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20 September 2015

Rationalität versus Spiritualität und Fantasie

Liebe Freundin, in deiner Arrgumentation sind wir an dem beliebten Punkt angekommen die Spiritualität fein säuberlich vom rationalen Denken und Handeln zu trennen. Dem Spirituellen wird das Esoteriklabel aufgeklebt und diese Begrifflichkeit ins Irrationale verschoben. Ich frage jedoch zurück: ist Rationalität und Spiritualität tatsächlich ein Widerspruch? 

Beides sind imho Leistungen unseres Gehirns und unseres fühlenden Gesamtkörpers. Und auch wenn angenommen wird, die Rationalität, der denkerische Akt, ist kein Gegensatz zur "gefühlten" Spiritualität, wird doch meist einem von beiden eine höhere und damit bessere Qualtität zugewiesen. Je nach kultureller Ausrichtung und persönlicher Vorbildung. Dazu kommt, dass Spiritualität immer noch wie ein von außen kommender Zustand behandelt wird, etwas das außerhalb unseres Selbst vorhanden ist und das wir ablehen oder annehmen können. Das ist aus meiner Sicht eine Fehlinterpretation (der Begrifflichkeiten) oder zumindest ein ungenauer Ansatz.

Spiritualität ist imho die, einem jedem Menschen innewohnende Geistigkeit und somit in spezieller eigener Form in jedem Individuum vorhanden und verfügbar. Nur wird sie scheinbar nicht von jedem als solche identifiziert bzw. genutzt oder findet eine andere Bezeichnung.

Die modernen Formen der Erziehung und Konditionierung unterbrechen gern die Verknüpfung zum freien spirituellen Ausdruck der Menschen und die fühlende Verbindung zu allen „beseelten“ Wesen und Arten um uns herum. Statt dessen wird (im patriarchalen Kontext) unsere stets auf Empfang stehende Geistigkeit auf Ideologien oder die Wertekataloge erfundener Gottes-Einheiten gelenkt. Wenn also jemand glaubt, nicht "spirituell" zu sein, dann hat das vielleicht etwas damit zu tun, dass 'er' oder 'sie' bei sich selbst nicht wirklich angeschlossen ist, diese Art der individuellen geistigen Dimension verdrängt hat oder von Kindheit an so manipuliert wurde, dass statt den eigenen spirituellen Kosmos zu ergründen, darauf trainiert wurde andere Konzepte nachzubeten.

Die eigene Spiritualität nicht wahrnehmen, heißt auch sich der eigen Intuition zu verweigern oder (durch Konditionierung) nicht dazu der Lage zu sein zu spüren, was das geistige Innere ausmacht.


Es kann hilfreich sein über Spiritualität im allgemeinen nachzudenken, wir sollten aber davon ausgehen, dass sie die eigenkörperliche Variante ist, die unser immanentes Fühlen mit unserer Geistestätigkeit und unsere, sowohl spontanen wie auch willentlichen, Handlungen verknüpft. Wobei es ja heißt, so etwas wie den freien Willen gibt es nicht, da auf Grund unserer persönlichen komplexen Erfahrungslage die Entscheidungen in unserem Gefühlskomplex oder -zentrum bereits gefallen sind. Das sogenannte rationale Denken ist nur so etwas wie die Endausgabe in die bewusste Interaktion mit dem vorhandenen Nähefeld (Anwesenheit anderer Menschen und das sonstige lebendige Umfeld). 

Die uns eigene Spiritualität, also unsere persönliche innere Geistigkeit, ist das Koordinatensystem bzw. Erklärungsmodell der Weltwahrnehmung deren Mittelpunkt wir selbst sind. Das Gespür mit dem wir uns mit den lebendigen Wesen um uns vernetzen. 

Leider haben viele der uns umgebenden Phänomene (natürlicher onder kultureller Art) inzwischen einen Bezeichnungskatalog, der (uns) mehr verwirrt als hilfreich ist. Wenn wir bestimmte Verbindungen und Vernetzungen (manchmal nur diffus) wahrnehmen, gibt es heute keine Bezeichnungen dafür (oder darf es nicht geben), es sei die Naturwissenschaft kann endlich durch Messung und andere "Abhörtechniken" beweisen, dass zum Beispiel Bäume oder andere Pflanzenkomplexe lebendige (gut wussten wir schon), fühlende (ahnten wir bereits) und denkende (ach wirklich!) Wesen sind. Das sich nach außen bemerkbar machende Innenleben der Pflanzen (und Tiere) und unsere Beziehung dazu, nannte man bisher vielleicht Devas, Naturgeister oder Anderswelt. Diese rein geistige Vernetzung der Interaktion mit unserer Umwelt ist eine sprituelle Leistung, ein Ausdruck unserer Spiritualität.

Die/der Mensch verarbeitete alle Signale im Außen mit all ihren Sinnen und zwar in den Programmen: 'Intuition', 'Spiritualität', 'Fantasie' und einigen mehr. Es sind alles Überlebensprogramme, die evolutionierten Ausdrucksmöglichkeiten unseres Körpers, auch um das was in unserem ureigensten Innenleben abläuft, nach außen hin sichtbar werden zu lassen.

