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30 Oktober 2015

Das bislang nicht definierte 'Matrifokal'


Neulich sprach ich mit einer lieben Freundin, die leicht genervt meinte, sie hätte jetzt beschlossen wieder den Begriff Matriarchat zu benutzen und zwar ohne schlechtes Gewissen. Nun wir sollten grundsätzlich derlei Begriffe immer ohne schlechtes Gewissen anwenden. Definitionsarbeit ist ohnehin nicht ohne, was also brauchen wir da auch noch ein schlechtes Gewissen. Wozu dient eine Selbst- oder Fremdzensur? Noch sind all die Begriffe um patriarchale und matriarchale Gesellschaftssicht so gut wie kein allgemeiner Sprachgebrauch. Wenn ich mir zum Beispiel das Wort 'Feminismus' so ansehe, dass immer noch unpassend und manchmal sogar absichtlich falsch benutzt wird, werden wir es noch eine Weile aushalten müssen, Worte wie Matrifokalität, Matriarchy oder eben auch Matriarchat immer und immer wieder zu erklären.

Trotzdem ist es nicht ganz so simpel. 'Matrifokalität' als Ausweichwort für 'Matriarchat' zu benutzen ist hierbei auf gar keinen Fall die Lösung. Denn diese beiden Worte sind in ihrer Bedeutung, also als Begriff, nicht deckungsgleich. Sie bewegen sich sozusagen auf völlig verschiedenen Ebenen. Ist die 'Matrifokalität' sowas wie eine reale Zustandsbeschreibung, haben wir bei 'Matriarchat' eher einen ideologisch geprägten Wunschbegriff. Zu diesem Zweck habe ich mal zusammengetragen, wie ich den Unterschied zwischen matrifokal und matriarchal, zwischen dem sogenannten Matriarchat und der, im allgemeinen und vor allem weiblichen Sprachgebrauch noch längst nicht angekommenen, 'Matrifokalität' sehe.

matriarchal versus matrifokal

...seit von einigen forschenden Denkerinnen gegen den Begriff 'Matriarchat' Sturm gelaufen wird, lassen manche den Ausdruck lieber ganz weg und setzen als Gesellschaftsbezeichnung beinahe unkritisch das Wort 'Matrifokalität' ein. Und für andere ist es eh ein und dasselbe. Aber die beiden Begrifflichkeiten sind nicht kongruent. Ich bin der Ansicht, dass der Unterschied zwischen den Begriffen Matrifokalität und Matriarchat größer ist, als frau im ersten Moment denkt. Und ohne weiter auf die Definitionsdifferenzen um das Wort „Matriarchat“ einzugehen, untersuchte auch ich die beiden Wortgebilde, die sich eben auch ähnlich sehen.

Wenn der Begriff 'Matriarchat' oder 'matriarchal' mit dem 'mütterlichen Ursprung' oder „Am Anfang die Mutter“ übersetzt wird, scheint das den meisten in vieler Hinsicht schlüssig. Jedoch ist diese Überlegung eher eine philosophische eben theoretische Definition, die als abstrakte Gesellschaftsbeschreibung daherkommt. 'Am Anfang die Mutter' ist zwar auch, wie wir heute darauf bestehen könnten, eine biologische und daher logische Definition. Hier würde ich aber immer mit einem gewissen Vorbehalt ausgehen. Diese Definition sagt nämlich im Detail nichts darüber aus, wie sich der innere soziale Kontext der frühen Menschengruppen am Beginn des Menschseins gestaltete und auswirkte.
Der Begriff 'matriarchal' bzw. 'das Matriarchat' betrachtet die frühe Menschengemeinschaft bereits als größere, kulturell interagierende Population und sieht darin somit bereits ein gesellschaftliches Phänomen mit einer Art kulturpolitischen Ausrichtung. Das 'Matriarchat' können wir eigentlich nur als gesellschaftstheoretische Definition bzw. Bezeichnung verstehen. Sie beschreibt nicht per se die Parameter des inneren sozialen und sich kulturell entwickelnden Zusammenlebens, sondern stellt sich bereits als sich anonymisierende Großgesellschaft dar.

Anders der Begriff 'matrifokal'. Er setzt sich auch aus 'matri' - das Mütterliche und 'focus' – das Zentrum, die Bündelung, aber auch 'der Herd', zusammen und basiert auf den beiden Voraussetzungen 'matrilinear' und 'matrilokal'. Die Matrifokalität ist das naturgemäße menschenartgerechte Kontinuum – entstanden durch das selektive Überlebensprozedere bis hin zu den frühesten Gruppen- und Sippengemeinschaften der Spezies Mensch. Hier von einer bestehenden oder organisierten Gesellschaft zu sprechen, finde ich unzutreffend. Diese evolutionär entstandenen innersozialen Strukturen sind ein Naturkonzept und funktionieren auf Grund seiner mütterzentrierten, generationsübergreifenden und geschwisterbasierten Attribute.


matrifokal versus patriarchal 

Logischer Weise deute ich auch das Wort 'matriarchal' als gesellschaftstheoretische Begrifflichkeit wenn auch nicht als Pendant zu 'patriarchal'. Im heutigen gesellschaftlichen Deutungskontext findet hier eine unzulässige Umkehrung statt - eine Art Herrschaftstausch. Herrschaftsstrukturen sind im Matrifokalen Urkonzept jedoch nicht vorhanden und die Geschlechter nehmen am Fürsorgegeschehen mit ihren (persönlichen) Affekten und biologisch determinierten Intentionen teil.

Da 'die Mutter' bzw. 'die Mütter' das naturgemäße Zentrum der konsanguinen* Fürsorgegemeinschaften sind und somit vom matrifokalen Anbeginn an die offensichtliche Drehscheibe des menschengemeinschaftlichen Evolutionsgeschehen waren, sollten wir die auf weiblichem Agieren aufgebaute Selbst- und Arterhaltsfähigkeit - die mütterliche Gemeinschaftskompetenz - auch als die soziokulturelle Grundlage der frühen Menschengruppen ansehen. Wenn schon der Begriff 'matriarchal' benutzt wird, dann eben auch nur im Sinne von „auf die Mutter bezogen“ ohne Zuschreibungen wie "Herrschaft" mitzudenken.

Und wir sollten beachten, dass 'patriarchal', im Sinne von „auf den Vater bezogen“, einen ganz anderen Bedeutungsinhalt hat. Der 'Vater' ist eine kulturelle Kreation und als sozialer Taktgeber keine naturgemäße (biologische) Entwicklung innerhalb der Matrifokalität. Da männliches Dominanzverhalten immer mit einem (nicht nur die eigene Art) schädigenden Gewaltverhalten einher ging bzw. geht, wurde die menschen-artgerecht bestehende brüderliche Sozialkompetenz zu Gunsten der machtbezogenen Vaterinstallation ausgetauscht - erst kollektiv und dann grundsätzlich individuell. 

Der (Mutter)Bruder, der von Anbeginn als Fürsorgepartner seiner Schwestern innerhalb eines 'Matrifokal' agierte, bekam so sukzessive eine ideologisch umgerüstete Bedeutung. Im Sinne von Bruderschaft zu anderen nicht angehörigen Männern, wandelte sich verwandtschaftliche Ebenbürtigkeit in androzentrierte Rangfolgen. Und während sich die nun im (Mutter)Sippengefüge platzierten Väter miteinander verbrüderten, wurde die (nicht menschenartgerechte) Trennung von Müttern, Töchtern und Schwestern durchgesetzt und zwar gewaltsam. Der durch Machterwerb privilegierte Mann stieg parallel zu dem jeweils bestehenden Herrscherideal zum Vateridol auf. Die allegorische Vaterfigur etablierte sich als omnipotent erscheinendes Subjekt, das bis heute die patriarchale Gesellschaft fest im Griff hat.

Mal abgesehen davon, dass es bis in unsere Zeit hinein nicht wirklich feststellbar war, ob ein Mann der "leibliche Vater" eines Kindes war, ist der Vaterbegriff in zwei Bedeutungen aufgespalten. Einmal als biologischer Mit-Zeugender eines neuen Lebens (er stellt ein Spermium zu Verfügung, das seine "Gene" an die Eizelle abgibt) und zum anderen als (gewaltsam eingeführter) Beherrscher einer sozialen Klein- oder Großstruktur. Seine gesellschaftlich performte und etablierte Rolle als temporärer Fürsorger einer Kleinfamilie (ein Status der heute zelebriert wird) bzw. als unmittelbarer Verantwortungsträger für den eigenen Nachwuchs, ist ein recht junge Entwicklung. 'Der Vater', genauer die patriarchöse Vateridee, welche durch patriarchalpolitische Ideologie und Religion stabilisiert wird, ist eine rein männlich inszenierte Schöpfung. 

Das relativ schnelle Umsichgreifen hierarchischer Herrschaftsstrukturen könnten wir auch als erforderliche Konsequenz ansehen, das Vakuum zu füllen, dass die Zerstörung der naturgemäßen Muttergemeinschaft nach sich zog. Die verkaufte und versklavte Frau hinterließ zwangsweise ein verwaistes 'Matrifokal' und die weitergereichte Tochter (verheiratet oder als politische Geisel aus ihrer Muttersippe oder später Vaterfamilie heraus genommen) stand als zukünftige Trägerin der mütterlichen Fürsorgegemeinschaft nicht mehr zur Verfügung. Innerhalb kürzester Übergangszeiten übernahmen (einstmalige Mutter-)Brüder die Rolle (und hier handelt es sich tatsächlich nur um eine Rolle) des reputierlichen Vaters, des geachteten Häuptlings (bis hin zur Königswürde) oder des gefürchteten Anführers der Krieger (als Vorstufe der Imperatoren). Der durch legislative und exekutive Macht aufgestiegene privilegierte Mann veränderte dramatisch und nachhaltig die einstigen matrifokalen Sozialgemeinschaften. Die neuen patrigeprägten Kollektivformen bauten mehr und mehr auf Normen auf, die sich als naturfeindlich und inhuman erwiesen.

