich hin existieren.Und keine Mücke oder Zebra oder Fliegenpilz würde sich vermutlich Gedanken über gegenwärtige und vergangene Existenzen machen, bis die nächste Spezies nachrückt, die Intelligenz als Überlebensstrategie entwickelt und dann hoffentlich sensibler mit ihrer Lebensgrundlage umgeht.

Es gibt imho keinen Geist unabhängig von Materie 

Ohne Materie, keinen Geist! Unsere lebendige Denkleistung findet in einem aus Materie bestehendem Organismus statt. Es gibt verschiedene Formen von Energie, die der forschende Mensch nach und nach erkannte und benannte, aber keinen kongitiven Geist außerhalb eines Organismus, deshalb sind auch alle vermuteten Gotteskonzepte bisher nicht naturwissenschaftlich nachgewiesen und das ist nicht nur meine persönliche Erkenntnis!

Dass im patriarchalen Ideologiekosmos der sogenannte Geist von seinem Entstehungsort (dem Gehirn) auf wundersame Weise abgekoppelt, sozusagen freigelassen wurde und sogar eine (absurde) Trennung zwischen Körper, Geist und Seele erfolgte, ist eigentlich nur ein äußerst ungeschickter Umgang mit der Form des abstrakten Denkens, das auf unserem körpereigenen Fühlen basiert

Die intelligente Mensch erarbeitete sich im Laufe ihrer Evolution eine soziale Ideenwelt
, die permanent zwischen den Individuen ausgetauscht wird. Das ist ein gut entwickeltes Überlebenskonzept unserer (aber auch anderer) Spezies. Diese Vorstellungswelten, entstanden und erhielten sich durch permanente (verbale und gesamtkörperliche) unmittelbare Kommunikation und im weiteren, durch den Austausch von Erfahrungen und Erinnerungen. Dieses staffellaufmäßig weitergereichte Denken ist das komplexe Erinnern in Zeit und Raum ... eine intellektuelle Leistung welche die Mensch stets vervollkommnete. Diese komplexen Erinnerungsformen und das Kommunizieren derselben gab/gibt es bereits bei anderen intelligenten Spezies.

Unser komplexes Kommunikationsvermögen mit dem wir in der Sphäre aller lebendigen (also biologischen) Wesenheiten dieser Welt in Kontakt stehen, ist ein in Millionen von Jahren ausbalanciertes System und dazu gehört unser unglaubliches Erinnerungspotential.
Erinnerungen sind nicht nur ein paar Bilder, die in unserem Hinterkopf vor sich hin warten, sondern sind als gespeicherte Erfahrungswerte die Komponenten des Überlebensprogramm unseres Gesamtkörpers und unter anderem dessen was man Zellgedächtnis nennt, die umgesetzte Epigenetik.

Der Körper eines jeden Lebewesen ist auf Erinnern ausgelegt. Unsere Erfahrungen, Erlebnisse und die damit verknüpften Gefühle sind in unserem Körper eingelagert, es gibt quasi kein Vergessen.

Besonders faszinierend finde ich immer wieder die Beobachtung, dass sich mit zunehmendem Alter scheinbar wie aus dem Nichts die Erinnerungsspeicher des Langzeitgedächtnisses öffnen. Als wollte all das aufbewahrte Wissen noch schnell wirksam die andren erreichen, bevor dieses individuelle Archiv endgültig geschlossen wird. Unsere Körper-Geist-Einheit hat verschiedene von der Natur angelegte Gedächtnisdepots, wie beispielsweise das sogenanntes Schmerzgedächtnis - das einzelne Lebewesen ist generell ein universeller Gedächtniskörper. Sich detailiert und komplex zu erinnern ist eine Spezialität des Lebens, also nicht nur unserer Spezies.

Durch unsere intensive und sozial ausgefeilte, personenbezogene Kommunikation, die unserer Menschenart eigen ist, transformiert sich das individuelle Wissen zu einem kollektiven Erinnerungsvermögen. Das Erinnern, eine den Lebewesen eigene Kraft, ist Teil der selektierten Überlebensstrategien. Die gesamte Sphäre des Lebens, das sich selbst organisierende Ökosystem, fühlt sich daher wie ein eigenes Universum an, aber existiert nur in der ungestörten Balance der vorhandenen Bedingungen.

Das große Universum in dem unser Planet kreist, besteht aus Formen von unbelebter Materie, dazu meint das Netz: "was ist Materie? - "Stoff, Substanz ungeachtet des jeweiligen Aggregatzustandes und im Unterschied zur Energie und zum Vakuum (besonders im Hinblick auf die atomaren Bausteine makroskopischer Körper)"

Also Energie ist auch im Spiel und (morphische!?) Felder, die alles zusammenhalten ... aber es wabert m.E. kein Geist dazwischen herum, es sei das Universum ist ein riesiges Gehirn - aber hier streikt mein pragmatisches Vorstellungsvermögen...

