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17 Mai 2015

eine glückliche Julia...

Die Geschichte einer Geschichte, ihr Inhalt, ihre Moral und die Energie, die sie trägt, war einst das weibliche Element, die Essenz der Erzählung, die lehrreiche und unterhaltsame Kunde, die überliefert wurde. Diese Form der kommunikativen Weitergabe ist uralt und spiegelt unser ureigenstes menschliches Wesen.
Die Kunstfertigkeit der Sprache, das Jonglieren mit Worten, der Schliff und die Vielfalt der Metaphern sind heute vor allem den männlich geprägten Strukturen der literarischen Art von Kommunikation unterworfen.
Die menschliche Verständigung, die sich immer weniger in der mündlichen Weitergabe ausdrückt, verkümmert und verstummt mehr denn je zugunsten des Schreibens und Lesens. Die Schrift ist der Träger und eine der Abarten der Literatur ist das Umsetzen in (bewegliche) Bilder und vorgefertigten Texten für alle, die nicht (nur) lesen wollen oder auf echten verbalen Austausch verzichten (müssen), aber sich nach Menschenart nach lebendiger Unterhaltung sehnen.
Eine Handvoll Grundideen beherrschen die Kunst des Unterhaltens, die inzwischen nur zu oft, die Aussage einer Geschichte zu einem beliebig häufigen Abklatsch verkommen lässt und bis zum Erbrechen variiert wird. Eine endlose Reihe wohl formulierter Rechtfertigungen für das Übel in der Welt und die Festschreibung dessen – gewalttätiges Heldentum, verwehrte Liebe und die Kontrolle der Frau, sinnlose Lebensgefahr und Kampf gegen einen unnatürlichen Tod und das obligate Happyend ohne dabei ein wirklich glückliches Ende zu verkünden. 

Denn das Leben und das Berichten darüber, ist wie wir wissen, eine Unendliche Geschichte. Das Schicksal eines Individuum wird uns immer auch berühren und Beispiel geben. Deshalb wäre es nicht verkehrt uns die Vorbilder für unsere Stories, die ein unbestimmtes Publikum erreichen, etwas sorgfältiger auszuwählen. Die Spiegelung des bestehenden Sozialgefüges und unserer Kulturen sind dabei von besonderer Bedeutung. Sie zeigen einerseits den Ist-Zustand und gleichzeitig liefern sie Vorlagen für künftiges Verhalten. 
Seit es patriarchale Verhältnisse gibt werden diesen millionenfach variiert und dabei immer wieder etabliert und moralisch festgeschrieben. So ist die Literatur ist voll von unglücklichen Liebesgeschichten. Sie sind alle mehr oder weniger Spielarten von Romeo und Julia – das Beispiel der unerfüllten Liebe, die sogar im frühen Tod endet und deren glückliche Erfüllung stets an widrigen gesellschaftlichen Umständen scheitert. Dabei ist es gleich ob das Hindernis in unüberbrückbaren Ideologien, unterschiedlichen Ethnien oder verfeindeten Elternhäuser besteht oder einer der beiden ein Vampir ist. Die unerfüllte, die unmögliche, Liebe ist nach den Gesetzen der Romantik die einzig wahre, große Liebe und nur über die lohnt es sich zu schreiben. Auch das scheint ein ehernes Gesetz, ein literarisches Dogma zu sein. Wer möchte schon einen banalen Tatsachenbericht lesen? Wie beispielsweise: Romeo trifft Julia … sie sehen sich, sie verlieben sich, sie begehren sich ... sie finden zueinander ... sie sind glücklich ... und ihre, sich seit Zeiten schon immer gut verstehenden Angehörigen sind ebenfalls darüber sehr glücklich … sie feiern gemeinsam ein Fest … nach vielen Festen trifft Romeo Felicia und Julia trifft Enzio … sie sehen sich … sie verlieben sich … sie sind glücklich … die Welt verzichtet gern auf mehrfaches Leiden und bedauert nicht um eine Tragödie ärmer zu sein … das Glück der Liebenden jedoch schreibt sich fort und fort...

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13 März 2015

Alltag ...

übersetzt mir der Googleübersetzer (ja ich kann immer noch kein englisch) mit 'everyday life' ... endlich mal ein deutsches Wort, das gegenüber dem englischen kurz und knackig ist... find ich cool...

05 Februar 2014

sorgsam

Eine Freundin meinte, dass ihr das Wort 'Fürsorge' nicht so gut gefällt, weil die ihr negativ erscheinende 'Sorge' darin steckt.
Nun verwende ich
eigentlich den Begriff 'Fürsorge' in meinen Ausführungen ständig, denn noch habe ich für die gegenseitige essentielle Zuwendung in (konsanguinen) Lebenskreisen, keine andere, passendendere Bezeichnung gefunden.
Sorge ist imho erst in der heutigen Zeit zu einem sorgenvollen Wort geworden - Fürsorge, Obsorge, sind quasi Spezifikationen von dem natürlichen 'sorgen für' oder anders ausgedrückt: sorgsam und fürsorglich sind basics des mütterlichen Umgangs. 
Für jemanden Sorge tragen, sich um die Nächsten sorgen (nicht zwanghaft Sorgen machen!) ist ein zukunftsgerichtetes Handeln. Sorge, ist eine altbekannte Beschreibungen für Zuwendung und Beachtung. Und 'ausgesorgt' ist gleichbedeutend mit endgültig gut beendet. 
Das sind alles vom Ursprung her keine „negativen“ Formulierungen. Gibt es also noch andere treffendere Worte und sind sie genau so komplex und umfassend wie Fürsorge?