Das Matrifokal ist ein von mir kreierter Begriff, der die menschenartgerechte, naturgemäße Fürsorgegemeinschaft bezeichnet!

Die 'matrifokale Gemeinschaftsform' ist die naturgemäß artgerechte Seinsform der Spezies Menschen. Auf der Basis der Female Choice** gründete sich hier der biotische, also evolutionär durchgesetzte, optimale Lebenserhalt der menschlichen Spezies. Die dem Menschen artgerechte 'Matrifokalität' bleibt daher nach wie vor, einem Organismus ähnlich, unsere evolvierte Lebensbasis - selbst unter den Bedingungen der nicht naturgemäßen Patriarchose.

Das Leben im 'Matrifokal' war und ist unser ur-natürliches Dasein - das organisch entstandene Kontinuum des Menschseins. Das Matrifokal verstehe ich als das dynamische Habitat, das als existenzsichernde Schutzsphäre für die Mütter und ihren Nachwuchs fungierte. In der Regel bestehend aus den konsanguinen Angehörigen (beiderlei Geschlechts) innerhalb der frühen generationsübergreifend lebenden Menschengruppierungen. Das bedeutet, die Menschen interagierten in ihrem Alltag in überschaubaren, geschwisterbasierten Fürsorge-Gruppen. Ein Jedes wurde in die bestehende Gemeinschaft ihrer Angehörigen hineingeboren und verblieb in diesem Kontinuum in der Regel bis zum Tod. 

Die hundert bis zweihundert, als 'heute noch bestehenden Matriarchate' bezeichneten indigenen Kleingesellschaften auf unserer Welt sind Gemeinschaftsorganismen- bzw. -organisationen auf Angehörigenbasis, welche überwiegend die menschengerechte 'Matrifokalität' im überlieferten Sinn praktizieren.

'Das Matrifokal' oder auch 'das menschliche Kontinuum' ist nicht als vergängliche Episode in einer Abfolge von Gesellschaften zu verstehen. Als naturgemäße Grundlage des Menschseins ist es auch im Patriarchat stets gegenwärtig, wenn auch durch das Diktum der religiös/ideologischen Herrschaftsstrategien aus dem Bewusstsein des kullturell tradiertem Mainstreams getilgt. Es gibt wesentliche Unterschiede zwischen der menschlichen Gemeinschaft und einer (anonyme agierenden) Gesellschaft. Die (Sippen)Gemeinschaft beim Menschen (bei anderen Säugetieren von uns Menschen bezeichnet als: Herden, Rudel, Horden, Muttergruppen) im naturgemäßen Sinne, besteht aus einer Ansammlung überwiegend konsanguiner* Angehöriger, die ihr Zusammenleben miteinander gestalten. 

Im Matrifokal verbringen in einer überschaubaren Gruppierung 'auf einander bezogene' doch in ihrer Persönlichkeit frei agierende Individuen ihren Alltag miteinander. Es ist das gelebte Kernmuster der Angehörigengruppe - die matrilinearen Sippe, die eine artgerechte (natürliche) Ordnung nach einem mütterlichen Prinzip lebt. Hier finden wir einen interagierenden Personenkreis, der in individueller Entscheidungsfreiheit*** sich in der förderlichen Nähebindung der überwiegend konsanguinen Angehörigen bewegt.

Dagegen ist eine 'Gesellschaft' ein größerer und bereits organisiert zu verstehender Zusammenschluss an menschlichen Gemeinschaftsgebilden und Individuen, die einer Art (bereits tradierten) Leitideologie unterworfen wurden und die auf das Individuum bezogen weitgehend anonym interagieren. Die Anonymität, das Hauptmerkmal einer Großgesellschaft, fördert spürbar die zunehmende Separierung des Individuums. Statt einen gewachsenden sozialen Zusammenhalts in einem integrierten Kontext zu leben, separieren sich die Mitglieder der patriarchalen Gesellschaft zunehmend und zwar unter dem eindruck einer relativen Sicherheit in der anonymen Großgemeinschaft. Diese Sicherheit wird jedoch durch eine größtmögliche Anpassung an die verschiedenen politischen Systeme bzw. an die Leitideologien der (patriarchösen) Gesellschaftsform erkauft.

Unsere persönlichen Mittelpunkte im heutigen Alltag sind zwar nach wie vor einer natürlichen Angehörigenbindung angeschlossen bzw. in den kulturell geschaffene Kleinorganisationen (wie die aktuelle Familie, Arbeitsstellen oder andere Organisationen) verankert, denen wir mit oder ohne Bereitschaftserklärung temporär einverleibt werden oder uns freiwillig zugehörig fühlen. Gesellschaften werden in ihren inneren Abläufen von Vertretern der jeweiligen Machtkonzepte gesteuert (und nur in der heutigen Demokratie besteht für jedes einzelne Mitglied die Illusion des Mitbestimmungsrechtes). Das soziokulturelle Ideologiekonzept der heutigen patriarchalen Gesellschaft variiert nach Kulturkreis, ist aber immer noch durchweg androzentriert.

Das soziale, also das zwischenmenschliche, Miteinander in der matrifokalen Grundgemeinschaften, dem 'Matrifokal', bezog sich urtümlich auf den unmittelbar erlebten, alltäglichen Nähekontakt. Dieser war für die Menschenbildung essentiell und ist in unseren menschlichen Erbanlagen als unwillkürlicher Drang zur Zugehörigkeit und in Form von Bindungsemotionen zu unseren Angehörigen vorhanden.Bei nicht Vorhandensein einer natürlichen Bindungsgruppe übertragen wir das Zugehörigkeitsverlangen im Zuge der Überlebensanpassung auf andere, uns sozial nahestehende und möglichst wohlwollenden,vertraute Mitmenschen. Hierin liegt m.E. auch die ungebrochene Willigkeit begründet, sich in Peergroups und Paarbeziehungen zu arrangieren und sich diese, manchmal auch über jede Vernunft hinaus, erhalten zu wollen. Auch das von mir so gern angeführte Stockholmsyndrom hat hier seine Wurzeln. Das Verlangen (auch unter widrigen Umständen) zu überleben bringt ein Individuum dazu dauerstressige, extreme oder schädliche Situationen in stark fremdbestimmten Abhängigkeitsverhältnissen auszuhalten. Das Zugehörigkeitsverlangen und die lebenswichtige soziale Interaktion kann so durch Repression oder Gewaltexesse beherrscht werden. Patriarchale Strukturen bauen auf dieser Form der Unterdrückung auf.

Soziales, zugewandtes Interagieren auf Basis der matrifokalen Bindungsgemeinschaft regulierte urtümlich den Alltag der matrifokalen Sippengruppierungen. Der gegenseitig zur Anwendung kommende Drang zur Angehörigkeit (basierend auf der Mutterbindung) sowie die individuelle Empathie verknüpft mit notwendiger kollektiver Kooperation, bildete eine Überlebensgrundlage mit der sich die frühen Menschengemeinschaften offenbar erfolgreich erhielten und vermehrten. Das naturgemäß matrifokale Menschsein (in einem Matrifokal) ist sozusagen die Grundrechenart ohne die es letztlich auch keine „höhere Mathematik“ des soziale Miteinanders in Balance geben kann



* konsanguin - verwandt durch Geburt in mütterlicher Linie (umgangssprachlich auch 'blutsverwandt')

** siehe hierzu: http://www.gabriele-uhlmann.de/pdf/female-choice.PDF

*** siehe 'The Continuum Concept' von Jane Liedloff

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15 September 2015

Artgerechte Geborgenheit oder Stockholmsyndrom

Kinder sind kein Partnerersatz (eine Wiederholung vom September 2013)

... schon gefühlte tausendmal stolperte ich über den Satz: „Kinder sind kein Partnerersatz..." So auch heute wieder und hier der (etwas überarbeite) Kommentar, den ich zu dem Thema hinterlassen habe:Ja, das stimmt! Kinder sind kein Partnerersatz.

Unsere Kinder sind die, uns am meisten verbundenen Angehörigen. Auch noch und natürlicher weise, wenn sie dem Kindesalter entwachsen sind. Diese Verbundenheit wird in unserer (westlichen) Kultur des 'separierten erwachsenen Menschen' als irrelevant erklärt. Wir wissen: das (menschen)artgerechte Sein einer durch Geburt verwandten Angehörigenbindung ist die eigentliche Basis des menschlichen Zusammenlebens.

Die Idee, dass manche Menschen ihre Kinder als Partnerersatz "missbrauchen", ist daher eine komplette Umkehrung der naturgemäßen Wertigkeit.

Im Gegensatz zum Kind ist der sogenannte Partner, dem tradierend die ganze Liebe gelten soll, nur ein Surrogat - die Ersatzperson für den im Patriarchat verlorengegangenen natürlichen Lebenskreis. Unsere Kinder sind die Menschen die naturgemäß zu uns gehören - sie sind unsere unmittelbarsten Bindungsangehörigen.

Eigentlich schlimm genug, dass wir sie durch fremde (nicht verwandte) "Partner" ersetzen sollen. Und bevor hier eine Schutzzone um die 'Familie' gezogen oder der beliebte Satz zitiert
wird, dass man sich Familie bekanntlich nicht aussuchen kann, sollten wir einfach nur das künstliche, patriarchöse Familienkonzept mit dem natürlichen matrifokalem Sein vergleichen, um zu verstehen, dass unsere Kinder in letzteres gehören.

