22 März 2021

Die Legende vom Alten Weißen Mann

Die Legende vom Alten Weißen Mann

"Als Schuldiger tritt jetzt der weiße heterosexuelle Mann in Erscheinung. Auf seine Hautfarbe, sein Geschlecht und seine sexuelle Orientierung reduziert, ist er der Schurke, der für alle Übel der Welt verantwortlich sein soll."

Was im Zitat nicht erwähnt wird ist das in dem Zusammenhang bedeutsame Adjektiv Alt. Der Weiße Alte Mann ist zum Schlagwort und Synonym für eine bestimmte Geisteshaltung und Handlungsweise in unserer medialen Gesellschaft geworden. Dieses Label kann sogar ohne weiteres Frauen aufgeklebt werden. Der Weiße Alte Mann ist ignorant gegenüber dem Rest der Welt, lehnt Menschen anderer Couleur ab und hasst modernes freies Denken (bei anderen). Den (alten) weißen heterosexuellen Mann gibt es aber wirklich und nicht nur als Metapher. Und er ist tatsächlich ein Problem, aber nicht weil er weiß, heterosexuell oder alt ist, sondern der eigentliche Schurke ist der patriarchale Mann. Und der war ursprünglich nicht weiß, nicht alt, wenn auch heterosexuell, denn sonst würde ja das ganze Ding mit der Vaterherrschaft ja keinen Sinn machen.

Der weiße Mann geht auf den Europäer der letzten Jahrhunderte zurück. Der alte Mann steht für Macht, die Macht, die ein Mann zu erreichen imstande ist - in der er sich als Vater von Nationen aufspielen kann, die Gegenwart steuert und die Zukunft beeinflusst.

Irgendein x-beliebiger Tattergreis ist damit nicht gemeint. Der Weiße Alte Heterosexuelle Mann steht für den Eroberer, obwohl er wie gesagt weltweit anfangs im Sinne der Hautfarbe nicht weiß im heutigen Verständnis war. Aber in den patriarchalen Vorgenerationen unterwarf sich der historische Mann das Leben, brachte es dauerhaft in seinen Besitz. Er versklavte seine Mitmenschen, kolonialisierte dazu nach und nach fast ganze die Welt. Er trieb die Technik voran baute die Industrialisierung auf und legte die Basis für den heutigen Turbo-Kapitalismus.

Jede Art von Technologie zeigte sich als ausgesprochen vorteilhaft im Sinne der Macht. Waren es anfangs nur kleine Schritte, so war es doch ein Hauptmarker der Patriarchose, dass der Mann die Waffentechnik vorantrieb. Es ist so was wie ein Reißverschlusssystem, dieses Ineinandergreifen von Ereignissen und die von Anfang an nicht zufällig waren.

Das
Patriarchat

Der Mann eignete sich Herden von Großtiere an, diesen Besitz wollte er verteidigen, dazu bedurfte es Waffen und Verbündete; er benötigte Land für die Herde, Grundbesitz wollte verteidigt sein, daher wurde weiter aufgerüstet; die besten Verbündeten waren anfangs Angehörige wie Brüder, aber vor allem Söhne. Und da es hier um den heterosexuellen Mann geht, ist es logisch, dass er sich von Anfang an die Frau und Mutter unterwarf. Der Mann brachte also die Sexualität und damit auch die Gebärfähigkeit der inzwischen per se versklavten Frau unter seine Kontrolle; der Mann entführte bzw. raubte Frauen und zwang sie in die Patrilokalität. Mann verkaufte bzw. handelte die Töchter dieser Frauen und schickte sie in der Regel weg. Euphemistisch nannte man solche Transaktionen Heirat. All das setzte voraus, dass man diese Vorgänge mit der nötigen Waffengewalt durchsetzen konnte. Das kollektive Trauma, dem die gesamte Weiblichkeit anheim fiel, wurde einst ausgelöst durch den bewaffneten gewaltbereiten Mann. Im Laufe der patriarchalen Zeiten brauchte der alte, mächtige Mann, die Waffe nicht mehr selbst in die Hand nehmen, er ließ drohen und sanktionieren. Er hielt sich Armeen und Milizen und nach wie vor Frauen und deren Kinder.

In der jüngeren Geschichte wurde der Alte Mann, und hier steht Alt immer noch für Macht, zum Biedermann und der klassische Biedermann war Weiß. Die Industrienationen und schon ihre Vorläufer entwickelten sich unter der Anleitung des Alten (mächtigen) Weißen (europäischem) Mannes zu den Polit- und Wirtschaftsmächten, wie wir sie noch heute erdulden müssen. Sie exportierten ihre Vorstellung von Kultur, Politik und Moral in alle Welt und zwangen Menschen unter ihrer Herrschaft diese zu akzeptieren und anzunehmen. Die bewährte Art der gewaltsamen (toxischen) Durchsetzung, der am Mann orientierten Interessen, wurde seit der Gründung erster Staaten in der Antike damals schon durch medial gesteuerte Ideologiekonzepte flankiert. Die uns so geläufigen religiösen Konstrukte, die uns in überholter Mythologie und den heute noch wirksamen Theologien (monotheistischen Großreligionen) erhalten geblieben sind, heroisieren den gewalttätigen Mann, vergöttlichen bis heute sein Recht als Machthaber und etablieren ihn nachhaltig in einer nicht zu hinterfragenden Vaterfunktion in unserem Alltag. Überall da wo das Patriarchat seinen langen Schatten wirft, laufen Männer Gefahr der Alte Weiße Mann zu sein – selbst wenn sie eine andere Hautfarbe besitzen oder sich auf eine andere Herkunftskultur berufen oder gar den Status eines Opfers des kolonialisierenden Alte Weiße Mann für sich in Anspruch nehmen. Mag auch gerade überall der Alte Weiße Mann als der Buhmann gelten, das Grundproblem, das wir nach wie vor haben, ist der toxische patriarchale Mann.

Stephanie Ursula Gogolin

04 März 2021

Unser Geist ist Erinnerung!

Menschen sind biologische Körper, die sich in einem soziokulturellen Rahmen bewegen bzw. sich diesem anpassen. Das ist eine unserer evolutionär angelegte ÜL-Strategie. Unser Geist bzw. die Geistestätigkeit ist Teil unseres Gesamtkörpers. Ist der Körper tot, ist der Geist, der sich in seinem individuelle Wissen und Erinnern sowie im interaktiven Wissenserwerb zeigte, weg, eben auch tot. Ohne einen biologischen Körper bzw. ein Geist erzeugendes Organ, wir nennen es Gehirn, gibt es keinen substanzlosen, aktiven Geist.

Was die lebendige Mensch und ihren Geist in deren Leben also einer Person, ausmacht, erhält sich nach ihrer Existenz im Erinnerungsvermögen anderer lebendiger Gehirne. Die Ansammlung von Gehirnbesitzern und -benutzern bilden einen kollektiven Erinnerungskörper, dessen Wirksamkeit an Nähe und einen steten interaktiven Austausch gebunden ist. Die Erinnerungen an Erfahrungen, Ereignisse und aktiv gesammelten Erkenntnissen sind nur von wirksamer Bedeutung, wenn sie zwischenmenschlich weitergegeben werden.

Die aktive bzw. bewusste aber auch unbewusste Weitergabe der Wesenseindrücke, die eine Mensch hinterlässt, vor und nach ihrem Tod (sie lebt in der aktiven Erinnerung anderer weiter), wurde/wird von ihren Hinterbliebenen bewahrt, überliefert, in seiner Eindrücklichkeit und Vorbildwirkung konvertiert. Bisherige Nähepersonen* mit denen die verstorbene Mensch interagierte, erhalten und wahren deren geistige Essenzen – es sind die Erinnerung an gemeinsam verbrachte Zeit und Ereignisse, in die wir zusammen involviert waren. Das Miteinander schließt auch Menschen und andere Wesen ein, die nicht zur unmittelbaren oder alltäglichen Bindungsgemeinschaft gehören und die einen Erinnerungshintergrund bzw. Bezugspunkte bilden. Je kleiner die Aktionsgruppe in der eine Mensch sich lebenslang bewegt, desto intensiver die gemeinsamen Interaktionen personeller Eindrücke, die das Erinnerungspotential bilden.

Die bereits schon mehrfach asservierten Erkenntnisse eines nun erloschenen Geistes wurde zu Lebzeiten von den dauerhaften Nähe- oder Kontaktpersonen aufgenommen und weitergetragen bzw. in deren Geist archiviert. Das menschliche (weibliche) Erinnerungsarchiv (individuell und vor allem kollektiv) ist eine gewaltige Kraft, die unser Menschsein gestaltet/e.

Die direkte sowie die osmotische Aufnahme und das Ausfiltern all der Äußerungen, der gemeinsamen Erfahrungen mit den uns umgebenden anderen Lebewesen (also nicht nur menschliche), fügt die Mensch ihren selbstgemachten Erfahrungswerten hinzu und gibt sie quasi umgehend an das sie umgebenden Nähekollektiv weiter. Der Erinnerungspool eines lebendigen Geistes ist nicht nur für das Individuum von Bedeutung, sondern bildet mit den unmittelbaren Nähe- bzw. Mitmenschen das tragende Wirkungsfeld. Diese tragende Wirkung enthält Stimmungsfarben wie Ruhe und Sicherheit, Besonnenheit, Frohsinn und spürbare Zufriedenheit. Sie fördert entspannte Lernstimmung und bringt kreatives Handeln, einzeln und gemeinsam, mit sich. Hier ist auch die Vorstellung besonders spannend, dass wir unbedingt auch die Babys und Kinder, überhaupt alle Altergruppen in diese Feld-Wirkung einbeziehen müssen. 

Diese Feld-Funktion in einer (Fürsorge)Gemeinschaft, welche die Schutzsphäre der Geborgenheit für ein jedes zugehörige Individuum bildet, ist eine unserer hervorragendsten menschlichen Eigenschaften. Diese permanente körpergeistige Interaktivität der personell bezogenen, miteinander lebenden Gehirne, ist das selektierte Sonderprogramm der intelligenten Mensch (auch weiterer Säugetierarten sind diesbezüglich ausgestattet und ist Erbteil des GesamtGenPool). Vor allem unser Fähigkeit untereinander förderlichen Eustress zu erzeugen und ihn individuell zu verarbeiten, brachte uns die Kompetenz ein, nicht nur zufrieden, sondern auch immer wieder rundum glücklich zu sein.

Ohne den Distress bei Gefahrenlagen, krankheitsbedingte Ungewissheit oder inneren Konflikten in der Nähegruppe, geht es einem Individuum im Alltag gut. Ein harmonisch verlaufender Alltag in einem Umfeld von sich wohlwollenden Menschenwesen ist jedenfalls für jedes heranwachsende Kind der anzustrebende Glücksfall. Also vernetzen wir unsere Gehirne so intensiv wie möglich, zapfen wir unsere Erinnerungsspeicher an und denken zwischendurch auch immer wieder gern an alle, die uns guttaten bzw. guttun.