Oft wird Spiritualität und Religiosität in einen Topf geworfen und ich sage, sie sind überhaupt nicht identisch. In der Religiosität folgt man (von anderen) vorgedachten Entwürfen oder Ideologien und gebraucht die eigene Spiritualität um diese angebotenen Formen zu adapzieren und mit Leben zu erfüllen. Die christliche Nonne ist hier ein Beispiel dafür, wie sehr das eigne spirituelles Sein einer Frau in enge religiöse (und patriarchale) Vorgaben eingeschlossen sein kann - Nonnen dienen einem männlichen Vatergott und tun z.B. "Gutes" für die Armen; sie lindern Mangelerscheinungen und Grausamkeiten dieser Welt, die erst durch die Erschaffer der Vatergottheiten initiiert wurden und damit eben diese körperliche und geistige Armut über den Großteil der Menschheit  brachten. Hildegard von Bingen ist eine der (wenigen überlieferten) Frauen, die es geschafft haben ihr spirituelles Sein durch den Wust der Einschränkungen einer monotheistischen Religion noch hindurch schimmern zu lassen.

Liebe Freundin, du bist auf jeden Fall ein spiritueller Mensch, aber nicht weil du dir das "erarbeitest" hast, sondern weil du es schon immer warst. Das spirituelle Sein gehört zu deiner menschlichen Grundausstattung. Leider wird unser geistiger (erworbener) Reichtum und unsere ererbten (instiktiven, also 'gnetisch' angelegten) Fähigkeiten im Zuge der gesellschaftlichen Verformung (elterliche und allgemeine kollektive Erziehung, Schule, Mainstream), meist erst einmal zurück gedrängt, überschrieben und verschüttet. Wenn wir uns später frei machen von dem Druck der Verbildung, des Verbiegens und verschiedentlicher Verführung, legen wir automatisch, wenn es gut läuft, das Verschüttete wieder frei (manchmal mühsam). Es ist erstaunlich was da zu Tage treten kann und wie wir uns dann vielleicht wieder an die weite freie Welt unserer Kindheit anschließen.

Eine enge Verbündete unserer Spiritualität ist unsere Fantasie (vielleicht sind sie sogar identisch). Das bewusste, das verbindliche Tun, dass besonders uns Müttern zu eigen ist, ist eigentlich immer durch unsere Spiritualität (unsere innere Geistigkeit) unterlegt. Mütter handeln intuitiv und sie handeln dabei bewusst. Je mehr wir dem (intuitiven) Bewusstsein Raum geben, desto mehr kommen wir in unserer Mitte - in die symbolische Mitte unseres weiblichen Seins (Der Mann ist immer gern mitgemeint). 

Fantasie ist dabei ein (das) Werkzeug der Gestaltung und von unserer Mitte aus erreichen wir all die anderen „Fantasiebesitzer“, die uns umgeben. Fantasie ist die vorhandene Fähigkeit zur Abstraktion, das kreative Potential des Menschen, das Fühlen und Denken in Bildern. Bezogen auf unsere sprachliche und logische Leistung, auch Ideen genannt. Es ist unsere angeborene Vorstellungskraft, die innere Bilder, also eine, unsere eigene, 'Innenwelt' erzeugt... (siehe dazu auch Wikipedia u.a. Quellen).

Die Vorstellungskraft der jeweiligen Fantasie bezieht ihre Bausteine demnach aus den vorhandenen Erfahrungs- und Lernwerte, das heißt sie öffnet die „Schublädchen“ der Synapsen oder anders, sie greift auf die synaptische Effizienz der neuronalen Netze zu und somit auf unsere Gedächtnisinhalte, die aus einer schier unglaublichen unterschiedlichen Vielfalt bestehen und die niemals das Gleiche beinhalten können, wie die der anderen, neben uns lebenden Menschen. Vor allem die unbewusst gespeicherten Daten führen zu den erstaunlichsten Effekten und hier sind wir schon in der Dimension, die auch als Magie bekannt ist. Jedenfalls ist unser innerer Erfahrungs- und demnach individueller Wissen-Reichtum um ein vielfaches größer, als uns durchschnittliche Schulweisheit einreden will.

Und das ist das Fantastische an der Fantasie - aus all dem können wir unwillkürlich aber auch bewusst immer wieder neue Bilder und Ideen kreieren. Visionen kommen eher aus dem Unbewussten. Aber unsere persönliche Vorstellungskraft ist die eine Sache und das verantwortungsvolle Umsetzen und Handeln, die andere!

Somit ist Fantasie keine geheimnisvolle absolute Größe. Die Ausformung der eigenen Fantasie entsteht im Menschen im Laufe seiner persönlichen Entwicklung... sie ist die, einem jedem Menschen eigene, geistige Parallelwelt, in der sie/er sich nach Belieben aufhalten kann. So oder so, wir haben diesen geistigen, abstrakten Kosmos in uns, um zu überleben. Der Mensch ist vom ersten Moment der Zellteilung an ein absolut einmaliges (Menschen)Wesen, das einen Selbstwert besitzt. Da muss auch nichts oder wer, kommen und ihm seinen Selbstwert verleihen. Das Individuum Mensch ist in der Lage in seinem Geist ganze Welten zu erschaffen, ohne dass ein anderer davon etwas mitbekommt - das ist die konkrete Form der Anwendung der Fantasie. Denn wie gesagt, die Fantasie ist ebenfalls eine (körpereigenes) Instrument, die ureigene innere (virtuelle) Mal- und Gestaltungsfläche.
Wir besitzen also eine angeborene Vorstellungskraft und die Imaginationsmöglichkeit innere Bilder zu erzeugen, deren Umsetzung nach außen ein Jedes nach seinen Fähigkeiten und Begabungen Ausdruck verleiht - durch Sprechen, Tanzen, Singen, Malen, Musizieren, Erzählen, Kochen, Schreiben, Bauen, Natur- und Werkstoffen gestalten oder anderen Handlungen. All diese Strategien der Lebensbewältigung im zugewandten (Fürsorge)Gruppenalltag kannten und konnten wir schon an den Feuern der Steinzeit oder mehr oder weniger schon lange vorher.