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19 September 2019

Die Virulenz des Backlash

Vieles von dem, was uns an patriarchös kontaminierten Gedankengut umgibt ist toxisch und quasi hochansteckend. Ob es sich dabei um gängige Narrative, banale Klischees, politische Meinungsmache, gedankenlose Spekulation, gezielte Lügen, tradierte Dogmen, esoterische Geheimniskrämerei, mythische Halbwahrheiten oder die, der Unterhaltung dienenden, harmlos erscheinenden aber nicht zu unterschätzenden medial aufbereitete Fantasy handelt.
All diese, dem Ideologiekosmos der Pariarchose entsprungenen Beschäftigungstheorien, umspinnen die Frau mit den klebrigen Fäden patriarchöser Manipulation. In dieses bestehende System hinein sozialisiert, lebt die Frau, für gewöhnlich getrennt von ihren Wurzeln, in einer tatsächlichen Utopie. Einem Ort, den es nicht gibt.
Sie ist umgeben von Zielsetzungen, die nicht die ihren sind und die ihr, selbst wenn sie sie erreicht, nicht gut tun. Ob die Vorstellung von der romantischen Liebe oder das Ideal einer Gleichberechtigung mit dem Mann, alles liegt ziemlich weit oder knapp neben dem wirklichen Leben und wir erfahren es spätestens hautnah, wenn wir in dieser Welt Mutter werden und mutterseelenallein unser Kind versorgen und aufziehen dürfen. Ein anwesender Vater ist nur eine Pseudo-Unterstützung, was uns fehlt ist nach wie vor die matrifokale Müttergemeinschaft.
Dafür werden wir im Alltag abgelenkt und überrollt von der permanenten Präsenz virtueller Gebilde, die farbig grell und zuckersüß oder knallhart und gewalttätig, uns und unsere Kinder in Parallelwelten ziehen.
In den neuen virtuellen Medien, in der etablierten Literatur und mehr denn je, durch die bewegten Bildern der Film- und Fernsehindustrie werden Meme verbreitet und ein Weltbild festgeschrieben, dass der Frau (und dem Mann) unausweichlich erscheint. Einer schweren Erbkrankheit gleich von der es keine Heilung gibt.
Jede Form von Heilung oder dem Versuch zu einem gesunden Ur-Kontinuum des Zusammenlebens zurückzukehren, wird sofort durch die bestehenden Mechanismen der Profiteure des Systems unterlaufen. Ernsthaft angedachte andere Konzepte werden verhindert und jede Art von Aufklärung in ihren Grundaussagen erschüttert.
Eigentlich sollten sich alle Frauen darüber klar werden, dass wir bereits bis zu den Haarspitzen erneut in einem patriarchalen Rollback stecken, deren erste katastrophalen Auswirkungen sich so vielfältig zeigen, dass wir sozusagen den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen. Wieder einmal.
Dieser regelmäßig auftauchende Rückschlag, der immer dann einsetzt wenn Frau gewisse Freiheiten erlangt oder die Option eines selbstbestimmtes Leben erhält, setzt sich aus verschiedenen Komponenten zusammen, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben und als Gesamtereignis offenbar unerkannt bleibt. Die vielen kleinen und großen gesellschaftsrelevanten Gegenmaßnahmen zur Verhinderung von Patriarchatsverlust, treffen in erster Linie die Frau und Mutter. Und sie treffen sich alle in dem einen Punkt: die Privilegien der Patriarchen, des (Alpha)Mannes, zu retten und wieder zu festigen. Kollateralschäden werden unberührt in Kauf genommen.
Die liberale Tendenz einer politisch friedfertigen Gesellschaft (derzeit in D gerade mal vierundsiebzig Jahre) führt dazu, dass früher oder später die gleichberechtigte Frau wieder automatisch ihren Weg als die Verantwortungsträgerin der Gesellschaft findet, ein naturgemäßer (matrifokaler) Effekt. Wenn die Bedingungen stimmen, nimmt sie als Mutter in der persönlichen Verantwortung ihrer Female Choice, ihren Platz als die Hüterin gegenwärtiger und zukünftiger Generationen ein und praktiziert als solche im Alltag der MenschenGemeinschaft.
Leider fühlt sich 'das patriarchale System' durch das weibliche - empathisch-kooperative - Sozialverhalten vor allem in Hinblick auf den Nachwuchs und von dem intellektuell vorausschauenden sowie rückschauenden (das naturgemäß Spirituelle) Potential der Weiblichkeit in einer Weise bedroht, dass jedes mal früher oder später eine, meist harmlos beginnende, Welle verheerender Gewalt losgetreten wird.
Die wenigen Männer, die heute bereits eine Naturalistische Humanität vertreten und ebenfalls eine gerechte und friedfertige Gesellschaft anstreben, sind leider nicht bereit, sich vorbehaltlos, also generell und offen an die Seite der Frau und Mutter zu stellen – in einem Patriarchat gibt es das nicht, weder in der Vergangenheit, noch in der Gegenwart und Zukunft.
Gerade in den modernen philosophischen Werken findet Weiblichkeit quasi immer noch nicht statt und die generativen Weitergabe des ideologischen oder auch schon naturgemäßen Lebenssinns wird gern ohne die Mutter bzw. die Frau als solche (Mutter, Großmutter, Tochter, Schwester) zelebriert. Daher würde ich meinen, auch hier findet immer wieder ein patriarchaler Backlash statt, obwohl von den Autoren eine Art Paradigmenwandel bereits angedacht wird. Leider kommen sie selten über die vielgepriesene Brüderlichkeit hinaus und kaum einer verfällt auf die urnatürliche Geschwisterlichkeit.
Den meisten Frauen fällt dieser Widerspruch so gut wie nicht auf und eine antrainierte fatalistische Haltung macht es ihnen unmöglich die ständigen Rückschläge als solche zu erkennen oder gar aufzuhalten. Die heutzutage, inzwischen als toxisch beschriebene Männlichkeit macht sich gerade wieder überall breit. In den soziale Medien (Social Media) wächst eine unglaubliche Verrohung im Umgang mit Mitmenschen heran, der von keiner Seite so recht Einhalt geboten wird. Besonders die Frau steht im Fokus haltloser Bedrohungen und das senkt die Hemmschwelle tatsächlicher Handlungen. Wir bekommen ein gesellschaftliches Klima, das bekannt ist aus der Zeit, da Gewaltexzesse beim anerkannten (körperlichen) Kräftemessen unter Männern nicht nur die Hierarchie justierten und die nebenbei auch der Reglementierung von Frauender dienten ... alles sanktioniert durch eine jeweilige Herrschaftsmacht.
Heute
findet dieses Kräftemessen weitgehend verbal und überwiegend im virtuellen Raum statt. Ebenso das Zurechtweisen weiblicher Sichtbarkeit und Äußerungen. Dadurch werden diese Foren in den sozialen Netzwerken für Frauen ebenso unattraktiv und fast so gefährlich, wie die öffentlichen Räume, in denen es stillschweigend gesellschaftlich akzeptiert wird, die Selbstbestimmung der Frau zu ignorieren, sie in die sozialen Konditionierungen jedweder patriarchöser Art zu pressen oder der Frau* nach wie vor Gewalt anzutun. Die mehr und mehr enthemmte sexualisierte und verachtende Einstellung Frauen gegenüber finden wir in fast allen Medien als latent akzeptierte Rape Culture, als generelle Objektivierung der Frau sowie in der Tendenz der Entkriminalisierung der Prostitutionsförderer und ihrer Profiteure, was wiederum den „Wirtschaftszweigs Menschen- bzw. Frauenhandel“ festigen und erweitern kann.
Doch das ist noch nicht alles.
Die immer weiter vorangetriebene Vernichtung der Mütter ist
einer der Hauptmarker des modernen und aktuellen Backlash. Die Mutter befindet sich immer noch in der Geiselhaft der Vätergesellschaft. Sie soll mehr denn ja als Dienstleisterin der Gesellschaft fungieren. Es wird erwartet, dasss sie ihr körperliches Knowhow, also ihre menschlich-mütterliche Kompetenz, Jedermann zur Verfügung stellen. Den Vogel schießt hier die Leihmutterschaft ab, die inzwischen als absolut normal, da medizinisch machbar, betrachtet wird. Die nach wie vor aktiv virulente Patriarchose vergiftet nicht permanent nur unsere Gegenwart, sondern immer auch gleich unser Zukunft mit, also die unserer Töchter und Söhne und Kindeskinder...

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26 Januar 2016

Trotz dem...

Unsere Erziehungskultur neigt dazu sich über das altersgemäße kindliche Verständnis (Verstehen können) hinwegzusetzen und (Klein)Kinder zu über- oder zu unterfordern. Ihnen wird mehr denn je ein angehörigenarmer, naturferner und mit reizüberflutender Technik durchsetzter Tagesablauf übergestülpt. 
Artgerechterweise läuft das Klein- und später größere Kind einfach im Alltagsgetriebe mit und lernt in seinem Tempo sukzessive alles was es zum Bestehen seines zukünftigen Lebens in der Gemeinschaft braucht. Es imitiert seine Umwelt, verinnerlicht dabei Sprache und hat seine eigenen Strategien sich verständlich zu machen. Da natürlicherweise Kinder altersgemischt aufwachsen (müssten), findet sich auch immer eine, die versteht was es möchte. Kinder die verstanden werden haben kaum Grund zu trotzen oder sich entsprechend aufzuregen. Die sogenannte Trotzphase ist m.E. schlichtweg Notwehr und darauf zurückzuführen, dass das Kind gelernt hat auf diese Art zu kommunizieren (ich habe es nämlich auch schon anders erlebt). Wie soll es sich sonst verständlich machen, wenn es (jetzt und auf der Stelle) Aufmerksamkeit, Zuwendung und Interaktion mit (geliebten oder interessanten Mitmenschen) braucht, diese Bedürfnisse jedoch (aus erzieherischen Gründen oder weil es nicht in den erwachsenen Ablauf passt) ignoriert und wegrationalisiert werden? Da bleibt einem doch nur übrig zu brüllen, sich auf den Boden zu schmeißen und bockig alles abzulehnen, was dann der zuständige Erwachsene ins Feld führt, um diese Herausforderung oder Peinlichkeit abzumildern.

Unser Alltag ist ihre Kindheit. So war es schon in meiner Kindheit und davor und davor, nur der jeweilige Stresslevel dürfte jeweils ein anderer gewesen sein. Heutzutage werden (Klein)Kinder mehr denn je außer Haus (quasi per Crashkurs) in unsere komplexe, bindungsarme Kultur eingeführt und integriert, ohne wirklich die Chance zu haben, sich dazu artikuliert äußern zu dürfen. Sie müssen die vorgegebenen Bildungsstufen absolvieren und da ist es, auch später im Schulsystem, mit der Meinungsäußerung oder gar dem Ausdruck des anstehenden Gefühl eher schlecht bestellt. Hier ist oft die einzige Strategie sich bemerkbar zu äußern: Lautstärke und Penetranz. Selbst dann, wenn den Kindern bereits ein ausreichendes Vokabular zur Verfügung steht, fällt es ihnen meist nicht leicht die überwältigenden Gefühle, welche durch die grundlegend mangelnde Geborgenheit in unserer Kultur auslöst werden, verständlich oder angemessen zum Ausdruck zu bringen.
Bei unseren Kleinen ist zudem weder der Wortschatz noch das Vermögen zu Abstrahieren bereits soweit vorhanden, dass sie "normgerecht" und auf erwartetem erwachsenem Niveau mitteilen können wo das Schuhchen drückt. Und oft genug sind die meisten Erwachsenen nicht in der Lage sich auf entspannte Art auf das Kind einzulassen und die Situation nach der Prämisse angehen: hier handelt es sich um eine Gelegenheit, die so nie wieder kommt. Ich kenne viele wunderbare Mütter, die es trotzdem schaffen mit diesen anstrengenden und zermürbenden Trotzarien gekonnt umzugehen - an der Ausgangssituation, unserer patriarchösen Gesellschaftsstruktur, können sie aber auch nichts (auf die Schnelle) ändern.

