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06 Februar 2020

zur Entstehung des Patraiarchats

aus der Reihe "Vom Kommentar zum Blogpost"

Die Entstehung des Patriarchats als fehlgeschlagene Traumbewältigung nach „Naturkatastrophen“ einzuordnen, will mir nicht so recht einleuchten.


Sogenannte Naturkatastrophen sind erst einmal Ereignisse, die uns Menschen als Lebewesen dieses Planeten immer wieder betreffen und denen wir als Individuum vielleicht ausgeliefert, an die wir als Spezies jedoch angepasst sind. Die uns umgebenden Naturgewalten gehören zu dem Ambiente, das unsere Lebensbedingungen von Anbeginn ausmachte.
Denn während einige Menschengruppen mit reißenden Flüssen, bebenden Bergen oder Vulkanausbrüchen zu kämpfen hatten, zogen andere an ruhigen Gestaden entlang, lagerten an grünen Hängen und lebten in der fruchtbaren Vielfalt der Pflanzenwelt am Fuße eines ruhenden Vulkans. Auf der einen Seite der Erde richteten sich Gruppen in der Herausforderung der Eiszeit ein und in anderen Gebieten lebten sie nach wie vor in Matrifokalen in wirtlicher Umgebung und unter wärmender Sonne. Einige mussten eventuell mit Wüstenbildung zurecht kommen, andere Monsun und Überschwemmungen bewältigen.
Als Menschenspezies sind wir an Naturereignisse angepasst und somit an diese gewöhnt. Was uns nicht umbrachte, machte uns als kollektiv lebende Spezies klüger, umsichtiger und stärker - unsere Resilienz ist ebenso wirksam wie anderer Säugetierspezies.
Ganz anders die nicht naturgemäße (inhumane) Gewalt.
Diese Art der Heimsuchung kulminiert darin, dass sich innerhalb der eigenen Spezies erst unverhofft und später ein weitreichend bedrohliches, soziales Klima entwickelte, mit dem ein jedes Individuum ab jetzt im Alltag als unberechenbare Gefährdung leben muss.
Diese einst spontan, lokal und unaufhaltsam aufgetretene psychopathologische Bedrohung mütterlicher Grundordnung (in unserer biologischen Matrifokalität) innerhalb unserer Spezies, ist nicht mit den Auswirkungen von Sturm, Hagel oder Blitzschlag zu vergleichen. Eine gut gebundene Angehörigengruppe wird in der Regel individuelle oder kollektive Traumata, ausgelöst durch Unfälle in der Natur, entsprechend verarbeiten und als Erfahrung bzw. als Prävention überliefern.
Eine Horde Räuber oder Krieger, die blutige Überfälle zwecks Raubzüge inszenieren oder gleich die ihnen fruchtbar scheinenden Gebiete erobern, sind nicht vorhersehbar wie die meisten Wetterphänomene. Sie sind nur abzuwehren oder zu bekämpfen, wenn man ihnen in ähnlicher Weise begegnet. Ist der, durch den Menschenmann gemachte, Gewaltkreislauf erst einmal eröffnet, gibt es kein Zurück mehr. Individuell ausgeübte Gewalt ist ein anerkanntes Geschehen innerhalb der strukturellen Gewalt bestimmter Kultur- und Gesellschaftssysteme - mit sogenannten Naturkatastrophen sind sie nicht wirklich vergleichbar.

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07 Dezember 2019

"Kein Bock auf Steinzeit…"

Wenn Frauen äußern: "Kein Bock auf Steinzeit…", dann verzweifle ich nicht nur an unserem Schulsystem, sondern auch an dem weiblichen Verständnis von Natur. Es ist leider nicht das erste Mal, dass ich wie hier einer Meinung zu der zutiefst missverstandenen Steinzeit begegne. Gern wird die Steinzeit als Metapher für Rückwärtsgewandtheit und ewig gestriges Denken verstanden. Schon seit längerem begegne ich immer wieder dem Grusel der modernen Frau vor der Steinzeit bzw. deren salopp geäußerten Ansichten, dass uns das Beschwören der Steinzeit nicht retten wird. Dabei dürfte uns doch wohl klar sein, dass es eigentlich nicht um die kargen, äußeren Attribute einer Alltagsgestaltung in einem Steinzeitcamp geht. Wovon wir aber profitieren könnten wenn wir uns das Grundkonzept der Lebensgemeinschaften innerhalb des urmenschlichen Kontinuums näher ansehen.
Warum also wird oft so getan, als wäre "die Steinzeit", das viele Jahrtausendelange Paläolithikum und Mesolithikum, ein schlimmerer Ort für die Frau und Mutter gewesen als beispielsweise unsere Gegenwart? Das Gegenteil ist der Fall - wir wissen es schon lange. Denn da lebte die Mensch und ihre Sippe in matrifokalen Gruppen und das wiederum ist bekanntlich unser menschenartgerechtes Dasein, unsere angeborene Sozialstruktur in dem vorhandenen Naturgeschehen.
Das wirkliche Desaster begann als die Steinzeit durch die nächste Epoche abgelöst wurde und sich die Idee, den 'Vater' als Maß aller Dinge einzuführen, vom patriarchös infizierten Mann gewaltsam durchgesetzt wurde. Damit entstanden hierarchische Strukturen, mit denen Herrschaftsmacht etabliert wurde und hier, in der gewaltsam durchgesetzten Patriarchose entschied sich der unterworfene Status der Frau und Mutter ... bis heute!
Im auslaufenden Neolithikum und der waffenstrotzenden Bronzezeit sind wir bereits mitten drin und die Frau* bereits ihre körperliche Freiheit verlor, büsste (durch die Antike hindurch) grundsätzlich ihre Selbstbestimmung ein. 
Es sind die Zeitphasen ab denen die androzentrierte Herrschaft erstarkte, zur Unterstützung derer Lehren in Form von religiösen Ideologien verbreitet wurden und die allgemeine Verherrlichung des Maskulinen einsetzte.
Während mann die Frau (als Tochter und potentielle Mutter) versklavte, verheiratete und als Arbeitskraft für die Männerwelt hielt. Als Mutter wird ebenfalls bis heute ihre Gebär- und Fürsorgekraft ausgebeutet und reglementiert. Diese Geiselnahme des Weiblichen führte zu dem, heutzutage besonders wirksamen kollektiven Stockholmsyndrom, das neben der konditionierten prinzipiellen Unterwerfung auch verschiedene Spielarten der Prostitution beinhaltet, zu denen ich auch die klassische Ehe zähle.
Die patriarchalen Strukturen, die alle von uns so gut verinnerlicht werden und die bis heute unsere Kultur fest im Würgegriff halten, sind jedenfalls kein Bestandteil der Evolutionsphase, die so gern verächtlich als primitive Steinzeit abgewertet wird. Wir sollten mal überlegen was denn genau an dieser primären Entwickelungsphase abzulehnen ist? Der mangelnde technologische Fortschritt?
Das alchemistische Wunder der hemmungslosen Zerstörung der Natur auf Betreiben einer gierigen Machtclique?
Oder die fehlende inhumane Einteilung, die uns offenbar schon gar nicht mehr auffällt, in der wenige Eliten der Masse von Milliarden Menschen ganz offen und dabei langsam aber sicher die Lebensgrundlage entziehen?
Zurück in die Steinzeit was bedeutet es wirklich?
Zum Beispiel keine gesellschaftlichen Machtstrukturen.
Ein Leben im Matrifokal, dass frau sich allerspätestens dann als gut vorstellen kann, wenn sie sich als Großmutter einen offen Blick auf die momentane Situation der Töchter und Töchterstöchter dieser Welt bewahrt hat.

Und wenn jetzt wieder einige Angst haben hier werden Männer diskriminiert, dann möchte ich nur sagen, ich nehme es dem Patriarchat so was von übel, dass es nicht nur unsere Söhne zu potentiellen Gewalttätern formt, sondern auch billigend in Kauf nimmt, dass so viele nichts dabei finden, die konditionierte Akzeptanz der Gewalt auch auszuleben und sei es nur virtuell als Hater im Netz.
Auf der einen Seite das technologisch optimierte und damit zerstörerische Hochpatriarchat und auf der anderen Seite die naturbelassene Steinzeit.
Wäre gar nicht so schlecht, wenn wir tatsächlich wählen könnten!
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18 September 2019

natürlich ist natürlich nicht immer natürlich...