Ein Kind (bzw. jedes Lebewesen) nimmt vom ersten Moment des Daseins alle es umgebende Eindrücke auf – die Signale unserer komplexen natürlichen Welt, in die es hineingeboren wird – es ist alles schon da - wir lernen mit jedem Tag mehr damit umzugehen (weißt vielleicht noch eine, welche inneren Bilder die eigene Vorstellungskraft uns als Dreijährige bescherte?). Was wir im Laufe der Zeit (an Eindrücken) sammelten, kommt zu dem in unserem Gehirn und in jeder Zelle unseres Körpers angelegten Fundus, unserer persönlichen „Erbmasse“, hinzu. Und wir fangen seit dem Mutterleib an auf unser üppig angelegtes Menschenpotential zuzugreifen. Eine unserer Befähigungen mit der Welt in Kontakt zu treten und in ihr mit all den anderen Menschen zurecht zu kommen, ist eben die Fantasie und/oder unsere Spiritualität. Sie sind unser Experimentierfeld, Rückzugsraum und unsere Probebühne. Die hier entstandenen Konzepte tragen wir in unserem Handeln und Verhalten nach außen.

Fantasie sowie Spiritualität findet im eigenen Kopf (Bilder) bzw. Körper (dazu gehörende Gefühle) statt und ist erst einmal keiner Beurteilung unterworfen, außer der eigenen. Zu meiner inneren Welt hat niemand sonst Zutritt. Erst wenn ich versuche mit meinen, mir eigenen Mitteln meinen Fantasien Gestalt zu geben, können andere diese wahrnehmen und von ihnen entzückt sein oder sich abwenden. Heute verfügen wir Frauen  über viele Freiräume uns angemessen und gemeinschaftsoerientiert auszudrücken (bezogen auf unsere gesellschaftskulturelle Ortung), was in der langen Zeit des Patriarchats nicht immer so war und noch ist. Das Wichtigste für jedes Kind, das anfängt sich seine Welt zu erober,  ist ihm Zeit und Raum zur Verfügung zu stellen und die Möglichkeiten zu bieten die inneren Bildern der Fantasie den passenden gestalterischen Ausdruck zu verleihen.

Außerdem - die Kraft der Fantasie muss nicht per se gut und schön sein. Nicht umsonst gibt es Worte wie „Gewaltfantasien“ oder „fantasielos“. Unser eigener innerer Wertekompass, die Fähigkeit sich mit 'richtig' und 'falsch' auseinander zu setzen sowie unser empathisches Empfinden, nordet die Ausdrucksformen unserer Fantasie und unserer Spiritualität ein. 

Die Fantasie ist stete sich ergebende Hochrechnung und Neukombination aller gesammelten Erfahrungswerte. Sie ist die innere Bühne auf der unser eigenes Stück läuft und wir wenden die Elemente der erlebten, eignen Erfahrungen und unserer Grundausstattung an. Eine meiner Theorien dazu ist auch, unsere (positiv performten) Fantasien erhalten uns "gesund" und am Leben, wenn die Alltagsumstände ein glückliches oder zufriedenes Leben vielleicht gerade verhindern. Als Lebewesen steuern wir immer Wohlbefinden an und dazu wird alles aufgewendet was uns zur Verfügung steht, es ist ein evolutionärer Effekt des Selbsterhalt. Alles was wir als Menschen können, uns als Spezies angeeignet haben, entspringt und fließt in die Kombination Arterhalt durch Selbsterhalt. Und das was wir rationales Denken nennen, ist eine Kombination aus all unseren inneren geistigen Möglichkeiten wie die Kraft der Spirtualtät oder eben auch die Fantasie...

Stephanie Ursula Gogolin
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17 Mai 2015

eine glückliche Julia...

Die Geschichte einer Geschichte, ihr Inhalt, ihre Moral und die Energie, die sie trägt, war einst das weibliche Element, die Essenz der Erzählung, die lehrreiche und unterhaltsame Kunde, die überliefert wurde. Diese Form der kommunikativen Weitergabe ist uralt und spiegelt unser ureigenstes menschliches Wesen.
Die Kunstfertigkeit der Sprache, das Jonglieren mit Worten, der Schliff und die Vielfalt der Metaphern sind heute vor allem den männlich geprägten Strukturen der literarischen Art von Kommunikation unterworfen.
Die menschliche Verständigung, die sich immer weniger in der mündlichen Weitergabe ausdrückt, verkümmert und verstummt mehr denn je zugunsten des Schreibens und Lesens. Die Schrift ist der Träger und eine der Abarten der Literatur ist das Umsetzen in (bewegliche) Bilder und vorgefertigten Texten für alle, die nicht (nur) lesen wollen oder auf echten verbalen Austausch verzichten (müssen), aber sich nach Menschenart nach lebendiger Unterhaltung sehnen.
Eine Handvoll Grundideen beherrschen die Kunst des Unterhaltens, die inzwischen nur zu oft, die Aussage einer Geschichte zu einem beliebig häufigen Abklatsch verkommen lässt und bis zum Erbrechen variiert wird. Eine endlose Reihe wohl formulierter Rechtfertigungen für das Übel in der Welt und die Festschreibung dessen – gewalttätiges Heldentum, verwehrte Liebe und die Kontrolle der Frau, sinnlose Lebensgefahr und Kampf gegen einen unnatürlichen Tod und das obligate Happyend ohne dabei ein wirklich glückliches Ende zu verkünden. 

