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12 August 2016

… wir machen alle mal Fehler!

In unserer komplexen Welt beruhen wirkliche Fehler in der Regel auf mangelnder Information oder individuellem Ungeschick, gern auch „menschliches Versagen“ genannt.

Versuch und Irrtum
In der heutigen Informationsgesellschaft, ist Ahnungslosigkeit und Nichtwissen eine ganz schlechte Entschuldigung und schützt sozusagen vor Strafe nicht. Da richtet sich ein gnadenloser Blick auf alle Loser und Naiven, die daherkommen und denken, sie können einfach mal was ausprobieren und wenn es schief geht, erneut versuchen. Im Arbeits- und Wirtschaftsleben ist für Fehler einfach kein Platz und keine Zeit. Wer einmal Fehler macht, dem traut man nicht mehr und der ist ganz schnell weg vom Fenster. Allerdings halten unsere Wirtschaftsstrippenzieher, wie die Generation Praktikum weiß, gern auch die Arbeitswilligen hin und suggerieren den Betroffenen, es wäre ihr Fehler, dass sie immer noch keinen ordentlichen Job bekommen.

Im privaten Bereich jedoch liegen die Dinge, sprich die Feherquote, ganz anders. Da setzen wir ja auch mit unserer Fehlerfreudigkeit nicht die Gewinne oder die Produktionsmittel der Arbeitgeber aufs Spiel, sondern schaden nur uns selbst oder den uns Nahestehenden. Als Privatperson ist es scheinbar ein Privileg Fehler machen zu dürfen. Da heißt es: „... lass mich bitte meine eignen Fehler machen!“ Und Eltern lassen denn auch (schweren Herzen) die Heranwachsenden ziehen, damit sie über die „Versuch und Irrtum“ - Methode sich ihren Weg ins Leben bahnen. Wir legen also sogar Wert darauf Fehler machen zu dürfen. So kann es eben seine Zeit dauern bis wir den „Richtigen“ gefunden haben.

Im persönlichen Bereich kann ein einfacher Fehler aber auch ganz kräftige Kreise ziehen. Mir fällt da der Lottoschein einer Tippgemeinschaft ein, der nicht abgegeben wurde und dessen Zahlen dann in der Ziehung waren. Ein tragischer Fehler, der anderen die Möglichkeit zu Glück und Reichtum zu kommen verbaut, Rachegedanken nach sich ziehen kann und eine vorhandene Vertrauensgemeinschaft zerstört.

Eigentlich soll er nicht passieren, der sogenannte Fehler, aber wir müssen mit seinem ständigen Auftauchen immer wieder leben. Wie sieht denn in der Berufswelt ein konkreter Fehler aus? Eine versehentlich falsche Bestellung, nur eine unrichtige Wechselgeldsumme, gelegentlich eine Fehleinschätzung oder ein unvorsichtiger Handgriff oder der Moment der Unaufmerksamkeit, der einen Crash verursacht? Solche Fehler können auch Leben und Existenzen kosten.

Danebengegangenes Spekulieren an der Börse und ähnliches würde ich dagegen nicht verharmlosend als Fehler bezeichnen. Denn das ist inzwischen mit dem Begriff „Fehler“ auch passiert, er wurde im gesellschaftlichen und sprachlichem Kontext verharmlost, obwohl dahinter auch schon mal kriminelle Energie steckt. Aber es hat sich auch als gut erwiesen, dass der erbarmungslose Umgang mit „Fehlern“ wie auch mit der „Sünde“, als Verstößen gegen die Konventionen und Moral, ihren früheren Schrecken verloren und nicht mehr so gnadenlos sanktioniert werden. Jedenfalls dürfen Kinder beispielsweise nicht mehr geschlagen werden ...

Und ohne menschliche Fehler, Verwechslungen oder kleinen Intrigen, die hinterher als Fehler deklariert werden, gäbe es heutzutage keine Vorabendserie, Seifenoper und Telenovela. Lieblingssätze von Drehbuchautoren sind: „Es war halt ein Fehler...“ oder „...da habe ich eben einen Fehler gemacht!“, vielleicht auch, leicht perfide: „... hast du noch nie einen Fehler gemacht?“

Was ist ein Fehler?
Ein Fehler ist bestimmten Vorgaben entsprechend eine bezügliche menschliche Fehlentscheidung. Dass heißt, irgendwann hat sich im sozialen Zusammenleben ein Verhaltenskodex herausgebildet oder irgendwer schuf eine entsprechende Norm und die Abweichungen von derselben wurde als „Fehler“ oder Sünde oder Verbrechen deklariert.

Der Horror eines jeden Schulkind waren einmal die Diktate. Da wurde unnachgiebig erwartete, dass das Kind alles richtig schreibt oder die entsprechenden Kommata vorschriftsmäßig setzt. Da gab es (zu meiner Zeit) keine Toleranzen. Entweder es wurde alles richtig geschrieben und unter der Arbeit stand „0 Fehler“ oder es gab eine entsprechend schlechte Note. Das ist heute nicht mehr so.

Anfangs ihrer Schulzeit dürfen heute die „ABC Schützen“ schreiben wie sie wollen und richtige Treffer bezüglich der RECHT-Schreibregeln werden nicht mehr vorausgesetzt. Denn die Deutsche Rechtschreibung hat sich nach x Reformen (irgendwie) gewandelt, vor allem die unerbittliche Einstellung der Lehrenden dazu. Der Fehler, welcher einmal ein Fehler war, ist plötzlich keiner mehr.

In unseren Köpfen spuken trotzdem immer noch die althergebrachten Vorstellungen von Fehler machen, selbige vertuschen oder zugeben, herum. Hervorgegangen ist diese Art der Wertevorstellung aus dem einstigen Sündenkatalog, der in der christlichen Welt die gesellschaftlichen Normen bestimmte. Vieles von dem was einmal als schwere Sünde oder als eine Straftat angesehen wurde, ist heute bestenfalls eine unbedeutende Verfehlung oder das gute Recht des Einzelnen. Ich denke da an den Bereich Ehe, Liebe, Seitensprung und Trennungen, bzw. das daraus Entstehen von Patchworkfamilien...

Fehler erkennen und zugeben hat was mit Einsicht und Eigenverantwortung zu tun. Die manchmal emotionsgesteuerten und schiefgegangenen Entscheidungen, welche Probleme und Chaos verursachen, schiebt die verantwortungsbewusste Frau unserer Tage im Nachhinein nicht einfach den Umständen oder ominösen Anderen zu, sondern sie steht tapfer und aufrecht zu ihren Fehlentscheidungen. Das gilt (hoffentlich) für den Mann in gleichem Maße.

Jede Verfehlung gegen Leib und Leben eines Mitmenschen oder gegen die gesellschaftliche Ordnung ist inzwischen durch eine umfangreichen Gesetzgebung geregelt. Fehler, Sünden und Vergehen wurden zu allen Zeiten nicht nur nicht gebilligt, sondern auch geahndet. Die Gewichtigkeit und die Art der Bestrafung ändert sich allerdings (zum Glück) im Laufe der Zeit mit der Moral und der Ethik einer Gesellschaft.

Bestimmte (prominente) Menschen kamen auch in der Vergangenheit immer wieder mit, auch schwerwiegenden, Verfehlungen aller Art oder sogar mit mehr als einem Mord davon, während eine zeitlang der bloße Verdacht der Hexerei oder auch nur eine böswillige Unterstellung die nächstbeste Frau auf den Scheiterhaufen bringen konnte.