Neulich las ich das spontan geäußerte Statement: "...ich bin eine unnatürliche Frau..." und eigentlich war meiner Meinung nach damit 'unangepasst' und aus der kulturellen Norm fallend gemeint. Denn witziger Weise hat es sich eingebürgert das angepasste Weibchenverhalten im patriarchalen Kulturraum als natürlich zu bezeichnen. Zum einen, weil Frau aus patriopathisch-taktischen Gründen mit der verachteten Natur gleichgesetzt wird und zum anderen, weil frau immer noch die Kinder bekommt, was ja bekanntermaßen natürlich ist. Und das obwohl wir alle (auch die dressierte Frau), inzwischen im patri-kulturellen Alltag von einem naturgemäßen Gebaren Jahrtausende entfernt sind und erst seit ein paar Jahrzehnten wieder, und recht langsam, die Besinnung auf unser natürliches Sein einsetzt.
Noch ist es auch semantisch so definiert, dass natürlich, das Adjektiv ist, das sich auf (die) Natur bezieht. Was viele allerdings wirklich meinen, wenn sie 'natürlich' sagen, ist eigentlich 'normativ' und Norm bzw. die sogenannte Normalität ist eine kulturelle Vorgabe und noch dazu leider eine durch und durch patriarchal geprägte.
Von naturgemäßem/natürlichem Gebaren kann in unserer (patriarchös kreierten) Kulturgesellschaft daher kaum die Rede sein. Wir (Frauen) tragen Kleidung, die unseren Körpern nicht gut tun oder den Klimaverhältnissen nicht immer gerecht werden. Der alte Spruch: "Es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur unzweckmäßige Kleidung!" ist immer noch aktuell. Wir schneiden unsere Haare kurz und beschneiden damit unsere natürliche Sensorik, von Dauerwellen und unnatürlichen Farben gar nicht zu reden. Wir folgen den Schnittmusterbögen diverser Männerphantasien und passen uns Schönheitsidealen an. Wir spielen eine Mutterrolle, die nichts mit dem natürlichen Muttersein gemein hat. Wir unterdrücken in vorauseilendem Gehorsam unsere Female Choice und lockern die Bindung zu unseren Kindern so früh wie möglich. Wir treten in den Kreislauf von Erwerbs- und damit fremdbestimmter Arbeit ein und ertragen schon als Kleinkinder die Trennung von der Mutter. Als Frauen und Männer kreisen wir in einem (sexualisierten) Familenideal in Form von (romantischem) Paargetue und krampfhaft aufrechterhaltener Kleinfamilienidylle, wobei das essentiell zugehörige Menschenkind weitgehend outgesourct wird. All das ist weder natürlich, noch (menschen)artgerecht, sondern gehört zu den Nebenwirkungen der Patriarchose.
Wenn eine Frau all das bewusst durchbricht, wenn sie das perverse Normverhalten hinter sich lässt und sich auf ihr Selbst besinnt, dann können wir schon eher von Natürlichkeit sprechen. Unsere biologische (organische) Form als Lebewesen ist natürlich und das Grundgeschlecht ist weiblich.
Die heute verinnerlichte Verhaltensethik ist es nicht. Sie ist der vorherrschenden gesellschaftlichen Dynamik und den installierten Sozialregeln unterworfen, die aus der androzentrierten Herrschaftsideologie stammen.
In einem natürlichen (organisch gewachsenen) menschlichen Kontinuum finden wir die soziale innere Balance einer versorgenden Gemeinschaft, welche aus selbstbestimmten Individuen besteht.
Noch leben wir in einer Zeit, in der das Patriarchat nach wie vor die Frau verschleppt. Mütter und Töchter werden von ihrem natürlichen (evolutionsbiologischen) weiblichen Sein (der gelebten Matrifokalität) so fern wie möglich gehalten. Wir leben (teilweise sogar unbeschwert) nach von Männern erdachten Regeln und leiden auch nicht immer unter der unmittelbaren Gewalt der Waffen strotzenden Androkratie. Das uns bekannte, von Gewalt durchsetzte Gesellschaftstreiben wurde so normalisiert, dass es uns als natürlich verkauft werden konnte. Das Kulturwesen Mensch ist sogar bereit kriegerische Auseinandersetzungen als natürlich zu akzeptieren.
Wenn wir Menschen immer noch unserer Ur-Natur gemäß agieren würden, lebten wir da wo es gut warm ist und wir keine Kleidung bräuchten – quasi in einer wehrlosen (ungepanzerten) Alltagssituation. Die Mensch selektierte für ihr Überleben ein friedfertiges Sein, dass heißt sie ist von Natur aus nicht gewalttätig (was aber immer noch gern behauptet wird). Die Nahrung suchende (und vielleicht auch wissbegierige) Spezies Mensch breitete sich aus und brachte es fertig, sich in allen Klimazonen dieser Welt einen Lebensraum zu schaffen und ihren Nachwuchs aufzuziehen. Denn das ist es worauf es ankommt - da wo Kinder heranwachsen, ungestört spielen und lernen wie Leben geht, ist die Mensch heimisch. Solange bis sich die Bedingungen änderten und die optimal an die Natur angepasste Mensch sich den neuen Herausforderungen stellen muss(te). Die mütterlich geprägte Wesensart ist zwar nicht unflexibel (das wäre für den Nachwuchs auch nicht von Vorteil), ist aber vor allem auf Beständigkeit, Sicherheit und sich wiederholenden Ereignisse ausgerichtet. Das zufriedene - das glückliche - Menschenkind wuchs menschenartgerecht in den verlässlichen Verhältnissen der Matrifokalität auf und genau das war und ist natürlich.
Erst als Sozialstrukturen der patriarchösen Art, Mutter und Kind in Geiselhaft nahmen, verlor die echte Natürlichkeit (die matrifokale Urnatur) ihren Wirkungsraum. Die patriarchöse Wirklichkeit entspricht so gar nicht unserer menschenartgerechten Daseinsform. Das gesellschaftskonforme Verhalten als dressiertes Weibchen (Stockholm-Syndrom) ist daher alles anderes als natürlich und es ist nicht von Bedeutung, ob wir glauben uns rebellisch als „unnatürlich“ zu präsentieren, um nicht mehr den absurden Normen zu entsprechen - das Lebewesen Frau als solche ist immer natürlich! Ob sie auch weiterhin genormt und konditioniert das patriarchale Kreuz erleiden will, ist nicht immer ihre Entscheidung, vor allem wenn sie durch das rigorose Protokoll der Patriarchose massiv behindert wird. Noch ist die Frau (die Mensch) nur selten frei genug, um tatsächlich wieder natürlich zu sein.
Aber natürlich sind diese Gedanken nur meine persönliche Betrachtungsweise.
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06 September 2019

Evolution und andere Missverständnisse

aus der Reihe vom Kommentar zum Blogpost:

Nichts wird scheinbar so gern falsch betrachtet, wie 'die Evolution', der von manchen eine Art Schöpfermodus unterstellt wird. Was wiederum absurd ist, ist Evolution doch eher das Gegenteil von Schöpfung. Trotzdem wird auch den evolutionären Prozessen eine Form von Steuerung unterstellt und das impliziert, die Evolution wäre ein handelndes Subjekt, was uns wieder an den Anfang der Missverständnisse bringt.

Der Begriff Evolution beschreibt lediglich das vorhandene Naturgeschehen (komplex, chronologisch, veränderbar). Die Evolution (Entwicklung) stellt den schon recht lange andauernden Istzustand dar. Sie macht nichts oder ist zum Beispiel kein System mit dem "die Natur arbeitet".
Evolution ist das unwillkürliche Entwicklungsgeschehen in dem das organische Leben stattfindet, zu dem auch die Spezies Mensch gehört. Dass was wir (auf unserem Planeten) als Natur (in ihrem Gesamtzustand) bezeichnen, besteht aus energetischen, anorganischen und organischen Anteilen und reagiert in ständigen Prozessen miteinander.

Naturgeschehen ist absichtslos, unwillkürlich und keinem "höheren Ziel" unterworfen. Aber seit Anbeginn ein ständiges Interagieren der natürlich vorhandenen Komponenten mit entsprechender Wirkung. (siehe der sogenannte Schmetterlingseffekt)
"Das Leben auf unserer Welt ist ein Phänomen, das sich dadurch auszeichnet, dass es
a) existiert und
b) den immanenten (unwillkürlichen) Drang besitzt weiter zu existieren.
Und um 'weiter zu existieren' arrangiert sich jedwede Lebensform mit den gegebenen Umweltbedingungen und passt sich diesen permanent an. Das Leben ist das gigantische Spektrum an (organischen) Lebewesen, mit denen unser kleiner Planet überzogen ist - im Wasser, im Erdreich, auf dem Erdboden und in der Luft. So entstanden all die, sich gegenseitig beeinflussenden Effekte, die das Leben in all seiner Vielfalt erhalten und überleben lassen. Ein vorhandenes Regulativ in diesem Zusammenhang ist die natürliche, also unwillkürliche Selektion..."*
(* Definition aus: https://marthastochter.wordpress.com/2021/02/27/wie-alles-begann-eine-grundlegende-betrachtung-zur-lebendigen-matrifokalitat/)

Diese Masse an Organismen bildet ein sich stetig veränderndes Ökosystem, in dem sich die Mensch auf besondere Weise einrichtete. Ihre Kultur im menschenartgerechtem Kontinuum erbrachte zwar gewisse Einflüsse auf das vorhandene Ökotop, blieb jedoch Jahrtausende lang weitgehend im Einklang mit den natürlichen Gegebenheiten. Die matrilinear und -lokale Matrix (der Säugetiere) nach der auch die Mensch existierte und sich entwickelte, war weiterhin ein naturgemäßes Geschehen in den Naturereignissen unserer Welt.
Der (patriarchale) Kulturmensch (und hier vor allem der Mann) nutzte ab einem fatalen Zeitpunkt seine Intelligenz, um die vorhandene Natur zu "verbessern". Es fing damit an, dass er anderen Lebewesen die Freiheit und Einfluss auf deren naturgemäßes Agieren nahm. Er begann zu züchten, zu verändern und diese gezielte Selektion war nicht mehr natürlich im Sinne eines unwillkürlichen Daseins. Der patriarchale Mann wähnte sich auf der richtigen Seite (bis heute), denn seine Gottheiten legitimierten ihn, sich die Erde untertan zu machen und damit löste er mit seinem Experimentieren und verantwortungslosem Machen das (Natur)Geschehen ab. Dieses Alchemisten-Syndrom (siehe die Arbeiten von Claudia von Werlhof), dient in erster Linie dem (männlichen) Machterhalt und der gierigen Besitzsteigerung einiger weniger.
Unsere evolutionär entwickelten menschlichen Fähigkeiten sind in einem natürlichen Kontext vorhanden, aber schon die dem menschlichen Arterhalt dienenden Kulturtechniken, (erfunden und angewandt in den frühen Mütterkulturen), sind eher semi-natürlich, aber solange sie dem matrifokalem Gemeinwohl dienten, blieb die Balance im Öko- sowie Soziotop weitgehend erhalten.
Dagegen sind all die experimentell entwickelten und installierten Technologien zwar vom Menschen(Mann) ersonnen und ausgeführt, aber durchweg keine natürlichen Effekte. Sie greifen im Kleinen wie im Großen in das Naturgeschehen ein und schädigen es irreparabel oder vernichten es ganz.
Verbrauchte Naturvorkommen sind beispielsweise nicht nur unwiederbringlich weg, sie bringen das sich selbsterhaltende Natursystem immer wieder aus der Balance (siehe Klimawandel bzw. -katastrophe)! Die noch nicht erkannten Langzeit(neben)wirkungen dieser exzessiven Veränderung bis hin zur Vernichtung von Natur sind bereits wirksam aber auch zum Teil noch unvorhersehbar.
Die Evolution geschieht trotzdem ... nur unser Platz als Spezies Mensch darin wird immer fragwürdiger...

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05 Juli 2019

Das Menschenkind


Einleitung und Kapitel I

Wie war das doch gleich, als ich noch ein Kind war? So vor rund siebzig Jahren? Zwar bin ich ein Geschwisterkind, war aber ein Hinterdreinchen. Meine zahlreichen Brüder und meine eine Schwester sind erheblich älter als ich. Und so wuchs ich fast wie ein Einzelkind auf. Aber es gab in unserem dörflichen Umfeld reichlich andere Kinder. Sie begegneten mir auf Schritt und Tritt. Wir spielten auf der Straße, ich traf sie in der Schule und beim Stromern. Trotz der im Alltag nicht mehr anwesenden Geschwistern, war ich nie allein.

Spätestens ab drei Jahre gab es täglich mindestens eine alterspassende Freundin. Wir besuchten uns gegenseitig, spielten mal bei ihr und mal bei mir. Später wurden es mehr und die Auswahl größer. Meine Tag war bei weitem nicht so reglementiert, wie ich es später bei meinen eigenen Kindern erlebte oder wie es heute bei meinen Enkeln stattfindet. Auch als ich noch richtig klein war, nahm mich meine Mutter überall hin mit und ich nahm auf ihrem Arm oder in meinem rumpligen Kinderwagen am Dorfalltag teil. Und wohin wir auch gingen, überall gab es ein Kind mit dem ich spielen konnte.

Meist waren wir ein Tross von fünf, sechs Kindern, überwiegend Mädchen und nicht immer gleichaltrig. Die Jungs waren uns zu anstrengend, zu ruppig oder einfach zu doof. Die große (geförderte) Vereinzelung begann erst als Jugendliche. Es mir damals nicht explizit aufgefallen, aber tagsüber traf unsereine nur wenige Erwachsene. Da die nämlich arbeiteten und damit für uns Kinder relativ unsichtbar waren, wir hatte das Dorf scheinbar nur für uns. Schulvormittage und keine (geregelte) Fremdbetreuung. Sommerferien waren endlose Freiheit.