Das frustrierte Kind ist ein Markenzeichen unserer Gesellschaft! Unserer modernen Welt mangelt es an einer Nähekultur in der unser Nachwuchs emotional getragen wird. Alles ist auf den (anonymen) Erwachsenen zugeschnitten und zwar in erster Linie auf den Taktgeber der Gesellschaft - dem vitalen männlichen Erwachsenen. 

Jedes Menschen-Kind passt sich dem Umfeld an, in das es hineingeboren wird, um darin zu wachsen und zu überleben. Dass unsere Kinder sich trotzenderweise ausleben dürfen ist hier auch ein Moment ihrer Privilegierung. In vergangenen Zeiten bzw. in der globalen patriarchalen Welt wurde/wird das un- bzw. eigenwillige Kind in der Regel strikt reglementiert und dabei nicht selten sein individuelles Sein gebrochen. Es gab/gibt natürlich immer Enklaven, auch heute noch, in denen Kinder menschlich (artgerecht) aufwachsen, einfach sein dürfen und verstanden werden.

Heute geht der Anspruch der Eltern auch mehr denn je dahin, ihren Kindern eine unbeschwerte Kindheit angedeihen zu lassen und manchmal führt das auch dazu das Kind mit intellektuellen und materiellen Privilegien zu überschütten, was selten identisch ist mit dem Respekt vor seiner Persönlichkeit. Ab einem gewissen Punkt, meist wenn das Kind zu Laufen beginnt, werden vom (modernen) erwachsenen Umfeld Forderungen an das Kind herangetragen, die das Kleinkind oft genug nicht nur an seine Grenzen bringt, sondern es auch hindert seiner altersgerechten Intention zu folgen. Es lernt stattdessen einem Zeitrhythmus zu folgen, den es nicht versteht und der es beeinträchtigt. Dabei wird es fremdbestimmt von seiner eigenen „Arbeit“, dem kreativen selbstbestimmten Spielen, abgehalten. Unsere Gesellschaft erwartet, dass wir die Einsamkeit und den Drill des (von den Angehörigen separierten) Erwerbsleben bereits auf Zweijährige übertragen.

Das Bewegen zwischen vielen Gleichaltrigen frustiert vielleicht mehr als es Spaß macht und Erwachsene, die das nicht abfangen können oder wollen, noch mehr. So kommt es, dass in der Fremdbetreuung (und später in den andern Bildungseinrichtungen) der unsägliche Ansatz zum Tragen kommt, Gleichaltrige in nicht artgerechten Mengen über frustierend lange Zeiträume zusammen zu zwingen. Der kindliche Drang zur notwendigen Körper und Geist befeuernden Kommunikation wird sich so auch immer (für manches Kind quälend langsam) im Rahmen des Gruppenniveaus bewegen. Und zu allem Überfluss wird dieses Niveau durch einzelne (fremde und anonyme) Erwachsene reguliert, die es geschafft haben den Eltern einzureden, dass das das Beste für ihr Kind sei.

Dem individuellen Bedürfnis des Kindes nach interaktiver Stimulanz oder seinem Ruhebedürfnis kann in den Kindergruppen in der Regel nur selten nachgegeben werden. Ihre Gefühle, ihre Fragen und gerade gewonnenen Erkenntnisse adäquat den Mitmenschen mitzuteilen, also mit ihnen zu teilen und sich dabei ihres Wohlwollen sicher zu sein, ist in einer gleichgerichteten Kindergruppe für das einzelne Kind schwer zu gestalten, denn alle haben gerade (fast) das gleiche Anliegen.

Für das sehr junge Kind bedeutet das: Die sogenannte Trotzphase ist die Zeit, in der mich die Welt spürbar (noch) nicht versteht und sich grad nicht die Mühe macht das schleunigst zu ändern. Die Verzweiflung darüber, wie auch immer zu äußern, ist eine gesunde Reaktion.

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30 September 2015

Das weibliche Fühlen und Denken - eine persönliche Betrachtung

Manchmal frage ich mich: besitzen Frauen den Verstand aber Männer benutzen ihn? Ich möchte mich nicht unbeliebt machen, aber noch habe ich immer wieder den Eindruck, dass das weibliches Denken so als gesellschaftliche Erscheinung weder en vogue noch gern gesehen ist. Frauen besitzen unzweifelhaft Verstand, auch wenn der Mainstream vielfach noch dagegen hält. Männer gehen gern ungerührt darüber hinweg.

Es ist u.a. die geistige Komplexität, die den Menschen ausmacht und die Mütter von Anbeginn an ihre Kinder vererben, auch an ihre Söhne. Ja, Frauen besitzen eine Menge Verstand und sind das, was wir vernünftig nennen. Ja mehr noch, (Menschen)Frauen haben die Vernunft erfunden – in natürlichen Ur-Zusammenhängen handelten und fühlten sie im Sinne der Sache, d.h. zum Wohle der Gemeinschaft. Sie sind vorausschauend, wägen ab und bedenken die Folgen - sie handeln also folgerichtig - das ist vernünftig.

Wenn Frauen im wissenschaftlichen Bereich Wissen schaffen, dann fällt imho (freie) weibliche Arbeit prinzipiell anders aus, als die der männlichen Kollegen. Die Geisteswissenschaft, wie die Philosophie, denkt über das Leben nach - auch das können Frauen ausgezeichnet, wenn mann sie lässt und der weiblichen Weisheit nicht die kruden Lehren klassischer Philosophen aufzwingt.

Und verstehen wir unter Religion den rückbindenden Effekt an unsere weiblichen Wurzeln und nicht die Gebote und Gesetze beladenen Lehren der Väter, dann ist für die spirituell denkende und handelnde Frau auch ihre persönliche Religion ein hohes Gut. Diese hat sie getrost und bei klarem Verstand schon immer an ihre Kinder weitergeben bzw. (epigenetisch) vererbt. Die Mutter, ist die Quelle des menschlichen Fühl-Denkens. Die Nähe, das gelebte Beispiel des energetischen Austauschs, Mitteilungen der körperlichen Empfindungen mit allen Sinnen, liebende Wahrnehmung und Zugewandtheit, sind die Transportmittel der mütterlichen Lebenslektionen - des beispielhaften Vorlebens im menschlichen Kontinuum. Fühlen und Denken ist für den Menschen eine Einheit. Aber wir können auch sagen: Am Anfang war das Wort - das Wort zwischen Mutter und Kind und dieser kulturelle Effekt findet im Bindungskraftfeld der menschlichen Nähe statt. Sozusagen pure Mutter-Energie...

Ist also Fühlen auch Denken? Haben wir nicht mal gelernt, das Denken und das Fühlen schön sauber getrennt zu halten sind? Die Ratio, das logische Denken war Männersache, die Emotionen wurden den gefühlsduseligen Weibern nachgesagt. Also was ist weibliches Denken und wo ist es gar mit Intuition und Empathie identisch?

Intuition und Empathie ist, genau wie Fantasie, ein geistig/mentales Werkzeug um mit der Welt in Kontakt zu treten, sie (sich) zu erklären und um ihr zurecht zu kommen und um den Kontakt zu den Angehörigen nicht zu verlieren. Trotzdem habe ich immer wieder den Eindruck, dass Intuition immer noch nicht als eine der grundlegenden evolutionären Leistungen im menschlichen Dasein anerkannt wird.

Intuition ist auch nicht deckungsgleich mit dem Instinkt, der auch noch in uns steckt. Der Instinkt ruft Reaktionen des Urverhaltens ab. Die Intuition rechnet auf Grund unserer persönlichen Erfahrungen die Zukunft für eine Situation hoch. Wir wissen intuitiv was für uns gut und richtig ist und das schon seit unserer Kindheit. Dafür tut der derzeit bestehende patriarchale Lebenszwang, seine Ideologien und Dogmen weder unserer Psyche, noch unserem Geist, noch unserem Körper (natürlich ist das eine Einheit) gut.