Bei meinen Sachtextausführungen verzichte ich gern auf weitschweifiges Formulieren und komme möglichst gleich auf den Punkt. Aber ich bringe in meinen Texten auch gern all die vielen umschreibenden Attribute des Fürsorgekomplexes unter, wie geduldige Pflege oder Geborgenheit spendende Hege, innige Zuwendung und sorgsame Aufmerksamkeit sowie wohlwollende Verlässlichkeit, was dazu führen soll, dass diese zum Teil "unmodernen" Begriffe endlich mal wieder unter die Leute kommen. Sind auch diese Begrifflichkeiten fraglos obligat,  als Sammelbegriff für die generationsübergreifende, gegenseitige 'Hege und Pflege' in Sippengemeinschaften finde ich sie nicht so gut geeignet.

Denn es geht mir bei dem 'Fürsorge' - Begriff nicht um gefühlte Befindlichkeit, sondern um das Darstellen der, auf das gegenseitige Wohl gerichteten, Handlungen...

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02 Januar 2013

Sieht das neue Jahr schon alt aus?

Heuer steht für mich dieses beginnende, frische, junge Jahr im Zeichen der Alten

Nicht weil ich jetzt Rente bekomme oder zum elften Mal Großmutter geworden bin, sondern weil ich vor allem sehe, mit welcher Vehemenz die Frau der heutigen Tage immer noch bemüht ist das sichtbare und gefühlte Älterwerden aus ihrem natürlichen Reifeprozess und ihrem Bewusstsein zu verdrängen. In bestimmten Kreisen wird zwar ganz locker mit den Synonymen des offensichtlichen weiblichen Lebenszyklus umgegangen - da sind wir noch immer die Junge, die Mutter, die Alte - aber bitte nur theoretisch.
 

Zur Zeit scheint es nur zwei Kontinente zu geben: „Jung“ und „Alt“ – der dritte, auf dem bisher das eigentlich Leben stattfand, ist dahingeschmolzen. Für dieses Dazwischen gibt es irgendwie keine treffende Nomenklatur mehr in unserem modernen Sprachgebrauch. Der Kontinent der Jugend ist quasi überfüllt, denn „alt“ möchte niemand werden und so manch Alte, einmal in die Wartezone auf den Tod übergesetzt, erlebte die Realität der Altersausgrenzung und eine gefühlte Verbannung. 
 
Forever young – Jungsein, hier und heute, ist toll! Und es bietet alle Möglichkeiten, besonders wenn diese Lebenshaltung bis ins hohe Alter ausgedehnt werden kann. Die Mutterphase wird, wenn überhaupt, als kurzzeitige Etappe angesehen und das richtig Altsein liegt noch mit fünfundsechzig in utopischer Ferne. Nach einem arbeitsreichen Dasein und der Aufzucht des Nachwuchses möchte schließlich auch die Frau noch was von ihrem Leben haben. Dieses „endlich Leben wollen“ ist der jahrelang vertagte Wunsch aus der Fremdbestimmung unserer Alltagskultur ausbrechen zu können - kein Chef, kein Kind, womöglich auch kein Mann mehr, niemand der uns in Atem halten und zwingen kann unsere eigen Bedürfnisse und Neigungen hintanzustellen. Irgendwann musste doch mal dieses selbstbestimmte Leben kommen und so verlegen wir es in die Jahre, die uns als AltersLebensFreizeit in Aussicht gestellt wurden. Und damit sind wir, besonders als Frauen, inzwischen gut dran – ein paar Generationen vor uns wurde diese Art der Freiheit gleich ins Jenseits verschoben. 


Sich mit dem eigenen Alter auseinander zu setzen ist nicht sehr populär und alt sind höchstens die anderen. Es ist peinlich „alt“ auszusehen und „alt“ ist eben immer noch das Synonym für überholt, unbrauchbar, unnütz. Wenn sich also gewisse Anzeichen des Alters abzuzeichnen beginnen, bemühen wir uns in Aussehen und Haltung Jungsein zu demonstrieren. Das innere Kind wird beschworen und in unserem Herzen geht die Sonne ständig auf und niemals unter. Nur in eingeweihten Kreisen bezeichnet sich die eine oder andere Frau als ( Weise) Alte, aber rein rhetorisch versteht sich. 