Denn das Leben und das Berichten darüber, ist wie wir wissen, eine Unendliche Geschichte. Das Schicksal eines Individuum wird uns immer auch berühren und Beispiel geben. Deshalb wäre es nicht verkehrt uns die Vorbilder für unsere Stories, die ein unbestimmtes Publikum erreichen, etwas sorgfältiger auszuwählen. Die Spiegelung des bestehenden Sozialgefüges und unserer Kulturen sind dabei von besonderer Bedeutung. Sie zeigen einerseits den Ist-Zustand und gleichzeitig liefern sie Vorlagen für künftiges Verhalten. 
Seit es patriarchale Verhältnisse gibt werden diesen millionenfach variiert und dabei immer wieder etabliert und moralisch festgeschrieben. So ist die Literatur ist voll von unglücklichen Liebesgeschichten. Sie sind alle mehr oder weniger Spielarten von Romeo und Julia – das Beispiel der unerfüllten Liebe, die sogar im frühen Tod endet und deren glückliche Erfüllung stets an widrigen gesellschaftlichen Umständen scheitert. Dabei ist es gleich ob das Hindernis in unüberbrückbaren Ideologien, unterschiedlichen Ethnien oder verfeindeten Elternhäuser besteht oder einer der beiden ein Vampir ist. Die unerfüllte, die unmögliche, Liebe ist nach den Gesetzen der Romantik die einzig wahre, große Liebe und nur über die lohnt es sich zu schreiben. Auch das scheint ein ehernes Gesetz, ein literarisches Dogma zu sein. Wer möchte schon einen banalen Tatsachenbericht lesen? Wie beispielsweise: Romeo trifft Julia … sie sehen sich, sie verlieben sich, sie begehren sich ... sie finden zueinander ... sie sind glücklich ... und ihre, sich seit Zeiten schon immer gut verstehenden Angehörigen sind ebenfalls darüber sehr glücklich … sie feiern gemeinsam ein Fest … nach vielen Festen trifft Romeo Felicia und Julia trifft Enzio … sie sehen sich … sie verlieben sich … sie sind glücklich … die Welt verzichtet gern auf mehrfaches Leiden und bedauert nicht um eine Tragödie ärmer zu sein … das Glück der Liebenden jedoch schreibt sich fort und fort...

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29 Juli 2014

Zwischen Fantasie und Wirklichkeit

Anne, die lange durch die Besucherleeren Räume des geschlossenen Museums geirrt war, stand nun erschöpft vor einem riesigen Gemälde. Es war ein pompöses Bild, in dessen Tiefe sie sich schier verlieren konnte. Es schien ihr, als könnte sie es betreten. Die Staffagefiguren im Vordergrund waren klein und zierlich, fast winzig, eigentlich passten sie nicht wirklich zur restlichen Bildkomposition. Die prächtige Landschaft, eingehüllt in ein diffuses Licht, lud zum Träumen ein ... 

bitte weiterlesen in meinem Blog KurzundProsa und ich wünsche euch weiterhin einen schönen Sommer ...

17 Juni 2014

gekonnt

... das, was wir heute als Kunst bezeichnen bzw. als den künstlerischen Ausdruck eines Menschen sehen, ist eine sehr frühe Begleiterscheinung des Menschen.
Manche tun so, als würde es Kunst erst geben, seit der Kunst- und Kulturbetrieb der Moderne die Vorgaben macht. Dabei ist das Bearbeiten von Materialien um mehr als nur einen praktischen Gebrauchsgegenstand hervorzubringen, die ursächliche Kunstfertigkeit und das gab es schon immer und das kann jedes Kind. Es ist die Zusammenarbeit von Geist und (individuellem) Körper - als Handfertigkeit um eine Figurine entstehen zu lassen oder mit der Stimme umzugehen um ein eigenes Lied zu schaffen oder um Töne zu kombinieren um auf einer Knochenflöte zu spielen oder die Wände einer tiefgelegen Grotte zu bebildern ... die Schnitzerinnen der Steine, die Gestalterinnen der bekannten Höhlenräume, haben uns sichtbare Artefakte hinterlassen - das ist für mich der Ursprung der Kunst und diese war und ist schon immer sehr individuell. Ihre Lieder von einst können wir nicht 'ausgraben', aber den Sinn für Musik haben unsere Ahninnen uns (in unseren Zellen) überliefert.
Die meisten der heutigen schaffenden und ausführenden Künstler sind eingebunden in eine Kunstindustrie. Da bestimmen konventionelle Standards den Rahmen, in dem sich ein Künstler zu bewegen hat und seine Arbeit muss zu vermarkten sein.
Kunst kommt von Können heißt es und damit ist nicht nur Talent oder Begabung gemeint, sondern auch die Möglichkeit der Ausformung ihrer Kunstfertigkeit. Und dazu braucht es Zeit und Gelegenheit zum Üben und Vervollkommnen und eine gewisse (gesellschaftlich) zugestandene Freiheit, auf welche die Durchschnittsfrau bis vor kurzem nicht wirklich zugreifen konnte. Dabei ist Kunst schaffen und schöpfen ein Körper- und Seelenanteil der Weiblichkeit... 


... ein zum Blogpost umgearbeiteter Kommentar von Stephanie Ursula Gogolin...