Heute werden Mörder, Verräter an der Krone oder Majestätsbeleidiger nicht mehr öffentlich hingerichtet. Die Art und Weise, wie wir mit Straftätern, Regimegegnern oder Kabarettisten umgehen hat sich vollkommen geändert. Es kostet sie nicht mehr das Leben, vielleicht nur die momentane, wirtschaftliche Existenz, wenn sie erwischt werden oder nicht genügend Einschaltquoten haben.  

Das Chaos kennt keine Fehler
Ich will hier auch niemanden seine Fehler ausreden oder sie von selbigen reinwaschen. Wenn eine meint, einen Fehler gemacht zu haben, darf sie damit tun und lassen was sie will. Sie kann ihn verschwinden lassen, indem sie daraus eine begründete Absicht macht (sehr beliebt) oder sie kann ihn zugeben (kommt immer gut, wusste schon W. Busch) oder sie sieht ihn als Chance und Gelegenheit (wer weiß, was sich das Universum dabei gedacht hat). Denn wir können in unserer komplexen Welt einfach nicht alles und alle berücksichtigen, um somit völlig fehlerfrei durchs Leben zukommen, da sei die Chaostheorie vor. Denn das was der Mensch als Fehler sieht, kann auch einfach nur als der Flügelschlag eines Schmetterlings verstanden werden.

Fehler werden zu Fehlern, wenn sie als solche erkannt oder benannt werden! Nicht immer stößt uns das Schicksal oder unserem Umfeld mit der Nase darauf. Mitunter kann sowohl die Erkenntnis, als auch die eventuelle Fehlerkorrektur seine Zeit dauern und manchen lässt sich auch nicht wirklich korrigieren oder wieder gut machen. Mein größter Fehler war, zulange in einer für mich schädlichen Beziehung, mangels Bewusstheit oder Erkenntnis oder Alternativen, ausgeharrt zu haben. Aber manchmal stellen wir auch fest, dass ein vermeintlicher Fehler nur das wunderbare Sprungbrett zu einer förderlichen Veränderung gewesen ist ...

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23 Juni 2014

happy enden

... sicher kennt jede das Zitat: ...nach dem Happyend wird jewöhnlich abjeblendt... 
es kommt der Punkt, da ist die Geschichte auserzählt, da nimmt endlich alles eine glückversprechende Wendung und Märchen schließen mit der Verheißung "..und sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage!"
Ich mag ja eher den Schluss: "... und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute!", das lässt viele schöne Möglichkeiten offen.

Wir brauchen und das nicht nur bei Erzählungen und Romanen, ab und zu ein möglichst gutes Ende, einen Zwischenstopp der aufgeputschten Gefühlslage. Ein nicht enden wollendes Drama bedeutet Dauerstress. Auch beim Geschichten erzählen (bzw. schreiben) ist es für den Leser (und auch für den Erzähler) frustrierend, wenn die unerfreulichen Wendungen so gar kein Ende nehmen wollen und die Normalität eines gediegenen Alltags sich nicht mehr einstellen will. Dauerstress macht krank, selbst wenn es ein vermeintlich positiver Stress ist.
Ein ununterbrochenes dramatisches Wechselbad der Gefühle, ohne dass zwischendurch (lange) Phasen der Entspannung in einem eher ruhigen Gleichmaß stattfinden, kann uns in einen Zustand von (sowohl positiver wie auch negativer) Euphorie versetzen, die wir vielleicht nicht als solche wahrnehmen. Denn das ist wohl das Problem, wir gewöhnen uns auch an Extreme, wenn uns (scheinbar) keine Alternative bleibt. Wir passen uns an und das muss nicht bedeuten, dass wir uns damit wohlfühlen und schon gar nicht wird es uns gut tun, es ist eher ein Überlebensreflex (siehe Stockholmsyndrom).
Die Weltliteratur liebt Dramen und Tragödien, unerfüllte Liebe und das meist hart erkämpfte Happyend. Nach Zeiten der Prüfungen und des Leids möchte all die Bitternis und das Unrecht endlich vorübergehen. Wir sehnen uns alle nach einem guten Ende.
Und genau genommen soll dieses Ende auch gar kein Ende sein, sondern ein Anfang – der Beginn einer endlich unbeschwerten Zeit. Eine Zeit, in der das grundlegende Lebensgefühl mindestens Zufriedenheit am liebsten jedoch (ein sanftes andauerndes) Glück ist. Wohl kaum wird eine ein pausenloses Feuerwerk der Glücksgefühle erwarten – das wäre unrealistisch und anstrengend - aber eine glückliche Grundstimmung wäre schön, um das zu tun was eine Mensch halt so tun muss, um auch weiterhin zufrieden durchs Leben zu gehen.
Das Happyend, auf das wir seit Kindheit an geeicht werden, geht immer mit der Vorstellungen von einer alles außer Kraft setzenden, romantisch-sensationellen und möglichst lebenslang dauernden Liebe zu einem – nein, zu dem – Partner einher, dem heißersehnten Märchenprinzen, dem Traummann, Mr. Right bzw. seine weiblichen Pendants. Wir können nur happy enden, wenn eine einzigartige Zweierbeziehung von nun an unser Leben bestimmt... ach ja!
Und hier vermischen sich nur zu gern Fantasie und angestrebte Realität. Die Literatur, die täglichen Serien, die Filme der Superlative machen es uns vor, wie unser Anspruch auszusehen hat - love for ever... unter dem tut es keiner mehr ... wobei heute mehr denn je die 'Liebe' (literarisch) auch lediglich als serieller Sexkonsum mit durchaus akzeptierten Gewaltkomponenten daher kommen darf.
Aber ein glückliches Ende kann viele Formen annehmen und die müssen, wenn sie gerade beginnen, nicht immer super-mega-spektakulär sein. Manchmal besteht das glückliche Ende auch daraus, eine dieser Wahnsinnsbeziehungen "überlebt" zu haben und endlich wieder frau (man) selbst zu sein... oder wir finden das, was wir eigentlich die ganze Zeit suchen … Geborgenheit, Aufmerksamkeit, Zuwendung, gegenseitige Fürsorge in verlässlicher (artgerechter) Nähe...
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14 Juni 2014