Egal wie sie es anstellen, gelobt werden in der Öffentlichkeit nur die Frauen, denen man ihr wahres Alter nicht ansieht. Und diejenigen, die genau wie ein Mann, taff ihren Beruf solange sie können ausüben und die auf gar keinen Fall von ihrer Familie erwartet, dass man sich im Alter um sie kümmert. Denn hilfsbedürftig zu sein, ist nicht sehr anerkannt. Außerdem ist auch nicht gesagt, dass da nahe Angehörige vorhanden sind, denen es ein Selbstverständnis ist beispielsweise eine alte Mutter zu betreuen.

Alte sind aber auch oft anstrengend. „Ich werde mal keine von den übellaunigen, verknöcherten Alten“, sagte mal ein junges Ding zu mir – sehr löblich, denn auch ich habe, besonders in meiner Jugend genügend ungeliebte Alte kennengelernt, die frustriert ihre Umwelt tyrannisierten. 


Nun ist es ja eigentlich nicht verkehrt sich bis ins hohe Alter gut und jung zu fühlen – es ist ein tolles Gefühl eine andauernde Vitalität zu spüren – aber diese derzeit präferierte Art der Lebenseinstellung ist eigentlich eine junge maskuline Grundstimmung oder so was wie eine amazonische Dauerschleife. Denn die kraftvolle, selbst-, verantwortungs- und zukunftsbewusste Frau ist im Gesellschaftskonzept auch nicht wirklich erwünscht. 

Der Altersbegriff unterliegt in unserer Zeit einer unglaublichen Wandlung. So finde ich es zum Beispiel äußerst spannend, wenn eine Frau, die in etwa so alt ist wie ich, schreibt: „...ich fange auch schon an für mein eigenes alter überlegungen anzustellen...“ *

Also merke! ...mit fünfundsechzig muss eine frau auf gar keine Fall schon alt sein und spätestens mit dem Titel von Udo Jürgens, der allen versicherte, dass das Leben erst mit 66 anfängt, haben wir die Gewissheit, dass es so etwas wie „das Alter“ eigentlich gar nicht gibt. 

Körperliche Gebrechlichkeit und Langsamkeit wird möglichst nicht thematisiert und wenn dann nur in dem Zusammenhang wie sie heute zu vermeiden sei. Fit im Kopf zu sein ist sowieso ein Muss. Für moderne Frauen ist es jedenfalls ein Fiasko eine „alte Frau“ zu sein. Dabei ist unsere Welt derzeit voll von alten Frauen, wenn wir mal die bisherige Definition für „alt“ ansetzen. Noch in meiner Jugend galt die Frau in oder kurz nach den Wechseljahren eigentlich als alt - sie war nicht mehr fruchtbar, nicht mehr (sexuell) attraktiv, nicht mehr von Bedeutung und wurde so animiert für immer jung zu bleiben, denn das Alter, besonders das weibliche, hat in unserer Welt keinen Ort. 

Heute kann eine Frau bis ins hohe Alter hinein jung bleiben, was auch immer sie darunter versteht – sie kann für ihr gefälliges Äußeres etwas tun, sie hat zumindest Zeit und Gelegenheit alles noch lernen was sie schon immer interessiert hat. Sie kann das Altern umgehen, hinauszögern und totschweigen... meine erheblich ältere Schwester ist so ein Prototyp der jugendlichen Alte - so jung wie sie mit ü-achtzig ist, bin ich mit fünfundsechzig nicht mehr. Aber wir unterscheiden uns auch in zwei wesentlichen Punkten ... ich bin Mutter und Großmutter und das Alter erschreckt mich nicht im mindesten. 

Trotzdem frage ich mich immer wieder, besonders wenn ich mich in der Medienlandschaft umschaue: Wo ist es hin das geachtete, das liebevoll in den Arm genommene, Alter? 

Und wie geht es mit mir weiter, wenn ich diese Alterskultur, die ein einziges Tabu ist, nicht erstrebenswert finde? Wenn ich, je älter ich werde, mich weiter nach der Nähe der Menschen, die natürlicherweise zu mir gehören, sehne, ohne dass ich es zeitgemäß als unpassend ansehen will? Und was wird es für mich bedeuten, wenn ich zwischen all den ewig Jungen dem Altershorror weiter keine Beachtung schenke und einfach nur still vergnügt alt werde? 

Weil es das Natürlichste von der Welt ist, weil es einfach viel zu schade ist, diese wunderbare Zeit ungenutzt verstreichen zu lassen. Es ist ein enormer lebendiger Qualitätsunterschied, das Älterwerden Tag für Tag auszukosten oder es verbissen zu bekämpfen. 

Die Alte lebt solange sie lebt und in der Mütterlichen Ordnung noch darüber hinaus...  


*... dazu auch der wunderbare Text von Luisa Francia vom 29.12.12

02 Juli 2012

Mangel und Sehnsucht


Eine Freundin fragt in ihrem Post, ob es schon so was wie eine Sucht sein könnte, das morgendliche Bedürfnis erst einmal den Laptop anzuschalten und zu sehen was es Neues gibt und wie es den Bekannten der Bloggergemeinde geht oder was im sozialen Netzwerk los ist?