22 April 2013

Über die Grausamkeit in Märchen


Ich hörte und las als Kind Märchen, ohne immer deren wirklichen tieferen Sinn zu erahnen. Später liebte ich jede Art von historischem Roman. Im Prinzip sind diese auch nichts anderes als anders aufbereitete Märchen für Erwachsene. Denn auch ein Märchen – eine Mär - ist eine durch Weitersagen hundertfach gewandelte, fantasievoll ausgeschmückte und doch erinnerte wahre Kunde. Die überlieferten Märchen sind Dokumente aus vergangenen Zeiten, das sogenannte herabgesunkenes Kulturgut und leider sind sie ohne verbindliche Zeitangabe. „Es war einmal...“ oder „...vor langer Zeit trug es sich zu...“ - wir kennen das ja.

Geschichte war in der Schule eines meiner Lieblingsfächer und ich nehme heute noch begierig alles auf, was mich an die vergangenen Zeiten anschließt. Ich bin mehr denn je an Geschichte interessiert. Aber mein Interesse und meine Kenntnisse erstrecken sich nicht nur über die, mir einst zur Verfügung gestellten und oft kärgliche und fehlinterpretierte Faktenlage, sondern ich werte viel mehr selbst Alles aus. Ich stelle dabei Querverbindungen her, die sonst so nicht üblich sind. Für mich steckt in allem eine Spur, die uns hilft unsere lange matrifokale und später patriarchale Menschengeschichte zu verstehen. Für mich sind ganz andere Fakten und Hinweise relevant – nicht alles ist ein Kultgegenstand und nicht jede gefundene Speerspitze ist der Ausdruck schlechthin von beginnender Kultur.
Inzwischen kenne ich mich ganz gut aus in der Welt meiner (unserer) Ahninnen. Auch weil ich mich schon lange mit all meinen Sinnen, meinem Wissen und meiner mir zur Verfügung stehenden Imagination, in den Welten der Vergangenheit (und der Zukunft) aufhalte. 

Das anfängliche Menschenleben beinhaltete neben einem simpel und zufriedenstellenden und bestimmt auch glücklich erlebten Alltag, ebenso Schmerz, Leid (Verlust) und Tod, aber eben im Naturbereich. Und eines Tages fingen die Menschen an, alles was sie erlebt hatten und dessen sie sich erinnerten, bewusst an ihre Nachkommen weiterzugeben. Geschichten und Geschichte ist ein und das Selbe, denn auch unsere Fantasie schöpft nur aus tatsächlichen Überlieferungen oder selbst gemachten Erfahrungen. 

Das überlieferte Märchen ist kein unwirkliches Fantasieprodukt, so wie heute der Begriff Märchen manchmal gebraucht wird. Allerdings bietet es viele (literarische) Möglichkeiten, z.B. können die aktuellen gesellschaftlichen oder politischen Verhältnisse kritisiert werden, indem wir sie in vergangene Zeiten verlegen. Bestehende kulturelle Verhältnisse und neue Ideologien sickern absichtlich oder unwissend in die Berichte der Ereignisse ein, die vor langer Zeit statt gefunden haben. Oder vielleicht getarnt als Moral und Sittlichkeit oder als Trost in trostlosen Zeiten. Auch die uns nicht unbekannte Vorstellung von den „guten“ vergangenen (alten) Zeiten speist sich aus dieser Quelle.

Doch genug Vorrede, kommen wir zu all den Märchen, die ob der in ihnen vorkommenden Grausamkeiten getadelt werden und heute nur modifiziert in die Kinderzimmer vordringen dürfen. Und da gilt es erst einmal die Tatsache zur Kenntnis zu nehmen, dass die erzählte Mär und die weitergesagte Sage, nicht als harmlose Gute-Nacht-Geschichte für Kinder in die Welt gesetzt wurde. Märchen waren Unterhaltung für Erwachsene bevor sie als bunte Klischees in heutigen Kinderzimmern landeten.
 

Die Grausamkeit, die zur Grundausstattung vieler Märchen gehört, steht vor allem für eines: für die Ungeheuerlichkeit einer tatsächlich vorangegangenen, einer begangenen Tat. Auch in all den Märchen wird letztendlich über tatsächliche Geschehnisse berichtet und sie dienten auch der Verarbeitung von Erlebnissen oder als Vorbereitung auf eventuell erfolgende Gräuel. 

Denn Grausamkeit, so wie Gewaltverhalten und jede Form von Herrschaftswillkür, einmal in die Welt gesetzt, breitet sich aus und ist nur schwer einzudämmen. Dann kommen früher oder später Vergeltung und Rache ins Spiel und manchmal beginnt es mit dem Gedanken, dass Angriff die beste Verteidigung sei. Begangene Grausamkeiten mit erneuten Grausamkeiten zu sühnen finden wir als gängige Praxis schon in alttestamentarischen Zeiten (Auge um Auge, Zahn um Zahn). Die Menschheit hat dafür ein epigenetisches und memisches Gedächtnis entwickelt, so wie lebendige Körper ein Schmerzgedächtis anlegen (Erfahrungsgedächtnis).

Hier spielt aber auch die kulturelle Komponente Gräuel, Schmerz und Furcht zu verbreiten oder ertragen zu müssen eine nachhaltige (patriopathische) Rolle. Denn Formen absichtlich begangener Grausamkeit wurde mit (kulturell entstandem) Kalkül etabliert. Es dürfte sich hier also um eine (kollektive) Konditionierung zur Akzeptanz von Grausamkeit handeln. Diese real durchgeführten rigiden Bestrafung zur Abschreckung bei (tatsächlichem und vermeindlichen) gemeinschaftsschädlichem Fehlverhalten durch die jeweilige Exekutive der aktuellen Herrschaftsmacht wurde demonstrativ angewendet. Und damit sind wir bereits mittendrin in dem gut funktionierenden patristischen System.
 