nicht serientauglich

... nun habe ich den Entschluss gefasst, den Sommer über gleichmäßig und leichtfüßig meinen Blog mit Alltagsepisoden zu füttern und das wird für mich eine echte Herausforderung werden.
Ich führe ja ein recht beschauliches und wenig sensationelles Leben und habe meinen LeserInnen, die sich vielleicht hierher verirren, außer einem unspektakulärem Alltag nicht viel zu bieten ... aber, ist das nicht eigentlich normal? Wir alle leben alltäglich, wenn nicht gerade das Schicksal in irgendeiner Weise mittelbar oder massiv zuschlägt. Aber das ist meistens kein Alltagsmuster und früher oder später richten wir uns auch in einem veränderten oder limitierten Tagesablauf routinemäßig ein. Anders wäre das Leben ja kaum zu ertragen... auch Abenteurer brauchen zwischendrin Normalität.
Seit Jahren verfolge ich eine der Vorabendserien im Fernsehen (ich sag nicht welche) – kunterbuntes Familienleben von Drehbuchautoren erdacht, persönliche Irrungen und Wirrungen der Protagonisten vom Feinsten, unglaubliche Glücksfälle und zu Herzen gehende Verluste flimmern fast täglich über die Bildschirme (obwohl diese heutzutage höchst selten flimmern).
Ich würde zusammenbrechen, würden mich ständig solche Katastrophen beuteln, die den Alltag dieser erdachten, virtuell agierenden, Schicksalsgemeinschaft bilden: Missverständnisse, Intrigen, heimliche Machenschaften, Streitigkeiten und immer wieder flammende Liebe und brennender Hass. 
Kein Mensch würde sich für die Serie interessieren, wenn da nicht stets die Wogen der Emotionen hochschlagen und sich aus den unglaublichsten Affekten nicht ständig ein neues Desaster ergeben würde. Dazu kommen noch dramaturgisch bedingte Unfälle, Koma, Krankheit und Tod. Und ab und zu wird sogar ein Kind geboren, meist unter außergewöhnlichen Umständen versteht sich.
Aber die Trägerwelle der Storys ist das sich andauernde Verlieben der SerienheldInnen. Nach ein paar Jahren Laufzeit hat bestimmt schon jeder mal mit jeder mal geknutscht, geküsst, geschlafen und dabei seine aktuelle Beziehung zerstört... denn gegen die aufbrechende Gefühle ist "man" machtlos und die heutigen Parameter der Mainstreammoral gestatten, dass die Helden des Alltags jedem Gefühl nachgeben dürfen. Wie heißt es dann immer so arglos: man kann doch nichts dafür, in wen man sich verliebt! ... ich lasse das jetzt mal unkommentiert und wende mich wieder meinem, zwar unglaublich langweilig erscheinenden, aber höchst zufriedenem Alltag zu.... heute steht so gar nichts an...

Häuschen für Oma entworfen von Johanna 2005

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19 August 2012

Ins Kino gehen

... vor fünfundfünfzig Jahren – einmal die Woche kam der Kinowagen in unserer Dorf. 
Für mich war das der Höhepunkt schlechthin, wenn ich im abgedunkelten Raum auf den harten Stühlen sitzen konnte und mich in die mir bisher unbekannten Welten entführen ließ. Nachmittags gab es eine Kindervorstellung und am Abend wurden die Filme für die Erwachsenen gezeigt.

Jedenfalls hatte das Kinoprogramm für uns jüngere Nachmittagsguckern auch einiges zu bieten. Was habe ich mir nicht alles angesehen! Habe ich überhaupt je eine Vorstellung ausgelassen? Da gab es nicht etwa bloß bunte Zeichentrickfilme wie „Das bucklige Pferdchen“ oder die netten ruckartigen Puppenanimationen in denen „Frau Holle“ ihre Betten schütteln ließ. Für die Dorfjugend ab sechs Jahre wurden an den Nachmittagen auch handfeste Spielfilme gezeigt. 

Und so sorgte ich natürlich dafür, dass an dem Tag die Hausaufgaben rechtzeitig fertig und die Kaninchen versorgt waren und dass das Kinogeld bereit lag – was war das damals – fünfzig Pfennig? Oh ja, auch ich war weiland recht empfänglich für die großen Gefühle auf der Leinwand – Herzschmerz, Gefahr, Leidenschaft, Heldenmut, Liebe, Happyend. Ich erinnere mich, wie mich Tage-, nein Wochenlang, das tragische Schicksal von Puschkin oder Kotschubej beschäftigt hat. Und natürlich das des Graf von Monte Christo in zwei Teilen - mit Jean Marais. Zum Glück wurden uns nicht nur russische Spielfilme gezeigt. 

 

09 April 2012

Mitternachtsgedanken im April


Avatar ...
ohne Frage ein fantastischer Film, eine offensichtlich computertechnische Meisterleistung und selbst auf dem Bildschirm eines mittelgroßen Fernsehers noch beeindruckend. Der Entwurf der natürlichen Umwelt auf Pandora ist wild und mysteriös, ein urtümlicher Wald in zarte Farben mit vielen sanften Blautönen und Rosa und trotzdem Dschungelgrün. Aber wer, um Pandoras Willen, hat nur diese zum Erbrechen bekannten Darstellungen des sozialen und gesellschaftlichen Filmmilieu kreiert? 

Die erste Begegnung des Protagonisten (ein desillusionierter Held mit einer an Kadavergehorsam grenzenden Machobildung und einem sanftmütigen humanen Kern) mit einer einheimischen Jägerin, verläuft wie schon hundertmal variiert. Als er sie fragt, wer sie ist, habe ich als Antwort eigentlich „Pocahontas“ erwartet. 

Überhaupt geben sich die Na’vi alle wie übergroße blaue Indianer. Und zwar solche, wie wir sie von Karl May Verfilmungen her kennen, die aufgepeppt wurden durch Flugkünste aus Dinotopia und trillernden Tarzanschreie. Im Prinzip ist auf Pandora fast alles so, wie auf der guten alten, patriarchalen Hollywood – Erde. 

Die Tochter der Na’vi, ein menschenähnliches, indigenes Volk auf Pandora, hat einen Vater, der so was wie ein Kriegerhäuptling ist, während ihre Mutter als die spirituelle Führerin des Clan auftritt. Sie scheint auch als einzige den Grips zu besitzen, sich der Unterstützung des Fremden zu versichern in dem Kampf, der nicht mehr zu vermeiden ist. Wenn das Volk nicht untergehen will, sollte man seinen Feind, dessen Waffen und Taktik kennen. Schließlich hat dieses eingeborenen Volk der zerstörerischen Technologie der Fremdlinge von der Erde scheinbar nichts entgegenzusetzen. Sie brauchen den militärisch ausgebildeten Strategen, der weiß wie Feuer mit Feuer zu bekämpfen ist. Was dann auch letztendlich zu einem fragwürdigen Sieg führt.

Doch trotz des Sieges stelle ich mir vor, dass die Welt der Na’vi unwiederbringlich mit dem patriarchalen Gift der Gewalt und der Intrige, der dahintersteckenden Gier und Empathielosigkeit kontaminiert wurde. Was mag wohl der Baum der Seelen für die Nachkommen der Na’vi bewahren, nach diesem böswilligen Eingriff in ihre Welt? 
Dass es Wesen gibt, deren Denkungsart und Handeln sich über alles hinwegsetzt und der Kampf gegen diese gefühllosen Mächte alle Beteiligten in deren Sumpf mit hineinzieht?

Gezeigt wurde letztendlich das unerträgliche Klischee eines Heldenepos und ich habe den Eindruck der End - Kampf um das sogenannte Gute und die Gerechtigkeit wird immer härter, immer gnadenloser, zieht sich immer länger hin. Es ist alles erlaubt um die Gegner und zuletzt den gewissenlosen Bösewicht zur Strecke zu bringen. Interessant war auch, dass die Dramaturgie die beiden Erdenfrauen, die zu dem kleinen Trupp gehörten der den Widerstand unterstützte, im Kampf umkommen lässt, während dem Helden eine Transformation geschenkt wird, die ihn endgültig zu einem Angehörigen der Na’vi macht. 

