27 Februar 2011

Natürlich


Als Kind liebte ich mein Buch Waldmärchen
Zauberhafte und mit Sagen vermengte Geschichten, die im Thüringer Wald angesiedelt waren. Märchen wie, Die Binsenhexe, Das vertauschte Kind oder Der Gläserne Krug, führten mich, Hand in Hand mit Bärbelchen Goldhaar, auf geheimnisvolle Pfaden, an Holzmeilern vorbei,hin zur Wohnstatt der Quellenjungfer und den Moosweibchen, durch den toten Wald und mit grausem Gelichter auf den Fersen …




Doch obwohl ich in Thüringen groß geworden bin, ist mir der richtige, der tiefe, Wald eher unvertraut geblieben, nur meine Ehrfurcht davor habe ich bis heute bewahrt.

Der deutsche Wald ist ja heuzutage, wie ich neulich aus einer ZDF Sendung erfahren habe, hauptsächlich eine Art großes Gemüsebeet mit Langzeitwirkung. Nur ein ganz kleiner Prozentsatz des Waldes in Deutschland ist unberührt - darf tun und lassen was und wie er will. Ansonsten wird der Wald schon seit Jahrhunderten bewirtschaftete und gesteuert und monokulturell verhunzt. 

Die „wilde“ Natur mit der ich als kleine Steffi Stephanie aufgewachsen bin, befand sich nur in ganz unbedeutenden Nischen, die mir heute noch in liebwerter Erinnerung sind. Sonst begegnete mir nur die gezähmte Natur. In meiner Kindheit gab es um mich herum, trotz ländlichem Ambiente, nicht wirklich etwas Unberührtes. Über weite Flächen und zwischen Hecken und Zäunen, wuchs und grünte nur, was der Mensch erlaubte und was er für seine tierischen Leibeigenen brauchte. Begradigt, zerstückelt, eingefasst. 




Hatten wir, die Älteren, dereinst schon kaum noch Zeit für ursprüngliche Erfahrungen in normaler freier Natur, wächst heute das Durchschnittsstadtkind in unglaublicher Kargheit auf. Auf mehr oder minder gepflegten Spielplätzen, auf überschaubaren platten Schulhöfen, in beaufsichtigten Kletterparadiesen. Natürlich könnten wir auch alle in die Alpen ziehen oder an die See oder nach Meckpomm, aber wer tut das schon und warum auch. Nur um von früh bis spät ins weite Grüne gucken zu können?

"Der Mensch" bemüht sich die Natur zu zähmen, das heißt, "er" will sie zwingen, ihm zu Willen zu sein. Er selektiert, behindert, vergiftet und rottet aus, da er jedoch ein Teil der Natur ist, gräbt er sich selbst die Gruben, in die er ständig fällt (und trotz alldem wächst unsere Spezies noch zahlenmäßig an).



Wer einen Garten hat, kann sich glücklich schätzen, der kann sich wenigstens der Illusion von Natur hingeben. Eine Freundin von mir hat einen netten kleinen Schrebergarten, den ich richtig mag. In dem kleinen Teich konnten die Kinder und ich schon Fröschlein beobachten, es gibt geheimnisvoll verwachsene Ecken und für den Weg vom Gartentor bis zur Laube bräuchte man manchmal eine kleine Machete. Aber von Zeit zu Zeit wirft auch der Schrebergartenvorstand einen strengen Blick über den Zaun und das üppig sprießende Grün muss gebändigt werden. Wildwuchs passt nicht in eine nette Kleingartenanlage. 

Allerdings bei aller Sehnsucht nach Ursprünglichkeit, setzt mich bitte nie in einem richtigen Wald aus. Da wäre ich Kleinstadtpflänzchen aber bestimmt völlig aufgeschmissen... 

 

26 Februar 2011

Mitternachtsgedanken im Februar

Gesponnenes Gold

bin ich neidisch auf Männer? 
Doch, manchmal schon, wenn sie mehr Haare als ich auf dem Kopf haben. Mein zartes, goldig und silbrig schimmerndes Haar fliegt zur Zeit überall in der Wohnung umher. Ich wundere mich, dass ich überhaupt noch Haupthaar besitze. Oder fällt es mir einfach mehr auf, seit es länger gewachsen ist? 

Mal abgesehen davon, dass mein einzelnes Haar zu der sehr dünnen Sorte gehört, waren es trotzdem in der Gesamtsumme scheinbar auch nie besonders viele. Als Kind hatte ich dünne Zöpfchen, meist mit recht großen, eingeflochtenen Schleifen am Ende. Beim morgendlichen Kämmen vor dem In-die-Schule-gehen, war ich meiner Mutter immer sehr nahe und habe dabei auch gleich ihre Befindlichkeit zu spüren bekommen. 
 
Irgendwann kam dann, nach dem Abschneiden des flattrigen Gespinst, die erste Dauerwelle und seit da flüsterten mir eine Unzahl von konspirativen Friseusen ein, etwas anderes ließ sich mit den Haaren nicht machen. Ich hatte viele Jahre lang so ein merkwürdiges fremdbestimmtes Verhältnis zu meinem Haar.



Bis zu dem Tag und der ist erst wenige Jahre her, an dem ich beschloss keinen Friseursalon mehr aufzusuchen. Von Zeit zu Zeit setze ich selbst die Schere an, an Löwetagen und wenn ich unter Leute gehe, binde ich den spärlichen Wildwuchs mit einem dieser samtigen Riesenhaargummis zusammen. 


Ansonsten darf mein Haar wachsen, fliegen, statisch aufgeladen sein und auch mal platt herunter hängen. Aber, besonders nach dem Waschen und wenn das Licht günstig fällt, erfreue ich mich an der hauchdünnen, goldfarbenen Pracht, die andere höchstens als graublond bezeichnen. Meine Mutter, die eine ähnliche Haarfarbe ihr eigen nannte, sagte aschblond dazu.