Der patriarchösen soziokulturellen Unterdrückung entspringt eine Art Miasma, ein permanent bestehendes negatives Energiefeld, in dem wir uns ununterbrochen bewegen. Unsere Körper-Geist-Psyche-Einheit, repräsentiert durch unsere Person, leidet an der patriarchal typischen Fremdbestimmung, aus der weitgehend unser Alltag besteht und die unsere kollektiven sowie persönlichen Abläufe steuert und kontrolliert.

Diese lebensunfreundliche Basis, beruhend auf patriarchalen Denkkonstrukten, zwingt uns auch in dauerhafte, nachhaltige Erlebnisfelder, die uns bestimmte Effekte unseres Erfahrungskosmos epigenetische weitervererben lassen. Traumata werden über mehrere Generationen weitergereicht (z.B. viele der Kriegs- und Nachkriegskinder wissen das bzw. leiden darunter). Und deshalb sage ich auch immer, dass uns Frauen hier in Mitteleuropa noch immer die Hexenverfolgung und -vernichtung in den Knochen (Zellen) steckt. Vielleicht mehr noch als die diversen Kriege. Der sogenannte Hexenwahn zog sich schließlich über fünfhundert Jahre hin. Durchaus ein Zeitraum in dem sich der Schrecken, die Furcht vor Folter und Tod sowie das Misstrauen dem eigenen Geschlecht gegenüber, im Gefühlsmuster von Frauen erfolgreich über Generationen hinweg festgesetzt haben kann. Da ist rationales Denken manchmal machtlos wenn uns diese Gräuel wieder bewusst werden, die unterschwellig noch immer wirken.

In meiner Fernsehzeitung fand ich einmal einen kleinen Artikel, der die Frage in den Raum stellt: Kann der Bauch wirklich fühlen? Und da hieß es u.a.: „... Er kann es tatsächlich, haben Mediziner herausgefunden. Denn im Bauchraum befindet sich ein feines Geflecht aus über 100 Millionen Nervenzellen: nach dem Gehirn und dem Rückenmark die drittgrößte Neuronen - Anhäufung im Körper. Nicht umsonst sprechen Neurologen auch vom Bauchgehirn. Es ist mit dem Gehirn eng verbunden, aber es agiert auch eigenständig. Es denkt. Es fühlt. …“

Handeln aus dem Bauch heraus, ist inzwischen nicht mehr ganz so verpönt, wie zu meinen jungen Tagen. Doch steht die logisch unbegründete Intuition immer noch unter Generalverdacht einfach nur Spinnerei zu sein (und damit liegen diese Kritiker gar nicht mal so falsch, denn 'das Spinnen' ist imho komplexes Denken). Intuitives Handeln ist eigentlich sehr vernünftiges Handeln, es ist die gesamtkörperliche Reaktion auf eine bestehende oder akut auftretende Situation. Auf Grund unserer lebenslangen Erfahrungswerte und -muster errechnet unser Hirn und wer weiß was noch, blitzschnell Zukunftsvarianten und unser Gefühl (und damit die Vernunft) wählt für uns das Beste aus (was sich manchmal erst im Nachhinein herausstellt), denn das was unser Gefühl verantworten kann, ist erst einmal das Beste.

Ich habe immer wieder festgestellt, wenn es mir gut geht und ich über selbstverständliche Einflussnahme auf mein Leben verfüge, wenn ich sozusagen in meiner Mitte bin, findet ein sanfter dauerhafter Austausch zwischen meiner Denkleistung und der stets präsenten Intuition statt, der mir (und damit anderen) überaus gut tut. Ich kenne aber auch genügend, besonders in der Vergangenheit liegende Situationen da ich durch die äußeren Umstände eine ständige Alarmbereitschaft verspürte. Der Stress, dem ich ausgesetzt war, hat ständig alle Nerven klingeln lassen. Es kam zu Phasen einer Dauerpanik oder hilflosem 'nicht wissen, wo zuerst anfangen'. Meine Intuition kam gar nicht zu Wort. Mein Denken war streckenweise wie paralysiert. Entsprechend fielen einige meiner Entscheidungen aus.

Heute lasse ich mich nicht mehr hetzen. 'Ich denk drüber nach!' ist dann der Puffer zwischen einer Forderung und meiner Antwort. Und somit verschaffe ich meiner Intuition die Zeit sich zu entfalten. Eigentlich finde ich es ja doof, dass ich manchmal wesentliche Kenntnisse aus bunten Zeitschriften erfahre! Aber vielleicht ist es ja egal von wo uns die Informationen zufließen, die das Info-Puzzle vervollständigen - ob aus Gesprächen mit klugen Leuten, aus schwergewichtigen Sachbüchern, der Fernsehzeitung oder aus unseren Träumen! Sogar Facebook bzw. das Netz als solches, ist für Informationen der unerschöpfliche Umschlagplatz. Es gilt nur die richtigen Schlüsse zu ziehen und dafür wiederum ist das weibliches Denken hervorragend geeignet.

Stephanie Ursula Gogolin


Ausschnitte aus meinem Essay: Gibt es ein Weibliches Denken...

20 September 2015

Rationalität versus Spiritualität und Fantasie

Liebe Freundin, in deiner Arrgumentation sind wir an dem beliebten Punkt angekommen die Spiritualität fein säuberlich vom rationalen Denken und Handeln zu trennen. Dem Spirituellen wird das Esoteriklabel aufgeklebt und diese Begrifflichkeit ins Irrationale verschoben. Ich frage jedoch zurück: ist Rationalität und Spiritualität tatsächlich ein Widerspruch? 

Beides sind imho Leistungen unseres Gehirns und unseres fühlenden Gesamtkörpers. Und auch wenn angenommen wird, die Rationalität, der denkerische Akt, ist kein Gegensatz zur "gefühlten" Spiritualität, wird doch meist einem von beiden eine höhere und damit bessere Qualtität zugewiesen. Je nach kultureller Ausrichtung und persönlicher Vorbildung. Dazu kommt, dass Spiritualität immer noch wie ein von außen kommender Zustand behandelt wird, etwas das außerhalb unseres Selbst vorhanden ist und das wir ablehen oder annehmen können. Das ist aus meiner Sicht eine Fehlinterpretation (der Begrifflichkeiten) oder zumindest ein ungenauer Ansatz.

Spiritualität ist imho die, einem jedem Menschen innewohnende Geistigkeit und somit in spezieller eigener Form in jedem Individuum vorhanden und verfügbar. Nur wird sie scheinbar nicht von jedem als solche identifiziert bzw. genutzt oder findet eine andere Bezeichnung.

Die modernen Formen der Erziehung und Konditionierung unterbrechen gern die Verknüpfung zum freien spirituellen Ausdruck der Menschen und die fühlende Verbindung zu allen „beseelten“ Wesen und Arten um uns herum. Statt dessen wird (im patriarchalen Kontext) unsere stets auf Empfang stehende Geistigkeit auf Ideologien oder die Wertekataloge erfundener Gottes-Einheiten gelenkt. Wenn also jemand glaubt, nicht "spirituell" zu sein, dann hat das vielleicht etwas damit zu tun, dass 'er' oder 'sie' bei sich selbst nicht wirklich angeschlossen ist, diese Art der individuellen geistigen Dimension verdrängt hat oder von Kindheit an so manipuliert wurde, dass statt den eigenen spirituellen Kosmos zu ergründen, darauf trainiert wurde andere Konzepte nachzubeten.

Die eigene Spiritualität nicht wahrnehmen, heißt auch sich der eigen Intuition zu verweigern oder (durch Konditionierung) nicht dazu der Lage zu sein zu spüren, was das geistige Innere ausmacht.


Es kann hilfreich sein über Spiritualität im allgemeinen nachzudenken, wir sollten aber davon ausgehen, dass sie die eigenkörperliche Variante ist, die unser immanentes Fühlen mit unserer Geistestätigkeit und unsere, sowohl spontanen wie auch willentlichen, Handlungen verknüpft. Wobei es ja heißt, so etwas wie den freien Willen gibt es nicht, da auf Grund unserer persönlichen komplexen Erfahrungslage die Entscheidungen in unserem Gefühlskomplex oder -zentrum bereits gefallen sind. Das sogenannte rationale Denken ist nur so etwas wie die Endausgabe in die bewusste Interaktion mit dem vorhandenen Nähefeld (Anwesenheit anderer Menschen und das sonstige lebendige Umfeld). 

