11 April 2015

...das wollte ich schon immer mal loswerden...

... es ist der Wahnsinn, dass all die Männer, welche sich des überdeutlich vorhandenen und angewendeten Bedrohungspotential der patriarchösen Gewaltspirale zwar bewusst sind und sogar inzwischen versuchen sich dem entgegen zustellen, dabei doch deren Ursachen außer Acht lassen. Es ist eine Art Insider-Spiel unter Männern. Dabei wird die maskulin performte gesellschaftliche Zwangslage die unsere Welt beherrscht als natürlich entstandenes Menschenproblem geschildert und dabei völlig bedenkenlos und schmerzfrei  die weibliche Hälfte der Menschenexistenz ausgeblendet (zeitlich und räumlich) und zwar sowohl als biologische Komponente des Menschsein wie auch in ihrem kulturellen, gesellschaftlichen, politischen und individuellen Status.
Religiöse Konfessionen als politische Konzepte (und hier ist auch die Missionierung zu finden) sind Teil des patriarchalen Gesellschaftssystems und das ist gleichzusetzen mit dem hierarchischen gewaltbasierten Herrschaftskonzept. Die gewaltsame Machtnahme von Männergruppierungen, die ihr Selbst kultivier(t)en und verteidig(t)en ist der Ausgangspunkt und Auslöser der Flächendeckenden Gewalt, die ab sofort die kulturelle Entwicklung der Menschengemeinschaften bestimmte. Sich Privilegien aneignen und gleichzeitig prinzipiell die Frau, aber auch den unterlegenen Mann zu unterwerfen sowie in einem Sklaven- oder Geiselstatus zu halten, gehört zur Vorgehensweise der patriarchalen Machtausübung.
Die benötigten Verbündeten und die an den Privilegien teilhabenden (Waffen)Brüdern (was gelegentlich auch auf eine Schwester oder Gefährtin ausgeweitet wurde), werden durch entsprechend kreierte Ideologien untermauert. Hier kommt die ebenfalls hierarchische strukturierte Götterwelt oder gar der monotheistische Gott als Sinn- und Taktgeber der Vatergesellschaft zum Tragen. Mit der Erfindung der (Vater)Götter wird das bisherige allegorische Mutterbild der gebenden Natur abgelöst. Die prinzipiell Leben gebende und erhaltende Mutter weicht dem zerstörerischen Vatergott. Der angeblich schöpferische Akt der Vatergötter (wie auch in der Genesis niedergelegt) ist nur eine Okkupation des bereits durch Jahrtausende bestehende Mutterprinzips. Die ideelle Assimilation dieses Prinzips und die Übertragung der natürlichen matrilinearen Seinsart auf eine ideologisch gestützte und mit Gewaltstrukturen durchgesetzte Patrilinearität, sprengte nach und nach die ursprüngliche und generativ angelegte Fürsorgegemeinschaft – die Muttersippe - das Matrifokal




02 April 2015

Amoklauf - eine anerkannte Abart des Heldentums...

Was in der Vergangenheit den legendären Berserker ausmachte ist der rauschhafte Wahn, in den er sich hineinversetzte, um ohne auf Eigenschutz oder eigenen Lebenserhalt zu achten in eine Art Raserei zu verfallen und um in diesem Zustand massenhaft (anonyme) Gegner niederzumähen. Solch eine Verhaltensweise ist auch heute noch eine anerkannte Form der Menschenschlächterei, wenn auch nicht mehr ganz so direkt, aber dafür um so mehr in virtuellen Umgebungen - kein Blockbuster ohne aufwendig inszenierte Vernichtungssequenzen.
Männliche Kampftechniken, die über patriarchale Zeiten hinweg entwickelt wurden, um Feinde zu vernichten, erforderten einst vor allem den persönlichen Einsatz des Kämpfenden. Welcher Feind auch immer antritt, er ist vor allem erst einmal eine grundsätzliche Bedrohung des maskulinen Selbsterhaltes. Eine Strategie, die sich zum (männlichen) Muster verfestigt hat, scheint es zu sein, einem schädlichen Angriff zuvorzukommen, nach dem bekannten Motto: Angriff ist die beste Verteidigung.
Das kann in gefühlt aussichtsloser Lage dazu führen, dass der Mann sich willentlich und sinnlos in den Tod stürzt, um dabei so viele Gegner wie möglich mitzunehmen. Dieses Ausnahmeverhalten ist immer noch eine durchaus anerkannte Form das Treppchen zum Heldenruhm zu erklimmen. Jeder Selbstmordattentäter oder Amokläufer sitzt dieser wahnwitzigen Fehleinschätzung auf. Denn in der Regel sind seine abstrakt kreierten (oder von anderen gesteuerten) Ziele ideologische Konstrukte, die sich mit einem Helden als humanes Vorbild, kaum vereinbaren lassen.
Der oft vorgeschobene Schutz des Lebens trifft, weder bei Kriegshandlungen noch bei Revolutionen, auf die anwesenden Opfer zu, sondern ist eher einem in die Zukunft verlagerten Ideal gewidmet. Das eigene Leben zu opfern und auch einen erklecklichen Anteil des Feindes mitzureißen, wird in entsprechendem Umfeld als selbstlose Tat gepriesen und dient dort der Rechtfertigung diverser Gewalthandlungen. Kommt allerdings eine aus Kränkung entstandene egomanische Verschiebung hinzu, passiert es nicht selten, dass der Mann auf eigne Rechnung der Welt den Krieg erklärt. Selbst diffus empfundene Kränkung führen zu Groll, Hass, Rachegelüste und mehr denn je zu einem, besonders in unserer Zeit stetig kultivierte, Frauenhass.
Ein vielleicht schon lange gehegter Ablehnungsschmerz provoziert dann verschiedene Formen von Gewalttaten unter anderem den sogenannten Amok-Lauf. Und so gibt es imho zwei bedeutende Marker der männlichen zerstörerischen Aggression. Zum einen den gezielt herbei geführten (befohlenen) direkten und kollektiven Kampf der Männer untereinander, also die kriegerische Auseinandersetzung (patriopathisch forcierte Form des ausgearteten Wettbewerb), bei der es immer um (Über)Leben oder Tod geht und bei dem durch die Jahrtausende die geschädigte Frau und die angerichtete Zerstörung als Kollateralschaden in Kauf genommen wird.
Und zum anderen haben wir den persönlichen Kampf eines Mannes gegen die anonyme Gesellschaft, die es in seiner Kindheit vielleicht verabsäumte ihn angemessen zu integrieren und ihm so wiederholend die Frustration von Ablehnung und Exklusion zumutete. Auch in so einer Gemütslage des Täters werden weibliche Opfer der Gewalttat, ob beabsichtigt oder zufällig, als gerechte Vergeltung der erlittenen Kränkung gesehen. In so einer Denkblase nahm wohl der Hassimpuls „die Mutter ist schuld“ seinen Anfang.
Wo allerdings krankhaftes Verhalten eines Einzelnen der Auslöser diverser Katastrophen ist, ergibt sich auch immer nur aus dem Einzelfall. Das Fundament all dieser Probleme bleibt jedoch nach wie vor die Grundierung der patriarchalen Gewaltkultur.
Männer wollen andere Männer beeindrucken - auch Frauen, aber vor allem die anderen Männer. Der heranwachsende jugendliche Mann möchte als solcher und in seiner gesamten Persönlichkeit wahr genommen werden. Leider sind gerade für den jungen Mann in unserer heutigen abendländischen Leitkultur die Vorbilder, auch die heroischen, gewaltverbrämt, brutal und empathielos.
Die direkte (körperlich angewendete) Gewalt ist zwar aus der Praxis der Erziehung und dem allgemeinen, alltäglichen Kontakt miteinander, zugunsten eines wahrnehmenden und koexistierenden Umgang gewichen, aber dafür ist sie in einem nicht unerheblichen Maße als permanente virtuelle Parallelwelt vorhanden. In ihr darf das männliche Kind sowie der erwachsene Mann ausleben, was als patriarchale Konditionierung für das Männliche gesellschaftlich anerkannt ist. Hier spielt ethisches Verhalten eine recht untergeordnete Rolle. Nicht nur weil man dem Jungmann gern diesen Spaß gönnt, sondern weil die anonyme Gesellschaft einen Hang zur Gewalt per se als seine Natur vorsieht.
Das systematische Abschalten einer gefühlvollen Eigenwahrnehmung und natürlichen Empathie, findet permanent durch das typische kulturell forciertes Konkurrenzgebaren und eine Art, sich ständig steigerndem Grausamkeitstraining statt. Solcher Art entwicklung können wir schon im Programm eines jeden Kinderkanals beobachten. Das ebenfalls davor sitzende Mädchen lernt dabei auch mit und vor allem was sie schlimmstenfalls von der Männerwelt erwarten kann. Der Junge das, was von ihm schlimmstenfalls erwartet wird zu tun. Diese skrupellosen Botschaften sind jeweils altersgerecht verpackt und wirken anfangs noch unterschwellig.
Dem zukünftige Mann wird hier auf kindgerechte Art die Generalerlaubnis erteilt sich nach Lust und Laune oder Bedarf als potentieller Gewalttäter zu profilieren. In teilweise erschreckend exzessiver Weise werden in Fernsehen, Filmen, Computerspielen und Literatur Gefühlskälte, Rücksichtlosigkeit und Gewaltbereitschaft als akzeptiert und damit erstrebenswert vorgeben. Sowohl als Grundhaltung des Helden als auch bei seinen Gegnern. Wenn also der junge Co-Pilot tatsächlich sich und 149 Menschen in der Tod gerissen hat, dann kann man diese Tat als ein Amoklauf einordnen – ein Verbrechen, ein Massenmord - unvorstellbar grausam, aber eben nicht unerklärlich.