Leider ist das Kapitel Friseur in meinem Leben immer noch nicht abgeschlossen. Jeden Donnerstag Vormittag bringe ich meine Schwester zur Friseuse ihres Vertrauens... waschen, schneiden, legen, färben, wickeln, kämmen... 

doch ich kann draußen bleiben! Und das ist gut so...



Da war doch noch was...

.... dA WAR Doch noch was!
Es ist schon ein paar Tage her, da habe ich von Diandra einen Award bekommen, ...
Danke schön!


Über diesen, meinen ersten Award habe ich mich doch sehr gefreut, und dachte lange darüber nach, ob ich ihn im Alltag platziere. Jetzt denke ich, ich bleibe bei der Award freie Zone.. aber als vielseitiger Blog bezeichnet zu werden, finde ich richtig gut!


Meine Schreibprogramm kennt das Wort Award nicht, komischerweise jedoch Awardenkrieg, da frage ich mich doch wer das Wörterbuch meines Schreibprogramms gefüttert hat? Es ist ohnehin unglaublich, was mein Schreibprogrammwörterbuch alles nicht weiß und als Fehler markiert... den ganzen Komplex von matrivivial über matrifokal bis hin zum Matriarchat musste ich der Wortesammlung erst beibringen!

Zu dem Award gehört auch eine Liste von sieben Punkten, in der ich sieben Dinge niederschreiben soll, die niemand über mich weiß (oder wissen wollte?).


Dann will ich doch mal zumindest die Liste ausfüllen:

  1. seit neustem liebe ich Oliven (vorher nur bäh!)
  2. ich führe gelegentlich in Ermangelung eines Haustiers intensive Gespräche mit meinen Grünpflanzen (...und sie erzählen zurück?)
  3. ich schreibe an einem Kinderbuch (äußerst schwierige Angelegenheit!)
  4. ich schaffe es nie, nur die Dinge auf meinem Einkaufszettel zu kaufen (bin mindestens ein Gemüse drüber)
  5. für Enkelkinderbesuch, dekoriere ich schon mal das Zimmer um oder male ein neues Bild (aus)
  6. ich lese zu 89% Sachbücher (da weiß frau was sie hat...)
  7. ich würde nie ein Wäschestück mit zwei verschiedenfarbenen Klammern aufhängen!
  8. ich fotografiere ständig meine Wohnung (seit zehn Jahren)
  9. ich vermisse mein Fahrrad (es ist noch in der vorigen Wohnung)
zu Punkt Fünf

... upps, ich Plaudertasche, jetzt ist die Liste länger geworden und ich dachte schon, ich bekomme keine sieben zusammen.


















23 Februar 2011

Die Gründung eines Vereins


Liebe LeserInnen

Angeregt durch die wunderbare Idee von Cambra Skade in ihrem Blogbeitrag Die Versehrten Wörter und durch verschiedene andere Hinweise und Kommentare entstand eine kleine Glosse, die beim Waschweib und da ich mich nicht entscheiden konnte, auch bei Kurz und Prosa nach zu lesen ist...

......

Nun kommt mein Aufruf an Euch, liebe Leserschaft: Welches Wort mag da wohl am Ende der kleinen Glosse, verlassen und vergessen, in der Tür gestanden haben?

Ich würde mich über Eure Vorschläge freuen!

Und wer sich am Schreiben eines der Vorträge beteiligen möchte, nur zu! Wir können sie dann untereinander verlinken.

Helfen wir dem Verein WORTE DER FRAUEN ein wenig auf die Sprünge.

Es grüßt Euch herzlich

Eure Stephanie


20 Februar 2011

Alltagsmagie


es gibt so Tage, da komme ich kaum von der Tastatur weg, bzw. bin unterwegs. Und dass heißt, ich gehe nur mal zwischendurch kurz in meine Küche, um mir etwas zu essen zu holen oder einen Kaffee zu machen, ohne richtig hinzusehen, manchmal noch mit dem Telefon in der Hand. Der geringe Abwasch, der sich dann aber doch ansammelt, wird so alle drei Tage erledigt. Da ist es dann aber auch wirklich dringend nötig und ich unterbreche etwas widerwillig meinen Denkfilm, um Tassen und Teller wieder in den Schrank zu komplementieren, Apfel- und Pellkartoffelschalen in die Tonne zu bringen und den Primeln am Fenster beim Geben eines Schlückchen Wassers gut zu zureden, nach dem Motto: Tut mir leid, heute ist es wieder grau, dabei könnte ich auch dringend Sonne gebrauchen...


Neulich ertappte ich mich dabei, dass ich jedesmal beim Betreten der Küche die Augen verdrehte und beim Blick auf das Kunterbunt dachte: Es wird von mal zu mal schlimmer!

Und es wurde schlimmer...

Jetzt betrete ich mein kleines Kochreich, in dem ich zur Zeit kaum koche, stets mit dem Gedanken: Sieh an, es wird immer besser!

Und was soll ich sagen, seit dem wurde es besser! Erstaunlich, nicht wahr!


18 Februar 2011

Bei Sinnen


...irgendwann in unserem jungen und noch kleinem Leben, nehmen wir uns selbst bewusst wahr. Und aus dieser Wahrnehmung und Akzeptanz unseres eigenen Selbst beginnt für uns die Wahrheit, unsere Wahrheit. Und sie wird, zwar auch ein Teil des uns umgebenen Umfelds sein, aber immer nur uns allein gehören. Es gibt keine absolute Wahrheit, die für alle und jeden gilt. Dafür ist ein Leben in Wahrhaftigkeit für das Selbst und all die anderen, recht wohltuend, sinnerfüllt.

Eine Freundin von mir lernt gerade Gebärdensprache - wir sprachen gestern darüber - am Telefon und ich war froh, dass sie eigentlich Hören kann, sonst wäre es ja nix dem Telefonieren.

Das ist so eine völlig andere Welt. Wenn, wie in dem Fall, der Hörsinn ausgeblendet werden muss und sich die Beteiligten, hier die Lernenden, nur hochkonzentriert über einen längeren Zeitraum auf die visuelle Wahrnehmung konzentrieren müssen. Es spricht beim Gebärden zwar der ganze Körper, aber hören können wir es nur, mit den Augen.