Die uns eigene Spiritualität, also unsere persönliche innere Geistigkeit, ist das Koordinatensystem bzw. Erklärungsmodell der Weltwahrnehmung deren Mittelpunkt wir selbst sind. Das Gespür mit dem wir uns mit den lebendigen Wesen um uns vernetzen. 

Leider haben viele der uns umgebenden Phänomene (natürlicher onder kultureller Art) inzwischen einen Bezeichnungskatalog, der (uns) mehr verwirrt als hilfreich ist. Wenn wir bestimmte Verbindungen und Vernetzungen (manchmal nur diffus) wahrnehmen, gibt es heute keine Bezeichnungen dafür (oder darf es nicht geben), es sei die Naturwissenschaft kann endlich durch Messung und andere "Abhörtechniken" beweisen, dass zum Beispiel Bäume oder andere Pflanzenkomplexe lebendige (gut wussten wir schon), fühlende (ahnten wir bereits) und denkende (ach wirklich!) Wesen sind. Das sich nach außen bemerkbar machende Innenleben der Pflanzen (und Tiere) und unsere Beziehung dazu, nannte man bisher vielleicht Devas, Naturgeister oder Anderswelt. Diese rein geistige Vernetzung der Interaktion mit unserer Umwelt ist eine sprituelle Leistung, ein Ausdruck unserer Spiritualität.

Die/der Mensch verarbeitete alle Signale im Außen mit all ihren Sinnen und zwar in den Programmen: 'Intuition', 'Spiritualität', 'Fantasie' und einigen mehr. Es sind alles Überlebensprogramme, die evolutionierten Ausdrucksmöglichkeiten unseres Körpers, auch um das was in unserem ureigensten Innenleben abläuft, nach außen hin sichtbar werden zu lassen.

Oft wird Spiritualität und Religiosität in einen Topf geworfen und ich sage, sie sind überhaupt nicht identisch. In der Religiosität folgt man (von anderen) vorgedachten Entwürfen oder Ideologien und gebraucht die eigene Spiritualität um diese angebotenen Formen zu adapzieren und mit Leben zu erfüllen. Die christliche Nonne ist hier ein Beispiel dafür, wie sehr das eigne spirituelles Sein einer Frau in enge religiöse (und patriarchale) Vorgaben eingeschlossen sein kann - Nonnen dienen einem männlichen Vatergott und tun z.B. "Gutes" für die Armen; sie lindern Mangelerscheinungen und Grausamkeiten dieser Welt, die erst durch die Erschaffer der Vatergottheiten initiiert wurden und damit eben diese körperliche und geistige Armut über den Großteil der Menschheit  brachten. Hildegard von Bingen ist eine der (wenigen überlieferten) Frauen, die es geschafft haben ihr spirituelles Sein durch den Wust der Einschränkungen einer monotheistischen Religion noch hindurch schimmern zu lassen.

Liebe Freundin, du bist auf jeden Fall ein spiritueller Mensch, aber nicht weil du dir das "erarbeitest" hast, sondern weil du es schon immer warst. Das spirituelle Sein gehört zu deiner menschlichen Grundausstattung. Leider wird unser geistiger (erworbener) Reichtum und unsere ererbten (instiktiven, also 'gnetisch' angelegten) Fähigkeiten im Zuge der gesellschaftlichen Verformung (elterliche und allgemeine kollektive Erziehung, Schule, Mainstream), meist erst einmal zurück gedrängt, überschrieben und verschüttet. Wenn wir uns später frei machen von dem Druck der Verbildung, des Verbiegens und verschiedentlicher Verführung, legen wir automatisch, wenn es gut läuft, das Verschüttete wieder frei (manchmal mühsam). Es ist erstaunlich was da zu Tage treten kann und wie wir uns dann vielleicht wieder an die weite freie Welt unserer Kindheit anschließen.

Eine enge Verbündete unserer Spiritualität ist unsere Fantasie (vielleicht sind sie sogar identisch). Das bewusste, das verbindliche Tun, dass besonders uns Müttern zu eigen ist, ist eigentlich immer durch unsere Spiritualität (unsere innere Geistigkeit) unterlegt. Mütter handeln intuitiv und sie handeln dabei bewusst. Je mehr wir dem (intuitiven) Bewusstsein Raum geben, desto mehr kommen wir in unserer Mitte - in die symbolische Mitte unseres weiblichen Seins (Der Mann ist immer gern mitgemeint). 

Fantasie ist dabei ein (das) Werkzeug der Gestaltung und von unserer Mitte aus erreichen wir all die anderen „Fantasiebesitzer“, die uns umgeben. Fantasie ist die vorhandene Fähigkeit zur Abstraktion, das kreative Potential des Menschen, das Fühlen und Denken in Bildern. Bezogen auf unsere sprachliche und logische Leistung, auch Ideen genannt. Es ist unsere angeborene Vorstellungskraft, die innere Bilder, also eine, unsere eigene, 'Innenwelt' erzeugt... (siehe dazu auch Wikipedia u.a. Quellen).

Die Vorstellungskraft der jeweiligen Fantasie bezieht ihre Bausteine demnach aus den vorhandenen Erfahrungs- und Lernwerte, das heißt sie öffnet die „Schublädchen“ der Synapsen oder anders, sie greift auf die synaptische Effizienz der neuronalen Netze zu und somit auf unsere Gedächtnisinhalte, die aus einer schier unglaublichen unterschiedlichen Vielfalt bestehen und die niemals das Gleiche beinhalten können, wie die der anderen, neben uns lebenden Menschen. Vor allem die unbewusst gespeicherten Daten führen zu den erstaunlichsten Effekten und hier sind wir schon in der Dimension, die auch als Magie bekannt ist. Jedenfalls ist unser innerer Erfahrungs- und demnach individueller Wissen-Reichtum um ein vielfaches größer, als uns durchschnittliche Schulweisheit einreden will.

Und das ist das Fantastische an der Fantasie - aus all dem können wir unwillkürlich aber auch bewusst immer wieder neue Bilder und Ideen kreieren. Visionen kommen eher aus dem Unbewussten. Aber unsere persönliche Vorstellungskraft ist die eine Sache und das verantwortungsvolle Umsetzen und Handeln, die andere!

Somit ist Fantasie keine geheimnisvolle absolute Größe. Die Ausformung der eigenen Fantasie entsteht im Menschen im Laufe seiner persönlichen Entwicklung... sie ist die, einem jedem Menschen eigene, geistige Parallelwelt, in der sie/er sich nach Belieben aufhalten kann. So oder so, wir haben diesen geistigen, abstrakten Kosmos in uns, um zu überleben. Der Mensch ist vom ersten Moment der Zellteilung an ein absolut einmaliges (Menschen)Wesen, das einen Selbstwert besitzt. Da muss auch nichts oder wer, kommen und ihm seinen Selbstwert verleihen. Das Individuum Mensch ist in der Lage in seinem Geist ganze Welten zu erschaffen, ohne dass ein anderer davon etwas mitbekommt - das ist die konkrete Form der Anwendung der Fantasie. Denn wie gesagt, die Fantasie ist ebenfalls eine (körpereigenes) Instrument, die ureigene innere (virtuelle) Mal- und Gestaltungsfläche.
Wir besitzen also eine angeborene Vorstellungskraft und die Imaginationsmöglichkeit innere Bilder zu erzeugen, deren Umsetzung nach außen ein Jedes nach seinen Fähigkeiten und Begabungen Ausdruck verleiht - durch Sprechen, Tanzen, Singen, Malen, Musizieren, Erzählen, Kochen, Schreiben, Bauen, Natur- und Werkstoffen gestalten oder anderen Handlungen. All diese Strategien der Lebensbewältigung im zugewandten (Fürsorge)Gruppenalltag kannten und konnten wir schon an den Feuern der Steinzeit oder mehr oder weniger schon lange vorher.