(* nahestehende Angehörige, die mit ihr den gemeinsamen Alltag teilten)

 Stephanie Ursula Gogolin

 



29 Dezember 2020

Der MannundFrau-Mythos

Mütter, Kinder, Väter und der MannundFrau-Mythos

Diese gern beschworene Arbeitsteilung zwischen Mann und Frau, die auch die Care-Arbeit beinhaltet, ist ein rein hypothetisches Gebilde. Wir kommen ohne die liebenswerte Vorstellung kaum noch aus, dass es selbstverständlich sein müsste, dass Männer sich genau wie Frauen für das tägliche Allerlei und die Arbeit, die Kinder so machen, zuständig und verantwortlich fühlen. Mann und Frau als vom Schicksal konzipiertes Dreamteam - es könnte doch so einfach sein!
Aber es gibt nun mal keinen biologischen Imperativ der ein organisch gewachsenes Gebilde MannundFrau hervorbringt. Auch nicht in der umgekehrten Intention FrauundMann. Es gibt keine biologisch determinierte, gleichschwingende Paareinheit 'Frau und Mann' als natürlich entstandenes Alltagsmodul.
Diese unausrottbare Wunschvorstellung
(des patriarchalen Kulturmenschen) gibt es bei keiner Säugetierart und auch die Vogelarten, die paarweise Brutpflege betreiben, sind zufällige Begegnungen in der Natur, bei denen sich die Individuen dem Biomechanismus Arterhalt gemäß verhalten.
Es wird gern davon ausgegangen bzw. erwartet, dass entgegen allem menschenartgerechten Verhalten, die ominöse Paareinheit MannundFrau, die sich in der Moderne als Kleinfamilie figuriert (formiert und firmiert), sich ähnlich einem Schwarm verhält (permanent auf einander bezogen) oder ähnlich einer Herde auf der Basis einer kollektiven Intelligenz durch den Alltag stapft. Säugetiere sind hochentwickelte Individuen und damit als Einzelwesen weitgehend autonom. Wobei jede Spezies ein eigenes Sozialmodul entwickelte.
Die in besonderer Weise intelligente Mensch, findet in der Dynamik ihrer matrifokalen Fürsorgegruppe den ÜL-Effekt der Geborgenheit und damit ausreichend Schutz, Support und Spaß, um ein zufriedenes Leben zu führen.
Die paarweise Zweierkombination aus einem nichtverwandten Mann und einer mit ihm nichtverwandten Frau als Dauerlebenspaar, ist eine kulturell begünstigte Fehlentwicklung, auf Grund der u.a. durch Oxytocinmangel erzeugten Gewaltspirale im System der Patriarchalität.
Die heute wie ein Naturgesetz gehandelte MannundFrau-Idee, die quasi als sexualisierte Dauerschleife des Zusammenlebens unseren Alltag bestimmt, ist jedoch auf keinen Fall als eine Art evo-biologischer Imperativ selektiert, sondern ein anti-soziales Phänomen, dass die vergleichsweise jüngste Menschenkultur auf den letzten Metern der Geschichte (in besagter Patriarchalität) hervorgebrachte.
Wenn wir als (junge) Frau uns verlieben und uns das starke Verlangen antreibt, uns mit einem attraktiven Mann unserer Wahl zu paaren und unbedingt (sofort) zu kopulieren, sind wir in dem hormonellen Drive des in allem Lebendigen angelegten Drang zum Arterhalt, der naturgemäßen Parallele zum glücklich machende Selbsterhalt plus Female Choice.
Dieses bio-angelegte Verlangen des Körpers die Art zu erhalten, ist inzwischen mit vielen irreführenden Vokabeln belegt. Derzeit gipfelt die Bezeichnung dieses Verlangen in der Vorstellung einer dauerhaften romantischen Liebe, die völlig widersinnig mit dem Gebot einer am liebsten unauflöslichen Hetero-Paar-Konstellation gekoppelt ist. Diese wird, auch in unserer modernen, aufgeklärten Gesellschaft, nach wie vor, von verschiedenen sozialen Konventionen sowie moralischen und von den,die weibliche Sexualität kontrollierenden Dogmen begleitet.
Beide, Frau und Mann, sind zuerst einmal biologische Individuen, die immer aus dem matrifokalen Nest einer (ihrer) Mutter stammen. Der unbewusste Denkfehler ist meist, dass die Biografie einer Person, die mit der Geburt durch eine Mutter beginnt, nicht mitgedacht wird. Wenn von Mann und Frau die Rede ist, besteht das System Kulturmensch scheinbar nur aus lauter vom Himmel gefallene autarke Erwachsene. Das lässt uns die lang gehegte Vorstellung von einer nicht wegzudenkenden Alltagserscheinungseinheit, die ich MannundFrau nenne, immer wieder neu auflegen. Hier wird Mann zwanghaft mit Frau zusammengedacht und umgekehrt.
Was weitgehend wegfällt ist das automatische Mitdenken von Kindern, Geschwistern bzw. mütterlicherseits zugeordneten Angehörigen.
Es gibt sie aber nicht, die Frau X und den Mann Y, als jeweils eine Art exklusiven Prototyp. Abstrakte weibliche und männliche Kultureinheiten, die eine Gesellschaft ausmachen und in ihrem Erwachsenenleben unbedingt eine Zweiheit anstreben, die als Einheit wahrgenommen werden muss. Tatsache ist jedoch, das Individuum, also jede Person, besitzt eine persönliche Geschichte und versucht auf ihre individuelle Art im Patriarchat zu überleben und folgt daher dem Paradigma der Gesellschaft bzw. der jeweiligen Kultur.
Frau X und Mann Y sind daher im Bezug zu ihrer kulturellen Deadline - die für den Erwachsenen von unserer anonymen Gesellschaft geforderten Partnersuche - austauschbar. War über Jahrhunderte hinweg der, in der Patriarchose immer zuerst gedachte und in der Regel auch zuerst genannte, Mann als Privilegling der Verhältnisse derjenige, der per se dazu vorgesehen ist sich nach Belieben eine Frau zu halten, ist heute auch die Frau berechtigt, in bescheidenem Maße, einen sogenannten Partner zu wählen, der eine dauerhafte Einrichtung in ihrem Leben sein soll.
Das bestehende hochpatriarchöse Gesellschaftsambiente brachte so den MannundFrau-Mythos erst als unauflösliches Ehepaar und in der Moderne in dem Begriff Partnerschaft hervor. Die gleichberechtigt anmutende Partnerschaft bleibt trotzdem ein typisch patri-kulturelles Konstrukt, dass schon wieder jede Frau und Mutter in die androzentriert-patriarchale Irre führt. Mann und Frau wurden so konditioniert, dass sie unentwegt versuchen als ideale Einheit ein ganzes Leben lang zusammenbleiben, was eigentlich nur mit sozialen Zwängen einher ging und die Regel ist es ohnehin nicht mehr, seit die Frau grundsätzlich zu einigen Rechten gekommen ist.

Stephanie Ursula Gogolin


ÜL - natürlich selektierierte Strategie
des Überlebens einer Art

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05 November 2020

Oxytocinmangel - ein Beschleuniger des Patriarchats

Der Entwurf einer Betrachtung zu der Frage und Dauerbrenner: Wie entstand das Patriarchat?
... überarbeitet, ergänzt und in Wordpress online gestellt

Hierbei handelt es sich um hypothetische Überlegungen und mögliche Zusammenhänge im Entstehen der seit min. achttausend Jahren, expandierenden Patriarchose...


20 Oktober 2020

... die sogenannte Todesstrafe

...ein paar Gedanken zum "Internationalen Tag gegen die Todesstrafe"

Männer töten Männer um ihres eigenen Selbsterhalts willen. Das bedeutet unbedingte Kontrolle des eigenen Umfeldes: Abschrecken durch ernsthafte Drohungen, körperliches Angreifen und Zuschlagen, ehe es der andere tut. Das betrifft prinzipiell das männliche Individuum und darüber hinaus den androzentrierten Kollektivgeist.
Der patriarchal tradierte Androzentrismus wird, bis in unsere Zeit, durch potentiell unberechenbare Männergewalt geschützt und erhalten.
Zu allen Zeiten des androzentrierten Herrschaftspatriarchats töteten (oder ließen töten) privilegierte Männer im Namen ihrer selbst ermächtigten Gerechtigkeit (und daraus resultierenden juristischen Legitimation) andere Männer – oft in aufwändigen Abschreckungsverfahren. Die zur Kunst erhobenen Hinrichtungskultur des Mächtigen (die aktuell Machthabende Person) ist immer ein Teil ihrer Absicherung nicht zu schnell selbst unter einem Henkersbeil zu landen. Die Regelwerke, die festlegten, wer wann einen anderen Menschen – Mann oder Frau - töten darf, wurden in der gesellschaftlichen Patriopathie immer massenwirksamer.
Die Hinrichtungsarten, die eine Art der Bestrafung für Verfehlungen der verschiedensten Art darstellen sollen, wurden immer spezieller in ihrer Grausamkeit und Ausführlichkeit des Leidens. Als gesellschaftliche Regelverstöße angesehenen Verbrechen und sogar, uns heute harmlos erscheindene Vergehen, wurden immer wieder brutal sanktioniert. Manche Handlung oder Äußerung, die in heutigen Kulturen zum menschlichen Grundrecht gehören – wie Würde und Selbstbestimmung, Meinungsfreiheit, Gleichberechtigung sogar die zweifelhafte Religionsfreiheit, waren in der Vergangenheit (und sind es bis in die Gegenwart) ein gefährliches Terrain.
Die quasi nicht vorhandenen Rechte der weniger oder gar nicht privilegierten Menschen waren/sind im Patriarchat herrschaftlicher Willkür ausgesetzt und die Rechte der Frauen fielen/fallen weg, ohne dass ein Hahn danach kräht.
Tötungen fanden statt, weil sich diese Praxis sowie die so entstandene Gesinnung mit der Züchtungsideologie des Hirtenkriegers etablierte. Systematisches Töten von Leben sowie das dazu gehörige Blutvergießen, wurde Teil des Alltags des (potentiell patriarchalen) Mannes und zudem ritualisiert.
Vieh zu Züchten, zu Halten und zu Nutzen, geht nicht ohne Formen von Gewalt. Direkte Gewalt ist das Mittel des Mann sein Umfeld zu kontrollieren – Unterwerfung, totale Fremdbestimmung für die anderen und die latente oder direkte Androhung des Todes bei Ungehorsam. Unliebsame innere und äußere Gegner herrschaftlicher Macht, Sklaven und alle Untergebenen, die das System durch Ungehorsam bedrohen, sind nicht nur durch Sanktionsmaßnahmen zu unterwerfen, sondern im Bedarfsfall gleich endgültig zu beseitigen. Die Hinrichtung von nicht herrschaftskonformen Mitmenschen zieht sich durch die Jahrtausende des Patriarchats.
Die durch einen Staat und seine Rechtsprechung sowie dessen Verfassung, legitimiert die Tötung von Verbrechern - ein nach wie vor angewendetes Verfahren - nicht mehr überall auf der Welt, aber noch oft genug. Die Festlegung, wer ein Tod würdiges Verbrechen beging, ist nach wie vor den vielfältigen patriarchösen Normen unterworfen und allen voran diversen religiösen Regeln.
Ein Leben auszulöschen gehört immer zu den verwerflichen Taten des sogenannten kultivierten Menschen, aber der Mann als solcher, wird trotzdem von Kindheit an immer noch mit einer hocheffizienten Tötungssublimierung sozialisiert, die eine niedrige Hemmschwelle der speziellen Frauentötungen per se einschließt.
Wurden für die 'Tötung des Mannes' aufwändige Ideologien, Gesetzeslagen und religiös begründete Dogmen kreiert, ist das Töten von Frauen (hier vor allem der ignorierte Femizid) immer noch ein eher wenig beachtetes Phänomen, dass zwischen Kollateralschaden und „sie hat es nicht anders verdient“ schwebt. Auch Frauen wurden per Gesetz und nach dem Gewohnheitsrecht eines Herrn, hingerichtet, gelyncht, abgeschlachtet – aber hier fehlt in der Regel der edle Touch, den eine männliche Exekution oft begleitet. Im gewaltsamen Tod ist jeder Mann ein Held. Die Frau nur ...
Die sogenannte Todesstrafe ist eine rein patriarchale Erfolgsgeschichte. Es wird Zeit, dass nicht nur diese fragwürdige Form der angeblichen Gerechtigkeit bzw. Vergeltung aus der Welt verschwindet, sondern auch das System selbst, das zu jeder Art bewusstem Auslöschen von Leben animiert.
 