Manchmal kann es uns allerdings auch vergehen, das Hören und Sehen. Und gelegntlich flüchten wir in Gefilde, wo uns höchstens Naturgeräusche umgeben. Denn das war es, was tausende von Jahren lang dem Menschen vertraut war. 

Lärm ist künstliches Geräusch. Gebrüll von vielen Menschen auch keine wirkliche Urerfahrung. Das Tosen eines Sturms wird nicht unbedingt als Krach gedeutet und ist auch irgendwann vorbei, beziehungsweise kommt nicht so häufig vor. Ganz anders ist da so mancher Arbeitsplatz oder das Wohnen an einer stark befahrenen Straße und selbst daran gewöhnen sich Menschen.

In unserem intensiven und vielfältigen Alltag, umgeben von unglaublich vielen und überwiegend Unbekannten, müssen wir uns einerseits auf unsere Wahrnehmung verlassen können und anderseits scheint es mir ein Zug unserer Zeit zu sein, teilweise unsere Wahrnehmungen auszublenden... sonst würden wir unseren reizüberfluteten Alltag vielleicht nicht auf die Reihe bringen. Wir setzten unsere Aufmerksamkeit selektiv ein und überlassen unserem immer aktiven Unterbewusstsein die Wächteraufgabe, was auch mal ins Auge gehen kann.

Die Hauptsinne, mit denen wir mit unserer Umwelt in Kontakt treten, sind Hören und Sehen. Der Hörsinn schläft nie. Ich gehe jetzt mal nur von den verifizierten fünf Sinnen aus. Aber da gibt ja wie immer wieder behauptet wird, noch mehr, fast schon sagenumwobene, Sinne. Den sechsten und den siebten... wer weiß wieviele wir wirklich haben?

Ganz am Anfang sind alle Sinne natürlich umfassend essentiell wichtig. Wir müssen erst einmal unsere Welt be(er)greifen, ertasten und sie schmecken und riechen. Wir sehen irgendwann all die Farben und hören die Stimmen, die uns umgeben, den Klang der Botschaft, die Zwischentöne in einem Gesprächen. Nicht nur die Ohren hören, der ganze Körper nimmt Schwingungen auf. Das Interpretieren akustischer Signale ist, hin wie her, auch eine Überlebensfrage. Jedenfalls wissen wir ja, der Mensch verfügt über reichlich Rezeptoren der Wahrnehmung. Unsere Sinne können mehr, als wir ihnen auf den ersten Blick zutrauen. Aber ich will mich nicht zu sehr auf die medizinisch-biologische Ebene begeben, da fehlen mir die akademisch abgesegneten Kenntnisse.

 

Ich gehe einfach nur von Eigenbeobachtungen aus. 
Und da höre, sehe und erfasse ich, fühle mit meinem ganzen Sein, selbst in der Stille, die mich gerade umgibt, trotzdem irgendwie die ganze Welt. 




 

17 Februar 2011

Z wie Zauber



... bei Kurz und Prosa gibt es februarmilde Zauberworte... 

nach der Idee von Seelenbalsam... 


15 Februar 2011

Er hat es schon wieder getan

....  der Winter und überall Schnee verteilt, sowie die ganzen Schneeglöckchen und  Kroküsse, die schon so schön aus der Erde guckten, einfach zugedeckt… bis zur Frühjahrstagundnachtgleiche sind es noch fünf Wochen. Der scheinbare Mond- und Sonnenlauf um unsere kleine Erde ist ja immer noch einfach und zuverlässig, das hat so was Beruhigendes. 

Ganz anders die Kalenderfesttagskapriolen in diesem Jahr. Bekanntlich ist Ostern ja an dem Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond und der (letzte Winter)Vollmond hat seinen Aufgang zwei Tage vor dem Äquinox und gilt somit im Kalender nicht als Frühjahrsvollmond. Ach und Karneval ist erst im März, das fühlt sich mich auch so unpassend an.

Unser Jahreskreis ist in acht, etwa sechseinhalb Wochen lange, Segmente geteilt, eine schöne einfache Sache. Als ich, bereits im fortgeschrittenen Alter endlich davon erfuhr, in der Schule habe ich das nicht gelernt, leuchtete mir diese uralte Art auf unserem Planeten mit Zeit umzugehen, auch sofort ein.

Als Jungfraugeborene mag ich einfache Grundlagen, Symmetrie und runde Sachen. Das Jonglieren mit den pingeligen Kalendertagen kam mir immer so inkonsequent vor, mal ist der Monat dreißig Tage lang und mal einunddreißig, vom Februar will ich gar nicht erst anfangen. Dazu kommt noch unsere heutige Fixierung auf Minuten und Sekunden. Ohne die wir aber nicht mehr leben können, das merken wir spätestens, wenn wir auf den Bus warten oder den Zug verpassen. Im Stau auf der Autobahn wiederum verliert das strenge Tick Tack oft genug seine Bedeutung.

Ach, von Zeit zu Zeit sehne ich mich einfach nach einem natürlichen Rhythmus. Dem Kalender ist das menschlich, zyklisches Empfinden der Zeit egal.

Der Winter dauert jedenfalls noch eine Weile und unsere Zwillinge haben in diesem Jahr zur Abwechslung mal am Ostersonntag Geburtstag.



Frühlingshafter Trost



11 Februar 2011

Eigentlich


Eigentlich wollte ich mich ja nicht mehr direkt zu solchen Fragen, wie: „...bilden wir uns das Patriarchat nur ein und gab es überhaupt je Matriarchate?“, äußern. Aber da diese Thema nicht zur Ruhe kommt, sind wir offensichtlich noch (lange) nicht damit durch.

Ja, es gab matriarchale Strukturen weltweit und sogenannte Matriarchate existieren immer noch, wenn auch in verschwindend kleiner Anzahl. Jeder kann dazu googeln und sie werden auch deshalb so leicht übersehen, weil es sich dabei eben nicht um Zusammenschlüsse machtgieriger Weiber handelt, welche die armen Männer knechten...