Ein Kind (bzw. jedes Lebewesen) nimmt vom ersten Moment des Daseins alle es umgebende Eindrücke auf – die Signale unserer komplexen natürlichen Welt, in die es hineingeboren wird – es ist alles schon da - wir lernen mit jedem Tag mehr damit umzugehen (weißt vielleicht noch eine, welche inneren Bilder die eigene Vorstellungskraft uns als Dreijährige bescherte?). Was wir im Laufe der Zeit (an Eindrücken) sammelten, kommt zu dem in unserem Gehirn und in jeder Zelle unseres Körpers angelegten Fundus, unserer persönlichen „Erbmasse“, hinzu. Und wir fangen seit dem Mutterleib an auf unser üppig angelegtes Menschenpotential zuzugreifen. Eine unserer Befähigungen mit der Welt in Kontakt zu treten und in ihr mit all den anderen Menschen zurecht zu kommen, ist eben die Fantasie und/oder unsere Spiritualität. Sie sind unser Experimentierfeld, Rückzugsraum und unsere Probebühne. Die hier entstandenen Konzepte tragen wir in unserem Handeln und Verhalten nach außen.

Fantasie sowie Spiritualität findet im eigenen Kopf (Bilder) bzw. Körper (dazu gehörende Gefühle) statt und ist erst einmal keiner Beurteilung unterworfen, außer der eigenen. Zu meiner inneren Welt hat niemand sonst Zutritt. Erst wenn ich versuche mit meinen, mir eigenen Mitteln meinen Fantasien Gestalt zu geben, können andere diese wahrnehmen und von ihnen entzückt sein oder sich abwenden. Heute verfügen wir Frauen  über viele Freiräume uns angemessen und gemeinschaftsoerientiert auszudrücken (bezogen auf unsere gesellschaftskulturelle Ortung), was in der langen Zeit des Patriarchats nicht immer so war und noch ist. Das Wichtigste für jedes Kind, das anfängt sich seine Welt zu erober,  ist ihm Zeit und Raum zur Verfügung zu stellen und die Möglichkeiten zu bieten die inneren Bildern der Fantasie den passenden gestalterischen Ausdruck zu verleihen.

Außerdem - die Kraft der Fantasie muss nicht per se gut und schön sein. Nicht umsonst gibt es Worte wie „Gewaltfantasien“ oder „fantasielos“. Unser eigener innerer Wertekompass, die Fähigkeit sich mit 'richtig' und 'falsch' auseinander zu setzen sowie unser empathisches Empfinden, nordet die Ausdrucksformen unserer Fantasie und unserer Spiritualität ein. 

Die Fantasie ist stete sich ergebende Hochrechnung und Neukombination aller gesammelten Erfahrungswerte. Sie ist die innere Bühne auf der unser eigenes Stück läuft und wir wenden die Elemente der erlebten, eignen Erfahrungen und unserer Grundausstattung an. Eine meiner Theorien dazu ist auch, unsere (positiv performten) Fantasien erhalten uns "gesund" und am Leben, wenn die Alltagsumstände ein glückliches oder zufriedenes Leben vielleicht gerade verhindern. Als Lebewesen steuern wir immer Wohlbefinden an und dazu wird alles aufgewendet was uns zur Verfügung steht, es ist ein evolutionärer Effekt des Selbsterhalt. Alles was wir als Menschen können, uns als Spezies angeeignet haben, entspringt und fließt in die Kombination Arterhalt durch Selbsterhalt. Und das was wir rationales Denken nennen, ist eine Kombination aus all unseren inneren geistigen Möglichkeiten wie die Kraft der Spirtualtät oder eben auch die Fantasie...

Stephanie Ursula Gogolin
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16 Juni 2014

miteinander sprechen


... eine meiner Töchter ist beruflich bedingt viel und oft auch lange auf Autobahn und Straße unterwegs und dann ruft sie mich an... da kann es schon mal passieren, dass wir ein bis drei Stunden telefonieren. Dann quellen die Neuigkeiten über - es wird an das letzte abgebrochene Gespräch angeknüpft und die aktuellen Ereignisse thematisiert, das Tun und Treiben und das Wohl und Wehe der Kinder kommentiert und die persönliche Seelenlage durchdrungen. Es ist selten, dass die Themen knapp werden.

Ich mache es mir derweil mit einem Käffchen gemütlich, surfe nebenbei im Internet oder krame in meiner Küche - schließlich haben Frauen ja das angebliche Multitasking - Gen. Und es geht auch ohne Headset, die Lautsprecherfunktion des Festnetzhörers tut es auch. Die intensive Unterhaltung läuft nebenbei. Würden wir beide zusammen in einem Raum oder in ihrem Auto sitzen, würden wir uns ja auch unterhalten.

Das miteinander Sprechen, sich zuhören, gemeinsam lachen oder sich auch einmal trösten, ist eine essentielle Wohltat, die sich Frauen schon immer gegenseitig angedeihen ließen. Das Selbstverständnis artgerecht sinnlicher, weil kommunikativer Nähe ist heute prinzipiell selten geworden. Schon von Kindheit an gibt es genügend Übungsstrecken in denen wir diverse, nicht artgerechte, Verhaltensweisen lernen, wie still zu sitzen und zu sein und uns statt dessen auf diverse fremdbestimmte Forderungen zu konzentrieren. Morgenkreis im Kindergarten, Mittagstisch, Schulstunden, Hausaufgaben, Vorlesungen, Arbeiten für den Chef, vor dem Fernseher hocken ... Mütter allein zu Haus können sich mit ihren Kleinen „unterhalten“ - ein erwachsener Austausch ist eher selten - da müssen sie warten bis der Mann nach Hause kommt. Und das „Schatz, wir müssen mal reden“ hat inzwischen Kultstatus und ist selten ein gutes Zeichen in einer Beziehung. Der alltägliche, quasi natürliche verbale Austausch, die angeregte und anregende Unterhaltung, das (weibliche) miteinander Arbeiten mit begleitender Kommunikation, ist so gar kein zentrales Anliegen in unserer Kultur...
und so kommt es, dass auch ich weitaus mehr telefoniere, als von Angesicht zu Angesicht mit meinen Angehörigen und Freundinnen sprechen. Aber besser telefonieren als gar kein Kontakt und mit der Enkeltochter im fernen Pittsburgh wird vorzugsweise geskypt...



...was frau nicht gleich morgens erledigt, kann bis zum Abend im Drange der Ereignisse untergehen... so gab es gestern, trotz aller guten Vorsätze keinen Post....

01 Dezember 2013

I love you

Für das eigne Handeln Verantwortung übernehmen sollte zum guten Umgang mit der Welt gehören. Und ebenso für das, was ich sage und vor allem, wie ich es sage. Wir sollten uns da nicht herausreden, mit so Plattitüden, wie: selber schuld, wenn du mich falsch verstehst, ich hab es nur nett gemeint. 
Wenn ich falsch verstanden werde, liegt es manchmal auch daran, wie ich kommuniziere. Und dann ist vielleicht eine kleine Erläuterung fällig. Gegenseitiges gutes Verständnis passiert selten von ganz alleine und bedarf immer wieder der Nachbesserung. Gerade dieses „wie“ ist hierbei nicht unerheblich. 
Das kennen wir alle, da laufen zwischen zwei Menschen so Insider-Geschichten, die scheinbar lustig daher kommen, aber wie Scharmützel anmuten. Das mag im geschützten Raum noch angehen und wenn beide am Ball bleiben, klärt sich eines Tages die vertrackte Angelegenheit.
Oder auch nicht.
Aber wie ist das, wenn der Schlagabtausch in die Öffentlichkeit verlagert wird?
Wenn eine die andere aufzieht, wegen einer angeblichen Schrulle? Oder gar dem Fehlen einer solchen? Nur weil sie auf bestimmte Dinge oder Angelegenheiten einfach nur eine andere Sichtweise hat oder einen anderen Umgang pflegt. Ihr möchtet ein Beispiel dazu?

Angenommen eine von beiden mag Teddybären und besonders einen, den sie ausgesprochen gern hat. Sie schleppt ihn den ganzen Tag mit sich herum und nimmt ihn sogar mit ins Bett. Sie versteckt ihn nicht, wenn andere in ihre Wohnung kommen. Aber sie spricht auch nicht ständig über ihre Teddyliebe. Das ist für sie einfach ganz selbstverständlich.