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17 August 2020

Partnerschaft ist keine Geschwisterlichkeit

Betrachtung zum Begriff Partnerschaft von Stephanie Ursula Gogolin

Vorwort für eine Freundin
Liebe Freundin, ich weiß, dass es zur neueren Denkungsart gehört, alle patriarchalen Formen, die eine (bis dato) positive Ausstrahlung haben, leicht abgewandelt in den Kanon des modernen Matri-Sprech aufzunehmen. So wie das Paar und eben die allseits beliebte Partnerschaft.
Sowohl das Paar wie auch die Partner sind in der Regel zwei fremde (nichtverwandte) Personen. Wir wissen aber, im matrifokalen Kontext interagieren Fremde (die Nichtverwandten) eher nicht ständig. Weniger unmittelbar, nicht im Alltag, noch auf Lebensdauer. Die Konsequenzen für die Person und die Gemeinschaft wären (wie wir Patriarchatsbewohner immer wieder feststellen müssen) nicht nur störend, sondern auch verheerend. Der nichtverwandte Liebhaber wurde wohl da eine Art geregelte Ausnahme. Wir sollten daher lieber zweimal hinsehen, wenn wir uns euphemistisch eines gängigen Sprachbegriffes annehmen, der eigentlich sehr tiefe patriarchöse Wurzeln besitzt.
Sicher können sich auch konsanguin verwandte Geschwister wie Partner gebärden bzw. sich als solche verstehen und eine zielgerichtete Partnerschaft praktizieren. Überall da wo Arbeitsprozesse verbindliche und verlässliche Zuständigkeiten und Ansprechpartner benötigen, greift die regulierte Partnerschaft – nicht nur in der Erwerbsarbeitspraxis (die ja bekanntlich ein astreines Patri-Produkt ist), sondern auch im Patri-Privaten.
Die klassische Ehe ging bekanntermaßen aus dem Herrschaftskonzept der Patriarchalität hervor. Seit in der sehr aktuellen Geschichte gesellschaftsfähig wurde auch ohne Trauschein als Paar (bestehend aus zwei nicht konsanguin verwandten Personen) zusammenzuleben, brauchte diese Form einer Lebensgemeinschaft eine gängige (positiv belegte) Bezeichnung. Hier bot sich die Partnerschaft nahezu an. ‚Partner sein‘ ist im Patriarchat eine bedeutungsvolle Wertung. Ursprünglich ging das Männliche Partnerschaften ein. Frauenpartnerschaft im Sinn der bündlerischen Kultur gab es nicht. Jede Form von Frauenkollektiv stand unter männlicher Aufsicht (siehe Orden und Kongregationen).
Aber es kam der Zeitpunkt in dem diese Verbindung unter Männern auf Frau ausgedehnt wurde. Vor allem wurde die Partnerschaft das neue Label für die nichteheliche Paarbeziehung.
Im gesellschaftlichen Kontext avancierte diese von der geduldeten "Wilden Ehe" zu einer ordentlichen Lebenspartnerschaft, bestimmt durch Regeln und ungeschriebene Gesetze. Praktizierte Partnerschaft schließt allerdings Sippen(Matrifokal)Angehörige aus. Umgekehrt können wir auch sagen: Wenn ich mich geschwisterlich verhalte bedeutet das nicht per se, dass ich partnerschaftlich (wie bei einer verpflichtenden Arbeitspartnerschaft) handele.
Geschwisterliches Miteinander bedeutet im Sinne der (geliebten) Geschwister Verantwortung übernehmen bzw. im Namen einer (matrifokalen) Verbundenheit zu agieren. Diese Art des Handelns, von mir als Fürsorge bezeichnet, erfolgt prinzipiell (quasi von Natur aus im Sinne des Überlebens) ohne einen verpflichtenden Kontext. Es ist ein ausgedehntes Geben und Nehmen, ein verbindendes und damit verbindliches Fürsorgen auf der Basis - was kann ich und was kannst du! Wie geht es uns beiden damit, denn wir kennen uns von klein an und wissen was der anderen gut tut.
Ich unterscheide unbedingt Geschwisterlichkeit (als rein herstorische Entwicklung - als das evo-biologisches Ereignis) von der Partnerschaftlichkeit, als historisch-patriarchales Implantat.
Beide Begriffe haben sehr verschiedene Voraussetzungen. nehmen wir die Partnerschaft - sie besteht weitgehend aus Verpflichtungen – Verpflichtendes (und damit kontrollierbares) Miteinander ist in den (patri)zivilisierten Kulturen per Gesetz vorgegeben und gilt als Konvention. Partnerschaften waren/sind sind also geregelt, mit einem Vertrag schriftlich oder mündlich (verstärkt durch den typischen Handschlag), der als kulturelle Absprache eine gegenseitig sich verpflichtende Verbindlichkeit darstellt und die Beziehung der Partner zueinander deutlich macht. Partnerschaft entstand/entsteht, wenn ein herrschaftsfrei erscheinendes, gegenseitiges Verhalten einen Namen braucht und positiv konnotiert sein soll.
Geschwisterlichkeit ist ein ursprüngliche Qualität, die noch lange in die Patriarchalität hinein, sich in Sprüchen wie beispielsweise „sie sind wie Bruder und Schwester“ zeigte und hier eine Zugewandtheit und Innigkeit demonstrierte, an die beispielsweise eine Partnerschaft nicht herankommt (oder auch nicht soll, höchstens ironisiert wird). Seit für die Paarbeziehung der Begriff Partnerschaft salonfähig wurde, wird da eine Beziehung auf Augenhöhe und eine Verbindung im Sinne „wir gegen den Rest der Welt“ favorisiert, ohne sich bewusst zu sein wie patriarchal diese Idealisierung ist. Denn eine Partnerschaft einzugehen bedeutet nicht per se auf Augenhöhe, gleichberechtigt oder kungruent zu sein.

Partnerschaft versus Geschwisterlichkeit
Der Begriff Partnerschaft löste nicht nur fast alle Bezeichnungen wie Beziehung und Ehe ab, er wurde inzwischen auch als zukunftsweisend verinnerlicht. Dabei herrscht zunehmend die idealisierte Vorstellung, dass nur ein jeder Mann und eine jede Frau sich in einem kollektiven Sinn eines schönen baldigen Tages partnerschaftlich verbünden müssten, um die heute noch bestehenden Probleme zu den Geschlechterdifferenzen aufzulösen.
Partnerschaftliches Verhalten bedeutet für die meisten, dass sich Mann und Frau ab jetzt auf Augenhöhe und in gegenseitigem Respekt begegnen sowie ohne Missverständnisse und Gewalttendenzen im noch bestehenden Geschlechterchaos eine globale harmonische Zukunft ansteuern. Hier setzt insbesondere die Frau auf Männereinsicht, -vernunft und -handeln. Und da sind sie wieder unsere drei Probleme!
Die Einsicht in die Notwendigkeit der Frau Selbstbestimmung und Freiheit zuzugestehen ist eher unterentwickelt. Die Freiheit sich in einer Männerkultur als Frau selbst zu definieren, ihr Geburtsrecht der Female Choicewahrzunehmen und als Mutter für das eigene Kind in Matrifokalität da zu sein (und ohne mit dem leiblichem Vater eventuell darum kämpfen zu müssen), sind Grundvoraussetzungen, die eine generelle Partnerschaftlichkeit als Gesellschaftsnorm als wünschenswert erscheinen lässt. Wir müssen also auch noch darauf warten, dass Frauen, den ihnen zustehenden Anteil an der Welt endlich einfordern und auch erhalten. Wenn diese Punkte durchgesetzt wurden, kommen wir vielleicht endlich wieder zur Geschwisterlichkeit.
An dem Begriff Partnerschaft, als Synoym für  Gleichberechtigung bzw. scheinbare Gleichwertigkeit stört mich, dass er eigentlich ein so durch und durch patriarchales Ding ist. Ich kann zwar grundsätzlich den Sinn hinter dem Bestreben, das Wort Ehe oder Beziehung durch den Begriff der Partnerschaft zu ersetzten, verstehen - aber bedeutet das wirklich ein gleichwertiges Miteinander von Mann und Frau? Denn zuerst ist es die ungewisse Kombination zwischen einem fremden Mann und einer fremden Frau. Fremd im Sinne von “nicht verwandt sein”! Die einst matrifokal lebende Mensch wird genötigt sich nicht mehr als soziales, sondern als autonomes Lebewesen zu begreifen und in eine Paarbeziehung zu begeben, die wertig über jeder verwandten Herkunft steht. War ein paar Jahrhunderte lang die verbindliche, bis in den Tod reichende Ehe, der bindende Kodex für die Frau, ist heute die freigewählte Partnerschaft für sie ein Menschenrecht.
Wir lieben es Partner zu sein. Partnerschaft hört sich solide an, verbreitet eine Aura von verlässlichem Miteinander. Aber von der eigentlichen Bedeutung her, hat Part(ner) nichts mit Gleichberechtigung oder -behandlung zu tun, sondern bezeichnet erst einmal nur eine Teilhabe an derselben Sache. Beispielsweise ist ein Part auch eine Rolle oder ein Gesangsstück für einen Künstler - ihre/seine Beteiligung an einem gemeinsamen Prozess, an einem größeren Ganzen. Bei einer Partnerschaft kommen Menschen per Bereitschaftserklärung im Sinne einer Sache zusammen, um sich an einem gemeinsamen Projekt oder Geschäft oder eben auch einer Beziehung zu beteiligen. Über eventuelle Gleichwertigkeit oder Gleichwürdigkeit sagt das erst einmal nichts aus.
In einem gewöhnlichen Geschäft bedeutet das auch, dass es Teilhaber gibt, aktive oder auch stille. Die Grundlage in einer wirtschaftlichen Partnerschaft ist der Geldwert, die Einlage in das Unternehmen oder Produktionsmittel eventuell die eigene Arbeitskraft, die in den Geldwert umgerechnet wird. Die Teilhaber bestimmen wie sich ein Unternehmen gestaltet und entwickelt. Somit ist auch nicht jeder, der in einem Unternehmen arbeitet, ein Partner. Das Partnersein betrifft nur die Verantwortungsträger, also die Inhaber oder Entscheidungsträger. In einem Unternehmen zu arbeiten (eine Erwerbsarbeit auszuführen) ist Lohn- bzw. Mitarbeiter vorbehalten. Die bedingte Beteiligung, also das Mitmachen-Dürfen kann jederzeit (abrupt) enden. Ein Unternehmen ist an einen gewissen wirtschaftlichen Erfolg geknüpft, weniger an die Zufriedenheit und das Wohlbefinden der Entscheidungsträger und schon gar nicht der anderen Mitarbeiter.
Ganz anders geht es dagegen im „Unternehmen“ einer (privaten) Partnerschaft (die heutige Form der Normveranstaltung für Ehe und andere Lebensgemeinschaften) zu. Hier spielt der individuelle bzw. gemeinsame Wohlfühlfaktor eine wesentliche Rolle und das Drehbuch enthält alle Klischees der romantische Liebe. Den geldwerten Erfolg und das wirtschaftliche Gelingen einer solchen Lebensgemeinschaft einzukalkulieren und zu beachten weist, zumindest dem momentan vorherrschenden Anspruch nach, auf einen Mangel an bedingungsloser Liebe und Vertrauen hin.
War in der Vergangenheit der letzten Jahrhunderte eine Ehe durchaus ein wirtschaftliches Unternehmen in dem der weibliche Part manchmal nur die eigene Person als Einlage (Arbeitskraft und Mutterpotenz) einbrachte, ist die heutige (Paar)Beziehung als gemeinsames Unternehmen ein relativ neues Geschäftsmodell. Hier ist die Geschäftseinlage die Idealvorstellung von gegenseitiger dauerhafter Liebe, die alles überwindet und als Garant für Glück gilt. In der Alltagspraxis wird als Ausdruck dieser Liebe ein bedingungsloses Zueinanderstehen und Vertrauen, ein immerwährendes (sexuelles) Begehren und nicht zuletzt ein komplizierender Treueanspruch erwartet und gefordert.
Zwei Menschen, die auf Grund der vorherrschenden gesellschaftlichen Spielregeln als alleinstehend* gelten, schließen also sich zu einer Partnerschaft zusammen. Bisher galt das offiziell und vorzugsweise für jeweils Vertreter beiderlei Geschlechts, also um eine Hetero-Kombination. Ich vernachlässige mal all die anderen Spielarten der Zuneigung und richte mein Augenmerk auf Mann und Frau, denn sie sind die Vertreter, die in Zukunft generell Partnerschaftlichkeit in die Welt tragen sollen – und zwar halbe-halbe! Die Hälfte der Arbeit, die Hälfte der Verantwortung, die Hälfte des Gewinns, die Hälfte des Glücks. Spätestens jetzt müsste uns auffallen, dass das irgendwie nicht wirklich hinhaut und auch mir kommen immer wieder starke Zweifel wie je umgesetzt werden kann, besonder wenn ich lese, dass wieder mal ein Partner seine Partnerin umbrachte. In der gesamten patriarchalen Vergangenheit existierte keine bekannte Epoche in der humane Partnerschaftsgedanken im Sinne von Menschlichkeit und Geschwisterlichkeit, die Kultur prägten und sich dabei auf ein alltägliches Miteinander von (nichtverwandten) Frauen und (nichtverwandten) Männern bezogen. Das herbeigesehnte Partnerschaftsideal wird in der Gegenwart nicht mal Ansatzweise umgesetzt.