Diese matrifokalen Urformen sind und das ist imho inzwischen hinreichend bekannt, egalitäre Formen einer Gesellschaft, in denen die Männer das sind, was sie schon immer waren, die Söhne und Brüder der Frauen (und nicht die Partner, wie es gern so modern bezeichnet wird - dazu mein offener Brief beim Waschweib).

Das Patriarchat ist eine schmerzliche Realität, schmerzlich für Mann und Frau.

Die Patriarchose, wie Dagmar Margotsdotter-Fricke den Zustand nennt, ist wahrhaftig eine krankhafte (und krank machende) Entwicklung in der Menschheitsgeschichte, die schon viel zu lange anhält.

Die Frage ist auch nicht wirklich, ob wir sofort etwas dagegen tun oder ändern können. Noch sind vor allem Frauen damit beschäftigt diese todkranke Gesellschaft ständig zu pflegen und wiederzubeleben, denn leider müssen wir uns alle tagtäglich darin aufhalten.

Wenn Frau (im allgemeinen) also bisher noch nicht einmal die Diagnose gestellt hat, wie kann sie da das Heilmittel gegen diese Krankheit suchen oder gar anwenden? Und wir werden noch suchen müssen! Wenn etwas so lange dauert, dann liegt auch der Verdacht nahe, dass diese Krankheit bereits chronisch ist...

Außerdem verwirren mich die, mich immer wieder erreichende gendermainstreamigen Meinung. Ich verstehe das hartnäckige Leugnen der grundsätzlichen Unterschiedlichkeit der Geschlechter nicht wirklich. Ich finde das respektlos beiden gegenüber! 
Die biologische Ausformung der beiden Geschlechter hat seinen Grund und wir gehören nun mal auch zur Kategorie der Säugetiere...

Die Probleme, die in unserer Zivilisation vor allem die Frauen treffen, sind auch nicht, wie pauschal behauptet, weder in der Vergangenheit noch heute, von allen Menschen fabriziert worden, sondern sind in voller Absicht von den machtversessenen männlichen Vertretern der Patriarchalgemeinde kreiert worden. Aber auch das, weiß inzwischen JedeR.

Wir könnten uns Frauen hierzulande vorwerfen, dass wir auf ziemlich hohen Niveau jammern. Mal abgesehen davon, dass es inzwischen ohnehin uncool für Frauen ist, zu klagen. Doch Frauen wuppen alles, sie behalten selbst in verzweifelten Augenblicken die Übersicht, sie arbeiten bis zum Umfallen oder bis sie zur Kur geschickt werden. Und ja, selbst wenn sie scheinbar gemütlich auf einer Bank im Sonnenschein am Rande des Spielplatzes sitzen, arbeiten sie. 

Sie verwalten die umfangreiche Terminliste eines normalen Kleinfamilienhaushalts und sorgen für deren Umsetzung. Sie halten Mann und Kind bei Laune, sie handwerkern, gärtnern, waschen, kochen, bügeln, nähen stricken, schreiben und und und... (ach klickt euch doch selbst durch die Bloggerlandschaft, um zu sehen, was Frauen alles tun, oft genug noch neben einer Berufstätigkeit). Und wenn sie allein zu Hause sind, dürfen sie auch weinend zusammenbrechen, aber klopft dann jemand an die Tür, sind schnell die Tränen abzuwischen und wahlweise kann behauptet werden, sie hätten Schnupfen oder sich gerade den Balken aus den Augen gewischt...

Eigentlich können wir Frauen hier in Mitteleuropa meist ganz entspannt unserem Tagesgeschäft nachgehen, ohne Gefahr für Leib und Leben, wenn wir nicht gerade zur Prostitution gezwungen werden, gegen den Ehrbegriff der Machokultur verstoßen haben oder sonst wie in die Mühlen der kriminellen Subkultur unserer Gesellschaft verwickelt sind.

Doch solches tangiert die meisten Frauen nicht, im Gegenteil, viele wähnen sich bereits im aufgeklärten Wunderland. Selbst dann noch, wenn sie verhüllt und mit Kopftuch neben einem locker gekleideten Teenagern in einer Schulklasse hocken oder vielleicht als karrierebewusste Singlefrau, den Müttern erklären, wo es lang geht.

Trotz ständigem Aufschrei mitleidiger Seelen, aber noch kämpfen Frauen nicht gegen Männer, sondern sie wehren sich höchstens gegen „häusliche“ Gewalt, Übergriffe, Ungerechtigkeiten, Demütigungen oder weisen auf das weltweite Leid anderer Frauen hin... denn in anderen Teilen der Welt geht es nicht so gemütlich zu, wie bei uns.

Und dafür sollten wir unsere privilegiertere Stellung auch nutzen. Denn, wenn ich mich, als Frau aus lauter Angst und Sorge und Schmerz nicht gegen meine Peiniger auflehnen kann, bleibt mir nur die Hoffnung auf die Schwestern in dieser Welt, die in einem unversehrten Körper stecken, der frei fühlen kann und die den Kopf zum Nachdenken frei haben. 

Nichts finde ich schlimmer, als wenn wohlmeinende Frauen ihren Mitschwestern die Welt erklären, die in ihren Augen, Hand in Hand mit jedem und ab sofort partnerschaftlich gesinnten, Mann, doch gar nicht so übel ist...

Langsam verliere ich meinen großmütterlichen Langmut!

Zweitausendachtundzwanzig wird Isolde zwanzig Jahre alt sein... was sie da wohl vorfinden wird?