Vielleicht sollten doch auch alle kleinen Jungen mit dem Kodex sozialisiert werden: Tu was du willst, aber schade niemand...

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13 März 2015

Alltag ...

übersetzt mir der Googleübersetzer (ja ich kann immer noch kein englisch) mit 'everyday life' ... endlich mal ein deutsches Wort, das gegenüber dem englischen kurz und knackig ist... find ich cool...

06 Februar 2015

...gibt es ein gleich?

.. sehr gern lese ich die fundierten Artikel von Hannelore Vonier, die sie auf ihrer Seite "Rette sich wer kann" publiziert. Zu ihrem letzten Beitrag stellte ich einen Kommentar ein, den ich hier wiederholen möchte. Es geht um den Dauerbrenner: Gleichberechtigung, Gleichbehandlung und der manchmal auch unnötigen Gleichmacherei. Sehr lesenswert, besonders wenn es um die Töchter geht. Trotzdem dachte ich, dass wir über einige Vorstellungen doch schon hinaus sein müssten ...

…. auch ich denke, dass wir in vieler Hinsicht über die (feministischen) Klagen, dass Mädchen und Jungen “ungleich” behandelt werden, längst hinaus sind. Denn mehr denn je hat sich die Geschlechtergleichmacherei als Trugschluss und erneute Falle erwiesen. Maiden und Buben kann man weder gleich noch ungleich machen… sie sind sowieso verschieden. 

Jedes Individuum ist ein Unikat und weist mit anderen Mitgliedern seiner Spezies eine unterschiedlich große Schnittmenge an Gemeinsamkeiten und Ähnlichkeiten auf. Wir haben als Kind entweder das gleiche Geschlecht wie die Mutter oder der Vater und darüber hinaus sind manchmal manche Menschen eine nicht eindeutig zu bestimmende Spielart der Natur. Wir erben die Hautfarbe und vielleicht eine robuste oder zarte Konstitution. Wir haben mit etwas Glück das Lächeln und das Backtalent der Großmutter oder die Augenfarbe und die praktische Art der Mutter geerbt oder die Musikalität des Vaters und mancher Junge später das schüttere Haar des Großvaters (mütterlicherseits). Der Mensch ist (wie jedes andere Lebewesen) innerhalb seiner Art überaus ähnlich und ebenso verschieden und darüber hinaus immer einzigartig.

Und wenn wir als Mädchen auf die Welt kommen, haben wir ein Recht darauf als ein solches gesehen und entsprechend in die Welt begleitet zu werden. Damit wir immer sein können, was wir sind und eines Tages, gestützt auf unsere Fähigkeiten und Begabungen, unser erwachsenes Leben gestalten. Das Gleiche gilt für Jungs und alle anderen, die ihr Geschlecht anders empfinden.

Es ist eine Unsitte unserer Zeit das Geschlecht der Kinder ignorieren zu wollen. Auch schon vor fünfzig Jahren war es en vogue den Kindern gleichermaßen Puppen und Autos zum Spielen anzubieten, damit eben diese krasse Rollentrennung zwischen Frauen und Männer endlich mal ein Ende nimmt. Nach Simone de Beauvoir wussten alle, dass die Frau nicht geboren, sondern (dazu) gemacht wird. Ein Slogan der heute noch in den Köpfen spukt und zu vielen neuen Missverständnissen führt(e). Denn nicht das naturgemäße Geschlecht ist das Problem (was manche bis heute glauben), sondern wir wissen schon längst, dass die männererdachte, aber trotzdem um so intensiver beschworenen „Minderwertigkeit der Frau“ ein gesellschaftliches Ideologiegebilde ist.

Das biologische Geschlecht ist eine Tatsache. Und ja es gibt deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Mal abgesehen von den äußeren und inneren Primärmerkmalen steuern die Hormone bei Frau und Mann sehr verschiedene körperliche Prozesse und dem ist schon beim Kind Rechnung zu tragen. Die Rollenbilder der Geschlechter in der Gesellschaft, auch Gender genannt, sind ein kulturelles Konstrukt und ebnen obendrein die Individualität ein.

So ist Muttersein eine naturgemäße, biologische Tatsache mit einer immanenten Bedeutung und kein weibliches Opfer an die männliche Herrschaft oder die Strafe eines monotheistischen Gottes oder ähnlicher Unfug. Eltern, ja und auch Mütter, die ihre Bübchen bevorzugt aufziehen, haben den Sinn des Lebens nicht verstanden. Und aus Töchter patriarchatskonforme Weibchen zu “machen” ist mindestens ein Vergehen gegen die Menschlichkeit. Daher hat mir in dem Artikel am besten die Frage gefallen: “Wie reagieren Töchter auf diesen ganzen Müll, der hier über sie hereinbricht?”

Und in meiner Alltagspraxis als Großmutter von 11 Enkeltöchter frage ich mich das täglich, aber stets auch alle anderen. Ich denke Eltern, respektive Mütter, sollten sich schon darüber im Klaren sein, dass es nicht egal ist, ob sie eine Tochter oder einen Sohn aufziehen und mit "gleich machen" kommen wir auf gar keinen Fall weiter. Es gilt die individuelle Persönlichkeit des Kindes anzunehmen und das beinhaltet natürlich auch die Beachtung seines Geschlechtes.

28 Januar 2015

Die Matrifokale Gegenwart im Patriarchat!


Claudia von Werlhof schreibt in ihrem Buch 'Westend': „...insofern ist für mich Patriarchat ein kaum vorstellbarer, unverständlicher, ja nahezu unaussprechlicher Anspruch, der von allen konkret vorhandenen Bedingungen irdischer Existenz absieht, das heißt abstrahiert...“.

Mit noch anderen Worten: "das Patriarchat" rennt bis heute einem Ideal hinterher, von dem es weder eine einheitlich konkrete Vorstellung hat, wie diese „verbesserte“ Welt einmal aussehen wird, noch wie sie funktionieren und sich selbst erhalten soll. Das Patriarchat ist ein andauerndes, rücksichtsloses Großexperiment patriarchös konditionierter Menschen innerhalb besagter 'irdischer (lebendiger) Existenz'.

Ich möchte gern mit der Vorstellung aufräumen, dass eine Art allmähliche Kulturrevolution des Patriarchats in einer 'primitiven matriarchalen Gesellschaft' stattgefunden hat und damit den nächsten „Entwicklungsschritt“ der Menschheit einläutete.

Tatsächlich müssten wir von einer langanhaltenden und mehr den je blutigen Annektion und Verwüstung der vorhandenen natur- und menschenfreundlichen Lebensbedingen sprechen und dem ziemlich raschen Außerkraftsetzen des 'immanenten Mutterkonzeptes der Evolution' innerhalb der egalitär strukturierten, matrifokalen Gemeinschaften. Ich möchte diese Lebensart der frühen Menschen auch nicht mit dem (politischen) Begriff 'Gesellschaft' und ebenso wenig mit der pauschalisierenden Bezeichnung 'Matriarchat' bezeichnen, sondern als das Kontinuum der Matrifokalität (in Anlehnung an Jane Liedloffs "The Continuum Concept"). Die lange Zeit des Menschseins vor dem Beginn des patriarchalen Paradigma bestand daher imho aus verschiedenen aufeinanderfolgenden bzw. parallelen matribezogenen Kontinua, auch im Hinblick auf die verschiedenen Menschenarten.