(* ohne einen anderen Anspruch erhebenden Partner, unabhängig von anderen Sippen/Familienmitgliedern)

In einer persönlichen Lebensgemeinschaft gibt es keine tariflich vereinbarten Arbeits- und Pausenzeiten, keine Stechuhr, keine Gehaltsabrechnung. Nur am liebsten Liebe bis ans Ende aller Tage - „gemeinsam alt werden“ ist heute die gängige Wunschvorstellung - als Äquivalent zum einstigen Ehecredo: “...bis dass der Tod uns scheidet!” In jedem Liebesgeschichtenanfang schwingt auch immer diese Sehnsucht mit, die heute zu unserem Alltag gehört seit wir Teenager sind: nie mehr allein sein müssen – mindestens einen Menschen an unserer Seite haben, der immer für uns da ist und wir keinen emotionalen Mangel leiden müssen.
Es ist ein Dogma unserer Moderne, sich so früh wie möglich 'abzunabeln', dass heißt unsere Familie (genauer unsere patrilokalen Herkunftsangehörigen), zu verlassen um uns einen Lebenspartner zu suchen und ein „eigenes“ Leben zu führen. Seitdem sind wir permanent im Zugzwang. Wir suchen den idealen Partner, möglichst das wunderbare Wesen, dass das Schicksal uns vorherbestimmte. Denn, so heißt es im allgemeinen, je inniger und partnerschaftlicher es in einer solchen Verbindung zugeht, desto größer sind die Chancen, dass dieses Konstrukt ein Leben lang hält. Aber „partnerschaftlich“ bedeutet eigentlich im Sinne der Sache handeln, nicht zwangsläufig im Sinne der/s Anderen.
Partnerschaftliches Agieren ist vielleicht ein gutes wirtschaftliches Konzept, aber meiner Meinung nach nicht lebenstauglich, im Sinne von fürsorglich, empathisch, beständig, verlässlich und konsensbereit. Das wird um so deutlicher, wenn sich diese private Co KG um mehrere kleine Personen erweitert (andere erwachsene Mitglieder kommen in der Regel ohnehin auf gar keinen Fall in die partnerschaftliche Paargemeinschaft rein, höchstens temporär oder als exotische Ausnahme). Denn zuvor bedeutete „partnerschaftlich“ im ökonomischen und gesellschaftlichen Sinn nicht, dem Partner mit Nachsicht, Wohlwollen und Liebe zugetan zu sein. „Partnerschaftlich“ auf das persönliche Miteinander der Geschlechter anzuwenden ist relativ neu.
Partnerschaft ist ein etablierter patriarchaler Begriff. Einen Partner haben, kennen wir auch aus der, uns durch hunderte Bücher, Filme und Serien bekannten Heldenmythologie von der Antike bis in unser Neopatriarchat. Diese Narrative gipfelt darin, mit einem Partner mehr Zeit als mit der eigenen Familie zu verbringen  ... oder im Zivilisationsdschungel mit ihm durch dick und dünn gehen. Für ihn sogar das eigene Leben zu riskieren ist obligat. Ja als Partner wird manchmal sogar ein Gegenspieler bezeichnet. Jedenfalls alles sehr untaugliche Vorstellungen um sie auf eine alltagsbeständige Beziehung mit Frau und Kind zu übertragen, finde ich.
All diese Kumpelgetue, die sich auf die maskuline Art bezieht, mit Nichtkonkurrenten umzugehen, ist für mich eine eher gruselige Vorstellung im Zusammenhang mit dem Tagesgeschäft einer privaten, kinderbezogenen und häuslichen Lebensgemeinschaft. Die Partnerin eines Mannes zu werden, bedeutet hier auch immer sich auf die etablierte männliche Verständnisebene zu begeben.
Ich habe in einer Ehe gelebt (die auch da schon wahlweise als Beziehung oder Partnerschaft bezeichnet wurde), als Partnerin habe ich mich eigentlich nie gefühlt. Da ich anfangs in meinem Verständnis noch als klassische Ehefrau agierte, die (ausschließlich) das persönliche Wohl ihres Gatten im Sinn zu haben hat, änderte sich diese Aktionsbühne für mich mit der Geburt meiner ersten Tochter. Stand ich vielleicht zuvor unter dem Eindruck, ich erfülle (spiele) meinen Part, fing jetzt mein Leben an.
Mutter sein, ist eine ganz andere Dimension als Partnerin zu sein. Ich fühlte, anfangs nur diffus, das Partnerinnenimage war nicht mehr meine Aufgabe, wenn ich meinen Kindern gerecht werden wollte. Von Seiten meines Mannes und dem Vater der Kinder stellte sich zwar zum Teil auch diese urbrüderliche Unterstützung ein, die eine Ahnung von sippenhaften Lebens aufkommen ließ, das allgemeine, männliche Rollenklischee stand ihm jedoch selbst ständig im Weg.
Den Mann als solches, als Liebespartner, als Vater der Kinder, als besten Freund, auch als Haustyrann zu sehen, ist stets akzeptabel, ihn unter dem Aspekt der Brüderlichkeit wahrzunehmen, ist immer noch verpönt. Dabei ist seit Anbeginn der geschwisterliche Zusammenhalt die Grundformen des sozialen Zusammenlebens, die Schwesterlichkeit , aber auch die Brüderlichkeit. Und Geschwister haben in der Regel nicht diesen totalitären Anspruch den Ehemann/Partner in die Beziehung trägt. Partnerschaftliche Erwartungen (ohne Liebesgefühle), an einen Vertreter des anderen Geschlechtes, bleiben in der momentanen gesellschaftlichen Art des Umgangs der Geschlechter eher ohne Echo. Genau genommen ist es, bei der immer noch gut etablierten Frauenverachtung allerorten, fast nicht vorstellbar, die prinzipielle gegenseitige, menschliche (geschwisterliche) Achtung und den dazu gehörigen Gemeinsamkeitssinn von Seiten des Mannes zu erwarten bzw. zu bekommen.
Wir Menschenkinder sind einzigartige Individuen, die in (matrifokaler) Geschwisterlichkeit ihr Leben beginnen, die eine grundlegende geschwisterliche Fürsorglichkeit als Starterpaket mitbekamen und denen die patriarchale Moderne diesen Überlebensdrang abtrainiert. Statt dessen gibt man uns Fremde als Partner zur Seite.
Die Paarbeziehung als dauerhafte Lebensgrundlage ist ein künstliches Konstrukt, dessen Regeln heute immer noch von außen nach innen in die jeweilige Beziehungskiste getragen werden. Es war und ist die exklusive “Bindung” einer Frau an einen Mann, aus Prestige oder wirtschaftlichen oder politischen Interessen. Die romantische Liebe, als sozusagen einzige Grundlage einer Dauerbeziehung, konnten wir inzwischen als eine relativ junge Erfindung der Patriarchose identifizieren. Die beiden Einzelpersonen, aus denen das Paar besteht, streben aus ihren herkömmlichen verwandten Zusammenhängen heraus und nach dem Motto: “unsere Liebe gegen den Rest Welt”, starten sie in einen Status, der sich als der Klassiker Familie etablieren soll und als kleinste Zelle des Staates gehandelt wird.
Mit dem Beginn der Industrialisierung stellte sich der Standard von Groß-Familie auf Klein-Familie um. Der wesentliche Eckpunkt blieb, dass weiterhin für jeden Mann verlässlich eine Frau zur Verfügung stehen sollte. Der Mann widmet seine Lebenszeit der Erwerbsarbeit und zu Haus wartet eine Frau auf ihn – sie ist quasi der Inbegriff einer intakten Infrastruktur und die bequeme Voraussetzung der Lebensgestaltung eines Mannes, die jedoch nur funktioniert, wenn die Frau durchhält oder überhaupt mitspielt. In jener Zeit brauchte sich der Mann kaum Gedanken um Beziehungspflege zu machen. Die Frau war per Gesetzeslage und mit drohender gesellschaftlicher Ächtung an die Paarkonstellation bis an ihr Lebensende gebunden. Diese Vorstellung prägt auch heute immer noch das Handeln und Aushandeln von jedweden Paar-Beziehungen (gegenseitig mit einem Nichtverwandten). Die jeweilige Herkunftsfamilie steht neo-traditionell bedingt im laufenden Alltag beiden nicht mehr zur Verfügung, also bleibt nur die Partnerschaft eines Zweierpaars.
Nach allem was wir also über Partnerschaft wissen, bleibt noch die Frage: Was genau ist denn so arglos vorausgesetzte, erwartete partnerschaftliche Verhalten? Gibt es das überhaupt? Was sagen all die gängigen Synonyme dazu tatsächlich aus? Wir können im Ranking der modernen Wortspiele großzügig schwesterlich, brüderlich oder geschwisterlich neben partnerschaftlich stellen, aber sind sie tatsächlich damit identisch? Ich denke nicht!


