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15 September 2015

Artgerechte Geborgenheit oder Stockholmsyndrom

Kinder sind kein Partnerersatz (eine Wiederholung vom September 2013)

... schon gefühlte tausendmal stolperte ich über den Satz: „Kinder sind kein Partnerersatz..." So auch heute wieder und hier der (etwas überarbeite) Kommentar, den ich zu dem Thema hinterlassen habe:Ja, das stimmt! Kinder sind kein Partnerersatz.

Unsere Kinder sind die, uns am meisten verbundenen Angehörigen. Auch noch und natürlicher weise, wenn sie dem Kindesalter entwachsen sind. Diese Verbundenheit wird in unserer (westlichen) Kultur des 'separierten erwachsenen Menschen' als irrelevant erklärt. Wir wissen: das (menschen)artgerechte Sein einer durch Geburt verwandten Angehörigenbindung ist die eigentliche Basis des menschlichen Zusammenlebens.

Die Idee, dass manche Menschen ihre Kinder als Partnerersatz "missbrauchen", ist daher eine komplette Umkehrung der naturgemäßen Wertigkeit.

Im Gegensatz zum Kind ist der sogenannte Partner, dem tradierend die ganze Liebe gelten soll, nur ein Surrogat - die Ersatzperson für den im Patriarchat verlorengegangenen natürlichen Lebenskreis. Unsere Kinder sind die Menschen die naturgemäß zu uns gehören - sie sind unsere unmittelbarsten Bindungsangehörigen.

Eigentlich schlimm genug, dass wir sie durch fremde (nicht verwandte) "Partner" ersetzen sollen. Und bevor hier eine Schutzzone um die 'Familie' gezogen oder der beliebte Satz zitiert
wird, dass man sich Familie bekanntlich nicht aussuchen kann, sollten wir einfach nur das künstliche, patriarchöse Familienkonzept mit dem natürlichen matrifokalem Sein vergleichen, um zu verstehen, dass unsere Kinder in letzteres gehören.

Schon sehr früh beginnt in unserer tradierten Kultur das Einschwören auf den noch unbekannten zukünftigen Partner, mit dem frau/mann möglichst den Rest des Lebens verbringen wird. Die Konditionierung zu autarken und bindungslosen, aber dafür beziehungssüchtigen Erwachsenen, erfolgt bereits ab der frühesten Kindheit. Um das zu erreichen wird natürliches Bindungsverhalten (im Besonderen die Mutter-Kind-Bindung) so früh wie möglich diskriminiert bzw. unterdrückt und der Augenmerk auf beliebige andere Beziehungskonstellationen gelenkt.

So gehört es zur Standard-Denke, dass ein Kind durch beliebige Bezugspersonen ebenso versorgt werden kann und es daher nicht zwangsläufig der Mutter und einer Angehörigensippe bedarf, als Kind eine geborgene Entwicklung in einer mütterlichen Nähegemeinschaft zu erleben. 

Die Fixierung erfolgt im Kindesalter in der Kleinfamilie erst auf das Elternpaar - Vater und Mutter - und später tritt als Ideal der sogenannte Partner auf und besetzt die freigehaltene Stelle als (einzige) Bezugsperson.Wir leben daher in einem permanenten Mangel an Bindung, Zuwendung und Zugehörigkeit. Der heutige, vereinzelte, Erwachsene ist imho niemals in der Lage, dass er bzw. sie dem irrwitzigen Anspruch unserer heutigen Gesellschaftskultur einem Partner alle Komponenten einer Fürsorgegemeinschaft zu ersetzen. Wir und hier vor allem die Frau, sollen eigentlich allein (bzw. in wechselnden Beziehungen) leben und aus eigner Kraft immer noch einen Partner und eventuelle Kinder mitversorgen.

Die ursprüngliche Fürsorgegemeinschaft, das Matrifokal bzw. die matrifokale Sippe wurde im Patriarchat ins Reich der Mythen verwiesen bzw. wurde als nicht existent erklärt. Der natürliche Background einer Angehörigengemeinschaft ist in unserer Realität nicht mehr existent und so wird erwartet, dass Mütter im Patriarchat ihre Kinder kaum noch oder nur teilweise selbst aufziehen. Es wird ihnen, sowohl den Müttern als auch den Kindern, nicht nur die letzte Bindungsperson wo immer es geht entzogen, sie lernen auch noch Geborgenheit als Verhinderung des autarken Lebensweges einzustufen. Der permanente Mangel an Zuwendung steht als Selbstverständnis einem zukünftgen Ausgleich durch einen (noch unbekannten) Lebenspartner gegenüber, auf den die eigene Bedürftigkeit projiziert wird.

Noch ist es vermehrt so, dass es die vorhandene Bindung zum Kind sukzessive zu lösen gilt und dem Kinde so früh wie möglich "Flügel" gegeben werden, manchmal noch bevor sie "Wurzeln" bekamen. Frau wird durch die anonyme, konventionelle Gesellschaft dazu genötigt und lässt in vorauseilendem Gehorsam freiwillig erziehen und ausbilden - hier greift das staatliche Bildungssystem (Schulpflicht), der wirtschaftliche Druck der Erwerbstätigkeit und die Ideologischen Dogmen der Mainstreammedien.

Das patriarchal geprägte Familiensystem ist von seinem Ursprung her der Abklatsch eines jeden Herrschaftssystem im Patriarchat. In diesem herrscht(e) als Prinzip eine Atmosphäre, die vergleichbar ist mit einer Geiselnahme und daher auch immer wieder die Symptome eines Stockholmsyndrom bei den Betroffenen hervorbringt. Ein permanenter Nährboden für Gewalt, Übergriffigkeit und Missbrauch aller Art. Überall da, wo vereinzelte Erwachsene mit einer gewissen Macht ausgestattet sind und in einem unnatürlichen, sozial quasi nicht korrigierenden Raum agieren, findet grundsätzlich eine Art systemimmanenter Missbrauch statt.