Das Alles hat kaum was mit der verharmlosenden Vorstellung zu tun, die Entdeckung der Vaterschaft hätte den ("erforderlichen") Paradigmenwechsel eingeläutet. Denn bis heute gibt es matrifokal strukturierte Kulturen, in denen Männer sich (schon immer) ihrer "Vaterschaft" bewusst sind, ohne einen Machtanspruch davon abzuleiten und die Welt, in der sie leben, zu zerstören oder zu versuchen die Herrschaft an sich zu reißen.

Wir können also davon aus gehen, dass sich an dem matrifokalen Lebenskonzept der Menschen, das als 'Selbsterhalt mittels Arterhalt und umgekehrt' zu verstehen ist, bis heute nichts geändert hat, da sich die biologischen Grundlagen unseres Daseins seit der Steinzeit nicht wirklich verändert haben. Und nein, das ist kein biologistischer Ansatz, denn es geht hier nicht um die kulturell hervorgebrachte Rollenbilder (Gender), sondern um den ursächlichen evolvierenden Entwicklungsstrang, der über das Weibliche (aller Lebewesen) bis zur menschliches Mutter reicht

Nun leben wir was unsere, in den "Genen" liegenden, Lebensrhythmen betrifft, zwar durchaus noch in der Steinzeit, nur das ganze Drumherum ist damit kaum noch kompatibel bzw. läuft unserer Natur zuwider. Wir dürfen daher alle unsere Sinne dafür öffnen, dass wir Töchter des real existierenden und immortalen Mutterseins bleiben werden, auch wenn die heutige Vätergesellschaft immer noch versucht, die Wiege der Matrifokalität in den Keller zu räumen. Die dem Menschen artgerechte Matrifokalität bleibt nach wie vor unsere Lebensbasis auch unter den Bedinungen der Patriarchose ...

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20 Januar 2015

Die Dienstagsphilosophie

In einem von mir zufällig gefundenen Kommentar fragt Ina Praetorius: „... ist es weise, Charlie zu sein, wenn es mir um weibliche Freiheit geht?“
Also mir geht es hierbei nicht um Ina P., auch nicht um den aktuellen Hype um Charlie, ja noch nicht mal um die weibliche Freiheit, sondern um das Wort 'weise' in diesen Zusammenhängen.
Wie weise sind wir denn wirklich? Wir Frauen? Wir Mütter? Wir als einzelne Person in einer Gesellschaft, die Weisheit nur als rhetorische Floskel kennt?
Die Alltagsweisheit und auch die besondere Altersweisheit ist wohl zu allen Zeiten ein Teil menschlichen Miteinanders gewesen.
Weise und Wissen – die Begriffe korrelieren unmittelbar. Das menschliche Wissen ist inzwischen gigantisch und täglich kommt neues hinzu. Die Frage ist nur, wie hilfreich ist das angehäufte Wissen für die Menschen dieser Welt. Wir wissen inzwischen, dass der Mensch als Person in der Lage ist ein gewaltiges und oft auch unnützes Faktenwissen zu horten, denn wie viel er davon zum Überleben, Wohlfühlen und Glücklichsein braucht, darüber streiten sich die Geister. Und ob er schafft sie der nächsten Generation zu Gute kommen zu lassen?
Mit dem Wort 'weise' verbinde ich viele nachhaltig daherkommende Eigenschaften. Eine gewisse Ruhe. Die Weisheit pflegt die Beschaulichkeit und die Einsicht in die Notwendigkeit. Weisheit überstürzt nicht. Weise ist nicht hektisch und neigt nicht zu Übersprungshandlungen. Weise ist weitsichtig, vorausschauend, wägt ab und durchschaut das scheinbar Offensichtliche. Weise ist weise.
Natürlich hat das Drama um Charlie eine mitreißende Wirkung auch auf Frauen und das Bekenntnis der Solidarisierung mit den Opfern und der bedrohten Meinungsäußerungsfreiheit läuft tatsächlich nur unbedingt mit der kollektiven 'weiblichen Freiheit' konform...
und so denke ich auch: nein, weise ist das nicht, unreflektiert jedem Hype zu folgen, der uns dem Ansinnen die Frau wieder ihren Platz im Kontinuum des Menschseins einnehmen zu lassen, nicht wirklich näher bringt. Männer streiten und kämpfen untereinander sowohl mit Waffen als auch mit der Feder und alle humanen Belange enden als Kollateralschaden. Welche Art der weiblichen Weisheit sollte hier greifen?

06 Januar 2015

... glauben - was ich schon immer mal sagen wollte...

Immer wieder stelle ich fest, dass es einigen scheinbar nicht leicht fällt, das landläufige „etwas glauben“ und das glauben an einen „Glauben“ zu unterscheiden.

Bis heute gibt es einen flächendeckenden Religionsunterricht in der Schule, welcher zum Teil sogar von den Kindern konfessionsloser Eltern wahrgenommen wird (werden muss). Und selbst wenn es ein neutrales Fach (Werte und Normen oder so) gibt, findet da im Sinne der Toleranz eine mittelbare Unterweisung pro Religion statt. Das heißt auch, die gesamte erwachsene deutsche Bevölkerung die in der BRD zur Schule ging, ist nachhaltig mit Glaubensinhalten (aller Art, aber vorwiegend christlichen) konditioniert und kontaminiert worden. Auch wenn frau/man im Erwachsenenalter beispielsweise die Kirche verlässt, erlebte ich oft, dass sich flux einem anderen Heilversprechen zugewendet wird. So werden oft nur die Inhalte ausgetauscht, aber das „Glauben an etwas“ wird dabei nicht aufgegeben.

Der Glaubensinhalt einer Religion liegt in der Regel in einer Art Paralleluniversum neben unserer 'natürlichen' Welt und vermischt sich ständig mit unserem naturgemäßen Dasein. Allem was wir an ganz konkreten, leiblichen und sinnlichen Erfahrungen in unserem Alltag machen, kann durch theologische Vorgaben widersprochen werden. So kann eine eigentlich schmerzvolle Erfahrung in ein übergeordnetes und daher euphorisierendes Erlebnis umgewandelt werden, das aus einer wachen Wahrnehmung in eine entrückte, manipulierte Gefühlswelt führt. Ein Kind, dass schon früh lernt einem unsichtbaren Gott, der wiederum alles sieht, gegenüber eine Demutshaltung einzunehmen, ist derart mit einer eingebildeten Gefahr beschäftigt, dass die natürliche Wachheit der sinnlichen Wahrnehmung manchmal für immer eingeschläfert wird (das Kind fürchtet dann den unsichtbaren strafenden Gott mehr als z.B. einen realen übergriffigen Erziehungsberechtigten).

Der strafende Gott ist heute zwar mehr denn je dem "liebenden Gott" gewichen, aber der Unterschied ist gar nicht groß wie manche meinen, denn der Gläubige soll diesem Gott nach wie vor mit Haut und Haar gehören. Die Bereitschaft in unserer Gesellschaft einem 'Glauben' anzuhängen (und wenn wir es hier nur mit Spielarten des aktuelle Mainstream zu tun haben) ist, so finde ich, grundsätzlich erschreckend hoch - mit anderen Worten - gut verinnerlicht. Wobei ich die Zuwendung zu einer 'atheistischen Religion' auch in dieser Tradition sehe.

Gott oder göttliche Wesenheiten sind vor allem eine, der menschlichen Vorstellungskraft entsprungene Idee und der Glaube innerhalb der verschiedenen Theologien ist nur eine Ideologie. Die Vertreter der Ideologien verlangen von ihren Anhängern, nicht nur das Glauben an ihre kreierte Idee im Rahmen der vorgegebenen Parameter, sondern erwarten auch von den Gläubigen, dass sie die Idee nicht hinterfragen und ihr Leben nach dieser ausrichten, um neue Gläubige und Anhänger zu produzieren. Die inzwischen recht säkulare Kultur des sogenannten westlichen Abendland ist immer noch durchtränkt von christlichen Metaphern und unterschwelligen Glaubenssätze. Es ist so was wie ein Tabu, 'nichts zu glauben'. Eine Art höhere Instanz als tatsächliche bzw. personelle göttliche Existenz vorauszusetzen hat den Status einer anerkannten kollektiven Kulturleistung.