Heute ist das anders bzw. umgekehrt. Wenn ich mal Tagsüber ins Städtchen gehe, sind nur Erwachsene unterwegs. Bis auf ein paar Mütter mit Kleinkindern, ist unser öffentlicher Alltag eine Erwachsenenwelt. Auch am Nachmittag. Einem Kind außerhalb der Ferienzeit zu begegnen wirft automatisch die Frage auf: was macht es hier? Hat es keine Schule? Und selbst in der Ferienzeit werden unsere Straßen nicht gerade mit Kindern geflutet. Kinder sind in der Regel gut verräumt und im Gegensatz zu damals, kaum mehr allein unterwegs. Auch nicht in Grüppchen.

Meine Enkeltochter Helene arbeitete als Au-pair ein Jahr in Pittsburgh und ihre eigentliche Aufgabe bestand darin als Leibwache für das Kind der Familie zur Verfügung zu stehen. Es ist besonders in Amerika ein Standard Kinder nicht allein zu lassen. Zumindest da wo sich die (arbeitenden) Eltern es leisten können.

Die Welt ist voller Kinder ... diese meine subjektive Wahrnehmung von einst stimmt wohl nicht mehr! Von den rund 7,4 Milliarden Menschen sind ein Fünftel Kinder (jünger als 15 Jahre)* und das ist ehrlich gesagt weniger, als ich erwartet habe. Kinder und Erwachsene (einschließlich Jugendliche) eins zu vier! Und dazu kommt noch die patri-kulturell bedingte Schieflage - der männliche Anteil der Weltbevölkerung wächst in nahezu bedrohlichem Maße unnatürlich über den weiblichen Anteil hinaus. Die sinnlose, Ideologie bedingte, Aufzucht von Söhnen ist ein Desaster, dass sich politisch und ‚menschenenergetisch‘ fatal aus wirkt.

Kinder sind eine Kostbarkeit und werden doch manchmal wie Wegwerfartikel behandelt. Das patriarchöse System sieht im Kind nicht das einzigartige Individuum, dass als Naturereignis den aktuellen Stand der Evolution dastellt und jeweils den Schritt aus der Gegenwart in die beginnende Zukunft macht.


Das Menschenkind ist, wie andere Lebewesen auch, ein Geschöpf der Natur, ein Ergebnis und ein Effekt der organischen (lebendigen) Evolution. Und hier gebrauche ich das Wort „Geschöpf“ zum letzten Mal in diesem Zusammenhang, da ein Geschöpf eigentlich einen Schöpfer voraussetzt und Natur schöpft nicht, sondern ist einfach vorhanden.

Die Natur ist ein Geschehen und
die kontinuierliche Entwicklung der Ereignisse innerhalb dieses Geschehens, nennen wir Evolution.

Das Menschenkind auf das es stets ankam, war weiblich. Also eine Tochter, welche bis zur körperlichen Reife überlebte und eines Tages die Mutter einer Tochter wurde. Ein solches weibliches Kind wurde unsere Urahnin und der jetzige Stand der Erkenntnis spricht von der mitochondrialen Eva, der ersten Menschenfrau. Sie lebte in Afrika, da wo die Spezies Mensch ihren Anfang nahm. Die weibliche Ureinheit, eine Mutter und ihre Tochter, sind der (evo-biologische) Beginn unserer (Menschen)Spezies.

Nur durch das weibliche Individuum entsteht jeweils die Nachkommenschaft. Die weibliche Eizelle sichert den Fortbestand der Spezies indem sie sich in ein genuines, der Mutter sehr ähnliches, Unikat entwickelt, unter der Beteiligung eines männlichen Genzusatzes.

Bereits in grauer Vorzeit selektierte sich ein zusätzlicher Effekt des Lebenserhaltes - es entstand das männliche Geschlecht. Dieser Effekt sorgte für eine größere Diversität in der Nachkommenschaft. Ab da gab es (bei Flora und Fauna) Exemplare weiblichen wie auch männlichen Geschlechts, beide werden von einem weiblichen Individuum hervorgebracht. Menschen nannten eines Tages die Leben hervorbringende Person Mutter.

Alle Säugetiere haben das Muttertier, dass weit mehr ist, als bloß
die Trägerin der Eizelle. Sie steht auch prinzipiell für das sichere Aufwachsen ihres Nachwuchses. Sie bringt in der Regel Nachwuchs beiderlei Geschlechts hervor und die unterschiedlichen Sozialordnungen, mit der die verschiedenen Spezies ihr Überleben sichern, binden auf unterschiedliche Weise beiden Geschlechter mit ein. Der parallele Bestand männlicher Individuen, welche als Variation des weiblichen Grundgeschlechts begann, ist nicht immer ein beständiger Teil der unmittelbaren, überlebenswichtigen Sozialordnung, die sich um das weibliche Individuum (durch die vielschichtige evolutionäre Selektion) gebildet hat. 

Der Kreis des Lebens begann mit einer Zelle und diese entwickelte sich über einen unglaublich langen Zeitraum zu dem erfolgreichen, das Leben erhaltendem Starterset: die Ei-Zelle. Diese Ei-Zelle steht in Organismen bereit, die wir Menschen als weiblich benennen. Menschen sind (sogenannte höhere) biologische Organismen. Sie sind Säugetiere und damit ein Klasse der Wirbeltiere. Sie gehören zu den Tieren, die lebende Junge zur Welt bringen und säugen, also die Weibchen dieser Tierarten natürlich.

Menschen haben eine Kulturgeschichte. Und die begann in ihren Matrifokalen. Als Matrifokale bezeichne ich die überschaubaren Fürsorgegruppen, die als mobile Schutzsphäre für die Mutter-Kind-Einheiten fungierten. Die generationsübergreifenden, geschwisterlichen Fürsorgegemeinschaften bestanden aus matrilinearen Zu- bzw. Angehörigen beiderlei Geschlechts.

Der Lebenserhalt ist ein Prozess, der im weiblichen Kontext stattfindet. Es ist eine Tatsache, dass die Reprise, das Wiederholungsmuster der Lebensneuauflage in Form eines neuen Individuums in einem weiblichen Körper geschieht. Der männliche Anteil einer Spezies ist nur bedingt von Interesse, wenn es um die Nachkommenschaft geht. Diese Feststellung ist keine Wertung, kein feministischer Euphemismus, keine Ideologie oder gar Religion, sondern bloß eine biologische Tatsache. Unser Menschengeschlecht lässt sich wie gesagt inzwischen bis zu einer (mitochondrialen) Eva zurückverfolgen. Wobei es nicht um diese frühe Mutterperson geht, sondern um die Bewusstmachung, dass das prosperierende Leben weiblich ist. Und das dürfte grundsätzlich die Ausgangsbasis sein, von der aus ab sofort die Definitionen und Bewertungen erfolgen. Es ist stets das weibliche Exemplar auf das es ankommt, da es a) die Eizelle trägt, b) die körperlichen Voraussetzungen stellt um das neue Individuum heranwachsen zu lassen und c) in Folge (nach der Geburt oder dem Schlüpfen) sicherstellt, dass das neue Exemplar dieser Spezies Überlebenschancen bekommt und heranreifen kann.


Fortsetzung folgt...


(* „Weltweit leben rund 7,4 Milliarden Menschen. 1,9 Milliarden Menschen, also ein Fünftel davon, sind jünger als 15 Jahre.“ (https://www.demokratiewebstatt.at/thema/thema-wir-kinder-dieser-welt/zahlen-und-fakten-zu-kindern-weltweit/)

zur Info: … hier geht es nicht um biologisches oder akademisches Fachwissen und auch nicht um gesellschaftstheoretische Auslegungen desselben, sondern um eine philosophische Betrachtung, in der ich immer wieder das Natur-Geschehen und die dazugehörige menschliche Kulturentwicklung von den ideologischen, besonders von den patri-schematischen Deutungen und Wertungen trenne. 


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22 Januar 2019

Eine Mutter ist eine Mutter ist eine Mutter

Zuerst die unvermeidliche Einleitung, der Vorabblick, meine Betrachtung, darauf was wir sind und woher wir als Mensch/Frau/Mutter kommen…

Wir (Menschen und andere) sind biologische Wesen – Organismen, ein jedes auf Grundlage einer ganz eigenen Eizelle gestartet und als Säugetierart in einer Mutter herangewachsen - aus einer Mutter geboren - wir atmen, wir Stoffwechseln, wir sterben irgendwann! Das sind einfache Tatsachen und die machen uns weder besser noch schlechter gegenüber anderen.

Mag es manch einer vielleicht nicht gefallen, aber es ist eine Tatsache: Das Leben als solches ernährt sich von einander! Menschen, wir sind wie gesagt eine Säugetierspezies, brauchen pflanzliche und tierische Nahrung und wir fingen alle mal mit Muttermilch an. Und bis vor kurzem (evo-chronologisch gesehen) war genug Nahrung auf dem Planeten vorhanden, um die Spezies gut zu ernähren.

Wir sind Lebewesen unter anderen Lebewesen und kein Individuum ist vollkommen. Die (Bio)Ausstattung eines Organismus ist neben den Grundmustern der Spezies, der es angehört, individuell – ein jedes Lebewesen ist ein Unikat. Auch jede Mensch ist diesem natürlichen Effekt der Einzigartigkeit aber auch der Unvollkommenheit unterworfen. Weil wir es von Natur aus sind, empfinden uns (kulturell induziert) mehr oder weniger stark als mangelhaft und kaum eine lebt im gesellschaftlichen Hochpatriarchat ein ideales Leben. Alle Lebewesen kommen also nicht perfekt in diese Welt, sondern wir sind individuelle Bio-Einheiten, die je nach Spezies einem bestimmten Überlebensprogramm folgen. Aber es gilt auch „Wir kommen auf die Welt und die Welt ist schon da!“ (Harald Lesch). Unser über eine langen Zeitraum kulturell-ideologisch induzierter und sorgfältig kultivierter Anspruch auf ein: "mehr als nur Überleben" ist zu einem Selbstläufer im Dasein des modernen Menschen geworden.

Nach Vollkommenheit zu streben ist ein Hochziel der Patriarchose. Dieses Bestreben wurzelt in unzähligen patriarchösen Mythen, Meriten und Utopien - es ist letztendlich die Idee, die Natur zu überwinden, was sich in vielen wahnhaften und zerstörerischen Bestrebungen zeigt. Der patriopathische Mensch hört nicht auf nach einem (bestimmtem) Sinn des Lebens zu suchen, statt einfach miteinander zu leben.
Im Naturgeschehen des artgerechten Menschensein der vorpatriarchalen Zeiten wird die Mensch genau das getan haben: einfach nur gelebt ... alles andere ist unlogisch. Als aus dem anfänglichem frugalem Leben ein patriarchöses "Überleben um jeden Preis, aber nicht für Jeden" wurde, ging wie man so schön sagt, der Menschheit die Unschuld verloren. Es wurde der uns so gut bekannte destruktive Mechanismus in Gang gesetzt, die Natur "zu verbessern" - ein nicht endender Wahn, der heute in einer Welt von Andro-Cyborgs mündet und den das Biowesen Mensch vielleicht nicht mehr stoppen kann. Der Andro-Mensch ist nicht deshalb ein unvollkommenes Wesen, weil ein Gott ihn so erschuf, welcher ihm darüber hinaus noch den Auftrag erteilte, sich alles untertan zu machen und die unvollkommene Natur zu verbessern, sondern weil das Wissen um die Endlichkeit des Lebens bei dem patriopathischen Mann ein Streben nach Omnipotenz und einen unkontrollierbaren Selbsterhalt auf Kosten aller anderen auslöste.