Schon sehr früh beginnt in unserer tradierten Kultur das Einschwören auf den noch unbekannten zukünftigen Partner, mit dem frau/mann möglichst den Rest des Lebens verbringen wird. Die Konditionierung zu autarken und bindungslosen, aber dafür beziehungssüchtigen Erwachsenen, erfolgt bereits ab der frühesten Kindheit. Um das zu erreichen wird natürliches Bindungsverhalten (im Besonderen die Mutter-Kind-Bindung) so früh wie möglich diskriminiert bzw. unterdrückt und der Augenmerk auf beliebige andere Beziehungskonstellationen gelenkt.

So gehört es zur Standard-Denke, dass ein Kind durch beliebige Bezugspersonen ebenso versorgt werden kann und es daher nicht zwangsläufig der Mutter und einer Angehörigensippe bedarf, als Kind eine geborgene Entwicklung in einer mütterlichen Nähegemeinschaft zu erleben. 

Die Fixierung erfolgt im Kindesalter in der Kleinfamilie erst auf das Elternpaar - Vater und Mutter - und später tritt als Ideal der sogenannte Partner auf und besetzt die freigehaltene Stelle als (einzige) Bezugsperson.Wir leben daher in einem permanenten Mangel an Bindung, Zuwendung und Zugehörigkeit. Der heutige, vereinzelte, Erwachsene ist imho niemals in der Lage, dass er bzw. sie dem irrwitzigen Anspruch unserer heutigen Gesellschaftskultur einem Partner alle Komponenten einer Fürsorgegemeinschaft zu ersetzen. Wir und hier vor allem die Frau, sollen eigentlich allein (bzw. in wechselnden Beziehungen) leben und aus eigner Kraft immer noch einen Partner und eventuelle Kinder mitversorgen.

Die ursprüngliche Fürsorgegemeinschaft, das Matrifokal bzw. die matrifokale Sippe wurde im Patriarchat ins Reich der Mythen verwiesen bzw. wurde als nicht existent erklärt. Der natürliche Background einer Angehörigengemeinschaft ist in unserer Realität nicht mehr existent und so wird erwartet, dass Mütter im Patriarchat ihre Kinder kaum noch oder nur teilweise selbst aufziehen. Es wird ihnen, sowohl den Müttern als auch den Kindern, nicht nur die letzte Bindungsperson wo immer es geht entzogen, sie lernen auch noch Geborgenheit als Verhinderung des autarken Lebensweges einzustufen. Der permanente Mangel an Zuwendung steht als Selbstverständnis einem zukünftgen Ausgleich durch einen (noch unbekannten) Lebenspartner gegenüber, auf den die eigene Bedürftigkeit projiziert wird.

Noch ist es vermehrt so, dass es die vorhandene Bindung zum Kind sukzessive zu lösen gilt und dem Kinde so früh wie möglich "Flügel" gegeben werden, manchmal noch bevor sie "Wurzeln" bekamen. Frau wird durch die anonyme, konventionelle Gesellschaft dazu genötigt und lässt in vorauseilendem Gehorsam freiwillig erziehen und ausbilden - hier greift das staatliche Bildungssystem (Schulpflicht), der wirtschaftliche Druck der Erwerbstätigkeit und die Ideologischen Dogmen der Mainstreammedien.

Das patriarchal geprägte Familiensystem ist von seinem Ursprung her der Abklatsch eines jeden Herrschaftssystem im Patriarchat. In diesem herrscht(e) als Prinzip eine Atmosphäre, die vergleichbar ist mit einer Geiselnahme und daher auch immer wieder die Symptome eines Stockholmsyndrom bei den Betroffenen hervorbringt. Ein permanenter Nährboden für Gewalt, Übergriffigkeit und Missbrauch aller Art. Überall da, wo vereinzelte Erwachsene mit einer gewissen Macht ausgestattet sind und in einem unnatürlichen, sozial quasi nicht korrigierenden Raum agieren, findet grundsätzlich eine Art systemimmanenter Missbrauch statt.

Den heutigen Erwachsenen und hier besonders den männlichen, umgibt nicht mehr das selbstverständliche Korrektiv einer (anwesenden) konsanguinen* Angehörigengruppe.
Der moderne Mensch wendet sich schon während des Heranwachsens in vielen kleinen Brüchen von dem naturgemäßen Lebenskreis (seiner Herkunftssippen, die nun mehr nur fiktiv vorhanden ist) ab - d.h. es/sie/er wird systematisch vom naturgemäßen Versorgungssystem kulturell „abgenabelt“.

Dabei wird so früh wie möglich eine distanzierte, für Menschen unnatürliche, Alltagssituation geschaffen, die als Sprungbrett in das sogenannte „eigene“ Leben dienen soll. Als vorgegebenes Ziel erlernen wir einen möglichst permanenten Zustand der romantischen Liebe anzustreben und auf sexuellem Begehren aufgebaute Beziehungsgebilde (auf Lebenszeit) mit einem bis dato unbekannten Menschen einzugehen. Das Erfüllen der patriarchös geformten kulturellen Maßvorgaben ist für den einzelnen fühlenden Menschen zu einem permanenten Mangelzustand an Schutzwärme, Geborgenheit und energetischem Austausch geworden. Nachhaltige Sentimente, Zuwendung, Aufmerksamkeit und vor allem generationsübergreifende Fürsorge ist in unserer, auf den Erwachsenen mittleren Alters ausgerichteten Welt, alles andere als selbstverständlich vorhanden. Wir klagen über das Vorhandensein von ständigem Menschenmissbrauch und dabei wird übersehen, dass mit der Hörigkeit dem patriarchalen System gegenüber täglich aufs Neue, die dazugehörigen Voraussetzungen geschaffen werden.

Der (fremde = nichtverwandte) Partner in einer Zweierbeziehung ist in jedem Fall der Ersatz für die verpönte Kindes- und Angehörigenbindung und 'das Kind' ist gerade nur noch als Synonym für die konsanguine Angehörigensippe gestattet. Hier wird auch deutlich, dass der gern gebrauchte Ausspruch, dass ein Kind seinen Vater braucht, im Grunde auch nur die Verkehrung der eigentlichen Tatsache ist, denn 'Der Vater braucht das Kind!'.


(* konsanguin bedeutet: durch Geburt verwandt in mütterlicher Linie

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05 September 2015

Das bisschen Haushalt

 oder .... was brauchen wir für ein eigenes Leben?(Überarbeitung vom Sept. 2014)