Allerdings glaube ich auch - so zum Beispiel, dass die Erde rund ist und mit dem Mond die Sonne umkreist. Oder dass der patriarchale Mensch in seinem Technologiewahn die Erde ruiniert - doch hier ist es weniger ein glauben, sonder eher logisches Schlussfolgern. Es gibt trotzdem viele Sachverhalte, die ich einfach glauben muss oder will, da ich sie nicht alle überprüfen kann oder will.

Und darüber hinaus gibt es allgemeingültige ethische Werte an die ich glaube (und sie anwende), da sie sich auf das gedeihliche Miteinander beziehen und uns in den natürlichen Kontext unserer Erdenexistenz einordnen.

Die patriarchalen Weltreligionen, die einen gruselig hohen Anteil an monotheistischen Theologien aufweisen, mögen vielleicht einmal als eine Art Verhaltenskodex für frühe patriarchöse Gesellschaftsformen angefangen haben (siehe u.a. die 10 Gebote), aber die humanen ethischen Werte, die sich die moderne Gesellschaft gerade wieder gegen religiös verquaste Vorstellungen langsam erkämpft, sind so was wie ein Teil unseres artgerechten Lebensstils und daher keine Neuschöpfung, sondern nur eine Erinnerung ...


01 Januar 2015

... das Jahr der Drachin

... 2015... ich denke das wird mein ganz persönliches Jahr der Drachin ... 

So ein Drache ist ein fassettenreiches Wesen, ein beliebter Mythos, der an kultureller Vielfalt kaum zu überbieten ist. In allen Farben schillernd und mit einem Repertoire an Eigenschaften versehen, die von edler Sanftmütigkeit bis zur grausamen Monstrosität reichen.

All die geflügelten Mischungen aus schuppiger Echse und riesigem Huhn, die wahrscheinlich ein im Erdreich gefundenes Saurierskelett zur Vorlage hatten, sind durch die Begeisterung und die Fantasie unzähliger Berichterstatter, Weiterträger und Geschichten-Spinnerinnen in den mythologischen Kosmos des Menschen eingegangen. Vielleicht sind sogar ein paar irrwitzig ferne Augenzeugenberichte dabei gewesen, aber das glaube ich eher nicht, sonst würden wir doch vielleicht ein paar drachenähnliche Wesen zwischen den teilweise sehr realistischen Höhlenzeichnungen finden.

Wir kennen sie alle, die europäischen Drachengeschichten von den Feuerspeienden Monstern, Tod und Vernichtung bringenden und Menschen jagenden Ungeheuern und wissen auch um beispielsweise so ganz anders gearteten Drachen – in Asien sind sie vor allem Symbole des Glücks. Und schauen wir in die aktuelle Kinderliteratur, da wimmelt es nur so von knuffigen, niedlichen und hilfreichen, wenn auch meist tolpatschigen, Drachen. Der Drache hat in den Kinderzimmern eine besonders liebenswerte Konjunktur, genau wie die Hexe und dass obwohl heute immer noch Geschichten von Drachen erzählt werden, die nicht den Drachen selbst, sondern den Drachen vernichtenden Helden in den Mittelpunkt rückt.  Aber auch steht häufig der Effekt im Vordergrund, den wir auch landläufig von der Magie her kennen. Der Nutzer, der Anwender von Magie, bestimmt, ob sie ein gutes oder böses Ergebnis zeitigt und daher Wohltaten hervorbringt oder Schaden verbreitet. So ähnlich verhält es sich nun zwischen Mann und Drache - da gibt es Drachenzähmer und Drachenreiter und Drachenmeister, die diesen lenken und kontrollieren können. Daraus resultiert ob es „gute“ Drachen gibt oder ob sie weiter eine Ausgeburt des Bösen sind. Die menschliche oder soll ich hier sagen die männliche Fantasie erschuf so ein Wesen, dass sich ganz nach Belieben für jede Dramaturgie eignet.

Außerdem sind Drachen eine Metaphern für etwas, was nicht mehr gibt. Sie sind heroische Fabelwesen, unersetzliche Märchenelemente und lassen sich problemlos in die klassische Doppelbedeutung des „Gut und Böse“ - Universum einpassen. Zudem gibt es unzählige Geschichten von „dem Letzten seiner Art“. In den Drachentöter-Heldengeschichten sind die Drachen immer knapp und das wird wahlweise bedauert oder begrüßt. Den letzten Drachen zu töten bringt dem Helden Ruhm oder wie bei Georg, eine Heiligsprechung ein.

Drachen lösen beim Betrachter eine gewisse Zwiespältigkeit aus, mit der so manches Andere in der Mythen- aber auch in der realen Welt behandelt wird. Die Frau zum Beispiel.
Frauen werden gern mal mit Drachen gleichgesetzt. Oder hat eine schon mal den Ausspruch über einen Mann gehört: „Der ist so ein richtiger Drache...“? Ich noch nicht. Und spätestens hier wird klar – Drachen sind eigentlich vom Grunde her irgendwie weiblich. Selbst wenn es immer wieder 'der' Drache heißt.

Allerdings ist es logisch, dass ein guter Teil der unendlich vielen Drachenspezies, wenn wir sie als virtuell biologisch ansehen, weiblich sein muss. Denn es sind die Exemplare der Drachin, die diese berühmten Dracheneier legen, von denen immer wieder welche im Fantyversum gefunden werden.

Wir kennen es aus vielen Erzählungen - dem Drache wird die schönste und reinste Jungfrau geopfert ... oh wenn es doch so wäre ... und der ritterliche junge Held reitet wild entschlossen heran, mit gezücktem Schwert, bereit die holde Maid aus den Klauen des Großmütterlichen Zugriffs ... hä, was schreibe ich denn da?

Und damit sind wir bei der klassischsten aller Metaphern: 
Die Großmutter - Die Große Mutter - als die Drachin, das Urwesen, als die gewaltige Drachenschlange der Mythologien, die das Leben und den Kosmos gebiert. 
Und wer je eine richtige Großmutter kennen gelernt hat, weiß dass sie auch Feuer speien kann.


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30 Dezember 2014

Epigenetus - Gedanken aus dem Tagebuch IV

020814 Der Mensch ein Epigenetus?
Sehr spooky! Neuerdings wird dauernd darauf hingewiesen, dass das Genom sich verändert. Also eigentlich ist das doch eine ganz logische Angelegenheit, denn wäre dem nicht so, würden wir immer noch als Amöben in irgendeiner Pfütze herumpaddeln. Die genetische Information einer jeden Zelle eines jeden Lebewesen ist also stets bereit sich zu verändern. Schließlich ändern sich auch die natürlichen und die, inzwischen vom Menschen geschaffenen, künstlichen Bedingen permanent. Da ist Anpassung gefragt und nichts ist flexibler und dauerhaft in seinem Bestreben zu überleben, als das Leben selbst. Wie sagte schon Ian Malcolm in Jurassikpark: "...ich sage nur... Das Leben findet einen Weg!"
Und so ist es, das Leben findet einen Weg. Natürlich in der Regel innerhalb eines evolutionären Tempo und das ist eher gemächlich, wie wir wissen. Ich frage mich, wer überhaupt einst auf die Idee kam, dass das Leben statisch wäre und die sichtbare Dynamik aller einzigartigen Individuen einfach ignoriert hat? Wahrscheinlich waren es jene, die einst und immer noch der Meinung sind, das Leben wäre einem göttlichen Plan unterworfen.
Aber ob nun genetisch oder epigenetisch angeturnt, die Artenvielfalt innerhalb des Phänomen 'Leben' wird sich weiter akklimatisieren, integrieren und alles adaptieren, was seine weitere Existenz garantiert. Solange noch etwas da ist, an dass es sich passen kann, solange wird Leben in irgendeiner Form existieren. Ob allerdings dann noch der Mensch mitmacht, ist ungewiss.
Natürlich ändert, wandelt, sich die DNS. Sonst würde es nicht tausende Arten geben. Und Lebensbedingungen sind immer mehr oder weniger stabil. Darauf reagiert „das“ Individuum einer Spezies und setzt so die eine Veränderung, eine Entwicklung in Gang. Sind viele Individuen betroffen, entstehen bestimmte Schnittmengen, die einen besonderen Effekt dann auch schneller ausbilden. Es ist eben die seltsame Geschwindigkeit mit der auf eine natürliche Veränderung, eine Bedrohung oder gar akute Katastrophe reagiert wird und die Überlebenden einen gravierenden und nachhaltigen Eingriffs in den Lebensraum, sind nicht mehr "dieselben wie vorher" ... es ist dieses evolutionäre Tempo, dass manchmal den Eindruck erweckt es täte sich nichts wesentliches, dabei gibt es keinen Zustand der anhält und nichts bleibt wie es war...