Perfektion ist eine Illusion. Jede Art von Verbesserungen unserer Umwelt und unseres körperlichen Selbst sind mit alchemistischer Zerstörung erkauft. Diesen desaströsen Zustand haben wir inzwischen als natürlich verinnerlicht. Einerseits bin ich natürlich auch froh eine Brille zu haben oder an einem Laptop zu sitzen, andererseits steht hinter allen, auch den harmlos erscheinenden Produkten, eine Industrie, deren Technologie schon längst den Planeten frisst. Ich weiß, dass wir das nicht von jetzt auf gleich einfach weg lassen können und wollen schon gar nicht, aber wir sollten ab sofort mit dem Bewusstsein leben, was das alles für uns als Individuum und Gruppenwesen und für die ganze Welt bedeutet. Es wird Zeit, dass wir uns kollektiv von den bestehenden gesellschaftskulturellen Zwangsvorstellungen lösen, die unsere biologische, endliche Natur als irrelevant oder untergeordnet erklären möchte. Weil wir nicht unendlich sind, ist es um so wichtiger unsere fragile Existenz (als Individuum und Phänomen Leben) gegenseitig zu respektieren und zu erhalten und uns auf unseren Ursprung als Menschenart zu besinnen. Vor diesen Grundvoraussetzungen und im Sinne eines humanen Seins ist Niemand berechtigt, sich über andere zu erheben oder an ihnen seine Willkür auszulassen. Die Lebewesen auf diesem Planeten sind seit es dieses Leben gibt, dem organisch-evo-biologischen Geschehen unterworfen und wir Menschen, weder als Individuum noch kollektiv, können oder sollten versuchen sich dem zu entziehen. Was jedoch leider im Kontext des bestehenden Hochpatriarchats nicht nur ständig passiert, sondern noch auf alchemistische* Weise weiter voran getrieben wird. Was vor allem durch die Aktionen des (patriarchalen) Mannes geschieht, die sich mit dem Spruch umschreiben lassen: Teile und Herrsche! Und dieses „Teilen“ nahm seinen Anfang mit der Separierung der Frau von ihrer Mutter, ihrer Sippe, ihrer Geschwistergemeinschaft.

Dabei findet bloß eine trostlose Vereinzelung statt und keine liberale Individualisierung, die sowieso unserer urtümlichen Menschenart widerspricht. Das Potential des (menschlichen) Individuums findet erst in der Interaktion mit der lebensnotwendigen Nähe-Gruppe seinen Sinn. Diese Art zusammen zu leben ist unser selektiertes Sein als die Mensch. In den matrifokalen Gemeinschaften erwarben und verfeinerten wir unsere Menschenintelligenz als Nebeneffekt unserer personellen Interaktion (vor allem mit unserem Nachwuchs) in den Mütter- und Fürsorgegemeinschaften unserer Sippenhabitate. Hier wurde jedes Einzelwesen so gut es ging erhalten und gebrauchte – das ist das menschliche, artgerechte Kontinuum, von dem auch Jane Liedloff schreibt. Leider hat sich seit unserem naturgemäßen Dasein bis heute viel geändert. Wir alle und damit meine ich nicht nur die Frau als solche, folgen den konditionierten und sozial tradierten Vorstellungen und Werten, für die die Patriarchose steht. Es ist quasi ein Zufall, dass wir, die gerade reallebende Frau hier und jetzt, eine relativ friedliche Zeitzone erwischt haben, die uns ermöglicht, uns wieder auf unsere Weiblichkeit und Mütterlichkeit zu besinnen und im Interesse unserer Kinder zu forschen und wieder ans Licht zu holen, was uns verloren ging.

(* ... den Begriff ‚alchemistisch‘ wende ich hier im Sinne der Ausführungen von Claudia von Werlhof an, die das frühe und fortgesetzte Gebaren des zerstörerisch agierenden patriarchalen Mann als 'alchemistisch' bezeichnet...)

Naturgemäße Mutterschaft und Muttersein im menschlichen Kontinuum ist Überleben und später auch kulturelles Leben...
Warum also dieser lange pingelige Vorlauf in dem ich die Mensch und Mutter erst einmal in der Evolution verorte? - Weil es neuerdings in öffentlichen Darstellungen und Debatten für mich stets den Anschein hat, als wären Mütter eine gesellschaftstheoretische Erfindung. Figuren, die auf dem patriarchalen Spielbrett hin und hergeschoben oder gelegentlich ganz herunter genommen werden. Die neuste Entwicklung ist hierbei der Trend: Mutter ist wer sich so fühlt oder um ein Kind kümmert. Wohl in Anlehnung an den Trend sich selbst als Geschlecht seiner Wahl zu definieren, also ein selbstgewähltes Gender zu sein, unabhängig von angeborenen biologischen Merkmalen. Hier ist eigentlich im Sinne der Humanität nichts dagegen einzuweden, solange die Entscheidungsfreiheit für alle gewahrt bleibt und dass sich ein Jedes in kollektiven Diskursen ohne Diskriminierung auch im herkömmlichen Sinn definieren darf.

Jede Mutter darf sich als Mutter definieren. Mit dem Mutterbegriff befasste ich mich schon in verschiedenen Zusammenhängen und stellte dabei irritiert fest, dass es immer noch verpönt ist die schlichte Biologie der Mutterschaft als Ausgangsbasis für das Muttersein vorauszusetzen ... und das ist, so finde ich, sowas von Neunziger. Über die Jahrtausende hinweg galt eine Frau, die ein Kind gebar als dessen Mutter. Für alle anderen Angehörigen gab es andere Bezeichnungen. In der (patriarchal überlieferten) Vergangenheit hatten wir immerhin noch eine Vielfalt an differenzierten Bezeichnungen für Angehörige, die heute alle so gut wie keine Rolle spielen, da wir ja kaum noch mit Verwandten zusammenleben. Dafür hat es sich eingebürgert verschiedene Fremde (Nichtverwandte) in den sozialen Zugehörigkeitskanon aufzunehmen. Freundschaft nimmt für manche einen höheren Stellenwert ein, als Verwandtschaft.

Einerseits wird in der unmittelbaren Moderne die Mutter immer mehr entwürdigt, andererseits möchten alle eine Teilhabe am (idealisierten) Muttersein. So sind auch so manche "neuen" Väter festen Glaubens sie wären die besseren Mütter. Aber hier ist der Mutterbegriff schon nicht mehr als biologischer Begriff zu verstehen, sondern als die ideologisierte und romantisierte Attrappe, die vor die reale Mutter gestellt wird.

Das Mutterideal auch als Muttermythos bekannt ist eine dialektische Spielwiese fern jeden Realismus. Das Mütterliche möchten derzeit so manche(r) für sich in Anspruch nehmen ohne sich dabei auf die Seite der Mütter zu stellen. Hier muss die Frage gestattet sein wie es zu diesem absurden Trend kommt? Die konkret existierende Mutter-Person wird immer mehr zurückgedrängt und sogar ihrer Menschenwürde beraubt, gleichzeitig wird die idealisierte Vorstellung von Mutter immer höher gehängt. In der gesellschaftlichen Wahrnehmung ist die reale Mutter fast unsichtbar, als Sündenbock und Prügelknabe in der gesellschaftlichen Wahrnehmung jedoch stets präsent. Ihr, der Mutter, wird über all die Männergemachten Gesetze, den stupiden Mainstream und der opportunen Politik die Berechtigung abgesprochen ihre Mutterkompetenz auch allein wahrzunehmen. Sie wird nur noch als hälftiges Elternteil definiert und dem Vater des Kindes per se ein Lebenslanges Mitbestimmungsrecht eingeräumt. 

Der Vater will das Kind! Dereinst war es in privilegierten römischen Familien-Herrschaftsgebilden sehr beliebt und auch üblich, zu adoptieren, also an Kindes statt anzunehmen. Dafür wurden extra Gesetze geschaffen, von Männern für Männer. Denn es ging um Vermögen und um Status. Mit den Frauen hatten diese Abläufe nicht viel zu tun. Diese durften sich dem Gatten beugen oder wurden zur Pflege abkommandiert, wenn es sich um Kinder handelte. Aber eigentlich war damals eher die Erwachsenenadoption en vogue. Mit anderen Worten, diese Art des "Kinder kriegen" war eine rein männliche Angelegenheit - und natürlich nur in privilegierten Kreisen. (wie in dem bekannten Roman "Ben Hur" - da wird der Sklave Judah von dem, von ihm geretteten Römer adopiert und erbt später dessen Vermögen)
Im Laufe der Jahrhunderte festigte sich das männlich betonte Familienkonzept bis in die Neuzeit mit der Familiengründungserlaubnis für jedermann und heute darf sogar Frau eine "Familie gründen". Auch sie darf (wem auch immer) einen Antrag machen. Trotzdem besitzt auch die moderne Frau nicht etwa das Recht 100% Mutter sein zu dürfen oder ihr Kind im matrifokalem Sinn aufzuziehen. Sie kämpft im Rahmen der Väterideologie quasi weiterhin um das von ihr geborene Kind, welches naturgemäß das biologische matrifokale Erbe in sich trägt. An diesen realen (evo-biologischen) Tatsachen hat sich ja auch im Laufe der Patriarchose nichts geändert. Die Frau, die das Kind gebar, ist die leibliche (genetisch-biologische) Mutter, der dann selbstverständlich das Kind zugeordnet werden muss. Und da war/ist es erst einmal nicht von Bedeutung, ob sie danach in der Lage ist, das Kind selbst zu nähren und aufzuziehen. Für ein verwaiste Kind gab es schließlich im natürlichen Kontext die Muttersippe - Das Matrifokal. Und auch wenn es (in patriarchalen Verhältnissen) vorkommt, dass Kinder aufwachsen, deren Mütter unbekannt sind, ist es trotzdem klar, dass sie eine gehabt haben. Das kam und kommt zum Beispiel in patriarchösen Kriegswirren immer noch vor.