... ich denke ja von Sucht kann hier kaum die Rede sein (obwohl diese im Zusammenhang mit Spielen durchaus auftreten kann) - es ist wohl eher eine Art von SehnSucht!

Das chronische Fehlen einer nahestehenden Gemeinschaft in der wir gut aufgehoben sind, insbesonderes einer weiblichen, ist in unser aller Leben ein Mangel, den die Gesellschaft in der wir leben seit Generationen kultiviert und nicht abzustellen gedenkt.

Die virtuellen Verbindungen, die wir nicht mehr missen möchten, sind Ersatz für direkte menschliche Kommunikation und gleichzeitig eine Vermeidung derselben.

Luisa Francia hat mal die Frage gestellt, warum kein Sciencefiction - Autor je das Internet vorausgesehen hat... tja warum wohl?

Wahrscheinlich, weil die (überwiegend männlichen) Autoren das Bedürfnis nach menschlicher Nähe und einem Dauerkontakt unterschätzt und die Edelmütigkeit der zukünftigen Generationen, denen Geld kaum noch etwas bedeutet, überschätzt haben. Denn das Internet ist vor allem zum Geschäfte machen initialisiert worden - die wunderbare kommunikative Vernetzung der vielen vereinzelten Gesellschaftmitglieder ist nur ein Nebeneffekt, der sich ausbreitet...



20 April 2012

Sprichwörter für die Katz...


Mal abgesehen davon, dass bei Nacht alle Katzen grau sind, würde ich nie eine Katze im Sack kaufen, sondern höchstens selbige aus dem Sack lassen. So wie die Katze selbst ist auch das Sprichwort zur Katze recht beliebt. Aber nicht alles was da so über die Katze gesagt wird, ist auch freundlich: „Pferdehufen, Katzenklauen und Spielerhänden ist nicht zu trauen“ oder der Klassiker: „Die Katze lässt das Mausen nicht“.

Aber schleichen wir nicht wie die Katze um den heißen Brei, schließlich sind auch alle Worte für die Katz, wenn einer für die Katz arbeitet und dadurch auf den Hund kommt. Schade jedenfalls für alle, wenn kein Schmusekätzchen im Haus ist. Ob Kater Schnurr oder Katze Minka - „Wer eine Katze hat, braucht das Alleinsein nicht zu fürchten“ sagte schon Daniel Defoe.

Überall auf der Welt wusste man die Katze zu schätzen. Ob in China: „Eine lahme Katze ist mehr wert als ein schnelles Pferd, wenn der Palast voller Mäuse ist!“ oder in Serbien: „Hätten nur die Katzen Flügel, wären Spatzen seltne Vögel“ oder in Frankreich: „Der Hund mag wundervolle Prosa sein, aber nur die Katze ist Poesie!“.

So manch einer hatte zum Thema Katze etwas zu sagen, wie Ernest Miller Hemingway. Der meinte: Katzen erreichen mühelos, was uns Menschen versagt bleibt: durchs Leben gehen, ohne Lärm zu machen“. Oder Hyppolyte Taine stellte fest: Ich habe die Philosophen und die Katzen studiert, doch die Weisheit der Katzen ist letztlich um ein weites größer“.

Trotzdem hatte die Katze es nicht immer leicht und oft genug geschah es, „wenn die Magd genascht hat, bekam die Katze Prügel“ oder wie frustrierend ist es „wenn die Maus die Katze auslacht, ist bestimmt ein Loch in der Nähe“. 
 
Aber meist ist die Katze eine innige Freundin und nicht nur weil „Ist die Katze aus dem Haus tanzen die Mäuse auf dem Tisch“. Sie orakel für uns beim Überqueren der Straße von rechts nach links oder umgekehrt und keine Hexe, díe was auf sich hält, würde auf ihre Katze verzichten, trozdem „Keine Maus wird dir glauben, daß 'ne schwarze Katze Glück bringt“.

Ist der Hund angeblich der beste Freund des Menschen, so können wir auch davon ausgehen, dass die Katzen nicht nur Freundin sondern auch eine Begleiterin der magischen Art für uns ist und Mary Bly bringt das Wesen der Katze auf den Punkt mit der Feststellung:Hunde kommen, wenn sie gerufen werden, Katzen nehmen die Mitteilung zur Kenntnis und kommen gelegentlich darauf zurück.“ ... und für alle andere gilt:

"Erst schmeicheln, dann kratzen, das schickt sich nur für Katzen"
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15 November 2011

Worthülsen, Engel und Mütter

Worthülsen, so finde ich ist ein interessanter Begriff - inflationsartig angewendete Bezeichnung eines mainstreamigen Begriffs, der allen bekannt ist und unter dem sich doch jeder etwas anderes vorstellt...