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29 Dezember 2014

Gedanken aus dem Tagebuch III

210514 Erzähl mir vom Glück der Pusteblumen

nicht alle meine Kindeskinder leben in meiner Nähe und gerade die drei Jüngsten wohnen weit weg, so dass ich ihr Aufwachsen nur als kleine Intermezzi erlebe. Gestern sagte mir meine Tochter am Telefon, dass ihre Kleine Pusteblumen liebt. Ein Jahr und fünf Monate ist sie jetzt - da ist das Minitöchterchen schon recht gut zu Fuß, wühlt sie schon mit Hingabe im Sand und liebt es die kleinen Luftsegler der Pusteblumen auf die Reise zu schicken. Ist es nicht immer wieder wunderbar, dass sich bestimmte Menschengewohnheiten auf diese Weise wiederholen?

Natürlich macht es die Kleine vor allem deshalb, weil es da eine Mama und die großen Schwestern gibt, die ihr zeigen, wie das geht und das es Spaß macht. Wir lernten einst alle durch die Beispiele der Menschen, die uns umgaben. Doch nicht alle wachsen immer nur mit nahestehenden, liebevollen Angehörigen auf. Das gibt das moderne Konzept unserer anonymen Gesellschaft nicht mehr her. Wenn ich in meine Kindheit zurückdenke - nicht allen lag speziell unser Wohl, also das der Kinder, am Herzen. In einem heutigen Kinderleben gibt es hoffentlich wieder viel mehr wohlwollende Menschen.

... ein Kind aufziehen ist eine andere Erlebnis, als mit einem Fallschirm abzuspringen oder eine andere aufregende Grenzerfahrung zu machen. Es ist kein einmaliger Kick, sondern ein nachhaltiger Prozess in einem verlässlichen Bindunggefüge und zwar auf immer. Evolutionär betrachtet sogar noch weit darüber hinaus...



28 Dezember 2014

Trauer - Gedanken aus dem Tagebuch II

040414 ... wenn mir meine Heimat verlustig geht, bleibt mir in der Regel gar nichts weiter übrig, als mich mit den nun mehr bestehenden Lebensumständen zu arrangieren. Gleichgültig ob wir selbst entschieden haben oder uns schicksalhafte Verstrickungen heimatlos gemachten, die Anpassungsarbeit an die veränderte Situation muss das Individuum auf jeden Fall leisten.

Wir sind heute in unserer Kultur auf Nichtbindung aller Art seit Kindheit an trainiert. Nach zwei Wochen wird heute nach einem Ortswechsel schon gefragt: na hast du dich schon eingelebt? Und bei einem Verlust wird einem kaum Zeit zum Trauern und Verarbeiten zugestanden. Dieser Verlust muss nicht immer ein Todesfall sein. Täglich verschwinden Menschen aus unserem Umfeld, die bisher zu unserem Lebenskreis gehörten, die uns in irgendeiner Weise nahestanden und vertraut waren. Von Kind an gibt es in unserer fremd-strukturierten und flexibel angelegten Gesellschaftskultur ein ständiges Kommen und Gehen. Die Spielkameradin zieht weg, die beste Freundin wechselt die Schule, die Arbeitskollegin verlässt den Betrieb, der Ehemann kommt abhanden, der Freund löst die Beziehung oder eine bricht selbst mit dem eben noch innig Geliebten oder gar mit ihrem familiären Background. 

Doch nicht nur der Verlust eines Menschen - alles was wir an vertrautem Alltag verlieren beschäftigt unser Gemüt. Ein Umzug, der Wechsel der Arbeitsstelle, der Abschluss einer Schule, selbst eine größere Reise lässt unsere (Lebens)Energie aus der sonst so beruhigenden Routine und der, uns stabilisierenden, Geborgenheit fließen und die neue, manchmal auch bedrohliche Situation bearbeiten. Wir mögen es nicht, aber wir wurden darauf trainiert, uns mit einer grundsätzlichen und manchmal direkten dramatische Fremdbestimmung zu arrangieren, die keinen wirklichen eigenen Lebensrhythmus duldet.

Ständiger Verlust gehört zu unserem Alltag und ist als grundsätzliches Muster in unseren gesellschaftlichen Gepflogenheiten angelegt. Aber dieses neue, schon über ein paar Generationen tradierte Selbstverständnis (der permanenten Trennung) in unserer abendländischen Kultur ist und das wissen wir inzwischen genau, keine artgerechte Verhaltensweise unserer Spezies.


Als Individuum bleiben wir, selbst bei relativ harmlosen Verlusten, immer als jeweils allein Betroffene zurück. Und die anderen ebenso. Wir verarbeiten Trennungsschmerz und Trauer nicht mehr in homogen gewachsenen Nähe-Gruppen, sondern bleiben in der Regel auf uns selbst zurückgeworfen. Muss zum Beispiel der „Verlust“ einer vertrauen Arbeitskollegin im Alltag überwunden werden, wird kaum eine lange klagen oder darüber viele Worte verlieren, aber in unserem Inneren laufen trotzdem bestimmte Prozesse ab. Es gehört seit Prä-Zeiten zu uns sich mit Verlusten auseinanderzusetzen. Von unserer menschlichen Grundausstattung her mussten wir das einst nicht allein durchleben. Genauso wenig wie eine Mutter ihr Kind allein aufzog. Das autarke Individuum ist genau wie die isolierte Mutter ist ein moderner, aber nicht menschenartgerechter Effekt und so das klassische Beispiel für Vereinzelung, Ungeborgenheit und Verlust.

Der heutige Trend geht jedoch nach wie vor hin zur Unterdrückung und Verdrängung der Verlust-Gefühle und deren möglichst schnellen Überwindung. Sich lange damit beschäftigen oder den schmerzlichen Gefühlen Raum zu geben, ist weitgehend verpönt. Jede Art von Verlust- und Trauerarbeit wird als überflüssig angesehen bzw. wie ein Tabu gehandelt. Sogleich wird uns von allen Seiten empfohlen, doch wieder nach vorn zu sehen. Denn schließlich geht das Leben weiter. Aber es geht auch weiter, wenn wir angemessen trauern oder uns des Verlustes bewusst werden. Statt dessen ziehen wir uns vielleicht eine Weile in uns zurück, dabei lassen wir unseren Schmerz möglichst nicht den Alltag tangieren. Schließlich haben wir das von Kindheit an trainiert und bei den meisten sitzt die Konditionierung tadellos. Frauen sind immer wieder in besonderem Maße betroffen, müssen sie doch im herrschenden patriarchösen System schon seit Jahrtausenden ihre Herkunftsgeborgenheit verlassen und sehen sich mit vielfältigen Nuancen von Heimatlosigkeit, Verlassenheit und Trauer konfrontiert.

Das Problem unserer Zeit ist, dass wir bei dem permanenten Verlustszenario aus dem unser durchschnittlicher Alltag besteht, kaum noch aus unserer unverarbeiteten und permanent verdrängten Trauer herauskommen...

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27 Dezember 2014

Trennung - Gedanken aus dem Tagebuch...

13März14 Jetzt schon Abschiedsgedanken? Noch ist das Kind gar nicht weg... aber das Fortgehen kommt... ganz bestimmt ... unvermeidlich...
es bleibt das moderne Phänomen der 'Gedehnten Nähe' - also Trennung auf (unbestimmte) Zeit, Ferne mit mehr oder weniger Kontakt. Bis zur überdehnten Nähe ist es dann nicht mehr weit. 

Bleibt das ohnehin schon seit Kindertagen gelockerte Band nun mehr nur ein Dekoelement im Leben der gegenseitig Betroffenen? Zwar sind wir als Enkelin und Großmutter, allernächste Bindungsangehörige, aber was hat das heutzutage schon zu bedeuten? Läuft es auf ein 'Aus den Augen aus dem Sinn' hinaus? Werden wir auf Dauer mit der tradierten und somit gesellschaftlich verordneten Unverbindlichkeit leben (müssen)? Und können wir es denn, ohne einen Schaden zu nehmen?