Der naturgemäße Mutterstatus wird im Patriarchat immer der Vatermacht untergeordnet. Der Frau blieb nur die Identifikation mit ihrer körperlichen (biologischen) Mutterschaft, die kaum eine gesellschaftliche Relevanz hatte, denn im (Hoch)Patriarchat gehört das Kind dem Vater! Das wurde und wird noch immer in vielen Gesetzeslagen festgeschrieben. Für die patriarchal unterworfene Mutter konnte das verschiedene Folgen haben. Man konnte sie verstoßen und ihr Kind blieb zurück oder sie wurde anderweitig willkürlich von ihrem Kind getrennt, was im Sklavenstatus für beide üblich sein konnte. Der Mutterbegriff fiel daher immer wieder in unterschiedlicher Weise dem jeweiligen gesellschaftspolitischen Konsens zum Opfer. So wie ab der Romantik das 'liebe Mütterlein' verklärt wurde, sich jedoch an den meist harten Alltagsbedingungen der realen Mütter nichts änderte.
Ein typisches Merkmal der patriarchösen Zeiten ist u.a. die Stiefmutter. Diese Frauen wurden durch die Heirat mit einem Witwer zur Fürsorgeperson der vorhandenen Kinder und wir können in Märchen und diverser Literatur nachlesen wie sich das u.U. einst gestaltete. Die Frau wählten eher selten den Ersatzmutter-Status freiwillig, sondern bekamen ihn bei der Heirat zugewiesen. In diesem Sinn gibt heute keine Stiefmütter mehr, es sei die richtige Mutter stirbt wirklich.

Frauen und Mütter - nicht immer eine einheitliche Geschichte...
Heute stehe ich immer wieder verblüfft dem vorauseilenden Gehorsam anpassungswilliger Frauen gegenüber, welche die Kernkompetenz der Mutterschaft eifrig demontiert, weil sie, manchmal selbst Mütter, trotzdem irgendwie keinem/r weh tun wollen (wem eigentlich) und das vielleicht auch nur, damit ihnen keiner wehtut. Es hört sich absurd an, aber 'man' kooperiert mit einem Mütterfeindlichem System um in diesem mit dem Kind zu überleben. Baut man deshalb die reale Mutter zu einem Ideal um, dass allen zugänglich gemacht werden soll?
Zitiere aus einem anderen meiner Beiträge: „Eine Frau und ebenso wenig ein Mann, wird nicht durch Kinderpflege und durch Nachahmen von Mütterlichkeit die Mutter eines bestimmten Kindes! Die Mutter ist jene Frau, welche das Kind gebar ... alles andere sind jeweils sozio-kulturelle und konventionelle gesellschaftliche Absprachen oder in bestimmten Fällen ein fürsorgendes Erfordernis. Und auch wenn eine Pflegemutter eine wunderbare Ersatzmutter ist, sollten doch die Begrifflichkeiten nicht verwischt werden. Es ist nicht beliebig wer ein Kind aufzieht! Die moderne Tendenz so zu tun, als wäre es egal, ist eine böse Falle im patriarchösen Regelwerk und dient dazu die Mutterschaft als solche zu verunglimpfen um der realen Mutter ihre Mutterkompetenz (und damit das von ihr geborene Kind selbst aufzuziehen) streitig zu machen...“

Stephanie Ursula Gogolin
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05 Juli 2017

Vogelmamas brüten gleichzeitig


... was geschieht denn im Frühjahr? Alle Vogelweibchen brüten zur gleichen Zeit und ziehen anschließen ihre Brut auf. Das ist schon das ganze Geheimnis, warum Vögel ein gemeinsames Brutpaar bilden. Für ein Weibchen dürfte es unmöglich sein zu brüten und sich gleichzeitig zu versorgen, es braucht eine Unterstützung. Da jedoch alle anderen Weibchen ebenfalls brüten, hatten die Spezies nur eine Chance, wenn die Männchen, die eh nichts zu tun haben, diese Unterstützung stellen.

Die so gern verklärte Art der trauten Zweisamkeit ist also eine selektierte Strategie und die Spezies, deren Weibchen die Eier warmhalten müssen, setzen dabei auf männliches Mittun und einige davon auf „lebenslanges“ paarweises Brutverhalten. Nach dem Brüten ist es für den Fortbestand der Spezies vorteilhaft, wenn zu zweit gefüttert wird. Dabei jedoch davon auszugehen, dass es sich hier um ein genetisches Elternpaar handelt, ist auch reine Spekulation und wäre wohl eher ein Zufall. Die Female Choice, als eine evolutionär selektierte Überlebensstrategie, kommt gut ohne sexuelle Treue oder gar kulturelle Irrungen wie Monogamie oder  menschengemachte
moralische Geboten aus.

Hier liegt es auch nahe, dass bei Rabenvögel, die ohnehin einen relativ engen Sozialverband leben, sich auch noch andere Mitglieder innerhalb des mit einander verwandten Schwarms, umeinander kümmern. Rabenvögel gelten als recht intelligent. Säugetiere ticken allerdings noch anders als die direkten Nachkommen der Saurier, die Vögel.

Die Sippenverbände der Pflanzenfresser leben beispielsweise eine spezifische Kooperation, die der Spezies zu Gute kommt (ein selektiertes Verhalten, das den Fortbestand diverser Spezies bis heute sicherte) und zwar in verschiedenen Nuancen, was die Berücksichtigung des Individuums innerhalb der Herde betrifft.

Bei Delfinen und Elefanten ist recht deutlich dass es sich hier vor allem um größere Mutterverbände handelt. Auch die Mensch zog/zieht ihren Nachwuchs in matrilinearen Bindungsgruppen (generative Fürsorge-Gemeinschaften) auf. Das männliche Mitglied einer Angehörigengruppe hatte/hat einen Status als Sohn und Bruder und war damit schon immer ein selbstverständlicher, verlässlicher Teil der menschlichen Sippenstruktur.

Der Denkfehler, der in der patriarchalen Verwirrung so gern gemacht wird, stellt sich eine frühe menschliche Lebensgruppe als ein wahlloses Zusammentreffen und Zusammenleben erwachsener Menschen vor, die bindungslos und willkürlich die Urzeit bevölkerten und sich gelegentlich zu (monogamen) Paaren zusammen taten. Wir wissen inzwischen, dass das nicht so war, ja sogar unmöglich so gewesen sein konnte.

Wir können davon ausgehen, dass Menschen von Anbeginn in ihre (matrilokale und sowieso
matrilineare) Angehörigengruppe hineingeboren wurden und in der Regel in dieser - ihrer Muttersippe - bis zu ihrem Tod verblieben. Das zyklische Dasein, dass das Nachrücken des Nachwuchses und Wegsterben der Alten, macht das menschliche Kontinuum aus und rankt sich als menschenartgerechte Verhaltensweise um das weiblich-mütterliche Sein. Diese Art des Lebenserhaltes war/ist ein Naturgeschehen.

Erst durch zunehmende Kultureffekte, welche die Mensch kreierte und komplex weiter entwickelte, entstand eine spezifische menschliche Natur-Kultur-Koalition, die das reine Naturgeschehen auf ein anderes Level verlegten. Die für uns Meschen dramatischste Veränderung setzte jedoch erst ein, als im Neolithikum neugeschaffene patriarchale Strukturen die artgerechten Lebensrhythmen der Matrifokalität verdrängten und sogar zerstörten.




27 August 2016

Der patriarchale Urknall oder die Kultivierung des psychopathischen Narzissmus

Psychopathen begegnen uns recht oft als empathische und charmante Narzissten, die virtuos ihr ebenso soziopathisches Equipment, bestehend aus Eigennutz, Gefühllosigkeit, Gemütskälte, Gemeinheit und sogar Grausamkeit einsetzen, um sich zu profilieren und dabei ihre Umwelt kontrollieren oder auf Kosten anderer ein elitäres Leben zu führen. Hier ist nämlich nicht der offen gewalttätige psychopathische Kriminelle gemeint, der früher oder später seine Tage im Knast verbringt oder seine inhumane Präferierung in militärischen oder wahlweise terroristischen Modulen auslebt, sondern der im Alltag brillierende skrupellos-geniale Karrierist und Machtmensch, der sein Umfeld gekonnt einwickelt und gegebenenfalls über Leichen geht.

Ein Mensch, der sich an allem und jedem bereichert, sowie aus Machtspielchen oder Größenwahn - Projekten nicht nur einen Nutzen, sondern selbst noch sein Vergnügen zieht.

Meist sind sie die (unerkannten) Energievampire, die fast jeder gern füttert, besonders Frauen. Man bzw. frau kann sich oft deren scheinbarer und vorübergehender (siehe sogenannte Heiratsschwindler) Bedürftigkeit nicht wirklich entziehen und fühlen sich geschmeichelt helfen zu können. Ihr Wunsch sich unentbehrlich zu machen, kommt dem Initiator entgegen, der auf willige Paladine angewiesen ist, um sein Wohlergehen zu gewährleisten oder seine Pläne umzusetzen. Der intelligente Psychopath macht Menschen von sich abhängig (hier finden wir auch den, plötzlich nach der Hochzeit prügelnden Ehemann). Er ist der geborene Herrscher über Gutgläubigkeit, Ängstlichkeit, naiven (Gott)Vertrauens und emotionaler Unterversorgung seines Gegenübers. Er fühlt sich als König der Welt und manchmal wird er es auch.

Da also psychopathologische Erkrankungen natürlich sind, wären diese auch für das gesamte Tierreich normal und man könnte sich fragen, hätten sie ähnliche Auswirkungen? Für manche fällt die Entstehung der patriarchösen Kultur in den Menschengemeinschaften unter eine 'natürliche' Entwicklung. Ich sehe das etwas anders. Denn das würde ja bedeuten, es könnte bei jeder ähnlich intelligenten Tierarten früher oder später vorkommen, dass das maskuline Geschlecht als Unterdrücker auftritt! Demnach könnten auch andere Säugetierarten innerhalb der eigenen Spezies in maskulinen Cliquen auftreten und sich in gewaltsam durchgesetzten hierarchischen Strukturen etablieren. Wie der Menschenmann würden sie mit dem Instrument der Unterdrückung schwächere Lebewesen nicht nur dominieren, sondern ein dauerhaftes männlich zentriertes System ausbauen und in maskuliner Linie vererben (genetisch). Nehme dann also derlei Geschehen seinen Lauf, würde sich wie beim Menschen ein kriminelles sowie gewalttätiges, also gemeinschaftsschädliches Verhalten einstellen? 

Ein psychopathischer Schimpanse oder Bonobo könnte sich also auch zum Affenkönig aufschwingen, eine stehende Armee aufstellen und die Weibchen in eine Art Zuchtharem überführen? Wohlgemerkt als 'natürliche' nicht als kulturelle Entwicklung. Die Frage ist also: wo endet hier die Natur und wo beginnt die Kultur? Wie ginge eine andere Spezies damit um? Würde so ein repressives Verhalten der Machtübernahme innerhalb der interagierenden Gruppen toleriert oder gar so gefördert, damit das bisherige naturgemäße und artgerechte Gebaren sukzessive dadurch (gezielt) verändert wird und würde die Spezies das überstehen?