...nun kenne ich derer ja viele: Liebe, Esoterik, Freiheit, Glauben, Frieden, vielleicht auch Patriarchat und Matriarchat! Es sind Worte, die wie Schlagzeilen im Raum stehen und jede weiß was sie bedeuten und hat doch deutlich andere Emotionen als die Nachbarsfrau bei jedem der Begriffe.

Das Problem kennen wir von allen abstrakten Begriffen, Worte die einen Zustand ausdrücken, der von allen völlig verschieden wahrgenommen wird. Um so größer ist dann unsere Freude, wenn wir mit anderen eine Übereinstimmung bestimmter Gefühlslagen feststellen. Ein abstrakter, ein ideeller Begriff, ist immer auch einer gewissen persönlichen Beurteilung unterworfen, im Gegensatz zu den konkreten Gegenständen oder den körperlich fühl- und sichtbaren Seinszuständen.

Als die Sängerin Nicole bei einem weit zurückliegenden Grand Prix über ein „bisschen Frieden“ sang, wurden Stimmen laut, die das „bisschen“ monierten – das gäbe es nicht: ein bisschen Frieden, ebenso wenig, wie ein bisschen Schwanger.

Ich bin war nicht der Meinung, denn Schwanger sein ist ein ganz konkreter biologischer Seinszustand, welcher allerdings von den Nicht-Betroffenen nur mit gefühlt, aber nicht erlebt werden kann. Wo hingegen Frieden, wie gesagt ein abstrakter Begriff ist, der an bestimmte äußerliche Bedingungen und eine jeweils empfundene Gefühlslage gebunden ist. Was ich beispielsweise unter Frieden verstehe, ist mehr als nur das maskuline Verständnis: zur Zeit laufen keine Kampfhandlungen.Meine Vorstellung von Frieden läuft mehr in Richtung von totaler Idylle. Ich denke, unter Frieden verstehen sehr viele verschiedene Menschen, sehr viel verschiedene Lebensumstände.

Doch gehen wir mal einen Begriff an, der so eine Art Zwischenphänomen bildet – wie Engel. Für die eine, ein durch und durch abstrakter Begriff, fern ab von empirischer Beweisbarkeit und für die andere eine selbstverständliche Existenz, wenn auch wissenschaftlich nicht wirklich nachweisbar, wie immer noch vieles auf der Welt.

Das Pantheon, der nicht materiellen Wesen, das uns Menschen schon immer umgab, gehört auch in unseren modernen Zeiten und vielleicht mehr denn je, zu unserem Leben als ständige Begleiter. Feen, Engel, Teufel, Elfen, Kobolde, Götter, Dämonen, der Osterhase und der Weihnachtsmann. Alle sind anerkannte Mitbewohner unserer Welt und gehören vor allem zum geistigen Kosmos des Menschen, obwohl ich nicht behaupten möchte sie seien irreal – da darf nun mal jede denken was sie will.

Menschenmütter hatten schon immer innige Beziehungen zu den Geistern der Natur und was wir selbst so überaus stark spüren ist nun mal auch eine Realität für uns. Wir können uns daher auch nicht wirklich unser besonderes Empfinden gegenseitig zum Vorwurf machen und auch nicht die guten Absichten, die von anderen Frauen vielleicht nicht so verstanden werden, wie sie gemeint sind. Da stoßen wir oft an die berühmte Sprach- und Definitionsbarriere.

Gerade die Verbundenheit mit der Natur, die von so vielen Frauen gleich oder ähnlich intensiv gefühlt wird, ist ein Muttererbe, eine Weitergabe unserer Ahninnen, eine Menschenkompetenz. 

Ich habe mit dem Begriff Engel auch so meine Probleme, da es sich dabei um ein, von diversen patriarchösen Religionen hoffnungslos vereinnahmtes Wort handelt. Aber ich kann trotzdem mit der gelegentlichen Aussage und Anwendung anderer oder ihren Auseinandersetzungen mit der Idee „Engel“, leben. Meine Mutter glaubte noch, dass mir als Kind ein Schutzengel beistand und ich finde ja, er hat gute Arbeit geleistet. Denn neben dem netten Engelchen, stand mir vor allem meine Mutter zur Seite ...

26 Juni 2011

Vor Zeiten, da das Wünschen noch geholfen hat


... ist eine der alten Märchenerzählformel wie auch „...und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heute!“ oder „...und sie lebten glücklich und vergnügt bis ans Ende ihrer Tage!“.

Der wichtigste Satz jedoch, wie ich finde, ist nach wie vor: „Es war einmal...“! 

Zeigt er doch am anschaulichsten wie Wissen über Jahrtausende hinweg weitergereicht wurde. Durch Sagen und Künden, durch direkte Mensch zu Mensch – Kommunikation. Das Wünschen als magischen Vorgang gibt es in vielen Variationen, unter anderem ist es uns vielleicht als Verwünschung geläufig. Darüber ließe sich eine Menge sagen und ich könnte überlegen, warum und weshalb, eine jemanden verwünscht. Vergeltung, die nicht in der körperlichen Auseinandersetzung stattfindet, sondern auf eine Metaebene verlegt wird. Aber mein Wunsch ist es, hier über das Wünschen nachzudenken.