Sie gehen weg, weil es angeblich gut für die Entwicklung oder weil chic ist. Geben dafür hunderte Euros aus um eine Erfahrung machen zu dürfen, die vor allem eines von ihnen fordert, sich allein ohne Halt und Schutz der Herkunftsfamilie (Sippengemeinschaft), einer Zukunft zu stellen, die a) nicht artgerecht ablaufen darf (da sowohl die Heranwachsenden sowie die Erwachsenen ein bindungsloses Leben anstreben müssen) und b) den Trend der Nicht – Mutterschaft verstärkt.
Das sind nicht nur die Klagen einer Großmutter, dass ist die erschreckende Erkenntnis einer immer währenden Zerstörung ... das Aufziehen von Kindern ein modernes Verlustgeschäft...

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Der Fluch der Eule

... ich bin dem Fluch der Weihnachtsformel verfallen ...
meine Formel für alle, die mir in diesem Jahr was schenken wollten, hat sich schnell herum gesprochen und lautete: Oma mag bunte Eulen! - Tendenz: Lila...
Und dass nur, weil ich so unvorsichtig war mein Mitleid über Putztücher mit putzigem bunten Eulenaufdruck oder winzige Radiergummis in Eulenform auf Facebook kund zu tun...
jetzt kann ich nur noch durchhalten bis sich der Design-Trend wieder ändert, erfahrungsgemäß ist der Eulenhype in einem Jahr vorbei und etwas anderes unwiderstehlich Niedliches wird sich als Dekor für jeden nur erdenklichen Gebrauchsgegenstand durchsetzen...


23 Dezember 2014

... ich bestehe aus Vergangenheit...

Das einzige reale Leben ist die Vergangenheit. Da wissen wir, dass alle Ereignisse sowie das Leben bereits stattgefunden hat. Die Vergangenheit existiert im erinnerten und im unerinnerten Sein. Sie geschah und ist daher Wirklichkeit.
Die Gegenwart ist immer nur der aktuelle Moment, der Wimpernschlag, das Geschehen im Augenblick. Die Gegenwart ist die Quelle unserer Zeitwahrnehmung. Mag sich die Zeit wie ein ewiger Fluss durch das fassliche und unfassbare Ereignen wälzen, interessant ist für mich, was ich davon wahrnehme, was ich davon erlebe. Mein eigenes Erleben ist begrenzt. Doch ist es auch Menschenart, das Erleben meiner (Außen)Kontakte dem meinen hinzuzufügen.
Ich weiß, wie die Zeit vergeht, was sie beinhaltet und sehe welche Ereignisse bisher überliefert wurden. Viele davon können für mich von Bedeutung sein. Ich bin - als Person - ein integrierter Teil dessen, was bereits da ist. Mein gesamtes Leben ist jedoch auch in den generativen Zyklus des Lebendigen eingebettet und so bin ich Individuum und zyklisches Lebewesen.
Das auf Erden gelebte komplexe Leben und dessen unerlässlichen Rahmenbedingungen, bilden meine Zeitblase Gegenwart, umgeben von der real existierten Vergangenheit
Die Zukunft ist nur ein Hoffen darauf, dass sie einmal zum Moment der Gegenwart und zur tatsächlichen Vergangenheit wird.
In meiner Wahrnehmung passieren die Ereignisse, die als Zeitabfolge in die Geschichte eingehen und diese Vergangenheit bildet die Kulisse in der wir uns unentwegt bewegen. Die Vergangeheit ist die Wirklichkeit.
Je dichter das zukünftige Geschehen an unserer Gegenwart dran ist, desto leichter lässt sie sich vorher sagen und desto wahrscheinlicher ist es, dass sie sich so gestaltet, wie wir es erhoffen. Die nächste Stunde oder den kommenden Tag können wir noch gut einschätzen. Monate, Jahre, Äonen sind nur als Tendenz vorhanden und nur bedingt hervorsagbar. Da unsere bewegte Welt aus Milliarden von Gegenwärtlichkeiten und schier unfassbaren vielen energetischen Verknüpfungen besteht welche in die bekannten physikalischen Bedingungen eingefasst sind, ist die Zukunft stets ungewiss. Aber aus einer durch uns zufrieden gestalteten Vergangenheit und einer glücklich performten Gegewart heraus, lässt sich auch die Ungewissheit der Zukunft ertragen...


... diese Betrachtung wurde inspiriert durch den Artikel in "Rette sich wer kann"

15 Dezember 2014

... was ist denn hier passiert?

... seit Oktober keinen einzigen Eintrag und schon ewig kein Foto mehr?
Aber es gibt eine einfache, wenn auch nicht sehr hoffnungsfrohe Erklärung dafür:
ich stecke in einem unterirdischen Gang fest... ich bin versehentlich um eine andere Ecke gebogen und jetzt ist meine Schwester Rike weg, es ist finster, ein gruseliger Luftzug hat meine Kerze verlöschen lassen, beim Stolpern über eine felsige Erhebung verlor ich meine Streichholzschachtel ... und ... zu allem Überfluss bin ich erst elf Jahre alt und absolut keine Freundin von Abenteuer und Nervenkitzel ... aber ...
ich habe die goldene Murmel wieder gefunden...


13 Oktober 2014

alles bestens...

...älter werden ist nichts für Feiglinge, heißt es.
Aber es ist auch nichts für Einzelkämpferinnen. Dafür sind wir nicht gemacht. Irgendwann geht jeder mal die Puste aus und dann sind wir vielleicht nicht fertig geworden mit unserer persönlichen Bastelei an der Gegenwart und Zukunft oder dem Nachholen der verpassten Gelegenheiten. Plötzlich ist es eine Minute vor Zwölf und wir haben den Sinn des Lebens immer noch nicht richtig begriffen und nicht alles erledigt, was wir so gern noch getan hätten. Vielleicht müssen wir die Bühne mit dem schalen Gefühl verlassen unsere Rolle nicht ausagiert zu haben. Und so holt mich von Zeit zu Zeit die zickige Frage des Schicksals ein: hast du auch dein Bestes gegeben?
Aber inzwischen (das kommt mit dem Alter) kann ich mit feinem Lächeln antworten: aber ja doch... ich hätte nicht gewusst, was ich noch hätte besser machen sollen und alles, was ich trotzdem nicht vollendet habe, hinterlasse ich guten Gewissens meinen Töchtern, meinem Sohn, meinen zwölf Kindeskinder!
Das ist wahrlich ein gutes Gefühl … und so kann ich mich zwischen all meinem Bemühen und sonstigen Vorhaben in denen ich noch immer stecke, ab und zu zurücklehnen, auf die erfüllten Jahre blicken und ebenso auf die ungewisse Zeit, die noch vor mir liegt. In diesen beschaulichen Momenten denke ich: ...es ist nicht schlimm, wenn ich in meiner Lebensspanne nicht fertig geworden bin, mit all meinen Projekten, den guten Absichten oder auch kopflosen Aktionen ...nach mir kommt nicht etwa die Sintflut... im Gegenteil... in so viele Händen und Herzen ist mein Vermächtnis gut aufgehoben...

11 Oktober 2014

Verlustigt - Fundstück aus einer Sammeldatei

Wenn mir meine Heimat verlustig geht, bleibt mir in der Regel gar nichts weiter übrig, als mich mit den nun mehr bestehenden Lebensumständen zu arrangieren. Gleichgültig ob wir es selbst entschieden haben oder uns schicksalhafte Verstrickungen heimatlos gemachten, die Anpassungsarbeit an die veränderte Situation muss das Individuum auf jeden Fall leisten.

Wir sind heute in unserer Kultur auf Nichtbindung seit Kindheit an trainiert. Nach zwei Wochen wird heute nach einem Ortswechsel schon gefragt: na hast du dich schon eingelebt? Und bei einem Verlust wird einem kaum Zeit zum Trauern und Verarbeiten zugestanden. Dieser Verlust muss nicht immer ein Todesfall sein. Täglich verschwinden Menschen aus unserem Umfeld, die zu unserem Lebenskreis gehörten, die uns in irgendeiner Weise nahe standen und vertraut waren. Von Kind an gibt es in unserer fremd-strukturierten und flexibel angelegten Gesellschaftskultur ein ständiges Kommen und Gehen. Die Spielkameradin zieht weg, die beste Freundin wechselt die Schule, die Arbeitskollegin verlässt den Betrieb, der Ehemann kommt abhanden, der Freund löst die Beziehung oder eine bricht selbst mit dem eben noch innig Geliebten oder gar mit ihrem familiären Background.