Müssen wir täglich damit rechnen, dass sich z.B. psycho- und soziopathische Menschenaffen, intelligente Delfine oder auch naheliegend, Elefantenbullen mit ähnlichen (Charakter)Störungen zusammentun und dann versuchen die Kontrolle über die Horde bzw. Herde an sich zu reißen, wie es beim männlichen Menschen vorkam und immer wieder vorkommt? Werden sie innerhalb der eigenen Spezies den Alltagsablauf gewaltsam kontrollieren und bestimmte, beispielsweise weibliche, Individuen tyrannisieren und dauerhaft gefährden? Oder sind sie noch nicht so weit, weil es ihnen an einem kulturellen Ambiente fehlt? 

Ab wann also greift die evolutionierende Natur und bringt auch bei anderen Spezies narzisstische Psychopathen hervor, die immer wieder versuchen die Gesellschaft, Pardon, die Horde oder Herde zu beherrschen, bis es ihnen gelingt ähnlich der (patriarchal orientierten) Menschengesellschaft die Kontrolle über das  Alltagsgeschehen despotisch durchzusetzen? Ist es tatsächlich nur eine „natürliche Entwicklung“ oder ist der Mensch auf Grund seiner selbst kreierten kulturellen Disposition ein besonders störanfälliger Ausnahmefall im Tierreich?

Entscheidend ist für mich die Frage: was war zuerst da – ein angenommener (natürliche) Drang die eigene Art anzugreifen und u.U. auszurotten, weil man die (jetzt männlich gesteuerte) Ingroup über die (als Bedrohung empfundene) Outgroup stellte? Oder weil Mann sich in seiner Selbstherrlichkeit sprich in seinem individuellen, maskulinen Selbsterhalt bedroht fühlte, aber dabei unabdingbar für sich die Basisversorgung (der Ingroup) erhalten muss?

Vielleicht sind aber beide Varianten auch dasselbe! Denn der entsprechenden kulturellen Evolution ging bereits die Entwicklung von Jagdwaffen voran, die zu Vernichtungswaffen weiterentwickelt wurden. Hinzu kam später die erhöhte Mobilität durch Zuchttiere, hier besonders des Pferdes. In beiden Varianten stecken wir bereits bis über beide Ohren im Beginn der nachhaltigene Patriarchose.

Ist das Entstehen von psychopathologischen 'Erkrankungen' oder Störungen vergleichbar mit einer Grippe oder einer anderen Erkrankung des Körpers? Oder ist eine gefährliche Häufung der narzisstischen Störung, die ihren Ausdruck auch in gewalttätigem Verhalten hat, auf ein entsprechendes Umfeld zurückzuführen, das neben der gesellschaftlichen Akzeptanz von Gewalt durch die Gewalttäter oder Geiselnehmer, selbst und zunehmend durch die Hilflosigkeit der, dem Stockholmsyndrom anheim gefallenen Opfer gefördert wird? Wie viele Narzissten, Soziopathen und Psychopathen, beherrschen allein inzwischen unsere Wirtschaft oder profilieren sich als Ideologen, Religionsführer und Herrschaftspolitiker?

Es ist daher ab einem bestimmten Zeitpunkt in der Geschichte bestimmten Menschenmännern immer wieder gelungen erst das äußere Umfeld, bestehend aus den, ihnen gefährlich erscheinenden Outgroups, durch Bekämpfen zu unterwerfen oder ganz zu vernichten und damit ihre Welt, während ihrer Lebenszeit, zu kontrollieren. Später übernahmen das Konzept 'des optimierten Selbsterhaltes' die Männercliquen der Privilegierten, die innere Kontrolle auch über die letzten sozialen Matrifokal-Gemeinschaft - durch Ideologie, religiöse Intoleranz sowie Ignoranz. Die naturgemäße matrifokale Ingroup verlor schlicht weg ihre Basis - die innere und äußere Freiheit. Der bis dahin tradierte Alltag erlosch endgültig (in der Praxis und allmählich auch in den kollektiven Erinnerungen) und andere, androzentrierte, Traditionen wurde installiert. Das artgerechte Konzept einer weiblich-mütterlichen Sozialordnung fiel der rücksichtslosen, patriarchalen Geiselnahme anheim. Das Gefüge des naturgemäßen und bereits kulturgeformten Matrifokals wurde durch die androzentrierte Zivilisation überschrieben bzw. gegen Machtformationen, beherrscht durch Väter und deren Söhne, ausgetauscht.

Die gewaltsam durchgeführte und oft dauerhafte Trennung der konsanguinen* Mutter-Tochter-Schwester-Bindungen sowie der daraus entstehende Unterbrechung der Überlieferungen des menschenartgerechten Kontinuum, ebnete den kontrollbesessenen maskulinen Vertretern der psychopathisch initiierten Patriarchose endgültig den Weg in die Gesellschaftsform des etablierten Patriarchat. Diese gesamte Entwicklung ist ohne den Einsatz von Waffen und willigen Gefolgsleuten der jeweiligen Herrscherkaste nicht vorstellbar. Waffen sind die Errungenschaft einer bereits androzentrierten und damit maskulin gesteuerten einseitigen Kultur. Das, Töten und Versklaven einschließende, Beherrschen von blutsverwandten** bzw. untertanen*** Angehörigen (hier finden wir die gesamte Weiblichkeit) wurde zur gesellschaftlichen Norm.

Dieser Art des männlichen Selbsterhalts liegt ein männlicher Kontrollwahn zugrunde und ist die blanke Selbstsucht. Dadurch initiierte und förderte man dramatisch die Un-Geborgenheit des Individuums in diesen neu aber nicht vorteilhaft definierten Sozialstrukturen. Wir können den Auftakt der Patriarchose als den Beginn einer permanenten Geiselnahme des Lebens definieren - d.h. als einzelne kriminelle Handlung, als weitreichende kollektive Auswirkung wie Raubzüge und Kriege, als ideologische Unterwerfung, welche die extreme Mütterentwertung und die, zum Teil immer noch bestehende, Versklavung der Frau, in seiner Auswirkung bis heute verdeutlichen.

Diese Art der Geiselnahme der einst friedfertigen Urgemeinschaften brachte nicht nur als kollektives Merkmal das typische Stockholmsyndrom hervor, sondern erwies sich auch bis heute als der ideale Nährboden für jede Art von psychopathologischen Störungen. Allerdings zog sich diese an Gewalt und Kontrolle orientierte Entwicklung über einige Jahrtausende hin und sie ist bis heute nicht abgeschlossen. Von einem Postpatriarchat kann also noch keine Rede sein.

Immer wenn in relativ friedlichen Zeiten sich langsam die Tendenzen des naturgemäßen Agieren der Frau, die Female Choice und selbstverständliche Mütterlichkeit Bahn bricht, kommt es zu einem, oft sehr heftigen, Backslash in der patriarchalen Gesellschaft. Wir können es gerade wieder beobachten und müssen meiner Meinung nach sehr wachsam sein, dass die naturgemäße Freiheit der Frau, die sich gerade unter den derzeit humanen gesellschaftlichen Bedingungen wieder entfaltete, nicht zerschlagen wird. Zum Beispiel durch die rigide und rücksichtslose Struktur einer penibel kultivierten gewaltbereiten Ideologie (und den theistischen Vater-Religion) mit ihren eindeutig sozio- und psychopathischen Zügen.

Wenn wir also diesen Überlegungen folgen und heutige Erkenntnisse und Erfahrung damit abgleichen, gibt nur noch in den Enklaven der matrifokal lebenden Großgemeinschaften (noch existierende indigene Volksgruppen) und in wenigen individuelle Nischen nicht nur die einzigen freien Frauen, sondern auch keine machtbesessenen Psychopathen.

Abschließend zitiere ich dazu Gabriele Meixner (siehe Anne Beck auf FB): »Für uns heißt Leben: keine Gewalt. Für uns heißt Leben nicht: Macht über andere Lebewesen sondern Macht in uns, Macht des Seiens, Macht der Anwesenheit.« Diesen viel zitierten Satz schrieb Erika Wisselinck in ihrem Buch »Frauen denken anders« (1984)

* verwandt durch Geburt in mütterlicher Linie
** z.B. eigene Kinder, die der Macht oder Willkür eines Vater/Herrschers unterworfen sind...
*** sogenannte Ehefrauen, die Mütter der Kinder, die einem Vater/Herrn zugeordnet sind sowie andere weibliche Untertanen, die für das Wohl des Herren und seiner männlichen Verwandten und sonstigen Verbündeten zu sorgen hatten/haben. Der Spielraum der persönlichen Entfaltung, der weiblichen Mitgliedern einer Hausgemeinschaft oder einem anderem Einflussbereiches eines privilegierten Mannes zugestanden wurde, war stets der Willkür oder Gnade des jeweiligen Vaters/Herrn/Herrschers anheimgegeben…

Stephanie Ursula Gogolin

20 September 2015

Rationalität versus Spiritualität und Fantasie

Liebe Freundin, in deiner Arrgumentation sind wir an dem beliebten Punkt angekommen die Spiritualität fein säuberlich vom rationalen Denken und Handeln zu trennen. Dem Spirituellen wird das Esoteriklabel aufgeklebt und diese Begrifflichkeit ins Irrationale verschoben. Ich frage jedoch zurück: ist Rationalität und Spiritualität tatsächlich ein Widerspruch? 

Beides sind imho Leistungen unseres Gehirns und unseres fühlenden Gesamtkörpers. Und auch wenn angenommen wird, die Rationalität, der denkerische Akt, ist kein Gegensatz zur "gefühlten" Spiritualität, wird doch meist einem von beiden eine höhere und damit bessere Qualtität zugewiesen. Je nach kultureller Ausrichtung und persönlicher Vorbildung. Dazu kommt, dass Spiritualität immer noch wie ein von außen kommender Zustand behandelt wird, etwas das außerhalb unseres Selbst vorhanden ist und das wir ablehen oder annehmen können. Das ist aus meiner Sicht eine Fehlinterpretation (der Begrifflichkeiten) oder zumindest ein ungenauer Ansatz.

Spiritualität ist imho die, einem jedem Menschen innewohnende Geistigkeit und somit in spezieller eigener Form in jedem Individuum vorhanden und verfügbar. Nur wird sie scheinbar nicht von jedem als solche identifiziert bzw. genutzt oder findet eine andere Bezeichnung.

Die modernen Formen der Erziehung und Konditionierung unterbrechen gern die Verknüpfung zum freien spirituellen Ausdruck der Menschen und die fühlende Verbindung zu allen „beseelten“ Wesen und Arten um uns herum. Statt dessen wird (im patriarchalen Kontext) unsere stets auf Empfang stehende Geistigkeit auf Ideologien oder die Wertekataloge erfundener Gottes-Einheiten gelenkt. Wenn also jemand glaubt, nicht "spirituell" zu sein, dann hat das vielleicht etwas damit zu tun, dass 'er' oder 'sie' bei sich selbst nicht wirklich angeschlossen ist, diese Art der individuellen geistigen Dimension verdrängt hat oder von Kindheit an so manipuliert wurde, dass statt den eigenen spirituellen Kosmos zu ergründen, darauf trainiert wurde andere Konzepte nachzubeten.

Die eigene Spiritualität nicht wahrnehmen, heißt auch sich der eigen Intuition zu verweigern oder (durch Konditionierung) nicht dazu der Lage zu sein zu spüren, was das geistige Innere ausmacht.