Nachtrag: der Begriff konsanguin wird von mir als Bezeichnung für matrilineare Zugehörigkeit bzw. verwandt durch Geburt in mütterlicher Linie, verwendet...




06 Februar 2020

zur Entstehung des Patraiarchats

aus der Reihe "Vom Kommentar zum Blogpost"

Die Entstehung des Patriarchats als fehlgeschlagene Traumbewältigung nach „Naturkatastrophen“ einzuordnen, will mir nicht so recht einleuchten.


Sogenannte Naturkatastrophen sind erst einmal Ereignisse, die uns Menschen als Lebewesen dieses Planeten immer wieder betreffen und denen wir als Individuum vielleicht ausgeliefert, an die wir als Spezies jedoch angepasst sind. Die uns umgebenden Naturgewalten gehören zu dem Ambiente, das unsere Lebensbedingungen von Anbeginn ausmachte.
Denn während einige Menschengruppen mit reißenden Flüssen, bebenden Bergen oder Vulkanausbrüchen zu kämpfen hatten, zogen andere an ruhigen Gestaden entlang, lagerten an grünen Hängen und lebten in der fruchtbaren Vielfalt der Pflanzenwelt am Fuße eines ruhenden Vulkans. Auf der einen Seite der Erde richteten sich Gruppen in der Herausforderung der Eiszeit ein und in anderen Gebieten lebten sie nach wie vor in Matrifokalen in wirtlicher Umgebung und unter wärmender Sonne. Einige mussten eventuell mit Wüstenbildung zurecht kommen, andere Monsun und Überschwemmungen bewältigen.
Als Menschenspezies sind wir an Naturereignisse angepasst und somit an diese gewöhnt. Was uns nicht umbrachte, machte uns als kollektiv lebende Spezies klüger, umsichtiger und stärker - unsere Resilienz ist ebenso wirksam wie anderer Säugetierspezies.
Ganz anders die nicht naturgemäße (inhumane) Gewalt.
Diese Art der Heimsuchung kulminiert darin, dass sich innerhalb der eigenen Spezies erst unverhofft und später ein weitreichend bedrohliches, soziales Klima entwickelte, mit dem ein jedes Individuum ab jetzt im Alltag als unberechenbare Gefährdung leben muss.
Diese einst spontan, lokal und unaufhaltsam aufgetretene psychopathologische Bedrohung mütterlicher Grundordnung (in unserer biologischen Matrifokalität) innerhalb unserer Spezies, ist nicht mit den Auswirkungen von Sturm, Hagel oder Blitzschlag zu vergleichen. Eine gut gebundene Angehörigengruppe wird in der Regel individuelle oder kollektive Traumata, ausgelöst durch Unfälle in der Natur, entsprechend verarbeiten und als Erfahrung bzw. als Prävention überliefern.
Eine Horde Räuber oder Krieger, die blutige Überfälle zwecks Raubzüge inszenieren oder gleich die ihnen fruchtbar scheinenden Gebiete erobern, sind nicht vorhersehbar wie die meisten Wetterphänomene. Sie sind nur abzuwehren oder zu bekämpfen, wenn man ihnen in ähnlicher Weise begegnet. Ist der, durch den Menschenmann gemachte, Gewaltkreislauf erst einmal eröffnet, gibt es kein Zurück mehr. Individuell ausgeübte Gewalt ist ein anerkanntes Geschehen innerhalb der strukturellen Gewalt bestimmter Kultur- und Gesellschaftssysteme - mit sogenannten Naturkatastrophen sind sie nicht wirklich vergleichbar.

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07 Dezember 2019

"Kein Bock auf Steinzeit…"

Wenn Frauen äußern: "Kein Bock auf Steinzeit…", dann verzweifle ich nicht nur an unserem Schulsystem, sondern auch an dem weiblichen Verständnis von Natur. Es ist leider nicht das erste Mal, dass ich wie hier einer Meinung zu der zutiefst missverstandenen Steinzeit begegne. Gern wird die Steinzeit als Metapher für Rückwärtsgewandtheit und ewig gestriges Denken verstanden. Schon seit längerem begegne ich immer wieder dem Grusel der modernen Frau vor der Steinzeit bzw. deren salopp geäußerten Ansichten, dass uns das Beschwören der Steinzeit nicht retten wird. Dabei dürfte uns doch wohl klar sein, dass es eigentlich nicht um die kargen, äußeren Attribute einer Alltagsgestaltung in einem Steinzeitcamp geht. Wovon wir aber profitieren könnten wenn wir uns das Grundkonzept der Lebensgemeinschaften innerhalb des urmenschlichen Kontinuums näher ansehen.
Warum also wird oft so getan, als wäre "die Steinzeit", das viele Jahrtausendelange Paläolithikum und Mesolithikum, ein schlimmerer Ort für die Frau und Mutter gewesen als beispielsweise unsere Gegenwart? Das Gegenteil ist der Fall - wir wissen es schon lange. Denn da lebte die Mensch und ihre Sippe in matrifokalen Gruppen und das wiederum ist bekanntlich unser menschenartgerechtes Dasein, unsere angeborene Sozialstruktur in dem vorhandenen Naturgeschehen.
Das wirkliche Desaster begann als die Steinzeit durch die nächste Epoche abgelöst wurde und sich die Idee, den 'Vater' als Maß aller Dinge einzuführen, vom patriarchös infizierten Mann gewaltsam durchgesetzt wurde. Damit entstanden hierarchische Strukturen, mit denen Herrschaftsmacht etabliert wurde und hier, in der gewaltsam durchgesetzten Patriarchose entschied sich der unterworfene Status der Frau und Mutter ... bis heute!
Im auslaufenden Neolithikum und der waffenstrotzenden Bronzezeit sind wir bereits mitten drin und die Frau* bereits ihre körperliche Freiheit verlor, büsste (durch die Antike hindurch) grundsätzlich ihre Selbstbestimmung ein. 
Es sind die Zeitphasen ab denen die androzentrierte Herrschaft erstarkte, zur Unterstützung derer Lehren in Form von religiösen Ideologien verbreitet wurden und die allgemeine Verherrlichung des Maskulinen einsetzte.
Während mann die Frau (als Tochter und potentielle Mutter) versklavte, verheiratete und als Arbeitskraft für die Männerwelt hielt. Als Mutter wird ebenfalls bis heute ihre Gebär- und Fürsorgekraft ausgebeutet und reglementiert. Diese Geiselnahme des Weiblichen führte zu dem, heutzutage besonders wirksamen kollektiven Stockholmsyndrom, das neben der konditionierten prinzipiellen Unterwerfung auch verschiedene Spielarten der Prostitution beinhaltet, zu denen ich auch die klassische Ehe zähle.
Die patriarchalen Strukturen, die alle von uns so gut verinnerlicht werden und die bis heute unsere Kultur fest im Würgegriff halten, sind jedenfalls kein Bestandteil der Evolutionsphase, die so gern verächtlich als primitive Steinzeit abgewertet wird. Wir sollten mal überlegen was denn genau an dieser primären Entwickelungsphase abzulehnen ist? Der mangelnde technologische Fortschritt?
Das alchemistische Wunder der hemmungslosen Zerstörung der Natur auf Betreiben einer gierigen Machtclique?
Oder die fehlende inhumane Einteilung, die uns offenbar schon gar nicht mehr auffällt, in der wenige Eliten der Masse von Milliarden Menschen ganz offen und dabei langsam aber sicher die Lebensgrundlage entziehen?
Zurück in die Steinzeit was bedeutet es wirklich?
Zum Beispiel keine gesellschaftlichen Machtstrukturen.
Ein Leben im Matrifokal, dass frau sich allerspätestens dann als gut vorstellen kann, wenn sie sich als Großmutter einen offen Blick auf die momentane Situation der Töchter und Töchterstöchter dieser Welt bewahrt hat.

Und wenn jetzt wieder einige Angst haben hier werden Männer diskriminiert, dann möchte ich nur sagen, ich nehme es dem Patriarchat so was von übel, dass es nicht nur unsere Söhne zu potentiellen Gewalttätern formt, sondern auch billigend in Kauf nimmt, dass so viele nichts dabei finden, die konditionierte Akzeptanz der Gewalt auch auszuleben und sei es nur virtuell als Hater im Netz.
Auf der einen Seite das technologisch optimierte und damit zerstörerische Hochpatriarchat und auf der anderen Seite die naturbelassene Steinzeit.
Wäre gar nicht so schlecht, wenn wir tatsächlich wählen könnten!
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12 November 2019

Grundsätzliches zur sozialen Vaterschaft

Die soziale Vaterschaft ist eine sehr moderne Erfindung und ein Nebeneffekt der Tatsache, dass frau sich (auch als Mutter) heutzutage einen Partner wählen kann und nicht nur die Ehe als gesellschaftliches Muss im Nacken hat.
Der patriarchale Mann als Vater hatte von Anbeginn der von ihm gestalteten Patriarchose keine fürsorgerischen Ambitionen. Er fiel aus seiner natürlichen Aufgabe als Mutterbruder heraus. Selbst wenn dieser oder jener Mann auch eine liebevolle Beziehung zu einem Kind aufbaute (bitte in dem Zusammenhang das Wort Bindung nicht einmal denken), blieb er in einer Herrschaftsrolle, selbst wenn er als Mann* zur unteren Ebene der Hierachie zählte.
Der Mann in seiner Rolle als Vater (und hier ist es tatsächliche, eine Rolle), zelebrierte sich als der Besitzer des Kindes (und dessen Mutter) und bis vor ein paar Jahrzehnten schlug sich das noch ungeniert in unserer Gesetzgebung nieder.
Ich hoffe inständig, dass diese, derzeit noch diffuse Vorstellung von sozialer Vaterschaft sich nicht auf Dauer auf die gleiche gedankenlose Art etabliert wird, wie der Begriff Familie virulent ging. Aber ich fürchte, auch das soziale als Hervorhebung in bezug auf Vaterschaft wird ein rethorischer Selbstläufer werden. As Vaterschaft verstand man bisher die Tasache, dass ein Mann sich auf seine genetische Verwandtschaft zu einem Kind beruft, es bezeichnete seinen Status als Besitzer des Kindes. In der Moderne des westlichen Kulturkreis wird mehr denn je der soziale, sprich fürsogerische Aspekt einer Vateranwesenheit betont. Das ist jedoch nach wie vor nur bedingt verlässlich.
In dem ideellen Kunstbegriff der soziale Vaterschaft und in der Umsetzung dieser Neuerung, liegt sehr viel Unverbindlichkeit und Gedankenlosigkeit den Kindern gegenüber. Die Fluktuation der sozialen Väter ist relativ hoch. Jedem, auch kurzfristigen Lebensbegleiter/Partner einer Mutter wird in einer stillschweigenden gesellschaftlichen Absprache sofort die Würde des sozialen Vaters hinterhergeworfen und damit einem jedem betroffenen Kind eine unverhoffte Anpassungsleistung zugemutet. Es wird also vom Kind erwartet, das es sich von Zeit zu Zeit mit einer neuen Beziehungs- bzw. Betreuungsperson arrangiert (was sich gerade bei Töchtern verheerend auswirken kann). Diese sozialen Väter sind letzlich austauschbar. Es wird generell so getan, als müsste immer ein Mann als Vater in der Rolle eines sozialen Kompensator für alles Männliche im Leben eines Kindes vorhanden sein und selbstverständlich obendrein noch der genetische Vater. Ein deutlicher Überschuss an Vater-Energie wird spürbar und soll wohl auch sein, das gehört zu patriarchösen Grundausstattung, während Mutter-Energie in ihrer Wirksamkeit geleugnet wird.
Das Problem ist, dass sich die im Patriarchat gut konditionierte Frau ein Leben ohne einen Mann an ihrer Seite kaum vorstellen kann. Die tief sitzt die Konditionierung hin zur romantischen Liebe und der Paarungsfamilie wird außerdem ein Lebenlang durch alle Medien weiter befeuert. Daher nehmen die meisten Frauen immer noch an, ihrem Kind etwas Gutes zu tun, wenn die Planstelle Vater immer von einem (nichtverwandten) Mann besetzt wird, einem Partner, der auch den sozialen Vater mimt - alles um dem patriidiotschen Mainstream gerecht zu werden.
Denn leider ist noch keine Mutter im Patriarchat aus ihrer Geisel-Nummer raus und kann (darf) weder ihre Female Choice, noch die unantastbar sein sollende Mutter-Kind-Bindung, noch das Erbe der Matrifokalität selbstbestimmt leben ...