07 Februar 2011

Unterschrift

... neulich schickte mir eine Freundin, eine von diesen "Rundmails", die mich nicht immer begeistern - diesmal ging es um eine Unterschriftensammlung im Zusammenhang mit den Unruhen in Kairo! Hier meine Antwort

... danke auch für den Kairo - Link!
aber ich werde mich an der Aktion nicht beteiligen - eine Auflehnung von (jungen) Männern gegen die Macht der (alten) Männer und ohne wirkliches politisches Ziel und ohne Frauen! 
Oder hast du welche auf den Videos gesehen?
... allerdings ist mir beim Lesen und Ansehen der Bilder zum ersten Mal bewusst geworden, dass das, was wahrscheinlich die friedliche Revolution in der DDR, die ja zu der Wende führte, bis zum Schluss auch friedlich bleiben ließ, die große Beteiligung der Frauen war. Sie gingen selbstverständlich und gleichberechtigt zu den Demonstrationen. Einschließlich des hohen weiblicher Anteil bei den Jugendlichen (Kinder weniger, da bis zuletzt die Gefahr bestand, dass die Machthaber doch noch durchdrehen und den Befehl zur Gewaltausübung geben konnten)...


Luise Pusch bringt die Ignoranz der Berichterstattung auf ihrem Blog bei fembio auch sehr ausführlich zum Ausdruck...

Zitat:
"...Das Erschütterndste aber ist, dass das eklatante Fehlen der Frauen fast niemals in den westlichen Nonstop-Berichten über die Unruhen in Ägypten thematisiert wird...."


03 Februar 2011


Imbolc...


war das  erste Jahreskreisfest, das ich vor Jahren mit einer Freundin feierte, sie wohnt jetzt weit weg, ich sehe sie kaum   ... 

überhaupt, jetzt da mich gerade die Endlichkeit gestreift hat, nehme ich mich ein wenig aus dem Alltagsgetriebe heraus und verweile etwas länger in meiner Mitte, fühle die Zeitlosigkeit  im Vergehen...

alles, was mich bis vor drei Tagen noch, ach so beschäftigt hat, schiebe ich in eine Ecke,  setze mich davor und blicke in eine andere Richtung ...


31 Januar 2011

Trauer


Die fremde Tochter

… fünfzehn Jahre ist sie alt geworden, eine Zeit von der es heißt, dass das Leben nun erst richtig anfängt. Ein junges Mädchen, das über verschlungene Bande auch mit mir verknüpft war. Sie war die Halbschwester einer meiner Enkeltöchter und weder wirklich bekannt, noch jemals irgendwie präsent im Alltag unserer Kleinen. 

Eine, von meinem Schwiegersohn getrennte Lebensgefährtin, war ihre Mutter. Und für ihn ist sie die Tochter gewesen, die weit weg lebte und die er selten sah, über die wenig gesprochen wurde und er als Vater froh war, wenn alles gut lief. 

Nicht einmal ihr Name ist mir sofort eingefallen, als ich von ihrem Tod erfuhr und erst jetzt, wo ich diese Zeilen schreibe, steigt in mir eine überwältigende Trauer auf und ich fühle die grausame Endgültigkeit des Geschehens.

Ein Kind gehen lassen müssen, eine Tochter zu verlieren … wie groß kann Schmerz sein?

Mein Herz begleitet Dich in die andere Welt, in die Arme der Ahninnen. Schlaf gut, kleine Tochter!


29 Januar 2011

Goldwaage

...neulich rief mich eine Freundin an, von der ich lange nichts gehört habe. Irgend wann maßregelte sie mich im Gespräch mit der Bemerkung: „...man muss ja nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen“.

Ja vielleicht nicht jedes, aber einige schon, denke ich. 
Ist es denn wirklich alles pillepalle, was so daher geredet wird? 
Leg doch nicht jedes Wort auf die Goldwaage, sei nicht so pingelig, so kleinkariert.“ -  ich kenne noch härtere Ausdrücke, wenn ich es wieder einmal genau nehme und mitunter sogar von den Gesprächspartnern verlange, dass bestimmte umgangssprachliche Ausdrücke nicht immer wieder einfach (oder gedankenlos) verwendet werden. 
 
So sagte sie vorher während unseres Gespräches den nett gemeinten Satz: „Du nimmst deine Rolle als Großmutter eben sehr ernst...!“

Jede, die mich ein bisschen kennt, weiß, dass ich darauf sofort anspringe... ja fast schon allergisch auf das überall benutzte Wort „Rolle“ reagiere. Aber sie hatte eh grad andere Sorgen und reagierte dann etwas pikiert, als ich ihr so zartfühlend wie möglich mitteilte, dass ich eine Großmutter bin und keine Rolle spiele (den Doppelsinn jetzt bitte mal ausblenden). Worauf der Satz mit der Goldwaage fiel. Mir blieb also gar nichts anderes übrig, ihr daraufhin klar zu machen, dass eben genau das mein grundsätzliches Anliegen ist: bestimmte angewandte Begriffe in ihrer Etablierung zu hinterfragen und auf die Fallen aufmerksam zu machen, die in diesen scheinbaren Belanglosigkeiten stecken. 

(Manchmal fühle ich mich schon wie ein Nerd und gibt es davon eine weibliche Form?)

Das Wort Rolle wird gerade in Verbindung mit familiären Bezeichnungen gern angewandt: Da füllt einer seine Rolle als Vater aus oder eine bekommt ihrer Mutterrolle nicht auf die Reihe..., wie auch immer, in der Realität sind es nun mal keine Rollen in einem Bühnenstück. 

Da das Schauspielerhandwerk, pardon die Schauspielkunst, sich in unserer Zeit großer Beachtung und Wertschätzung erfreut, liegt es nahe, dass Redewendungen aus diesem Bereich in die Umgangssprache einfließen. Genau wie unsere Gehirntätigkeit der Anschaulichkeit halber, mit Computerabläufen verglichen wird (obwohl es eigentlich umgekehrt ist). 

Wie dem auch sei, in Wirklichkeit sind wir Mutter oder Vater ein Leben lang und ich bin inzwischen eine Großmutter, das ist keine Episodenrolle in einer Serie.

Wenn jedoch gewisse EU Bestrebungen so weitergehen, dann gibt es ohnehin irgendwann im offiziellen Sprachgebrauch kaum noch eine Großmutter und ich bin auf gewissen Formularen einfach nur ein Groß(Ä)Elter...