Es kann hilfreich sein über Spiritualität im allgemeinen nachzudenken, wir sollten aber davon ausgehen, dass sie die eigenkörperliche Variante ist, die unser immanentes Fühlen mit unserer Geistestätigkeit und unsere, sowohl spontanen wie auch willentlichen, Handlungen verknüpft. Wobei es ja heißt, so etwas wie den freien Willen gibt es nicht, da auf Grund unserer persönlichen komplexen Erfahrungslage die Entscheidungen in unserem Gefühlskomplex oder -zentrum bereits gefallen sind. Das sogenannte rationale Denken ist nur so etwas wie die Endausgabe in die bewusste Interaktion mit dem vorhandenen Nähefeld (Anwesenheit anderer Menschen und das sonstige lebendige Umfeld). 

Die uns eigene Spiritualität, also unsere persönliche innere Geistigkeit, ist das Koordinatensystem bzw. Erklärungsmodell der Weltwahrnehmung deren Mittelpunkt wir selbst sind. Das Gespür mit dem wir uns mit den lebendigen Wesen um uns vernetzen. 

Leider haben viele der uns umgebenden Phänomene (natürlicher onder kultureller Art) inzwischen einen Bezeichnungskatalog, der (uns) mehr verwirrt als hilfreich ist. Wenn wir bestimmte Verbindungen und Vernetzungen (manchmal nur diffus) wahrnehmen, gibt es heute keine Bezeichnungen dafür (oder darf es nicht geben), es sei die Naturwissenschaft kann endlich durch Messung und andere "Abhörtechniken" beweisen, dass zum Beispiel Bäume oder andere Pflanzenkomplexe lebendige (gut wussten wir schon), fühlende (ahnten wir bereits) und denkende (ach wirklich!) Wesen sind. Das sich nach außen bemerkbar machende Innenleben der Pflanzen (und Tiere) und unsere Beziehung dazu, nannte man bisher vielleicht Devas, Naturgeister oder Anderswelt. Diese rein geistige Vernetzung der Interaktion mit unserer Umwelt ist eine sprituelle Leistung, ein Ausdruck unserer Spiritualität.

Die/der Mensch verarbeitete alle Signale im Außen mit all ihren Sinnen und zwar in den Programmen: 'Intuition', 'Spiritualität', 'Fantasie' und einigen mehr. Es sind alles Überlebensprogramme, die evolutionierten Ausdrucksmöglichkeiten unseres Körpers, auch um das was in unserem ureigensten Innenleben abläuft, nach außen hin sichtbar werden zu lassen.

Oft wird Spiritualität und Religiosität in einen Topf geworfen und ich sage, sie sind überhaupt nicht identisch. In der Religiosität folgt man (von anderen) vorgedachten Entwürfen oder Ideologien und gebraucht die eigene Spiritualität um diese angebotenen Formen zu adapzieren und mit Leben zu erfüllen. Die christliche Nonne ist hier ein Beispiel dafür, wie sehr das eigne spirituelles Sein einer Frau in enge religiöse (und patriarchale) Vorgaben eingeschlossen sein kann - Nonnen dienen einem männlichen Vatergott und tun z.B. "Gutes" für die Armen; sie lindern Mangelerscheinungen und Grausamkeiten dieser Welt, die erst durch die Erschaffer der Vatergottheiten initiiert wurden und damit eben diese körperliche und geistige Armut über den Großteil der Menschheit  brachten. Hildegard von Bingen ist eine der (wenigen überlieferten) Frauen, die es geschafft haben ihr spirituelles Sein durch den Wust der Einschränkungen einer monotheistischen Religion noch hindurch schimmern zu lassen.

Liebe Freundin, du bist auf jeden Fall ein spiritueller Mensch, aber nicht weil du dir das "erarbeitest" hast, sondern weil du es schon immer warst. Das spirituelle Sein gehört zu deiner menschlichen Grundausstattung. Leider wird unser geistiger (erworbener) Reichtum und unsere ererbten (instiktiven, also 'gnetisch' angelegten) Fähigkeiten im Zuge der gesellschaftlichen Verformung (elterliche und allgemeine kollektive Erziehung, Schule, Mainstream), meist erst einmal zurück gedrängt, überschrieben und verschüttet. Wenn wir uns später frei machen von dem Druck der Verbildung, des Verbiegens und verschiedentlicher Verführung, legen wir automatisch, wenn es gut läuft, das Verschüttete wieder frei (manchmal mühsam). Es ist erstaunlich was da zu Tage treten kann und wie wir uns dann vielleicht wieder an die weite freie Welt unserer Kindheit anschließen.

Eine enge Verbündete unserer Spiritualität ist unsere Fantasie (vielleicht sind sie sogar identisch). Das bewusste, das verbindliche Tun, dass besonders uns Müttern zu eigen ist, ist eigentlich immer durch unsere Spiritualität (unsere innere Geistigkeit) unterlegt. Mütter handeln intuitiv und sie handeln dabei bewusst. Je mehr wir dem (intuitiven) Bewusstsein Raum geben, desto mehr kommen wir in unserer Mitte - in die symbolische Mitte unseres weiblichen Seins (Der Mann ist immer gern mitgemeint). 

Fantasie ist dabei ein (das) Werkzeug der Gestaltung und von unserer Mitte aus erreichen wir all die anderen „Fantasiebesitzer“, die uns umgeben. Fantasie ist die vorhandene Fähigkeit zur Abstraktion, das kreative Potential des Menschen, das Fühlen und Denken in Bildern. Bezogen auf unsere sprachliche und logische Leistung, auch Ideen genannt. Es ist unsere angeborene Vorstellungskraft, die innere Bilder, also eine, unsere eigene, 'Innenwelt' erzeugt... (siehe dazu auch Wikipedia u.a. Quellen).

Die Vorstellungskraft der jeweiligen Fantasie bezieht ihre Bausteine demnach aus den vorhandenen Erfahrungs- und Lernwerte, das heißt sie öffnet die „Schublädchen“ der Synapsen oder anders, sie greift auf die synaptische Effizienz der neuronalen Netze zu und somit auf unsere Gedächtnisinhalte, die aus einer schier unglaublichen unterschiedlichen Vielfalt bestehen und die niemals das Gleiche beinhalten können, wie die der anderen, neben uns lebenden Menschen. Vor allem die unbewusst gespeicherten Daten führen zu den erstaunlichsten Effekten und hier sind wir schon in der Dimension, die auch als Magie bekannt ist. Jedenfalls ist unser innerer Erfahrungs- und demnach individueller Wissen-Reichtum um ein vielfaches größer, als uns durchschnittliche Schulweisheit einreden will.

Und das ist das Fantastische an der Fantasie - aus all dem können wir unwillkürlich aber auch bewusst immer wieder neue Bilder und Ideen kreieren. Visionen kommen eher aus dem Unbewussten. Aber unsere persönliche Vorstellungskraft ist die eine Sache und das verantwortungsvolle Umsetzen und Handeln, die andere!

Somit ist Fantasie keine geheimnisvolle absolute Größe. Die Ausformung der eigenen Fantasie entsteht im Menschen im Laufe seiner persönlichen Entwicklung... sie ist die, einem jedem Menschen eigene, geistige Parallelwelt, in der sie/er sich nach Belieben aufhalten kann. So oder so, wir haben diesen geistigen, abstrakten Kosmos in uns, um zu überleben. Der Mensch ist vom ersten Moment der Zellteilung an ein absolut einmaliges (Menschen)Wesen, das einen Selbstwert besitzt. Da muss auch nichts oder wer, kommen und ihm seinen Selbstwert verleihen. Das Individuum Mensch ist in der Lage in seinem Geist ganze Welten zu erschaffen, ohne dass ein anderer davon etwas mitbekommt - das ist die konkrete Form der Anwendung der Fantasie. Denn wie gesagt, die Fantasie ist ebenfalls eine (körpereigenes) Instrument, die ureigene innere (virtuelle) Mal- und Gestaltungsfläche.
Wir besitzen also eine angeborene Vorstellungskraft und die Imaginationsmöglichkeit innere Bilder zu erzeugen, deren Umsetzung nach außen ein Jedes nach seinen Fähigkeiten und Begabungen Ausdruck verleiht - durch Sprechen, Tanzen, Singen, Malen, Musizieren, Erzählen, Kochen, Schreiben, Bauen, Natur- und Werkstoffen gestalten oder anderen Handlungen. All diese Strategien der Lebensbewältigung im zugewandten (Fürsorge)Gruppenalltag kannten und konnten wir schon an den Feuern der Steinzeit oder mehr oder weniger schon lange vorher.

Ein Kind (bzw. jedes Lebewesen) nimmt vom ersten Moment des Daseins alle es umgebende Eindrücke auf – die Signale unserer komplexen natürlichen Welt, in die es hineingeboren wird – es ist alles schon da - wir lernen mit jedem Tag mehr damit umzugehen (weißt vielleicht noch eine, welche inneren Bilder die eigene Vorstellungskraft uns als Dreijährige bescherte?). Was wir im Laufe der Zeit (an Eindrücken) sammelten, kommt zu dem in unserem Gehirn und in jeder Zelle unseres Körpers angelegten Fundus, unserer persönlichen „Erbmasse“, hinzu. Und wir fangen seit dem Mutterleib an auf unser üppig angelegtes Menschenpotential zuzugreifen. Eine unserer Befähigungen mit der Welt in Kontakt zu treten und in ihr mit all den anderen Menschen zurecht zu kommen, ist eben die Fantasie und/oder unsere Spiritualität. Sie sind unser Experimentierfeld, Rückzugsraum und unsere Probebühne. Die hier entstandenen Konzepte tragen wir in unserem Handeln und Verhalten nach außen.

Fantasie sowie Spiritualität findet im eigenen Kopf (Bilder) bzw. Körper (dazu gehörende Gefühle) statt und ist erst einmal keiner Beurteilung unterworfen, außer der eigenen. Zu meiner inneren Welt hat niemand sonst Zutritt. Erst wenn ich versuche mit meinen, mir eigenen Mitteln meinen Fantasien Gestalt zu geben, können andere diese wahrnehmen und von ihnen entzückt sein oder sich abwenden. Heute verfügen wir Frauen  über viele Freiräume uns angemessen und gemeinschaftsoerientiert auszudrücken (bezogen auf unsere gesellschaftskulturelle Ortung), was in der langen Zeit des Patriarchats nicht immer so war und noch ist. Das Wichtigste für jedes Kind, das anfängt sich seine Welt zu erober,  ist ihm Zeit und Raum zur Verfügung zu stellen und die Möglichkeiten zu bieten die inneren Bildern der Fantasie den passenden gestalterischen Ausdruck zu verleihen.

Außerdem - die Kraft der Fantasie muss nicht per se gut und schön sein. Nicht umsonst gibt es Worte wie „Gewaltfantasien“ oder „fantasielos“. Unser eigener innerer Wertekompass, die Fähigkeit sich mit 'richtig' und 'falsch' auseinander zu setzen sowie unser empathisches Empfinden, nordet die Ausdrucksformen unserer Fantasie und unserer Spiritualität ein. 