Als Mutter von vier Kindern weiß ich noch zu gut, was ein halbwegs vernünftig geführter Haushalt für Arbeit macht und auch ich habe dereinst die meisten der Aufgaben, die in dem Sechs-Personen-Haushalt anfielen, neben teilweiser Berufstätigkeit, weitgehend allein wuppen müssen. Ich erinnere mich an jahrelanges ständiges Rotieren.
Das Grundproblem der heutigen Haushaltsführung – im 21. Jahrhundert und im westlichen Kulturkreis - liegt nicht nur in der abwertenden Sicht auf jede Form der Haus- bzw. Mutterarbeit, sondern auch, ganz pragmatisch gesehen, in der Verteilung der anfallenden Arbeit auf die vorhandenen hausarbeitenden Kräfte innerhalb der Durchschnittsfamilie.
Die heutige (Kern)Familie besteht im Idealfall aus zwei Erwachsenen (und mehr denn je aus nur einem) und irgendwann aus den (aber nicht immer, es gibt vermehrt Singlehaushalte) dazugekommenen Kindern. Wir haben es im westlichen Kulturkreis bekanntermaßen mit der Kleinfamilie zu tun – Vater, Mutter, Kind(er) - in welcher in der Regel auf weitere Angehörige verzichtet wird. Jede Form eines unmittelbaren generationsübergreifenden und kooperierenden Miteinander mit Angehörigen der eigenen (Mutter)Sippe ist die (fast schon tabuisierte) Ausnahme.
Auf Grund eines imaginären und rein ideologischen Mainstream-Codes lösen sich, eingedenk diverser und allgegenwärtiger Parolen, junge Leute so früh wie möglich aus ihren Herkunftszusammenhängen. Und die derzeitige Älterngeneration beginnt bereits ab der Geburt eines Kindes in vorauseilendem Gehorsam ihm die gern zitierten Flügeln zu geben, manchmal noch bevor es die notwendigen Wurzeln bekam.
Diese allseits akzeptierte Befolgung der modernen ideologischen Dogmen bringt Mütter dazu, beinahe klaglos ihre großen aber durchaus noch nicht erwachsenen Kinder ziehen zu lassen und dabei jeden (menschenartgerechten) Schmerz über das verlorene Kind zu leugnen oder ihn sich gesellschaftskonform schön zu reden.
Dabei werden in fantasievoller Art für die Zukunft Chancen und Vorteile beschrieben, die sich durch die, oft rigorose Trennung für beide einstellen würden. Jede tolle Utopie wird beschworen, nur der Erhalt der artgerechten Nähe sollte darin nicht vorkommen. Diese kollektiv beschworenen Vorteile münden in der konditionierten Vorstellung: „...endlich das eigene Leben leben zu können...“ - als hätte mann, frau bzw. kind das vorher nicht gekonnt. Es existiert die lächerliche Überzeugung, dass im Kreis von Bindungsangehörigen kein „eigenes“ Leben möglich sei.
Der moderne Mensch versucht krampfhaft, seinen angeborenen Drang zur Bindungsnähe zu überwinden und eine Art unabhängiges Individuum zu werden. Was für den Menschen als Lebewesen ebenso keinen Sinn macht, wie für jedes andere Naturwesen.
Das Drama dieses Bestrebens besteht in dem Zwang die natürliche Abhängigkeit von der vertrauten Bindungs- und Nähegruppe der Fürsorgegemeinschaft gegen die fremde und generell wenig wohlmeinende Abhängigkeit einer anonymen Großgesellschaft einzutauschen.
Der künstlich geschaffene Bedarf von "totaler individueller Freiheit" stützt sich in unserer Mainstreamkultur auf eine merkwürdige Devise: nur die Liierung mit einem außenstehenden, also bislang fremden, Lebenspartner ermöglicht uns ein eigenes und erfülltes Leben zu führen!
Aber selbst zu diesem Phänomen, das wir als die große und möglichst romantische Liebe kennen, gehört immer und ganz pragmatisch auch ein Haushalt - der Ort an dem der existenzielle und ganz und gar praktische Alltag bewältigt werden muss.
(Fast) alle jungen Frauen und Jung-Männer lernen früher oder später selbst einen Haushalt zu händeln und ich kenne einige, die machen das im Alleingang richtig gut. Während der Studien- oder Lehrzeit „üben“ manche in einer WG oder ziehen mit Freund oder Freundin zusammen. Meine beiden ältesten Enkel - Schwester und Bruder - haben eine Geschwister-WG gegründet.
Aber auch ein Einfrau/Einmann - Haushalt ist zwar auch in unserer Zeit an manchen Stellen eine gewisse Herausforderung, aber durchaus zu schaffen.
(Da gibt es diese Mac Donald – Werbung in der eine Mutter wohlmeinend in der WG ihres Sohnes mitgebrachtes Essen in der Küche abstellt und ihm das telefonisch mitteilt. Worauf dieser, während er in einen Burger beißt, nachdenklich seine Kumpels fragt: „Wir haben eine Küche?“)
Heutzutage ist es so, dass die anfallende Arbeit im Haushalt auf ein Minimum beschränkt und zum Teil outgesourct werden kann. Der Aufwand an Hausarbeit ist mit dem persönlichen Anspruch und einem Zeitfaktor gekoppelt.
Ab einem bestimmten Zeitpunkt ist fast jeder heranwachsende Mensch (das Kind) in der Lage im Rahmen der vorhandene Ressourcen sich selbst zu versorgen und dabei lernt das größere Kind quasi nebenbei auch die Hausarbeit innerhalb seiner kulturellen Parameter kennen.
Hausarbeit, das ist die, die Existenz erhaltende und sichernde, Arbeit in der eigenen Niederlassung. Aber so oder so, in den heute tausendfach vorhandenen privaten Haushalten pflegen sich in der Regel früher oder später die hausarbeitenden Mitglieder auf maximal zwei verantwortliche Erwachsene einzupegeln.
Gewisse gesellschaftliche Rollenvorgaben tradieren noch immer die 'Hausfrau', da die Frau, meist in ihrer Eigenschaft als Mutter, auch heute aus vielerlei Gründen und anerkannter Weise mehr Zeit als der Mann im Familienhaushalt verbringt. Schnöde Hausarbeit ist für den Durchschnittsmann nach wie vor ein eher unattraktives Szenario. Die heutige Frau wehrt sich, am Herd angekettet zu sein; sie zerrt seit etlichen Jahrzehnten an diesen imaginären Ketten. Die brave Fünfziger-Jahre–Hausfrau (bei der es sich auch eher um einen Mythos handelt) ist schon lange out. Frau möchte gesellschaftliche Teilhabe, Beruf und Karriere und dabei aktive mitmenschliche Nähe. Nichts ist für einen (weiblichen) Menschen weniger artgerecht als ein Leben in einer gewissen Isolation zu fristen und das auch noch weitgehend fremdbestimmt (isolierte Weiblichkeit ist nicht artgerecht und kann sich für die einzelne Frau wie Folter anfühlen). Aber wie auch immer, den Haushalt wird sie trotzdem nicht los, genauso wenig wie der Mann - jedeR Mensch hält sich immer in irgendeinem Haushalt auf. Das private Refugium, in dem der Rückzug von der Arbeitswelt stattfindet, wird als 'unser Haushalt' definiert.

Seit der Zeit, da die martifokalen Fürsorgeemeinschaften in bewusst eingerichteten Lagern und Behausungen ihren Alltag gemeinsam verbrachten, wurde alle anfallende Arbeit gemeinsam verrichtet, um die Gruppe der konsanguin lebenden Angehörigen zu erhalten und um den Nachwuchs menschen-art-gerecht aufwachsen zu lassen. Das hat jedenfalls einst über den langen Zeitraum viele Jahrtausende gut geklappt, denn sonst wüssten wir heute nicht was Zufriedenheit, Wohlbefinden, Glück und zugeneigtes Miteinander bedeutet. Es liegt in unseren "Genen" in einem vertrauten Miteinander auf gemeinsamer Haushaltsbasis Lebenszeit zu verbringen. Unsere Urahninnen erfanden den Haushalt und entwickelten ihn weiter! Seitdem ist diese menschliche Lebensbasis die Grundlage des gesamten Wirtschaftens. Daher mahnen auch immer mehr Denkerinnen an, unsere Weltwirtschaft als einen großen Haushalt anzusehen, was er de facto nun mal ist. Gut haushalten, gut wirtschaften zu können mutet uns allerdings nicht nur als unerfreuliche Arbeit an, es ist auch eine Kunst und hier kommt Kunst direkt von 'Können'. Eine reibungslose und alles Notwendige beinhaltende Haushaltsführung ist ein beachtliche Leistung.
Die Menschheit wuchs also in einem "Haushalt" heran auch wenn es damals noch keine Häuser gab. In den Habitaten der fürsorgenden (Mutter)Gemeinschaft entwickelte sie alles, was die intelligente Mensch ausmacht und zwar unter der Prämisse dem Nachwuchs Schutz, Sicherheit und gutes Gedeihen zu ermöglichen.

In jenen Zeiten kannte niemand die unnatürliche Trennung von „wertvoller“ Arbeit außerhalb des Hauses und „niedrigen“ Arbeit im Haus - jede Tätigkeit war unmittelbar auf das aktuelle kollektive sowie individuelle Wohlergehen in der vorhandenen Nähegemeinschaft ausgerichtet.
Die heutige Wertschätzung oder genauer, die Abwertung der lebenserhaltenden Haus- und Umgebungsarbeit ist immer noch an den (gesellschaftlichen) Status der Frau gekoppelt und der besagt nunmal Frauenarbeit als unwichtig oder wertlos anzusehen.
In der frühen artgerechten Matrifokalität war die Mutter und ihre Töchter die Mitte der naturgemäßen Fürsorgegemeinschaft und der Mann als Sohn und Bruder in Matrilinearität, in dieser fest eingebunden, also selbstverständlich integriert. Das ist unsere menschliche Natur und zu dieser menscheneigenen Überlebensstrategie gehörte die unerlässliche stetig kultivierte Alltagstätigkeit als eine weitere Überlebensgarantie. Dieser tatkräftige, innig gelebte Lebenserhalt war ein einheitlicher Komplex ... bis zum patriarchalen Umbruch. Ab da partipzierten Herrscher(cliquen) von der Sklavenarbeit, die anderen auferlegten. Die üblichen (Überlebens)Tätigkeit für jederman wurde zwar nicht ganz abgeschafft, denn sonst hätten die Autokraten ja die Verantwortung für alles übernehmen müssen. Jede Art von Arbeit wurde durch das entstehende androkratisch-patriarchale System bestimmten Nützlichkeitsprinzipien unterworfen.
Das naturgemäße innergemeinschaftliche (Über)Lebensgefüge wurde nach und nach zu der, heute als Haushalte bekannten, Reproduktion- und Regenerationsstätte für die immer kleiner werdenden Gruppierungen, die als Familien nicht mehr in Matrilinearität lebten.  Die den Frauen zugeordnete Hausarbeit geriet dabei in den nachhaltigen Zustand der Geringschätzigkeit. Daher wäre es dringend angesagt, die absonderliche harte Trennung zwischen anerkannter (Geldwerter) Erwerbsarbeit und dem geschmähtem 'Weiberaufenthalt am heimischen Herd' nicht nur schleunigst zu überdenken, sondern jede Art der Caretärigkeiten als essentielle Lebensarbeit in jeder Hinsicht anzuerkennen.


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31 August 2015

ein kurzer Rückblick in den nun mehr vergangenen August

... der August schwand dahin und so lege ich wenigstens noch schnell einen Rückblick nach... 

Monatsrückblick für August 2015
 
Gelesen: verschiedene Kinderbücher und
'Wenn Männer mir die Welt erklären' von Rebecca Solnit
'Keine Macht den Doofen' von Michael Schmidt-Salomon

Gesungen: mit den Enkelmädchen und die neusten Titel meiner Tochter mitgesungen

Gesehen: zur Auffrischung bei Amazon prime instant die Anfänge verschiedener (Fantasy)Serien, deren Ausstrahlung schon etwas weiter zurück liegen...

Getrunken: wie immer Wasser und Kaffee

Gegessen: drei Woche in einem anderen Haushalt, jetzt bin ich froh wieder für mich kochen zu können...

Gekocht: zu Hause: Gemüse, Gemüse, Gemüse... mein neuer Liebling: Mini - Pak choi

Gebacken: genaugenommen nur fertig gebacken... von meinem Sohn vorgefertigte Pizza-Schnecken...

Gefreut: über drei Wochen KKK – Kindeskinderkontakt... einen unverhofften Kurzbesuch dazwischen, das Wiedersehen mit T 3 und KK 6 und 8 und gestern die Rückkehr der Urlauber...

Gelacht: viel mit Groß und Klein und still für mich...

Geärgert: über mein Ausflippen am Telefon im Gespräch mit einer Freundin...

Geängstigt: schon mal unter einem großen Dachfenster bei Gewitter geschlafen?
... bzw. des unglaublichen Lärms halber eher nicht...