Jedenfalls konnte ich den Film weder genießen, noch haben mich die spektakulären Bilder ausgesöhnt. Die Grundaussage war schrecklich bis deprimierend. Das patriarchale Grundmuster wird kompromisslos überall hinein transportiert und eine wirklich andere Welt, ohne eine Väterhierarchie und pseudoschamanischen Schnickschnack können sich die maskulinen Filmemacher einfach nicht vorstellen. 

Von den höllischen Gewaltexzessen, ohne die ein solcher Film heutzutage offensichtlich nicht mehr auskommt, will ich gar nicht mehr sprechen, nur so viel dass hier die beliebte Botschaft platziert wird: auch wenn wir alles zerstören, was essentiell und wertvoll ist und die bestehende Welt zu Grunde geht, es gibt immer irgendeinen Messias, der gerade soviel korrigiert, das ein paar Überlebende weitermachen können wie bisher!

Ich denke, ich muss dringend fasten: mindestens vier Wochen keine Blockbuster mehr!


21 Juni 2011

Klassiker und Zukunft

...ein bisschen Zappen hier und ein wenig da und plötzlich landete ich in dem guten alten Kultfilm Die Zeitmaschine (Originaltitel The Time Machine) von 1960 und zwar in der Szene, in der George, dem Erbauer des technischen Wunderwerkes, ein Buch aus Altersgründen in den Händen zerbröselt. Er steht verzweifelt in der vergessenen Bibliothek und schnauzt den verdutzten Jungen an, der ihm gerade die Bücher gezeigt hatte und dessen Unverständnis macht ihn noch wütender. 

Dabei fällt der bemerkenswerte Satz: „... ich gehe jetzt in meine eigene Zeit zurück und niemand wird mich dazu bringen, dass ich ihnen von dieser hoffnungslosen Zukunft berichte...!“

Der zeitreisende Wissenschaftler war erschüttert über die Geringschätzung der vergangenen Zivilisation, den M
angel an Verständnis für die Notwendigkeit einer benutzbaren Technologie und der scheinbaren Sorglosigkeit der zukünftigen Erdenbewohner.

Es war für ihn einfach unfassbar. Schließlich haben Männer über Jahrhunderte hinweg Wissenschaft und Fortschritt geschaffen und sind sogar für dafür gestorben und diese fernen Kinder sind ahnungslos und benehmen sich, als hätte es nie eine Menschenzivilisation gegeben. Für den Zeitreisenden war es undenkbar, dass es in dieser Gesellschaft keine Männer gibt, die das Volk regieren und Gesetze beschließen und dafür sorgen, dass diese eingehalten werden... 

Wie sah sie denn nun aus, diese hoffnungslose Zukunft?


Die Eloi lebten unbeschwert in einer üppigen Welt voller Früchte und Blumen, in völliger Muße mit Spielen und Lachen, Schwimmen und Tanzen... ein bisschen arg naiv, aber anscheinend glücklich und zufrieden. Natürlich ist es eine trügerische Welt, wie wir später erfahren werden. Es gibt die bösen, unterirdisch lebenden Morlocks, die von Zeit zu Zeit Elois in ihre Höhlen verschleppen, damit diese dort arbeiten. Daher gibt es auch keine älteren Menschen. Doch schon beim allerersten Sehen dieses Film, fragte ich mich sofort, wo denn die Kinder sind? 


Diese sichtbaren Eloi bestanden aus einer dauerhaften gleichaltrigen Gemeinschaft von jungen Menschen (so wie die heutige Gesellschaft sich das Leben wünscht) ohne Kranke, ohne Alte und ohne irgendwelche Kinder. Da sie scheinbar auch keine Erinnerung an die Molock haben, wurde sie wohl kaum von ihnen aufgezogen. Wieso bestand diese sonderbare Zukunft nur aus einer Art Jugendkultur, fragte ich mich? Die einzige Mutter mit Kind, die in dem Film vorkam, war eines der gruseligen Molockwesen. 

Es ist wieder eine dieser Geschichten, bei der der Autor nicht wirklich bis zum Ende gedacht hat. Denn, obwohl er die Schrecken seiner unmittelbaren Zukunft gesehen hat und seine Welt durch hochentwickelte Waffentechnologie in einem Inferno unterging, reist George zurück um einige Bücher zu holen, die helfen sollen, die Welt vermutlich nach den gleichen, untauglichen Mustern wieder aufzubauen.

Jedenfalls, wenn ich an eine hoffnungslose Zukunft denken würde, hätte ich ganz andere Bilder im Kopf. 


Woran denkt ihr bei dem Wort Zukunft?
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10 Januar 2011

Inkarnation

... gestern lief im Fernsehen der Film „Troja“. Die Erzählung über den bekannten Kampf um die legendäre Stadt, fest gemacht an der Figur der Kampfmaschine Achilles, der Brad Pitt in seiner Darstellung auch ein paar menschliche Züge verlieh. 

Jedenfalls wurde wieder gekämpft, abgeschlachtet und vernichtet ohne Ende und zum Schluss wurde von der Stimme aus dem Off darauf hingewiesen, dass die Nähe zu den Helden auch einem völlig bedeutungslosen Menschen etwas Ansehen verleihen kann. 

nun ist mir ja schon lange klar, ich bin eine von denen, die in ihren Reinkarnationen nichts Spektakuläres erlebt haben. Eines der Erdenkinder, die beim Erzählen in der Weltliteratur immer als erstes umgekommen sind und die für die Geschichte dann keine Rolle mehr spielten. Das Bauernopfer der Mächtigen, völlig unheldisch und von den Geschichtsschreibern übersehen. Und ich gehörte wohl auch zu dem friedlich vor sich lebender Teil des Background, ohne den ein Herrscher nichts zu beherrschen gehabt hätte und den ein Romancier als Kulisse für die Hauptfiguren in seinem Werk braucht. 
 
Ich war weder eine ägyptische Prinzessin oder bekannte trojanische Priesterin oder sonst eine Adlige, noch ein siegreicher Feldherr, wahrscheinlich auch kein bedeutender Politiker der Antike, wurde nicht als Aufrührer hingerichtet, bin nicht auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden und habe keine sensationellen Entdeckungen gemacht. Nichts von alldem. Sollte ich auf einem von Columbus Schiffen gewesen sein, bin ich wohl bei einem Sturm über Bord gefallen und habe Amerika nie erreicht.

Ich war eher das Kind, das umkam, weil die Mutter an der Pest starb oder der junge Bursche, der in einer Schlacht verheizt wurde. Vielleicht auch der Gärtner oder die Haussklavin im Hausstand eines römischen Tribuns. Wenn ich mich recht erinnere, waren meine Leben als Mann eher kurz und beschwerlich und als Frau meist lang und erfüllt. Vielleicht ist das ja das Besondere.

Bestimmt verliefen meine Leben in aller Ruhe, als ganz normale Sammlerin in der Sippe oder als Frau und Mutter im Langhaus, mit Kindern um mich, den meinen und denen der Schwestern. Oder ich zog als Händler über die Berge, um anderen Clans Tauschwaren und Nachrichten zu bringen. 
 
Ich habe am Feuer Geschichten erzählt und Lieder gesungen, gesponnen, gewebt und im Bach gefischt, aus Blumen Kränze geflochten und mich vor vorbeiziehenden Horden im Wald versteckt.

Ein Promi der Geschichte war ich jedenfalls nicht. Nur eine, die das Leben immer wieder am Laufen hielt, für Nahrung und den Nachwuchs sorgte und das alltägliche Wissen bewahrte und weiterreichte. Eine ganz durchschnittliche Menschenfrau eben...