Die andere mag auch Teddybären, viele sogar und sie hat sie dekorativ in ihrer Wohnung verteilt. Sie sammelt sie und ist stolz darauf. Sie strickt ihnen Höschen oder Jäckchen und reiht sie auf Regalbretter. Dabei meint sie, so und nicht anders müsste man Teddybären behandeln. Sie glaubt alles über Teddys zu wissen. Und da sie den Teddy der anderen noch nicht zu Gesicht bekommen hat, glaubt sie immer wieder, sie müsste diese von Teddys im Allgemeinen und von richtiger Teddyhaltung im Besonderen überzeugen. Das kann sogar zu schmerzlichen Missverständnisse führen, wenn zwei zwar Teddybären mögen, aber der Umgang mit ihnen und die dabei erlebte sinnliche Erfahrung gravierend unterschiedliche ist.

Also ich liebe meinen Teddy, von ganzem Herzen und respektiere alle Teddys dieser Welt und ihre Besitzer.



04 Januar 2013

...eine alte Geschichte


Die Alte - für viele eine mysteriöse Figur in unserer Zeit - nicht mehr wirklich in und dann auch noch eher fragwürdig als ehrwürdig... 


Wenn die Alte gelassen durch die Zeiten schreitet, berührt der Saum ihres Kleides Geschichte, die sie jedoch höchst selten schrieb. Liegt es daran, dass Geschichte schon lange nicht mehr erzählt, sondern aufgeschrieben wird und „Geschichte schreiben“ eine Metapher für das männliche „Geschichte machen“ ist? Die geschriebene Geschichte ist die Geschichte des Mannes. Wir wissen von den alten Hochkulturen mit ihren ersten mächtigen Bauwerken, erfahren von den, in glänzenden Rüstungen marschierenden Heeren, bestaunen den Prunk der Fürsten in ihren Palästen und Kathedralen - uns ist als wären wir dabei gewesen. Die Macht der modernen Bilder zeigt uns selbst Welten, die so wahrscheinlich gar nicht existierten. 

Das ganz triviale, das alltägliche Leben der Menschen besonders das der Frauen, ihr Fühlen, Handeln und Denken, war und ist für all die Geschichtsschreiber oft nur mäßig spannend. Glorreiche Feldzüge und raffinierte Politik hinter dicken Mauern, Heldentaten und große Erfindungen - das ist würdig festgehalten zu werden. Das lange friedvolle Leben in den quasi „vaterlosen“ Gesellschaften ist der Erwähnung kaum wert. 

Als der einst ebenbürtige Bruder der Frauen zum Vater und Herrscher aufstieg, ist er auch zum blutigen Gestalter der Geschichte geworden. So erfahren wir von der Existenz manch einer bis dahin als unbedeutend angesehenen Gemeinschaft erst, wenn sie nach Kämpfen und Schlachten von ihren Gegnern ausradiert wurde. In der Geschichte, die von den Siegern geschrieben wird begegnen wir der Alten nicht! 

Wer ist sie die Alte? Was tat sie? 
Saß sie mit ihren Töchtern und Kindeskindern am Feuer, während die Scharmützel durch die Jahrhunderte tobten? Wie ertrug sie es, die sich wiederholenden Verwüstungen mit anzusehen? Wie oft überlebte sie, um ihr bewahrtes Wissen in die Zukunft zu tragen und wie oft hat ein Schwert die Alte durchbohrt und damit immer wieder der Natürlichen Ordnung der Mütter einen Todesstoß versetzt? Und als gar der Vernichtungskrieg direkt gegen die Alte (und hier ist sie auch als grundsätzliches Synonym für die Frau gemeint) geführt wurde und die Scheiterhaufen brannten, hat sich wohl die Vorstellung von der gehrte Ahnin und vieles von uraltem Weiberwissen ebenso in Rauch aufgelöst. 

Das geschriebene Wort etablierte sich endgültig als Garant für Wissensweitergabe. Und die unnütze Alte mutierte in der modernen Zeit ein für alle Mal von der einst achtbaren Mutter über die Konkurrentin des Vaters hin zur Lachnummer der neuen Wissenswelt. Ab jetzt wurde ihre Spur in der Geschichte mit üblen Taten, Hexerei, Antiquiertheit und unnützem Gewäsch in Verbindung gebracht – die Frau und ihre Kindern sollen/wollen nichts mit dem Aberglaube der alten Mütter zu tun haben. Die Weise Alte, die kenntnisreiche und lebenskluge Mutter, gab/gibt es in unserem Kulturkreis nicht mehr!

Alles was wir heute nachlesen können, braucht uns kein altes Weib mehr zu sagen - so wurde die Alte unbemerkt aus der Geschichte verdrängt. Ihre Söhne verwalten jetzt das gesammelte Wissen - effizient und umfassend. Die wissende und die handelnde Alte verschwand nach und nach aus unser aller Alltag – zwar gab es (und gibt es mehr denn je) die älter werdende Frau - die stolze, die geachtete und geehrte Alte ist selten darunter. Was also wurde und wird mit den alt gewordenen Frauen oder den ausrangierten Großmüttern, die nicht gestorben sind und einfach weiterlebten? Wozu zum Geier gab es sie überhaupt, wenn doch das alte Weib in der Geschichte angeblich keine Spur hinterließ?

Doch das stimmt so nicht, wie wir inzwischen wissen - als Große Mutter - als Ahnin - ist die Alte sehr wohl bekannt und somit eine Institution. Nicht als einzelne Person und mit Namen überliefert, begegnen wir der Alten in der Geschichte – sondern inzwischen auch als Allegorie, als das ewige Weibliche, als das Leben selbst.

Als ihre Töchter einst die Menschengeschichte durch ihr gemeinschaftliches Sein prägten und Spuren in Stein hinterließen wurde im heutigen Sinne noch nicht „geschrieben“. Es wurde gesagt, erzählt, gekündet; gesehen und gehört; vorgelebt, Beispiel gegeben; vererbt und angenommen - überliefert - unsere kollektiven Erinnerungen waren die authentische Geschichte.

Kommunikation ist weiblich und damit ist nicht nur der verbale Ausdruck gemeint - Mütter und Töchter und Schwestern erschufen Sprache und Verständigung. Zugewandtes Reden und Hören findet mit dem ganzen Körper statt. Wir leben in einem Energiefeld des Verständinisses und der Zugewandtheit, wenn wir die weibliche Art der urtümlichen Sprache der Gemeinschaft anwenden. 


Die Geschichten, die sich die Menschen, die kommunikationsfreudigen Frauen, erzählten, sind unsere Geschichte. Wir lauschten einst den Mären und Sagen, den Späßen und Liedern und lernten dabei uns selbst zu entfalten und uns in die Gemeinschaft einzubinden. Der Kern all der Märchen ist vor allem die Betrachtung und Beachtung von sozialen Wechselbeziehung, von vorausschauenden, lebenskluge und mutige Verhaltensweisen.

Die Alte erzählte nicht nur oder schreibt heutzutage, sie ist die Geschichte...
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13 Oktober 2012

Von der Welt enttäuscht

Von der Welt enttäuscht oder Das Wunder der Kommunikation

Nun könnte man nach dieser Überschrift meinen, ich sei von der Welt, den Mitmenschen oder meinem Schicksal enttäuscht – weit gefehlt – ich lebe recht zufrieden in der besten der möglichen Welten und das meine ich erst einmal in einem kosmischen Sinne. Die Welt kann uns eigentlich nicht enttäuschen, denn alles hängt an unseren Erwartungen.

Unsere Welt, also die Erdkugel mit ihren natürlichen Bedingungen, gibt es ja schon seit ein paar Jährchen und alles befindet sich ständig in einer halbwegs stabilen, aber auch sensiblen Balance, wenn wir es mal von der Warte der Lebewesen aus betrachten. Als solche haben wir unheimliches Glück, dass die Erde den für uns richtigen Abstand zur Sonne einnimmt und sich so die für uns Lebensbedingungen über einen Zeitraum von ein paar Millionen Jahre erhalten haben. Auch dass die Erde einen Trabanten hat, unseren Mond, der zur Stabilität beiträgt indem er die Rotation unseres Globus abbremst. Oder dass unser kleiner blauer Planet weit genug vom Zentrum der Galaxie entfernt liegt, so dass hier relativ wenige Kometenwanderer (arme Dinos) vorbei kommen oder gar einschlagen. Allerdings ist und bleibt nach wie vor für alle das Leben lebensgefährlich. Viele der natürlichen und inzwischen auch der gesellschaftlichen Bedingungen unter denen wir leben, sind von uns nicht ohne weiteres zu ändern. Daher können wir also immer wieder sagen: Alles ist gut – nur nicht immer, nur nicht überall und leider auch nicht für jeden!