Gekauft: einen neuen Akku für den Laptop und shoppen bei Ikea...

Gespielt: Fingerpuppentheater für die Kleinen und Miau-Miau mit mehreren Putzis der Familie, sehr lustig...

Gefeiert: ...irgendwie nicht wirklich, ich kann mit dem sogenannten Feiern kaum was anfangen...

Genossen: nach tubulenten Tagen die Ruhe in meiner Zuhause-Klause...

Gesportelt: zählt auch Ballett mit einer Zwei- und Vierjährigen? Jedenfalls hatte ich danach Muskelkater...

Gefühlt: Glückseligkeit, Freude über Unverhofftes, Spaß an neuer Erfahrung und ein wenig Furcht?!? vor Semiverantwortung...

Geknipst: Kinder im Sandkasten, Kinder auf der Rutsche, Kinder auf der neuen Schaukel... 


 
...das Raster habe ich mir bei Schäfchen ausgeborgt (und leicht verändert) ... Danke!

13 Juli 2015

...eine grundlegende Betrachtung zur lebendigen Matrifokalität

'Das Leben' auf unserer Welt ist ein Phänomen, dass sich dadurch auszeichnet, dass es a) existiert und b) den immanenten Drang besitzt weiter zu existieren. Und um 'weiter zu existieren' arrangiert sich jedwede Lebensform mit den gegebenen Umweltbedingungen und passt sich permanent an. 'Das Leben' ist das gigantische Spektrum an (organischen) Lebewesen, mit denen unser kleiner Planeten überzogen ist ... im Wasser, im Erdreich, auf dem Erdboden und in der Luft. So entstanden alle, sich gegenseitig beeinflussende Effekte, die 'das Leben' in all seiner Vielfalt erhalten und überleben lassen.

Ein außerdem vorhandenes Regulativ ist die natürliche und daher unwillkürliche Selektion – der dumme Zufall oder besser die durch Kausalität bestimmte Unvorhersehbarkeit - selbst im Chaos herrscht die Ordnung des "es hat alles einen Grund".

'Das Leben' hat sich die materielle Grundausstattung der Erde, die physikalischen und chemischen Bedingungen und selbstredend alle kosmischen Einwirkungen (Sonne, Mond, Strahlung usw.) jeweils zu Nutze gemacht. Daraus bildete sich ein komplexes erdeigenes und sich ständig veränderndes, kommunizierendes (Öko)System. Sogar die sich durch das Leben verändernden klimatischen Bedingungen werden stets zum (eigenen) Vorteil genutzt bzw. in das Anpassungssystem eingebaut. Fast könnten wir sagen „es“ änderte die Lebensbedingungen zum Wohl des gesamten Lebens (z.B. Sauerstoffanteil). Aber natürlich passierte das alles ohne einen Plan, auch wenn das für manche nicht vorstellbar ist und sie von einer göttlichen und damit vorsätzlichen Intervention ausgehen.

Das Leben ist ein sich selbst organisierendes System und der systemimmanente Trieb der Anpassung ist eine permanente Reaktion der Artenvielfalt. Jedenfalls erwuchs daraus der ganz spezifischer Arterhalt der jeweiligen Lebensformen. Auch der Mensch besitzt gegenüber den anderen eine besondere, eben eine arteigene, Strategie sich als Spezies zu ver- und erhalten.

Es ist nicht verwunderlich, dass im Allgemeinen das Wort „artgerecht“, das ich in meinen Texten verwende, auf einen gewissen Widerstand stößt. Den Begriff „artgerecht“ kennen wir zuerst aus der Tierhaltung und es dauerte bis man den Begriff auch auf das Menschendasein anzuwenden begann. Denn noch sieht sich der (patriarchale) Mensch als die Krone einer obskuren Schöpfung und hier macht die moderne Frau nicht wirklich eine Ausnahme. Sich über das naturgemäße 'Biosein' zu erheben, mit Sätzen wie: 'der Mensch ist mehr als nur seine Biologie, er ist auch Geist...', ist daher immer noch ein gern geäußerter salopper Spruch. Als ob 'Geist' keine Form der Biologie wäre.

Den Menschen schlicht und einfach als zugehörige Spezies der Säugetierwelt zu begreifen, thematisiert so manch EineR lieber nicht. Auch wenn wir es längst wissen, dass wir unsere biotische, also unsere lebendige, Grundausstattung von den vorangegangenen Arten ererbt haben, ist die evolutionäre Nähe zu den (nicht menschlichen) Tieren für manche schwer zu ertragen. Als Säugetierspezies erarbeiteten wir uns einst Fähigkeiten, die uns deutlich von anderen Arten unterscheiden und unser Profil als Menschen ausmachen. Der unbedingte Hang zur fürsorgenden Gemeinschaft und Kooperation in den alltäglichen Verrichtungen sowie unsere, dadurch wachsende, Intelligenz hat uns zu einer Art gemacht, die bestimmte Spezifika entwickelten, die auch beim neoevolutinären Menschen immer noch greifen. Die kulturell praktizierte Lebensweise der verschiedenen Menschenarten (es gab, wie wir wissen, mehrere, von denen bis auf eine alle ausgestorben sind) war offensichtlich eine ihr angemessene, also 'artgerechte' Lebensweise, die als Lebensstrategie zur erfolgreichen Verbreitung führte. Fast zu erfolgreich, möchte man manchmal meinen.

Jedenfalls brachte die Menschenspezies immer genügend Nachwuchs hervor, um als Art zu überleben. Dem Nachwuchs wurde in den vom Menschen praktizierten matrifokalen Sozialgemeinschaften die Gelegenheit gegeben sich nicht nur quantitativ sondern auch qualitativ, also intelligent, zu entwickeln. Das Aufziehen der Kinder gelang daher um so besser, je mehr die Mensch Kulturtechniken ersann und anwendete. Auch andere (Tier)Arten verfügen über Fähigkeiten, die beim Menschen schon als Kultur bezeichnet werden, wie zum Beispiel Tricks, die ihnen helfen besser an Nahrung zu kommen oder raffinierte Unterkünfte zu bauen. Die Menschenspezies wuchs in und mit dieser Naturvielfalt auf und machte sich hier manches zu eigen, u. a. indem sie sich gezielt einiges von anderen Spezies abguckte, Menschen können hervorragend nachäffen. Und die Epigenetik sorgte für den Erhalt der neuen Fertigkeiten.

Der Begriff menschen'artgerecht' umfasst bei mir vieles und ist kein ideologischer Biologismus. Denn es gilt natürlich eines: die biologischen Grundlagen waren zuerst da, daraus entwickelte sich eine für die Spezies sinnvolle natürliche Art zu leben. Und bevor 'der Mensch' begann sich die Welt zu erklären oder sie in seinem beschränkten Verständnis zu interpretieren, ging alles einfach nur naturgemäß zu.

Die arteigene oder auch artgerechte, Strategie des Überlebens der menschlichen Spezies war imho das matrifokale Kontinuum - die generationsübergreifende, geschwisterorientierte und mütterzentrierte Fürsorgegemeinschaft – in der sich eine verfeinerte kulturelle Alltagspraxis und ein soziales Wertesystem entwickelte.

Erst Jahrtausende später, mit der (Entdeckung und) Anwendung der strukturellen Gewalt, der Entwicklung der Waffentechnik und der Unterdrückung anderer Lebewesen (Tierhaltung und -zucht im großen Stil und einschließlich der eigenen menschlichen Art), verunstalteten einige Menschen(Männer) den Rahmen des bisherigen sozialen Gefüges.

Der naturgemäße Ablauf der homogenen mutterbezogenen Bindungsgemeinschaften wurde durch brutale Gewalt (permanente Kriegsführung) und damit einhergehende ideologische Kompression (Entstehung der erst androzentrierten und später monotheistischen Religionen) durch die sich schnell entwickelnden Autokratien, weitgehend zerstört. Unter der Regie diverser Gewaltherrschaften begannen die Menschen als Großgesellschaft zu agieren. Mehr und mehr wurden Individuen von ihren Fürsorgegemeinschaften separiert (Sklaventum, Kriegsgefangene, Handel mit Frauen und Töchtern, die formal "frei" waren). Gerade 'die Frau' verlor im sich bildenden Patriarchat ihre Selbstbestimmung und als Mutter ihren zentralen Platz in der Alltagskultur. Ihre naturgemäße Female Choice wurde systematisch unterdrückt. Um zu Überleben wurden besonders unter der Weiblichkeit Verhaltensweisen entwickelt, die wir als kollektives Stockholmsyndrom bezeichenen können.

Unser urnatürliches und damit menschenartgerechte Gemeinschaftszusammenleben fand in überschaubaren Gruppierungen statt und erscheint mir die erfolgreiche Strategie des 'im Arterhalt integrierten Selbsterhalt' zu sein. Menschenmütter, die über keine Klauen oder Reißzähne verfügen, sich auf zwei Beinen mit nur mit mäßiger Geschwindigkeit fortbewegen und vielleicht dabei schwanger sind oder stillen, werden im Alleingang kaum überlebt haben. Das Wunder des intelligenten Menschen begann innerhalb einer konsanguinen Angehörigengruppen - dem wohlgesonnenen und fürsorglichen Sippenverband, dem Matrifokal. Die Angehörigensippe, bestehend aus Großmüttern, Schwestern, Brüdern, Töchtern und Söhnen bildete die Schutzsphäre um den Kern dieser Gemeinschaften: die Mütter und ihr Nachwuchs ... und alle waren sie durch Geburt miteinander verwandt.