Den heutigen Erwachsenen und hier besonders den männlichen, umgibt nicht mehr das selbstverständliche Korrektiv einer (anwesenden) konsanguinen* Angehörigengruppe.
Der moderne Mensch wendet sich schon während des Heranwachsens in vielen kleinen Brüchen von dem naturgemäßen Lebenskreis (seiner Herkunftssippen, die nun mehr nur fiktiv vorhanden ist) ab - d.h. es/sie/er wird systematisch vom naturgemäßen Versorgungssystem kulturell „abgenabelt“.

Dabei wird so früh wie möglich eine distanzierte, für Menschen unnatürliche, Alltagssituation geschaffen, die als Sprungbrett in das sogenannte „eigene“ Leben dienen soll. Als vorgegebenes Ziel erlernen wir einen möglichst permanenten Zustand der romantischen Liebe anzustreben und auf sexuellem Begehren aufgebaute Beziehungsgebilde (auf Lebenszeit) mit einem bis dato unbekannten Menschen einzugehen. Das Erfüllen der patriarchös geformten kulturellen Maßvorgaben ist für den einzelnen fühlenden Menschen zu einem permanenten Mangelzustand an Schutzwärme, Geborgenheit und energetischem Austausch geworden. Nachhaltige Sentimente, Zuwendung, Aufmerksamkeit und vor allem generationsübergreifende Fürsorge ist in unserer, auf den Erwachsenen mittleren Alters ausgerichteten Welt, alles andere als selbstverständlich vorhanden. Wir klagen über das Vorhandensein von ständigem Menschenmissbrauch und dabei wird übersehen, dass mit der Hörigkeit dem patriarchalen System gegenüber täglich aufs Neue, die dazugehörigen Voraussetzungen geschaffen werden.

Der (fremde = nichtverwandte) Partner in einer Zweierbeziehung ist in jedem Fall der Ersatz für die verpönte Kindes- und Angehörigenbindung und 'das Kind' ist gerade nur noch als Synonym für die konsanguine Angehörigensippe gestattet. Hier wird auch deutlich, dass der gern gebrauchte Ausspruch, dass ein Kind seinen Vater braucht, im Grunde auch nur die Verkehrung der eigentlichen Tatsache ist, denn 'Der Vater braucht das Kind!'.


(* konsanguin bedeutet: durch Geburt verwandt in mütterlicher Linie

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01 Januar 2015

... das Jahr der Drachin

... 2015... ich denke das wird mein ganz persönliches Jahr der Drachin ... 

So ein Drache ist ein fassettenreiches Wesen, ein beliebter Mythos, der an kultureller Vielfalt kaum zu überbieten ist. In allen Farben schillernd und mit einem Repertoire an Eigenschaften versehen, die von edler Sanftmütigkeit bis zur grausamen Monstrosität reichen.

All die geflügelten Mischungen aus schuppiger Echse und riesigem Huhn, die wahrscheinlich ein im Erdreich gefundenes Saurierskelett zur Vorlage hatten, sind durch die Begeisterung und die Fantasie unzähliger Berichterstatter, Weiterträger und Geschichten-Spinnerinnen in den mythologischen Kosmos des Menschen eingegangen. Vielleicht sind sogar ein paar irrwitzig ferne Augenzeugenberichte dabei gewesen, aber das glaube ich eher nicht, sonst würden wir doch vielleicht ein paar drachenähnliche Wesen zwischen den teilweise sehr realistischen Höhlenzeichnungen finden.

Wir kennen sie alle, die europäischen Drachengeschichten von den Feuerspeienden Monstern, Tod und Vernichtung bringenden und Menschen jagenden Ungeheuern und wissen auch um beispielsweise so ganz anders gearteten Drachen – in Asien sind sie vor allem Symbole des Glücks. Und schauen wir in die aktuelle Kinderliteratur, da wimmelt es nur so von knuffigen, niedlichen und hilfreichen, wenn auch meist tolpatschigen, Drachen. Der Drache hat in den Kinderzimmern eine besonders liebenswerte Konjunktur, genau wie die Hexe und dass obwohl heute immer noch Geschichten von Drachen erzählt werden, die nicht den Drachen selbst, sondern den Drachen vernichtenden Helden in den Mittelpunkt rückt.  Aber auch steht häufig der Effekt im Vordergrund, den wir auch landläufig von der Magie her kennen. Der Nutzer, der Anwender von Magie, bestimmt, ob sie ein gutes oder böses Ergebnis zeitigt und daher Wohltaten hervorbringt oder Schaden verbreitet. So ähnlich verhält es sich nun zwischen Mann und Drache - da gibt es Drachenzähmer und Drachenreiter und Drachenmeister, die diesen lenken und kontrollieren können. Daraus resultiert ob es „gute“ Drachen gibt oder ob sie weiter eine Ausgeburt des Bösen sind. Die menschliche oder soll ich hier sagen die männliche Fantasie erschuf so ein Wesen, dass sich ganz nach Belieben für jede Dramaturgie eignet.

Außerdem sind Drachen eine Metaphern für etwas, was nicht mehr gibt. Sie sind heroische Fabelwesen, unersetzliche Märchenelemente und lassen sich problemlos in die klassische Doppelbedeutung des „Gut und Böse“ - Universum einpassen. Zudem gibt es unzählige Geschichten von „dem Letzten seiner Art“. In den Drachentöter-Heldengeschichten sind die Drachen immer knapp und das wird wahlweise bedauert oder begrüßt. Den letzten Drachen zu töten bringt dem Helden Ruhm oder wie bei Georg, eine Heiligsprechung ein.

Drachen lösen beim Betrachter eine gewisse Zwiespältigkeit aus, mit der so manches Andere in der Mythen- aber auch in der realen Welt behandelt wird. Die Frau zum Beispiel.
Frauen werden gern mal mit Drachen gleichgesetzt. Oder hat eine schon mal den Ausspruch über einen Mann gehört: „Der ist so ein richtiger Drache...“? Ich noch nicht. Und spätestens hier wird klar – Drachen sind eigentlich vom Grunde her irgendwie weiblich. Selbst wenn es immer wieder 'der' Drache heißt.