26 Januar 2011

Mitternachtspost im Januar


Neulich las ich in einem Kommentar, dass ein Künstler an sich zweifeln muss und die besten Werke von Zweiflern stammen...

Ob das wirklich so ist, möchte ich hier und jetzt doch einmal bezweifeln...

ich weiß, ich weiß, Zweifler(innen) haben so was bescheidene, sympathisches... Zweifeln, auf der Suche sein ist auch ein bisschen chic! Wir kennen ja auch alle den Spruch: Der Weg ist das Ziel! Immer ist noch etwas zu verbessern, immer sind wir noch nicht gut genug, müssen wieder und wieder hart an uns arbeiten. Gut, manches Mal mag es auch nötig sein, denn manch erzieherischer Drill und unnütze Verbildung haben uns verbogen und eingeengt und uns selbst entfremdet.

Aber muss es denn wirklich auf einen dauernder Kraftakt hinauslaufen, zerquält von Selbstzweifeln und auf der Suche nach dem Heil, das uns andere vorenthalten haben?

Wir können stattdessen den Tag
in dem Bewusstsein
verbringen, dass wir die Welt heilen, mit unserem Handeln, unserer Kunst, mit unserem Dasein!

Zweifel bedeutet doch, ich bin nicht gut genug für diese Welt! Und mache ich alles richtig? Werde ich von den Anderen akzeptiert? Aber gut und möglichst noch besser, muss ich doch nur sein, wenn ich gegen irgendwelche Konkurrenten antrete, wenn ich meine Arbeit möglichst gewinnbringend verkaufen muss, wenn mein Umfeld mich zwingt, mich ständig zu beweisen.

Eigentlich ist das doch so ein Männerding... währenddessen
scheint es ein Teil des weiblichen Existenzberechtigungsgefühl zu sein, sich immer ein wenig unwert fühlen zu müssen ... 
ich will das schon lange nicht mehr...

Nichts ist weniger willkommen, als eine Frau, die selbstbewusst auftritt und die sagt: Ich weiß genau, was ich will und was ich tue!

Wir sollten wirklich aufhören an uns selbst zu zweifeln, sondern unserer Intention freien Lauf lassen und damit glücklich sein. Da kann ich abschließend nur sagen: ...nicht Eine von uns hat wirklich einen Grund an sich zu zweifeln! 


Ich wünsche allen eine zweifelsfreie Zeit... und ganz besonders Dir!


Mitternachtsgedanken aus gegebenen Anlass...

Beim Essen nicht Lesen


Eine beliebte Mahnung an das Kind. Es ist nicht gut für... warum auch immer... doch als ich Kind war kümmerte es mich
meist nicht und wenn ich sonst keine Unterhaltung hatte, dann habe ich halt gelesen! Das ist war und ist für mich normal, Essen und Informationsaufnahme gehören einfach zusammen.

Beim Essen nicht Reden! Noch schlimmer! Besonders, wenn das Kind sein notwendiges Mitteilungsbedürfnis in der Unterhaltung mit Erwachsenen nicht genug ausleben kann (darf).  Mit meinen Kindern
hielt ich es anders.

Als sich Menschen noch am Abend um ein gemeinsames Feuer versammelte und es weder Bücher noch Zeitungen, geschweige denn Fernseher gab, haben sich Menschen unterhalten. Doch es war sicher nicht nur ein Schwätzchen nach getaner Arbeit. Die was zu sagen hatten, die Alten, sprachen über ihre Erinnerungen, Erfahrungen, auch über manch ein Geheimnis, dass schon seit Generationen im internen Kreis weitergereicht wurde. Die Jungen hörten zu oder fragten und behielten die oft wiederholten Mären und Sagen im Gedächtnis. Eines Tages war es dann für sie an der Zeit, den Schatz an die Jüngeren weiterzugeben. Alles, was ihnen wiederum die Ahnen einst kündeten und die Erkenntnisse, die sie selbst in ihrem Leben sammelten... können wir uns ein solches Leben noch vorstellen?

Heute muss ein Kind die Kulturtechnik des Lesens erlernen um an das sprunghaft angewachsene Gesamtwissen der Menschen heran zu kommen. Und es soll in der Schule (still) sitzen und zuhören, auch möglichst ohne etwas anderes zu tun. Auch das habe ich in meinen Kindertagen nicht ausgehalten, obwohl ich ein wahrhaft braves Kind war. Zum Glück hatten die Hefte Löschblätter, die ich vollmalte und neben mir saß die beste Freundin mit der ich schwatzen konnte...

Der Mensch lebte schon immer auch von den Interaktionen mit den anderen, Input gab es stets und ständig … sehen, hören, fühlen, riechen, schmecken … und ganz besonders während der Mahlzeiten.

23 Januar 2011

Tagesgeschäft


… ich bin nach zwei, drei unangenehmen Erfahrungen und Begegnungen ein wenig in Klausur gegangen, wollte etwas Abstand bekommen, kleine Seelenverletzungen ausheilen, ein bisschen die Duldsamkeit wieder zu Kräften kommen lassen.


Wenn ich Klausur oder Rückzug schreibe, dann ist davon natürlich nicht das Tagesgeschäft berührt. Dann fahre ich trotzdem meine Schwester zum Friedhof und zum Einkaufen, treffe dabei meinen Bruder, der sich gerade von seiner HerzOP vor etlichen Wochen zu erholen beginnt und berichtet, dass seine Frau, die nach einem Sturz ins dem Krankenhaus kam, nun am Montag nach Hause darf. Oder ich vertrete eine der Mamas bei den Enkelkindern, wenn die häusliche Lage schwierig wird. Wobei darunter heutzutage auch Arbeitszeiten oder krank sein fallen. Als normal
gilt nämlich allerorten der tägliche reibungsloser Ablauf, auch wenn dieser Normalfall richtig kompliziert ist. In Familien mit mehreren Kindern finden im Alltag meist ausgeklügelte Logistikleistungen auf höchstem Niveau statt. Die Lage entspannt sich für die Eltern vielleicht, wenn die Kinder größer werden, das begleitende Mutterherz ist trotzdem immer dabei.