Was ist Wünschen? Ein Verlangen, ein Bedürfnis, eben einen Wunsch äußern und darauf hoffen, dass ihn jemand erfüllt? Oder selbst eine Idee haben zur Verbesserung des Seins und sie, als Wunsch formuliert, in die Welt entlassen, um die Kräfte zu mobilisieren, die bei der Erfüllung des Wunsches behilflich sein werden. Ist Wünschen ein eher inniges Begehren oder nur ein hilfloses Hoffen?


Das wahre Wünschen fällt unter die Magie des Alltags. Frei von Zweifeln, der eventuellem Konsequenzen bewusst ließen die Weiber der Vergangenheit ihre Wünsche aus ihren Bedürfnissen heraus Gestalt annehmen... sie sprachen darüber, sie besprachen sie, sie setzten die Assoziationskette in Gang, die Kräfte und Energie in Bewegung setzte. Das selbsttätige Gestalten ihres Lebens, des Alltags, war Frauen einst nicht nur selbstverständlich, ihre Handlungen schufen die Grundlagen dessen, was uns heute Mensch sein lässt. Aus ihren Handlungen entstand ihre geistige Potenz.

Nun ist das magische Denken, das Wandeln und Hexen den Frauen über Jahrhunderte hinweg sehr nachdrücklich ausgetrieben worden und doch haben sie es nicht verlernt. Zurück blieb immer die Ahnung, das vererbte Wissen, die Sprüche und die Märchen. Dort hörten wir, dass es Zeiten gab, da das Wünschen geholfen hat. So schließt sich der Kreis, wir kommen wieder da an, wo wir drei Wünsche frei haben oder mit dreimaligem Rufen die Wirklichkeit wandeln können... und wünschen darf Frau immer und überall, sie sollte nur wirklich genau wissen, was sie sich wünscht...


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13 Juni 2011

Manchmal denke ich...

... je bewusster sie mir wird, desto mehr schreckt sie mich, die technikverkrebste Komplexität unserer Gesellschaft. 

Da gibt es Menschen, die ersinnen Technologie, andere verfeinern diese, wieder andere sorgen dafür, dass das benötige Material für die Technologie gefunden wird und es gibt wiederum die Menschen, welche diese Materialien abbauen oder sonst wie zur Verfügung stellen. Spätestens an dieser Stelle ist Technologie längst selbst Voraussetzung, um diese zu erschaffen. Es bedarf dazu Transportmittel und Gebäude, in denen die Technologie zu ihrem künstlichen Leben erweckt wird, während um diesen Prozess herum ein weitreichendes, technologisches Wirken und Walten stattfindet. Denn das Alles muss außerdem verwaltet, abgesichert und bewacht werden. 
 
Jedes Ding in unserem Alltag kommt aus der, inzwischen heute so gut etablierten Technologieschmiede und ist Teil unserer Kultur, die keiner mehr missen möchte und ohne die wir scheinbar nicht mehr lebensfähig sind. 
 
Leben wie und wo? Als Individuum einfach so vor uns hinexistieren, in einer Welt, deren Komplexität die Vorstellung der meisten übersteigt? Nichts geschieht mehr vor Ort von Anfang bis Ende und unsere Welt setzt sich aus technisierten Kreisläufen zusammen, die raffiniert ineinandergreifen, auf einander abgestimmt sind und trotzdem den Eindruck erwecken sollen, sie könnten harmloser nicht sein.

Denn wir wissen definitiv nicht Alles und verdrängen viele Komponenten aus denen sich im Hintergrund unsere konventionelle, technologiedurchwirkte Wirtschaft zusammensetzt, welche auch aus schrecklichen Altlasten, verborgenen Bedrohungen und Leben vernichtenden Heilsversprechen besteht. 
 
Wie haben gelernt, damit zu leben, den technologischen Background als selbstverständlich, fast schon naturgegeben anzusehen. Ab einem gewissen Moment ist jeder in der Lage sich in den laufenden Technologieprozess, den wir inzwischen auch „unser Leben“ nennen, einzufügen und ohne eine permanente Nähegemeinschaft einer angehörenden Menschengruppe, sein Dasein zu zelebrieren. 

Den einst direkten Schutz des Individuums durch die ursprüngliche Gruppe, übernimmt heute sozusagen ein unbekanntes Konsortium, vertrete durch uns kaum bekannte Mitarbeiter, Menschen wie Du und ich, jedoch letztendlich dem System verpflichtet und dementsprechend unzuverlässig fällt dieser Schutz für das Einzelwesen auch aus. 
 