Allerdings ist es logisch, dass ein guter Teil der unendlich vielen Drachenspezies, wenn wir sie als virtuell biologisch ansehen, weiblich sein muss. Denn es sind die Exemplare der Drachin, die diese berühmten Dracheneier legen, von denen immer wieder welche im Fantyversum gefunden werden.

Wir kennen es aus vielen Erzählungen - dem Drache wird die schönste und reinste Jungfrau geopfert ... oh wenn es doch so wäre ... und der ritterliche junge Held reitet wild entschlossen heran, mit gezücktem Schwert, bereit die holde Maid aus den Klauen des Großmütterlichen Zugriffs ... hä, was schreibe ich denn da?

Und damit sind wir bei der klassischsten aller Metaphern: 
Die Großmutter - Die Große Mutter - als die Drachin, das Urwesen, als die gewaltige Drachenschlange der Mythologien, die das Leben und den Kosmos gebiert. 
Und wer je eine richtige Großmutter kennen gelernt hat, weiß dass sie auch Feuer speien kann.


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23 Dezember 2014

... ich bestehe aus Vergangenheit...

Das einzige reale Leben ist die Vergangenheit. Da wissen wir, dass alle Ereignisse sowie das Leben bereits stattgefunden hat. Die Vergangenheit existiert im erinnerten und im unerinnerten Sein. Sie geschah und ist daher Wirklichkeit.
Die Gegenwart ist immer nur der aktuelle Moment, der Wimpernschlag, das Geschehen im Augenblick. Die Gegenwart ist die Quelle unserer Zeitwahrnehmung. Mag sich die Zeit wie ein ewiger Fluss durch das fassliche und unfassbare Ereignen wälzen, interessant ist für mich, was ich davon wahrnehme, was ich davon erlebe. Mein eigenes Erleben ist begrenzt. Doch ist es auch Menschenart, das Erleben meiner (Außen)Kontakte dem meinen hinzuzufügen.
Ich weiß, wie die Zeit vergeht, was sie beinhaltet und sehe welche Ereignisse bisher überliefert wurden. Viele davon können für mich von Bedeutung sein. Ich bin - als Person - ein integrierter Teil dessen, was bereits da ist. Mein gesamtes Leben ist jedoch auch in den generativen Zyklus des Lebendigen eingebettet und so bin ich Individuum und zyklisches Lebewesen.
Das auf Erden gelebte komplexe Leben und dessen unerlässlichen Rahmenbedingungen, bilden meine Zeitblase Gegenwart, umgeben von der real existierten Vergangenheit
Die Zukunft ist nur ein Hoffen darauf, dass sie einmal zum Moment der Gegenwart und zur tatsächlichen Vergangenheit wird.
In meiner Wahrnehmung passieren die Ereignisse, die als Zeitabfolge in die Geschichte eingehen und diese Vergangenheit bildet die Kulisse in der wir uns unentwegt bewegen. Die Vergangeheit ist die Wirklichkeit.
Je dichter das zukünftige Geschehen an unserer Gegenwart dran ist, desto leichter lässt sie sich vorher sagen und desto wahrscheinlicher ist es, dass sie sich so gestaltet, wie wir es erhoffen. Die nächste Stunde oder den kommenden Tag können wir noch gut einschätzen. Monate, Jahre, Äonen sind nur als Tendenz vorhanden und nur bedingt hervorsagbar. Da unsere bewegte Welt aus Milliarden von Gegenwärtlichkeiten und schier unfassbaren vielen energetischen Verknüpfungen besteht welche in die bekannten physikalischen Bedingungen eingefasst sind, ist die Zukunft stets ungewiss. Aber aus einer durch uns zufrieden gestalteten Vergangenheit und einer glücklich performten Gegewart heraus, lässt sich auch die Ungewissheit der Zukunft ertragen...


... diese Betrachtung wurde inspiriert durch den Artikel in "Rette sich wer kann"

16 August 2014

Intuition und Erdbeereis


... auf FB schreibt A. Aliti gerade: "Hüte dich vor deiner Intuition! Alles, was sie will, ist ein Vanilleeis..." - Interessante Sichtweise.
Also meine Intuition würde ein Erdbeereis wollen, wenn sie denn auf die Idee käme, etwas zu wollen. Und ich wiederum käme nicht auf die Idee, mich vor meiner Intuition hüten zu wollen. Ich möchte viel lieber den Satz ausrufen: habt keine Angst vor eurer Intuition – ihr seid eins mit ihr!
Unsere Intuition - natürliche, und wahnsinnig schnelle, Sofortreaktion unseres Gesamtkörpers, manchmal als Denkleistung missverstanden - greift ständig auf unseren individuellen, gigantischen Wissensspeicher (Hirn) und unsere anderen (epi)genetisch und memisch angelegten Pools, zurück.
Vielleicht auch auf das sogenannte Zellgedächtnis - sie ist also nicht nur auf die selbstgemachte Erfahrungen nach unserer Geburt innerhalb der vorhandenen morphogenetischen Felder im Gemeinschaftskontext unserer Spezies angewiesen.