Stepanie Ursula Gogolin

06 November 2019

Das geteilte Sorgerecht als immer währende Mütterfalle

Was zuvor nie so krass im Vordergrund stand, wird derzeit durch verschiedene politische Einflussnahmen und den (scheinbar) daraus folgenden Gesetzesregelungen auf eine fatale Spitze getrieben, die bisherigen und durchaus ohne weiteres als Einzeloption genannten Subjekte Mutter und Vater, gibt es neuerdings und vor allem vor dem Gesetz nur noch als Doppelpackversion als Eltern.
Und nicht nur in bestimmten Gesetzeslagen, sondern der politisch korrekte Mainstream in seiner medialen Verbreitung kennt scheinbar nur noch das, auf ein bestimmtes Kind bezogene Elternpaar. Man feiert den neuen Glaubenssatz: die gewisse Vaterschaft ist vom Kind nicht mehr zu entkoppeln, da man sie jetzt auch nachweisen kann. Zwar nur etwas aufwändig im Labor, aber dort fast zweifelsfrei.
Diesen Triumph des patriarchalen Mannes gab es vorher nicht, da war nur die Mutter gewiss.
Der Vater, das installierte soziale Modul auf dem sich die Patriarchose gründet, war ein paar Jahrtausende mehr Spekulation als reine Gewissheit. Elternsein als gesellschaftsrelevante Zuständigkeit von Vater und Mutter, ist in den patriarchal geprägten Jahrtausenden in die Patrilokalität der angenommenen männlichen Abstammung eingebettet. Für jedes Menschenkind wurde die Beziehung zum angenommenen Vater ein primäres Merkmal, da der zugeordnete Vater als Besitzer des Kindes galt. Er konnte sich daher auch ohne weiteres vom Kind distanzieren oder sein Vaterschaft ganz leugnen und wenn er damit keinen anderen männlichen Interessen ins Gehege kam, blieb ein solches Verhalten für den Mann in der Regel folgenlos. Die prinzipiell rechtlose Mutter wurde jedoch in einem solchen Fall für das Wohl des Kindes allein verantwortlich gemacht, wenn es überhaupt jemanden kümmerte.
Diese (für Mutter und Kind im Grunde vorteilhafte) alleinige Verantwortung der Mütter wurde aus der Steinzeit bis in unsere Zeit herüber gerettet und als eine natürliche Bindungssymbiose hingenommen, anerkannt, ja später sogar glorifiziert.
Gestatteten die (patriopathischen) Verhältnisse (wie z.B. die Kriegs- und Nachkriegsjahre) eine vaterlose Kleinfamilienkonstellation, durfte die Mutter alleiniges Sorgerecht (mit Einschränkungen) ausüben. Der Kampf der modernen Väter ums Kind hatte noch nicht begonnen. Das Vaterrechtler-Syndrom - der Kampf ums Kind - lief erst so richtig vor ein paar Jahrzehnten an. Vorher war es möglich und sogar anerkannt, dass Mütter ihre Kinder allein aufzogen und kein patriarchaler Hahn krähte danach.
Aber plötzlich sprossen überall sogenannte entsorgte Väter aus dem Boden, die unter dem „nicht für ihr Kind sorgen zu dürfen“ furchtbar litten. Dafür dürfte der Hintergrund sein, dass der ganz normale Mann (der sich in der Regel selbst outsourct) den Mangel an Geborgenheit zu spüren bekam, der entsteht, wenn ein Erwachsener keinen rechten Anschluss an eine fürsorgende oder zumindest Identitätstiftende Gemeinschaft hat (es fielen/fallen im gesellschaftlichen Kontext immer wieder gut etablierte Männerbündnisse weg und wenn es nur eine Stammtischrunde war).
Aber jetzt gibt es nur noch die Kleinfamilie! Diese Miniversion einer Fürsorgegemeinschaft ist zwar immer noch besser als keine Quelle menschlicher, fürsorglicher Nähe-Energie, doch der erwachsene, sich autonom begreifende Mann braucht zum Leben ebenfalls den menschenartgerechten Geborgenheitseffekt. Und so dockt er einfach (in der Patriarchose) an die Grundeinheit des menschlichen Lebens an: an eine Frau und noch besser an eine Mutter und ihre Kinder.
Der eigentlich solitäre Mann partizipiert also weiter von der natürlichen Matrifokalität, auch wenn diese in der Patriarchose als soziales Kontinuum fast vernichtet wurde und nur noch rudimentär wirkt. Seine Eintrittskarte in die elementar vorhandene Bindungseinheit von Mutter und Kind war/ist seine (behauptete) Vaterschaft. War Vatersein zu Beginn des Patriarchats ein reines Herrschaftskonzept (Kongruenz von Vater und Herr), bringt sich der Mann der Neuzeit auch als mit-sorgendes Element auf partnerschaftlicher Basis ein. Der Vater als deklarierter „Erzeuger“ und damit Besitzer des Kindes, übernimmt im gesellschaftlichen Wandel der Moderne die Rolle eines sozialen Vaters. Auch wenn er nicht als leiblicher Vater des Kindes gilt, wird von ihm erwartet, dass er sich im Kleinfamilienverbund kümmert, die Paarungsfamilie wirtschaftlich erhält oder für das Kind zumindest Unterhalt zahlt bei aktueller Nicht-Partnerschaft zur Mutter des Kindes. Vor allem der geregelte Unterhalt ist eine gesellschaftlich determinierte Voraussetzung um Kinder aufzuziehen, gibt es doch, auch im aktuellen (anonymen) Hochpatriarchat, keine prinzipielle Absicherung von Mutter und Kind. Eine generelle wirtschaftliche Autonomie der Mütter ist im Patriarchat ohnehin nicht vorgesehen. Müttersippen sind verpönt und sozusagen "ausgestorben worden". Die Ausübung der Mutterschaft wird in der Normopathie der modernen Patriarchose als temporäre Phase in einem Frauenleben begriffen. Auf den Zug springen auch gern manche Feministinnen auf. Was in dem wirksamen patriarchalen Dogma gipfelt, prinzipiell eine Mutter in ihrer Selbstbestimmung einzuschränken und ihre umfassenden Verantwortung für das, von ihr geborene Leben durch die Vätergilde zu kontrollieren (hierzu gehört auch der Staat als solcher).
Da hat sich die Frau nun endlich bis zu dem Punkt frei gestrampelt, dass sie allein oder mit anderen zusammen wohnen und ohne eine männliche Aufsicht das Haus verlassen kann. Frau hat die Möglichkeit sich eigenständig zu bilden, einer Erwerbstätigkeit nachgehen und sogar einen Lebenspartner bzw. (nur) Sexualpartner zu wählen, ohne ins soziale Aus zu geraten oder in irgendeiner Weise geächtet zu werden. Frau kann Karriere machen oder politische Ämter bekleiden. Sie kann beispielsweise in jungen Jahren allein mit einer Freundin ein Jahr durch Neuseeland traveln und worken, ja sie kann sogar eine geliebte Freundin heiraten. Frau besitzt, das ist allgemeiner Konsens, einen gesellschaftlich gleichberechtigten Status. Sie kann daher auch jede Menge Sportarten betreiben und jedes nur erdenkliche Hobby pflegen. Sie darf Aktivistin sein und sich brisanten oder feministischen Polit-Themen zuwenden. Sie ermächtigt sich sogar selbst ernsthaft (auch außerhalb akademischer Weihen) zu forschen, zu schreiben und zu veröffentlichen. Sie kann andere Frauen (und Männer) an ihren Ergebnissen und Erkenntnissen teilhaben lassen und mit vielen Gleichgesinnten Patriarchatskritik und Aufklärung betreiben … aber sie darf immer noch nicht wirklich selbstbestimmt ein Kind bekommen und es ohne einen (Einfluss nehmenden) Mann, einen sogenannten Vater, allein aufziehen. Beziehungsweise, sie darf es jetzt wieder nicht mehr.
Das Bestreben jedem sogenannten genetischen Vater neuerdings automatisch ein (halbes) Sorgerecht einzuräumen, katapultiert eine jede Mutter wieder in das Sklaventum der patriarchalen Fremdbestimmung, die schon fast überwunden schien. Natürlich wird sie nach wie vor das Geschehen der Schwangerschaft und der Geburt als Person autark bewältigen und auch weiterhin auf die seit Urzeiten vorgesehene mütterliche, gemeinschaftliche Unterstützung verzichten müssen, aber dafür wird nun eine hundertprozentige Kontrolle durch einen Kindsvater eingeführt… ein gesellschaftspolitischer Backlash, wie er schlimmer nicht sein kann!

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12 Oktober 2019

Ist die Erde unsere Mutter?

Betrachtung zu dem gern gebräuchlichen Begriff Mutter Erde ...

Es wird Zeit, dass ich hier doch mal betonen, dass ich nicht sehr glücklich bin mit dem gebräuchlichen Terminus Mutter Erde! Auch wenn unzählige Frauen und darunter Koryphäen wie von Werlhof oder Göttner-Abendroth oder Armbruster, ihn benutzen, ist dieser Ausdruck für mich zu undifferenziert, zu ungenau, zu esoterisch - realistisch betrachtet schlicht weg falsch.

Wir, die natürlich entstandene Spezies Mensch in unserer Entwicklungsvariante Kulturmensch, leben in einem lebensfeindlichen Kosmos auf einem Materiebrocken, der sich laut Wikipedia massenanteilig zusammensetzt aus: Eisen (32,1 %), Sauerstoff (30,1 %), Silizium (15,1 %), Magnesium (13,9 %), Schwefel (2,9 %), Nickel (1,8 %), Calcium (1,5 %) und Aluminium (1,4 %). Die restlichen 1,2 % teilen sich Spuren von anderen Elementen.