Technologie, auch wenn sie durch den Menschen geschaffen wurde, ist von ihrem Wesen her, inhuman. Die Wertigkeit erhält sie zwar durch unsere Anwendung, aber welcher Schaden bei ihrer Erschaffung entstand, können wir nicht nachvollziehen, wenn wir irgendein Ding in den Händen halten. Die Menschengesellschaft glaubt mehr denn je, dass unendlich viele (gemachte) Dinge ge
braucht werden um das Leben zu verbessern und es wird ein ständig steigender Bedarf beschworen. Dabei entsteht für alle die undurchschaubare, ohnmächtige Abhängigkeit, ins besonders von den Transportmitteln für unsere Körper oder für die Sprache oder die Gedanken per Schriftzeichen. 

Auch ich benutze die technologisch gegossenen Bahnen, um euch zu erreichen...



... wie ambivalent oder sogar schizophren das Thema: Technologie in unserem Dasein  ist, zeigt mir auch ein Werbespot, auf den ich jetzt nachträglich gestoßen bin...

27 April 2011

Misstrauen versus Vertrauen

… kennt ihr das auch? Ein Klick zieht den nächsten nach sich und den nächsten, überall schnappe ich interessante Anregungen auf, nehme sie mit in den Tag und würde gern später hier oder da meine Gedanken in einem Kommentarfeld hinterlassen aber finde die Seite nicht wieder.

Dieses Mal war es das Wort Vorurteil, dass an mir kleben blieb, nachdem ich durch einige Blogkästchen gehüpft bin.
Jeder weiß, Vorurteile haben ist anmaßend und uncharmant.
Jedoch: Wer ohne Vorurteil ist, der setzte sich einen kleinen Heiligenschein auf und gebe ein Buch heraus: Wie ich meine anerzogenen Vorurteile überwand!
Spätestens seit Stolz und Vorurteil hat wohl jede begriffen, Vorurteile sind schädlich, vor allem, wenn sie als Haltung anderer, einen selbst betreffen. 
 
Ein Vorurteil kommt nicht aus dem Nichts. Einst hatte es als Vorbehalt den Nutzen eines Vorteils, als abwartende und distanzierte Haltung in gebotener Vorsicht seine Berechtigung. Nur, ein als Leitsatz weitergegebenes Gebot kann sich zum Vorurteil mausern. Und so manches Vorurteil stammt, getarnt als Kodex oder Dogma aus der ideologischen Alchemistenküche diverser Machthaber. Allerdings können sich die Bedingungen ändern oder die Vorturner haben sich letztlich als falsche Propheten erwiesen. Und so hat beispielsweise die Ablehnung dem Fremden gegenüber schon längst seine (politische) Berechtigung verloren. Gerade im politischen Bereich kann schnell mal ein Wechsel geschehen, der aus einem Feind einen (verordneten) Freund macht und der mit sich beschäftigte Bürger bekommt es nicht immer mit. Vielleicht möchte er sich seine Vorbehalte auch gar nicht nehmen lassen. Wenn die alten Werte plötzlich als falsch deklariert werden, warum sollten die neuen dann richtig sein? Müssen / sollten wir grundsätzlich bedenkenlos vertrauen?

Aus einstiger Vorsicht und begründetem Bedacht erwuchs in der Überlieferung das, was wir mit dem Begriff Vorurteil bezeichnen. Wir haben in unserem gemütlichen Leben selbst mit bestimmten Phänomenen keine unangenehmen Erfahrungen gemacht, aber wir haben die dazu gehörigen Vorbehalte gelernt. Die immer wieder weitergereichten Erfahrungen der Alten werden jedoch in der heutigen Weltoffenheit oft nur als peinliche Relikte, eben als Vorurteile gesehen.

Trotzdem, die im Alltag der Menschen seit langem tradierte Weitergabe besteht nach wie vor. Bei jeder Integrationsdebatte wird es deutlich. Da wird mit den bekannten und zutiefst verinnerlichen Vorurteilen weiter gehandhabt und die Zurückhaltung will nicht aufgegeben werden. Da wird sich nicht einfach hemmungslos mit dem Unbekannten verbrüdert. Auch nicht verschwestert. Immer wieder bricht der bewährte Menschengrundzug durch: Vorsicht und eine Prise Misstrauen! Erst mal sehen, ob sich das Andersartige, das Unbekannte bewährt! 
 
Das ist es wohl, was uns heutzutage zum Nachdenken herausfordert.
Ist diese Haltung fair?
Ist es in Ordnung ein (gesundes) Maß an Misstrauen grundsätzlich parat zu haben?
Tun wir anderen damit Unrecht?
Oder ist eben doch die Vorsicht die Mutter der Porzellankiste?
Es ist jedenfalls nicht verkehrt, von Zeit zu Zeit die eigenen Vorurteile zu sortieren und neu zu bewerten... 

19 April 2011

Iris


... im Deutschen heißt das zarte und duftig erscheinende Farbengebilde, das in der Luft von Wasser und Sonne hervorgebracht wird, ziemlich prosaisch Regenbogen... dabei ist der Regen meist schon vorbei, wenn das Phänomen am Himmel auftaucht. Gibt es keine andere Bezeichnung für diese feine Brücke ins Land der Träume, für die einzigartige Demonstration an Farbmöglichkeiten, welche die Natur hervor gebracht hat und die das menschliche Auge erfassen kann? 