Mögen die Grundlagen unserer sehr alten Märchen noch scheinbar aus Zeiten stammen, da „Gewalt“ noch Walten und Wirken bedeutete, also eher mit verwalten übereinstimmte und nicht als Synonym für (männliche) Willkür, Repressalien, Unterdrückung, Regression und Abschlachten daherkam. Die Jahrhunderte bzw. -tausende der Grausamkeiten und des Blutvergießens haben leider trotzdem ihre Spuren in den Mären hinterlassen, auch in denen die einst von friedlichen Zeiten oder der Sehnsucht nach diesen, berichteten. Die Geschichte veränderte sich und mit ihr die Geschichten. 

Sicher gibt es immer noch Märchen, die von guten Entwicklungen, von Bewältigung des Alltags oder liebenswerter Tolpatschigkeit handeln und in denen niemand Schaden an Leib und Leben nimmt. Aber wir haben uns auch an ein gewisses Gewaltpotential gewöhnt und „harmlose Literatur“ für Erwachsene und Kinder ist heute scheinbar uncool. Krimi-Literatur und -Filme boomen immer noch. Mich wundert das nicht. Schließlich sind ja mehrere Generationen mit Hänsel und Gretel und der bösen Knusperhexe aufgewachsen und für bestimmte (männliche) Zielgruppen werden mehr denn je wilden Spielen, Action und Wettkampf kreiert, als virtueller Ersatz für reale körperliche Aktivität.
Auch die heute geschriebenen Geschichten für Kinder und Jugendliche gehen für den jugendlichen Protagonisten kaum noch ohne ein gerüttelt Maß an Gefahr, Herausforderung, risikoreiche Betriebsamkeit und dem berühmten Kampf „Gut gegen Böse“ durch. Harry Potter ist das Paradebeispiel dafür.

Aber bleiben wir bei 'Hänsel und Gretel oder Die Knusperhexe' - dieses Märchen eignet sich in vieler Hinsicht gut, die uns bekannte und verharmloste Märchengrausamkeit zu untersuchen.

Einen Menschen bei vollem Bewusstsein und absichtlich zu verbrennen und dabei noch zuzusehen, ist für mich eine unvorstellbare Entsetzlichkeit, ein so furchtbarer Gedanke, das ich den eigentlich nicht zulassen kann. Im Märchen wird diese unvorstellbare Brutalität verniedlicht. Natürlich geschah es der „bösen“ Hexe recht – hat sie doch die Kinder bedroht und Gretel sah keine andere Möglichkeit sich und ihren Bruder zu retten, als die Hexe ins Feuer des Backofen zu stoßen. Denn diese hat den Kindern angedroht, sie zu fressen. 

"Gretel lief fort und die gottlose Hexe musste elendiglich verbrennen."- Das arme Mädchen war auf sich gestellt, niemand, auch der Bruder nicht konnte ihr helfen. Und dazu kam noch ihre zuvor gemachten Erfahrungen: die einzige, ihr nahestehende Frau, ihre Mutter, hatte sie bereits verraten und ihren Bruder und sie im Wald ausgesetzt. Da sehen wir dem Mädchen ihre Tat, die Tötung der Hexe, gern nach und plädieren selbstverständlich auf Notwehr. Außerdem ist bekanntermaßen eine Hexe per se böse und es ist normal, dass diese geballte weibliche Boshaftigkeit bestraft werden muss, zumal noch einmal ausdrücklich auf die Gottlosigkeit des Hexenweibes hingewiesen wird. Hier wirkt bereits der patriarch(b)öse Geist: die junge Frau vernichtet die Alte.

Dem Geschwisterpaar war es also gelungen zu entkommen und sie kehrten nach Hause zurück. Und da inzwischen die Mutter gestorben war, lebten die Kinder von den Schätzen der Hexe glücklich und in Freunden mit ihrem Vater zusammen. In dieser Märchenvariante gibt es noch viele versteckte Hinweise auf weit zurückliegendes (matrifokales) Brauchtum. Allein dass es um eine, heute fast undenkbare Darstellung geht, die Schwester rettet den Bruder. Ein oft verwendetes Motiv in überlieferten Märchen.

Aber was man gleichzeitig für infamen Darstellungen von Weiblichkeit in der Mär findet ist: die verräterische Mutter, die gottlose Hexe, das mordende Mädchen ... all das gelangt auch heute noch, verharmlost und mit bunten Bildern versehen, Einlass in die Kinderzimmer. 


Vordergründig können wir argumentieren, dass das heutige Kind seinen Alltagsfrust, den es mit der Mutter oder anderen weiblichen Bezugspersonen hat, in Backofengewaltfantasien umsetzt kann und sich so auf der psychischen Ebene zur Wehr setzt. Unterschwellig jedoch lassen wir dabei ganz andere Botschaft zu: Mütter und andere böse Frauen werden vom Schicksal (und ihren Kindern) bestraft, denn sie lassen ihre Kinder im Stich, nutzen sie aus und schaden ihnen. Hier offenbart sich der patriarchale Mütterhass.

Manch eine empfindet heute das klassische Märchen als ein raffiniert eingesetztes Kampfmittel im Krieg gegen die Frau. Ein ungerechter Krieg, der sich leitmotivisch durch die patriarchalisierten Jahrhunderte zieht. Die Märchen fühlen sich dann an, als ob es sich dabei um eine großangelegte Kampagne, um eine gezielte Gehirnwäsche handelt und gerade bei den überlieferten und modern bearbeiten Märchen kommt es mir oft genauso vor.