08 Januar 2011

Verständnis


...schon als Kind gingen mir Fabeln auf den Geist! 
Genau, das sind diese Geschichten in denen Tiere menschliche Denkungsart zum Besten geben, in Illustrationen auch noch mit Kleidung und Gestus den Menschen ähneln und deren engstirnigen, moralischen Vorstellungen unterliegen.

Und das Thema wird immer wieder gern aufgegriffen, um patriarchales Lebensgefühl auf so ziemlich jede Tierart übertragen, die es gibt. Ob Ameisen, Fische oder Bienen, alle werden gern immer wieder dem zur Zeit praktizierten Kleinfamiliendogma unterworfen. 
 
Tja, es tut mir leid, aber ich kann Findet Nemo einfach nicht lustig finden. Diese völlig absurde Ausgangssituation: ein FischVater sucht seinen verlorenen, kleinen FischSohn und dann die Glückseligkeit, wenn sie sich wieder in den Flossen liegen! Geht es noch blöder?

Neulich wurde im Fernsehen eine abstruse Bienenstory gesendet (bei Zeichentrick kann ich nicht anders, ich muss da wenigstens mal reinschauen), die mich schon nach wenigen Minuten anschwellen ließ, wie nach einem Bienenstich. Die Biene, um die es ging, war natürlich ein junger BienenMann (Hallo!), der mit seinen kleinbürgerlichen BienenEltern in einer (mit für Menschen typischen Einrichtung) netten Einfamilienwabe lebte. Mit Honig-Swimmingpool! Der BienenHeld war irgendeinem Komplott auf der Spur und er wollte auf gar keinen Fall sein Leben lang einem öden Job im Bienenstock nachgehen... Maja, wo bist du?

Natürlich gibt es auch andere (Kinder und Tier)Geschichten. Erzählungen, in denen die Lebensart von Tieren authentisch dargestellt wird und die Verständigung mit den Menschen ist, wie sie ist … denn verbringen wir Zeit mit anderen Wesen, können wir sie früher oder später auch verstehen. Ich bitte jedenfalls Kätzchen Irma und Kater Max und die Hamster und Meerschweinchen um Geduld mit mir...




14 November 2010

Von Säulen, Ringen und einer grundsätzlichen Frage

Die Säulen der Erde ist so ein Buch, bei dem ich lieber auf die Verfilmung gewartet habe. Jetzt ist sie da... und ich werde sie mir bestimmt mit dem guten alten Videorekorder aufnehmen und auch ansehen.

Mit dem Herrn der Ringe erging es mir ähnlich. Ich habe das Buch einst angefangen zu lesen. Aber irgendwann legte ich es aus der Hand, da in der durch und durch maskulinen Welt, welche vor mir ausgebreitet wurde, das Leben aus dem Nichts zukommen schien und nur zerstört und vernichtet wurde. Geschenkt, dass die Kräfte des sogenannten Guten dagegen ankämpften. 

Kam in dem Buch überhaupt ein weibliches Wesen vor, also als wirkliche Protagonistin? Gut ich weiß es nicht, da ich mich dem Buch etwa ab Seite 111 verweigerte und der Film von der Originalfassung etwas abweicht. Ein dreiteiliges Epos ohne Liebesgeschichte ginge ja gar nicht...

Natürlich war ich auch gerührt, als Frodo sich drei Filme lang durch grausame Natur und mit Ungeheuern auf den Fersen bis zu jenem Berg durchkämpfte, an dem er endlich den vertrackten Ring los werden konnte. Und zum Schluss dann die schöne, unvermeidliche Hochzeit. Eine Elbenprinzessin, die auf ihre Unsterblichkeit verzichtet, um an der Seite dieses unglaublich guten (und attraktiven) Mannes alt zu werden - allein der Kopfschmuck des Brautpaars, es gab da so Details in dem Film...!

Aber Hauptteil der Darstellung sind die Kriegshandlungen. Immer, wenn die gewaltigen Kriegsheere aufeinanderprallten und sich gegenseitig niedermetzelten, fragte ich mich: wer hat euch alle, die ihr da in die Schlacht zieht, geboren, gepflegt, gehütet und großgezogen und euch zu solchen unglaublichen Monstern heranwachsen werden lassen?

Frauen ermöglichen männliches Handeln... selbst das Erfinden von Bestsellern, in denen die Weiblichkeit nicht zu existieren scheint...







...hier schon mal ein Bild aus der noch geheimen Produktion

Die Herrin der Ringe


Der Termin des Filmes, vorgesehen am ElftenElften, konnte leider nicht eingehalten werden. Wir hoffen, dass das Meisterwerk 2011 endlich in die Kinos kommt...




09 April 2010

Filme sehen


Nach meinem Verriss des Fernsehprogramms und unter dem Eindruck der Gewöhnung an unsere standardisierte Unterhaltung, die auch mich immer wieder erwischt, habe ich mir letztens drei relativ aktuelle Filme reingezogen.

2012 - die Welt geht unter! Die Regierungen der Welt bauen schon seit Jahren heimlich an mehren Archen um die Sahneschicht der Menschheit zu retten – offiziell hieß es: die Spezies zu erhalten. Eine Milliarde Euro pro Bordkarte für die Superreichen! Da die Katastrophe früher eintrifft als erwartet, werden nicht alle der Kolosse fertig. Meine Schwester meinte lakonisch: Das waren die Schiffe, auf dem die Arbeiter mitfahren sollten...

Terminator IV – wir erfahren wie John Connor und sein zwanzig Jahre jüngerer Vater überleben – es ist ja bekanntermaßen eine dieser vertrackten Zeitreisegeschichten.
Von Terminator Eins bis Vier frage ich mich allerdings die ganze Zeit, warum die Maschinen sich eigentlich so menschlich-maskulin verhalten...?

Männer, die auf Ziegen starren – schon der Titel ist Programm – hintergründig, fieser Humor, psychologisch fein durchwirkt. Und dann kam der Satz, der das Motto so vieler männlicher Unternehmungen sein könnte:

„... das war genau das was ich wollte. Ich war auf einer Mission, auch wenn ich nicht wusste, worum es dabei ging...“


Zum Ausgleich sehe ich mir am Wochenende nochmal Die Nebel von Avalon an, auch wenn dieser Film ebenfalls aus der patriarchös geprägten Hollywoodschmiede kommt.

04 April 2010

Osterzeit - Fernsehzeit


Gerade in der Osterzeit ist die Todesenergie, die sich in unserer Kultur durch Gewalt, Brutalität und Grauen zeigt, auf allen offenen Kanälen spürbar und dringt massiv oder subtil in alle Stuben.

Mord, Totschlag, Kreuzigung – ist die Art uns unterhalten zu lassen. Nichts mit Hoffnung und Erwachen der Natur, kein zitierter Osterspaziergang, kaum ein langweilig glücklich schwingender Nachmittag mit bunten Eiern und zartem Grün.

Das Osterprogramm im Fernsehen schlägt einen Bogen von seichten Komödien, über heftige und bluttriefende Actionfilme hin zu pseudoreligiösen Machwerken aus Hollywoood und einigen Historiendokus über die Zeit von vor 2000 Jahren in Spielfilmqualität. Ich frage mich immer, für welches Zielpublikum wird dieses Unterhaltungsprogramm geschaffen. Und sitzen diese Zielpersonen dann auch vor all diesen Sendern?