Doch da gibt es noch Iris. Das Wort kommt aus dem griechischen und bezeichnet auch das in sich abgestufte Farbenspiel. Und laut Wikipedia ist Iris unter anderen:

eine griechische Göttin,
ein weiblicher Vornamen

die Regenbogenhaut im Auge
in der Antike einen Fluss in Pontus

in der Botanik die Gattung der Schwertlilie
in der Zoologie eine Gattung der Fangschnecke

eine Oper von Pietro Mascagni,
ein Film von Richard Eyre

eine ehemalige britische Automarke (1906–1925)
eine Software für astronomische Aufnahmen mit einer Webcam und deren Bildverarbeitung

eine rumänische Hardrockband
einen gleichnamigen Song von Ronan Keating

einen tropischen Sturm 1999 im Pazifik und zu allem Überfluss
steht IRIS für die Abkürzung einer Luft-Luft-Rakete...

 
... und so bleibt mir eben nur der Regenbogen und sein Farbenzauber und 
der Song von Iz sowie mein Hang jedwedes Couleur nach Nuancen zu sortieren...







29 Dezember 2009

Tintenherz ohne Herz

Es schien mir an der Zeit nun endlich mal den Bestseller "Tintenherz" von Cornelia Funke zu lesen. Inzwischen gibt es ja bereits Verfilmungen. Also lieh ich mir frohgemut den ersten Band der Trilogie bei meiner Enkeltochter aus.

Das moderne Kinderbuch im Allgemeinen ist zwar nicht wirklich auf die junge weibliche Leserschaft (wenn wir mal von Hanni und Nanni und dergleichen absehen) abgestimmt, aber gerade im Fantasiebereich gibt es bereits reichlich Heldinnen. Die meiste Kinder- und Jugendliteratur scheint immer noch für: Jungen, Jungen und auch Mädchen! geschrieben zu sein. Wobei es sich doch inzwischen herum gesprochen haben müsste, dass lesehungrige Mädchen, die eigentlichen Konsumentinnen sind. Und sie lesen dankbar alles, ob es sich um Harry Potter oder die „Biss" (dass der Tod euch scheidet)-Romane handelt, natürlich auch die, von Cornelia Funke hervorragend geschriebene Tintenherz - Trilogie. Diese hat zwar eine junge Heldin, der Rest der Figuren und die Handlungen bedient jedoch leider die üblichen Klischees.

Ich bin es jedenfalls Leid (im Kinderbuch) von 90 % Männern zu lesen, egal ob Helden oder Schurken. Ebenso über die Denkungsart gefühlloser Monster und die Ohnmacht und das Unvermögen der normalen Menschen und sogenannten Guten.

Im ersten Teil Tintenherz sehe ich bisher nicht wirklich einen Hoffnungsschimmer, keine Aussicht auf Gerechtigkeit oder gar ein "Happyend". Die Schauplätze sind unerfreulich und gruselig. Da nutzt es mir nicht, wenn das Grauen und der Horror kunstvoll geschildert werden. Es bleibt einfach eine Welt, in der ich mich weder aufhalten, noch die ich mit meiner Energie füttern möchte. Um der Spannung und Dramaturgie willen findet auch wenig Bewegung statt.

Bis Seite 360 hoffte ich noch, dass der Titel „Tintenherz“ ein liebenswertes Geheimnis in sich birgt. Tinte - blauer Fluss in märchenhafter Landschaft, der die Magie aus der Welt der Geschichten und Legenden in die Welt der Menschen trägt.

Stattdessen ist diese Geschichtenwelt mit unglücklichen Menschen und Verbrechern gefüllt. Der schwärzeste Bösewicht gibt dem Buch den Titel - ein Herz schwarz wie Tinte. Die einzige weibliche Hauptfigur ist ein männlich dominiertes Kind, das brav über das Lesen den Fantasiekosmos von allden männlichen Autoren der klassischen Jugendliteratur in sich aufgesogen hat und sich daher in den geschilderten Ungeheuerlichkeiten zu Hause fühlt. Glück bedeutet in der Tintenherzwelt dem Grauen und dem Schrecken zu entkommen. Die magischen Wesen, die unfreiwillig aus der Bücherwelt herausgelesen wurden, sind per se mit Vorsicht zu genießen. Selbst Feen sind unberechenbar und boshaft.

Die Frauen jedoch, wenn sie denn vorkommen, spielen besonders merkwürdige Rollen in diesem ersten Teil. Sie sind schrullig oder werden im Sklavenstatus gehalten und ständig verängstigt und bedroht.

Ich möchte aber der Autorin zu Gute halten, dass sie wenigstens die Thüringer Wald-Märchen-Bewohner kennt, wie die Moosweibchen und die Glasleute. Und dass ihr der generelle Müttermangel in der Literatur aufgefallen ist.

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