Ständiger Verlust gehört zu unserem Alltag und ist als grundsätzliches Muster in unseren gesellschaftlichen Gepflogenheiten angelegt. Aber dieses neue, schon über ein paar Generationen tradierte Selbstverständnis (der permanenten Trennung) in unserer abendländischen Kultur ist und das wissen wir inzwischen genau, keine artgerechte Verhaltensweise unserer Spezies.

Als Individuum bleiben wir, selbst bei relativ harmlosen Verlusten, immer als jeweils allein Betroffene zurück. Und die anderen ebenso. Wir verarbeiten Trennungsschmerz und Trauer nicht mehr in gewachsenen Nähe-Gruppen, in unseren angehörigen Lebensgemeinschaften, sondern bleiben auf uns zurückgeworfen. Muss zum Beispiel der „Verlust“ einer vertrauen Arbeitskollegin im Alltag überwunden werden, wird kaum eine lange klagen oder darüber viele Worte verlieren, aber in unserem Inneren laufen trotzdem bestimmte Prozesse ab. Es gehört seit Prä-Zeiten zu unserer Art sich mit Verlusten auseinanderzusetzen. Von unserer menschlichen Grundhaltung her mussten wir das jedoch nicht allein durchleben, genauso wenig als isolierte Mutter die eigenen Kinder allein aufziehen.

Der moderne Trend geht jedoch nach wie vor hin zur Unterdrückung und Verdrängung der Verlust-Gefühle und der möglichst schnellen Überwindung. Sich lange damit beschäftigen oder den schmerzlichen Gefühlen Raum zu geben, ist verpönt. Jede Art von Verlust- und Trauerarbeit wird als überflüssig angesehen bzw. wie ein Tabu gehandelt. Sogleich wird uns von allen Seiten empfohlen, doch wieder nach vorn zu sehen. Das Leben geht weiter. Aber es geht auch weiter wenn wir angemessen trauern oder uns des Verlustes bewusst werden. So ziehen wir uns also eine Weile in uns zurück und lassen unseren Schmerz möglichst nicht den Alltag tangieren. Schließlich haben wir das von Kindheit an trainiert und bei den meisten sitzt die Konditionierung tadellos. Frauen sind immer wieder in besonderem Maße betroffen, müssen sie doch im herrschenden patriarchösen System schon seit Jahrtausenden ihre Herkunftsgeborgenheit verlassen und sehen sich mit vielfältigen Nuancen von Heimatlosigkeit konfrontiert.

28 September 2014

time run

... schon neigt sich der September dem Ende zu und wir dürfen uns des beginnenden Herbstes erfreuen ... derzeit hat mich dieser merkwürdige Effekt voll erwischt: je älter ich werde, desto schneller vergeht die Zeit ... das ist ein interessantes Phänomen, das ich schon immer einmal untersuchen wollte, leider fehlte mir bisher die Zeit dafür … 
das heißt, im Moment ich komme zu nichts, möchte hundert Dinge gleichzeitig tun und die Zeit fließt mir wie Wasser durch die Hände. Außerdem kommen mir immer wieder so kleine Ereignisse dazwischen, mit denen eine stillvergnügt vor sich hin lebende Alte, einfach nicht rechnet - wie der unverhoffte Krach mit einer Freundin, eine Einladung zur Tupperparty oder ein Staubsaugertransport von L nach B ... dabei wäre mir der ultimative Einfall für das Kinderbuch viel lieber, aber so ist es nun mal ... vielleicht hat meine Muse schon Herbstferien oder sich beim Spielen mit den Morgennebeln verirrt ... deshalb nehme ich jetzt einfach das, was mir vor meiner Nase liegt ... 
die ach so flüchtige Zeit in Worte gegossen, führt wie eine Brücke von den Ufern so manch einer Zeitinsel in viele phantastische Welten ... eine Zeitreisegeschichte in ein Kinderbuch einzubauen ist zwar wahrlich keine genial neue Idee ... aber es ist eben so - Zeit faszinierte mich schon immer ... die längst vergangene oder die, die noch vor uns liegt ... Vergangenes heraufzubeschwören macht die banale Gegenwart wunderbarer und Zukünftiges in ihr entdecken, macht sie geheimnisvoller... 