Als einzelner Mensch habe ich eine bestimmte Sicht auf die vorhandenen Bedingungen unter denen ich und wir alle existieren. Dazu nehme ich eine bestimmte Haltung ein. Diese besteht bei mir aus der Anerkennung der für mich unveränderbaren und variablen Bedingungen und dem Drang das Beste daraus zu machen – ein natürliches in uns angelegtes Überlebensprogramm. Aber da gibt es noch fataler Weise bestimmte, in frühster Kindheit angelegte Konditionierungen und immer noch funktionierende Glaubenssätze, welche der schlichten Auffassung von „ich schaff das schon“ oft genug im Wege stehen.

Nun habe ich das Glück als Frau geboren worden zu sein - in einer Zeit und einer Gegend der Erde, die mir ein relativ großes Maß an persönlicher Freiheit gestattet. Gleichzeitig jedoch habe ich und fast alle anderen, das Pech, dass unsere derzeitige Weltkultur mit einem prinzipiell menschenfeindlichen System durchsetzt ist das wir Patriarchat nennen. Unterdrückung, Fremdbestimmung und Unfreiheit sowie latente oder offene Gewalt als Dauerzustand sind die Muster dieses Gesellschaftssystems. Derzeit haben wir auch hier mehr oder weniger alle das Glück, dass unser Alltag relativ friedlich verläuft. Nur wenige nehmen die inszenierte und alles beherrschende Intention wahr, welche das angestrebte freie und natürliche Menschenleben der meisten gegen den raffiniert etablierten Machterhalt der patriarchalen Nutznießer ausspielt. Das Gefüge der Macht baut weder auf der Freiheit noch auf dem Wohl der Masse auf, sondern auf deren Verfügbarkeit und die wird rechtzeitig installiert. Sozusagen die Vervollkommnung von Zuckerbrot und Peitsche.

Der Mensch als Spezies ist schon recht lange unterwegs und ebenso steht uns als Individuum grundsätzlich eine ganz ordentliche Lebensspanne zur Verfügung. Im Schnitt sind es mehrere Jahrzehnte in denen wir persönliche und kollektiv geprägte Erfahrungen machen und Gedächtnisprotokolle in unserer Hirnrinde oder wo auch immer abspeichern  – vor allem zum Wohle unseres Nachwuchses. Die Weitergabe der eigenen Existenz ist die Sinn-Strategie der Lebewesen. 

Die (durchschnittlich) hohe Lebensspanne des Menschen ermöglichte uns vor Ort Naturereignisse über einen längeren Zeitraum zu beobachten und die Erkenntnisse für uns als Spezies, aber auch als Individuum, für unser Überleben zu nutzen. Und da sind wir – als Spezies mächtiger denn je. Alles hat bisher deshalb so gut funktioniert, weil wir in Angehörigengruppen und damit generationsübergreifend die soziale Balance geschaffen haben, die für die uns nachfolgenden Menschenkindern immer wieder das Leben ermöglichten. Zwar wird das soziale Miteinander auch immer der Situation angepasst - zum Beispiel dem Klima und seinen Folgen oder es ist von der Zusammensetzung unserer Lebensgemeinschaften abhängig. Die eine Seite ist also die Gesamtsituation, die uns bestimmte Vorgaben macht und die andere der individuelle Freiraum mit dem wir unser Dasein gestalten können. Und das kann durch viele Faktoren eingeschränkt sein. Durch Behinderungen aller Art – wie permanente Fremdbestimmung durch Menschen, die die Macht haben uns zu hindern unser Potential zu entfalten (oder eine Burka zu tragen) oder wir leiden an einer chronische Krankheit, die uns einschränkt.

Was von uns als Individuum dereinst übrigbleibt ist das Vermächtnis, das wir unseren (persönlichen) Nachkommen hinterlassen - in der direkten Erbgutanlage oder in Form weitergesagter Erkenntnissen. Zwar sind die Zeiten vorbei, da Menschen ausschließlich mündlich überlieferten, aber der Drang lebenslang das eigene Erkennen und Wissen mit anderen und am liebsten mit den Nahestehenden und dem Nachwuchs zu teilen, ist nun mal eine der Strategien, die den Erhalt der Spezies garantiert. 

Nur wer kann sich schon heutzutage in unserer sehr speziellen und strukturierten Welt ständig in mitten einer geneigten Zuhörerschaft nach Herzenslust verbreiten? Die Vereinzelung des Menschen greift wie eine Pandemie um sich. Wir werden am Weitersagen gehindert – aber - es lebe das Internet und die digitale Möglichkeit der Verständigung, die in den sozialen Netzwerken stattfinden. Der Ausweg ist die mittelbare und somit verzögerte Verständigung über das Schreibens. Im analogen Leben sieht es für das persönliche Gespräch, welches all die essentiellen Gefühlsinformationen transportiert, zunehmend schlecht aus. Während der Arbeit und in der Schule kommt Schwatzen gar nicht gut. Für ein ausgiebiges, freundliches und zugewandtes Gespräch, so von Kindergartenkind zur Erzieherin, ist selten Gelegenheit und die Konkurrenz um die Aufmerksamkeit des Erwachsenen ist groß. Die häuslichen vier Wände sind in der Regel auch nicht gerade angefüllt mit interessierten Menschen, die nur darauf warten mit einem Kind in Muße zu kommunizieren. Gesellige Runden, noch dazu ungezwungene, sind in manchem Alltag so selten geworden, dass sie sofort Eventcharakter annehmen. Da werden zu bestimmten Gelegenheiten Treffen aufwendig organisiert – auch für Kinder - unter dem Zwang ein unvergessliches Erlebnis zu schaffen (der Aufwand muss doch lohnen). Es herrscht also grundsätzlich sowie in vielen persönlichen Lebensläufen inzwischen ein Mangel an unspektakulärer, zugewandter und wohlmeinender Interaktion.

Doch genug der Einführung in die alltäglichen sozialen Verwobenheiten und Notwendigkeiten und schauen wir nachsichtig auf unsere eigne Bereitschaft mit der Welt zu kommunizieren. Diese Nachsicht sollten wir immer üben. Denn wenn Verständigung mit unserem Umfeld nicht gelingt, liegt es nicht immer an uns selbst. Bereits seit Generationen werden wir und hier im besonderen die Frau, in unserer Kultur zur Sprachlosigkeit angehalten sowie dem Unterdrücken des, mit interaktiver Kommunikation einhergehenden, körperlichen Ausdrucks. Sich möglichst nicht exponiert benehmen, nicht zu laut lachen, nicht durch auffälliges Verhalten die Blicke auf sich ziehen, gehört zu den Regeln des guten Benehmens.

Reden ist Silber, Schweigen ist Gold – das bedeutet auch schon für das Kind, dass es früh angehalten wird, anderen und hier dem sprechenden (meist männlichen) Erwachsenen nicht einfach ins Wort fallen. Allerorts muss die eigene, natürliche Begeisterung gedämpft werden. Wir sind aufgefordert uns zurück zu halten und in das Marionettentheater, das uns umgibt, einzureihen. Mit naiven Schwung und kindlichem Enthusiasmus könnten wir die Fäden verwirren, an denen die meisten Erwachsenen hängen und von denen niemand so recht weiß, wer gerade daran zieht. Daher lernt schon das Kind Zurückhaltung und höchstens die passende Rhetorik um im passenden Moment das Passende zu sagen. Ob es auch das Richtige ist, steht kaum zur Debatte.

Und so geschieht es immer wieder, dass wir mit uns selbst genauso ungesellig umgehen und in uns selbst ebenso unsicher kommunizieren, wie es uns unsere Erzieher vorgelebt haben. Mit uns selbst in einem ständigen, wohlmeinenden Kontakt zu stehen haben wir teilweise schon in unserer Kindheit verlernt. Von der Eigen-Wahrnehmung immer wieder abgelenkt, leben die meisten von uns auch noch abgetrennt von ihrer Herkunft. Das Wesentliche des Menschseins – sich dauerhaft in einer zugehörigen und zugewandten Gemeinschaft aufzuhalten – ging in unserer Kultur der Unverbindlichkeit verloren...

Fortsetzung folgt...