Die größte Kraft aller Lebewesen ist die komplexe "Erinnerung" in unseren Chromosomen und damit in den jeweiligen Körpern. Sie findet ihren Ausdruck im instinktiven Verhalten und dem Drang Überlebens"Erfolge" zu replizieren. Die in den Zellen der Mütter eingelagerten Daten (die ererbten und die später selbst gemachte und abgeschauten Erfahrungen) stehen uns grundsätzlich zur Verfügung. Die geistige Weitergabe über Sprache ist, als ein Teil der Menschenkommunikation, eine Strategie in der evolutionären Überlieferung. Der interaktive Gesamtaustausch, den die  Spezies Mensch beherrscht, beansprucht mehr als nur den Sinn des Hörens. (Und die Schrift, die wir heute als so essentiell ansehen, ist nur ein Sahnehäubchen jüngeren Datums auf der interaktiven Menschen- sowie komplexen NaturKommunikation.)
Zum Fühl-Denken benutze ich nicht nur meinen Kopf, sondern meinen ganzen Körper und das ist das Tolle dabei, dieses Gesamtpaket hat einen Vorab-Ausdruck der zu erwartenden Reaktionen auf die Anforderungen meiner Umwelt: die Intuition.
Die Intuition stammt noch aus der Zeit, als nicht alles zwanghaft durch Denken und gedachte Sprache gelöst wurde, sondern nur reflexhafte Reaktionen, ausgelöst durch eine Instinktsteuerung, welche die Lebewesen und irgendwann auch uns, die Menschen, tagtäglich überleben ließen. 
Unter Intuition verstehe ich die Bündelung unserer fünf Sinne und mindestens des sechsten und siebten noch dazu - wir nennen sie auch Ahnung oder Bauchgefühl, und sie ist keine "Kopfleistung", wie sich auch oft vorgestellt wird. Das Sonnengeflecht mit seiner hohen Konzentration von Nervenbündeln, in dem scheinbar unsere Intuition sitzt, wird nicht umsonst auch Bauchgehirn genannt und es arbeitet unablässig, aber unwillkürlich. 
Wenn ich es recht überlege, wollte meine Intuition noch nie ein Vanille- oder Erdbeereis, aber sie führte mich oft genug genau dahin, wo ich schon immer einmal hinwollte, wo ich mich wohl fühle, wo es mir gut geht. Und ebenso oft entgegen der Unkenrufe aus meinem kultur- bzw. zivilisationsgesteuerten, tradierten und manipulierenden Umfeld. Allen anderen Meinungen zum Trotz behaupte ich - weiß ich - dass meine intuitive innere Führung nur mein Bestes im Sinn hat. Dieses Beste war in grauer Vorzeit dafür da, das eigene Überleben zu garantieren. Und das fand bei der Spezies Mensch als Alltagsleben im Kreise der angehörenden Verwandten statt, im Verbund mit den Menschen, mit denen uns ein gegenseitiges, wohlmeinendes und fürsorgendes Miteinander verband.
Der andere Haupteffekt des Lebens, der zum urtümlichen Grundausstattungspaket gehört, ist der (ebenfalls) unwillkürlich angelegte Drang zum Arterhalt. Hier ist nicht flüchtiger erotischer Spaß gemeint, sondern vorrangig, also noch vor allem anderen, das lebenserhaltende Aufziehen des Nachwuchses und das generationsübergreifende Miteinanderleben, also unser menschenartgerechte Sein, das durch die Mütter garantiert wurde.
In diesen naturgemäßen Lebenskonstellation hat sich wohl die, einst und heute noch wie eh und je wirksame, Intuition gebildet.
Natürlich ist der Gebrauch (die bewusste Wahrnehmung) unserer Intuition, genau wie das Denken, auch eine Übungssache. Wir müssen lernen unsere Körperreaktionen zu deuten. Nachdenken, überhaupt Denken ist wichtig in der Welt in der wir leben, aber wir dürfen unsere Gemütsbewegungen, Empfindungen und Gefühle sowie Affekte, weder außer acht lassen, noch unterdrücken. Mehr denn je, werden sie heutzutage mit tausenden zivilisatorischen Eindrücken und widersprüchlichen Erfahrungen überlagert.
Die Intuition diente dem körpereigenen Verbundnetz auf die Außenwelt möglichst angemessen zu reagieren - angemessen im Sinne des Selbsterhaltes.
Intuition ist keine Entscheidung des Herzens, sondern sie sitzt tiefer. Sie ist das Bauchgefühl, das unter anderem dem sogenannten ersten Eindruck seine Bedeutung verleiht. Für viele ist sie die wichtige Entscheidungshilfe. Sie ist immer da und wird meist unbewusst genutzt. Sie gibt den Ausschlag für oder gegen eine Entscheidung oder macht es uns leichter, wenn wir in einem Dilemma stecken.
Die Intuition ist sozusagen die Ursteuerung, zu der immer noch die Erfahrungswerte aus unserem Lebens als Person hinzukommen.
Unsere Intuition, die aus den Tiefen der Urzeit stammt, will dass wir auf der sicheren Seite sind - sie ist eine Überlebensstrategie, ein Teil unseres elementaren Lebenserhalt. Aber wenn wir aus welchen Gründen auch immer gewisse Risikogrenzen - freiwillig oder fremdbestimmt - überschreiten, sorgt in der Regel unsere Intuition dafür, dass wir blitzschnell abwägen, wie weit wir noch gehen können oder sollten.
Wenn diese Notbremse allerdings nicht mehr funktioniert, wenn wir auf unser Bauchgefühl nicht mehr hören und daher auch die Ahninnen uns nicht mehr durch unsere Ahnungen beschützen, dann sind wir vielleicht nur noch ein Spielball der Ereignisse ...tja und dann rechnet unser Intuitionsnavi solange, bis er eine neue Route aus dem Schlamassel gefunden hat. Da unser Navi dafür da ist, dass wir weiterhin einen möglichst sicheren Weg beschreiten, schlägt er uns dann in der Regel vor: Wenn möglich, bitte wenden... 
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25 Juni 2014

nachdenklich

... gestern Nachmittag rief mich nach langer Zeit eine Freundin an. Vor etwa zwei Monaten hatte sie eine Brust-OP und nun plagt sie sich mit irrationalen Schuldgefühlen. Statt in Ruhe zu heilen, kämpft sie verzweifelt um Normalität und bezichtigte sich der Faulheit. Statt einfach anzunehmen, dass sie von ihrem Lebensgefährten gut versorgt wird, hadert sie damit, dass ihr selbst das Staubwischen schwer fällt. Zweimal in der Woche geht sie schon wieder wie zuvor zum Sport, obwohl sie hinterher fix und fertig ist... ich fragte sie vorsichtig, ob sie denn wirklich das eigene Wohl im Auge behält?
Am Abend, relativ spät, rief mich eine andere Freundin an und... wir sprachen über ihre Brust-OP – es war ein einziges Déjà-vu! Sie unternimmt hektisch dutzende Maßnahmen um zu gesunden ... nimmt zusätzlich Heilerin und Heilpraktikerin in Anspruch und rast weiter durch die Welt, ohne sich zu schonen, so wie ich sie schon immer kannte und ihre Arbeitstermine sind auch nur aufgeschoben und keiner wurde aufgehoben. Ich würde sagen: Beider Ziel ist, so schnell wie möglich wieder so zu funktionieren wie zuvor.
Und jetzt frage ich mich: was weiß ich über meine wahren Bedürfnisse? Was brauche ich in diesem Moment und in der Zukunft, um froh, zufrieden und möglichst heil zu sein? Wie sehr lebe ich mit mir im Einklang?
Bei beiden Frauen habe ich den Eindruck, dass sie nicht wirklich wissen, was sie brauchen ... was ihnen fehlt, mal abgesehen davon, dass ihnen ein Stück, ein nicht unerheblicher Teil, ihres Körpers genommen wurde...