13 September 2014

Das bisschen Haushalt

Als Mutter von vier Kindern weiß ich noch zu gut, was ein halbwegs vernünftig geführter Haushalt für Arbeit macht und auch ich habe dereinst die meisten der Aufgaben, die in dem Sechs-Personen-Haushalt anfielen, neben teilweiser Berufstätigkeit, allein wuppen müssen. Ich erinnere mich an jahrelanges ständiges Rotieren. Das Grundproblem der heutigen Haushaltsführung – im 21. Jahrhundert und im westlichen Kulturkreis - liegt nicht nur in der abwertenden Sicht auf jede Form der Haus- bzw. Mutterarbeit, sondern auch, ganz pragmatisch gesehen, in der Verteilung der anfallenden Arbeit auf die vorhandenen hausarbeitenden Kräfte innerhalb der Durchschnittsfamilie. 
Die heutige (Kern)Familie besteht im Idealfall aus zwei Erwachsenen (und mehr denn je aus nur einem) und irgendwann, aber nicht immer, aus den dazugekommenen Kindern. Wir haben es hier bekanntermaßen mit der sogenannten Kleinfamilie zu tun – Vater, Mutter, Kind(er) - in der in der Regel auf jede Form eines unmittelbaren, generationsübergreifenden und kooperierenden Miteinander weiterer Angehöriger verzichtet wird.
Auf Grund eines imaginären und rein ideologischen Mainstream-Codes lösen sich, eingedenk diverser und allgegenwärtiger Parolen, junge Leute so früh wie möglich aus ihren Herkunftszusammenhängen. Und jede Älterngeneration beginnt bereits ab der Geburt eines Kindes in vorauseilendem Gehorsam, den Kindern die gern zitierten Flügeln zu geben, manchmal noch bevor sie ihnen Wurzeln gaben. 
Diese allseits akzeptierte Befolgung ideologischer Dogmen bringt Mütter dazu, beinahe klaglos ihre großen aber durchaus noch nicht erwachsenen Kinder ziehen zu lassen und dabei jeden artgerechten Schmerz über das „verlorene“ Kind zu leugnen oder ihn sich schön zu reden. Dafür werden in fantasievoller Art für die Zukunft Chancen und Vorteile beschrieben, die sich durch die, oft rigorose Trennung für beide einstellen würden. Diese kollektiv beschworenen Vorteile münden in der konditionierten Vorstellung: „...endlich das eigene Leben zu leben“ - als hätte mann, frau bzw. kind das vorher nicht gekonnt. Es existiert die lächerliche Überzeugung, dass im Kreise von Bindungsangehörigen kein „eigenes“ Leben möglich sei. 
Der moderne Mensch versucht krampfhaft, seinen angeborenen Drang zur Bindungsnähe zu überwinden und eine Art unabhängiges Individuum zu werden. Was für den Menschen als Lebewesen eigentlich keinen Sinn macht. Außerdem wird bei diesem Bestreben nur die natürliche Abhängigkeit von der vertrauten Bindungs- und Nähegruppe der Fürsorgegemeinschaft gegen die fremde und generell wenig wohlmeinende Abhängigkeit der anonymen Großgesellschaft eingetauscht. Der künstlich geschaffene Bedarf von "totaler individueller Freiheit" stützt sich in unserer Mainstreamkultur auf eine merkwürdige Devise: nur die Liierung mit einem außenstehenden, also bislang fremden, Lebenspartner ermöglicht uns ein eigenes und erfülltes Leben zu führen! 
Aber selbst zu diesem Phänomen, das wir unter (großer und möglichst romantischer) „Liebe“ kennen, gehört immer und ganz pragmatisch auch ein Haushalt - der Ort an dem der praktische, der existenzielle Alltag bewältigt werden muss.
(Fast) alle jungen Frauen und Jung-Männer lernen früher oder später selbst einen Haushalt zu händeln und ich kenne einige, die machen das im Alleingang richtig gut. Während der Studien- oder Lehrzeit „üben“ manche in einer WG oder ziehen mit Freund oder Freundin zusammen. Ein Einfrau/Einmann-Haushalt ist zwar auch in unserer Zeit an manchen Stellen eine gewisse Herausforderung, aber durchaus zu schaffen. Da gibt es diese Mac Donald – Werbung in der eine Mutter wohlmeinend in der WG ihres Sohnes mitgebrachtes Essen in der Küche abstellt und ihm das telefonisch mitteilt. Worauf dieser, während er in einen Burger beißt, nachdenklich seine Kumpels fragt: „Wir haben eine Küche?“ 
Die anfallende Arbeit im Haushalt kann also auf ein Minimum beschränkt und zum Teil outgesourct werden. Der Aufwand an Hausarbeit ist mit dem persönlichen Anspruch und einem Zeitfaktor gekoppelt.
Ab einem bestimmten Zeitpunkt ist fast jeder heranwachsende Mensch (das Kind) in der Lage im Rahmen der vorhandene Ressourcen sich selbst zu versorgen und dabei lernt das größere Kind quasi nebenbei auch die Hausarbeit innerhalb seiner kulturellen Parameter kennen.
Hausarbeit, das ist die, die Existenz erhaltende und sichernde, Arbeit in der eigenen Niederlassung. Aber so oder so, in den heute tausendfach vorhandenen privaten Haushalten pflegen sich in der Regel früher oder später die hausarbeitenden Mitglieder auf maximal zwei verantwortliche Erwachsene einzupegeln.
Gewisse gesellschaftliche Rollenvorgaben tradieren immer noch die 'Hausfrau', da die Frau, meist in ihrer Eigenschaft als Mutter, auch heute aus vielerlei Gründen und anerkannter Weise mehr Zeit als der Mann im Familienhaushalt verbringt. Schnöde Hausarbeit ist für den Durchschnittsmann immer noch ein eher unattraktives Szenario. Die heutige Frau wehrt sich, am Herd angekettet zu sein; sie zerrt seit etlichen Jahrzehnten an diesen imaginären Ketten. Die brave Fünfziger-Jahre–Hausfrau (bei der es sich auch eher um einen Mythos handelt) ist schon lange out. Frau möchte gesellschaftliche Teilhabe, Beruf und Karriere und dabei aktive mitmenschliche Nähe. Nichts ist für einen (weiblichen) Menschen weniger artgerecht als ein Leben in einer gewissen Isolation zu fristen und das auch noch weitgehend fremdbestimmt. Aber wie auch immer, den Haushalt wird sie trotzdem nicht los, genauso wenig wie der Mann - der Mensch hält sich immer in irgendeinem Haushalt auf.
Das private Refugium, in dem der Rückzug von der Arbeitswelt stattfindet, wird als unser Haushalt definiert. So ist es seit der Zeit, da die ersten Menschengemeinschaften in bewusst eingerichteten Lagern und Behausungen ihren Alltag gemeinsam verbrachten. Unsere Urahninnen haben den Haushalt erfunden und seitdem ist diese menschliche Lebensbasis die Grundlage des gesamten Wirtschaftens. Deshalb mahnen auch immer mehr Denkerinnen an, unsere Weltwirtschaft als einen großen Haushalt anzusehen, der er de facto nun mal ist. Gut haushalten, gut wirtschaften zu können mutet uns nicht nur als unerfreuliche Arbeit an. Es ist auch eine Kunst und hier kommt Kunst direkt von 'Können'. Eine reibungslose und alles Notwendige beinhaltende Haushaltsführung ist ein beachtliche Leistung. 
Einst gab es nämlich die unnatürliche Trennung von „wertvoller“ Arbeit außerhalb des Hauses und der „niedrigen“ Arbeit im Haus nicht .... und nicht nur deshalb, weil es damals sozusagen kaum Häuser gab. Die Wertschätzung oder die Abwertung der lebenserhaltenden Haus- und Umgebungsarbeit ist immer auch an den (gesellschaftlichen) Status der Frau gekoppelt.
In der frühen artgerechten Matrifokalität war 'die Frau und Mutter' die Mitte der Fürsorgegemeinschaft und der Mann als Sohn und Bruder in Matrilinearität natürlicherweise fest mit eingebunden. Das ist unsere menschliche Natur und dazu gehörte schon immer die unerlässliche Alltagsarbeit. Diese wurde gemeinsam verrichtet, um die Gruppe der konsanguin lebenden Angehörigen zu erhalten und um den Nachwuchs menschen-art-gerecht aufwachsen zu lassen. Das muss jedenfalls einst über einen langen Zeitraum hinweg gut geklappt haben, denn sonst wüssten wir nicht, was Zufriedenheit, Wohlbefinden, Glück und zugeneigtes Miteinander bedeutet. Es liegt in unseren „Genen“ in einem vertrauten Miteinander auf gemeinsamer Haushaltsbasis Lebenszeit zu verbringen. Daher wäre es dringend angesagt, die absonderliche harte Trennung zwischen geachteter Erwerbsarbeit und geschmähtem Weiberaufenthalt am 'heimischen Herd' schleunigst zu überdenken... 

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02 September 2014

eisig spenden

Es gibt eine Menge Veranstaltungen, Kaufverlockungen oder vom Mainstream tolerierte Happenings, also 'Dinge, die die Welt nicht braucht', welche trotzdem von Zuschauern, Käufern oder Fan heftigst frequentiert werden. Es ist meist der Unterhaltungswert, der in den Aktionen steckt und der die Menschen verlockt sich passiv oder manchmal aktiv zu beteiligen.
Natürlich haben die meisten Kampagnen, Initiativen, Mitmachaktionen, Aufforderungen und Angebote, den schnöden Hintergrund für irgendwen Geld in die Kassen zu spülen. Aber das ist schließlich bei allen uns bekannten (modernen) inszenierten Ereignissen wie bestimmten Event – Fernsehsendungen, Großkonzerte oder Sportveranstaltungen der Fall. Während einst die Gladiatorenkämpfe in der Regel von großzügigen Sponsoren (eine Art antike Öffentlich Rechtliche) ausgerichtet wurden, um die Massen zu belustigen und bei Laune zu halten, sind wir es gewohnt nicht nur unsere Zeit und (Lebens)Energie in die Stadien oder vor die Monitore zu tragen, sondern auch unserer Geld. Auf die ein oder andere Art zahlen wir immer für jedwede Form der Unterhaltung.
So ist es, um beispielsweise Spenden zu sammeln, schon seit langem üblich, dass die Initiatoren einen möglichst attraktiver Aufhänger, es darf auch ein richtiger Aufreger sein, finden, der die Leute animiert, ihr Geld locker zu machen. Und sehr viele lassen sich gern faszinieren und vom Unterhaltungswert der Darbietungen mitreißen. Allerdings sind in den meisten Fällen die Fans nur die
passive und somit die applaudierende und zahlende Masse.
Nun bleibt uns noch die Sicht auf die derzeit laufenden Aktion: Eiswasser versus Spenden...

wobei das Eiswasser ja wohl als eine Art Strafe gedacht ist, wenn einer nicht bereit war zu spenden. Um diese fiese Nötigung in die Gänge zu bringen haben die Veranstalter das Schneeballsystem der Nominierung von Bekannten mit der Grundidee des Geldeintreibens verknüpft. Allerdings wurde daraus eine Art weltweiter Spaß, der mehr Furore machte als der Spendengrund, die Forschung um eine schwerwiegende Krankheit zu fördern.
Zahllose Menschen schütteten sich vor der laufender Kamera Eiswasser über den Kopf, um dann doch noch für alles mögliche (zumindest in Deutschland) zu spenden. Ganz offensichtlich haben die Initiatoren einen Nerv und ein Verlangen getroffen, das im World Wide Web ausgelebt werden kann. Dem Spendenden bzw. Nichtspendenden wurde ein aktive Rolle zu gedacht und damit der Möglichkeit Tür und Tor geöffnet, sich selbst in Szene zu setzen - sich in einer mehr oder weniger gepflegten Performance  vor einer Kamera zum Obst zu machen oder als Edelmütigen darzustellen, der auch noch Spaß versteht.
All jene, die aus dem Kopfschütteln nicht herauskommen (darüber, dass sich die Selbstdarsteller letztendlich vor den Karren der Pharmaindustrie spannen ließen und zum Zwecke billiger Publicity kostbares und auch noch gefrostetes, Nass verschwendeten, während anderen Ortes Menschen um das lebenswichtige Wasser kämpfen) sei jedoch gesagt: unterschätzt nicht, das Verlangen der Menschen nach jedweder Form der sich bietenden Gelegenheit zur Eigenwerbung in Zeiten des Internets und der sozialen Netzwerke.