Die Denkungsart in den Zeiten, da Märchen-Volksgut gesammelt und aufgeschrieben wurde und zudem viele romantisierte Kunstmärchen entstanden, war geprägt durch die Doppelmoral christlicher Werte und patriarchaler Traditionen. Die Märchendichtungen enthielten auch überlieferte Fragmente und in ihnen kam der damalige Mainstream zum Tragen. Ihr Erfolg (siehe Andersen, Hauff, Bechstein) entsprach dem Zeitgegeschmack.

Zudem gab es noch zu Beginn der Aufklärung Prozesse und Todesurteile gegen Hexen. Und als die Gebrüder Grimm ihre Kinder- und Hausmärchen herausbrachten, hatte das (bürgerliche) Gesellschaftsbewusstsein die angebliche Schändlichkeit der Hexen bei weitem nicht vergessen. Noch etwa bis Mitte des 20. Jahrhundert kamen in (West)Deutschland Anschuldigungen wegen Hexerei vor Gericht. Weltweit gesehen hat die Hexenverfolgung nie aufgehört und fordert immer noch Opfer ohne Ende.

Das Märchen war schon immer alles andere als nur eine nette Gute-Nacht-Geschichte. Und deshalb können wir doch nicht allen Ernstes, die real existierenden Exzesse einer patriarchalen Gesellschaft, in die Märchen der letzten Jahrhunderte verpackt, heute unseren Kindern als therapeutische Maßnahme unterjubeln wollen, damit sie sich vom Tun ihrer Mütter distanzieren können. Die in den Märchen geschilderten Grausamkeiten sind eben tatsächliche und real praktizierte Bestrafungen oder Todesurteile gewesen, dessen sollten wir uns immer bewusst sein. Ein Hinweis darauf, wie sich das Menschenbild inzwischen gewandelt hat, wäre als Anmerkung zumindest angebracht.

Mir ist die scheinbar allgemein akzeptierte Feststellung, dass Kinder (welchen Alters?) die Grausamkeit der Märchen
brauchen, in der das „Gute“ siegt und das „Böse“ bestraft wird, zu simpel und zu gestrig. Ich glaube auch nicht wirklich, dass diese Art der Infiltration der kindlichen Psyche und des Geistes, humanes Fühlen fördert und glückliche Menschen hervorbringt. Märchen, in denen Grausamkeiten als drastische Strafe selbstverständlich zelebriert werden, brauchen unsere Kinder nicht!
Denn wie ich schon sagte, das klassische Märchen wie es heute als Kinderliteratur vorliegt war einst Lehrbeispiel und "Unterhaltung" für Erwachsene und gleichzeitig auch so was wie ein (Ekel)Trainig zur Abstumpfung. Weder die Seele, noch der Geist, noch die Körper unserer Kinder braucht virtuelle oder gar konkrete Grausamkeiten als Lebensbeispiele und schon gar nicht als reale Erfahrung.


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11 Mai 2012

Pellkartoffeln und Quark

 
... gehören einfach zu meinen Lieblingsessen. 

Nachdem ich gestern nicht zum Kochen kam und mich mit einer von meiner Schwester gesponserten Sellerie-Creme-Suppe begnügtevergnügte, 
gab es heute frische Kartöffelchen mit feinstem Kräuterquark und gedünsteten Gemüsestreifen mit einer Schinkengarniernung...


.... und falls sich jemand fragt, wo ich immer die taufrische Vogelmiere her habe

... eigene Ernte vom Balkon!


Eine neue Themenwoche: Mein Mittagessen!

09 April 2012

Mitternachtsgedanken im April


Avatar ...
ohne Frage ein fantastischer Film, eine offensichtlich computertechnische Meisterleistung und selbst auf dem Bildschirm eines mittelgroßen Fernsehers noch beeindruckend. Der Entwurf der natürlichen Umwelt auf Pandora ist wild und mysteriös, ein urtümlicher Wald in zarte Farben mit vielen sanften Blautönen und Rosa und trotzdem Dschungelgrün. Aber wer, um Pandoras Willen, hat nur diese zum Erbrechen bekannten Darstellungen des sozialen und gesellschaftlichen Filmmilieu kreiert? 

Die erste Begegnung des Protagonisten (ein desillusionierter Held mit einer an Kadavergehorsam grenzenden Machobildung und einem sanftmütigen humanen Kern) mit einer einheimischen Jägerin, verläuft wie schon hundertmal variiert. Als er sie fragt, wer sie ist, habe ich als Antwort eigentlich „Pocahontas“ erwartet. 

Überhaupt geben sich die Na’vi alle wie übergroße blaue Indianer. Und zwar solche, wie wir sie von Karl May Verfilmungen her kennen, die aufgepeppt wurden durch Flugkünste aus Dinotopia und trillernden Tarzanschreie. Im Prinzip ist auf Pandora fast alles so, wie auf der guten alten, patriarchalen Hollywood – Erde. 

Die Tochter der Na’vi, ein menschenähnliches, indigenes Volk auf Pandora, hat einen Vater, der so was wie ein Kriegerhäuptling ist, während ihre Mutter als die spirituelle Führerin des Clan auftritt. Sie scheint auch als einzige den Grips zu besitzen, sich der Unterstützung des Fremden zu versichern in dem Kampf, der nicht mehr zu vermeiden ist. Wenn das Volk nicht untergehen will, sollte man seinen Feind, dessen Waffen und Taktik kennen. Schließlich hat dieses eingeborenen Volk der zerstörerischen Technologie der Fremdlinge von der Erde scheinbar nichts entgegenzusetzen. Sie brauchen den militärisch ausgebildeten Strategen, der weiß wie Feuer mit Feuer zu bekämpfen ist. Was dann auch letztendlich zu einem fragwürdigen Sieg führt.