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13 Juni 2014

Sommerpause


Die Sommerpause ... eine beliebter Zwischenstopp für Bildungseinrichtungen, manche Fernsehsendung und auch Permanentblogger, Vielschreiberinnen und Dauerposter....
was aber, wenn die Beiträge im eigenen Bloggeschehen seit einem Jahr eh schon spärlich tröpfeln und die Blogbetreiberin froh ist, wenn sie zwei Postings pro Monat hinkriegt ... da liegt es doch nahe die Sommerzeit zu einem Bloggerevent umzugestalten und (fast) täglich zu posten... mögen die anderen in der ganzen Welt Ferien machen, ich reise nach Bloggieland und werden sechs Wochen durchposten... oder vielleicht gar acht? Heute ist Freitag der 13. und Vollmond – eine guter Tag für den Anfang eines neuen Projektes... und ich habe bestimmt genug Themen... nur den Fußball werde ich wahrscheinlich auslassen...



01 Dezember 2013

I love you

Für das eigne Handeln Verantwortung übernehmen sollte zum guten Umgang mit der Welt gehören. Und ebenso für das, was ich sage und vor allem, wie ich es sage. Wir sollten uns da nicht herausreden, mit so Plattitüden, wie: selber schuld, wenn du mich falsch verstehst, ich hab es nur nett gemeint. 
Wenn ich falsch verstanden werde, liegt es manchmal auch daran, wie ich kommuniziere. Und dann ist vielleicht eine kleine Erläuterung fällig. Gegenseitiges gutes Verständnis passiert selten von ganz alleine und bedarf immer wieder der Nachbesserung. Gerade dieses „wie“ ist hierbei nicht unerheblich. 
Das kennen wir alle, da laufen zwischen zwei Menschen so Insider-Geschichten, die scheinbar lustig daher kommen, aber wie Scharmützel anmuten. Das mag im geschützten Raum noch angehen und wenn beide am Ball bleiben, klärt sich eines Tages die vertrackte Angelegenheit.
Oder auch nicht.
Aber wie ist das, wenn der Schlagabtausch in die Öffentlichkeit verlagert wird?
Wenn eine die andere aufzieht, wegen einer angeblichen Schrulle? Oder gar dem Fehlen einer solchen? Nur weil sie auf bestimmte Dinge oder Angelegenheiten einfach nur eine andere Sichtweise hat oder einen anderen Umgang pflegt. Ihr möchtet ein Beispiel dazu?

Angenommen eine von beiden mag Teddybären und besonders einen, den sie ausgesprochen gern hat. Sie schleppt ihn den ganzen Tag mit sich herum und nimmt ihn sogar mit ins Bett. Sie versteckt ihn nicht, wenn andere in ihre Wohnung kommen. Aber sie spricht auch nicht ständig über ihre Teddyliebe. Das ist für sie einfach ganz selbstverständlich.

Die andere mag auch Teddybären, viele sogar und sie hat sie dekorativ in ihrer Wohnung verteilt. Sie sammelt sie und ist stolz darauf. Sie strickt ihnen Höschen oder Jäckchen und reiht sie auf Regalbretter. Dabei meint sie, so und nicht anders müsste man Teddybären behandeln. Sie glaubt alles über Teddys zu wissen. Und da sie den Teddy der anderen noch nicht zu Gesicht bekommen hat, glaubt sie immer wieder, sie müsste diese von Teddys im Allgemeinen und von richtiger Teddyhaltung im Besonderen überzeugen. Das kann sogar zu schmerzlichen Missverständnisse führen, wenn zwei zwar Teddybären mögen, aber der Umgang mit ihnen und die dabei erlebte sinnliche Erfahrung gravierend unterschiedliche ist.

Also ich liebe meinen Teddy, von ganzem Herzen und respektiere alle Teddys dieser Welt und ihre Besitzer.



26 August 2013

Manchmal...


... manchmal lese ich in meinem eignen Blog, der inzwischen einen Umfang von respektablen 320 Beiträgen verzeichnet und viele davon sind nicht gerade kurz.
Ich picke mir von Zeit zu Zeit ein Label heraus und schaue, was ich unter dem Stichpunkt so abgelegt habe.
Zum Thema „Großmutter“ finden sich 47 und bei „Mutter“ sogar 62 Texte. Natürlich gibt es dabei etliche Überschneidungen. Aber wenn ich die einzelnen Texte miteinander verknüpfen würde, käme eine recht umfangreiche, konsistente Betrachtung zum Thema Mutter dabei heraus. Die Frage ist jedoch, interessiert das "Mutterthema" noch Andere außer mir?
Frauen zeigen sich heute an allem Möglichen interessiert und genießen die Freiheit sich zu jedem nur erdenklichen Thema zu verbreiten. Manchmal sind auch einige darunter, die sich dem Phänomen Mutter zuwenden. Gefühlte 1% und überwiegend junge Frauen, die sich aktuell im Mutterstatus befinden.
Die Frau von Heute hat viele Identifizierungsmöglichkeiten über die sie eine Pseudoverbundenheit* mit anderen Menschen leben kann. Sie ist Bürgerin eines Staates und sie kann Christin, Buddhistin oder Muslima sein. Frau ist Feministin oder Esoterikerin, Künstlerin, Rentnerin oder Mitglied einer Jugendgang. Sie liebt es, die Frau an der Seite von Herrn Y zu sein oder eine bekannte Politikerin. Eine Frau kann sich mit ihrem Beruf identifizieren - als Sekretärin, Ärztin oder Nutte, alles ist möglich. Sie kann als Model Karriere machen, ja sogar als Fan einer Berühmtheit selbst berühmt werden. Je nach ihrem Lebenskonzept oder ihrer Einstellung wird sie in der Öffentlichkeit als Vegetarierin, Lesbe, Ehefrau, Bloggerin oder Nonne wahrgenommen. Sie kann anstrengend, angepasst, modebewusst oder völlig desinteressiert sein. Die Vielfalt an Merkmalen, die es für die Frau heute gibt, sind schier unendlich und alle Frauen können außerdem noch Mütter sein. Das wird aber nur manchmal registriert...