Was in unserer Wahrnehmung die Erde als ein gesamt mütterliches kosmisches Element ausmacht, ist die Unmenge von vorhandenen (überwiegend weiblichen) Lebewesen. Sie machten/machen mit ihrer bloßen Existenz, ihrer Masse-Vermehrung, ihrem Stoffwechsel und Endresten den Planeten Erde erst zu einem 'bewohnbaren' Ort für alle autarken Lebewesen (innerhalb des Systems) und damit auch für uns, die Spezies Mensch.

Seit schätzungsweise rund 3,77 Milliarden Jahren gibt es auf dem Planeten das Phänomen, was wir Leben nennen und das besteht aus Lebewesen in Form von individuellen Organismen, die sich artenmäßig unterscheiden, aber einen gemeinsamen Ursprung haben. Die Ur-Organismen begannen, nach letztem Erkennnisstand, ihr Dasein im Ozean.
Das Leben selbst schuf beispielsweise durch unwillkürliche, sukzessive Wandlung der unmittelbaren Planetenbedingungen sogar irgendwann die (Leben)schützende Atmosphäre.
Wenn also der Klimawandel oder wie auch immer wir das Menschen-Mann gemachte Desaster bezeichnen wollen, die sogenannte Mutter Erde bedroht, dann sind erst einmal nur Teile der lebenden Spezies in ernsthafter Gefahr und die Spezies Mensch gehört leider dazu. Der Planet als solcher geht dadurch wahrscheinlich nicht unter - auch das Gesamtsystem des Leben nicht.
Diese Masse an Leben, welches die Gesteinskugel Erde (wie Plaque einen Zahn) überzieht, ist ziemlich resilient - siehe: Dinosaurier starben aus, eine noch vielfältigere Welt wuchs nach. Wahrscheinlich wäre das Phänomen Leben nur durch eine Planetenexplosion vollständig zu vernichten und wer weiß, wie oft das im All schon vor kam.

Bio in Öko auf Erdmaterie

Dieses unglaublich dichte Gewebe aus Myriaden von Organismen ist der eigentliche Mutterursprung, das Leben selbst. Und der Planet als solches, prosaisch ausgedrückt, (nur) die anorganische, leblose Trägermasse dieses Ökosystems. Daher bei allem Verständnis meinerseits für jedwede schwelgende Verklärung des Lebensbegriffes und der mystischen Zusammenfassung von Planet und Leben, wünschte ich mir doch, auch wir Frauen und Mütter würden in diesem Punkt differenzierter vorgehen.

Wie ich schon sagte, die Erde ist kein Gesamtorganismus, kein lebendes Wesen und weder denkt noch fühlt der Planet. Lediglich die existenten Lebewesen, die auf und in der Erdoberfläche, der Luft und in den Wassern dieser Welt vorhanden sind, bilden eine amorphe Masse, die aus Myriaden von Individuen besteht. Diese sind durch endlose gegenseitigen Abhängigkeiten auf einander bezogen und mehr oder weniger angewiesen. Sie sind das besagte Ökosystem, aber kein, in eine Hülle eingeschlossener, einheitlicher Organismus. Es gibt ein energetisches Zusammenwirken und den genetisch angelegten Drang der Anpassung des Individuum an die vorhandenen Bedingungen zu seinen Lebzeiten.Und die Bio-Masse der Lebewesen verstoffwechselte sich schon immer gegenseitig ... so ist es, das Leben!

Diese ganze, oft auch ideologisierte, Wertung durch den (Kultur-)Menschen, ist jeweils eine interpretierende Sichtweise von Individuen oder Gruppen - und kein Naturgesetz im Sinne des evolutionierden Geschehens. Gäbe es von jetzt auf gleich keine (hochintelligenten) Menschen mit abstrakten Vorstellungswelten mehr, würde alles weiterhin unter den Bedingungen, die gerade vorhanden sind, einfach vor sich hin existieren.Und keine Mücke oder Zebra oder Fliegenpilz würde sich vermutlich Gedanken über gegenwärtige und vergangene Existenzen machen, bis die nächste Spezies nachrückt, die Intelligenz als Überlebensstrategie entwickelt und dann hoffentlich sensibler mit ihrer Lebensgrundlage umgeht.

Es gibt imho keinen Geist unabhängig von Materie 

Ohne Materie, keinen Geist! Unsere lebendige Denkleistung findet in einem aus Materie bestehendem Organismus statt. Es gibt verschiedene Formen von Energie, die der forschende Mensch nach und nach erkannte und benannte, aber keinen kongitiven Geist außerhalb eines Organismus, deshalb sind auch alle vermuteten Gotteskonzepte bisher nicht naturwissenschaftlich nachgewiesen und das ist nicht nur meine persönliche Erkenntnis!

Dass im patriarchalen Ideologiekosmos der sogenannte Geist von seinem Entstehungsort (dem Gehirn) auf wundersame Weise abgekoppelt, sozusagen freigelassen wurde und sogar eine (absurde) Trennung zwischen Körper, Geist und Seele erfolgte, ist eigentlich nur ein äußerst ungeschickter Umgang mit der Form des abstrakten Denkens, das auf unserem körpereigenen Fühlen basiert

Die intelligente Mensch erarbeitete sich im Laufe ihrer Evolution eine soziale Ideenwelt
, die permanent zwischen den Individuen ausgetauscht wird. Das ist ein gut entwickeltes Überlebenskonzept unserer (aber auch anderer) Spezies. Diese Vorstellungswelten, entstanden und erhielten sich durch permanente (verbale und gesamtkörperliche) unmittelbare Kommunikation und im weiteren, durch den Austausch von Erfahrungen und Erinnerungen. Dieses staffellaufmäßig weitergereichte Denken ist das komplexe Erinnern in Zeit und Raum ... eine intellektuelle Leistung welche die Mensch stets vervollkommnete. Diese komplexen Erinnerungsformen und das Kommunizieren derselben gab/gibt es bereits bei anderen intelligenten Spezies.

Unser komplexes Kommunikationsvermögen mit dem wir in der Sphäre aller lebendigen (also biologischen) Wesenheiten dieser Welt in Kontakt stehen, ist ein in Millionen von Jahren ausbalanciertes System und dazu gehört unser unglaubliches Erinnerungspotential.
Erinnerungen sind nicht nur ein paar Bilder, die in unserem Hinterkopf vor sich hin warten, sondern sind als gespeicherte Erfahrungswerte die Komponenten des Überlebensprogramm unseres Gesamtkörpers und unter anderem dessen was man Zellgedächtnis nennt, die umgesetzte Epigenetik.

Der Körper eines jeden Lebewesen ist auf Erinnern ausgelegt. Unsere Erfahrungen, Erlebnisse und die damit verknüpften Gefühle sind in unserem Körper eingelagert, es gibt quasi kein Vergessen.

Besonders faszinierend finde ich immer wieder die Beobachtung, dass sich mit zunehmendem Alter scheinbar wie aus dem Nichts die Erinnerungsspeicher des Langzeitgedächtnisses öffnen. Als wollte all das aufbewahrte Wissen noch schnell wirksam die andren erreichen, bevor dieses individuelle Archiv endgültig geschlossen wird. Unsere Körper-Geist-Einheit hat verschiedene von der Natur angelegte Gedächtnisdepots, wie beispielsweise das sogenanntes Schmerzgedächtnis - das einzelne Lebewesen ist generell ein universeller Gedächtniskörper. Sich detailiert und komplex zu erinnern ist eine Spezialität des Lebens, also nicht nur unserer Spezies.

Durch unsere intensive und sozial ausgefeilte, personenbezogene Kommunikation, die unserer Menschenart eigen ist, transformiert sich das individuelle Wissen zu einem kollektiven Erinnerungsvermögen. Das Erinnern, eine den Lebewesen eigene Kraft, ist Teil der selektierten Überlebensstrategien. Die gesamte Sphäre des Lebens, das sich selbst organisierende Ökosystem, fühlt sich daher wie ein eigenes Universum an, aber existiert nur in der ungestörten Balance der vorhandenen Bedingungen.

Das große Universum in dem unser Planet kreist, besteht aus Formen von unbelebter Materie, dazu meint das Netz: "was ist Materie? - "Stoff, Substanz ungeachtet des jeweiligen Aggregatzustandes und im Unterschied zur Energie und zum Vakuum (besonders im Hinblick auf die atomaren Bausteine makroskopischer Körper)"

Also Energie ist auch im Spiel und (morphische!?) Felder, die alles zusammenhalten ... aber es wabert m.E. kein Geist dazwischen herum, es sei das Universum ist ein riesiges Gehirn - aber hier streikt mein pragmatisches Vorstellungsvermögen...

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20 September 2019

...verliebt in die Liebe?