Keine Karfreitags- und Osterfeiertage ohne Ben Hur und Die Zehn Gebote und ab sofort wird in diesen Standard wohl auch Mel Gibsons Passionsspektakel eingereiht. Die Auferstehung, der angebliche eigentliche Sinn hinter dem Ganzen, kommt gegen den grausam zelebrierten Tod kaum an.

Und selbst diejenigen, die sich dem neuzeitlichen UnKulturprogramm verweigern oder gar keinen Fernseher besitzen, werden durch die Düsternis des überall heraufbeschworenen Leid und Sterbens in der uns jetzt umgebenden Leben versprechenden Frühlingszeit berührt oder gestört.

Die blutige Flut gehört zu der christlichen Tradition und zu einem makaberen männlichen Freizeitbedürfnis. Vielleicht sollten wieder Gladiatorenspiele eingeführt werden und Frauen überlässt mann die Film- und Fernsehgestaltung, wenn die nicht ohnehin Besseres zu tun haben...
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12 März 2010

Pippi und Bibi


Heute muss ich mal bekennen, ich mag Bibi Blocksberg eigentlich mehr als Pippilotta Langstrumpf.
Pippi, das freie ungebundene Kind, das genau weiß, was gut für sie selbst ist! Das Mädchen, das keine Mutter (mehr) hat. Die Tochter, die irgendwann ihren, in der Welt herum streifenden Vater rettet. Die anderen Kindern die Welt der Phantasie zeigt, sie aber auch von der Mutter wegführt und mitnimmt auf Abenteuerfahrt...
Trotzdem oute ich mich und sage, so ganz war Pippi nicht mein Fall. Das lag wohl daran, dass ich sie durch die Filme erst kennen lernte, als ich bereits Mutter war und mir gelegentlich der Atem stockte, wenn ich mir vorstellte, meine Kinder könnten einige der Aktionen nachmachen, die bei Pippi Übermut so einfach aussahen. Natürlich mochten meine Kinder Pippi Sonnenschein und die zauberhafte Idee: da ist ein starkes selbstbewusstes Mädchen, das auch den Erwachsenen zeigt, wie schön das Leben sein kann.
Ich glaube schon, dass dieses Vorbild unseren Töchtern gut getan hat, trotz ,bedenklicher' Beispiele. Jedenfalls gossen meine keinen Eimer Wasser in der Küche aus, um diese zu putzen und sie haben auch kein Pferd gestemmt - wir hatten keines.
Es gab einige an kleinen Heldinnen in der Zeit, als Mädchenbücher wie Heidi und Trotzköpfchen boomten. Auch Nesthäkchen war anfangs kein angepasstes Kind, sondern wurde erst im Laufe der „Mädchenzeit“ (damals so zwischen 11 und 18 oder 20) gerade gebogen. Ein Hauch von Renitenz hat sie zwar immer begleitet, aber zum Schluss war sie fast eine Vorzeigefrau, wenn ich es richtig in Erinnerung habe.
Als Mädchen endlich lesen konnten und durften, gab es auch, wohl dosiert und tendenziös, die entsprechende Literatur. Doch hier und da schimmerte auch dort das starke Mädchen recht deutlich durch, wie in den guten alten Märchen.
Meine Enkeltöchter haben natürlich Pippi Ichbinstark im Regal stehen, aber sie sind auch mit Bibi Blocksberg, der kleine Hexe im grünen Kleidchen aufgewachsen, die so selbstverständlich mit ihrem Besen Kartoffelbrei durch die Welt fliegt.
Zwischen dem Entstehen der beiden (Mädchen) Figuren liegen vierzig Jahre und bestimmt können wir davon ausgehen, das Pippi bei Bibi zumindest Patin stand.
Gerade in den Verfilmungen wird der zeitliche Unterschied deutlich, obwohl auch beide Geschichten nicht ohne schrullige oder „böse“ Frauenfiguren auskommen. Und während Pippi noch ein seltsam autarkes Kinderleben zelebrierte, lebt Bibi bereits in der modernen Kleinfamilie. Bibi ist ein modernes Kind, aber verwurzelt in mächtiger alter Überlieferung. Eine Hexentochter, die alle hexischen Fähigkeiten als natürliche Anlage von ihrer Mutter gerbt hat. Sie lebt die töchterliche Verbundenheit mit ihrer Hexenmama und der (menschliche) Papa, ist manchmal auf liebenswerte Art außen vor.
Die Kinderliteratur, die auf Mädchen bezogen daher kommt, ist schon recht umfangreich. Und jede Figur muss sich in ihrer Welt und ihrer Zeit behaupten, dass heißt auch Zugeständnisse und Abstriche machen.
Fast möchte ich sagen: scheinbar kann frau nicht Alles haben!
Aber wir arbeiten dran und es ist schön, dass es all die lustigen, starken, frechen, klugen, geheimnisvollen, aufgeweckten und alltäglichen Mädchen, nicht nur zwischen Buchseiten gibt ...

25 Januar 2010

Biss zum nächsten Mal

Die Bände um die Biss – Erzählung sind inzwischen schon eine bestsellernde Sensation: Vampir liebt menschliche Maid ohne sie gleich vernaschen zu wollen. Diese Geschichte vertritt die offenbar reizvolle Idee: Biss dass selbst der Tod das liebend Paar nicht scheidet.

In aller Ernsthaftigkeit wird die mögliche humane Liebesfähigkeit eines Monsters als Realität grundgelegt. Die soundso vielte Variante von der Schönen und dem Biest. Nur mit dem Unterschied, dass hier das Ungeheuerliche schön ist, unvorstellbar schön und Sie nur das Aschenputtel, das erst durch seine Beachtung aus dem tristen Alltag erhoben wird. Also doch der Klassiker.

Eine große Liebe, eine mächtige - unerfüllte Sehnsucht, der zartrosa Traum des erwachenden Mädchens, das sich, beladen mit den tausend Klischees, die wir alle so gut kennen, dem wirklichen Leben zuwenden möchte. Der Reiz der so genannten (literarischen) großen Liebe ist immer auch mit einer Unerreichbarkeit - dem fast schon Unmöglichen - verquickt. Das schmerzliche Sehnen, das künstlich aufgebauschte Begehren steht gegen eine Unerfüllbarkeit! Denn immer prallen unvereinbare Welten aufeinander. Romeo und Julia for ever! Versehen mit happyenden Schlussakkorden...

Die Schriftstellerin Stephenie Meyers hat in gekonnter Weise all diese Stereotypen miteinander verwoben, die bekanntermaßen eine Liebesgeschichte erst richtig spannend machen: Sehnsucht und Geheimnis, Liebe und Verrat, Gewalt und Hingabe, Anarchie und Ekstase, Illusionen und Verlust, Schmerz, Tod und Erlösung. Die Hauptzutat dieser bizarren Liebe ist jedoch ihre Unmöglichkeit. Diese Liebe ist so schmerzhaft groß, da sie für ein einfaches Menschenkind kaum zu ertragen ist und auf die eine oder andere Art tödlich enden wird.