Zu meinem Tagesgeschäft gehört auch, dass ich mir über die banalsten Dinge Gedanken mache und das persönliche, alltägliche Geschehen um mich herum in die gesellschaftlichen Zusammenhänge hochrechne. Dort bekommt nämlich plötzlich alles eine andere Wertigkeit und ist gar nicht mehr so privat. Ich will jetzt hier nicht auf alte Slogans zurückkommen, dass das Private politisch sei, denn das ist es ohnehin schon immer gewesen. Aber der Wandel der Zeit ändert auch vieles in der täglichen Routine und es ist wichtig auch die Sicht auf den praktizierten Alltag anzupassen. Wie der Normaltag der durchschnittlichen Klein- und Kleinstfamilien als Alltagskampf in all seiner Schärfe abläuft, ist sogar hochgradig politisch. Aber wie gesagt, es gilt als normal und wer nicht mithalten kann stört nur das Getriebe. Und bei diesen meinen dramatischen Worten habe ich jetzt hier, noch nicht mal das große Ganze
im Sinn, sondern nur ein etwas langsameres, verträumtes Kind im Blick, das sich einfach, in dem, Bildung verwaltenden, dauerhektischen und lauten Schulalltag, völlig fehl am Platze fühlt...

Meine Gedanken(- und Schreib)arbeit, die mir wirklich wichtig ist, lässt meine kleine Wohnung manchmal beinahe zum Elfenbeinturm werden. Aber ab und zu sind da diese besonderen Momente, die so nachdrücklich erden, wie einundeinehalbe Stunde süßes, weises Geplapper, entzückende Nachsicht mit Omas Begriffsstutzigkeit und seliges Lächeln bei den kleinen Ritualen, die wir beide so zusammen haben – die dreijährige Isolde war zu Besuch... 



Konspiratives Treffen im Korbsessel...!

17 Januar 2011

Glück


...menschlich sein macht glücklich, behaupte ich jetzt einfach mal. Oder...

Ein glücklicher Mensch stürzt andere nicht ins Unglück...

hört sich nach Kalenderspruch an, ich weiß und stimmt das auch?
Jedoch so oder anders herum, ich bringe glücklich und menschlich sein, in einen ursächlichen Zusammenhang. Glück ist nicht nur ein philosophischer oder esoterischer Begriff, es ist manifest, ein Grundmuster unseres menschlichen Seins, unser Wohlfühlfaktor. Dort, wo wir der Menschlichkeit, der Zugewandtheit und Beachtung begegnen, können wir befreit und zufrieden durchatmen, uns sicher und geborgen fühlen, glücklich sein.

Ich will jetzt nicht auf die vielen flüchtigen Augenblicke der Glückseligkeit eingehen, die uns streifen, berühren, aufsteigen wie bunte Luftballons, die uns die Tage verschönern und die Nächte versüßen. Sondern auf das Glücklichsein als eine Grundhaltung in meinem Leben. Glücklich für sich selbst und andere und damit ist nicht das saloppe Leben und Leben lassen oder das inakzeptable Jeder ist sich selbst der Nächste, gemeint.

Ist dieses grundlegende Glücklichsein jedoch im Angesicht des Wahnsinns, der allerorten tobt, überhaupt möglich? Im Wissen um die Zerrissenheit der Welt und all der Unmenschlichkeit die tausendfach jede Minute stattfindet, einfach nur glücklich sein, geht das? Wie geht das?

Immer wieder treten Situationen in unser, ansonsten hier so friedliches, Leben, die uns unsere Friedfertigkeit auch mal vergessen lassen oder wir verlieren gleich die Contenance.
Und wie reagiert mensch bei einer Naturkatastrophe oder als Zivilist in einem Kriegsgebiet, wenn uns nur noch Unmenschlichkeit umgibt? Können wir dann menschlich bleiben? Wann bricht sich die Urgewalt des Überlebenwollens Bahn und schadet dabei anderen? Oder verhält sich eine Mutter inhuman, wenn sie ihre Kinder mit allen Mitteln verteidigt? Vorausgesetzt die Mutter ist überhaupt in der Lage, sich zur Wehr zu setzten... und wenn ja, was bewirkt ihr heiliger Zorn?
Inhumanes Verhalten von dem wir hören, macht uns wütend, regt zum Handeln an oder sind wir direkt betroffen, lähmt es auch, lässt uns verzweifeln. Das Grauen, dem wir direkt gegenüber stehen, paralysiert und vernichtet die Basis von Glück.

Unmenschlichkeit zerstört Leben und menschliches Glück, das, denke ich, kann so stehen bleiben.

Was ist nun dieses Glück, diese menschliche Grundzufriedenheit und was hat sie dem Unglück, das nicht als fatales Ereignis, sondern als Ergebnis (un)menschlichen Handelns daherkommt, entgegenzusetzen?

Ich denke, ein verantwortungsdurchdrungenes, zutiefst humanes Verständnis für das eigene Sein und für mein jeweiliges Gegenüber, ein aus der Mitte heraus, bewusstes Geben und (An)Nehmen, sowie in Sicht- und Hörweite Menschenliebe fließen lassen, das ist schon mehr als nur die halbe Miete und eine richtig gute Voraussetzung für Glück, das nie so ganz allein gedeihen kann...

ich stelle mir immer wieder vor, dass auf diese Weise alle Menschen glücklich werden können und Inhumanität irgendwann... plop... verschwindet. Ach ja!


Liebe Karin, Danke für die Anregung auf deinem Blog writresscorner zu dem Thema, das mich bewog auch meine Gedanken frei zu lassen....

14 Januar 2011

eine evolutionsphilosophische Betrachtung...

"In der Eiszeit zogen noch bunt gemischte Menschenhorden umher..." dieser Satz steht gegen Ende in einem Artikel in der Wochenzeitschrift Die Zeit und hat mich sehr gestört...
In dem Text kommen auch noch andere, ich bin mal höflich, Merkwürdigkeiten vor und sicher werde ich mich zu einigen Punkten auch noch äußern...
 