Sie beschützten sich im aktuellen Bedarfsfall gegenseitig vor natürlichen Gefahren. Sie bildeten als dynamische Masse (räumlich und zeitlich) die bewegliche Sicherheitszone für den noch hilflosen Nachwuchs. Hier entwickelte und wirkte das nachhaltige, dem Menschen eigene, Bindungsverhalten - der starke unwillkürliche Drang (besonders des Nachwuchses) zur Angehörigkeit und das Bedürfnis nach Identifizierung mit den Fürsorgepersonen und sonstigen Angehörigen der Gruppe. Das bedeutet: verlässliche und dauerhafte Geborgenheit in einer Verwandtschaftsgruppe zu erfahren, ist ein Erbteil der Menschenart. So wie es für andere Spezies eine Strategie ist in ihrer Bindungsgruppe, der Herde oder Horde, dem Rudel oder Schwarm, zu überleben.

Wenn diese beiden Merkmale, der Drang zur Zugehörigkeit und die Identitätsverortung, in unserer heutigen anonymen Gesellschaftskultur nicht mehr richtig funktionieren, liegt es in der Regel nicht am Individuum, sondern an den kruden Verhältnissen in die es hineingeboren wurde und mit denen es sich sich arrangieren muss um zu überleben. Das zerstörte matrifokale Umfeld wiederzubeleben und in ihm unseren Alltag zu leben, sollte ein Ziel unserer Gesellschaft werden.

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12 Juni 2015

... bei mir sein...

Wir wissen ja was eine Übersprunghandlung ist - oder? Übersprungshandlungen entstehen, wenn man z.B. emotional in einer Zwickmühle steckt, sich unbewusst daraus befreien möchte, sich aber der Situation nicht wirklich stellen will. Es kommt zu einer Art unwillkürlichen (Körper)Reaktion, frau macht abrupt etwas anderes. Sie greift auf bewährte Strategien der Ablenkung zurück (eine Zeitlang fing ich immer unvermittelt an den Geschirrspüler ein- oder auszuräumen – jetzt bin ich weiter... ich habe keinen Geschirrspüler mehr ;-)) ...oder sie wechselt so offensichtlich das Thema, dass es, auch ohne es direkt zu benennen, für alle klar wird: ich will hier raus... ich halte das jetzt hier nicht mehr aus...
frau kann sich auf die, sich entwickelnde, Situation nicht mehr einlassen, möchte dieses Terrain nicht weiter betreten und es kommt zu (unbewussten) Verlagerungsreaktionen. Offene oder diffuse Konflikte werden so vermieden, Entscheidungen vertagt, eigenes Unbehagen zugeschüttet. Offensichtlich ist es, wenn jemand im Gespräch, manchmal mitten im Satz der Gesprächspartnerin, aufspringt und sagt: jetzt muss ich aber wirklich gehen ... bis bald, wir sehen uns!
Der gefühlsmäßige Wechsel, das Hin- und Herspringen, ausgelöst durch emotionale Überflutung, führt bei so mancher regelmäßig zu dem bekannten 'nicht aushalten können', zu einem nicht im Hier und Jetzt sein wollen. Das kann von anderen Gesprächsteilnehmerinnen auch mit der Bemerkung kommentiert werden: bleib doch mal dabei, bleib doch mal bei dir! Diese Art des „Bei-sich-bleiben“ meint nicht das uns antrainierte Unbewusstsein und schon gar keinen äußeren Zustand, in den ich mich zurückziehe und damit separiere.
Das 'Bei-mir-sein' ist meine (innere) Verfassung, meine bewusst wahrgenommene Befindlichkeit, meine mich selbst reflektierende und im Äußeren eine akzeptierende Wahrnehmung.
In unserem Kulturkreis sind wir gewohnt mit einer (psychische) Befindlichkeit zu leben, die sich mir als eine destruktive (Dauer)Anpassungsleistung darstellt und die ausgelöst durch die Dressurleistung unser Erzieher, nachhaltig unsere Empfindungen manipuliert. Bemüht die Forderungen anderer zu bedienen, taumelt das unbewusste Ich durch den patriarchösen Alltag, eifernd die Erfüllung der Wünsche all der Über-Ichs umzusetzen, die seit unserer Kindheit in uns wohnen. Da wäre das 'ja nicht Auffallen wollen' und das 'nicht 'aus der Reihe tanzen' oder die Suche nach dem Prinzen fürs Leben. So manche Dauerrebellin behauptet gern an dieser Stelle: ich habe mich immer aufgelehnt und mir nie was gefallen lassen... aber dieses 'gegen alles sein' was mich umgibt und an mich herangetragen wird, heißt noch lange nicht, dass ich deshalb 'bei mir bin'. Vor lauter Rebellion wird meist vergessen zu fragen: Wer bin denn ich? Welche wunderbare Frau steckte bereits in mir, bevor das Patriarchat und seine Erziehungsmethoden über mein prägsames Kinderhirn und wehrlosen Körper herfielen? Bevor ich dem Frauenbild der aktuellen Kultur einverleibt wurde und ich dem kollektiven Stockholmsyndrom anheimfiel?
'Bei mir sein' ist die abgeschlossene Suche nach mir selbst, der nicht immer leichte Weg in meine bewusste Mitte - das Ankommen im Kern der Weiblichkeit. Wenn ich bei mir bin, sehe ich klar und auch besonders das, was mich umgibt. Wenn ich aufgehört habe mir selbst etwas vorzumachen, können es die anderen auch nicht mehr. ich bin ganz bei mir ohne die Welt aus allen meinen Sinnen zu verlieren.
Kinder sind ein gutes Beispiel für diese Form der Aufmerksamkeit - im Spiel versunken sind sie ganz bei sich und ihrem Tun, aber sie merken sofort, wenn die Mama den Raum verlässt, auch wenn diese noch so leise ist. Der Instinkt des Kontinuums ist immer wach und ich bin sein Mittelpunkt. Die energetische Verbundenheit in der geborgenen Welt, die uns als Gruppenwesen angeboren ist, musste erst systematisch zerstört werden, um uns an die einsame, die ungeborgene Welt der Patriarchose anzupassen.
Wir durchliefen die Phasen, in denen wir lernten unseren Sinnen nicht zu trauen, unseren Schmerz nicht zu fühlen, unsere Einsamkeit nicht mehr wahrzunehmen. Dieser unnatürliche Prozess führte uns von uns weg. Seitdem sind wir auf der ewige Suche nach uns selbst und unserer Rückbindung an die Geborgenheit der Mütterlichkeit. Wir sind kollektiv auf der Suche nach dem Anschluss an das weibliche Energiefeld, das aus Zugehörigkeit und Fürsorge erwächst und nicht im Abgetrenntsein und in der Beliebigkeit entsteht.
Gestern hatte ich ein Gespräch mit einer Freundin, die auch zu den Frauen gehört, die ihren Weg zu sich selbst ohne ihre Mutter zurücklegen musste, da diese das eheliche Geiseltum, das ihre Geisteshaltung prägt, nicht verlassen kann oder will (und dazu muss der Ehemann nicht einmal mehr am Leben sein). Aber diese Freundin hat andere Unterstützung auf dem Weg in ihre Mitte z.B. eine Tochter, eine Enkeltochter... so etwas kann sehr hilfreich sein, um bei sich selbst anzukommen...
denn ich kann meinen Platz in der Gesellschaft nur einnehmen, wenn ich weiß, wer ich bin und wenn ich auf meiner Seite stehe... also: bei mir bin!



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27 Dezember 2014

Trennung - Gedanken aus dem Tagebuch...

13März14 Jetzt schon Abschiedsgedanken? Noch ist das Kind gar nicht weg... aber das Fortgehen kommt... ganz bestimmt ... unvermeidlich...
es bleibt das moderne Phänomen der 'Gedehnten Nähe' - also Trennung auf (unbestimmte) Zeit, Ferne mit mehr oder weniger Kontakt. Bis zur überdehnten Nähe ist es dann nicht mehr weit. 

Bleibt das ohnehin schon seit Kindertagen gelockerte Band nun mehr nur ein Dekoelement im Leben der gegenseitig Betroffenen? Zwar sind wir als Enkelin und Großmutter, allernächste Bindungsangehörige, aber was hat das heutzutage schon zu bedeuten? Läuft es auf ein 'Aus den Augen aus dem Sinn' hinaus? Werden wir auf Dauer mit der tradierten und somit gesellschaftlich verordneten Unverbindlichkeit leben (müssen)? Und können wir es denn, ohne einen Schaden zu nehmen?

Sie gehen weg, weil es angeblich gut für die Entwicklung oder weil chic ist. Geben dafür hunderte Euros aus um eine Erfahrung machen zu dürfen, die vor allem eines von ihnen fordert, sich allein ohne Halt und Schutz der Herkunftsfamilie (Sippengemeinschaft), einer Zukunft zu stellen, die a) nicht artgerecht ablaufen darf (da sowohl die Heranwachsenden sowie die Erwachsenen ein bindungsloses Leben anstreben müssen) und b) den Trend der Nicht – Mutterschaft verstärkt.
Das sind nicht nur die Klagen einer Großmutter, dass ist die erschreckende Erkenntnis einer immer währenden Zerstörung ... das Aufziehen von Kindern ein modernes Verlustgeschäft...

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13 Oktober 2014

alles bestens...