Doch trotz des Sieges stelle ich mir vor, dass die Welt der Na’vi unwiederbringlich mit dem patriarchalen Gift der Gewalt und der Intrige, der dahintersteckenden Gier und Empathielosigkeit kontaminiert wurde. Was mag wohl der Baum der Seelen für die Nachkommen der Na’vi bewahren, nach diesem böswilligen Eingriff in ihre Welt? 
Dass es Wesen gibt, deren Denkungsart und Handeln sich über alles hinwegsetzt und der Kampf gegen diese gefühllosen Mächte alle Beteiligten in deren Sumpf mit hineinzieht?

Gezeigt wurde letztendlich das unerträgliche Klischee eines Heldenepos und ich habe den Eindruck der End - Kampf um das sogenannte Gute und die Gerechtigkeit wird immer härter, immer gnadenloser, zieht sich immer länger hin. Es ist alles erlaubt um die Gegner und zuletzt den gewissenlosen Bösewicht zur Strecke zu bringen. Interessant war auch, dass die Dramaturgie die beiden Erdenfrauen, die zu dem kleinen Trupp gehörten der den Widerstand unterstützte, im Kampf umkommen lässt, während dem Helden eine Transformation geschenkt wird, die ihn endgültig zu einem Angehörigen der Na’vi macht. 

Jedenfalls konnte ich den Film weder genießen, noch haben mich die spektakulären Bilder ausgesöhnt. Die Grundaussage war schrecklich bis deprimierend. Das patriarchale Grundmuster wird kompromisslos überall hinein transportiert und eine wirklich andere Welt, ohne eine Väterhierarchie und pseudoschamanischen Schnickschnack können sich die maskulinen Filmemacher einfach nicht vorstellen. 

Von den höllischen Gewaltexzessen, ohne die ein solcher Film heutzutage offensichtlich nicht mehr auskommt, will ich gar nicht mehr sprechen, nur so viel dass hier die beliebte Botschaft platziert wird: auch wenn wir alles zerstören, was essentiell und wertvoll ist und die bestehende Welt zu Grunde geht, es gibt immer irgendeinen Messias, der gerade soviel korrigiert, das ein paar Überlebende weitermachen können wie bisher!

Ich denke, ich muss dringend fasten: mindestens vier Wochen keine Blockbuster mehr!


10 Mai 2011

Blüten zählen


...die Treppe hoch geht noch, bis zum Tresen und die nette junge Sprechstundenassistentin anlächeln, auch noch, doch dann kommt der tödliche Satz: „Setzen Sie sich ein paar Minuten ins Wartezimmer, der Doktor ist gleich so weit...!“


Jetzt nimmt das Verhängnis seinen Lauf. Der gut sortierte Zeitschriftenständer fängt die erste Panikattacke ab - Stern, Bunte, Schöner Wohnen – irgendein fesselndes Thema finde ich schon... und dann, viel zu schnell, wird mein Name aufgerufen!  

Die Zeitschrift entfällt meinen zitternden Händen, ich hole tief Luft, nur nicht hyperventilieren, mit glasigem Blick folge ich dem weißen Kittelchen.

Der helle, Vertrauen erweckend eingerichtete Raum, in den ich zum wiederholten Male komme, fängt an zu verschwimmen. Die besorgte Stimme meines entzückenden, jungen Zahnarztes dringt an mein Ohr: „Geht es Ihnen gut?“

Ich schüttel nur verkrampft den Kopf, rücke mich auf dem bequemen Liegebehandlungsstuhl zurecht und fange an zwanghaft die zart rosa Blüten des Gemäldes gegenüber an der Wand zu zählen. Der Stuhl kippt und kippt, es gibt keine Haltegriffe zum Festklammern und ich erwarte, dass sich hinter mir im Boden ein schwarzes Loch auftut, in das ich gleich Kopfüber hinein gestürzt werde. Im letzten Moment kommt das Spezialmöbel zum Stillstand. Das gefühlt arglistige Lächeln des behandelnden Arztes sehe ich nicht wirklich, da er diesen weißen Mundschutz trägt und ich meine Brille abgelegt habe. Und während die Bohrer vor sich hinsummen, der Sauger in meinem Mund saugt und eine sachliche Stimme Anweisungen gibt, zähle ich gegen die Panik an. Diesmal die weißen und hellblauen Blüten auf dem Gemälde, welches ein cleverer Innenarchitekt an die Decke geklebt hat.

Also... es geht ja gar nicht so sehr darum, dass da was weh tun könnte oder die Spritze piekt und der Bohrer grauslige Geräusche macht – nein – es ist dieses Gefühl des Ausgeliefertseins! Dass mein Kopf, wie abgetrennt vom Körper, gnadenlos in die Mangel genommen wird, während ich selbst gutwillig den Mund aufmachen muss, die Augen schließen und mich entspannt den fachkundigen, desinfizierten Händen des Zahnarztpraxispersonals ergeben soll, obwohl ich mich viel lieber, mit einem Karateschrei aufspringend, losreißen und in Sicherheit bringen möchte. Dabei das Tablett mit den fies glänzenden Instrumenten und bunten Fläschchen durch den Raum pfeffern und die lieblichen, mich höhnisch anstrahlenden, pastellfarbenen Gemälde von der Wand reißen wollen würde oder so...

Morgen Vormittag habe ich noch einen Termin!

 

PS. Ich musste feststellen, dass Zahnarzterfahrungsberichte vieler Blogorts zur Zeit thematisiert werden...