Isabella Swan, wir könnten großzügig ihren Namen mit „Schöner Schwan“ übersetzen, obwohl anfangs die Autorin immer wieder das hässliche Entlein betont, wird von ihrer Schöpferin als fast schon prüde Außenseiterin geschildert. Es dauert bis zum letzten Band, bis aus der unscheinbaren, aber auch pragmatisch unkonventionellen Menschenfrau, die überirdisch schöne und mit außergewöhnlichen Gaben ausgestatte Vampirin wird und wir uns endgültig im Reich der Fiktion befinden. Denn zuvor erscheint es uns als ein alltägliches Geschehen, wie die junge Frau auf diesen faszinierenden, ebenso jung erscheinenden Mann reagiert. So kennen wir es, so soll es sein. Sie wird erhoben, da ein, noch dazu außerordentlicher, Mann sie zur Kenntnis nimmt. Warum, wird schon nicht mehr gefragt….

Der Vampir Edward, mit dem Aussehen eines Siebzehnjährigen und der Reife eines alten Mannes, begehrt Bella nicht nur aus Blutdurst, sondern auch ihrer, nur für Vampire interessanten Ausstrahlung, genauer gesagt ihres Geruches wegen. Dieser Mann ist die Bedrohung pur. Bella fühlt sich von seiner faszinierenden Erscheinung angezogen und schnell ist sie ihm, wie man schön sagt, unrettbar verfallen. Er hebt sie aus der Anonymität ihres Kleinstadtlebens, überdeckt die alltägliche Ödnis und die den Teenager so eigenen üblichen Selbstzweifeln.

Da ihr Geliebter nie mehr altert, möchte die, inzwischen Achtzehnjährige so schnell als möglich ihre menschliche Vergänglichkeit ablegen und dadurch an seiner Seite als würdige Gefährtin erscheinen. Eingefroren in ihrer Jugend für die Ewigkeit. Der Preis spielt keine Rolle mehr. Die hingebende Liebe an einen Mann als einziger Sinn des Lebens! Das Ignorieren und Akzeptieren der tödlichen Gefahr! Das unbedingte Nachfolgen in die Welt ihres ungewöhnlichen Verehrer und sei sie noch so grausam, denn dieser Eine ist anders als jeder andere simple Mann…

Meine inzwischen vierzehnjährige Enkeltochter gab mir vor einiger Zeit voll Begeisterung die Biss - Bände zu lesen und war froh, sich mit mir darüber zu unterhalten zu können, von der ersten Verfilmung zu schwärmen und die dämonisch schönen Darsteller anzuhimmeln.

Es ist immer gut, wenn es eine Erwachsene im Umfeld gibt, mit der eine jugendliche Leserin diese komplexe, aufwühlende und Sehnsucht weckende Story besprechen und über ihre Gefühle reden kann. Haben wir das nicht auch alle durchgemacht, vor mehr oder weniger langer Zeit? Vielleicht hatte unsere Literatur ja noch mehr den Charme von Courths-Mahler* und an die eigenen ersten Sehnsuchtsträume können wir uns bestimmt noch gut erinnern. Aber unsere Aschenputtelillusionen endeten meist im konventionell, vertrauten Märchenbereich. Die Idealisierung einer entmenschlichten Liebe finde ich jedoch mehr als zweifelhaft, fast möchte ich sagen schädlich!

Der ebenfalls in dem vier Bände - Werk vorkommende Werwolf Jacob bereichert dabei die Story von der unerfüllten Liebe, um die Freundschaftsvariante, somit um den brüderlichen Aspekt. Der „Bruder“ behält den Liebhaber im Auge! Er wird auf die Maid Acht geben, wenn er sie selbst schon nicht haben kann.

Die Werwölfe, sind anerkannterweise natürliche Feinde der Vampire, warum auch immer. Stephenie Meyers findet eine idealisierte Erklärung dafür. Diese Werwölfe zeichnen sich durch eine besondere Eigenschaft aus, sie sind per Schicksal auf einen bestimmten Menschen geprägt und diesem bedingungslos ergeben. Das gottgegebene (Liebes?)Paar! Eine uns nur zu gut vertraute und immer wieder gern genommene Ansicht. Denn irgendwie suchen wir alle den Menschen, der auf uns oder auf den wir, geprägt sein könnten. Ohne wenn und aber!

Es ist eine Sehnsucht, die nie aufhört, da wir die Zugehörigkeit zu den Unseren, vor allem zu den weiblichen Mitgliedern unserer Sippe schon lange verloren haben. Wir kennen diesen Schmerz des meist unerfüllten Begehrens nach Nähe, Zugewandtheit, Aufmerksamkeit, nach nährender Intimität, ausmacht und was allgemein als Liebe bezeichnet wird? Der Schmerz, der scheinbar unabwendbar ist. Wo kommt er her und wem nützt er? Und wieso wird er immer wieder als unverzichtbarer Bestandteil des Erwachsenwerdens und der sogenannten Liebe angesehen?

Die Vertreibung aus dem Paradies findet sozusagen immer noch tagtäglich statt. Das Kind wird der Mutter aus dem Arm genommen, von ihr getrennt und beginnt viel zu früh einen Lebensweg auf dem es alles auf die harte Tour lernt. Unsere männlich geprägte Vorstellung von „gesunder Entwicklung“ verhindert, dass wir uns die einfache Frage gar nicht mehr stellen: Wieso überhaupt Trennung von der Sippe? Wieso ist die Bindung der Frau an einen „Fremden“, dem sie sich oft genug auf Gedeih und Verderb ausliefert, der einzig akzeptierte Lebensentwurf in unserer Kultur und lässt sie ihre Lebensplanung auf flüchtige (romantische) Gefühle aufbauen?

Selbst wenn die Einzelne die Entscheidung treffen möchte, wieder die Nähe und die bedingungslose Zugehörigkeit zu der Herkunftsfamilie zu praktizieren, ist es inzwischen so gut wie unmöglich geworden, eine ursprüngliche weibliche Verbundenheit zu leben.

Wann ging sie uns endgültig verloren? Während einer der Völkerwanderungen? Beim letzten Überfall auf den Clan, als die Mutter erschlagen und die Schwester verschleppt wurde? Oder als man die Hexen jagte und verbrannte? Vielleicht während der letzten beiden Weltkriege? Oder schon sehr viel früher?

Die selbstverständliche mütterliche Nähe ein Leben lang, existiert nicht mehr in unserer Seinsvorstellung.

Was bliebe von der großen Liebesliteratur und all den HerzSchmerzGeschichten übrig, wenn die JungFrauen frei und selbstbestimmt den Liebespartner kommen und gehen ließen. Und eine Schwangerschaft auch kein Problem wäre, da ein jedes Kind in der mütterlichen Sippe willkommen wäre?

Übrigens, die elfjährigen Enkeltöchter haben inzwischen auch alle vier Bände gelesen. Die lese- und erkenntnishungrigen Teenager sind wohl in erster Linie Mädchen. Ich kann mir beim besten Willen keinen männlichen Elfjährigen vorstellen, der die vier dicken Bände von Stephenie Meyers durchliest und sich auch noch dafür begeistert. Trotzdem ist das Buch wohl in erster Linie für „den weiblichen Leser“ geschrieben und zwar im kompletten Klischeerahmen der konventionellen, patriarchösen Ausrichtung.