...älter werden ist nichts für Feiglinge, heißt es.
Aber es ist auch nichts für Einzelkämpferinnen. Dafür sind wir nicht gemacht. Irgendwann geht jeder mal die Puste aus und dann sind wir vielleicht nicht fertig geworden mit unserer persönlichen Bastelei an der Gegenwart und Zukunft oder dem Nachholen der verpassten Gelegenheiten. Plötzlich ist es eine Minute vor Zwölf und wir haben den Sinn des Lebens immer noch nicht richtig begriffen und nicht alles erledigt, was wir so gern noch getan hätten. Vielleicht müssen wir die Bühne mit dem schalen Gefühl verlassen unsere Rolle nicht ausagiert zu haben. Und so holt mich von Zeit zu Zeit die zickige Frage des Schicksals ein: hast du auch dein Bestes gegeben?
Aber inzwischen (das kommt mit dem Alter) kann ich mit feinem Lächeln antworten: aber ja doch... ich hätte nicht gewusst, was ich noch hätte besser machen sollen und alles, was ich trotzdem nicht vollendet habe, hinterlasse ich guten Gewissens meinen Töchtern, meinem Sohn, meinen zwölf Kindeskinder!
Das ist wahrlich ein gutes Gefühl … und so kann ich mich zwischen all meinem Bemühen und sonstigen Vorhaben in denen ich noch immer stecke, ab und zu zurücklehnen, auf die erfüllten Jahre blicken und ebenso auf die ungewisse Zeit, die noch vor mir liegt. In diesen beschaulichen Momenten denke ich: ...es ist nicht schlimm, wenn ich in meiner Lebensspanne nicht fertig geworden bin, mit all meinen Projekten, den guten Absichten oder auch kopflosen Aktionen ...nach mir kommt nicht etwa die Sintflut... im Gegenteil... in so viele Händen und Herzen ist mein Vermächtnis gut aufgehoben...

13 September 2014

Das bisschen Haushalt

Als Mutter von vier Kindern weiß ich noch zu gut, was ein halbwegs vernünftig geführter Haushalt für Arbeit macht und auch ich habe dereinst die meisten der Aufgaben, die in dem Sechs-Personen-Haushalt anfielen, neben teilweiser Berufstätigkeit, allein wuppen müssen. Ich erinnere mich an jahrelanges ständiges Rotieren. Das Grundproblem der heutigen Haushaltsführung – im 21. Jahrhundert und im westlichen Kulturkreis - liegt nicht nur in der abwertenden Sicht auf jede Form der Haus- bzw. Mutterarbeit, sondern auch, ganz pragmatisch gesehen, in der Verteilung der anfallenden Arbeit auf die vorhandenen hausarbeitenden Kräfte innerhalb der Durchschnittsfamilie. 
Die heutige (Kern)Familie besteht im Idealfall aus zwei Erwachsenen (und mehr denn je aus nur einem) und irgendwann, aber nicht immer, aus den dazugekommenen Kindern. Wir haben es hier bekanntermaßen mit der sogenannten Kleinfamilie zu tun – Vater, Mutter, Kind(er) - in der in der Regel auf jede Form eines unmittelbaren, generationsübergreifenden und kooperierenden Miteinander weiterer Angehöriger verzichtet wird.
Auf Grund eines imaginären und rein ideologischen Mainstream-Codes lösen sich, eingedenk diverser und allgegenwärtiger Parolen, junge Leute so früh wie möglich aus ihren Herkunftszusammenhängen. Und jede Älterngeneration beginnt bereits ab der Geburt eines Kindes in vorauseilendem Gehorsam, den Kindern die gern zitierten Flügeln zu geben, manchmal noch bevor sie ihnen Wurzeln gaben. 
Diese allseits akzeptierte Befolgung ideologischer Dogmen bringt Mütter dazu, beinahe klaglos ihre großen aber durchaus noch nicht erwachsenen Kinder ziehen zu lassen und dabei jeden artgerechten Schmerz über das „verlorene“ Kind zu leugnen oder ihn sich schön zu reden. Dafür werden in fantasievoller Art für die Zukunft Chancen und Vorteile beschrieben, die sich durch die, oft rigorose Trennung für beide einstellen würden. Diese kollektiv beschworenen Vorteile münden in der konditionierten Vorstellung: „...endlich das eigene Leben zu leben“ - als hätte mann, frau bzw. kind das vorher nicht gekonnt. Es existiert die lächerliche Überzeugung, dass im Kreise von Bindungsangehörigen kein „eigenes“ Leben möglich sei. 
Der moderne Mensch versucht krampfhaft, seinen angeborenen Drang zur Bindungsnähe zu überwinden und eine Art unabhängiges Individuum zu werden. Was für den Menschen als Lebewesen eigentlich keinen Sinn macht. Außerdem wird bei diesem Bestreben nur die natürliche Abhängigkeit von der vertrauten Bindungs- und Nähegruppe der Fürsorgegemeinschaft gegen die fremde und generell wenig wohlmeinende Abhängigkeit der anonymen Großgesellschaft eingetauscht. Der künstlich geschaffene Bedarf von "totaler individueller Freiheit" stützt sich in unserer Mainstreamkultur auf eine merkwürdige Devise: nur die Liierung mit einem außenstehenden, also bislang fremden, Lebenspartner ermöglicht uns ein eigenes und erfülltes Leben zu führen! 
Aber selbst zu diesem Phänomen, das wir unter (großer und möglichst romantischer) „Liebe“ kennen, gehört immer und ganz pragmatisch auch ein Haushalt - der Ort an dem der praktische, der existenzielle Alltag bewältigt werden muss.
(Fast) alle jungen Frauen und Jung-Männer lernen früher oder später selbst einen Haushalt zu händeln und ich kenne einige, die machen das im Alleingang richtig gut. Während der Studien- oder Lehrzeit „üben“ manche in einer WG oder ziehen mit Freund oder Freundin zusammen. Ein Einfrau/Einmann-Haushalt ist zwar auch in unserer Zeit an manchen Stellen eine gewisse Herausforderung, aber durchaus zu schaffen. Da gibt es diese Mac Donald – Werbung in der eine Mutter wohlmeinend in der WG ihres Sohnes mitgebrachtes Essen in der Küche abstellt und ihm das telefonisch mitteilt. Worauf dieser, während er in einen Burger beißt, nachdenklich seine Kumpels fragt: „Wir haben eine Küche?“ 
Die anfallende Arbeit im Haushalt kann also auf ein Minimum beschränkt und zum Teil outgesourct werden. Der Aufwand an Hausarbeit ist mit dem persönlichen Anspruch und einem Zeitfaktor gekoppelt.
Ab einem bestimmten Zeitpunkt ist fast jeder heranwachsende Mensch (das Kind) in der Lage im Rahmen der vorhandene Ressourcen sich selbst zu versorgen und dabei lernt das größere Kind quasi nebenbei auch die Hausarbeit innerhalb seiner kulturellen Parameter kennen.
Hausarbeit, das ist die, die Existenz erhaltende und sichernde, Arbeit in der eigenen Niederlassung. Aber so oder so, in den heute tausendfach vorhandenen privaten Haushalten pflegen sich in der Regel früher oder später die hausarbeitenden Mitglieder auf maximal zwei verantwortliche Erwachsene einzupegeln.
Gewisse gesellschaftliche Rollenvorgaben tradieren immer noch die 'Hausfrau', da die Frau, meist in ihrer Eigenschaft als Mutter, auch heute aus vielerlei Gründen und anerkannter Weise mehr Zeit als der Mann im Familienhaushalt verbringt. Schnöde Hausarbeit ist für den Durchschnittsmann immer noch ein eher unattraktives Szenario. Die heutige Frau wehrt sich, am Herd angekettet zu sein; sie zerrt seit etlichen Jahrzehnten an diesen imaginären Ketten. Die brave Fünfziger-Jahre–Hausfrau (bei der es sich auch eher um einen Mythos handelt) ist schon lange out. Frau möchte gesellschaftliche Teilhabe, Beruf und Karriere und dabei aktive mitmenschliche Nähe. Nichts ist für einen (weiblichen) Menschen weniger artgerecht als ein Leben in einer gewissen Isolation zu fristen und das auch noch weitgehend fremdbestimmt. Aber wie auch immer, den Haushalt wird sie trotzdem nicht los, genauso wenig wie der Mann - der Mensch hält sich immer in irgendeinem Haushalt auf.
Das private Refugium, in dem der Rückzug von der Arbeitswelt stattfindet, wird als unser Haushalt definiert. So ist es seit der Zeit, da die ersten Menschengemeinschaften in bewusst eingerichteten Lagern und Behausungen ihren Alltag gemeinsam verbrachten. Unsere Urahninnen haben den Haushalt erfunden und seitdem ist diese menschliche Lebensbasis die Grundlage des gesamten Wirtschaftens. Deshalb mahnen auch immer mehr Denkerinnen an, unsere Weltwirtschaft als einen großen Haushalt anzusehen, der er de facto nun mal ist. Gut haushalten, gut wirtschaften zu können mutet uns nicht nur als unerfreuliche Arbeit an. Es ist auch eine Kunst und hier kommt Kunst direkt von 'Können'. Eine reibungslose und alles Notwendige beinhaltende Haushaltsführung ist ein beachtliche Leistung. 
Einst gab es nämlich die unnatürliche Trennung von „wertvoller“ Arbeit außerhalb des Hauses und der „niedrigen“ Arbeit im Haus nicht .... und nicht nur deshalb, weil es damals sozusagen kaum Häuser gab. Die Wertschätzung oder die Abwertung der lebenserhaltenden Haus- und Umgebungsarbeit ist immer auch an den (gesellschaftlichen) Status der Frau gekoppelt.
In der frühen artgerechten Matrifokalität war 'die Frau und Mutter' die Mitte der Fürsorgegemeinschaft und der Mann als Sohn und Bruder in Matrilinearität natürlicherweise fest mit eingebunden. Das ist unsere menschliche Natur und dazu gehörte schon immer die unerlässliche Alltagsarbeit. Diese wurde gemeinsam verrichtet, um die Gruppe der konsanguin lebenden Angehörigen zu erhalten und um den Nachwuchs menschen-art-gerecht aufwachsen zu lassen. Das muss jedenfalls einst über einen langen Zeitraum hinweg gut geklappt haben, denn sonst wüssten wir nicht, was Zufriedenheit, Wohlbefinden, Glück und zugeneigtes Miteinander bedeutet. Es liegt in unseren „Genen“ in einem vertrauten Miteinander auf gemeinsamer Haushaltsbasis Lebenszeit zu verbringen. Daher wäre es dringend angesagt, die absonderliche harte Trennung zwischen geachteter Erwerbsarbeit und geschmähtem Weiberaufenthalt am 'heimischen Herd' schleunigst zu überdenken... 