Die Fantasie ist stete sich ergebende Hochrechnung und Neukombination aller gesammelten Erfahrungswerte. Sie ist die innere Bühne auf der unser eigenes Stück läuft und wir wenden die Elemente der erlebten, eignen Erfahrungen und unserer Grundausstattung an. Eine meiner Theorien dazu ist auch, unsere (positiv performten) Fantasien erhalten uns "gesund" und am Leben, wenn die Alltagsumstände ein glückliches oder zufriedenes Leben vielleicht gerade verhindern. Als Lebewesen steuern wir immer Wohlbefinden an und dazu wird alles aufgewendet was uns zur Verfügung steht, es ist ein evolutionärer Effekt des Selbsterhalt. Alles was wir als Menschen können, uns als Spezies angeeignet haben, entspringt und fließt in die Kombination Arterhalt durch Selbsterhalt. Und das was wir rationales Denken nennen, ist eine Kombination aus all unseren inneren geistigen Möglichkeiten wie die Kraft der Spirtualtät oder eben auch die Fantasie...

Stephanie Ursula Gogolin
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13 Juli 2015

...eine grundlegende Betrachtung zur lebendigen Matrifokalität

'Das Leben' auf unserer Welt ist ein Phänomen, dass sich dadurch auszeichnet, dass es a) existiert und b) den immanenten Drang besitzt weiter zu existieren. Und um 'weiter zu existieren' arrangiert sich jedwede Lebensform mit den gegebenen Umweltbedingungen und passt sich permanent an. 'Das Leben' ist das gigantische Spektrum an (organischen) Lebewesen, mit denen unser kleiner Planeten überzogen ist ... im Wasser, im Erdreich, auf dem Erdboden und in der Luft. So entstanden alle, sich gegenseitig beeinflussende Effekte, die 'das Leben' in all seiner Vielfalt erhalten und überleben lassen.

Ein außerdem vorhandenes Regulativ ist die natürliche und daher unwillkürliche Selektion – der dumme Zufall oder besser die durch Kausalität bestimmte Unvorhersehbarkeit - selbst im Chaos herrscht die Ordnung des "es hat alles einen Grund".

'Das Leben' hat sich die materielle Grundausstattung der Erde, die physikalischen und chemischen Bedingungen und selbstredend alle kosmischen Einwirkungen (Sonne, Mond, Strahlung usw.) jeweils zu Nutze gemacht. Daraus bildete sich ein komplexes erdeigenes und sich ständig veränderndes, kommunizierendes (Öko)System. Sogar die sich durch das Leben verändernden klimatischen Bedingungen werden stets zum (eigenen) Vorteil genutzt bzw. in das Anpassungssystem eingebaut. Fast könnten wir sagen „es“ änderte die Lebensbedingungen zum Wohl des gesamten Lebens (z.B. Sauerstoffanteil). Aber natürlich passierte das alles ohne einen Plan, auch wenn das für manche nicht vorstellbar ist und sie von einer göttlichen und damit vorsätzlichen Intervention ausgehen.

Das Leben ist ein sich selbst organisierendes System und der systemimmanente Trieb der Anpassung ist eine permanente Reaktion der Artenvielfalt. Jedenfalls erwuchs daraus der ganz spezifischer Arterhalt der jeweiligen Lebensformen. Auch der Mensch besitzt gegenüber den anderen eine besondere, eben eine arteigene, Strategie sich als Spezies zu ver- und erhalten.

Es ist nicht verwunderlich, dass im Allgemeinen das Wort „artgerecht“, das ich in meinen Texten verwende, auf einen gewissen Widerstand stößt. Den Begriff „artgerecht“ kennen wir zuerst aus der Tierhaltung und es dauerte bis man den Begriff auch auf das Menschendasein anzuwenden begann. Denn noch sieht sich der (patriarchale) Mensch als die Krone einer obskuren Schöpfung und hier macht die moderne Frau nicht wirklich eine Ausnahme. Sich über das naturgemäße 'Biosein' zu erheben, mit Sätzen wie: 'der Mensch ist mehr als nur seine Biologie, er ist auch Geist...', ist daher immer noch ein gern geäußerter salopper Spruch. Als ob 'Geist' keine Form der Biologie wäre.

Den Menschen schlicht und einfach als zugehörige Spezies der Säugetierwelt zu begreifen, thematisiert so manch EineR lieber nicht. Auch wenn wir es längst wissen, dass wir unsere biotische, also unsere lebendige, Grundausstattung von den vorangegangenen Arten ererbt haben, ist die evolutionäre Nähe zu den (nicht menschlichen) Tieren für manche schwer zu ertragen. Als Säugetierspezies erarbeiteten wir uns einst Fähigkeiten, die uns deutlich von anderen Arten unterscheiden und unser Profil als Menschen ausmachen. Der unbedingte Hang zur fürsorgenden Gemeinschaft und Kooperation in den alltäglichen Verrichtungen sowie unsere, dadurch wachsende, Intelligenz hat uns zu einer Art gemacht, die bestimmte Spezifika entwickelten, die auch beim neoevolutinären Menschen immer noch greifen. Die kulturell praktizierte Lebensweise der verschiedenen Menschenarten (es gab, wie wir wissen, mehrere, von denen bis auf eine alle ausgestorben sind) war offensichtlich eine ihr angemessene, also 'artgerechte' Lebensweise, die als Lebensstrategie zur erfolgreichen Verbreitung führte. Fast zu erfolgreich, möchte man manchmal meinen.

Jedenfalls brachte die Menschenspezies immer genügend Nachwuchs hervor, um als Art zu überleben. Dem Nachwuchs wurde in den vom Menschen praktizierten matrifokalen Sozialgemeinschaften die Gelegenheit gegeben sich nicht nur quantitativ sondern auch qualitativ, also intelligent, zu entwickeln. Das Aufziehen der Kinder gelang daher um so besser, je mehr die Mensch Kulturtechniken ersann und anwendete. Auch andere (Tier)Arten verfügen über Fähigkeiten, die beim Menschen schon als Kultur bezeichnet werden, wie zum Beispiel Tricks, die ihnen helfen besser an Nahrung zu kommen oder raffinierte Unterkünfte zu bauen. Die Menschenspezies wuchs in und mit dieser Naturvielfalt auf und machte sich hier manches zu eigen, u. a. indem sie sich gezielt einiges von anderen Spezies abguckte, Menschen können hervorragend nachäffen. Und die Epigenetik sorgte für den Erhalt der neuen Fertigkeiten.

Der Begriff menschen'artgerecht' umfasst bei mir vieles und ist kein ideologischer Biologismus. Denn es gilt natürlich eines: die biologischen Grundlagen waren zuerst da, daraus entwickelte sich eine für die Spezies sinnvolle natürliche Art zu leben. Und bevor 'der Mensch' begann sich die Welt zu erklären oder sie in seinem beschränkten Verständnis zu interpretieren, ging alles einfach nur naturgemäß zu.

Die arteigene oder auch artgerechte, Strategie des Überlebens der menschlichen Spezies war imho das matrifokale Kontinuum - die generationsübergreifende, geschwisterorientierte und mütterzentrierte Fürsorgegemeinschaft – in der sich eine verfeinerte kulturelle Alltagspraxis und ein soziales Wertesystem entwickelte.

Erst Jahrtausende später, mit der (Entdeckung und) Anwendung der strukturellen Gewalt, der Entwicklung der Waffentechnik und der Unterdrückung anderer Lebewesen (Tierhaltung und -zucht im großen Stil und einschließlich der eigenen menschlichen Art), verunstalteten einige Menschen(Männer) den Rahmen des bisherigen sozialen Gefüges.

Der naturgemäße Ablauf der homogenen mutterbezogenen Bindungsgemeinschaften wurde durch brutale Gewalt (permanente Kriegsführung) und damit einhergehende ideologische Kompression (Entstehung der erst androzentrierten und später monotheistischen Religionen) durch die sich schnell entwickelnden Autokratien, weitgehend zerstört. Unter der Regie diverser Gewaltherrschaften begannen die Menschen als Großgesellschaft zu agieren. Mehr und mehr wurden Individuen von ihren Fürsorgegemeinschaften separiert (Sklaventum, Kriegsgefangene, Handel mit Frauen und Töchtern, die formal "frei" waren). Gerade 'die Frau' verlor im sich bildenden Patriarchat ihre Selbstbestimmung und als Mutter ihren zentralen Platz in der Alltagskultur. Ihre naturgemäße Female Choice wurde systematisch unterdrückt. Um zu Überleben wurden besonders unter der Weiblichkeit Verhaltensweisen entwickelt, die wir als kollektives Stockholmsyndrom bezeichenen können.

Unser urnatürliches und damit menschenartgerechte Gemeinschaftszusammenleben fand in überschaubaren Gruppierungen statt und erscheint mir die erfolgreiche Strategie des 'im Arterhalt integrierten Selbsterhalt' zu sein. Menschenmütter, die über keine Klauen oder Reißzähne verfügen, sich auf zwei Beinen mit nur mit mäßiger Geschwindigkeit fortbewegen und vielleicht dabei schwanger sind oder stillen, werden im Alleingang kaum überlebt haben. Das Wunder des intelligenten Menschen begann innerhalb einer konsanguinen Angehörigengruppen - dem wohlgesonnenen und fürsorglichen Sippenverband, dem Matrifokal. Die Angehörigensippe, bestehend aus Großmüttern, Schwestern, Brüdern, Töchtern und Söhnen bildete die Schutzsphäre um den Kern dieser Gemeinschaften: die Mütter und ihr Nachwuchs ... und alle waren sie durch Geburt miteinander verwandt.

Sie beschützten sich im aktuellen Bedarfsfall gegenseitig vor natürlichen Gefahren. Sie bildeten als dynamische Masse (räumlich und zeitlich) die bewegliche Sicherheitszone für den noch hilflosen Nachwuchs. Hier entwickelte und wirkte das nachhaltige, dem Menschen eigene, Bindungsverhalten - der starke unwillkürliche Drang (besonders des Nachwuchses) zur Angehörigkeit und das Bedürfnis nach Identifizierung mit den Fürsorgepersonen und sonstigen Angehörigen der Gruppe. Das bedeutet: verlässliche und dauerhafte Geborgenheit in einer Verwandtschaftsgruppe zu erfahren, ist ein Erbteil der Menschenart. So wie es für andere Spezies eine Strategie ist in ihrer Bindungsgruppe, der Herde oder Horde, dem Rudel oder Schwarm, zu überleben.

Wenn diese beiden Merkmale, der Drang zur Zugehörigkeit und die Identitätsverortung, in unserer heutigen anonymen Gesellschaftskultur nicht mehr richtig funktionieren, liegt es in der Regel nicht am Individuum, sondern an den kruden Verhältnissen in die es hineingeboren wurde und mit denen es sich sich arrangieren muss um zu überleben. Das zerstörte matrifokale Umfeld wiederzubeleben und in ihm unseren Alltag zu leben, sollte ein Ziel unserer Gesellschaft werden.

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