* ... in der patriarchös geprägten Gesellschaft sind für den erwachsenen Menschen eigentlich nur Pseudobindungen vorgesehen...
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24 August 2012

Kinderspiel

Mädchen spielen mit Puppen, Buben mit Pferden und Autos - so weit so gut ... eines Tages (es ist etwa fünfzig Jahre her) wurde dieses als schädlich anmutende Geschlechterfestlegung erkannt und sollte sogleich im Interesse der Gleichberechtigung aufgehoben werden. 

Insbesondere die Frau sollte nicht mehr vom Mutterleib an auf ihre zukünftige Rolle als Mutti festgelegt werden, sondern die gleichen Chancen erhalten, wie sie dem männlichen Geschlecht schon lange zustand. Es galt bei den Mädchen die einseitige Ausrichtung auf die Babypuppe zu vermeiden und ihnen einen selbstverständlicher Zugang zu jeder Art von Technik und männlicher Freizeitgestaltung zugänglich zu machen. Im Gegenzug hoffte man dem kleinen Jungen soziale Kompetenz durch Puppenspiel nahe zubringen - denn: Neue Männer braucht das Land.

Dem Zug der Zeit folgend wollten auch wir damals als moderne Eltern, unsere Kinder nicht in peinliche Rollenklischees treiben und boten ihnen ausgewogen jede Art von Spielzeug an. Im Regal unserer Töchter setzen die Alibiautos Staub an. Erst als ein Brüderchen dazu kam wurden die mobilen Spielzeuge von ihrer Immobilität befreit. Nicht dass die Mädchen nicht auch mal mit dem neuen Postauto spielen wollten oder gern Roller und Fahrrad fuhren, jedoch ihre Art zu kommunizierend und zugewandt zu spielen war in der Vorschulzeit und auch später eine grundsätzlich andere, als die der Buben.

Während ein wildgewordenes Müllauto mit viel brumm und krawumm die friedlichen Playmobil-Männchen umnietete, entstanden unter den kundigen Patschhändchen der jüngeren Schwester niedliche, dem Bruder langweilig anmutenden, Puppenstubenaufbauten. Und diese mischte er gern auf. Obwohl das Jungchen eher einer von der sanften Sorte war und inzwischen ein solider Mann und liebevoller Vater ist, hat er und seine Schwestern uns damals eines besseren belehrt, was das natürliches Agieren der Geschlechter von Geburt an betraf.

Die Puppe symbolisiert die Bezogenheit zur eigenen Art. Wir können auch sagen alles was uns ähnlich sieht, ist für das Mädchen oft sehr viel interessanter, als für den durchschnittlichen Knaben. Phasenweise spielen auch Jungs mit Puppen oder haben ihre Kuscheltiere als Begleiter, aber beim nächsten entwicklungsbedingten Testosteronschub (oder was es da so an naturgemäßen körperlichen Abläufen gibt) kann sich manches ganz schnell ändern.

Aber was hat es eigentlich mit all den Autos, Baggern und sonstigem Gefährt auf sich, auf die kleine Jungs so abfahren? Das Auto ist quasi die Weiterentwicklung der, über die eigene Natur hinaus gehende, Mobilität, die eines Tages als erstrebenswert entdeckt wurde um mit anderen, schnelleren Wesen mitzuhalten. Als Läufer (und Jäger) gehört der Mensch ja eher zu den langsamen Arten. Jedoch hat er inzwischen alle anderen Arten, aber auch restlos alle, mit seiner Technik überrundet. Und die Mühe, den Nachteil an natürlicher Geschwindigkeit auszugleichen, hat sich eben nicht der weibliche Teil der Spezies Mensch, die Frau, gemacht, sondern eindeutig der Mann. Er hat den schnellen Pferden eine Weile hinterher gesehen und sich dann deren Potenz zu nutze gemacht. Er nahm ihnen die Freiheit und spannte sie im wahrsten Sinn des Wortes für seine Zwecke ein. Angeblich hatte das Ziehen der Streitwagen noch vor den Reitpferde die größere Bedeutung.

Die Symbole der Mobilität, mit denen besonders die kleine Jungs noch immer so gern und fasziniert spielen, waren früher Pferd und Wagen und heute halt das Auto und andere schnelle Fortbewegungsmittel. Die Mädchen spiel(t)en dereinst bestimmt auch mit Tieren, ich frage mich jedoch, ob sie auch Jagdszenen nachstellten?

Das Puppenspiel der Mädchen ist in deren Entwicklungsphasen auch mal mehr und mal weniger angesagt. Aber es hatte, auch für Erwachsene, schon immer einen magischen Moment - so war es in der (paläotithischen) Vergangenheit und so ist eigentlich noch heute. Mit einer Puppe zu spielen, bedeutet für ein Mädchen auch mit Ihresgleichen zu spielen, die essentielle Gemeinschaft nachzuahmen. Die weiblichen Figurinen (und somit das "Püppchen") finden wir über viele Jahrtausende hinweg. Sie sind als Idole Vertreterin der mütterlichen und töchterlichen Weiblichkeit und Symbol für die Bindungsgemeinschaft. Wir finden das Püppchen in so manchem Märchen wieder, als Zauberding und als mystische Stellvertreterin - es ist ein Abbild und steht für die Kräfte und Fähigkeiten des symbolischen Menschen und der Frau im besonderen.