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11 August 2014

wollen oder müssen

... je älter ich werde desto mehr setze ich mich mit dem beliebten Dogma des "ich muss" in unserer Gesellschaft auseinander. Der antrainierte Drang etwas noch unbedingt erledigen zu müssen ist meist gekoppelt mit dem des vorauseilendem Gehorsam. Was wir „müssen“, haben wir frühzeitig verinnerlicht. Unser Alltag besteht in jungen Jahren größtenteils aus dem Lernprogramm der kollektiv verfassten Todo-Listen für das gesellschaftskonforme Leben.
Alle zu erbringenden Leistungen, die wie Meilensteine den Weg unserer persönlichen Existenz zerstückeln, wurden zum Teil schon lange vor unserer Geburt auf die, zivilisatorisch und kulturell sanktionierten, Lebenslisten gesetzt. Zwischen sehr alten Traditionen und scheinbar modernen Erfordernissen richten wir unser Dasein so gut wie möglich ein.
So ist einer der oberen Punkte sich bei Eintritt in das Erwachsenenalter unbedingt einen Lebenspartner suchen zu müssen. Dieser Punkt kommt gleich nach der Abnablung von der Herkunftsfamilie im Jugendalter. Wir folgen dabei kaum noch dem naturgemäßen, sonder dem kulturell kreierten Schema mit patriarchalem Hintergrund. 
Manches davon ist für uns persönlich zufriedenstellend und macht uns vielleicht sogar glücklich. Daher wird das meiste von den meisten ein Leben lang gehorsam erfüllt und nur mit zunehmendem Alter hinterfragen die eine oder der andere den Sinn der vorgefertigten Schemata, denen wir immer so brav folgten. 
Das was den Alltag des Durchschnittsindividuums ausmacht, wurde uns durch verschiedene Lehrmeinungen als unumgängliche Pflicht nahegebracht. Da wir angeblich damit dem Gemeinwohl dienen, soll uns dieses „Muss“ gleichzeitig zufrieden machen (dabei macht es meist nur den Chef glücklich). Das Gemisch aus unseren persönlichen (naturgemäß konzipiertes Agieren) und den gleichgerichteten konditionierten Verhaltensmustern beherrscht unseren sozialen Alltag. Wir sind Menschen und als solche Gemeinschaftswesen.
Unsere derzeitige Kultur hat uns jedoch stark vereinzelt und damit sind die Pflichtübungen für alle enorm angestiegen. Jeder macht quasi alles allein. Die Entlastungen, die ein soziales (gegenseitiges) Nähe-Netzwerk einer unmittelbar Angehörigengruppe mit sich bringt, kennen wir alle kaum. Um zugehörige Nähe im Alltag zu fahren muss sich der erwachsene Mensch eine/n Fremde/n vertraut machen (oder Kinder anschaffen).
Natürlich sind neben der selbstverständlichen Erwerbstätigkeit, unsere täglichen Verrichtungen, wie essen und Nahrung zubereiten, Körperpflege und ausreichend Schlaf, Besinnung und Erholung zur Regenration, für unser Wohlbefinden unumgänglich und scheinbar brauchen wir dafür auch niemand anders. Der Single in der anonymen Großgesellschaft ist eine inzwischen ganz normale Erscheinung. Trotzdem, der direkte Wohlfühleffekt für das Individuum ist nicht leicht zu haben.Der Vereinzelte muss alles selbst auf die Reihe bringen, seinen Alltag organisieren, für seinen materiellen Unterhalt und seine alten Tage sorgen - aber er tut es (angeblich) gern. Die meiste Zeit wendet der Durchschnittsbürger daher für Tätigkeiten auf, die sich nicht unmittelbar auf die Fürsorge an bestimmten Menschen im unmittelbaren Umfeld beziehen. Den meisten fällt diese unnatürliche Lebensgestaltung gar nicht auf.
Trotzdem - so wie wir an gesellschaftsinitiierte Fremdsteuerung gewöhnt sind, so wenig lernen wir unser persönliches Zeitpotential ohne schlechtes Gewissen zu managen. Wir alle wissen genau, was „man tun muss“ und entscheiden uns aus freien Stücken zu wenig zu tun, wenn um den Kontakt oder gar die Fürsorge unserer Angehörigen geht. Und damit ist nicht der/die amtierende Partner/in gemeint.

'Tu was du willst und schade niemand' - erstes Hexengebot - kennt inzwischen jede ... also was „muss“ ich wirklich? Das Auto zum TÜV bringen oder die Schwester zu ihrem Arzttermin fahren? Ich könnte ich es auch lassen und mit den entsprechenden Konsequenzen leben. So manches Muss muss leider sein, aber einiges ist auch eine gut begründete Entscheideung.
Wir (Menschen) sind evolutionär nicht darauf ausgerichtet ein Leben oder bestimmte Phasen in edler Einsamkeit zu verbringen - das ist unnatürlich bzw. nicht artgerecht ... aber solange sich die bürgerlich-kulturellen Parameter unseres patriverkorksten Gesellschaftssystem nicht ändern, bleibt mir nur zu sagen: mein Wille geschehe in meinem Leben und zwar ohne sich hinterher zu grämen, weil ich dieses oder jenes „Muss“ einfach ignorierte!

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08 Juni 2014

eine neue Bloggerin


Helene ist jetzt in Amerika!
Und sie verarbeitet ihre Erlebnisse als Au Pair in einer Pittsburgher Familie 
auf ihrem eigenen Blog ... was ich, als Großmutter, richtig toll finde.
Alles Gute und viel Spaß meine kleine Große!



15 Mai 2014

Familiäres

Heute wird der Internationale Tag der Familie begangen und sicher ist dabei so manchem wohl ums Herz. Ist 'Familie' doch allgemein ein recht positiv daherkommende Begriff.
Familie ist wunderbar – hier gibt es Partnerschaft zwischen zwei erwachsene Personen und diese wiederum stellen als Eltern oder Erziehungsberechtigte den Raum bereit, in dem Kinder aufwachsen können. In der family sind Verwandte und Angehörige vereint, auch ohne sich wirklich zu begegnen oder denselben Haushalt zu teilen. Und hier regeneriert der Erwerbstätige in seiner Eigenschaft als Privatperson besonders gut. Unter Familie verstehen wir heutzutage eine, mehr oder weniger enge, Verwandtschaftsgruppe, deren inneres Gefüge nicht zwangsläufig in permanente Nähe ausarten muss und deren Basis zwei scheinverwandte Personen sind - das Paar. Das Paar ist zwar auf der bestehenden Gesetzeslage ab seinem Zusammenschluss mit einander "verwandt" (in einer ordentlichen Ehe sogar ersten Grades), aber es ist eigentlich eine Scheinverwandtschaft. Trennt sich das Paar sind sie beide wieder nur zwei nichtverwandte Mitmenschen.

Die 'Familie' tritt überwiegend in Form der sogenannten Kernfamilie auf – Vater-Mutter-Kind, - also als die Konstellation, die wir auch Kleinfamilie nennen. Inzwischen gibt es auch noch die interessante Variation des modernen Phänomens der Patchworkfamilie - aus vielen zersplitterten Kleinfamilien entsteht ein weitverzweigtes Gebilde aus verschiedenen Versatzstücken an fluktuierenden Beziehungen ehemaliger Paare, deren Verbindung die jeweiligen Kinder sind - solange sie Kinder sind.

Die sogenannte Kleinfamilie ist im wesentlichen mit der Kernfamilie identisch und derzeit im westlichen Kulturkreis das gängige Lebensmodell, denn auch ein Paar ohne Kinder bzw. sogar ein Singlehaushalt wird in dieses Denkmuster eingeordnet.

Trotzdem möchte ich noch die nicht unwesentliche Entstehung des Begriffes 'Familie' anmerken. Schließlich ist das inzwischen schon klassische Modell "Familie" ein Abklatsch des patriarchalen Systems.

Der Begriff 'Familie' bezeichnet von seiner Bedeutung her den Herrschaftsbereich eines privilegierten Mannes (römisch 'familia' – Hausgemeinschaft und von famulus – Haussklave).

Diese Form der patriarchalen Alltagsexistenz umfasste die etablierte Wohn- und Lebensgemeinschaft, die für einen nicht unbeträchtlichen Teil der Mitglieder eine Zwangslage darstellte. Diese relativ in sich geschlossenen Privatimperien, bargen unter dem Regime des Herren der 'familia', die unter seinem Dach lebenden Angehörigen, die Sklaven und noch sonstiges Gesinde.

Das Gebilde 'Familie' auf der Grundlage einer Paarbeziehung zwischen Fremden (Nicht-Verwandten), gilt schon längst in unserer Gesellschaft als ein, mit aller Kraft zu schützender Wert. Wir hier, in der westlichen Welt, können uns nichts Schöneres, äh anderes vorstellen. Und so begibt es sich, dass die naturgemäße matrilokale und matrilineare Muttersippe, diese selbstverständliche generationsübergreifende Fürsorgegemeinschaft, höchstens noch als herabgesunkenes Kulturgut zwischen den Zeilen mancher Märchen hindurch schimmert.

zum Abrunden siehe auch: http://www.stephanieursula.blogspot.de/p/das-aktuelle-essay.html
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