Ich frage mich, wie man diese Vorstellung genau verstehen soll? 
Auch die frühen Menschen waren eher sesshaft, als mobil. Von unserer heutigen Vorstellung von Mobilität ganz zu schweigen. Die Menschen lebten landschaftsbezogen. Die vertrauten Horizontlinien umschlossen sie, wie uns heute die Wände unserer Wohnung. Das war nicht die gruselige und bedrohliche Natur, vor der man immer wieder flüchten musste, das war ihr Zuhause. Von den Anfängen in Afrika bis zur Eiszeit und bis zu deren Ende, haben sie Jahrtausende gebraucht, um nach Europa, bzw. in die ganze Welt zu kommen.
Es wurde sich wohl höchstens generationsweise wirklich wegbewegt, solange der Mensch ausschließlich zu Fuß ging. Die Vorstellung von der Umtriebigkeit der frühen Menschen scheint mir manchmal zu einfach gestrickt. 
„Die Savanne trocknet langsam aus“, meinte eines Morgens der Clanchef, „lasst uns mal nach China gehen, dort soll es auch sehr schön sein...“ oder wie? Die haben auch nicht jede Woche ihren Fellkoffer gepackt und sind weitergezogen, immer den Mammuts hinterher... 
Überlebensstrategien waren vielfältig, klimaabhängig und durch naturgemäße Veränderungen initiiert. Und zu ihnen gehörten auch lange Phasen des Dableibens an einem Ort, in einer Gegend. Es waren die Zeitspannen in denen die Menschen sich wichtige Komponenten des Menschseins aneigneten. Gefühle lernten, wie Genuss erleben, Erfüllung fühlen, Glück spüren, gleichbleibende Zufriedenheit auskosten. Alles was wir in Ruhe lernen und verinnerlichen können. Menschen wurden nicht irgendwann sesshaft, sondern sie bewegten sich ohnehin nicht ohne Not aus ihren Sammel- und Jagdgebiete fort. 
Ich denke ja, die Ackerbau- und Viehzuchtära brach nicht einfach über die Menschen herein und ermöglichte ihnen dann erst sesshaft zu sein. Wenn die (Menschen)Spezies anzahlmäßig zulegt, weil in friedlichen Zeiten die Gruppen anwachsen und man gern in der vertrauten Umgebung bleiben möchte, musste frau sich auch was einfallen lassen, um alle satt zu bekommen.
Manchmal wird so getan als wären Menschenhorde wie die Wanderheuschrecken durch die Welt gezogen, ohne Sinn und Bezug zu ihren Wurzeln und der Landschaft, die sie formte. Selbst nomadenhaft lebende Völker bewegen sich über Jahrhunderte in einem sehr begrenzten Gebiet. Der Mensch war eigentlich schon immer sesshaft, wir allerdings haben heutzutage eine Art an Mobilität entwickelt, die ich nur als zivilisationsgeschädigt bezeichne und fast schon schmerzhaft empfinde...

10 Januar 2011

Inkarnation

... gestern lief im Fernsehen der Film „Troja“. Die Erzählung über den bekannten Kampf um die legendäre Stadt, fest gemacht an der Figur der Kampfmaschine Achilles, der Brad Pitt in seiner Darstellung auch ein paar menschliche Züge verlieh. 

Jedenfalls wurde wieder gekämpft, abgeschlachtet und vernichtet ohne Ende und zum Schluss wurde von der Stimme aus dem Off darauf hingewiesen, dass die Nähe zu den Helden auch einem völlig bedeutungslosen Menschen etwas Ansehen verleihen kann. 

nun ist mir ja schon lange klar, ich bin eine von denen, die in ihren Reinkarnationen nichts Spektakuläres erlebt haben. Eines der Erdenkinder, die beim Erzählen in der Weltliteratur immer als erstes umgekommen sind und die für die Geschichte dann keine Rolle mehr spielten. Das Bauernopfer der Mächtigen, völlig unheldisch und von den Geschichtsschreibern übersehen. Und ich gehörte wohl auch zu dem friedlich vor sich lebender Teil des Background, ohne den ein Herrscher nichts zu beherrschen gehabt hätte und den ein Romancier als Kulisse für die Hauptfiguren in seinem Werk braucht. 
 
Ich war weder eine ägyptische Prinzessin oder bekannte trojanische Priesterin oder sonst eine Adlige, noch ein siegreicher Feldherr, wahrscheinlich auch kein bedeutender Politiker der Antike, wurde nicht als Aufrührer hingerichtet, bin nicht auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden und habe keine sensationellen Entdeckungen gemacht. Nichts von alldem. Sollte ich auf einem von Columbus Schiffen gewesen sein, bin ich wohl bei einem Sturm über Bord gefallen und habe Amerika nie erreicht.

Ich war eher das Kind, das umkam, weil die Mutter an der Pest starb oder der junge Bursche, der in einer Schlacht verheizt wurde. Vielleicht auch der Gärtner oder die Haussklavin im Hausstand eines römischen Tribuns. Wenn ich mich recht erinnere, waren meine Leben als Mann eher kurz und beschwerlich und als Frau meist lang und erfüllt. Vielleicht ist das ja das Besondere.

Bestimmt verliefen meine Leben in aller Ruhe, als ganz normale Sammlerin in der Sippe oder als Frau und Mutter im Langhaus, mit Kindern um mich, den meinen und denen der Schwestern. Oder ich zog als Händler über die Berge, um anderen Clans Tauschwaren und Nachrichten zu bringen. 
 
Ich habe am Feuer Geschichten erzählt und Lieder gesungen, gesponnen, gewebt und im Bach gefischt, aus Blumen Kränze geflochten und mich vor vorbeiziehenden Horden im Wald versteckt.

Ein Promi der Geschichte war ich jedenfalls nicht. Nur eine, die das Leben immer wieder am Laufen hielt, für Nahrung und den Nachwuchs sorgte und das alltägliche Wissen bewahrte und weiterreichte. Eine ganz durchschnittliche Menschenfrau eben...