Elefantenstein aus Nellys Sammlung Stone Art
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23 April 2012

Meine Zeit als Katzen-Kind

...ich bin mit Katzen aufgewachsen... klar, schließlich bin ich auf einem Dorf groß geworden. Wir wohnten in einem Seitentrakt, der zu einer Gastwirtschaft gehörte. So eine richtige Dorfkneipe, mit einem Saal und der sogenannten Mädchenstube daneben. Diese Stube war ein Raum, in dem Veranstaltungen statt fanden oder der den Musikern und Akteuren als Garderobe diente, wenn ein Tanz abgehalten oder ein anderes dörfliches Spektakel aufgeführt wurde. Zu dem Grundstück gehörte ein großer Hof, es gab eine Scheune und Stallungen und respektable Schuppen in denen landwirtschaftliche Großgeräte vor sich hin rosteten.

Die Ställe standen leer und die riesige alte, immer dämmrige Scheune schien nur noch ein verbotener Abenteuerspielplatz ganz allein für mich und meine kleine Freundin zu sein. Es gab da den staubigem Heuboden, einen wackligen Leiterwagen auf der Tenne und Balken in schwindliger Höhe, auf denen wir balancieren konnten. Wir durften uns nur nicht erwischen lassen. Ich war das einzige Kind im Haus. Mein älterer Bruder ging schon seine eigenen Wege und ich kann mich wenig an seine Anwesenheit erinnern.

Hinter der Scheune gab es noch einen verwahrlosten Hühnerzwinger mit einem kleinen Teich, vielleicht war es auch nur eine größere Pfütze - den Enten und Gänsen schien es offenbar zu genügen. Und außer dem, an der Hundehütte angekettete weiße Spitz, beanspruchten noch mehrere Katze das Terrain.

Die schönste Spielzeit meiner sehr frühen Jugend verdanke ich den kleinen Katze, die es von Zeit zu Zeit zuhauf auf unserem Hof gab. Wo ich ihrer habhaft wurde, versuchte ich hartnäckig sie in unsere kleine Wohnung zu schmuggeln. Ich baute ihnen Nestchen unter meinem Bett, mit hinein nehmen durfte ich sie nicht. Zu gern hätte ich ein Kätzchen behalten. Es hätte es gut bei mir gehabt. Das Katzenkind konnte in der grünen Blechwiege schlafen und ich wollte es mit meinem Puppenwagen ausfahren. 

Aber leider fand ich für diese Pläne bei keinem anderen Familienmitglied Unterstützung. Auch die Milchtellerchen, die ich überall verteilte, musste ich immer wieder einsammeln und in Mutters Küche abliefern. Und leider musste ich lernen, dass Kätzchen, auch wenn sie noch klein sind, gern selber laufen und sich auch sonst keine Menschenvorschriften machen lassen. Sie flüchteten immer wieder aus den weichen Kissen der Puppenwiege. 

Doch sie spielten ganz gern mit mir und dem Wollknäuel und sie ließen sich auch streicheln, aber leider hielt das nicht lange an... denn kleine Katzen wachsen schnell und oft waren sie auch plötzlich nicht mehr da. Sie verschwanden einfach. Ich hoffe nur im Nachhinein, dass sie tatsächlich verkauft oder verschenkt wurden und nicht irgendwie entsorgt. Später, als ich begriff, dass das Leben der gemeinen Dorfkatze sehr von menschlicher Willkür abhing, genau wie die anderen „Nutztiere“, habe ich mich nicht mehr so leicht mit Gänschen, Kätzchen und Kaninchen angefreundet.

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... derzeit liegt mein Blog ein wenig brach und ich starte den Versuch dieses zu ändern. Daher habe ich mich entschlossen ab und zu eine Art Themenwoche abzuhalten. Die erste Serie widme ich dem Thema Katze!

13 März 2011

Elemente

die Erde bebt und bricht und zerbricht dabei eine von Menschenhand geschaffene Anlage, an der nicht gerührt werden sollte, denn sie birgt in sich das Feuerelement, von dem Menschen immer noch glauben, 
sie könnten es kontrollieren 

das Wasser wirft die Gewalt der Flutwellen über das Land und trägt 
ab jetzt in jedem seiner Tropfen den grausamen Schrecken 
eines Gau in jeden Winkel dieser Welt 

das Element der Luft, der Wind, weht immer und die Strömungen des Gasgemisches, das unseren kleinen Planeten umgibt, 
verbreitet die unsichtbare, tödliche Gefahr 

das Element des Feuers jedoch zeigt seine größte und für Lebewesen bedrohlichste Macht nicht Form eines Brandes oder Vulkanausbruches, sondern in einer Kernschmelze 
und das ist in unser aller Alltag kein natürliches Ereignis...

26 Februar 2011

Mitternachtsgedanken im Februar

Gesponnenes Gold

bin ich neidisch auf Männer? 
Doch, manchmal schon, wenn sie mehr Haare als ich auf dem Kopf haben. Mein zartes, goldig und silbrig schimmerndes Haar fliegt zur Zeit überall in der Wohnung umher. Ich wundere mich, dass ich überhaupt noch Haupthaar besitze. Oder fällt es mir einfach mehr auf, seit es länger gewachsen ist? 

Mal abgesehen davon, dass mein einzelnes Haar zu der sehr dünnen Sorte gehört, waren es trotzdem in der Gesamtsumme scheinbar auch nie besonders viele. Als Kind hatte ich dünne Zöpfchen, meist mit recht großen, eingeflochtenen Schleifen am Ende. Beim morgendlichen Kämmen vor dem In-die-Schule-gehen, war ich meiner Mutter immer sehr nahe und habe dabei auch gleich ihre Befindlichkeit zu spüren bekommen. 
 