In jeder Zeit gibt es etwas Unerhörtes, Etwas von dem wir glauben, das ist jetzt aber der Höhepunkt der Geschmacklosigkeit und des Werteverfalls oder der Bedrohung der Menschheit. Bis jetzt jedoch hat „die Menschheit“ alles überlebt und ist dabei noch angewachsen. Wohlgemerkt als Spezies! Die vielen Einzelschicksale, die Leben, die dabei immer wieder auf der Strecke bleiben, sind schnell vergessen. Uns bleibt nur zu hoffen, dass wir auch diesen Klassiker überleben. Und zum Glück für unsere Töchter gibt es keine wirklichen Vampire! Oder etwa doch?

Also dann Biss zum nächsten Mal…


* Hedwig Courths-Mahler, gebürtige Ernestine Friederike Elisabeth Mahler, geb. am 18. Februar 1867 in Nebra (Unstrut); † 26. November 1950 in Rottach-Egern; war eine deutsche Schriftstellerin.
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16 Januar 2010

… ein Daddy für mein Baby!

Vor längerer Zeit habe ich mal eine Wochenendanalyse zum Thema Fernsehkrimis und ihre Täter gemacht und verblüfft festgestellt, all die fiesen brutalen oder heimtückischen Mörder, die uns da vorgeführt wurden, waren durchweg Mörderinnen! Nach dieser meiner Erhebung müssten dringend noch etliche Frauengefängnisse gebaut werden um all die weiblichen Schwerverbrecher unterzubringen, die der Fantasie diverser Drehbuchautoren entsprungen sind.

Nun könnte frau auch mit den Schultern zucken und sagen: es ist eh Fiktion und nur der Spannung wegen... außerdem wer vermutet schon, dass der Täter eine Frau ist? - Ich vermute es allerdings seitdem sofort, (mind. 80% Mörderinnen in deutschen Serien-Krimi laut Bundesamt für Leser- und Zuschauerschutz - ach was, das gibt es noch gar nicht?) und bin dann schon mal verblüfft, wenn der Bösewicht doch männlichen Geschlechts ist.

Letzte Nacht (fragt nicht warum ich so spät noch vor der Glotze saß) stolperte ich über ein ganz besonderes Machwerk. Diesmal nicht aus deutscher Produktion. The Closer bei VOX (Wdh. 1.00 Uhr).

Die Story: Eine junge Frau möchte ihren Freund (Drogendealer) aus dem Gefängnis holen, indem sie den Kronzeugen, der gegen ihn auszusagen gedenkt, beseitigt. Sie irrt sich jedoch in der Adresse und erschießt statt dessen eine Frau, deren zwei Kinder und die Oma.

Die Begründung der vierfachen Bluttat, welche die hochschwangere, junge Mörderin lieferte: Ich wollte doch nur, dass mein Baby einen Daddy hat!

Sie wollte das, wovon alle richtigen, kleinen Frauen träumen - eine richtige kleine Familie!

Sieh an, soweit greift die patriarchöse Gehirnwäsche schon, dass frau mordet um den Traum von der Kleinfamilie in ihrem Leben zu schützen und zu realisieren. Aber das kennen wir ja! Egal ob Fiktion oder Realität, dieses abstruse Gedankengut von der „richtigen kleinen Familie“ ist so gründlich etabliert, dass scheinbar keineR mehr daran Anstoß nimmt. Einige der Lieblingssätze der Drehbuchautoren in Spielfilmen und Serien sind daher auch inzwischen: „...dann sind wir eine richtige kleine Familie!“ oder „...ich wollte doch nur, dass wir eine richtige Familie sind“.

Eine richtige Familie: Vater – Mutter – Kind! Das Bollwerk gegen den Rest der Welt, um das jede moderne Frau mit allen Mitteln zu kämpfen hat, auch wenn es der Schwester nebenan das Leben kosteten sollte.

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29 Dezember 2009

Tintenherz ohne Herz

Es schien mir an der Zeit nun endlich mal den Bestseller "Tintenherz" von Cornelia Funke zu lesen. Inzwischen gibt es ja bereits Verfilmungen. Also lieh ich mir frohgemut den ersten Band der Trilogie bei meiner Enkeltochter aus.

Das moderne Kinderbuch im Allgemeinen ist zwar nicht wirklich auf die junge weibliche Leserschaft (wenn wir mal von Hanni und Nanni und dergleichen absehen) abgestimmt, aber gerade im Fantasiebereich gibt es bereits reichlich Heldinnen. Die meiste Kinder- und Jugendliteratur scheint immer noch für: Jungen, Jungen und auch Mädchen! geschrieben zu sein. Wobei es sich doch inzwischen herum gesprochen haben müsste, dass lesehungrige Mädchen, die eigentlichen Konsumentinnen sind. Und sie lesen dankbar alles, ob es sich um Harry Potter oder die „Biss" (dass der Tod euch scheidet)-Romane handelt, natürlich auch die, von Cornelia Funke hervorragend geschriebene Tintenherz - Trilogie. Diese hat zwar eine junge Heldin, der Rest der Figuren und die Handlungen bedient jedoch leider die üblichen Klischees.

Ich bin es jedenfalls Leid (im Kinderbuch) von 90 % Männern zu lesen, egal ob Helden oder Schurken. Ebenso über die Denkungsart gefühlloser Monster und die Ohnmacht und das Unvermögen der normalen Menschen und sogenannten Guten.

Im ersten Teil Tintenherz sehe ich bisher nicht wirklich einen Hoffnungsschimmer, keine Aussicht auf Gerechtigkeit oder gar ein "Happyend". Die Schauplätze sind unerfreulich und gruselig. Da nutzt es mir nicht, wenn das Grauen und der Horror kunstvoll geschildert werden. Es bleibt einfach eine Welt, in der ich mich weder aufhalten, noch die ich mit meiner Energie füttern möchte. Um der Spannung und Dramaturgie willen findet auch wenig Bewegung statt.

Bis Seite 360 hoffte ich noch, dass der Titel „Tintenherz“ ein liebenswertes Geheimnis in sich birgt. Tinte - blauer Fluss in märchenhafter Landschaft, der die Magie aus der Welt der Geschichten und Legenden in die Welt der Menschen trägt.

Stattdessen ist diese Geschichtenwelt mit unglücklichen Menschen und Verbrechern gefüllt. Der schwärzeste Bösewicht gibt dem Buch den Titel - ein Herz schwarz wie Tinte. Die einzige weibliche Hauptfigur ist ein männlich dominiertes Kind, das brav über das Lesen den Fantasiekosmos von allden männlichen Autoren der klassischen Jugendliteratur in sich aufgesogen hat und sich daher in den geschilderten Ungeheuerlichkeiten zu Hause fühlt. Glück bedeutet in der Tintenherzwelt dem Grauen und dem Schrecken zu entkommen. Die magischen Wesen, die unfreiwillig aus der Bücherwelt herausgelesen wurden, sind per se mit Vorsicht zu genießen. Selbst Feen sind unberechenbar und boshaft.

Die Frauen jedoch, wenn sie denn vorkommen, spielen besonders merkwürdige Rollen in diesem ersten Teil. Sie sind schrullig oder werden im Sklavenstatus gehalten und ständig verängstigt und bedroht.

Ich möchte aber der Autorin zu Gute halten, dass sie wenigstens die Thüringer Wald-Märchen-Bewohner kennt, wie die Moosweibchen und die Glasleute. Und dass ihr der generelle Müttermangel in der Literatur aufgefallen ist.

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