Das Patriarchat hat in den letzten paar Jahrtausenden verschiedene Ideologie-Gesellschaften geschaffen, in denen die Frau je nach kulturellen Zeitgeist, aber immer passgenau, in Männerbedürfnisse und -fantasien eingelassen wurde. Das ist nach wie vor gängige Praxis.
Aber die, in die Märchenliebe, Pardon, in die Pärchenliebe dauerverliebte Frau bekommt das nicht immer mit. Heutzutage ist mehr denn je die aktuelle Masche als eine Ablenkung von menschenartgerechtem Dasein, der zur Kunstform erhobene Glaube an die romantische große Liebe. Das ganze ist zwar erst in dieser Ausprägung wenige Jahrhunderte alt und galt lange nicht für Jedermann und schon gar nicht für jede Frau. Aber dafür ist es heute um so schöner sich vorzustellen, dass es ein Grundkonzept des Menschseins ist, einen geliebten Menschen ganz für sich alleine zu haben und alle anderen nicht mehr zu brauchen. Diese Form der absurden Gehirnwäsche sitzt erstaunlich tief und lässt Frauen vieles auf sich nehmen und unglaubliches Leid ertragen. Doch wie gesagt, dass ist die eher moderne History. Die eigentliche Herstory im Zeichen patriarchaler Überschattung sah ganz anders aus.
Vor unserer Moderne befand sich die Frau* innerhalb des patriarchösen Systems weitgehend in einem allgemein praktizierten Sklavenstatus unter willkürlicher (männlicher) Fremdbestimmung. Sie war Eigentum des Vaters oder ihres (Ehe)Mann (Herrn). Oft war sie auch nur das Mündel ihres Bruders oder anderer männlicher Verwandter. Die Frau wurde gehandelt – geraubt, verkauft, verheiratet, verliehen, gezwungen sich zu prostituieren oder ihr Leben in Keuschheit zu verbringen. Das naturgemäße Leben im fürsorgendem Sozialverband der artgerechten Matrifokalität war einer permanenten Geiselnahme der Frau* gewichen. Jedoch das unattraktive Bild der Sklavin wurde nach und nach modifiziert, aufpoliert und umdekoriert, um einen freien Anstrich zu erwecken und das führte geradewegs in ein romantisiertes bürgerliches und später liberal individualistisches Frauenbild, das jetzt als anerkannte Schablone für jedefrau dient.
War die Zweier-Paar-Bildung bis vor kurzem noch eine Konvention auf Lebenszeit, darf jetzt in serieller Monogamie immer wieder der/die richtige Lebenspartner/in gesucht werden. Es muss nur die Paar-Idee eingehalten werden - das unbedingte, wenn auch fragile Bündnis zwischen zwei fremden (nichtverwandten) Menschen, die ihre Liebe auf einem (möglichst andauerndem) sexuellem Begehren errichten und dabei den/die Partner/in in die Pflicht nehmen die essentiell gebrauchte, angehörige Fürsorgegemeinschaft zu ersetzen. Diese Form der Fürsorgegemeinschaft, das urtümliche Matrifokal, existiert in der derzeit wirksamen patriarchalen Kulturgesellschaft nicht mehr. Entsprechend groß ist der allseits vorhandene Mangel - an Geborgenheit, an Intimität ohne sexuellem Druck, an Zugewandheit und weiblicher Selbstbestimmung.
Das Zweierideal wird weiterhin hingebungsvoll gepflegt und wo es nur geht medial untermauert, damit nicht vielleicht der Gedanke aufkommt, dass zu einem erfüllten Alltagsleben mehr als nur ein/e sogenannter Partner/in und ein bis x Kinder gehören. Die patriarchale Androkratie versuchte so einen Lebensstil zu etablieren, der jedem Mann mindestens eine Frau garantiert, die seine Bedürfnisse erfüllt. Der Bund fürs Leben war primär bindend für die (einzelne) Frau. Ein sozialer Käfig und damit Kontrollinstrument, um ihre Arbeitskraft, ihre Sexualität, ihre Gebärfähigkeit, ihre Mutterkompetenz und ihr gesamtes energetisches Potential auf das Wohle des Mannes hin zu kanalisieren.
Egal welchem Lebensentwurf eine Frau heute folgt, sie bewegt sich in den vorgezogenen Linien eines für sie kreierten Hüpfkästchenspiel, in dem sie ihr Leben lang herumspringen kann/darf/soll. Und dessen Regeln sind streng … nicht über die Striche treten, sich immer schön innerhalb der sichtbaren und sogar unsichtbaren Grenzen bewegen und so dieses kräftezehrende Spiel mit allen Gefühlen und Sehnsüchten und unerfüllten Bedürfnissen hingebungsvoll zu zelebrieren, um den romantischen Idealen und der gesellschaftlichen Deadline der Anpassung gerecht zu werden. Selbst wenn der harte Alltag der Frau und Mutter über ihr zusammenschlägt, sie hält in der Regel an der Vorstellung fest, in der von der Belohnung durch die Liebe eines anderen (fremden) Menschen, der ihren Weg kreuzt, die Rede ist. Und da alle ähnliche Erwartungen hegen und als zutiefst bedürftige Menschen reagieren, wird auch kaum ausprobiert, was wäre wenn! Zum Beispiel, wenn wir als weibliche Menschen uns auf unsere Ur-Natur besinnen würden. An dieser Stelle darf gern jede weiterspinnen, wie das sein könnte!
Wir können uns heute noch so sehr vormachen, dass wir eine Art Recht auf erfüllende Liebe (eines Mannes oder Frau) haben. Dass wir für die Liebe in einer Zweierkonstellation, im Sinne von gemeinsam alt werden und bis uns dann der Tod scheidet, geboren wurden, dass das schon immer für die Frau die Normalität eines Menschenlebens sei … ist es nicht.

19 September 2019

Die Virulenz des Backlash

Vieles von dem, was uns an patriarchös kontaminierten Gedankengut umgibt ist toxisch und quasi hochansteckend. Ob es sich dabei um gängige Narrative, banale Klischees, politische Meinungsmache, gedankenlose Spekulation, gezielte Lügen, tradierte Dogmen, esoterische Geheimniskrämerei, mythische Halbwahrheiten oder die, der Unterhaltung dienenden, harmlos erscheinenden aber nicht zu unterschätzenden medial aufbereitete Fantasy handelt.
All diese, dem Ideologiekosmos der Pariarchose entsprungenen Beschäftigungstheorien, umspinnen die Frau mit den klebrigen Fäden patriarchöser Manipulation. In dieses bestehende System hinein sozialisiert, lebt die Frau, für gewöhnlich getrennt von ihren Wurzeln, in einer tatsächlichen Utopie. Einem Ort, den es nicht gibt.
Sie ist umgeben von Zielsetzungen, die nicht die ihren sind und die ihr, selbst wenn sie sie erreicht, nicht gut tun. Ob die Vorstellung von der romantischen Liebe oder das Ideal einer Gleichberechtigung mit dem Mann, alles liegt ziemlich weit oder knapp neben dem wirklichen Leben und wir erfahren es spätestens hautnah, wenn wir in dieser Welt Mutter werden und mutterseelenallein unser Kind versorgen und aufziehen dürfen. Ein anwesender Vater ist nur eine Pseudo-Unterstützung, was uns fehlt ist nach wie vor die matrifokale Müttergemeinschaft.
Dafür werden wir im Alltag abgelenkt und überrollt von der permanenten Präsenz virtueller Gebilde, die farbig grell und zuckersüß oder knallhart und gewalttätig, uns und unsere Kinder in Parallelwelten ziehen.
In den neuen virtuellen Medien, in der etablierten Literatur und mehr denn je, durch die bewegten Bildern der Film- und Fernsehindustrie werden Meme verbreitet und ein Weltbild festgeschrieben, dass der Frau (und dem Mann) unausweichlich erscheint. Einer schweren Erbkrankheit gleich von der es keine Heilung gibt.
Jede Form von Heilung oder dem Versuch zu einem gesunden Ur-Kontinuum des Zusammenlebens zurückzukehren, wird sofort durch die bestehenden Mechanismen der Profiteure des Systems unterlaufen. Ernsthaft angedachte andere Konzepte werden verhindert und jede Art von Aufklärung in ihren Grundaussagen erschüttert.
Eigentlich sollten sich alle Frauen darüber klar werden, dass wir bereits bis zu den Haarspitzen erneut in einem patriarchalen Rollback stecken, deren erste katastrophalen Auswirkungen sich so vielfältig zeigen, dass wir sozusagen den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen. Wieder einmal.
Dieser regelmäßig auftauchende Rückschlag, der immer dann einsetzt wenn Frau gewisse Freiheiten erlangt oder die Option eines selbstbestimmtes Leben erhält, setzt sich aus verschiedenen Komponenten zusammen, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben und als Gesamtereignis offenbar unerkannt bleibt. Die vielen kleinen und großen gesellschaftsrelevanten Gegenmaßnahmen zur Verhinderung von Patriarchatsverlust, treffen in erster Linie die Frau und Mutter. Und sie treffen sich alle in dem einen Punkt: die Privilegien der Patriarchen, des (Alpha)Mannes, zu retten und wieder zu festigen. Kollateralschäden werden unberührt in Kauf genommen.
Die liberale Tendenz einer politisch friedfertigen Gesellschaft (derzeit in D gerade mal vierundsiebzig Jahre) führt dazu, dass früher oder später die gleichberechtigte Frau wieder automatisch ihren Weg als die Verantwortungsträgerin der Gesellschaft findet, ein naturgemäßer (matrifokaler) Effekt. Wenn die Bedingungen stimmen, nimmt sie als Mutter in der persönlichen Verantwortung ihrer Female Choice, ihren Platz als die Hüterin gegenwärtiger und zukünftiger Generationen ein und praktiziert als solche im Alltag der MenschenGemeinschaft.
Leider fühlt sich 'das patriarchale System' durch das weibliche - empathisch-kooperative - Sozialverhalten vor allem in Hinblick auf den Nachwuchs und von dem intellektuell vorausschauenden sowie rückschauenden (das naturgemäß Spirituelle) Potential der Weiblichkeit in einer Weise bedroht, dass jedes mal früher oder später eine, meist harmlos beginnende, Welle verheerender Gewalt losgetreten wird.
Die wenigen Männer, die heute bereits eine Naturalistische Humanität vertreten und ebenfalls eine gerechte und friedfertige Gesellschaft anstreben, sind leider nicht bereit, sich vorbehaltlos, also generell und offen an die Seite der Frau und Mutter zu stellen – in einem Patriarchat gibt es das nicht, weder in der Vergangenheit, noch in der Gegenwart und Zukunft.
Gerade in den modernen philosophischen Werken findet Weiblichkeit quasi immer noch nicht statt und die generativen Weitergabe des ideologischen oder auch schon naturgemäßen Lebenssinns wird gern ohne die Mutter bzw. die Frau als solche (Mutter, Großmutter, Tochter, Schwester) zelebriert. Daher würde ich meinen, auch hier findet immer wieder ein patriarchaler Backlash statt, obwohl von den Autoren eine Art Paradigmenwandel bereits angedacht wird. Leider kommen sie selten über die vielgepriesene Brüderlichkeit hinaus und kaum einer verfällt auf die urnatürliche Geschwisterlichkeit.
Den meisten Frauen fällt dieser Widerspruch so gut wie nicht auf und eine antrainierte fatalistische Haltung macht es ihnen unmöglich die ständigen Rückschläge als solche zu erkennen oder gar aufzuhalten. Die heutzutage, inzwischen als toxisch beschriebene Männlichkeit macht sich gerade wieder überall breit. In den soziale Medien (Social Media) wächst eine unglaubliche Verrohung im Umgang mit Mitmenschen heran, der von keiner Seite so recht Einhalt geboten wird. Besonders die Frau steht im Fokus haltloser Bedrohungen und das senkt die Hemmschwelle tatsächlicher Handlungen. Wir bekommen ein gesellschaftliches Klima, das bekannt ist aus der Zeit, da Gewaltexzesse beim anerkannten (körperlichen) Kräftemessen unter Männern nicht nur die Hierarchie justierten und die nebenbei auch der Reglementierung von Frauender dienten ... alles sanktioniert durch eine jeweilige Herrschaftsmacht.
Heute
findet dieses Kräftemessen weitgehend verbal und überwiegend im virtuellen Raum statt. Ebenso das Zurechtweisen weiblicher Sichtbarkeit und Äußerungen. Dadurch werden diese Foren in den sozialen Netzwerken für Frauen ebenso unattraktiv und fast so gefährlich, wie die öffentlichen Räume, in denen es stillschweigend gesellschaftlich akzeptiert wird, die Selbstbestimmung der Frau zu ignorieren, sie in die sozialen Konditionierungen jedweder patriarchöser Art zu pressen oder der Frau* nach wie vor Gewalt anzutun. Die mehr und mehr enthemmte sexualisierte und verachtende Einstellung Frauen gegenüber finden wir in fast allen Medien als latent akzeptierte Rape Culture, als generelle Objektivierung der Frau sowie in der Tendenz der Entkriminalisierung der Prostitutionsförderer und ihrer Profiteure, was wiederum den „Wirtschaftszweigs Menschen- bzw. Frauenhandel“ festigen und erweitern kann.
Doch das ist noch nicht alles.
Die immer weiter vorangetriebene Vernichtung der Mütter ist
einer der Hauptmarker des modernen und aktuellen Backlash. Die Mutter befindet sich immer noch in der Geiselhaft der Vätergesellschaft. Sie soll mehr denn ja als Dienstleisterin der Gesellschaft fungieren. Es wird erwartet, dasss sie ihr körperliches Knowhow, also ihre menschlich-mütterliche Kompetenz, Jedermann zur Verfügung stellen. Den Vogel schießt hier die Leihmutterschaft ab, die inzwischen als absolut normal, da medizinisch machbar, betrachtet wird. Die nach wie vor aktiv virulente Patriarchose vergiftet nicht permanent nur unsere Gegenwart, sondern immer auch gleich unser Zukunft mit, also die unserer Töchter und Söhne und Kindeskinder...

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