Irgendwann kam dann, nach dem Abschneiden des flattrigen Gespinst, die erste Dauerwelle und seit da flüsterten mir eine Unzahl von konspirativen Friseusen ein, etwas anderes ließ sich mit den Haaren nicht machen. Ich hatte viele Jahre lang so ein merkwürdiges fremdbestimmtes Verhältnis zu meinem Haar.



Bis zu dem Tag und der ist erst wenige Jahre her, an dem ich beschloss keinen Friseursalon mehr aufzusuchen. Von Zeit zu Zeit setze ich selbst die Schere an, an Löwetagen und wenn ich unter Leute gehe, binde ich den spärlichen Wildwuchs mit einem dieser samtigen Riesenhaargummis zusammen. 


Ansonsten darf mein Haar wachsen, fliegen, statisch aufgeladen sein und auch mal platt herunter hängen. Aber, besonders nach dem Waschen und wenn das Licht günstig fällt, erfreue ich mich an der hauchdünnen, goldfarbenen Pracht, die andere höchstens als graublond bezeichnen. Meine Mutter, die eine ähnliche Haarfarbe ihr eigen nannte, sagte aschblond dazu.


Leider ist das Kapitel Friseur in meinem Leben immer noch nicht abgeschlossen. Jeden Donnerstag Vormittag bringe ich meine Schwester zur Friseuse ihres Vertrauens... waschen, schneiden, legen, färben, wickeln, kämmen... 

doch ich kann draußen bleiben! Und das ist gut so...



23 Januar 2011

Tagesgeschäft


… ich bin nach zwei, drei unangenehmen Erfahrungen und Begegnungen ein wenig in Klausur gegangen, wollte etwas Abstand bekommen, kleine Seelenverletzungen ausheilen, ein bisschen die Duldsamkeit wieder zu Kräften kommen lassen.


Wenn ich Klausur oder Rückzug schreibe, dann ist davon natürlich nicht das Tagesgeschäft berührt. Dann fahre ich trotzdem meine Schwester zum Friedhof und zum Einkaufen, treffe dabei meinen Bruder, der sich gerade von seiner HerzOP vor etlichen Wochen zu erholen beginnt und berichtet, dass seine Frau, die nach einem Sturz ins dem Krankenhaus kam, nun am Montag nach Hause darf. Oder ich vertrete eine der Mamas bei den Enkelkindern, wenn die häusliche Lage schwierig wird. Wobei darunter heutzutage auch Arbeitszeiten oder krank sein fallen. Als normal
gilt nämlich allerorten der tägliche reibungsloser Ablauf, auch wenn dieser Normalfall richtig kompliziert ist. In Familien mit mehreren Kindern finden im Alltag meist ausgeklügelte Logistikleistungen auf höchstem Niveau statt. Die Lage entspannt sich für die Eltern vielleicht, wenn die Kinder größer werden, das begleitende Mutterherz ist trotzdem immer dabei.

Zu meinem Tagesgeschäft gehört auch, dass ich mir über die banalsten Dinge Gedanken mache und das persönliche, alltägliche Geschehen um mich herum in die gesellschaftlichen Zusammenhänge hochrechne. Dort bekommt nämlich plötzlich alles eine andere Wertigkeit und ist gar nicht mehr so privat. Ich will jetzt hier nicht auf alte Slogans zurückkommen, dass das Private politisch sei, denn das ist es ohnehin schon immer gewesen. Aber der Wandel der Zeit ändert auch vieles in der täglichen Routine und es ist wichtig auch die Sicht auf den praktizierten Alltag anzupassen. Wie der Normaltag der durchschnittlichen Klein- und Kleinstfamilien als Alltagskampf in all seiner Schärfe abläuft, ist sogar hochgradig politisch. Aber wie gesagt, es gilt als normal und wer nicht mithalten kann stört nur das Getriebe. Und bei diesen meinen dramatischen Worten habe ich jetzt hier, noch nicht mal das große Ganze
im Sinn, sondern nur ein etwas langsameres, verträumtes Kind im Blick, das sich einfach, in dem, Bildung verwaltenden, dauerhektischen und lauten Schulalltag, völlig fehl am Platze fühlt...

Meine Gedanken(- und Schreib)arbeit, die mir wirklich wichtig ist, lässt meine kleine Wohnung manchmal beinahe zum Elfenbeinturm werden. Aber ab und zu sind da diese besonderen Momente, die so nachdrücklich erden, wie einundeinehalbe Stunde süßes, weises Geplapper, entzückende Nachsicht mit Omas Begriffsstutzigkeit und seliges Lächeln bei den kleinen Ritualen, die wir beide so zusammen haben – die dreijährige Isolde war zu Besuch... 



Konspiratives Treffen im Korbsessel...!

04 Dezember 2010

Das Leben ist kein Ponyhof


... über diesen entzückenden Ausspruch, stolpere ich in letzter Zeit andauernd.

Er wird immer dann zitiert, wenn die harte Wirklichkeit einer angenommenen Realitätsflucht gegenübergestellt wird. Nach dem Motto: sei nicht so naiv und akzeptiere die Gegebenheiten.

Ponyhof - das ist Idylle, Verspieltheit, Verdrängen von bitteren Wahrheiten und nicht zu überbietende Blauäugigkeit.

Dabei sind die real existierenden lieben Ponys dieser Erde auch nur ein Bestandteil der harten Realität. Lediglich im Spielzeugregal springen sie in Glitzerpink mit Schleifen und fliederfarbenen Mähne durch die Welt.

Jede hat doch irgendwie, irgendwo ihren Ponyhof. Wir würden verrückt werden, wenn wir nur an all die Schrecken und die Grausamkeiten in diesem Dasein denken würden. Ohne ein gesundes Maß an Verdrängung könnten wir nicht leben. Und nicht alle sind gleichermaßen pragmatisch oder kämpferisch unterwegs. Obwohl, so prinzipiell, schadet
es nicht, konventionelle Vorstellungen und angeblich Bewährtes, ab und zu, zu hinterfragen.

Auch mein Leben ist kein Ponyhof und ich wüsste in meiner kleinen Wohnung mit einem Pony auch nicht wohin...